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Biopolitik

Eluana Englaro ist tot. Berlusconi streitet weiter.

09. Februar 2009, 22:05 Uhr

Eluana Englaro ist am Montag im Alter von 38 Jahren gestorben, nachdem sie über sechzehn Jahre im Wachkoma gelebt hat. Ärzte der Klinik „La Quiete" teilten den Eintritt des Todes mit. Hier lebte die seit 1992 im Wachkoma lebende Frau seit einigen Tagen um zu sterben. Hier war am Samstag trotz aller Bemühungen der Berlusconi politischen und rechtlichen Druck auf die Krankenhausbetreiber und die Familie der Frau auszuüben, das Ende der künstlichen Ernährung eingeleitet worden. Dass die Frau schon so kurz nach dem Ende der künstlichen Ernährung starb, kam überraschend. Die Familie wollte den Tod Eluana Englaros nicht weiter kommentieren und bat darum „unseren Schmerz" zu respektieren.

Berlusconi reagierte zwar auch „betroffen" über den Tod, verstummte im Gegensatz zur Familie aber nicht, sondern kritisierte einerseits Staatspräsident Napolitano, der durch die Verweigerung seiner Unterschrift unter ein Eildekret die Rettung eines Menschenlebens verhindert hätte. Berlusconis Sozialminister Maurizio Sacconi kündigte an, im begonnenen Sinne weiterzumachen: „Wir müssen das Gesetz verabschieden, das die Aussetzung der künstlichen Ernährung in Italien verbietet. Wir müssen einen weiteren Fall Englaro verhindern."

Vor der Klinik in Udine versammelten sich hunderte Menschen aus recht unterschiedlichen Motiven: manche beklagten den Tod Englaros und kritisierten ihn als Euthanasie, andere erklärten ihre Solidarität mit Beppino Englaro. In Italien wird nach der scharfen Kontroverse der letzten Tage für möglich gehalten, dass die Staatsanwaltschaft die Umstände des Todes von Frau Englaro rechtlich untersuchen wird.

Insgesamt haftet diesem Sterbehilfefall mehr als allen anderen, die in den letzten Jahren Schlagzeilen gemacht haben, etwas Bestürzendes an, weil noch nie eine Regierung sich so massiv in eine juristische Auseinandersetzung eingeschaltet und versucht hat, mit politischem Druck einen von der Familie einmütig getroffene und von einem Gerichts rechtskräftig für erlaubt erklärten Behandlungsabbruch zu verhindern. Das regierungsoffizielle Italien hat sich so in den Auseinandersetzungen um Sterbehilfe und den Abbruch lebenserhaltender medizinischer Behandlungen als weltanschaulicher Gegenpol zu den Beneluxstaaten profiliert. Die Vehemenz der regierungsoffiziellen Linie versteht sich dabei durchaus nicht von selbst, denn Berlusconi ist keineswegs ein klassischer Wertkonservativer; er hat bislang auch nicht den Anschein erweckt, als sei ihm der Schutz des Lebens von Menschen mit Behinderungen ein besonders tiefgehendes inneres Anliegen. Dass in den letzten Tagen die Italiener in Meinungsumfragen entscheiden sollten, ob sie für oder gegen den Tod von Eluana Englaro seien, dokumentiert auf bizarre Art und Weise ebenfalls, zu was für Auswüchsen es kommt, wenn individuelle Fallgeschichten plötzlich zu öffentlich verhandeltem Stoff werden und die Meinung vorherrscht, es könnte eigentlich jeder auf Basis einiger dürrer und zudem von niemandem wirklich hinterfragter Fakten, eine sinnvolle Entscheidung treffen.

Sie sind herzlich eingeladen, Ihre Meinung hier kundzutun. Sie müssen sich nicht anmelden, um den Blog zu kommentieren. 

Veröffentlicht 09. Februar 2009, 22:05 von Oliver Tolmein
Kommentare

Doris Jung

09. Februar 2009, 22:42

War es Euthanasie? Niemand weiss, was Koma-Patienten von ihrer Umgebung wahrnehmen...

