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Allerseelen

Gegendarstellung zu "Reden wir also über Auschwitz"

15. Februar 2012, 07:00 Uhr

In der Internetausgabe der FAZ vom 09.2.2012 ist ein Blog-Eintrag mit der Überschrift "Reden wir also über Auschwitz" veröffentlicht worden, der in Bezug auf meine Person die Behauptung enthält:   "Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann bezeichnete mal die Juden als ''Tätervolk'' - eine typische Täter-Opfer-Umkehr."  

Dabei handelt es sich um eine unrichtige Tatsachenbehauptung, die ich wie folgt richtigstelle:

In der Rede zum Tag der Deutschen Einheit am 03.10.2003 habe ich gesagt: "Juden waren in großer Anzahl sowohl in der Führungsebene als auch bei den Tscheka-Erschießungskommandos aktiv. Daher könnte man Juden mit einiger Berechtigung als "Tätervolk" bezeichnen. Das mag erschreckend klingen. Es würde aber der gleichen Logik folgen, mit der man Deutsche als Tätervolk bezeichnet. Meine Damen und Herren, wir müssen genauer hinschauen... . Weder "die Deutschen" noch "die Juden" sind ein Tätervolk."  

Neuhof, den 10.02.2012  

Martin Hohmann

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Reden wir also über Auschwitz

 

Opfer fein
Opfer Opfer Opfer sein

von nichts gewuszt
ne schlechte tarnung
ob du dir das selber glaubst?
Hier kommt die Warnung!

(Egotronic: Von nichts gewuszt)

Unbequeme Wahrheiten sind unbequem. Der erste richtig große Applaus in der Jauch-Sendung vom vergangenen Sonntag brandete auf, als Anita Lasker-Wallfisch sagte: "man muss auch vorsichtig sein mit der Jugend, die nicht zu überfüttern mit dem Holocaust. Diese Generation hat keine Schuld". Die Auschwitzüberlebende hatte gerade von ihren Zeitzeugengesprächen in Schulen erzählt.

Auch in der Jauch-Sendung wurde, wie so häufig, beklagt, dass das Dritte Reich und der Holocaust in Schulen über Gebühr behandelt würde. Jedoch wird das Thema keinesfalls zu häufig behandelt - sondern falsch. Wenn Marina Weisband sagt, es seien zu viele Zahlen, dann deckt sich das mit Forderungen von Pädagogen. Der Unterricht muss sich ändern.

Allein die Zahlen - mit denen bei diesem Thema übrigens viel gelogen wird - sind es aber wohl nicht. Ich erinnere mich auch noch gut daran, wie wir stöhnten, als mal wieder 1933 dran war - doch an Unterricht zum Holocaust selbst erinnere ich mich ehrlich gesagt überhaupt nicht. Einmal waren wir in einer Gedenkstätte, in Neuengamme. Dunkel erinnere ich mich an Gemäuer und Verliese.

Verdrängt?

Allerdings erinnere mich noch sehr gut an das allererste Mal, als in der Schule das Gespräch auf die NS-Zeit kam. Sechste Klasse. Der Lehrer sagte: "Nationalsozialismus, das setzt sich zusammen aus national und Sozialismus". 

Ob das bei meinem Lehrer Propaganda war oder Dummheit, weiß ich nicht. Bei der CDU-Bundestagsabgeordneten Erika Steinbach weiß man auch nicht so genau, was sie dazu trieb, auf Twitter zu schreiben, die NSdAP sei eine linke Partei gewesen, denn sie sei ja für den Sozialismus gewesen. Das provozierte Kritik, unter anderem Form von Anzeigen für Geschichts-Nachhilfeunterricht, die sich plötzlich überall im Bundestag fanden.

Erika Steinbach Bundestag Opfer Juden Deutsche

In der Nachhilfe-Anzeige wird auch angesprochen, dass Steinbach die Deutschen für die "zweite große Opfergruppe des Zweiten Weltkriegs neben den Juden" halte. Die Tätervolk-Debatte um den ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann  - ein weiteres Beispiel. Und auch in Österreich betrügt man sich selbst gern mit der Argumentation, man sei das "erste Opfer" Hitlerdeutschlands gewesen.

Ja, wer hört schon gern unangenehme Wahrheiten. Auch in Familien wird das meist totgeschwiegen. Eine nationale Psychose.

Es ist kalt, winterkalt. Bitterkalt. Das Lager Auschwitz 1 sieht aus wie ein gemütliches Backsteindorf. Hinein, hindurch unter dem zynischen "Arbeit macht frei". Wir sind mit einer Gruppe deutscher, österreichischer und polnischer junger Erwachsener da. Eine Baracke nach der anderen. Haare, Brillen, Prothesen - alles haben die Nazis weiterverwendet. Und die Arbeitskraft der Gefangenen. Kapitalistische Verwertung als Abfallprodukt der Menschenvernichtung. Einer Menschenvernichtung, die auf der Nazi-Ideologie der Ungleichwertigkeit fußte.

Das sollten wir alles wissen. Wissen wir aber nicht. Wollen wir nicht hören. Relativieren. Das "private Auschwitz" verdrängen.

Nach jeder Baracke wird es schlimmer. Die ersten fangen an zu weinen. Kellerverliese. Menschenversuche. Draußen beginnt es zu schneien. Schwer vorstellbar, wie Menschen hier auch nur drei Tage überlebt haben. Jeden Tag harte Arbeit. In Sträflingskleidung. Barfuß. Im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau wird wieder gelacht. Buffer Overflow. Grauen an Grauen. Schriftzüge "Verhalte dich ruhig" an den Wänden der Baracken. Und die Gaskammern.

Deutsche Gaskammern.

Etwas mehr als 67 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz wird nun bei Günther Jauch darüber diskutiert, wie mit dieser Schuld umzugehen ist. Am Ende der Sendung soll Jauch selbst zerknirscht über den Verlauf der Sendung geäußert haben, schreibt Marina Weisband in ihrem Blog. Weisband berichtet dort noch von ihrem Verstummen angesichts der beeindruckenden Biografie Anita Lasker-Wallfischs und twitterte das wunderbare Wallfisch-Zitat: "Ich darf hier rauchen, ich habe Auschwitz überlebt."

Einig war man sich in der Sendung, dass es keinen "Schlussstrich" unter die deutsche Geschichte geben solle. Lasker-Wallfisch sagte: "Schuld habt ihr nicht. Aber ihr habt eine Verpflichtung, daran zu denken und euch wie anständige Menschen zu benehmen". Richtig ist: eine individuelle Schuld am Holocaust kann jemand, der 1991 geboren ist, nicht haben.

Schlussstrichdebatten sind nichts neues, es hat sie in der Geschichte der Bundesrepublik immer gegeben. Die letzte große war 2006 bei der Fußball-WM im eigenen Land. Im neuen scheinbar so positiven Schwarz-rot-gold-Patriotismus schwingt wohl auch immer ein Stück Schlussstrich-Sehnsucht mit.

