Ein Windows für das Gesundheitswesen - von GE und Microsoft
09. Dezember 2011, 09:05
Uhr
Zwei Schwergewichte der amerikanischen Unternehmenswelt
haben sich zusammengetan, um die elektronische Verwaltung von Patientendaten zu
verbessern und unnötige Ausgaben im Gesundheitswesen zu reduzieren: Der
Mischkonzern General Electric (GE) und der Softwarespezialist Microsoft Corp.
haben die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens angekündigt, dessen Ziel der
Aufbau einer Softwareplattform ist, auf der Daten von Patienten oder ganzen
Bevölkerungsgruppen verwaltet und für Ärzte und Krankenhäuser zugänglich
gemacht werden. Damit sollen medizinische Informationen, die oft an vielen
verschiedenen Stellen isoliert verwaltet werden, an einem zentralen Ort
zusammengeführt werden.
Kein einzelner Ort für die Informationen
„Ein Teil des Problems im Gesundheitswesen ist, dass es so
viele Ärzte und so viele Informationen gibt, und es gibt dafür keinen einzelnen
Ort", sagte Michael Simpson, der bislang in der Medizintechniksparte von GE für
Informationstechnologie zuständig ist und das Gemeinschaftsunternehmen künftig
führen soll. Die Plattform soll für Applikationen anderer Softwareunternehmen
offen sein. Microsoft und GE wollen also ein sogenanntes „Ökosystem" rund um
ihr Betriebssystem entwickeln, genauso wie es zum Beispiel Apple für sein
iPhone-Handy gemacht hat, für die unabhängige Softwareentwickler Applikationen
programmieren. Microsoft zog für die Plattform einen Vergleich zu seinem
Betriebssystem Windows.
Microsoft und GE wollen in das Projekt verschiedene
Gesundheitssoftwareprodukte einbringen, die sie bislang schon verkaufen. Das
Gemeinschaftsunternehmen soll 2012 seinen Betrieb aufnehmen und rund 750
Mitarbeiter beschäftigen. Für GE ist diese Ankündigung schon die zweite Allianz
mit einem großen amerikanischen Technologieanbieter in kurzer Zeit: Erst im
vergangenen Jahr gründete der Konzern ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem
Mikrochiphersteller Intel, das sich um Produkte für eine effizientere
Gesundheitsversorgung von Patienten im eigenen Zuhause dreht.
Ein spannender Wachstumsmarkt
Informationstechnologie im Gesundheitswesen ist ein
Wachstumsmarkt, der auch von der amerikanischen Regierung gefördert wird. So
wurden im Rahmen des im Jahr 2009 von der Regierung angestoßenen
Konjunkturprogramms von 787 Milliarden Dollar auch 35 Milliarden Dollar für die
Verbesserung der elektronischen Verwaltung von Patientendaten bereitgestellt.
Das Gesundheitsministerium teilte vor wenigen Tagen mit, seit Beginn dieses
Programms seien 50 000 Arbeitsplätze geschaffen worden, die mit
Informationstechnologie im Gesundheitswesen zu tun haben. Der deutsche
IT-Branchenverband Bitkom hatte zum IT-Gipfel am Dienstag dieser Woche die
Gesundheit als eines der Felder benannt, für die es sich lohne, sogenannte
„intelligente" Computernetze aufzubauen. Der Bitkom hatte das hierfür insgesamt
erforderliche Investitionsvolumen auf mehr als 130 Milliarden Euro beziffert.
Trotz der grundsätzlich guten Wachstumsperspektiven sind
aber auch schon viele Technologieunternehmen auf diesem Gebiet gescheitert. So
hat der Internetkonzern Google im Jahr 2008 mit großen Hoffnungen ein Portal
mit dem Namen „Google Health" gestartet, das Patientendaten an einem zentralen
Ort zusammenbringen sollte. Im Juni dieses Jahres kündigte Google dann sehr
viel lapidarer an, das Angebot wieder einzustellen: „Google Health hat nicht
die breite Bedeutung, die wir uns erhofft haben."
Oft mehr Schwierigkeiten als Lösungen
Auch in Deutschland gibt es in Sachen IT und Gesundheit
bisher mehr Schwierigkeiten als Lösungen: Die elektronische Gesundheitskarte
hat sich um Jahre verzögert und soll nun zwar möglichst schnell auch mit
Online-Funktionen ausgestattet werden. Doch sollen hier zunächst auch nur zwei
Basisanwendungen an den Start gehen: Der Abgleich der persönlichen Daten des
Versicherten zwischen Arztpraxis und Krankenversicherungen sowie die
elektronische Signatur. Kompliziertere Anwendungen wie Medikamentenrezepte oder
die elektronische Patientenakte werden zurückgestellt. Bis Ende 2011 werden 10
Prozent aller deutschen Versicherten die neue Karte in der Hand halten.
Mit Blick auf die Ankündigung von GE und Microsoft stellt
sich nun die Frage, ob andere Anbieter von Gesundheitssoftware sich tatsächlich
auf die geplante Systemplattform einlassen wollen. Denn GE und Microsoft haben
in diesem Segment viele Wettbewerber, darunter auch Siemens. Und über allen
neuen Ansätzen auf diesem Gebiet schwebt stets die Frage des Datenschutzes.
Unter Mitarbeit von Roland Lindner.
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