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Wie der solide Mittelstand die Datev stützt
03. Juli 2009, 21:12
Uhr
Die Datenverarbeitungsorganisation
der steuerberatenden Berufe, die Datev eG in Nürnberg, wächst trotz der
Finanz- und Wirtschaftskrise: „Derzeit sieht es so aus, als ob wir auch
die Ziele erreichen können, die wir uns für dieses Jahr gesteckt haben.
Offensichtlich treffen uns die Auswirkungen der vielzitierten
Wirtschaftskrise derzeit nicht so intensiv wie manch andere
Unternehmen“, sagte Dieter Kempf, der Vorstandsvorsitzende der Datev,
auf der Jahrespressekonferenz der Genossenschaft in Nürnberg.
Zum
einen seien bei der Hauptzielgruppe, den Steuerberatern und deren meist
mittelständischen Mandanten, noch keine so deutlichen
Konjunkturauswirkungen wie im industriellen Bereich zu spüren. Zum
anderen zeigten Vergleiche mit wirtschaftlich schwierigen Situationen
in der Vergangenheit, dass der Mittelstand im Gegensatz zu
Großunternehmen seine Mitarbeiter länger im Unternehmen halte und auch
nach der Krise früher wieder beginne, neues Personal einzustellen.
Mitarbeiter gesucht
Auch
für 2009 rechnet Kempf also wieder mit einem Umsatzwachstum, allerdings
nicht mehr in gleicher Höhe wie im Vorjahr: „Trotz der Unwägbarkeiten
im Markt glauben wir, unsere Planungen von etwa 2,8 Prozent
Umsatzzuwachs für das Gesamtjahr zu erreichen.“ Das erste Halbjahr 2009
wurde mit einem Umsatz von 340,6 (Vorjahr: 328,6) Millionen Euro abgeschlossen.
Für 2009 sind insgesamt 140 neue Planstellen vorgesehen, vor allem für
die Entwicklung und Markteinführung der nächsten Softwaregeneration
„Datev pro“. Darüber hinaus wird die Datev voraussichtlich 160 Stellen
als Folge normaler Fluktuation wieder besetzen. „Wir brauchen also auch
dieses Jahr wieder zusätzlich rund 300 Fachkräfte, überwiegend aus dem
motivierten akademischen Nachwuchs“, sagte Kempf.
Deutliches
Wachstum verzeichnete das Unternehmen 2008 auch mit seinen
Rechenzentrumsdienstleistungen. Unter dem Einfluss der Digitalisierung
und der elektronischen Vernetzung werden immer mehr Geschäfte über das
Internet angebahnt, abgewickelt sowie die Verwaltungsvorgänge
arbeitsteilig neu strukturiert. Software und
Sicherheitsdienstleistungen lassen sich zunehmend aus dem Netz
beziehen. Das stärkt offenbar die Rolle des Rechenzentrums der
Genossenschaft: Neben unterschiedlichen Arten der Bereitstellung von
Software, Outsourcing-Diensten und klassischer Datenverarbeitung sind
die Nürnberger Drehscheibe für die Datenverteilung, organisieren
Datensicherung und -archivierung und kümmern sich um eine sichere
Internet-Nutzung für ihre Kunden.
Bei der Erschließung des
europäischen Marktes für Informationstechnologie-Dienstleistungen und
Software für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer macht die Datev nach
eigenen Angaben Fortschritte: Das Unternehmen ist außer in Italien auch
in Österreich, Polen und Tschechien mit einem umfassenden
Produktangebot vertreten. In Ungarn, Spanien und der Slowakei werden
Lösungen für Wirtschaftsprüfer angeboten.
Bürokratieabbau nur für die Verwaltung?
Ein Thema, das den
steuerberatenden Berufsstand in Deutschland derzeit umtreibt, sind laut
Kempf die möglichen Auswirkungen des Steuerbürokratieabbaugesetzes
(SteuBAG). Der Datev-Chef begrüßt das Bestreben der Steuerverwaltung,
durch die Automatisierung und Digitalisierung der Prozesse
Vereinfachungen und Kostenersparnisse herbeizuführen. Allerdings
wünscht sich Kempf, dass dies nicht nur der Verwaltung zugutekomme,
sondern auch Bürgern und Unternehmen: Da bestehe in einer Reihe von
Punkten noch erheblicher Gesprächsbedarf. Die Finanzverwaltung sei zum
Beispiel immer noch der Ansicht, auf Belegen müsste ein
Kontierungsvermerk angebracht werden, damit der laut den Grundsätzen
ordnungsmäßiger Buchführung notwendige Zusammenhang zwischen Beleg und
Buchung hergestellt werden kann. Dabei sei dies inzwischen
revisionssicher über IT-gestützte Buchführungs- und
Dokumentenmanagementsysteme problemlos möglich.
Im vergangenen
Jahr hat die Datev ihren Umsatz auf 649,7 (614,1) Millionen
Euro erhöht. „Es ist ein bemerkenswertes Ergebnis, wenn wir nach einem
prima Vorjahr in diesen Zeiten erneut zulegen konnten und auch über dem
Durchschnitt für die Softwarebranche von 4,2 Prozent liegen“, sagte
Kempf zur eigenen Umsatzsteigerung von 5,8 Prozent. Das operative
Ergebnis der Genossenschaft stieg um 12 Prozent auf 42,3 Millionen
Euro. Davon fließen 40,7 (35,0) Millionen Euro als genossenschaftliche
Rückvergütung an die Mitglieder. Die Zahl der Mitglieder wuchs auf 39
293 (39 052).
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