Ich fühle, wie sich alles wandelt
Und wie ich selber ändern kann,
was mich beengt in meinem Leben
Denn mit Ändern fängt Geschichte an.

Wohin es geht, das woll'n wir wissen
Und betreten neues, deutsches Land.

Ich freu' mich auf mein Leben
Mache frische Spur'n in den weißen Strand.

Das Lied "Was es ist" von MIA. wurde auch in Neonazikreisen gern mal gehört. Man kann es für Antifa-Paranoia halten, was hier zu dem Song analysiert wurde. Die zitierten Sätze könnten aber auch den Nerv des deutschen Opferkults getroffen haben - frische Spuren im weißen Sand, mit Ändern fängt Geschichte an.

Dummheit und Propaganda können dazu führen, dass wir vergessen. Vergessen ist bequem.

Wie die Verbrechen der Nazis im Gedächtnis bleiben können, wenn alle Zeitzeugen tot sind - dieses Problem ist nicht trivial lösbar. Im Internet blühen die Meinungen. In Leserkommentaren wird Propaganda gemacht und mit falschen Zahlen operiert.

Doch das ist noch lange nicht so weit. Es gibt noch mehr als 20.000 Holocaust-Überlebende. Hätten Sie's gewusst?

--

Bildnachweis Steinbach: publikative.org

Veröffentlicht 15. Februar 2012, 07:00 von Julia Seeliger
Kommentare

Ich

09. Februar 2012, 23:55

"Allein die Zahlen - mit denen bei diesem Thema übrigens viel gelogen wird - sind es aber wohl nicht."

Meine Güte, Fräulein Seeliger! Bitte, bitte gehen sie weg von hier und verschonen meine geliebten F.A.Z. Blogs!

knoppek

10. Februar 2012, 07:30

Werte Frau Seeliger,

es ist weder Propaganda noch Dummheit, die NSDAP als linke Partei zu bezeichnen; Sie halten sich bezeichnenderweise auch nicht damit auf, diese Zuordnung zu widerlegen, die doch einfach nachvollziehen ist - allein angefangen mit der grundsätzlich linken Idee, den Menschen so zu betrachten, wie er sein soll, und nicht so, wie er eben ist.

Zu den Deutschen als Opfergruppe: Stellen Sie doch einfach mal eine Überschlagsrechnung an, wieviel Prozent der in den Jahren 1939 ff. lebenden Deutschen tatsächlich einmal für Hitler und die NSDAP optiert haben.

shoppe57

10. Februar 2012, 08:43

Es ist ja gut und schön, wie in der BRD von Anbeginn an, mit diesem Thema Parteipolitik zu machen (s. Anmerkungen zu Frau Steinbach). Dumm nur, dass es dazu nicht taugt. Liest man das Buch "Warum die Deutschen? Warum die Juden?", eine vielbeachtete Analyse von Götz Aly, so kommt man zu der Erkenntnis, dass "Gleichheit, Neid und Rassenhass" eine große Ursache für das Resultat "Auschwitz" ist. Hinzukommen weltpolitische Ereignisse und Aktionen, die sich auf das Leben des Einzelnen verheerend ausgewirkt haben. Die Quintessenz und die Schlußfolgerung aus der Untersuchung Aly's ist der Gestalt, dass sich im Begriff "Sozialismus" Maßnahmen subsummieren, welche aus Gleichheits-Dogma und Neid durchaus denen der Nie-Wieder-Erwähnten aus i-Tüpfelchen gleichen und zum Konzept aktueller Politik gehören, unabhängig von der genauen Parteizugehörigkeit der Protagonisten. Die Lehre aus Auschwitz muss also lauten, dass Politik sich tunlichst davon enthält, wirtschaftliche (!) Gleichheit zu fordern und die Menschen hinter diesem Ziel mittels Evokation von Neidgefühlen zu sammeln. Wenn dann noch ein tumber Nationalismus hinzutritt, wird "es" wieder passieren. Tendenzen, dass die Aufsteiger unter den muslimischen Immigranten ähnliche Gefühle auslösen wie seinerzeit die Aufsteiger unter den jüdischen Immigranten, sind bereits massiv zu beobachten. Und aktuelle Aussagen, dass die Finanzmärkte der "Gegner" sind, erinnert fatal an die ähnlichen Aussagen in den 1920er Jahren, dass das "Finanzjudentum" der Gegner sei.

Insofern hat Bildungspolitik im Bezug auf "Auschwitz" im Übrigen komplett versagt, denn die Ursachen und der Weg zu "Hitler" wird nicht mehr gelehrt. Es scheint, dass deutsche Geschichte erst mit "1933" beginnt, und lediglich ein Betroffenheits-Gedusel einsetzt, wenn es um die Folgen geht, was die wirklich Betroffenen im Übrigen ablehnen.

Die Ursachen des Desasters auch in Bezug auf die Gegenwart (sonst ist Geschichtsunterricht sinnlos) werden nicht genannt bzw. sind tabu.

Julia Seeliger

10. Februar 2012, 09:44

shopp57: Was habe ich denn zu den Finanzmärkten gesagt? Gar nichts! Im Gegenteil: lesen Sie doch meinen anderen Artikel von gestern zu regressiver Kapitalismuskritik. Im Übrigen spreche ich nicht von "Gleichheit", sondern von "Gleichwertigkeit" - das ist ein Unterschied. Genau lesen! Ach ja, und das Buch von Götz Aly wurde auch schon in der FAZ besprochen.

Die Antwort auf die Frage „Warum die Deutschen?" kann nicht in den Erfahrungen der Deutschen nach 1918 liegen, Aly sucht sie im Volkscharakter. Eingangs fertigt er die Sonderwegshistorie ab, um dann doch eine neue, in der Sache allerdings uralte Theorie vom Sonderweg zu präsentieren. „Warum die Deutschen?" Soll heißen: Warum nicht die Engländer? Warum nicht die Franzosen? Die Antwort findet Aly in der politischen Kultur. Hier wirkt sich nun eine Eigenart von Alys Forschungen als entscheidende Schwäche aus. Auch das neue Buch ist wieder ausschließlich aus den Quellen gearbeitet, ohne Bezug auf die Arbeit anderer Autoren. Es gibt zum englischen Antisemitismus eine überaus lebhafte Forschung, die in Korrektur des schmeichelhaften Selbstbildes vom toleranten Musterland die wiederkehrenden Erfahrungen alltäglicher Diskriminierung herausgearbeitet hat - absolut einschlägig für Alys Fragestellung, aber komplett von ihm ignoriert.

Durchweg unhistorische Gegensätze

Die „Kernfrage" ist für Aly die deutsche „Gleichheitssucht und Freiheitsangst", ein „bis heute wirksamer deutscher Antiliberalismus". Kopfschüttelnd liest man, die „égalité" der Französischen Revolution sei erst von deutschen Freiheitsfeinden sozialstaatlich ausgelegt worden. Das Dogmatische von Alys Lehre, im Juden hätten die Deutschen den individuellen Abweichler vom Kollektiv der Gleichen verfolgt, nötigt ihn, den Quellenbefund zurechtzubiegen.

