Auf dem Schnäppchenmarkt: Das menschliche Genom
08. Februar 2009, 00:26
Uhr
Der allgemeine Preisverfall
hat endlich auch das komplette menschliche Genom erreicht. Kostete die
vollständige Erfassung 2007, als sich der Ko-Entdecker der Doppelhelix James Watson
sequenzieren ließ, noch knapp eine Million Dollar, gibt es heute das komplette
Wissen über die eigene genetische Ausstattung schon für knapp 100.000 Dollar.
Das Angebot kommt von Knome, die mit
dem Beijing Genomics
Institute kooperieren. Für diesen immer noch stolzen Preis bietet Knome
dann aber auch noch einiges an Zusatzleistungen, beispielsweise ein Round-Table-Gespräch
im Hauptquartier der kleinen, aber feinen Firma:
„Wir wollen, dass unsere Klienten nicht nur von der
allerneueste Forschung profitieren, sie sollen auch die führenden
Wissenschaftler persönlich kennenlernen, die den Forschritt im Bereich
persönlicher Genomics vorantreiben. Ist die Analyse Ihres Genoms erst einmal
fertiggestellt, werden Sie und Ihr Arzt zu uns eingeladen, um an einem
ganztägigen Round-Table-Gespräch teilzunehmen, bei dem das Team unseres
Unternehmens die Ergebnisse unserer Analyse mit Ihnen besprechen, sich über die
Rolle genetischer Variation bei der Entstehung von Krankheiten mit Ihnen
unterhalten und die neuesten Forschungsergebnisse erläutern."
James Watson hatte nach der Sequenzierung seines Genoms Vergleiche zu Autokäufen gezogen: "Ich bin vor kurzem mit jemandem in seinem Bentley gefahren. Was würde ich mir eher leisten? Einen Bentley - oder eine Sequenzierung meines Genoms. Eine harte Entscheidung, aber vermutlich würde ich dem Genom den Zuschlag geben." Aber eigentlich bräuchten wir ein "Chevrolet Genom", ein Genom, das zum Preis eines Mittelklassewagens erschlossen werden könne. Ein in vielerlei Hinsicht ergiebiger Gedanke. Die Genindustrie als die Autoindustrie des 21. Jahrhundert.... und in 60 Jahren gibt es in der Wirtschaftskrise Abwrackprämien damit die Menschen ihr Genom erneuern lassen. Aber bis dahin ist ein weiter Weg. Gerade mal sind erst ein paar Multimillionäre, die gerade keine Lust haben, ihr Geld für Weltraumflüge einzusetzen, auf diesem Weg unterwegs.
Allerdings hat vor wenigen Tagen CompleteGenomics angekündigt, ab
Juni 2009 das komplette menschliche Genom für nicht mehr als 5000 Dollar zu
analysieren. Dafür bekommt mann allenfalls einen gebrauchten Chevrolet. Und der individuelle Service wird vermutlich darunter leiden. Das Round-Table-Gespräch mit den weltweit führenden Experten, dürfte zuverlässig durch einen Call-Center-Anruf bei der genetischen Beratung ersetzt werden. Längst stehen auch Unternehmen wie Navigenics
auf dem Sprung, die heute noch kleinere Testpakete anbieten, mit denen
Dispositionen für einen bunten Strauß von Krankheiten - vom Aneurysma über
Alzheimer, Lungenkrebs bis zum Restless Leg Syndrom - für 2500 Dollar pro Testpaket
(inklusive telefonischem Beratungsgespräch).
Ein Preis für den Erfolg in der Disziplin „menschliches
Genom immer schneller und billiger analysieren" ist übrigens auch schon
ausgeschrieben: der Archon X
Prize for Genomics, den derjenige bekommt, der mit seinem Team 100 menschliche
Genome in weniger als 10 Tagen für weniger als 10.000 Dollar pro Genom
analysiert. Die letzten Geheimnisse sind eben auch nicht mehr das, was sie mal
waren. Wie dem auch sei. ICh möchte derzeit weder einen neuen Wagen kaufen, noch mein Genom sequenzieren lassen. Interessant wäre für mich allenfalls ein schönes Fahrrad. Aber das interessiert auf diesem Markt ja niemanden...