Bill McDermott von SAP: Die neue Technologieplattform Hana steht allen Wettbewerbern offen
30. Januar 2012, 12:49
Uhr
Die Zahlen des Softwareunternehmens SAP stimmen - weil man
sich stärker kleinen Kunden widmet und weil man mit Hana eine neue
Technologieplattform hat, die zu einem Renner werden könnte.
Herr McDermott, SAP geht es derzeit erstaunlich gut. Andere
Softwarekonzerne spüren die Krise durchaus, bei Ihnen ist keine Abschwächung
erkennbar. Nun heißt es, Optimisten würden auf dem Weltwirtschaftsforum in
Davos schnell zu Pessimisten. Geht Ihnen das ähnlich?
Nein, überhaupt nicht. Es gibt immer irgendwelche Herausforderungen, aber
man kann einen Abschwung auch herbeireden. Ich werde Davos auch als Optimist
verlassen - und das nicht nur mit Blick auf SAP.
Nun lässt sich eine Wachstumsschwäche, besonders in Europa und in den
Vereinigten Staaten, bei aller Zuversicht aber auch nicht verleugnen
. . .
. . . das stimmt . . .
Hat SAP denn eine Idee, wie man diese überwinden könnte, wie sich in
diesen Regionen nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit steigern ließe? Das, was
sich Europa einst im Rahmen des Lissabon-Prozesses in dieser Hinsicht
vorgenommen hatte, ist ja nicht aufgegangen.
Die größte Chance, in dieser Hinsicht besser zu werden, bieten die kleinen
und mittleren Unternehmen. Mehr als 90 Prozent aller Unternehmen in Europa
zählen zu dieser Kategorie, und sie haben 85 Prozent aller neuen Arbeitsplätze
in den letzten 10 Jahren geschaffen. Aber auch in den Vereinigten Staaten haben
kleine und mittlere Unternehmen in den vergangenen 17 Jahren 65 Prozent aller
neuen Arbeitsplätze geschaffen. Das Schlimme ist: Schulden- oder Finanzkrisen
wirken sich gerade auf Unternehmen dieser Größenordnung besonders negativ aus.
Dieser Analyse werden gewiss viele Menschen zustimmen, aber was könnte
man verbessern?
Die Antwort darauf liegt auf der Hand: Gerade kleinen und mittleren
Unternehmen wäre mit weniger Regulierung und einem Abbau von Bürokratie stark
geholfen, und man darf ihnen nicht als Ersten den Geldhahn zudrehen. Leider ist
die Reaktion auf Herausforderungen, wie wir sie heute sehen, meist genau das
Gegenteil. Außerdem müssen die Möglichkeiten für die Zusammenarbeit dieser
kleinen Unternehmen in Netzwerken noch verbessert werden, um zum Beispiel
schneller und besser Partner, Zulieferer, Kunden und auch Talente zu finden.
Und was hat das mit SAP zu tun? Traditionell steht Ihr Unternehmen eher
in dem Ruf, für die großen Unternehmen der Welt da zu sein.
Das hat sehr viel mit unseren Angeboten zu tun. Eine Studie jüngeren Datums
zeigt ganz klar: Neugegründete Unternehmen, die von Anfang an systematisch mit
modernen Softwaresystemen arbeiten, sind sehr viel erfolgreicher als solche,
die darauf verzichten. Oder anders herum betrachtet: Von den tausend größten
Unternehmen der Welt gibt es eben nur exakt eintausend. Weil sich SAP aber ein
größeres Marktpotential erschließen kann und will, sprechen wir längst auch
kleinere Unternehmen an ...
und waren damit lange nicht erfolgreich . . .
... was sich inzwischen geändert hat. Unsere Mittelstandslösungen wie
„Business One" oder „Business by Design" verkaufen sich sehr gut. Weit mehr als
die Hälfte unserer Kunden, rund 96 000, sind kleine und mittlere
Unternehmen. Aber auch alle mobilen Anwendungen und die Programme, die sich auf
die Bearbeitung von Prozessen in der zentralen Datenwolke, der sogenannten
Cloud, stützen, sind für kleinere Unternehmen gut geeignet. Und vergessen Sie
nicht: Unter dem Stichwort „Mobil" verbirgt sich die am schnellsten wachsende
Technologie der Geschichte. Die verknüpfen wir jetzt mit unserer innovativen
Hana-Technik.
Das ist aber ein Name, mit dem noch nicht viele Menschen etwas anfangen
können.
Das wird sich ändern. Durch eine effizientere Methode der Speicherung, der
sogenannten „In-Memory-Technologie", lassen sich mit der Hilfe von Hana riesige
Datensätze bis zu 100 000 mal schneller auswerten, als dies mit der
herkömmlichen Technik möglich war. Weil die Welt nach Lösungen verlangt, die in
Echtzeit umgesetzt werden können, stehen wir mit diesem Angebot sehr gut da.
Mit Hana stellen wir SAP selbst auf eine bahnbrechende neue
Technologieplattform, die auch die Grundlage für alle SAP Lösungen werden wird.
Es ist der klassische Fall einer Innovation, die es Kunden erlaubt, Themen
anzugehen, von denen sie dachten, sie seien unlösbar. Und vergessen Sie nicht:
Datenmengen nehmen enorm zu, alle zwei Jahre verdoppeln sie sich weltweit.
Können Sie sich vorstellen, Hana eines Tages auch an Ihren schärfsten
Wettbewerber Oracle zu lizenzieren?
Das wäre möglich. Die Frage ist, ob sich Oracle das vorstellen kann. Ganz im
Ernst: Eine technologische Plattform ist keine wirkliche Plattform, wäre sie sich
nicht für Partner und sogar für Wettbewerber offen. Partner wie Cisco, Dell,
Fujitsu oder Hewlett-Packard arbeiten längst mit unserer Hana-Technologie. Wir
sind für alles offen.
Im vergangenen Jahr hat SAP rund 14 Milliarden Euro umgesetzt, in drei
Jahren sollen es mehr als 20 Milliarden Euro sein. Stützt sich dieser
Optimismus allein auf Hana?
Hana ist die technologische Basis, aber das Wachstum speist sich aus unserem
Kerngeschäft und vor allem den Themen Mobilität, Analysesoftware, Cloud und
Datenbanksysteme. Dort haben wir uns in den vergangenen Jahren durch
entsprechende Zukäufe, zum Beispiel von Business Objects, Sybase und der
angekündigten Übernahme von Success Factors deutlich verstärkt. Hinzu kommt die
Eigenentwicklung Hana. Durch diese Schritte haben wir das für SAP erreichbare
Marktpotential von 110 Milliarden Dollar auf 230 Milliarden Dollar vergrößert.
Und wir haben uns vorgenommen, diesem Portfolio alle 18 Monate eine neue
Kategorie hinzuzufügen.
Das klingt ja wie bei Apple . . .
. . . das klingt vor allem nach einer sinnvollen Strategie.
Und wissen Sie was? Die Neuausrichtung auf unsere Innovationsstrategie haben
wir in wenigen Wochen beschlossen. Die entscheidenden Besprechungen fanden vom
7. bis zum 21. Februar 2010 statt. Das Ergebnis haben wir danach gleich
kommuniziert und angefangen umzusetzen. Die Tatsache, dass wir jetzt seit 8
Quartalen zweistellig wachsen, verdeutlicht, wie tragfähig unsere Überlegungen
von damals sind. Das SAP Rekordergebnis 2011 zeigt: Unsere Strategie macht nicht
nur Sinn, sie ist auch außerordentlich erfolgreich.
Das Gespräch führte Carsten Knop.
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