Es ist schrecklich zu lesen, dass es Meinungsumfragen gab, ob Eluana Englaro leben oder sterben sollte... Sie ist nun gestorben - früher, als die Ärzte angenommen hatten. Ihr sind damit wahrscheinlich Qualen erspart geblieben, die der Entzug von Nahrung und Wasser für eine Komapatientin mit sich gebracht hätten. Dass es möglicherweise nach der großen öffentlichen Aufmerksam für das Schicksal der Patientin eine richterliche Untersuchung geben soll, halte ich für gut...

Sie hat nun ihren Frieden.

Marcel

09. Februar 2009, 23:05

Es sollte jedem Menschen freigestellt sein, seinem Leben ein Ende zu setzen. Sollte die Entscheidung nicht mehr selbst getroffen werden können, dann ist es in Ordnung, das die Eltern, sofern vorhanden, dies übernehmen!

Auf eine Poltik, die letzlich darauf aus ist, sich nur zu profilieren und als Retter darzustellen, muss man nicht zählen.

pert17

09. Februar 2009, 23:07

“Eluana potrebbe fare un figlio...”

Berlusconi ist eine widerliche Person.

n.h.

09. Februar 2009, 23:15

ich wohne seit vielen Jahren in Italien und habe den Fall von Anfang an mitverfolgt. Endlich ist sie erlöst. Diese Welle der Bestürzung seitens einiger fanatischer Kontra Sterbehilfe (wenn mann in diesem Fall überhaupt davon sprechen kann) und seitens der Politik ist eine Farce. Bis kein eindeutiges Nein seitens des Vatikans vorherrschte gab es seltsamerweise auch kein Nein der Politik. Aber gestützt durch Kirche & Co oder gerade auch wegen ??!!!!!!! Leider lebe ich in einem Land in dem die Fahne der Politik im Winde des Vatikans weht.

Karsten

09. Februar 2009, 23:25

Ich denke es ist mehr als genug von allen Beteiligten und Unbeteiligten dazu geäußert worden. Man sollte die Toten ruhen lassen und sich in aller Stille einmal fragen ob man selber ein solches "Leben" leben wollte und wer hier am Ende derjenige ist, der wider der Natur und dem lauf des Lebens handelt.

Jan Noorman van Lieshout

10. Februar 2009, 00:05

Da kann man nur sagen, glücklich ist es endlich zum Ende gekommen.

Gott hat eine bessere Entscheidung getroffen, als Berlusconi es zulassen wollte.

Euthanasie ist etwas, was man nicht leicht nehmen muss, aber für viel ein Auskunft. Wenn mein Hund krank ist und viel Schmerzen hat und der Tierarzt sagt er wird niemals gesund, dann tut es  mir weh aber ich will ihn nicht leiden lassen und so kriegt er eine Spritze.

Warum müssen wir bei Menschen immer so tun, als ob sie weniger sind als Tiere?Wenn jemanden Schmerzen hat und nicht mehr weiter kann und auch keine Besserung in Aussicht hat, warum hat er dann kein Recht zu Sterben?

Oliver Tolmein

10. Februar 2009, 00:12

Die Entscheidung über das Leben eines anderen Menschen darf aber nicht davon abhängen, ob man selber dieses Leben (warum setzen Sie es in Anführungszeichen, Karsten?) leben wollte - zumal es schwer fallen dürfte, sich vorzustellen, wie es wirklich ist, im Wachkoma zu leben (es spricht ja auch vieles dafür, dass es "das" Wachkoma so nicht gibt, sondern die Lebenslagen der Wachkomapatienten, ihre Wahrnehmungs- und Empfindungsmöglichkeiten sehr unterschiedlich sind.  

