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Allerseelen

Ein ♥ für Nerds!

29. Januar 2012, 12:44 Uhr

"Störe meine Regexes nicht". Eines von vielen gespeicherten Zitaten aus meinem geliebten Chat, in dem ich immer herumhänge. Oder in Nerdsprache: Der Chat, in dem ich immer lauere.

Was Regexes sind, weiß ich nicht, ich nehme an, es hat etwas mit Programmieren zu tun. Darüber sprechen die anderen auch gern mal, ich kann dann nicht mitreden. Fiona bald schon: Sie lässt sich gerade von zwei anderen aus dem Chat Programmieren beibringen, und zwar von Grund auf. Darüber berichtet sie in ihrem Blog "Fiona lernt Programmieren".

Fiona vernerdet jetzt. Und das als Frau! Kann das überhaupt gehen? Sind Nerds nicht männliche, pizzaessende Einzelgänger, die nur ihren Computer lieben?

Das alte Klischee

Soweit das Klischee. Vor einigen Jahren kloppte ich in meinem Blog mal Nerdklischees und es kamen zahlreiche spannende Assoziationen heraus. Auch auf Beziehungen kam die Debatte recht schnell. Schon damals kommentierte Tessa: "Ich würde über jeden meiner Exfreunde und auch über den aktuellen sagen, dass sie Nerds sind." Und: "Ich würde sogar behaupten wollen, es gibt Nerds, die mit Computern und Web eher wenig am Hut haben."

Halten wir also fest: Nerd ist jemand, der speziell interessiert und/oder speziell intelligent ist. Nerdtum muss nichts mit Computern zu tun haben. Ob ein Nerd lieber Mittelalter-Klamotten näht oder Musik macht, kommt auf den Charakter an. Und, was in einer Welt, die Männern die Ratio und Frauen das Emotionale zuschreibt, so gern vergessen wird: auch Frauen können Nerds sein.

Nerdtum und Sexyness

Und das Nerd-Klischee wird gerade wieder gerne strapaziert. Der Tagesspiegel wartet - Aufhänger Piratenpartei - mit "Verpeilt ist sexy" auf. Einer ganzen "Phänomenologie einer seltsamen Spezies von der Antike bis heute" - und zwar "Mit Selbsttest". Das mag nicht ganz ernst gemeint sein, zeigt aber dennoch, dass sich nicht nur der Begriff des Geeks, der früher auch gern synonym mit Nerd verwendet wurde, gewandelt hat. Zwar fährt der Tagesspiegel-Artikel alle Klischees noch einmal auf, es wird "eine kopflastige Intelligenz - zu Lasten der Körperlichkeit" halluziniert und am Ende wird es gar biologistisch - die Verbindung von Nerdtum mit Sexyness ist dennoch bemerkenswert.

In einer sexualisierten Welt sind diejenigen, die keinen Sex haben, abgewertet. Asexualität ist ein Thema, das totgeschwiegen wird. Und wem Asexualität zugeschrieben wird, der steht in dieser Welt als Verlierer da. Oder als Verliererin.

Julia Schramm produzierte großes Geheule

In einem Nebensatz schrieb Julia Schramm in ihrem Beitrag "Einfach mal zuhören" auf heise.de den Nerds mangelnde Flirtfähigkeit zu. Schramm sprach von "der eigenen Unfähigkeit, mit Frauen so umzugehen, dass sie einen nicht mit dem Prädikat 'nett' abbügeln". Großes Geheule war das Echo. Eigentlich ging es in dem Artikel im Feminismus, das trat angesichts der Nerdbeschimpfung aber in den Hintergrund. 