 

 

knoppek: Stellen Sie doch mal ne Überschlagsrechnung auf. Sie haben es schließlich vorgeschlagen.

ich: Bitte nennen Sie ein Argument.

estlandia

10. Februar 2012, 11:14

http://www.estlandia.de/

Liebe Frau Seeliger,

vielen Dank für diesen Beitrag, der eine gelungene Einleitung ist für hoffentlich eine Reihe weiterer Beiträge von Ihnen zu diesem Thema.

Das Zitat "mit Ändern fängt Geschichte an" hat für mich eine zentrale Bedeutung in der Diskussion um Holocaust. Der Sieger schreibt die Geschichte, er ändert sie nach Belieben, und lässt sie erst nach redaktioneller Prüfung offiziell gelten. Dann erst fängt sie an. Zu Viele versuchen, noch schnell bevor sie sterben, kurz vor Redaktionsschluss also, die Geschichtsschreibung zu beeinflussen, vgl. Erika Steinbach, von den Holocaustleugnern gar nicht zu sprechen.

Die anonymen Kommentatoren, die sich z.B., fantasielos wie sie sind, lapidar "Ich" nennen, leiden an Selbstüberhebung und benötigen daher keinerlei Argumente für ihre Forderungen. Seien Sie bitte nicht überrascht, wenn "Ich" nicht auf Ihre Bitte eingeht. Er wird vielmehr als ein "Er" einen weiteren Kommenatr schreiben, der in Art und Weise an seinen Kommentar als "Ich" erinnern wird.  - Aber das nur am Rande, weil ich mich leider von Trollen provoziert fühl'.

Erwarte mit Spannung Ihre kommenden Beiträge!

E.

Julia Seeliger

10. Februar 2012, 11:22

Hallo Estlandia,

danke für Ihren Beitrag. Ich sehe mal, was sich noch machen lässt. Vielleicht hiermit: Bei einem Sommerfest der Senioren-Union wurde eine Nazi-Broschüre mit der Auschwitz-Lüge verkauft. Nun trat der Kreisvorstand der Senioren-Union geschlossen zurück.

Aber mal sehen, wie gesagt, ich lasse mich hierbei natürlich auch gerne von den Kommentatoren inspirieren.

Zu diesem "Ich" mit seinem absolut unsachlichen Kommentar: anonymes Kommentieren geht hier meines Wissens nicht, die Person wird sich schon mit diesem Nutzernamen angemeldet haben.

Schönen Tag,

Julia Seeliger

Stadtneurotiker37

10. Februar 2012, 11:38

http://stadtneurotiker.org

«Der Lehrer sagte: "Nationalsozialismus, das setzt sich zusammen aus national und Sozialismus". »

So begann mein Geschichtslehrer in der 10. Klasse (1989) mit seinen Darstellungen über den Feldherrnaufmarsch 1923 auch. Allerdings entlarvte er den Sozialismus in zwei, drei Sätzen.

Ein Schlussstrich kann unter Geschichte nie gesetzt werden. Geschichte steht auch für Biographien. Auch wenn es leider nicht zwangsläufig bedeuet, daß man daraus lernt.

Solange es noch Holocaust-Überlebende gibt, haben wir die Verpflichtung, ihnen zuzuhören. Zahlen – ob wahr und unwahr – können daneben nur verblassen.

atemhaus

10. Februar 2012, 13:58

http://www.atemhaus.wordpress.com

Liebe Frau Seeliger,

zu einigen der obigen Kommentare fällt mir das Gedicht "lichtung" von Ernst Jandl ein:

manche meinen

lechts und rinks

kann man nicht velwechsern

werch ein illtum

Danke für Ihren klugen Beitrag. Natürlich ist die Generation, die von 1933-45 noch gar nicht gelebt hat, nicht schuldig an den Verbrechen dieser Jahre. Aber wie Frau Lasker-Wallfisch sehe ich auch eine Pflicht zur Erinnerung, zum Gedenken. Dass dies mehr sein kann als Gedenkroutine, hat die Rede von Reich-Ranicki im Bundestag gezeigt. Indem er seine Geschichte einfach erzählte – ohne Gedenkpathos, ohne Apelle, ohne moralischen Zeigefinger – leistete er mehr für das Gedenken als viele kluge Abhandlungen.

Geschichte bleibt abstrakt, wenn sie uns nicht in den vielen Geschichten von Menschen erreicht, die diese Geschichte erlebt und erlitten haben und uns ihre Geschichte erzählen. Wer dann immer noch einen Schlussstrich ziehen will, ist unbelehrbar.

Und es braucht den Geschichtsunterricht weiterhin, weil der Nationalsozialismus nicht vom Himmel gefallen ist, sondern von wirtschaftlichen Interessengruppen unterstützt wurde, von einem falsch verstandenen Patriotismus genährt, von mangelnder Zivilcourage und einem blinden Obrigkeitsdenken nicht zurückgebunden wurde. Das ist nicht einfach Vergangenheit, sondern es sind Menschheitsfragen und - ob wir wollen oder nicht - deutsche Fragen.

Viktor_K

10. Februar 2012, 15:15

"Richtig ist: eine individuelle Schuld am Holocaust kann jemand, der 1991 geboren ist, nicht haben."

Dieser Satz, wenn man über ihn logisch weiterdenkt, ist doch ungeheuer: und wer 1980 geboren ist, ist schon etwas schuldig, oder wer 1940 - schon zum Teil, und die, die 1920 geboren, sind das voll und ganz???

Ist dann meine Tante, Jahrgang 1925, die in Pforzheim jetzt lebt, nach so einem Gedankengut automatisch schuldig, nur weil sie Deutsche ist, obwohl 1941 aus dem Kaukasus deportiert, dann bis 1946 in den Kohlengruben Workutas zwangsverpflichtend und seit 1978  in Deutschland lebt? Sind diese Millionen russlanddeutscher Bundesbürger entweder direkt schuldig, wenn vor 1930 (oder vor 1935?) und  ihre Kinder und Enkel gelten als "Nachkommen der Tätergeneration"? Aber sogar ohne diese Menschen zu bemühen ist in einer halbwegs freien und rechtsstaatlichen Gesellschaft der Gedanke an Generationen-Schuld oder -Unschuld doch eine Absurdität, die zudem zutiefst rassistoiden Charakter innehat. Das ist doch eine Banalität, dass Schuld nur individuelle Zuge trägt.

Mir wie auch den direkt betroffenen Familienmitgliedern käme nie in den Sinn, jene Russen, Ukrainer, Tataren u.a., die schweigend oder sogar zustimmend die Deportationen der "Sowjetbürger deutscher Nationalität" im Jahr 1941 aus den Städten Engels, Saratow, Baku oder Moskau mitverfolgten, als schuldig zu bezeichnen. Man kann doch einem eingeschüchternden oder propagandistisch verblendeten Nachbarn nicht die Schuld in die Schuhe schieben. Es wäre total daneben und diente nur der Verdeckung der tatsächliche Verantwortlichen, der Einzeltätern aus dem NKVD-Apparat, aus der Arbeitslager-Administration, aus den Kommandanturen, aus dem Parteiapparat oder Gerichtsbehörden.

