Franzosen und Briten: GDF Suez wird zum größten Versorger der Welt
10. August 2010, 21:15
Uhr
Entdecken die Franzosen eine bisher unbekannte Liebe zu
Großbritannien? Ihre Energieversorger jedenfalls, die sich im eigenen Land eine
Scheinkonkurrenz liefern, bringen sich auf dem britischen Markt durch Zukäufe
ins Gespräch. EDF ist schon da, jetzt kommt GDF Suez und übernimmt den
Wettbewerber International Power. Nun ist es nicht so, dass die Franzosen mit
diesen Schachzügen Vorreiter wären. RWE und Eon sind schon längst in
Großbritannien aktiv - und haben an ihren Engagements recht wenig Freude,
jedenfalls was das laufende Geschäft betrifft: Jenseits des Ärmelkanals
herrscht ein harter Wettbewerb, die Preise stehen unter Druck. Andererseits ist
Großbritannien ein Land, in dem es möglich ist, nicht nur große Wind-, sondern
auch neue Atomkraftprojekte anzustoßen - und deshalb für die Energieversorger
strategisch wichtig. Ähnliche Überlegungen werden auch die Franzosen anstellen.
Die Deutschen müssen sich deshalb nicht grämen, selbst wenn GDF nun größer
werden sollte als Eon. Manchmal ist es ganz gut, nicht überall der Größte zu
sein. Bemerkenswert ist hingegen, wie gut koordiniert EDF und GDF
voranschreiten. Mit den freien Kräften des Marktes indes hat das wenig zu tun.
Hier die zugehörige Meldung
Der französische Energiekonzern GDF Suez will mit einer
Übernahme zum umsatzstärksten Versorger und, gemessen an der
Erzeugungskapazität, zum größten Stromproduzenten der Welt aufsteigen. Nach
langen Verhandlungen kommen die Franzosen beim britischen Konkurrenten
International Power (IP) zum Zuge. Das fusionierte Unternehmen wird über eine
Kraftwerkskapazität von mehr als 66 Gigawatt verfügen. Zudem sind neue Anlagen
mit einer Leistung von 22 Gigawatt geplant. In Europa ist GDF Suez ohnehin
schon der größte Gasversorger. Der Konzern war vor rund zwei Jahren aus der
Fusion des Gasversorgers Gaz de France und des Mischkonzerns Suez entstanden.
Briten und Franzosen wollen nun eine neue Gesellschaft gründen, in der
International Power aufgeht und in die GDF Suez vor allem seine
außereuropäischen Aktivitäten einbringt. Zusätzlich zahlen die Franzosen knapp
1,7 Milliarden Euro in bar an die IP-Aktionäre.
Präsenz im Ausland verbessert sich
GDF Suez baut damit auch seine Präsenz in den Vereinigten
Staaten, im Nahen Osten sowie in Asien aus und erhält Zutritt zu den Märkten in
Großbritannien und Australien. Damit klappt der Zusammenschluss im zweiten
Anlauf. Beide Unternehmen hatten im Januar ihre Gespräche zunächst für
gescheitert erklärt. Im Juli wurde dann bekannt, dass sie die Verhandlungen
abermals aufgenommen hatten. Die Übernahme vollzieht sich technisch gesehen durch
eine Verschmelzung der GDF-Tochtergesellschaft GDF Suez Energy International
mit dem kleineren Rivalen IP. Zudem wird den Aktionären des britischen
Versorgers eine Sonderdividende von 92 Pence je Aktie angeboten, wie die
Unternehmen am Dienstag mitteilten. GDF halte an der neuen Gesellschaft, deren
Aktien an der Börse in London notiert sein werden, dann einen Anteil von 70
Prozent.
84 Milliarden Euro Jahresumsatz
Die fusionierte Gesellschaft kommt auf einen Jahresumsatz
von rund 84 Milliarden Euro. Der Düsseldorfer Konkurrent Eon, der am Mittwoch
Zahlen vorlegt, hat 2009 einen Umsatz von 81,8 Milliarden Euro gemacht. GDF ist
nicht der erste französische Konzern, der auf den britischen Strommarkt strebt:
Vor zwei Jahren stieg Konkurrent EDF bei British Energy ein. Nur zwei der sechs
großen britischen Versorger sind noch in einheimischer Hand.
International Power ist allein an mehr als 50 Kraftwerken
beteiligt. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen bei einem Umsatz von 3,9
Milliarden Pfund (umgerechnet 4,7 Milliarden Euro) einen Gewinn vor Zinsen,
Steuern und Abschreibungen von 1,4 Milliarden Pfund (1,68 Milliarden Euro). GDF
Suez rechnet durch die Fusion mit Synergieeffekten von bis knapp 200 Millionen
Euro. Der Zusammenschluss werde sich schon im ersten Jahr positiv auf die Erträge
auswirken, hieß es. Von Vermögenswerten im Volumen von 4 bis 5 Milliarden Euro
will man sich nach dem Zusammenschluss trennen, doch sei noch nicht darüber
entschieden, in welchen Ländern dies geschehen solle.
Größter Aktionär stimmt zu
Dank der Erholung der Wirtschaft hat GDF Suez seinen Gewinn
im ersten Halbjahr um 9,3 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro gesteigert. Der
Umsatz legte leicht um 0,3 Prozent auf 42,3 Milliarden Euro zu. Erste
Reaktionen unter den Anteilseignern der mit 4,4 Milliarden Euro verschuldeten
International Power waren positiv. „Die Kombination der beiden Unternehmen wird
eine größere, stärkere Einheit mit mehr Wachstumsmöglichkeiten bilden", ließ
sich Neil Woodford, der Investmentchef der Investmentgesellschaft Invesco
zitieren, die mit 11,2 Prozent führender Anteilseigner der Briten ist. Invesco
stimme dem Abkommen daher zu.
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