Export/Import: Made in China
21. August 2010, 22:15
Uhr
Schlagzeile der Woche Nummer eins: China überholt Japan und
ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Nummer zwei: China ist die
Konjunkturlokomotive! Nummer drei: China wird zum Hauptkonkurrenten der
Vereinigten Staaten. Stimmt: Dieser Text wird auf einem in China hergestellten
Computer geschrieben. Später wird er über ein Mobilfunksystem in die Redaktion
geschickt, das seine Sendemasten nicht mit Technik von Nokia oder
Alcatel-Lucent ausgerüstet hat, sondern den letzten Auftrag an den chinesischen
Anbieter ZTE vergeben hat. Auf dem Weg zur Arbeit kommt die Musik aus einem
digitalen Musikspieler „Made in China". Die Chinesen haben mit ihren Produkten
unseren Alltag erobert - und die Ware ist hochwertig.
Schön, dass das für die deutsche Wirtschaft eine Chance ist.
Und noch besser, dass die Deutschen lieferfähig waren, als die Nachfrage wieder
anzog, der Kurzarbeit und der durch sie vermiedenen Entlassungen sei Dank.
Selbst das deutsche Wort „Kurzarbeit", so berichtete die Arbeitsministerin
Ursula von der Leyen in dieser Woche stolz in der Redaktion, habe sich zu einem
Exportschlager entwickelt. Im englischen Sprachraum werde es schon so
ehrfurchtsvoll ausgesprochen wie das Wort „Kindergarten".
Nicht alle K-Wörter positiv belegt
Leider sind nicht alle deutschen K-Wörter so positiv belegt.
Das erleben die deutsche Wirtschaft und die deutsche Politik gerade wieder mit
Blick auf die Laufzeit der Kernkraftwerke. Wie viel Jahre sollen wir sie noch
am Netz lassen? Wer soll das Geld bekommen, dass durch die längere Laufzeit
verdient wird? Auf welchem Weg soll die Höhe einer solchen Abgabe bemessen
werden? Das sind offene Fragen. Wann sie geklärt werden, ist seit dieser Woche
auch wieder unklar.
Derweil tourt die aus dem Urlaub in den Bergen
zurückgekehrte Kanzlerin auf einer „Energiereise" durch Deutschland. Die
Windkraft sei, ganz und gar bildlich gesprochen, im Aufwind, hat sie mit
zerzausten Haaren festgestellt. Etwas schade nur, dass am selben Tag der größte
Hersteller von Windkraftanlagen der Welt, das dänische Unternehmen Vestas,
völlig überraschend von einem Verlust berichten musste. Schuld daran seien,
wovon man sonst derzeit nur wenig hört, noch immer die Auswirkungen der
Finanzkrise. Hoffnungen für eine Wende ruhen auf Amerika und - China.
Das Dumme ist nur, dass in China in drei Jahren mehr als 50
neue Konkurrenten für Vestas & Co. aufgetaucht sind. So richtig attraktiv
klingt das auch schon nicht mehr. Dafür haben die pfiffigen Chinesen längst
erkannt, dass der hochsubventionierte deutsche Markt für Solarstrom so
attraktiv ist, dass man hier risikolos Geld verdienen kann. Jüngstes Kaufobjekt
ist der große Solarpark Finsterwalde in Brandenburg. Projektentwickler ist das
deutsche Unternehmen Q-Cells, aber das Sagen haben - die Chinesen.
Dem Handel geht es besser als gedacht
Wenigstens steht der deutsche Einzelhandel besser da als
gedacht. Nach Berechnungen aus dieser Woche lagen die Umsätze im ersten
Halbjahr um 1,8 Prozent über dem der vergleichbaren Zeitspanne des Vorjahres.
Bisher war man von einem Plus von nur 0,5 Prozent ausgegangen. Und die Kinder,
die in diesen Tagen neu eingeschult werden, freuen sich darüber, dass eine
große deutsche Einzelhandelskette 250 000 Schultüten an ABC-Schützen in ganz
Deutschland verteilt. Der Inhalt unter anderem: ein Apfel, eine Banane, eine
Orange, außerdem ein Reflektor für den Schulranzen, ein Stundenplan, ein Lineal
und ein Memory-Spiel von einem Spielzeughersteller, der gerne im Ausland
produzieren lässt, zum Beispiel in - China.
Wobei an dieser Stelle nichts Negatives über die Chinesen
oder die chinesische Wirtschaft gesagt werden soll. Der Aufstieg des Landes ist
faszinierend. Die Chinesen lieben unsere Maschinen und Autos. Im ersten
Halbjahr waren die Container und Autotransporter, die zwischen China und
Bremerhaven oder Hamburg pendelten, erfreulich gut gefüllt. Davon profitieren
neben den deutschen Unternehmen zwar auch Reedereien aus China - aber eben auch
Hapag-Lloyd.
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