Raus aus der Sauna: Streetview und Epost-Brief kommen
14. August 2010, 20:14
Uhr
Dass dies eine für die Sommerzeit eher starke
Nachrichtenwoche werden würde, deutete sich schon zu ihrem Beginn an: So fand
die Sauna-Weltmeisterschaft in Finnland ein unrühmliches Ende. Nach rund sechs
Minuten in der 110 Grad heißen Sauna sind die beiden Finalisten kollabiert. Für
den russischen Teilnehmer, den WM-Dritten des Vorjahres, kam jede Hilfe zu
spät. Sein Rivale, der fünffache Sauna-Weltmeister aus Finnland, musste im
Krankenhaus in Lahti behandelt werden. Dabei hatten alle Teilnehmer vor der WM ein
ärztliches Attest vorgelegt. Und: In der Finalrunde gab es alle 30 Sekunden
einen Aufguss.
Manches lässt sich eben einfach nicht voraussehen. Wobei:
Das Voraus-Sehen soll in Deutschland ja bald etwas einfacher werden. Google
Street View heißt das Internet-Zauberwort. Mit der Hilfe dieses neuen Angebots
lässt sich künftig zweifelsfrei schon vor dem Besuch erkennen, ob es sich um
einen zweifelhaften Sauna-Klub in dubioser Lage oder um eine ordentliche Sauna
handelt, aber auch noch einiges mehr.
Zum Beispiel hilft Google künftig noch einfacher bei der
Antwort auf die Frage, ob der Neue, den man gerade kennengelernt hat, aus im
Wortsinne gutem Hause stammt, oder der neue Bewerber auf eine Stelle, oder,
oder, oder. Jedenfalls hat Google in zwanzig deutschen Städten alle Straßen und
Häuser gefilmt - und nun kann man an seinem Computer daheim diese Straßen
virtuell entlangfahren - und vor der richtigen Adresse so lange innehalten, wie
das Herz begehrt. Ob man dabei viel Spannendes entdeckt, ist eine andere Frage,
aber, wie es so schön heißt, Gelegenheit macht Diebe.
Google und die deutsche Gesellschaft
Der Eigentümerverband „Haus und Grund Deutschland"
kritisiert deshalb, dass die Google-Kamera die Bilder oberhalb der Augenhöhe
geschossen habe. Hecken und Zäune, die als Sichtschutz gedacht sind, wurden so
umgangen, sagte der Präsident des Verbandes. Die eine oder andere damit
verbundene Sorge dürfte übertrieben sein. Tatsache aber bleibt, dass Google
einfach gefilmt hat ohne vorher zu fragen - und die Nutzer jetzt die Pflicht
haben, von sich aus nachträglich zu widersprechen. Wieder einmal hat Google
bewiesen, dass es nicht in der Lage ist, politische und gesellschaftliche
Reaktionen auf sein Handeln einzuschätzen.
Dabei ist so ein Widerspruch immer noch einfacher als eine
neue E-Postbrief-Adresse bei der Deutschen Post zu beantragen. Wer sich diesem
Prozedere schon unterzogen hat, wird gespannt auf die ersten Zahlen von der
Post warten, wie viele Menschen diesen Vorgang bis zu seinem erfolgreichen Ende
durchgehalten haben. Und während Google auch ohne Street-View-Dienst eine
Gelddruckmaschine ist, wäre es für die Post schon hilfreich, würde das neue
Angebot zu einem Erfolg. Denn wenn man schon virtuell von Haus zu Haus gehen
kann, gerät der gute alte Brief immer weiter ins Hintertreffen.
Skype statt Bundespost
Was ist nur aus den Dienstleistungen geworden, die einst die
gute alte Bundespost angeboten hat? Der Teil, der heute Telekom heißt, hat
seine eigenen Schwierigkeiten, denn Telefonate über das Festnetz sind auch
irgendwie von gestern. Das zeigt sich auch daran, dass der auf der ganzen Welt
bekannte Internet-Telefondienst Skype in dieser Woche seinen Börsengang
angekündigt hat. Das Angebot der Telefonate mit der Hilfe eines Computers kommt
gut an - und immer mehr Kunden sind bereit, für einige der Skype-Telefonate
auch zu zahlen. Für Skype ist das gut, für die klassischen
Telekommunikationsgesellschaften schlecht. Die Digitalisierung der Welt setzt
viele traditionelle Geschäftsmodelle unter Druck und erfordert von den Menschen
eine große Lernbereitschaft. Das kann manchmal lästig oder sogar ärgerlich
sein, siehe Google Street View.
Sauna nach 67
Andererseits eröffnet die neue Technik auch Chancen, über
die man in Deutschland meist erst nach den Risiken spricht. Sie könnten unter
anderem dazu beitragen, Menschen länger produktiv im Arbeitsleben zu belassen.
Auch das war eine Diskussion dieser Woche. Wollen wir die Rente mit 67? Können
wir uns etwas anderes überhaupt noch leisten? Sicher ist jedenfalls, dass sich
die Lage am Arbeitsmarkt schon in den vergangenen Jahren verbessert hat: 2009
war nach Angaben des Statistischen Bundesamts mehr als jeder Dritte der 60- bis
64-Jährigen erwerbstätig, im Jahr 2000 war es nur jeder Fünfte. Und, mal ehrlich,
es ist doch eine schöne Entwicklung, noch nicht so früh zum alten Eisen gezählt
zu werden. Sauna-Weltmeister kann man ja immer noch werden.
Wenn Sie diesen Beitrag kommentieren möchten, bitten wir Sie, sich vorher anzumelden.
Nutzen Sie dazu das Login-Feld oben im Kopf rechts. Dort können Sie sich auch neu
registrieren, falls Sie noch kein Passwort haben.