Davos, Apple und die Globalisierung
25. Januar 2012, 15:44
Uhr
Angesichts des Rekordergebnisses von Apple und des Beginns
des Weltwirtschaftsforums in Davos lohnt es sich, ein wenig über den
Zusammenhang von Technologie und Globalisierung nachzudenken. Denn inzwischen
ist die Wirtschaftswelt - ja nicht zuletzt mit der Hilfe der Produkte von Steve
Jobs - im wahrsten Sinne des Wortes vernetzt. Es wird nicht mehr lange dauern,
bis die vielen hochleistungsfähigen mobilen Telefone und Tabletcomputer den
entsprechenden Geräten unserer Freunde (und hoffentlich nicht der Feinde)
automatisch mitteilen, wo man sich gerade aufhält. Darauf aufbauende Geschäfte
müssen und werden nicht alle bei Google oder Facebook und auch nicht
ausschließlich bei amerikanischen Unternehmen landen. Sicher ist bisher nur,
dass die digitale Welt nun tatsächlich zum viel strapazierten „globalen Dorf"
führt, das in einem begrifflichen Zusammenhang mit der Globalisierung als
solcher steht.
Über den Begriff und den Vorgang der Globalisierung reden
die Menschen schon lange: Den wirtschaftspolitischen Terminus der
Globalisierung prägte Theodore Levitt, ein deutscher Emigrant und Professor an
der Harvard Business School, 1983 mit dem Artikel „The Globalization of
Markets". Im Jahr 1961 tauchte das Wort „Globalization" erstmals in einem
englischsprachigen Lexikon auf, gewiss nicht ganz ohne Zusammenhang mit der
Erfindung des Seefrachtcontainers 1956, der nach und nach zu einer Revolution
und erheblichen Beschleunigung des weltumspannenden Warentransports führen
sollte. Danach wuchs eine ganze Generation mit Waren „made in Hongkong" auf.
Und längst ist dieser Aufdruck durch viele andere ferne Länder, nicht zuletzt
durch Hongkongs Mutterland China ersetzt worden. In der Kombination mit den
Datencontainern, die von den Netzwerkrechnern heute um die Welt gejagt werden
und für effizienten Informationsaustausch im Internet sorgen, steht die
Menschheit nun tatsächlich vor einer weiteren großen Veränderung: Die
Globalisierung tritt in eine neue Entwicklungsstufe, die Fachleute, geprägt
durch den amerikanischen Journalisten Thomas L. Friedman und sein Buch „The
World is Flat", ebenfalls schon einige Zeit „Globalisierung 3.0" nennen. Aber
Friedman war mit seiner Bestandsaufnahme im Jahr 2000, angetrieben vom
damaligen Internethype, ebenfalls zehn Jahre zu früh dran.
Die Welt wird wirklich flach
Erst jetzt ist es wirklich so weit. Die derzeitige Phase der
Globalisierung wird nicht mehr von Europa oder Amerika angetrieben. Vielmehr
sind an ihr Individuen auf allen Kontinenten beteiligt. Die
Computer-zu-Computer- und damit auch Mensch-zu-Mensch-Netze haben die Welt nun
wirklich „flach" gemacht. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Dinge
zuletzt beschleunigt.
Auch das lässt sich am Beispiel von Apple sehr einprägsam
verdeutlichen. Amerikanische Wissenschaftler ausgerechnet, dass allein der iPod
bis zum Jahr 2006 insgesamt 13.920 Stellen in den Vereinigten Staaten
geschaffen hat - und sogar 27.250 im Ausland, vor allem in China . Das ist für
eine Exportnation wie Deutschland, die in diesem Konzert mit Amerika, China und
Japan immer noch ganz vorne mitspielt, eine gute Nachricht. Denn im Zweifel
liefern deutsche Unternehmen die Maschinen, die für die Produktion in aller
Welt nötig sind.
Doch wird diese Entwicklung zu einer durch einen möglichst
freien Welthandel noch wohlhabenderen und hoffentlich auch nachhaltiger
wirtschaftenden Welt nicht ohne Brüche funktionieren. Auf dem Weg in eine gute
Zukunft für die globalisierte Welt gilt es nun, hohe Inflationsraten zu
vermeiden, Systeme zu finden, mit denen man schnell auf die Entstehung einer
nächsten großen Finanzkrise reagieren kann, oder auch die wieder zahlreicheren
Hungernden mit bezahlbaren Lebensmitteln zu versorgen. Die interessante Wendung
der Globalisierung 3.0 ist, dass Erfolge in dieser Hinsicht immer weniger den
Weltmächten zugetraut werden, die die Geschicke auf dem Planeten in den
vergangenen hundert oder zweihundert Jahren bestimmt haben. Vielmehr müssen zum
Beispiel immer neue Millionenstädte auf kommunaler Ebene Lösungen für ihre
Schwierigkeiten finden. Diese Entwicklung lässt sich bis zum einzelnen Menschen
nachvollziehen: Die nächsten Antworten auf die Herausforderungen der Welt könnten
sich stärker als früher durch die bessere Vernetzung von Individuen in vielen
Ländern ergeben. In dieser neuen Welt wird es für den Einzelnen wichtiger,
Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen, auch wenn er nicht so reich ist
wie der - in Davos natürlich ebenfalls anwesende - Philanthrop Bill Gates.
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