Julia Seeliger

10. Februar 2012, 17:12

Nein, wer 1980 geboren ist, auch nicht. "Ein bisschen schuld" geht zudem nicht.

T.I.M.

11. Februar 2012, 01:54

Werte Frau Seeliger,

weder hoere ich Musik der Gruppe MIA. noch ist mir das zitierte Lied bekannt, aber meine erste Assoziation beim lesen der zitierten Zeilen war "Auferstanden aus Ruinen", nach etwas Nachdenken sogar Brechts Kinderhymne ("Und weil wir dies Land verbessern / Lieben und beschirmen wir's"), "neues, deutsches Land" erinnert mich an "Neues Deutschland", eine Zeitung, die zweifellos weit im linken Spektrum anzusiedeln ist, und der "weisse Strand" bezieht sich ganz offenbar auf "mein Leben". Also um die Zeilen revisionistisch rechtsradikal zu deuten braucht es wohl tatsaechlich einer gewissen Antifa-Paranoia. Dass evtl. tatsaechlich irgendwelche Neonazis das Lied fuer ihre Zwecke benutzen moegen, hat nicht viel zu bedeuten - die Republikaner hier in den USA spielen auch gerne "Born in the USA" auf ihren Veranstaltungen (und die CDU "Angie"). Wagneropern hoere ich auch ganz gerne...

.

@Viktor_K: Einfache Logik: Aus "aus A folgt B" folgt nicht "aus nicht-A folgt nicht-B"!

.

@shoppe57: Die juedischen "Immigranten"? Woher sind die denn immigriert? Die meisten waren doch schon seit Jahrhunderten da. Und soweit ich Alys Argumente kenne, war das Problem der anderen Deutschen mit den Juden ja lange deren aussergewoehnlicher gesellschaftlicher und vor allem geschaeftlicher Erfolg, was man ja, leider, in den meisten Faellen bei den muslimischen Einwanderern nicht erkennen kann. Auch halte ich ihre Aussagen zum Geschichtsunterricht fuer gegenstandslos und aus der Luft gegriffen. Zumindest an Gymnasien wird 1848, 1870/71, 1914, Versailles und die Weimarer Republik ausgiebig behandelt (zumindest war das so als ich zur Schule ging, ganz zu Ende des letzten Jahrtausends).

.

Zur links/rechts Diskussion: Man nehme einen Punkt auf einem Kreis und gehe einmal um Pi nach rechts, ein anderes mal um Pi nach links...

Natuerlich sind links und rechts nicht das gleiche, aber selbstverstaendlich gibt es Gedankengut, das von Nazis und Sozialisten zumindest teilweise geteilt wurde, auch wenn der Name der NSDAP sicher eine Mogelpackung war.  

Julia Seeliger

11. Februar 2012, 11:15

Hi T.I.M.

ihr Beobachtung zum Geschichtsunterricht deckt sich mit meiner: bei uns wurden auch die Geschehnisse aus vor 33 umfassend behandelt. Und auch welche von danach.

Ich teile ihre Gleichsetzung von Rechts und Links nicht. (verzeihen Sie, wenn ich ihre Aussagen zu Musik sowie die aus dem letzten Absatz derart zuspitze, aber ich denke, damit kommen wir weiter). Sie begründen Ihre Behauptung, es gebe Ähnlichkeiten beim Gedankengut, zudem nicht.

Drittens bleibe ich dran beim Thema individueller Selbstbetrug. Also "nationale Psychose". Find ich ziemlich interessant.

Nicht zuletzt möchte ich Sie darauf hinweisen, dass Sie, wenn Sie vom "außergewöhnlichen geschäftlichen Erfolg der Juden" sprechen, auch hier ein Vorurteil affirmieren. Was ist mit Juden, die dumm und unerfolgreich sind? Gibt es solche nicht?

Julia Seeliger

Gachmuret

11. Februar 2012, 11:22

http://gachmuretsnotiz.blog.de

@Viktor_K:

"er Einzeltätern aus dem NKVD-Apparat, aus der Arbeitslager-Administration, aus den Kommandanturen, aus dem Parteiapparat oder Gerichtsbehörden."

Da kommen aber eine Menge "Einzeltäter" zusammen.

Natürlich ist es Unsinn, "Schuld" anhand von Geburtsjahren zu diskutieren, insbesondere wenn es um indivivuelle Verantwortlichkeit geht. Fakt ist aber, daß die Frage: "Was hast Du getan?" nur bei Menschen Sinn macht, die auch etwas getan haben könnten. ;)

Die These, Holocaust, Vertreibung und Kriegsverbrechen jeglicher Art sei nur von wie auch immer motivierten Einzeltätern zu verantworten, verkennt leider vollkommen die Wirksamkeit von gesellschaftlichen Strukturen. Menschen sind nicht einfach böse (die verblendeten oder überzeugten Einzeltäter) oder gut (die überzeugten und heldenhaften Widerständler). Das greift viel zu kurz. Denn zu allen Zeiten handelten Menschen immer in Beziehung zu ihrem Umfeld, zu ihrer gesellschaftlichen Wirklichkeit, zu Wertvorstellungen und Machtverhältnissen.

Und dabei können Menschen Handlungen vornehmen, die ihnen in der Nachbetrachtung nicht unbedingt als Aushängeschild dienen. Wenn man hier nach "Schuld" sucht, so muß diese stets individuell gesucht werden, immer nach den konkreten Umständen und Handlungen gewichtet.

Für die historische Betrachtung, und das wird meiner Meinung nach in dieser Debatte, gerade von Schlussstrichfans, gerne vergessen, geht es aber nicht um "Schuld". "Schuld" ist keine historische Kategorie. Es geht darum, herauszufinden, warum Dinge so geschehen sind, wie sie geschahen. Diese Erkenntnisse können dann durchaus unbequem sein. Insbesondere dann, wenn aus ihnen Schlussfolgerungen für aktuelles Handeln gezogen werden sollen. Und wenn man nun die Strategien der Neuen Rechten betrachtet (die eben so neu gar nicht sind, schaut man sich mal die Strategien der Nazis nach 1923 an), so heißt das eben auch, daß ein jeder, der eine Wiederholung zu verhindern wünscht, hier gefordert ist. Das ist in meinen Augen aber auch keine Spezialiät der deutschen Gesellschaft, überall besteht die Notwendigkeit, die Augen offen zu halten und Gegenstrategien zu entwickeln.

