Porsche - oder: Ich dementiere!
25. Juli 2009, 08:40
Uhr
Schön, dass der Tanz der Alphatiere von Porsche und VW nun
zu Ende ist. Doch lohnt es sich, offizielle Mitteilungen in dieser
Angelegenheit Revue passieren zu lassen: „Es besteht Einigkeit in der Familie,
dass die Forderung aus Wolfsburg, Qatar müsse vor einem Einstieg zunächst mit
dem Volkswagen-Management und dem Volkswagen-Betriebsrat Gespräche führen,
jeglicher Grundlage entbehrt. Das Thema Qatar ist eine reine
Eigentümerangelegenheit und wird ausschließlich in der Porsche SE behandelt."
Das war eine Erklärung der Porsche Holding SE am 17. Juni. Sie sollte ein
schöner Traum bleiben. Der Einstieg von Qatar wird nun wohl beinahe
ausschließlich aus Wolfsburg und Hannover zu Ende verhandelt.
Schließlich ein Dementi: „Der Konzernbetriebsratsvorsitzende
und Stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Porsche AG, Uwe Hück, sowie
alle acht Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat weisen die gezielten
Falschmeldungen um die angebliche Ablösung von Wendelin Wiedeking als
Vorstandsvorsitzenden der Porsche AG aufs Schärfste zurück. ‚Wiedeking ist
Vorstandsvorsitzender, und er wird es auch bleiben‘, betont Hück. Der
Betriebsratschef äußert seinen Unmut darüber, dass hier seit Wochen versucht
werde, einen Menschen zu zerstören. Hück macht unmissverständlich klar, dass es
‚keinen neuen Vorstandsvorsitzenden gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter
im Aufsichtsrat geben werde.‘" Das war erst am 17. Juli.
Kurz darauf noch ein Dementi: „Porsche-Aufsichtsratschef
Wolfgang Porsche hat die Meldungen über einen Wechsel an der Spitze des
Sportwagenbauers als falsch dementiert. Er weise die Spekulationen entschieden
zurück, dass Michael Macht auf Wendelin Wiedeking folge."
Schließlich die Realität
„Der Aufsichtsrat der Porsche
Automobil Holding SE, Stuttgart, hat sich heute mit Wendelin Wiedeking und
Holger Härter über ihre Demission geeinigt. Beide Vorstände werden die Porsche
SE und die Porsche AG mit sofortiger Wirkung verlassen." Das war nur sechs Tage
später, am 23. Juli. Und Nachfolger Wiedekings wird: Michael Macht.
Die Erkenntnis der Woche, nämlich die, dass Dementis nichts
taugen, ist dabei gar nicht neu. Man erinnere sich an Walter Ulbricht: Zwei
Monate vor dem Mauerbau 1961 tritt der DDR-Staatschef Gerüchten entgegen und
behauptet: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten." 1987 sagt der
damalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Uwe Barschel, nachdem
Wahlkampftricks der CDU Schlagzeilen gemacht haben: „Ich gebe Ihnen mein
Ehrenwort, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind."
In allen Fällen wissen wir es inzwischen besser, immerhin
haben die Dementis heute einen gewissen Unterhaltungswert. Besonders das
Rückzugsgefecht des Porsche-Betriebsrats Hück fällt aber plump aus: Er, Hück,
fühle sich trotz Wiedekings Rücktritt nicht als Verlierer. Gewinner und
Verlierer gebe es „nur im Sport" (wenn wenigstens das die Wahrheit wäre). Er
habe jedenfalls Verständnis dafür, dass Wiedeking nun doch gehe. Schließlich
sei er „öffentlich hingerichtet" worden. Doch gab es schon Hinrichtungen, die
mit einer Abfindung von 50 Millionen Euro erstattet worden wären?
Und dann noch die Bundesbank mit der Rente
Eine andere Art Dementi gab es in dieser Woche auch noch:
Die Bundesbank hält in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht eine
weitere Anhebung des gesetzlichen Rentenalters auf 69 Jahre für notwendig - bis
zum Jahr 2060 und nur dann, wenn, angesichts einer steigenden Lebenserwartung,
das Verhältnis von Ruhestands- und Erwerbsphase näherungsweise konstant
gehalten werden solle. „Das ist Quatsch", kommentierte Bundesarbeitsminister
Olaf Scholz - und blieb damit nicht allein. Erschreckt ruderte die Bundesbank
zurück: Es habe sich doch um gar keine Forderung, sondern lediglich um eine
Modellrechnung gehandelt. Wetten, dass dieses „Modell", aber ganz anders als
das Übernahmemodell, das Wiedeking einst für VW entworfen hatte, schließlich
doch Realität werden muss?
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