Anfang Januar erschien ein Blogartikel, der sich mit "Piraten, Pornos und Postgender" befasste. Auch hier wurde die Zuschreibung vom unsexy Nerd wiedergekäut, und zwar sehr tabulos. Die Behauptung aufgestellt, eine "typische junge Frau behandelt den Nerd mit seinem Bedürfnis nach Sexualität doch eher als Bedrohung, und ein Nerd, der Sex will, ist weitaus schlimmer als von dem braungebrannten Arschloch aus dem Fitnessclub zwischen zwei Energydrinks in der Umkleide eben mal in den Hintern gefickt zu werden." Dabei spiele es keine Rolle ob der Nerd pervers oder Vanilla veranlagt sei, oder wie liebevoll oder romantisch er ist. "Ein Nerd wird es maximal in die Friendzone einer typischen jungen Frau schaffen, die Eier wurden ihm im Kopf der Frau schon beim ersten Blick abgenommen."

Nerds mit Uralt-Klischees zu entsexualisieren, das kann auch der Neid des aufgepumpten Prolls sein, der seine Felle davonschwimmen sieht. Es ist ja kein Geheimnis, dass die Verlierer des Partnerkarussels die formal niedrig gebildeten Männer und die hoch gebildeten Frauen sind.

Strickjacken und Nerdbrillen

Seis drum: Wer diese "typische junge Frau" ist, verrät der Autor nicht. Passt aber ganz gut in die Zeit, in der über Frauen- und Männerbilder diskutiert wird. Auch Nina Pauer sprach in ihrem Schmerzensmänner-Artikel auf zeit.de ja vom "verunsicherten jungen Mann" und "der jungen Frau". Ja, es scheint aktuell Trouble zu geben mit Strickjacken- und Hornbrillenträgern - Achtung, das heisst heute Nerdbrille. Die alle scheinen das klassische Geschlechterbild für einige durcheinanderzubringen. Und jetzt eben auch noch der Nerd.

Ich mag Nerds. Bin ich deswegen eine untypische Frau? Ganz jung bin ich auch nicht mehr, laut Wikipedia bin ich seit letztem Sonntag 33. In den letzten Jahren hab ich ein paar Nerds kennengelernt. Wenn ich nicht selbst einer bin! Sogar ein richtiger Computer- und Zahlennerd. Ich war als Jugendliche in einer Mathetalent-Gruppe, ich liebe meinen Computer und mute ihm nichts außer Internet, Strom und Freier Software zu. Einige meiner besten Freunde sind Nerds. Männer und Frauen. Die meisten von ihnen führen ein ordentliches Beziehungs- und Familienleben. Mit oder ohne Kinder. Manche dieser Nerds sind gar verheiratet!

Heiße Nerds

Nerds sind cool und finden Freunde, weil sie intelligent sind. Man kann sich mit ihnen gut unterhalten. Sie können vernünftig mit digitalen Kommunikationstechnologien umgehen. Man muss nicht mit ihnen telefonieren, sondern kann sich im Chat sexy oder unsexy Nachrichten schicken. Viele von ihnen hören die gute Musik der Computergeneration: Elektro. Die heissesten Partys sind die vom Chaos Computer Club oder nerd-assoziierte Technofestivals im Berliner Umland. 

Wenn wir schon bei den Klischees sind: Nerds wird Technikkompetenz zugeschrieben, sie dürften Sexspielzeuge bedienen können. Viele kennen sich mit Internetpornografie gut aus und haben sich viele Gedanken über ihre sexuellen Vorlieben gemacht. Oftmals hinterfragen Nerds Gegebenes grundsätzlich ("Nichts ist, wie es scheint"), auch das führt zu einer gewissen Offenheit, zum Undogmatischen. Zum Beispiel bei Beziehungen und bei sexuellen Orientierungen. Polyamorie, Bisexualität, Gender Trouble - alles dabei und erlaubt. Auch für heterosexuellen Sex ist es nicht schlecht, wenn sich das Gegenüber nicht ausschließlich an der Ästhetik von Standard-Pornografie orientiert.

