Wie die Avantgarde auf die Cebit kommen soll: Formel Code-N
03. März 2012, 08:26
Uhr
Vom Übersetzungsservice für Facebook-Nachrichten bis zum mobilen Kassensystem für die Gastronomie, das mit der Hilfe des iPhone von Apple realisiert wird: Die Finalisten des auf Initiative des Stuttgarter IT-Dienstleisters GFT Technologies AG zum ersten Mal ausgerichteten Code-N-Wettbewerbs haben sich Geschäftsmodelle ausgedacht, die den mobilen Lebensstil bedienen. Ausgewählt aus mehr als 400 Bewerbungen, sind die 50 besten Innovatoren eingeladen, ihre Ideen auf der Cebit vorzuführen - in der von Künstlern gestalteten Halle 16. Aus dem Kreis der besten Bewerbungen wird der Gewinner des „Code-N-Award" ermittelt. Fragen an Ulrich Dietz, den GFT-Vorstandsvorsitzenen, zu den Zielen des Projekts.
Herr Dietz, Code-N kostet gewiss eine Menge Geld, was sagen
denn Ihre Vorstandskollegen dazu?
Die waren von der Idee zunächst überhaupt nicht begeistert.
Wir haben aber die Vor- und Nachteile abgewogen und gemeinsam die Entscheidung
getroffen, das Projekt umzusetzen.
Auf den ersten Blick bringt es Ihrem Unternehmen nichts,
wenn Sie in einer futuristisch eingerichteten Cebit-Halle junge Gründer auf
sich aufmerksam machen, die keinesfalls Ihre Kunden sind.
Darum geht es aber auch gar nicht in erster Linie.
Worum dann?
Ich habe ein Interesse daran, Avantgarde auf die Cebit und
nach Deutschland zu holen, sich auf etwas Neues einzulassen, auf etwas, von dem
man vorher nicht schon weiß, wie es wird. Mit Code-N kommen Aussteller auf die
Cebit, auf deren Ständen man nicht einfach nur auf graue Computer schauen muss,
hier geht es um völlig neue, innovative Ideen aus der ganzen Welt.
Das ist schön, und doch stellt sich die Frage: Wem nützt das
alles?
Es nützt dem Technologiestandort Deutschland, es nützt der
Cebit, es nützt den Besuchern - und natürlich auch GFT. Aber jetzt mal der
Reihe nach: Schauen Sie, die Unternehmenswelt steht doch vor einem echten
Dilemma. Seit Aufkommen des Internets versuchen alle, in dieser neuen,
vernetzten Welt anzukommen. Dafür wurden oft schon riesige Summen ausgegeben .
. .
. . . und versenkt . . .
. . . und schon ist das Internet in einer neuen
Entwicklungsstufe, dem sogenannten Web 2.0, in dem der Austausch mit den
Nutzern viel wichtiger wird. Dazu muss nun, wenn man so will, das sogenannte „Unternehmen
2.0" entwickelt werden, das überfordert aber viele. Insbesondere große Konzerne
stoßen da an ihre Grenzen. Das stellen wir in den Projekten mit unseren Kunden
immer wieder fest. Hinzu kommt die große Geschwindigkeit, mit der sich unser
wirtschaftliches Umfeld verändert. Da hilft es Großen manchmal sehr, von der
Dynamik und Ideenvielfalt der Kleinen zu lernen.
Können Sie ein Beispiel nennen?
Automobilkonzerne zum Beispiel haben schon gemerkt: Neue
Geschäftsmodelle wie die Mobilitätskonzepte „Car2Go" von Daimler und „Drive
Now" von BMW, Mini und Sixt zu entwickeln kostet sehr viel weniger als ein
neues Automodell, wo die Investitionen Milliardenhöhe erreichen können. Auch
Energiekonzerne brauchen Antworten auf die Energiewende, also „intelligente"
Netze. Und ein Drittes: Entwickeln kann man diese Produkte heute rund um die
Uhr auf der ganzen Welt. Darauf hat sich längst nicht jedes Unternehmen
eingestellt.
