Die Karstadt-Lüge
26. Mai 2009, 06:49
Uhr
Das muss man Karl-Gerhard Eick lassen: Niemand geht so
ehrlich mit dem Thema Bürgschaften um wie der Vorstandsvorsitzende des
Kaufhaus- und Touristikkonzerns Arcandor. Bis zum 12. Juni muss die
Staatsbürgschaft her, sagt Eick, oder Zehntausende Mitarbeiter der
angeschlagenen Arcandor-Tochtergesellschaft Karstadt sehen der Insolvenz ihres
Unternehmens entgegen. Das Angebot des Metro-Vorstandsvorsitzenden Cordes,
seine Kaufhof-Kaufhäuser mit denen von Karstadt zu fusionieren, ist nach Eicks
Ansicht zum jetzigen Zeitpunkt eine Art Mogelpackung, die Karstadt im
schlimmsten Fall den Weg zum so bequemen Bürgschaftstopf versperrt.
Privatwirtschaftliche Alternativen gebe es keine, suggeriert der Arcandor-Chef.
Und damit führt er die Öffentlichkeit und die Politiker, die ihm die
Staatshilfe in dreistelliger Millionenhöhe bewilligen sollen, bewusst in die
Irre. Denn es gibt eine privatwirtschaftliche Lösung, die Arcandor ohne staatliche
Unterstützung umsetzen könnte. Arcandor müsste sich nur von seiner
milliardenschweren Beteiligung am Tourismuskonzern Thomas Cook trennen, schon
wären die Finanzierungsschwierigkeiten rund um Karstadt gelöst. Danach könnte
man mit etwas mehr Luft „auf Augenhöhe" Verhandlungen mit Metro über Kaufhof
führen, alle Warenhäuser in ein Gemeinschaftsunternehmen einbringen. Dagegen
sträuben sich Eick und seine Großaktionäre natürlich, weil die
Thomas-Cook-Beteiligung schon heute von der Börse extrem niedrig bewertet wird
und sie auf Wertsteigerungspotential hoffen. Aber warum soll diese Hoffnung der
Steuerzahler nähren?
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