Zu der sehr niederländischen Stellungnahme möchte ich ergänzend fragen: Wie kommen Sie darauf, dass Eluana Englaro unter Schmerzen litt? Im Übrigen geht es nicht so sehr um ein "Recht zu Sterben", sondern um die Frage, ob andere ein Recht haben, durch Abbruch der lebenserhaltenden künstlichen Ernährung und Flüssigkeitsversorgung den tod herbeizuführen - bzw. ob sie das Recht haben, die lebenserhaltende Behandlung fortzuführen, obwohl es keine Einwilligung mehr darein gibt?!

Wolfsblut

10. Februar 2009, 00:33

Irgendwie schon seltsam - mich beschleicht da so ein komischer Verdacht ...ob da jemand ein wenig "nachgeholfen" hat, um schnell vollendete Tatsachen zu schaffen, noch bevor der inszenierte Todesfahrplan für Eluana gestoppt werden konnte???

War es Gottes Wille, oder haben sich wieder mal Menschen zum Richter über Leben und Tod selbst ernannt ... ???

Francesca

10. Februar 2009, 00:46

Entweder empfindet man im Wachkoma garnichts, oder man empfindet auch Schmerz. Wer möchte einen Verwandten oder auch sich selbst 17 Jahre lang quälen?

Es hat in Italien in den letzten Jahre schon viele Umfragen gegeben und über die Hälfte der Antworten waren immer für eine vorsichtige und bewusste Sterbehilfe. Die Politik läuft immer hinterher, und die katholische Kirche verliert wieder (wie beim Kampf gegen die Schwangerschaftsverhütung) den Kontakt zu den Leuten.

Luana

10. Februar 2009, 00:54

Endlich hat Eluana Frieden gefunden! Ich schäme mich, wie die ganze Geschichte wieder ausgenützt wurde, um einmal mehr über Politik zu reden! Es geht um Menschen, um Liebe, um Schmerz. Tante sentite condoglianze alla famiglia!

cäsar

10. Februar 2009, 01:07

zu Wolfsblut:

"wieder mal Menschen zum Richter über Leben und Tod selbst ernannt", so wie tausende Mörder und Killer es jeden Tag auf der Erde tun! Dazu kommt dann noch, was in offiziellen Kriegshandlungen so diesbezüglich geschieht!

Roberto

10. Februar 2009, 01:23

Dass die FAZ sich wiedermal einzig auf Berlusconi konzentriert und alles was herum geschehen ist ignoriert, ist wieder mal typisch.

Das Staatspräsident Napolitano erstmals in der Geschichte der Republik präventiv ein Notdekret verweigerte, welches durchaus von der Verfassung vorgesehen ist, bevor esoffiziell präsentiert wurde, wird im Artikel natürlich nicht erwähnt. Ebenfalls wird nicht erwähnt das das Urteil des Obersten Kassationsgericht, welches diese unmenschliche Tötung eines Patienten erst ermöglichte, lediglich auf 2-3 Zeugenaussagen von Freundinnen beruht, die sich auf eine Episode beziehen als Eluana 18 Jahre alt war und angesichts eines schweren Unfalls eines Freundes sagte, das sie in einer ähnlichen Situation lieber sterben würde. Wer von uns würde das in einer solchen Situation wohl nicht sagen? Darus jedoch eine definitives Urteil zu fällen, was über leben und Tod entscheidet ist schon mehr als grotesk. Andere Freundinnen von Eluana, die eine andere Meinung über ihre Lebensphilosphie hatten, wurden übrigends nicht gehört.

Auch wird nicht erwähnt, dass die Opposition in Anbetracht einer neuen Gesetzgebung, nach der Weigerung des Staatspräsidenten ein Notdekret zu unterschreiben, auf Initiative von der Regierung übers Wochenende durchs Parlament zu bringen und zu verabschieden um das Leben Eluanas' noch zu retten, sich weigerte am Wochenende im Senat zu erscheinen.

