Büroetage mit Autorennen: Gesundheitsfond Teil 1
02. Januar 2009, 11:33
Uhr
Der Gesundheitsfonds ist da - alle schreiben über ihn, die
wenigsten freundlich, da hat sich die Bundesregierung entschieden uns einmal einen
Blick hinter die Kulissen zu eröffnen um uns zu zeigen, wer sie sind. Wir
sind der Fonds : Es ist eine freundliche, kleine Institution, die fast nichts kostet und die mit Pillen, Blutdruckmessern und Kinder zu
tun hat:

(Quelle: Bundesgesundheitsministerium)
„Bürokratische
Monster sehen anders aus" weiß das Gesundheitsministerium (woher wissen die das
nur immer? Sehen alle bürokratischen Monster gleich aus aus?) und liefert denen, die sich von ein
paar Bildern nicht überzeugen lassen, gleich harte Fakten:
„Von vielen ist befürchtet worden, dass der Gesundheitsfonds
nur von einem bürokratischen Monster verwaltet werden kann, einer teuren Krake,
die in Kasernen oder ähnlich großen Bürokomplexen untergebracht werden muss. Zu
Unrecht. Für die 21 Fonds-Experten reicht eine Büro-Etage."
Wieso das Gesundheitsministerium mit Krake und hohen Kosten
Kaserne assoziiert, wo doch anderes deutlich näher läge, können die zuständigen
PR-Menschen am besten mit dem Verteidigungsministerium direkt klären. Für mich
als Metaphernwart h.c. ist in diesem Zusammenhang allerdings noch
bemerkenswert, dass wir aus berufener Quelle im Wortsinne erfahren müssen, dass
Gesundheitspolitik künftig wie Autorennen organisiert sein soll. Denn das
begründet den künftigen einheitlichen allgemeinen Beitragssatz bei allen Krankenkassen:
So können wir...
„....künftig die Zusatzleistungen der verschiedenen Kassen
leichter und besser vergleichen. Wie bei einem Autorennen: Nur wenn alle ein
gleichwertiges Auto fahren, weiß man, wer der beste Fahrer ist. Dazu kommt:
Durch den Gesundheitsfonds müssen die Kassen zwangsläufig ihren Service
verbessern. Denn im Wettbewerb zwischen den Kassen entscheiden künftig Service
und Leistungen, nicht der Beitragssatz."
Ich weiß nicht in welcher Welt die Werbetexter des
Gesundheitsministeriums krank werden (vermutlich sind sie privat versichert). In meiner Welt als User des deutschen
Gesundheitssystems geht es anders zu. Ich weiß gar nicht, wie sich beispielsweise
Service und Leistungen der BEK von der der BKK-mobil oil oder TKK voneinander
unterscheiden. Und wenn ein Versicherter es erfahren sollte - zum Beispiel weil
die Kasse ihm nach einem Schlaganfall, den er mit 46 Jahren erlitten hat, die
Sprachtherapie in einer Universitätsklinik nicht bezahlen will, sondern nur die
einer weniger ausichtsreichen, intensiven, dafür aber billigeren ambulanten logopädischen Versorgung, ist es für den Wechsel
zu spät. Außerdem: Woher sollte ich Kenntnisse davon haben, welche gesetzliche Kasse hier kulanter ist? Als
Anwalt, der viel mit Krankenkassen zu tun hat, bin ich mir allerdings sicher,
dass das Autorennen, das jetzt angeblich beginnen soll, nicht die Rallye Paris-Dakar ist, sondern eher die Leiterwagenfahrt, mit der die kleinen
Buddenbrooks versuchen die ebenso Hagenström-Kinder zu besiegen und die nach
ein paar kleineren Unfällen im heillosen Chaos endet, weil alle - rette sich
wer kann - davon laufen.
(In den nächsten Wochen werde ich mich in diesem Blog immer mal wieder mit dem Gesundheitsfonds, der unsere Gesundheitspolitik nachhaltig prägen wird, und mit seinen Kritikern, die versuchen, daraus irgendwas zu machen, befassen)