Und die Aussteller in der Code-N-Halle können auf diese
Herausforderungen tatsächlich Antworten geben?
Sie können jedenfalls interessante Denkanstöße geben, und
die Themenvielfalt ist groß. Da finden sich Apps, die sich in Indien zur
Bekämpfung der Korruption einsetzen lassen, medizinische Anwendungen,
Sicherheitstechnik oder auch Programme, die für effizientere Abläufe in der
Gastronomie sorgen. Um auf Ihre Frage mit Blick auf unser Unternehmen
zurückzukommen: Wir bauen einige der Ideen durchaus schon in unsere laufenden
Projekte mit großen Kunden aus der Finanzdienstleistungsbranche ein, zum
Beispiel beim Thema biometrische Sicherheitstechnik.
Wer am Ende des neuen Code-N-Wettbewerbs Gesamtsieger wird,
ist also gar nicht so entscheidend?
Nein, denn alle, die nach Hannover eingeladen werden, sollen
und können sich als Sieger fühlen - und nach der Messe ist Code-N schließlich
auch noch nicht zu Ende.
Was meinen Sie damit?
Wir werden Code-N zu einer Plattform ausbauen, zu einem
Netzwerk, in dem sich die Teilnehmer miteinander austauschen und Erfahrungen
weitergeben können. Dazu werden die entsprechenden Programme gerade entwickelt.
Wir sind schon jetzt auf allen relevanten Social-Media-Kanälen aktiv, um von
den Code-N-Ideen zu berichten und über Themen rund um das mobile Internet zu
diskutieren. Und wir werden Code-N-Häuser eröffnen, das erste im Raum
Stuttgart, in denen flexibel verfügbare Arbeitsplätze in einer vollkommen neuen
Arbeitsumgebung für die Teilnehmer, aber natürlich auch für die Mitarbeiter
unseres Unternehmens entstehen. Sie sehen: Es geht auch hier um Konzepte für
die Arbeitswelt von morgen. Wir bauen um den Code-N-Wettbewerb weitere Module
herum.
Und schon wieder stellt sich die Frage: Wer soll das
bezahlen?
Nun, gewiss wären weitere Partner hilfreich. Aber es waren
auch schon einige große Unternehmen positiv überrascht, was wir als
Mittelständler hier angestoßen haben. Das Interesse, hier mitzuwirken, ist sehr
groß. Wir führen interessante Gespräche. Ich bin also optimistisch, dass wir
die Zahl der Träger verbreitern können. Wir arbeiten bereits an entsprechenden
Modellen, die vor allem für Finanzinvestoren interessant werden. Unsere
Grundidee: Unternehmen können mit einer Jahresgebühr an der Plattform und an
vielfältigen Modulen partizipieren. Eines der Module sieht auch die Beteiligung
durch einen Technologiefonds vor. GFT sorgt dafür, dass die Schnittstellen
funktionieren.
Das dürfte dann auch wieder für Ihren Finanzvorstand
interessanter sein . . .
. . . der ist inzwischen sowieso von der Idee und den
vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten angetan, aus vielen Gründen, aber auch,
weil wir sehen, wie sehr der Wettbewerb hier alle im Haus begeistert. Die
Botschaft von Code-N, dass man keine großen Budgets und große Teams braucht, um
pragmatisch voranzukommen, passt gut zum Produktangebot und zur Kultur unseres
Hauses.
Und wie laufen die Geschäfte Ihres Hauses derzeit?
Nun, wir haben ja am 1. März unsere Zahlen für das
Geschäftsjahr 2011 vorgelegt. Der Umsatz ist um 10 Prozent auf fast 250
Millionen Euro gestiegen. Und wir bleiben unserem Ziel treu, im Jahr 2015 die
Marke von 500 Millionen zu erreichen.
Das Gespräch führte Carsten Knop.
(Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist Medienpartner von Code-N.)
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