Container ahoi!
18. August 2010, 21:11
Uhr
Was für eine Wende für den dänischen Konzern Møller-Mærsk:
Im vergangenen Jahr fiel der erste Verlust seit der Gründung des Unternehmens
im Jahr 1904 an - jetzt werden die Gewinnprognosen der größten
Containerschiffsreederei der Welt wieder und wieder nach oben korrigiert. Der
Welthandel hat in atemraubendem Tempo Schwung aufgenommen; Unternehmen in den
Vereinigten Staaten sollen sich schon darüber beklagt haben, sie bekämen von
den Reedereien nicht genügend Container zugeteilt. Doch die
Containerschifffahrt hat im vergangenen Jahr in der Branche einen Verlust von
20 Milliarden Dollar eingefahren. Schiffe wurden stillgelegt, Hersteller
stoppten ihre Produktion. Denn zog die Weltkonjunktur in einer Geschwindigkeit
an, die alle überrascht hat. Und diese Nachfrage ist auf ein Angebot gestoßen,
das sich notgedrungen der Krise angepasst hatte. Das musste die Frachtraten
wieder nach oben treiben. Preisabsprachen sind hier wohl nicht im Spiel. Und
weiterhin gilt: Es sind weniger Schiffe im Einsatz als 2008 - und die Schiffe,
die fahren, fahren aus Kostengründen langsamer. Noch waltet Vorsicht. Das
Konsumentenverhalten scheint den Reedern nicht stabil genug zu sein.
Hier die zugehörige Nachricht:
Der Mischkonzern A.P. Møller-Mærsk, das größte dänische
Unternehmen, hat in der ersten Jahreshälfte eine erstaunliche Ergebniswende
vollzogen. Die Gruppe mit Sitz in Kopenhagen, zu der mit der Mærsk Line die
größte Container-Reederei der Welt gehört, hat in den ersten sechs Monaten 2010
einen Nettogewinn von 13,4 Milliarden Kronen (umgerechnet rund 2,39 Milliarden
Dollar) erwirtschaftet und damit deutlich die durchschnittlichen Erwartungen
der Analysten übertroffen, die mit 9,12 Milliarden Kronen gerechnet hatten. Im
Jahr zuvor stand zum Halbjahr noch ein Minus von 3,67 Milliarden Kronen in den
Büchern, umgerechnet rund 655 Millionen Dollar. Auch der Umsatz ist um 20
Prozent auf nun 27,36 Milliarden Dollar gestiegen.
Mærsk, ein Unternehmen, das noch überwiegend in
Familienbesitz ist, betreibt neben der Reederei auch Hafenanlagen, ist in der
Gas- und Ölgewinnung aktiv und unterhält Supermarktketten. Der Schlüssel zur
Ergebniswende liegt aber in der Stilllegung von Schiffen und weiteren
Sparbemühungen - wie zum Beispiel einer geringeren Fahrgeschwindigkeit der
Schiffe einerseits und der schnell anziehenden Nachfrage andererseits. Das hat
die Frachtraten wieder deutlich nach oben getrieben. Im Mai - dem jüngsten
Monat, für den entsprechenden Zahlen zur Verfügung stehen - hatte die
durchschnittliche Frachtrate für einen Container mit einer Länge von 40 Fuß
(gut 12 Meter), der zwischen Kontinenten transportiert wird, 43 Prozent über
dem vergleichbaren Wert des Vorjahres gelegen.
2009 zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte ein Verlust
Im vergangenen Jahr hatte MøllerMærsk zum ersten Mal seit
der Gründung des Unternehmens im Jahr 1904 Verlust gemacht. Jetzt sieht die
Lage wieder ganz anders aus: Für 2010 erwartet der Konzern nun einen Gewinn von
mehr als 4 Milliarden Dollar, wie Møller-Mærsk am Mittwoch zur Vorlage der
Halbjahreszahlen mitteilte. Bisher waren die Dänen zwar auch schon von einem
Gewinn ausgegangen, der aber lediglich „über" dem Niveau von 2008 in Höhe von
3,5 Milliarden Dollar liegen sollte. Die Einschätzung fällt damit nun deutlich
optimistischer aus als bisher. Zu Jahresbeginn hatte man sogar nur einen Gewinn
in bescheidenem Umfang und „alles andere als zufriedenstellend" prognostiziert.
Die Ergebnisdynamik ist also bemerkenswert.
Durch die höheren Gewinne habe die Gruppe nun auch genug
Mittel für Investitionen, um alle Geschäftsbereiche zu erhalten, sagte der
Vorstandsvorsitzende Nils Smedegaard Andersen. Größere Investitionen würden
weiterhin im Öl- und Frachthafengeschäft angestrebt. Zudem erwäge die Gruppe
Investitionen in moderne Bohranlagen auf offener See. Andersen ist auch
zuversichtlich, dass Møller-Mærsk wegen seiner sicheren Ausstattung als einer
der Ersten wieder Bohrungen im Golf von Mexiko aufnehmen dürfe.
Container-Tarife wieder auf Vor-Krisenniveau
Die Container-Tarife seien zurück auf dem Niveau des Jahres
2008, bestätigte auch Andersen. Auch die Volumina näherten sich allmählich dem
Niveau von vor zwei Jahren. Allerdings wartet er noch auf die Belebung der
Konsumnachfrage in den Vereinigten Staaten und Europa. Und Møller-Mærsk rechnet
im vierten Quartal, mit dem Ende der Hauptsaison, auch wieder mit niedrigeren
Frachttarifen.
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