Es werden sich noch einige für die Komplizenschaft dieses MORDES, ja denn es war Mord, zu verantworten haben. Und hoffentlich angefangen beim Staatspräsidenten Napolitano, dessen Popularität nun auf ein historisches Minimum gesunken ist. Es ist eine Schande wie in dieser Sache verfahren wurde, und noch eine größere Schande ist es, wie ihr das Leben genommen (der Entzug von Nahrung und Wasser).  Aber das alles interessiert die FAZ nicht, wie der Artikel deutlich zu verstehen gibt.

Oliver Tolmein

10. Februar 2009, 07:51

Roberto: Typisch wofür? Ich bin keineswegs der Auffassung, dass es an sich richtig war, die künstliche Ernährung bei Eluana Englaro abzubrechen. Allerdings halte ich es auf jeden Fall für falsch, nach einem rechtskräftigen Urteil mit den Instrumenten des Sonderrechts in die medizinische Behandlung eines Menschen zu intervenieren. Im Übrigen machen Sie sich falsche Vorstellungen davon, was geschieht, wenn die Sondennahrung abgesetzt und die Flüssigkeitsversorgung reduziert wird. Symptome wie Hunger- und Durstgefühle werden ja dennoch bei einer Behandlung lege artis gestillt. Dass Eluana Englaro schon nach drei Tagen gestorben ist, zeigt auch, wie labil Ihr Gesundheitszustand gewesen sein muss: in so einem kurzen Zeitraum verhungert und verdurstet man nicht.

H_a_l

10. Februar 2009, 08:58

Bei aller Liebe. Wer traut einem abgebrühten und machtgierigem Selbstdarsteller wie Herrn Berlusconi zu, in so einer Situation ein echtes Gefühl zu entwickeln ? Bei allem was er tut, arbeitet er stets nur an einem, der Festigung seiner Macht. Widerlich.

Agustin

10. Februar 2009, 09:29

Ich freue mich darüber, dass  Eluana endlich tot ist, obwohl  die religiösen und politische Mächte innerhalb der letzen 17 Jahre  sie nicht haben sterben lassen. Es ist grausam und widerlich was sie in Namen eines Gottes oder im Namen der Macht gemacht haben . Ekelhaft

Domenico

10. Februar 2009, 10:12

Wie darf ein anderer Mensch entscheiden, ob ich weiter leben darf oder nicht!

Ich finde es unverschämt, dass Gerichte entscheiden dürfen ob eine Person leben darf oder nicht!

Ich finde o.k. das die Politik und die Kirche strikt dagegen waren. Hätte mir gewünscht das es ein Gesetz gegeben hätte. Leider war die Zeit gegen die Regierung. Eluana ist aber auch erlöst worden. Wer kann den sicher sein, dass sie wirklich nichts mitbekommen hat. Vielleicht hat sie alles mitbekommen konnte sich aber nicht wehren. Eingespert im eigenen Körper - Möchte es mir gar nicht vorstellen. Nur Gott hat zu entscheiden ob eine Person stirbt oder nicht! Und er hat entschieden, dass sie beim Autounfall nicht sterben sollte!

Willy Pöder

10. Februar 2009, 10:27

In einer Zeit, in der der Mensch als Ersatzteillager dient, darf es nicht wundern, wenn die Judikatur zur Ergänzungsgesetzgebung ausartet.

Vale

10. Februar 2009, 10:38

Ich bin ein italienisches Mädchen, vielleicht mache ich einige Fehler, so Entschuldigung. Ich bin froh, dass viele Leute, die hier geschrieben hatten, gegen Berlusconi und seine Haltung sind.

Es war vor einer Woche, dass Berlusconi entschieden hat, ein neues Gesetz zu machen. Warum? Vielleicht, um jedermann zu befriedigen. Wenn er wirklich Eluana beschutzen wollte, konnte er auch zwei Monaten vorher anfangen. Wir nennen es "salvare capre e cavoli". So hat er Vatikan und katholische Leute befriedigt, aber er hat nichts getan. Glucklicherweise.  