Lasst es euch ein für allemal gesagt sein: Auch Nerds haben Sex, guten Sex. Nerds führen ganz normale Beziehungen. In Mannheim gibt es "Nerd & Sexy" Parties. Nerds finden es nicht witzig, entsexualisiert zu werden, genau wie es andere Gruppen - zum Beispiel Homosexuelle, Polyamore und Nicht-Verheiratete - nicht witzig finden, ständig sexualisiert zu werden.

Nun muss ich aber weiter rumnerden. So wie Archimedes, schönes Nerd-Beispiel aus dem Tagesspiegel-Artikel:

Man denke an Thales, der beim philosophischen Spaziergang in den Brunnen fiel oder an Archimedes, der dem anstürmenden Soldaten ein trotziges „Störe meine Kreise nicht" entgegen schleuderte.

Also, stört meine Bloggerei nicht. Oder wie man in meinem Chat sagen würde: Störe meine Regexes nicht. Was auch immer das bedeutet. Nerdette Fiona wird es vielleicht wissen. Auch wenn sie in der Nerdklischee-Fernsehsendungs-Vergleich-Grafik ganz klischeehaft als "stupid girl" getaggt ist.

Life of Nerds TV Show

Veröffentlicht 29. Januar 2012, 12:44 von Julia Seeliger
Kommentare

Hans

29. Januar 2012, 17:00

Was will dieser Text eigentlich mitteilen?

Squig

29. Januar 2012, 17:44

http://twitter.com/darthsquig

Wieso werden Rockliebende Nerds (Stichwort: Wacken Open Air), Indiemusiknerds (SW: Haldern Festival) und Hip-Hop hörende Nerds (SW: Nerdcore) eigentlich so diskriminiert?

Julia Seeliger

29. Januar 2012, 18:18

Hallo Squig,

ich dachte schon, dass das kommt. Rock: ok. Aber Indie, hören das viele jenseits des Abi-Party-Alters??

Nicolai v. N.

29. Januar 2012, 18:50

@Squig

Nur, weil Leute verschiedene Dinge obssesiv betreiben, sind diese Dinge nicht gleich(wertig). Der klassische IT-Nerd lernt ja etwas ermächtigendes. Der Wacken-Nerd (im Publikum) eher weniger. Wacken-Wissen (prima Wort BTW) lässt sich nur schlecht in Macht, Geld oder Freiheit umsetzen. Mit IT-Wissen kannst du ganze Welten kreieren (und wenn es dafür nicht reichen sollte, immerhin ziemlich viele Probleme lösen und Arbeit sparen). Du bist real mächtiger auf einem Handlungsfeld, dass sich durch die Computerisierung auch noch immer weiter ausdehnt.

Fachwissen über Popmusik dient nur in ganz bestimmten begrenzten Kontexten als Herrschaftswissen. Fachwissen über IT ist gültiges Herrschaftswissen in immer mehr bereichen. Du kannst dann und die anderen nicht. Macht kommt von machen (können). Und Macht ist für sehr viele attraktiv.

Hinzu kommt, dass das ja alles keine weißen Kulturtechniken sind (auch wenn Wacken vermutlich als „White Trash“ wahrgenommen wird). Das macht es mit der symbolischen Anerkennung noch mal schwieriger.

Squig

29. Januar 2012, 19:03

http://twitter.com/darthsquig

Kenne da so einige, und der Übergang zwischen Rock und Indie ist ja sicher fließend.

Der Altersdruchschnitt bei Festivals wie dem Hurricane oder dem Haldern ist sicher jenseits der 20, oder zumindest nah drann. Das selbe gilt für Konzerte von vielen Indie Bands (dabei sollte man Indie aber A nicht auf Indierock und B nicht auf Bands wie Tomte und Franz Ferdinand beschränken).

