Die Woche von Köhler, Krupp und Geithner
28. März 2009, 08:32
Uhr
Es war die Woche der Krupps. Der Dreiteiler im ZDF mag nicht richtig gut
gewesen sein, aber die Geschichte dieser Familienunternehmer ist so
interessant, dass selbst eine mittelmäßige Umsetzung im Fernsehen zum
Publikumserfolg wird - und stets mehr als sechs Millionen Zuschauer anzieht.
Dem einen oder anderen von ihnen wird es aufgefallen sein: Nicht selten
brauchten die Krupps Hilfe vom Staat, um zum Mythos werden zu können. Zudem gab
es manche Diskussionen um die Erbschaftsteuer. Die Schwierigkeiten von (Familien-)Unternehmen
sind offenbar doch recht zeitlos.
Die Krupps genossen unter ihren Mitarbeitern aber stets hohes Ansehen,
denn sie lebten für ihr Unternehmen - und sorgten sich um das Wohl ihrer
Angestellten. Niemals wäre man auf die Idee gekommen, ihr Haus oder ihre Autos
mit Steinen zu bewerfen, so wie es der frühere Vorstandsvorsitzende der Royal
Bank of Scotland in dieser Woche erleben musste.

Ein Krupp im Kreise dankbarer Angestellter. Aus dem ZDF-Dreiteiler. Foto: ZDF
Auch in Frankreich und in Amerika weht Managern, die Milliarden verloren
haben, sich vom Staat retten lassen müssen und nun noch immer hohe Boni oder
Gehälter kassieren, ein eisiger Wind entgegen. Dabei wird nicht immer darauf
geachtet, ob die Vorwürfe berechtigt sind - zu naheliegend sind populistische
Vorwürfe durch Politiker und Staatsanwälte, die damit eine Treibjagd auch auf
die Familien der Betroffenen eröffnen.
Ob Köhlers Worte etwas nützen werden?
In Deutschland geht es gesitteter zu. Hier hat Bundespräsident Horst Köhler
in dieser Woche zur Beichte gebeten, in einer Kirche, dort, wo sonst Christen
Trost suchen. In der unbeheizten Berliner Elisabethkirche sprach Köhler über
gierige Finanzjongleure und die Schaukämpfe der Politiker in Krisenzeiten: „Was
vielen abhanden gekommen ist, das ist die Haltung: So etwas tut man nicht. Bis
heute warten wir auf eine angemessene Selbstkritik der Verantwortlichen. Von
einer angemessenen Selbstbeteiligung für den angerichteten Schaden ganz zu
schweigen."
Ob die Worte, die draußen von eindrucksvollen Witterungsbedingungen
untermalt wurden, aber etwas nützen werden? Jedenfalls hat Köhler in den Ohren
des Publikums den richtigen Ton getroffen - die Rede war eine Bewerbung für die
zweite Amtszeit Köhlers, gegen die wohl nur wenige Deutsche etwas haben werden.
Wohin mit den giftigen Papieren?
Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner hat mit seinem Plan zur
Bankenrettung in dieser Woche einen weiteren Publikumserfolg gelandet. Kaum war
der Plan verkündet, schossen die Aktienindizes in die Höhe.
Dabei ist Geithners Idee nicht neu. Schon sein Vorgänger Henry Paulson hatte
ähnliche Pläne. Stets geht es in diesen Vorhaben darum, die vielen toxischen
Wertpapiere, die das Vertrauen unter den Banken zerstören, unter Quarantäne zu
stellen. Die Schwierigkeit ist nur: Noch gibt es für solche Papiere keine Käufer,
und wie sehr diese nun von den staatlichen Garantien angelockt werden, die
Geithner im Fall von Verlusten bietet, bleibt abzuwarten.
Offen ist zudem, wie viele Papiere die Banken unter diesem Programm zum
Verkauf anbieten werden. Denn ein solcher Verkauf könnte bei den
Geldinstituten, je nach dem erzielbaren Preis, zu einer neuen Runde von
Abschreibungen führen. Die aber zehren das Kapital auf. Und das ist knapp.
Keine Weitsicht bei den Rettungsplänen für Opel
Knapp ist das Kapital auch in der Industrie, nicht zuletzt in der deutschen
Autoindustrie. Abu Dhabi hält das für eine Chance - und investiert fast 2
Milliarden Euro in eine Beteiligung am Autokonzern Daimler. Da Abu Dhabi über
rund 10 Prozent der auf der Welt derzeit bekannten Ölreserven verfügt, hat man
zwei Schwierigkeiten: Wohin mit den Erträgen; und was, wenn das Öl zu Ende
geht?
Deshalb locken zum einen die niedrigen Aktienkurse, zum anderen werden die
Petrodollar bei Daimler nun in die Entwicklung von Elektromobilen gesteckt. Das
passt zum Staatsziel von Abu Dhabi, den Öko-Sektor auszubauen.
Im Jahr 2020 soll ein Fünftel des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen
kommen. Das staatliche Unternehmen Masdar baut eine kohlendioxidneutrale Stadt
für 50.000 Menschen. Und in Erfurt errichtet Masdar eine Solarzellenfabrik.
Später will man die gesamte Anlagentechnik in Abu Dhabi produzieren und mit
grüner Technologie zu den Weltmarkführern gehören. Der Plan hat Weitsicht.
Das lässt sich von den bisher vorliegenden Rettungsplänen für Opel noch
nicht behaupten. Aber in der kommenden Woche fährt die Kanzlerin nach
Rüsselsheim. Ob auch sie dort einen Publikumserfolg wird landen können?
(Dieser Blogbeitrag ist Teil der F.A.Z-Serie "Auf einen Espresso.")
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