Und die Kirche in Italien hat immer eine Anschauungsweise nicht nur etwas zu sagen: sie hat seine Anschauungsweise vorzuschreiben. Eluana war nur eine Person, die fuer sich selbst und ihr Leben beschliessen wollte. Alle hatten alles gemacht, um es unmoglich werden soll, aber war das nicht genug.

Ich hoffe, dass wir zukunft unser biologisches Testament festlegen konnen, und der Politik zum Vatikan abteilen. Aber ich befurche, dass es in Italien unmoglich ist.

friedrich_leipzig

10. Februar 2009, 10:39

http://tinyurl.com/c9e8ds

Ah, Domenico, jetzt ersetzen Sie doch nur mal in Ihrem schönen Satz

»Wie darf ein anderer Mensch entscheiden, ob ich weiter leben darf oder nicht! Ich finde es unverschämt, dass Gerichte entscheiden dürfen ob eine Person leben darf oder nicht!«

jedes »darf« durch ein »muß«. Ich denke, dann trifft er den konkreten Fall besser. Denn soviel ich weiß, hatte die Patientin sich ja zu bewußten Zeiten gegen künstliche Lebensverlängerung ausgesprochen. Und wenn Sie schreiben, daß Gott entschieden habe, daß sie bei dem Autounfall nicht sterben sollte, so ist dies nicht ganz unstrittig: Man kann schließlich die Möglichkeiten moderner Intensivmedizin nicht einfach als Gottesurteil hinstellen. Fakt ist, daß Frl. Englaro auf natürlichem Wege an dem Unfall recht bald verstorben wäre. Und hier kommt die gigantische Heuchelei unserer Gesellschaft ins Spiel, die einerseits Menschen, die kerngesund und auf natürliche Weise lebensfähig sind, legionsweise abtreibt, andererseits solche, die auf natürliche Weise nicht annähernd überleben könnten, mit allen intensivmedizinischen und juristischen Tricks in ihrem Schwebezustand erhält.

Hannes

10. Februar 2009, 11:02

Wie man bei manchen Kommentaren sieht, ist das größte Problem bei solchen Fragestellungen, dass sich jeder eine Meinung erlaubt, ohne überhaupt genau zu wissen wie schwer die Frau im Gehirn verletzt wurde. Das die Anhänger der Kirche und die Anhänger eines Populisten logischerweise dazu neigen ohne viel Nachzudenken sich Urteile zu bilden, ist ja logisch, dummes Volk lässt sich leicht beherrschen.

Niemand hält es für notwendig darauf zu verweisen, dass bei einer vollkommenen Zerstörung bzw. Vernarbung des Vorderhirns (der Teil der beim Menschen sehr weit entwickelt ist, im Gegensatz zu den Tieren), der Mensch als Person, sprich das Bewusstsein Mensch stirbt, somit auch die Person. Da beim konkreten Fall das Atmungszentrum das tiefer im Gehirn sitzt nicht betroffen war, atmet der Körper zwar noch, vom mensclichen Leben kann aber nicht die Rede sein. Der Körper lebt durch die weit entwickelte Technik der Medizin weiter, von Tötung eines Menschen zu reden ist schlichtweg falsch und beweist das fehlende Wissen der Leute. Differenziertes Denken ist angebracht, nicht die übliche Alles oder Nichts Sichtweise, man muss in jedem Fall medizinisch prüfen ob eine Person als Mensch noch lebt, oder ob man etwas makaber ausgedrückt einen Zellverband am Leben erhält. Deshalb hat dieser konkrete Fall mit Sterbehilfe nichts zu tun, den die Frau ist als Person schon lange tot, nur ein Teil ihres Körpers lebt noch. Dies ist logischerweise schwer zu begreifen, wenn man wie Berlusconi und der Papst, Wissen über die Grundlagen des menschlichen Körpers besitzt die aus dem Mittelalter stammen und diese auch noch mit aller Macht zu verteidigen versucht.

wyattearp

10. Februar 2009, 11:20

Die italienischen Wähler sollten überlegen, ob sie dem Herrn Berlusconi sukzessiv die Nahrung entziehen wollen.

eleonora

10. Februar 2009, 11:37

http://fabrizia.lucato@europarl.europa.eu

Ich denke an die Suore Misericordine in Lecco, die 15 Jahre lang sich um Eluana gekümmert haben : umsonst, ohne Bezahlung, keine Werbung,keine Interviews..nur aus Liebe.