Wir haben den Vorteil, bereits zu wissen, wie man es nicht verhindert. Und genau daran krankt die Holocaustthematisierung in den Schulen. Das, was damals geschah, ist derart erschütternd grauenvoll, daß es mich erstaunt, mit welch merkwürdig verkopfter, ritualisierter Distanz dieses Thema häufig behandelt wird. Es ist ein schwieriges Thema - aber ich erwarte von dieser Gesellschaft, daß sie sich dem Thema stellt. Und dazu gehört eben auch, im Geschichtsunterricht das Grauen darzustellen. Dann braucht es auch keinen jährlichen Aufguß der immergleichen Reden.

stimmviech

11. Februar 2012, 15:47

http://www.twitter.com/stimmviech

Ist eigentlich ein Abkömmling von Nazis schuldig, wenn er trotz linker Schuldentlastungseinstellung das Geld der Nazivorfahren für Studium und Auto annahm? Wenn ja: bis in die wievielte Generation gilt die Schuld?

perfekt!57

11. Februar 2012, 17:22

gut, dass das thema immer wieder diskutiert wird. nur so bleibt es lebendig und zu recht. klar ist aber auch: es ist und bleibt für immer unsere verantwortung. unteilbar, undisktierbar. gerade eben auch vollkommen jenseits jeder individuellen schuld.

.

schuld würde aber heute daraus, wenn ich meiner mitverantwortung als deutscher staatsbürger des jetzt nicht gerecht würde, oder diese leugnete.

T.I.M.

11. Februar 2012, 19:09

Werte Julia Seeliger, ich setze links und rechts NICHT gleich, nur bin ich der Meinung, dass es keine klare Definition davon gibt und deshalb die Diskussion ein wenig muessig wird. Und meine Aussagen zur Musik sollten nur zeigen, dass Intention des Kommunikators und Interpretation durch den Rezepienten nicht zwangslaeufig uebereinstimmen.

Aehnlichkeiten im Gedankengut gibt und gab es zwischen Nazis und den ganz linken aber sehr wohl: Zu allererst natuerlich die Staatsglaeubigkeit, die unbedingte Gevolkschaft an die eigene Ideologie, und der Antiindividualismus, der daraus resultiert. Die Grundlagen der Ideologien war natuerlich verschieden (ueberlegene Rasse vs. rechtmaessig herrschende Klasse), daraus resultierend auch eine unterschiedliche Ausrichtung Nationalismus vs. Internationalismus. Beide Ideologien predigten Befreiung (aus den "Faengen des Weltjudentums / des Versailler Diktatfriedens" vs. "der Kapitalisten und Menschenschinder"), waren aber im Kern zutiefst antiliberal (Wobei ich in dem Zusammenhang den Begriff des Liberalismus nicht tiefer diskutieren moechte, da "liberal" in meinem Verstaendnis des oben gesagten weder links noch rechts impliziert, im amerikanischen Verstaendnis aber ganz klar links bedeutet).

.

Zu den erfolgreichen Juden: Ich bezog mich auf das weiter oben diskutierte Buch Alys und dessen Hauptthese - auch vermute ich, dass seine Statistiken stimmen. Vielleicht war der Erfolg vieler (nicht aller) Juden nicht "aussergewoehnlich" sondern einfach nur "ueberdurchschnittlich", ganz besonders vor den preussischen Reformen (Aly nennt glaub ich Statistiken ueber den Anteil der Juden an den preussischen Gymnasien im Vergleich zum Anteil an der Gesamtbevoelkerung), aber statistisch war ein starker EInfluss der Juden in Kulturleben, Wirtschaft und Wissenschaft sicherlich real und nicht eingebildet.  

DritteGenerationErblicherViertelNazi

12. Februar 2012, 00:13

Tatsächlich werden Sie Schwierigkeiten haben jemandem der nach 1945 geboren wurde nachzuweisen am Holocaust beteiligt gewesen zu sein. Es sei denn die machen es wie die Vordenker Adolf und nehmen eine Gruppe mit vermeintlichen Eigenschaften statt die Juden (gemeinst waren wohl die Israelis)  - DIE DEUTSCHEN - per Vererbungslehre sozusagen in Sippenhaft.

godsdEad

12. Februar 2012, 00:19

Grundlagen für die ganze Rassismus Arie ist ja etwas was insbesonmdere bei Behinderten prAEnatal immer wider gerne gemacht wird - einem Menschen das Menschsein abzusprechen weil FRAU/man selbst .ja  als herrIN über dem LBEN steht.

Die Idee das Frauen sogar noch wichtiger wären als Gott ist übrigens dogmatisch christlich (wenn es einen Gott gibt dann muß er von einer Frau geboren worden sein - Schöpfung des Schöpfers - sowas schafft sonst nur Münchhausen).

BornToKill-Helmet

12. Februar 2012, 00:28

Weil meine Mutter mich nicht abtreiben ließ bin ich jetzt in der Lage Kinder abzubtreiben. Es ist sehr emanzipiert sich so zu verhalten daß man selbst gar nicht entstanden wäre wenn bei identsichen Voraussetzungn mit einem selbst ebenso verfahren worden wäre. Frauenwahlrecht, zwo Weltkriege. Mit mit Senfg_as (mit ohne L)!

Abteribung möglicherweise behinderten Lebens ist also kein GENOZID (Tötung aufgrund Erbmerkmalen/Eigenschaften)?

lOAL-Fan

12. Februar 2012, 00:49

Meine Tustsi Rebellen sind besser las deine Hutu! Für eine katholisch sudanisch Republikanisch Armee! Gegen eine Überfremdung Koriska durch Grundstücksaufkäfe seitens reicher Briten.

Also was ich in der europäischen Debatte relativ wichtig fände wenn man das mit der sexuellen Ausbeutung durch Ehen als Einbürgerungsmöglichkeit in den Griff bekommt.

Oder der sexuellen Ausbeutung der Männer durch Militär und einseitige Sorgerechtsregelungen.

So lange in Deutschalnd ncoh eine vater seine Kidner nicht zu Gesicht bekommt wann er es für richtig hält können hier jedenfalls - was die BEDINGTe EINSATZfähigkeit der VaterlandsVERTEIDIGER angeht von mir aus brandschatzende vergewaltigende marodierende Mörderbanden durchs Land ziehen so lange Sie Kinder,  Behinderte usw. in Ruhe lassen.

Für Emanzen oder den selbsternannten Erblich oder Gentisch besseren Teil der menschheit wird sich nicht geprügelt.

Schon der seelige Franz Josef sagtes ja schon: "BEDINGT"!

LOBNPREISE

12. Februar 2012, 01:02

Wenn wir sicherstellen daß die Menschen weitestgehend über sich selbst entscheiden - wo es keinen anderen tangiert oder es mit vertretbarem Aufwand möglich ist - dann haben wir im Prinzip schon vieles erreicht.

Aber Anzis dürfen keine eigene Mienung haben und das wählen verbieten wir denen auch.