Harald

29. Januar 2012, 22:02

IT-Nerds und Wacken-Nerds (oder andere Musiknerds einschl. Klassik) verstehen sich in der Regel recht gut. Vereinigen sich beide Ausrichtungen in einer Person hat sich der Sex sowieso erledigt, weil außer Arbeit (Programmieren), Feierabend (Programmieren und Musik hören) und Wochenende (IT-Konferenzen und Konzerte) keine Zeit bleibt. Mit 'Macht' haben beide wenig zu tun, sie suchen Anerkennung bei Gleichgesinnten und Bestätigung bei Interessierten - außer es sind erfolgreiche Hacker, Firmengründer oder Bandmitglieder: nur einen kleinen Teil einer speziellen Ausprägung dieses Nerdtums.

Julia Seeliger

29. Januar 2012, 22:05

Wohoo, weiter so. Das ist eine schöne Debatte :)

Ingoa

30. Januar 2012, 04:14

Regexes, damit sind wohl "Regular Expressions" gemeint.

Eine sehr mächtige Technik um mit Strings (Zeichenketten) in anderen Strings, die wiederum Strings enthalten (können) ganz viele stringtypische Dinge zu tun.

Also etwas, was man hin und wieder gebrauchen kann in den informationsverarbeitenden Sphären.

Und zwar so gut wie überall.. ;)

Julia Seeliger

30. Januar 2012, 09:16

Oh, danke. :) klingt plausibel. Und interessant.  Ich googel das mal.

Leon

30. Januar 2012, 09:38

http://sevenmil.es

Eine Frage: Warum geht es im Artikel die ganze Zeit nur um Sex? Ist das alles, woran sich inzwischen diese Diskussion aufhängen lässt? Ist das tatsächlich das meisterlittene Klischee der Nerds?

Gut, hier wurde jetzt also länglich erklärt, dass auch Nerds Sex haben, oder zumindest dazu willens und im Stande sind. Aber was ist mit den sonstigen Klischees sozialer Inkompetenz, dem Vorurteil, man könne mit ihnen "einfach nicht normal reden"?

Julia Seeliger

30. Januar 2012, 10:23

Geht es denn wirklich "die ganze Zeit um Sex"? Wenn es so wäre: wäre das schlimm?

Zum Reden (was auch drin steht): ich unterhalte mich häufig mit Nerds, online wie offline.

Hanna

30. Januar 2012, 14:22

Ich denke um so über nerds urteilen zu können muss man erstmal zeit mit ihnen verbringen. Dann wird man sehr schnell merken, dass nerds auch nur menschen sind, nur eben mit anderen interessen und meistens intelligenter als der durchschnittsmensch. Wieso folgt daraus gleich, dass sie sozial unfähig sind? Meine besten freunde sind nerds. Sie sind die besten freunde die ich je hatte und wunderbar nette und humorvolle menschen.

Worauf basiert das vorurteil, man könne nicht mit nerds reden? Auf fernsehserien wie "big bang theory" (die ja wohl so erfunden wie alle anderen fernsehserien ist und sich nur an klischees bedient) ? Oder darauf, dass sie keinen spaß daran haben, über die letzte castingshow und die partys vom wochenende zu reden? Ist es erstrebenswert, sich nur für solche oberflächlichen sachen zu interessieren?

Man kann nicht mehr an die nerd-klischees glauben, sobald man einen nerd kennt und öfter mit ihm zu tun hat. Das ist meine persönliche erfahrung und hat nichts mit sex zu tun.

Tischbein

30. Januar 2012, 15:25

Als "Nerd" bezeichnet zu werden, gilt in den entsprechenden Kreisen ja schon immer als Kompliment und nicht als Beschimpfung. Jemanden "Nerdette" zu nennen, weil er anfängt, dem längst eingesetzten Cool-Nerd-Trend (Nerdbrille und so) zu folgen, wenn auch in etwas speziellerer Form (Assembler, vielleicht weil das die anderen Hipster noch (?) nicht lernen, sondern "nur" Java oder Ruby), wird bei den meisten wohl eher zu Stirnrunzeln führen.