Agustin

10. Februar 2009, 12:30

Domeniko , das ist für dich. Du has gerade Gott erwáhnt , ich vermute den chirstlichen Gott , der einzige der entscheiden kann , ob jeman esterben darf oder nicht , als  der einzige der dafúr zustándig ist . Der Gott des Alten Testaments , der eifersúschtig , ethnischer sauberer , frauenfeindlicher , , blutrünstiger , nachtragender überwachunsfanatiker ist , den meins du ????,

Ich bin froh das ich ausserhalb der Katohlischen Kirche bin und dass ich vielleicht eines tages werde entscheiden können ob ich weiter lebe oder nicht , nur wenn de Falls ist.

Ich bin vor 11 Jahre transplantiert worden und bin glüklich dass ich noch ein schónnes Leben führen kann , und bin in der Hoffnug dass es noch so weiter geht , aber nur wenn das Leben so schón ist wie heute, sonst nicht , und das ist

MEINE EIGENE ENTSCHEIDUNG nicht die Entscheidung irgendeines Gottes.

Giorgio Santagati

10. Februar 2009, 13:35

Ich lebe in Italien und stimme mit dem Artikel sehr ueberein.

Ob es richtig war oder nicht Eluana die Nahrung zu entziehen kann jeder mit seinem Gewissen ausmachen.

Bestuerzt hat mich bei dieser Angelegenheit allerdings zum einen die eklatante Einmischung des Vatikans in die italienische Politik. Viele Journalisten halten es mittlerweile fuer erwiesen, dass die italienische Regierung vom der katolischen Kirche in den letzten Tagen regelrecht bedraengt worden ist etwas zu unternehmen.

Zum anderen - und dies ist der meines Erachtens noch schlimmere Punkt - hat die Geschichte Eluna erwiesen, zu was Berlusconi und seine Regiurung faehig sind: Eine entgueltige richterliche Entscheidung durch ein Eiledikt rueckgaengig machen zu wollen, grenzt meiner Ansicht nach an einem versuchten Staatsstreich. Haetten wir nicht einen Staatspraesidenten (mit der aehnlichen Funktion eines Koenigs --> auch dies ist absurd) der seine Unterschrift verweigert, dann haette die Regierung Berlusconi zum ersten Mal in der Geschichte die Trennung zwischen Exekutive - Legislative und Jurisdiktion deutlich durchbrochen und die Gewaltenteilung waere fuer die Zukunft nicht mehr sicher gewesen.

Allerdings fuerchte ich, dass Berlusconi es in den naechsten 4 Jahren schaffen wird unsere Demokratie entscheidend zu schwaechen.

Wenn ich davon ausgehe dass sich meine italienischen Mitbuerger gestern Abend mehr fuer Big Brother als fuer Nachrichtensendungen interessiert haben (Audiencedaten von corriere.it) bleibt mir wenig Hoffnung.

Giuseppe Santagati

10. Februar 2009, 15:31

Ich lebe dagegen in Deutschland und muß in den letzten Jahren leider feststellen, wie Berlusconi und großer Teil der Bevölkerung in Italien keine Gelegenheit verliert, sich nicht nur lächerlich sondern auch anakronistisch zu zeigen. Aber wir müssen uns nicht wundern: Berlusconi und Co. sind die Wiederholung der Menschen und der Politik, die mit anderen Wörtern und anderen Zielen in den 2. und 3. Jahrzenten des 20. Jahrhunderts in Italien gelebt hatten.