GEGEN-D-ARSTELLUNG

12. Februar 2012, 01:21

Bei Frau Steinbach, um die Ecke, da haben Sie zu geschätzten sieben Personen im Keller gelebt: Neueuropäer die den Lockungen des Euros gefolgt sind - wie die Goldgräber den Verheißungen am Clondike. Eine Parlamentskollegin kam mal vom Auslandsuafenthalt zurück und berichtete zusammenfassend daß es da auch ganz normale Menschen gebe.

Das wäre das eigentlich Revolutionäre am Netz. Ich muß keinen Hauptstadtlastigen von Selbstdarstellung und Propaganda einer Volkswirtschaft bestimmten Auslandsteil einer Zeitung lesen. Ich könnte den irgendeiner Kleinstadt irgendwo am anderen Ende der Welt lesen.

Es sei denn eine Regierung käme auf die Idee das Internet zu beschlagnahmen.

BaeckStein

12. Februar 2012, 01:40

@knoppek: Vor 1918 geboren damit Sie 1939 dann 21 Jahre alt waren und votieren durften!

Damals hat man ja nicht jedem fernost Rüdesheimtourist unter 16 jahren auf der Durchreise noch einen Stimmzettel für die Wahl im RheinGAU in die Hand gedrückt. Sie verstehen was ich meine: Ich bin dafür eine Milliarde Inder darüber abstimmen zu lassen welche Staatsaufträge der deustchen bevölkerung zukünftig an indische Unternehmen vergeben werden ;o)

Also: so lange sie noch ein paar linksautonome Berliner finden die am 11.3. noch nichts vorhaben - ich kenn so eine Location bei frau Steinbach um die Ecke DA KÖNNTEN NOCH SO UM DIE 100 EXTREME schnell ihren ErstWOHNSITZ an- oder umMELDEN und die CDU-Senioren schicken wir an dem Wochenende - BESUCH VON DEN PSEUDO ENKELN - auf Butterfahrt.

MIETDemonstrant

12. Februar 2012, 01:50

Wenn man kürzer als ein Jahr die Scheidung einreichen könnte und die Mehrfacheehe einführt könnten wir doch aiuch ein paar Mädchen asu Thailand oder ein paaar Kanckige Boys aus der Dom-Rep einfliegfen lassen damit die Wahlstimmenverteilung ein erfolg  für die P.A.R.T.E.I. wird. Die P.A.R.T.E.I. könnte ganze bezahlt wir-ziehen-den-Wahlen-hinterher-Jubelperserkolonenn aus ansonsten nutzlosen Arbeitslosen betreiben. Wenn man jetzt ein Handwerksbetrieb ist der nachher als Hofliefrant der gewählten gut vedient kann sich das lohnen.

Genau deshalb muß einfach jeder ungenutzte Wohnmraum zwansgbesetzt werden!

www.spiegel.de/.../0,1518,461768,00.html

JUNGEORGANEfuerALTEEMPFAENGER

12. Februar 2012, 02:13

Stellenazeigen für bis 35jährige - altersdiskriminierung schön und gut Frau Steinbach - ich denke wir haben eine JUgEnDdirkiminierung. Alte Menschen verlieren ihr Walhrecht nicht - Kinder haben keines wenn entscheiden wird was sie nachher ausBADEn dürfen. Junge haben SGB2, Alte haben ALG1. Junge haben Riester, Alte haben Bematenpensionen. Und Alte besitzen den Großteil aller Immobilien und können So die Miethöhe diktieren - die wenigsten Jungen haben lange genug gearbeitet um welche erwerben zu können..

Dabei ist DAS ALTER die einzig NATÜRLICHE DISKRIMINIERUNG!

Erst als das mit den Hüpfgelenken seitenms der JU mal gefallen ist haben die Jüngeren gedacht, "Hey hier vertritt ja jemand auch mal unsere Interessen. "

IDoBush

12. Februar 2012, 03:16

"die Arbeitskraft der Gefangenen"  -> ist die frage wieviel Einschränkung von Bewegungsfreiheit Gefangenschaft bedeutet -> und ob jemanden zum Gefangenen zu haben nicht bedeutet daß man für denjienigen der aus welchen Gründen auch immer in Gefangenschaft gerät eine Fürsorgepflicht hat. Da wird es insbesondere interessant weil eine extrem erfolgreiche militärische Streitmacht von ihrem eigen Erfolg dahingehend eingeholt werden könnte daß sie am Ende die Kriegsgefangenen nicht mehr ernähren könnte und dadurch beginnen würde so unschöne Sachen einführen zu müssen wie eben Zwangsabreit.

W.Einstein

12. Februar 2012, 03:25

INGSOC! -> en.wikipedia.org/.../Ingsoc

a combination (out) of "English" and "Socialism"

faSerland (mit TH, lautsprache zur expo, cineastisch betrachtet)

Julia Seeliger

12. Februar 2012, 18:52

Ich bin begeistert! Verwirrte Kommentare bis hin zur Parallelisierung von Abtreibung mit Auschwitz! Herzlichen Glückwunsch.

Für diesen Artikel ist die intelligente Debatte hiermit geschlossen. Sie können natürlich noch gerne weiter kommentieren.

Viel Spaß dabei!

Don Alphonso

12. Februar 2012, 23:37

1. Die meisten Kommentare (die mit den grossgeschrieben Buchstaben) kommen alle von einem Troll mit Verschwöringstheorien. Verstehe nicht, wieso Sie diesen Müll freischalten.

2. Zu dieser Art der moralischen Kaperung vor dem Hintergrund fragwürdiger Studien passen sie aber.

Viktor_K

13. Februar 2012, 01:05

An: Gachmuret

"er Einzeltätern aus dem NKVD-Apparat, aus der Arbeitslager-Administration, aus den Kommandanturen, aus dem Parteiapparat oder Gerichtsbehörden."

Da kommen aber eine Menge "Einzeltäter" zusammen.

Ja sicher. Wenn es sagen wir  nur 1% der Bevölkerung die erwiesenen Täter sind, dann isind es ziemlich viele -Männer versteht sich. Weil 1% von der Bevölkerung (z.B. 1,7 Mio Menschen von der damaligen Bevölkerung der damaligen UdSSR),  so sind diese 1,7 Mio sind etwa schon 2% (grob) der Erwerbstätigen und diese Zahl ist nicht weniger als 4% von allen erwerbstätigen Männern (vielleicht ist es schon diskriminierend, aber die Frauen v.a. damals traten kaum als Entscheidungsträgen in Erscheinung).  Und bei bestimmten Alterskohorten, so zwischen 25-45 könnte es beinahe 10%-gen Anteil der Täter sein, d.h. in jedem etwas größeren Familienverband, v.a. in der Stadt.

