Mein Handy, meine Daten
24. Februar 2012, 08:30
Uhr
Niemand ist
gezwungen, ein internetfähiges Smartphone zu benutzen. Und doch will kaum
jemand ein anderes Handy haben als die Modelle, mit denen man, außer zu
telefonieren auch komfortabel im Internet surfen kann. Ist das Gerät gekauft,
hören die Verlockungen nicht auf: Da gibt es Hunderttausende Zusatzprogramme,
Apps genannt, die dem Handybesitzer das Leben leichter machen wollen. Sie
zeigen zum Beispiel an, ob und wie sehr die Bahn verspätet ist, was die Freunde
in sozialen Netzwerken treiben, wie sich die Börsenkurse entwickeln und vieles
mehr. Das Problem ist nur, dass sich diese Programme häufig auch für die
anderen Daten interessieren, die der Nutzer des Telefons auf dem Gerät
hinterlässt.
Kontakte sind immer besonders attraktiv
Besonders attraktiv sind dabei die Kontakte im Adressbuch
und die jeweiligen Standortdaten des Nutzers. Beides hat schon für Aufregung
gesorgt: Am vergangenen Osterfest zum Beispiel hatte Apple Ärger mit Ortsdaten,
die das Handy verließen, ohne dass der Nutzer davon wusste. Und erst vor ein
paar Tagen musste der Anbieter einer verbreiteten App einräumen, ungefragt auf
die Kontakte der Anwender zugegriffen zu haben. Insofern klingt es gut, dass
der amerikanische Bundesstaat Kalifornien nun mehr Datenschutz durchgesetzt
hat: Anbieter wie Apple, Google oder Microsoft haben sich verpflichtet,
einheitliche Standards durchzusetzen. Die Apps dürfen nicht mehr heimlich Daten
saugen. Vielmehr müssen die Nutzer genau über die jeweiligen Abfragen
aufgeklärt werden. Das ist ein richtiger Schritt, aber er geht nicht weit
genug. Denn die Menschen sind im Umgang mit Computern - leider - anders
sozialisiert: Wer liest sich vor der Installation einer neuen Software, sei es
am Personalcomputer oder am Telefon, schon die Nutzungsbedingungen oder
Datenschutzerklärungen genau durch?
Weiter gehende Verpflichtungen gefragt
Die Industrie braucht weiter gehende Selbstverpflichtungen
oder im Zweifel gesetzliche Auflagen. So sollten Apps überhaupt nur die Daten
nutzen dürfen, die für den jeweiligen Dienst auch wirklich notwendig sind. Und
später muss der Kunde in der Lage sein, zu prüfen, welche Daten auf den Servern
der App-Anbieter vorhanden sind, und sie löschen können. Bis dahin hilft nur,
doch aufmerksamer zu lesen, was da auf dem Telefon landet. Das ist zurzeit bei
Googles Android übrigens einfacher als bei Apples iPhone, wobei auch Googles
jüngste Datenschutzinitiativen wahrlich nicht überzeugen.
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