Der Berlusconi wiederholt beim Reden die gleiche Mimik des kleinen italienischen

Gefreite und das Volk hört ihn zu und stimmt mit ihm ein. Der Vatikan damals wie heute hatte und hat kein Kontakt mit der Realität. Es hat sich nichts geändert, wie Mussolini auch Berlusconi ist ein großer Verkäufer, er hat Instinkt um dem Volk zu geben und zu zeigen, was das Volk braucht, um von den tatsächlichen Problemen, Wirtschaftkrise u.s.w. abzulenken. Leider hat wieder eine gute Gelegenheit verpasst, sich nicht unbedingt als "deus ex machina" zu zeigen und endlich einmal zu schweigen!

Wie der Giorgio Santagati sagte, Italien riskiert das Konzept der Demokratie zu vergessen. Berlusconi hat das nie gekannt und seine Mitbürger haben eben es

vergessen. Traurig ist, dass so viele Energie für einen praktisch seit langer Zeit gestorbenen Mensch eingesetzt werden, während Milionen von Menschen, besonders Kinder, in Italien, in die Armut und Verzweifelung gefallen sind.

Es ist richtig über Prinzipien zu reden, ohne sie würden wir wie in einigen Ländern leben, wo die Grundprinzipien des Menschen kein Wert haben, aber Leute wie Berlusconi oder einige Vertreter des heutigen Vatikans, sollten wirklich bis 10 zählen bevor sie sagen und tun, was sie in den letzten Wochen gesagt und getan haben. Man kann auch nicht immer mit denen einverstanden sein, aber der große Teil der deutschen Politiker und  der deutschen Vertreter der verschiedenen Religionen hier im Lande, zeigen sich sicher seriöser und professioneller als die meisten italienischen Politiker und der Vatikan selbst.

Nikolausa

10. Februar 2009, 19:21

In Deutschland steht auch nicht alles zum Besten. Die Tochter von Bekannten ist am Samstag im Alter von 43 Jahren gestorben - seit Geburt körperlich und geistig behindert. Es war offensichtlich, dass Ihr Leben zu Ende ging - die Eltern, die sich 43 Jahre aufopfernd um ihr Kind gekümmert haben, wollten, dass ihr "Kind" zuhause einschläft. Ein herbeigerufener Notarzt, der ihr Linderung verschaffen sollte, wollte die Polizei holen und sie per Polizeischutz ins Krankenhaus bringen lassen, um sie der Intensivmedizin "anzuvertrauen". Als die Eltern dies mit Blick auf die notariell bekundete Patientenverfügung ablehnten, hat er Ihnen folgendes an den Kopf geworfen:

"Dann können Sie sie ja gleich mit einem Knüppel erschlagen!"

Soviel zu der Sensibilität deutscher Ärzte!

Bruno

10. Februar 2009, 19:39

http:// Ich habe keine.

In diesem Fall ist es zu prüfen ob eine Patienteverfügung vorhanden war.

Meiner Ansicht nach vor sechzehn Jahren als der Unfall stattfand,  könnte eine solche Patientenverfügung nicht vorhanden sein. In jenen Jahren hörten man

von der Presse  über einen ähnlichen Fall in den Niederlanden. Es gab Bestürzung darüber...

Es ist zu fragen ob Eluana  für sich selber ein solches Ende unterschreiben hätte.

Panaronews

10. Februar 2009, 20:14

Das Vatikan hatte jedes Recht sich in Sache ethikbetreffende Gesetzgebung einzumischen, wie unserer liebe Papst Benedikt jeden Tag sagt: da Italiens Kultur seit mindestens 17 hundert Jahre mit Christentum verwickelt ist. Die Regierung (z.B. Herr Sacconi) war gezwungen,  und versuchte, eine aktive Rolle zu spielen, nachdem die Gerichte, auf verschiedenen Niveaus, sich in Sache Eluana, dank der legislativen Luecke, ausgedrueckt hatten. Eluana war eine 38 Jahre alt Frau, sie lebte seit Jahren aber dank der liebevollen Sorge der Lecco Schwestern, und jede Entscheidung die zu einem gewissen Mass auch oeffentlich nicht waere, waere auch nicht legitim. Von Italien Danke fuer den Blograum Herr Tolmein!