In der Forderung, dass "alle Deutschen" (es wäre doch interessant auch zu definieren, wen man da meint, wer dazu gehört) am den Untaten des NS-Regiemes besondere Verantwortung zu tragen haben, finde ich einfach falsch.  Zum einen klingt es in der Tendenz nach einer Kollektiv-Haftung, nach einer abgemilderten Form der Kollektivschuld-Zugeständnis.  Und  kollektive Haftungen, kollektive Schuld und überhaupt kollektive Handlungen jeglicher Art sind ein Wesenzug der totälitären Gesellschaftsordnung. Ich bin ein erwachsener Mensch und lebe in einem Rechtsstaat. Wichtig ist, dass man die Verfassung akzeptiert und sich nach gesellschaftlichen Regeln hält,  dass man seine Kinder als selbstbewusste und selbstverantwortliche Menschen im Geiste der Selbstachtung, engen geistigen Verbundenheit mit den Eltern und Verwandten, mit den Nachbarn und den Mitmenschen, gepaar mit Toleranz und Neugier auf andere kulturelle Ausformungen und auf viele anderen Sprachen erzieht . Ob jetzt ich oder meine Kindern oder die Verwandten oder die bekannten oder die Nachbarn etc.  sich intensiv mit der NS-Zeit, mit dem Stalinismus oder mit dem Kolonialismus und eben tausenden anderen Dingen beschäftigen, ist allein meine (ihre, unsere etc.) Sache, eine zutiefst persönliche Entscheidung. Und wer sich evtl. durch den familären Hintergrund oder ein historisches Interesse besonders stark mit den Untaten des NS-Regiemes auseinandersetzen möchte, dem steht selbstverständlich nichts im Wege. Er kann das sowohl privat als auch beruflich machen, als Historiker, Journalist, Richter und dergleichen.

Aber gerade - und da komm ich zu einem anderen wichtigen Punkt - ist die Aufgabe der staatlichen Institutionen wie Schulen, Museen, Archiven, Forschungsinstitutionen etc., das das Wissen über diese (vor allem diese, weil in unserem Land passiert, aber nicht nur diese) unseligen Ereignisse aufrechterhalten wird, dass es solche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die das Abgleiten in die Unfreiheit, ins Totälitäre unmöglich machen.

Julia Seeliger

13. Februar 2012, 09:56

Don Alphonso: ich bin ein großer Fan von Leserkommentaren, auch den unangenehmen, denn sie machen Einstellungen sichtbar.

Klar, man muss aufpassen, und wenn da einer zehnmal schreibt, ist das nur noch Müll. Ich schau mal, wie sich das einpendelt - das Blog hier gibt es ja auch noch nicht so lange. Und ich freue mich, dass die Debatte doch noch weitergeht.

Schönen Tag,

Julia Seeliger

Nörgler

13. Februar 2012, 11:16

Wenn man manche hier reden hört, könnte man meinen, Linke hätten im "3. Reich" in der Regierung gesessen und nicht im KZ.

.

Aly ist dann wieder ein Sonderfall. Der kommt persönlich nicht damit klar, Maos "Kulturevolution" mal für den Gipfel menschheitlicher Freiheitsentwicklung gehalten zu haben, und führt jetzt Veitstänze auf, um seiner Vergangenheit zu entkommen.

Ada

15. Februar 2012, 13:54

http://textkrieg.de

Wird der Sinn einer "Gegendarstellung" nicht verfehlt, wenn dadurch die ursprüngliche Aussage nur belegt wird?

Jeeves

15. Februar 2012, 15:18

http://jeeves.blogger.de

Ihre Geduld mit den vom Don richtig erkannten Trollen ist bewundernswert.

.

@Ada: auch mir fiel das in Herrn Homanns Text auf.

HanHar

15. Februar 2012, 15:21

@ shoppe57: Es war A. Hitler, der aus Drexlers DAP 1920 die NS DAP machte, also den Begriff Sozialismus hineinbrachte. Alles, aber auch alles, was über Hitlers frühe Jahre bekannt ist, lässt jedoch keinen Zweifel daran aufkommen, dass er den Sozialisten nie auch nur die geringsten Sympathien entgegenbrachte. Auch (der Konservative) Joachim Fest stellt in seiner Hitler Biographie in diesem Zusammenhang apodiktisch fest, die NSDAP sei nichts weniger als sozialistisch gewesen. Hitler benutzte den Begriff, um breitere Wählerschichten zu erschließen. IN seinen Wiener Jahren hatte ihn auch stets die Fähigkeit der österreichischen Sozialisten beeindruckt, Massen zu mobilisieren und Aufmärsche zu veranstalten. Er war also sozusagen von den Aktions- und Organisationsformen des Sozialismus inspiriert, die er kopierte, ohne die zugrundeliegenden Ideen zu übernehmen.

Gleichheit spielt in der NS-Ideologie keine tragende Rolle - dem steht das in alle Bereiche und Ebenen übetragene Führer-Prinzip entgegen.  Ökonomische Ungleichheit (zwischen Mitgliedern der "Volksgemeinschaft") wurde keineswegs abgelehnt.

Ich bezweifle auch stark, dass der völkische Antisemitismus mit "Neid" auch nur annähernd erklärt wäre, und wenn es um die Frage der Bereicherung an dem VErmögen der VErfolgten geht, so haben wohl deutsche GEschäftsleute, Unternehmen, Banken bei den Arisierungen den dicksten Batzen eingestrichen (und leben heute noch häufig gut davon - Quandts, Schaefler u.v.a). Hier wäre nicht Neid die zum Tragen kommende Todsünde, sondern Gier. Wenn man die Ihnen ideologisch in den Kram passenden "Lehren" ("Kapitalismuskritik führt zu Nationalsozialismus und Krieg") aus der Geschichte im Schulunterricht zöge, verkäme dieser zu einer reinen Staatsbürgerkunde im Interesse einer dünnen herrschenden Schicht.

F.X.Niedermeyer

15. Februar 2012, 16:19

http://Abmahnung

Es ist eine Frechheit Journalisten mit Abmahnungen mundtot machen zu wollen. Herr Hohmann provoziert mit seinen Aussagen geradezu die falsche Tatsachenbehauptung. Er sagt, dass Juden ein Tätervolk sind und widerruft es wenige Zeilen später. Frau Seeliger konnte schreiben was sie will, am Ende hätte sie es immer falsch gemacht.

Da die FAZ ohne Schlacht vor Gericht einfach die Gegendarstellung gedruckt hat, sollte Herr Hohmann die Abmahnung zurückziehen. Abmahnungen gegen Journalisten sind nicht akzeptabel

schusch

15. Februar 2012, 17:51

Ein Großvater von mir saß in Theresienstadt ein andere war in der Waffen-SS. Bin ich jetzt Täter- oder Opfervolk? Was für ein absurder Quatsch, was für eine Diskussion ist das denn?

Ich habe hier heute und solange ich noch auf diesem Planeten bin, die Aufgabe, eine freie, offene Gesellschaft mitzugestalten und zu erhalten. Den Gegnern einer solchen Gesellschaft gilt es Einhalt zu gebieten. Und das sind die Nazis hier und woanders, das sind die Faschisten, das Rassisten, das sind aber auch religöse Fanatiker. Ich habe jetzt bewusst keine Linksextremen erwähnt, weil die ich gegenwärtig für irrelevant halte. Von ein paar versprengten Rest-Maoisten geht keine Gefahr aus, von Jobbik, EDL, Casa Pound und bei uns den bekannten rechten Gruppierungen eher. Da ist leider gegenwärtig viel mehr Momentum dahinter.