Ja, ich weiß auch wie ne CPU funktioniert, ja, ich versteh auch ein bisschen was vom Programmieren. Das macht mich zu einem fortgeschrittenen Benutzer, aber doch nicht gleich zu einem Nerd. Komischerweise passiert diese voreilige Zuweisung nur im IT-Bereich so schnell, wenn es z.B. um Musik geht, muss man schon ne ganze Menge draufhaben, um als Nerd bezeichnet zu werden. Das liegt wahrscheinlich daran, dass andere Wissensbereiche für andere intuitiv leichter zugänglich sind als solche, die eher technisch/naturwissenschaftlich fundiert sind.

Die Nerd-Bezeichnung passt nebenbei vor allem dann nicht, wenn in dem von dir zitierten Blog ständig darauf verwiesen wird, wen man jetzt mit den gerade aufgeschnappten Informationen beeindrucken kann und die kommentierenden "Lehrer" arrogant die Nase rümpfen, wenn andere nicht mit Assembler, sondern mit Java anfangen, was zwar die meistbenutzte Programmiersprache der Welt ist, aber halt nicht so elitär daherkommt, weil es auch Einsteigern, wie es Fiona ja selber ist, die attraktive Chance bietet, sich innerhalb von einer halben Stunde den grundsätzlichen Aufbau formaler Sprachen klarzumachen (wenn sie das vorher gemacht hätte, würde ihr Assembler wesentlich leichter fallen, denn bisher scheint mir, ihr fehlen da einfach absolute Grundlagen). Einen Nerd zeichnet doch eben nicht nur das obsessive Interesse aus, sondern auch der Umstand, dass äußere Einflüsse wie z.B. der oben beschriebene Trend dabei eine untergeordnete Rolle spielen, nur das persönlich motivierte Nerdtum ausschlaggebend ist, sozusagen. Und eben auch ein gewisser Wissensstand, den man sich erst erarbeiten muss.

Aber gut, allgemein unterstütze ich die Entwicklung sehr, ich lern ja selbst immer mehr auf bunte Buttons zu verzichten und mich mehr mit der Materie an sich zu befassen. Aber bitte, bitte, jetzt fangt doch nicht an, alle Nerds zu nennen, die sich ein bisschen mit Computern beschäftigen, dann wirds generisch, aussagelos und meiner Meinung nach auch ein bisschen peinlich.

Achja, übrigens mag es für viele bestärkend wirken, wenn man anmerkt, dass da ne Frau (!!!11) versucht Programmieren zu lernen, ich persönlich finde es eher frustrierend, wenn darauf immer wieder herumgeritten wird und ich weiß, ich bin da nicht die einzige. Die Grafik ist ja ironisch genug. Klischees auszubreiten und dabei zuzugeben, dass es Klischees sind, ändert in der Regel nichts daran, dass man Klischees ausbreitet.

Ich wollte eigentlich nicht so negativ über den Artikel schreiben, es gibt bestimmt ein Publikum, dem er wie angegossen passt und auch eines, das hier etwas Neues lernt. Mir erscheint er ziemlich platt.

Nerd

30. Januar 2012, 20:04

obvious xkcd reference: http://xkcd.com/208/

Jan

30. Januar 2012, 21:23

Ich höre mal zu. Seit ihr online?

Julia Seeliger

30. Januar 2012, 22:45

Tischbein: Ja, "in entsprechenden Kreisen" ist immer allet jut. Problematisch wirds i.A. wenn irgendwas aus dem "w entsprechenden" in einen "unentsprechenden" Kreis transformiert wird. Dann fangen die Probleme mit den Klischees bzw. Zuschreibungen an.

Harald

31. Januar 2012, 00:03

Schaut euch 'Revenge Of The Nerds' an! www.youtube.com/watch - dagegen sind die Klischees in den genannten Serien harmlos. Ich liebe es. Und im Prinzip kommt es zum selben Schluss wie dieser Artikel. Und an alle, die hier versuchen Nerds als normale Menschen hinzustellen: NEIN, sie sind nicht normal! JA, sie entsprechen den Klischees! Und JA: Nerds zu verteidigen deutet darauf hin, dass man selbst ein Nerd ist! Und JA: unter den Nerds ist ein Nerd normal (normal ist relativ)! Was wäre Nerdistan, wenn da inzwischen schon die Normalos reinkommen? :-)

Jetzt ist nur noch die Frage offen, welcher Typ Regexes bevorzugt wird.