Amo l'Italia

10. Februar 2009, 22:28

...wie von der Tarantel gestochen stuertzen sich Berlusconi und seine Handlanger in diesen Tagen von allen Seiten auf den Fall Eluana Englaro.

Dabei vergewaltigt B. ganz flott seine Landsleute ohne dass sie es merken.

Der Vatikan treibt ihn zu dieser Handlungsweise , was bekanntlich zusaetzliche

Waehler bringt... B. handelt ja schliesslich fuer die '' cultura della vita '' !

Leider fehlt vielen Politikern ganz einfach ein Minimum an Kultur....und Berlusconi

handelt/regiert Italien als waere es seine eigene Firma Fininvest und sucht nur Macht ...der Fall Eluana ist nur ein passendes '' Mittel zum Zweck ''

- Svegliati cara Italia prima che sia troppo tardi ! -

Bernd

11. Februar 2009, 15:43

Auf www.emorial.de kann man eine Kerze für sie anzünden.

LPK

11. Februar 2009, 16:34

Fuer mich ist die Frage, ob der Staat oder sogar der Vatikan sich in eine Angelegenheit, die gerichtlich abgesegnet wird, einmischen darf, nicht wichtig. Berlusconi und die italienische Kirche  (Uns-Benedikt hat sich zu diesem Fall nicht klar geaeussert) sind hier die wirklichen Demagogen, die polemisch das Wort der "Pro-Leben" Fraktion fuehren. Andererseits muessen Begriffe wie "Euthanasie" oder "Unwertes Leben" definitiv vermieden werden.. Ein pragmatischerer Umgang ist wuenschenswert, nicht so moralisch gefuehrte Diskussion, die hier in Italien doch sehr polemisch gefuehrt wird, und dabei den tragischen Moment der involvierten Individuen gaenzlich aus dem Blick verliert..

Monika Tosti

18. Februar 2009, 19:04

Es ist doch schon wieder typisch fuer die deutsche Presse, dass dieser traurige Fall, den wir ja selbst schon seit einigen Jahren hier in Italien verfolgen, dazu ausgeschlachtet wird, auf unserem Ministerpraesidenten herumzuhacken. Ich habe langsam den Eindruck, die Deutschen warten auf nichts anderes. Auf Berlusconi wird Druck ausgeuebt worden sein  vonseiten des Vatikans und der vielen katholischen Politiker, und so hatte er sich mit dem Fall zu befassen. Was Frau Englaro angeht, wurde sie lediglich ernaehrt, man hat keinerlei medizinische Behandlung mehr vorgenommen, und das schon seit Jahren. Man hat sie verhungern und verdursten lassen, und ob sie das wirklich so wollte, dafuer gibt es keine Beweise, und woher wissen wir, was sie wirklich fuehlte?

Wenn ich auch persoenlich der Meinung bin, dass so ein Leben zu beenden ist, ich haette das allerdings mit einem schnell wirkenden Medikament gemacht, und nicht durch Entzug von Fluessigkeit, was ein sehr schlimmer Tod sein soll, so kann dem der Vatikan nicht zustimmen! Anstatt auf Herrn Berlusconi herumzuhacken, sollte man sich lieber einmal fragen, warum der Vater des Opfers seit Jahren die Presse mit provozierenden Fotos seiner Tochter versorgt hat, als suche er die publicity! Der ganze Aufwand um diesen Fall waere zu vermeiden gewesen, denn es gibt hunderte solcher Faelle, in Deutschland ja wohl auch.

ornella

13. März 2009, 11:57

I agree with Lucato

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Biopolitik

22. Februar 2009, 08:25

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