Weihnachtsshopping oder: Die glücklichen Deutschen
05. Dezember 2009, 09:10
Uhr
Achtung, in weniger als drei Wochen ist
die Bescherung schon gelaufen. Wer sich also daranmacht, für seine oder
andere Kinder Weihnachtsgeschenke zu kaufen, macht dabei in diesem Jahr
eine Erfahrung, die früher der Suche nach neuen Elektronikartikeln
vorbehalten war: Die Preise liegen unter den einzelnen Anbietern, ob
Fachgeschäft, Kaufhaus oder Internet, sehr weit auseinander. Für
einzelne Artikel sind Preisspannen zwischen 49,90 Euro und 79,90 Euro
keine Seltenheit.

Es
hat sich daher noch nie so sehr wie in diesem Jahr gelohnt, den
Weihnachtseinkauf am Computer vorzubereiten, und das kostet etwas Zeit.
Wohlgemerkt: nicht unbedingt, um am Bildschirm dann auch gleich alles
zu bestellen, wohl aber, um Preise zu recherchieren. Denn das Datennetz
macht die Angebote transparent. Die Ergebnisse sind überraschend, und
sie sprechen keineswegs in jedem Fall für das Onlineshopping, weshalb
es sich zudem lohnt, die Prospekte der Einzelhändler aus der Zeitung zu
studieren. Für die Karstadts und Kaufhofs in der Einkaufszone oder das
benachbarte Vedes-Fachgeschäft ist die Entwicklung gleichwohl misslich.
Denn sie drückt auf die ohnehin wenig auskömmlichen Preise.
Die Laune nicht von Journalisten verderben lassen
Aber
gekauft wird noch. Die Menschen wollten sich von den Journalisten und
ihren Berichten über miese Zukunftsaussichten schließlich die Laune
nicht verderben lassen, sagte ein Bekannter zum Mittagessen. Das sei
derzeit das Schöne an den Deutschen, sie hätten ihr eigenes
Wachstumsbeschleunigungsprogramm. Im Übrigen hätten sie mit ihrer guten
Laune ja auch recht behalten. Die Stimmung sei 2009 viel besser als die
Lage gewesen, und dann habe sich auch die Lage als gar nicht so schlimm
herausgestellt. Das ist wahr. Also bekenne ich: Wer an der Börse in
diesem Jahr kein Geld verdient hat, dem bleibt dann eben auch nichts
anderes übrig, als im Internet nach Geschenke-Schnäppchen zu suchen.
Doch
wie geht es weiter? Darüber wurde vor ein paar Tagen auch auf der
"Nordwestmesse" in Emden diskutiert. Die Erkenntnis, dass sogenannte
Experten mit der Deutung einer Krise wie dieser überfordert sind, lag
nahe. Gut, so ist es wohl. Und die Unternehmer zeigten sich verhalten
optimistisch: Ja, das Weihnachtsgeschäft laufe, bestätigte die Chefin
des Elektronikversenders Reichelt aus Wilhelmshaven. Aber im
Maschinenbau blieben die Aufträge weg, beklagten andere. Zwischen
diesen Polen ist der Zustand der deutschen Wirtschaft gut umrissen.
Welche Schlüsse man daraus für die Zukunft zieht, bleibt die Frage.
Die
Banken seien zu knauserig mit ihrer Kreditvergabe, die Kreditklemme sei
alles andere als eine Legende, das sei sicher, hieß es auch noch. Gut,
dass es in der Angelegenheit in dieser Woche ein Treffen bei der
Kanzlerin gegeben hat. Merke: Mit einem Fonds wird gewiss alles besser.
Oder?
Die Rezepte von Heiner Geißler
Heiner
Geißler, der ehemalige Generalsekretär der CDU, hatte in Emden noch
einfachere Thesen für eine bessere Welt. "Ein gut ausgebildeter
Arbeiter, der Produkte herstellt, die weltweit anerkannt sind, der muss
sich sicher sein können, dass er dafür auch einen angemessenen Lohn
bekommt", forderte Geißler. In der Exportnation Deutschland sei das
nicht mehr gewährleistet. Stimmt, mögen gerade in dieser Woche Arbeiter
des Autoherstellers Daimler in Sindelfingen gedacht haben. Doch es ist
der Fluch der deutschen Löhne, dass man sie immer wieder mit Produkten
erarbeiten muss, die sich an anderer Stelle nicht ebenso gut, dafür
aber billiger herstellen lassen. Andererseits: So dramatisch es klingt,
wenn Produktion ins Ausland verlagert wird - bisher ist Deutschland
eindeutig ein Gewinner der globalen Arbeitsteilung. Sonst hätten wir
die Krise nicht so gut gemeistert. Siehe oben.
Andere
haben mehr Schwierigkeiten. Zum Beispiel die Autohersteller in Amerika,
allen voran General Motors. In der Führungsetage des Mutterkonzerns von
Opel ist endgültig das Chaos ausgebrochen. Wieder ist ein
Vorstandsvorsitzender weg. Und noch immer versuchen die Amerikaner
glauben zu machen, sie hätten einen Plan für die Zukunft von Opel.
Tatsächlich aber haben sie nur Powerpoint-Präsentationen mit schönen
Versprechungen. Da steht "streng geheim" drauf, sie sind aber nicht
allzu schwer zu bekommen. Ist ja auch kein Wunder: Die Überraschung der
Kinder ob des Inhalts der Geschenke unter dem Weihnachtsbaum fällt
hoffentlich bald größer aus.
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