Julia Seeliger

31. Januar 2012, 16:48

Leute, danke für eure Kommentare. Mir ging es hauptsächlich um Sexualisierung und Asexualisierung. Natürlich auch um die Dekonstruktion eines blöden Klischees. Aber natürlich ist richtig: genau wie anderswo - zum Beispiel bei den Bauarbeitern - gibt es auch bei den Nerds welche, die keinen Sex haben. (was ja voll ok ist).

Und ach ja, macht eure Computer schöner. Flugs ein xmodmap -e 'keycode 133 = U2665' in die Konsole eingegeben, und schon macht die Windows-Taste ♥♥♥

Die Windows-Taste braucht man doch eh nicht!

LeSpocky

31. Januar 2012, 16:59

http://www.lespocky.de/blog/

Die Windows-Taste ist super, weil da fast keine Tastenkombinationen drauf liegen. D.h. man kann sich da alle möglichen eigenen Shortcuts drauf legen, ohne mit irgendwelchen Defaults in Konflikt zu kommen. Gilt übrigens für Windows und Linux. :D

beliebig

31. Januar 2012, 18:04

https://twitter.com/beliebig

Man sollte nicht die große Dunkelziffer der "unsichtbaren" (männlichen) Nerds vergessen. Denn die meisten Nerds, die sich öffentlich als Nerd bezeichnen oder präsentieren, sind Leute, die genug soziales Selbstbewusstsein (entwickelt) haben und somit gut mit der Welt zurecht kommen und mindestens ab und zu Sex haben. Und denen es auch Spaß macht über Nicht-Nerdthemen zu reden, obwohl sie viel coden/nerdkram machen.

Die anderen sitzen meist zuhause und machen nichts als coden und/oder auch zocken. Viele von ihnen zerfließen im Selbstmitleid, dass sie es eh nie schaffen würden, mit einer Frau im Bett zu landen. Das sind nicht die wenigen asexuellen Nerds, welche ich eher in Gruppe sehe. Es fängt mit dem aus-dem-haus rausgehen an. An welchen Orten trifft man denn Frauen, die sich für ein interessieren? Und dann ist man an so einem Ort und schafft es immernoch nicht vernünftig mit den Frauen zu reden. Das übliche...

Natürlich ist diese Sicht die schwarz-weiß-Welt, in der Realität stecken die meisten "Nerds" irgendwo zwischen beiden Gruppen.

Tischbein

31. Januar 2012, 18:39

Ich hab gar keine Windows-Taste... \m/

:D

Thorsten Haupts

31. Januar 2012, 23:31

"Es ist ja kein Geheimnis, dass die Verlierer des Partnerkarussels die formal niedrig gebildeten Männer und die hoch gebildeten Frauen sind."

Und ironischerweise beide aus demselben Grund: Weil Frauen sich bei der Partnerwahl in formalem Status und Einkommen fast niemals nach "unten" orientieren, sondern i.d.R. jemanden suchen, der ihnen in beidem noch überlegen ist. Und das nach 100 Jahren Emanzipation. Es gibt durchaus Gebiete, auf denen auch Frauen ihre Emazipation keineswegs abgeschlossen haben :-)))))).

Gruss,

Thorsten Haupts

Julia Seeliger

01. Februar 2012, 10:43

"Weil Frauen sich bei der Partnerwahl in formalem Status und Einkommen fast niemals nach "unten" orientieren, sondern i.d.R. jemanden suchen, der ihnen in beidem noch überlegen ist."