Und da muss ich nicht diskutieren, ob es in Dresden nun 25.000 oder 250.000 Tote gab, ich bin stolz auf die Dresdner, die sich am Montag auf die Straße gestellt haben.

Thorsten Haupts

15. Februar 2012, 22:45

@Gachmuret:

"Die These, Holocaust, Vertreibung und Kriegsverbrechen jeglicher Art sei nur von wie auch immer motivierten Einzeltätern zu verantworten, ..."

Sie sind danach viel zu höflich. Die Deutschen hatten 1945 verdammtes Glück, dass sie nicht zu Recht zu zehntausenden an die Wand gestellt wurden.

Gruss,

Thorsten Haupts

Thorsten Haupts

15. Februar 2012, 22:48

@T.I.M.: "Aehnlichkeiten im Gedankengut gibt und gab es zwischen Nazis und den ganz linken aber sehr wohl:"

Sagen Sie das einem Linksradikalen niemals. Es rührt an die grösste Lebenslüge der Linken. Selbstverständlich war auch der Nationsalsozialismus auf seine Weise ebenso revolutionär (und im Ergebnis ebenso mörderisch) wie der Kommunismus.

Gruss,

Thorsten Haupts

HansMeier555

16. Februar 2012, 17:14

@ThorHa

.

Und worin bestehen diese Gemeinsamkeiten? Kann man das positiv formulieren? Ich frage mal rein interessehalber.

Michael Schäfer

16. Februar 2012, 18:41

Die Frage lautet doch auch, wieso es noch immer so einfach ist von Volk zu sprechen. Ist das "Völkische" nicht spätestens mit Ausschwitz mißbraucht? Die Einteilung von  Menschen in Volk geistert munter auch noch durch dieses Jahrhundert. So ist wohl die Leichtigkeit mit der Herr Hohmann dieses Wort anhängt Zeichen genug?

Mein Gefühl der Scham oder der bleibenden Verantwortung für Geschehenes hat sich an meinem wachsenden Bewußtsein gebildet, aus familiärer Spurensuche, politischer Bildung, dem Schmerz über soviel Verlust mir wesentlicher Autoren oder Künstlern. Ich habe länger gebraucht, um aus den Opferzahlen Menschen hervorkommen zu fühlen, die die deutsche Sprache als letztes im Ohr hatten, wie schrecklich. Ich empfinde auch Scham, wenn ich dem Versuch beiwohnen muss, Verantwortung im Laufe der Zeit zu relativieren.

Striesner

17. Februar 2012, 22:10

Leider viel Unsinn, den Sie da absondern. Wenn ich jeden Morgen im Kulturradio entweder Nazkram höre oder ihn in der Zeitung lesen muss, wird mir nur noch schlecht. Natürlich haben Nationalsozialismus und Sozialismus viel gemeinsam. Übrigens auch bei der Zahl der hinterlassenen Toten und gebrochenen Biographien.  Aber da Spät-und Westgeborene, können Sie das nicht wissen und engangieren sich. Wie? Natürlich links! Wissen Sie, das ist so langweilig. Schaffen Sie sich einen Mann an, bekommen Sie Kinder und stellen was im Leben auf die Beine. Das, was Sie hier im juste milieu machen, ist zwar Mainstream, politisch korrekt, aber dafür natürlich auch höchst langweilig.

Gachmuret

18. Februar 2012, 08:52

http://gachmuretsnotiz.blog.de

@Viktor_K:

Nunja,

ich halte von beiden Standpunkten nicht viel. Sowohl "Einzeltäter" als auch "alle" trifft den Kern nicht. Die Einzeltäter-These ignoriert die strukturellen Wirksamkeiten, indem sie einfach behauptet, das wären eben böse Menschen gewesen. Das paßt nicht zur Quellenlage, aus der sich sehr wohl ablesen läßt, daß sehr viele Menschen zu Tätern wurden, die unter anderen Gegebenheiten nie im Traum auf so eine Idee gekommen wären. Da sind viele gesellschaftliche und psychologische Mechanismen, die wirken (was natürlich die Existenz und Beteiligung von Menschen, die nur noch als "Böse" zu klassifizieren wären, nicht ausschließt, aber das erklärt nie und nimmer das ganze Phänomen).

Die gegenteilige Annahme, es müssten nun unbedingt "alle" beteiligt gewesen sein, sei es mittelbar oder unmittelbar, ist ebenso simplifizierend. Und wie Sie völlig zu Recht ausführen, auch schlicht nichtzutreffend.

Ich möchte allerdings noch einmal darauf insistieren, daß "Schuld" keine historische Kategorie ist. "Schuld" ist eine moralische oder meinetwegen eine juristische Kategorie und immer individuell. Das macht die Sache ja so knifflig.

@Thorsten Haupts:

Ich halte eine zurückhaltende Wortwahl prinzipiell für eine erfolgversprechende Möglichkeit, eine sachliche Debatte zu befördern.

Aber Sie haben Recht, wir haben in der Geschichte schon ganz andere Kriegsgewinner gesehen.

ThorHa

19. Februar 2012, 14:06

@HansMeier555 - Gemeinsamkeiten links-/rechtsextrem:

Ich muss mich nicht in die Untiefen der Theorie begeben (auch da gibt es welche), sondern kann mich darauf beschränken, den Umgang mit Leuten zu beschreiben. Den Leuten, die entweder vorab als Feind definiert wurden, die zur Unterwerfung nur bedingt bereit waren, die Kritik übten oder der Herrschaft sonstwie auffielen. Ausgrenzen, Einsperren, Foltern, Töten war die Antwort der Herrschaftsclique, egal, wie sie ihre Herrschaft herleitete und "legitimierte". Mehr muss ich nicht wissen, mich interessieren Ergebnisse, nicht Absichten.

Gruss,

Thorsten Haupts

HansMeier555

19. Februar 2012, 20:39

@ThorHa

.

Das überrascht mich, dass Sie den Menschen- und Bürgerrechtsgedanken so vehement vertreten.

Dabei sind diese Gutmenschen von Amnesty International doch irgendwie auch ziemlich linksextrem, oder kommt Ihnen das nicht so vor?

.

Der Menschenrechtsbeaufragte der Bundesregierung, Günter Nooke, jedenfalls war der Meinung, dass man die Kritik an Guantanamo auch zu weit treiben kann. Das klingt mir doch schon viel eher nach der gemäßigten Vernunft der bürgerlichen Mitte. Genau wie die Arbeit unserer tapferen Verfassungsschützer.

Julia Seeliger

21. Februar 2012, 20:20

Schon zwei Tage nichts neues mehr ... hm, aber mal abwarten. Kann man ja ruhig noch ein bisschen weiter diskutieren ...

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