So ist es. Auch in (heterosexuellen) Internetdatingbörsen kann man das beobachten: Männer mit zu schlechtem Einkommen oder formal niedriger Bildung werden gleich weggeklickt. Und warum? Weil es alle so machen. ... oder?

Bis sich das mal ändert, belege ich lieber noch ein paar andere Tasten neu .. aber welche nur braucht man denn noch nicht, gibt es noch eine außer der Windows-Taste? bzw. bei mir ja jetzt: der Taste der Liebe ♥♥

Oliver-August Lützenich

03. Februar 2012, 21:12

Du lieber Himmel, wo bin ich denn hier gelandet, ausgerechnet während ich den Trentem... höre und doch immer beim lesen (Allerseelen!) gedacht habe; ach Gott, der Kirchenblog in der FAZ, da gehts bestimmt nur um die Bibel und son kram und da könnt ich zwar mitschreiben, aber da fehlt mir die Lust zu und dann das, ein Blog mit Nerds und Sex und Tastenbelegungen, Mann oh Frau oh und so viele nette Klischees, Hammer und ich bin wegen dem Glauben mal wieder viel zu spät eingestiegen; Mann! Wann legst Du den Glauben endlich ab und fängst an zu wissen! War nur an mich gerichtet, könne Sie vergessen. Also, um was gings? Schade, schon alle wieder wegg, na gut, beim nächsten mal vielleicht und ich kann keine Herzchen, weil ich imäcke, schade, tsciao.

Lyzis Welt

26. Februar 2012, 19:38

http://lyziswelt.blogsport.de

"Der Begriff »Nerd« ist nicht halb so unschuldig, wie er aussieht, sondern inzwischen meist eine Kampfparole der laut- und auflagenstarken Fraktion nivellierungsgeiler Pop-Propagandisten aus gutem Hause. Sobald diese nämlich jemanden einen »Nerd« nennen, wollen sie damit in 99 Prozent der Fälle sagen, jene(r) stünde nicht mitten im Leben – hat keine(n) Freund(in), wohnt bei Mama, geht alles vom Kopf her an, ist isoliert – kurz: all das, was die Nazis »intellektuell« genannt hätten, »unfähig zur Kraft durch Freude«. Wer Minderheiten gleich welcher Art Eskapismus vorwirft, will immer auf Gleichschaltung hinaus und brüllt: Hör auf, dich abzusondern. Das kann mich am Arsch lecken. So viel zur Genre- und Nerdfrage als soziologischem Entmündigungsversuch..."

(Dietmar Dath in "polar" #01)

DrNI

23. März 2012, 23:03

http://zwei.drni.de

Meinem Empfinden nach sind Nerds Leute mit Vorlieben für formale Systeme. Was Nerds früher gemacht haben, weiß ich nicht so genau. Aber Computer bieten sich eben an. Konsequent logische Maschinen, zu denen man in einer per Design nichtmehrdeutigen Sprache spricht, einer Programmiersprache. Mittlerweile kenne ich auch Nerds in den formalen Disziplinen der Sprachwissenschaft, die mit Computern wenig am Hut haben. Wobei das englische Wort "Nerds" hier für Männer und Frauen gemeint ist. Leider muss ich sagen, dass dieser Art von Nerds oft eine gewisse soziale Inkompetenz anhängt. Darüber habe ich ein paar unausgegorene Ansätze für eine  Theorie, die ich eines Tages ausgären und mal bloggen sollte. Mir scheinen jedenfalls Empathiefähigkeit und die Liebe zu formalen Systemen nur all zu oft gegenläufig.

Mit der Nerdmode gibt sich nun die breite Masse den schicken Anstrich des intelligenten Computerverstehers – und übersieht dabei gekonnt, dass so ein Nerddasein auch Schattenseiten haben kann.

"Lauern" finde ich keine passende Übersetzung für das mittlerweile fast deutsche Wort "lurken". Liegt vielleicht daran, dass ich mich mit Regexen auskenne.

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