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Biopolitik

Peter Singer: Affenfreund, Behindertenfeind und ein Ethik-Preis

27. Mai 2011, 21:24 Uhr

Peter Singer ist ein Behindertenfreund. Michael Schmidt-Salomon muss das wohl sagen, denn er zeichnet als Vorstandsvorsitzender dafür verantwortlich, dass der mittlerweile in Princeton lehrende Singer, den andere für einen veritablen Behindertenfeind halten, am kommenden Freitag (3. Juni 2011) den ersten Ethik-Preis der Giordano Bruno Stiftung verliehen bekommt. Wogegen zwar nichts spricht, weil jede und jeder jedem und jeder Preise ganz nach Belieben verleihen kann (und es werden ja auch ganz schön viele Preise an ganz schöne viele Menschen verliehen, bei denen man sich auch fragt....), aber Michael Schmidt-Salomon will uns überzeugen, dass der Ethik-Preis an Singer nicht nur verliehen werden darf, sondern geradezu verliehen werden muss, und zwar einerseits wegen der Bedeutung, die Singer als Tierrechtler für die Debatte über „Grundrechte für große Menschenaffen" (ich mag Menschenaffen auch, die können nichts für ihren Sympathisanten Singer) hat, eigentlich aber auch überhaupt, denn „Singer ist einer der mitfühlendsten und klarsten Denker unserer Zeit", das wiederum weiß Schmidt-Salomon, der auch ganz schön klar denkt und viel mitfühlt

„als philosophischer Theoretiker, sondern auch ganz bewusst vor dem Hintergrund meiner eigenen praktischen Erfahrungen: Vor einigen Jahren arbeitete ich sehr intensiv mit einem „Förderverein für Familien mit chronisch kranken und schwerstbehinderten Kindern" zusammen. Daher weiß ich, wie groß die Belastung dieser Familien ist."

Ich gestehe: Ich hab kein einziges Buch des philosophischen Theoretikers mit dem so wundersam die Welten verbindenden Namen gelesen, der auf seiner Webseite stolz berichtet, dass der „Spiegel" ihn einmal „Chef-Atheisten" genannt hätte, obwohl er sich weder als Chef noch als Atheist sehe, sondern als „evolutionären Humanisten". Huibuh. Ich will es auch nicht und muss es auch nicht. Von mir aus kann Schmidt-Salomon, dessen Förderverein mir ebenfalls unbekannt ist, sogar Preise bekommen.

Ich habe allerdings einige, ja gerade zu fast alle Bücher des Praktischen Philosophen Peter Singer gelesen (die neuesten nicht mehr: die 3. Auflage seiner Praktischen Ethik und die utilitaristische Streitschrift für die Bekämpfung der Welt-Armut durch aufopferungsvolles Spendenwesen), der auch so seine Erfahrungen hat, wie wiederum Michael Schmidt-Salomon zu berichten weiß:

„Seine Achtung vor dem Leben geht soweit, dass er sich seit Jahrzehnten schon vegan ernährt und einen Großteil seines Einkommens für wohltätige Zwecke spendet. Glauben Sie wirklich, dass ausgerechnet ein solcher Mann, der sich sein Leben lang (wie kaum ein anderer Philosoph weltweit!) für die Schwächsten der Schwachen einsetzt, „Hetze gegen Behinderte" betreibt? Glauben Sie wirklich, dass es in irgendeiner Weise gerechtfertigt sein könnte, ihn mit Faschisten auf eine Stufe zu stellen?"

Nein, ich werde jetzt nicht ausführen, dass Vegetarier sein und Tierfreund keinesfalls garantiert, dass jemand kein Ressentiment gegen Behinderte pflegt (es gibt aber natürlich auch Vegetarier und Tierfreunde, die sich in dieser Hinsicht nichts vorwerfen lassen müssen). Und ich werde auch nicht fragen, wer Singer denn mit Faschisten auf eine Stufe gestellt hat - der Freiburger Medizinhistoriker Andreas Funke hat in einem Feature, das ich dereinst für den Deutschlandfunk produziert habe, darauf hingewiesen, wo Wurzeln der aktuellen Debatte liegen:

Gerade wenn man die Praktische Ethik von Peter Singer betrachtet, finden sich da Gedankengänge, die Hoches sehr ähnlich sind. Gerade das, was Hoche meint, wenn er den Geistig Toten die Subjektivität abspricht, macht im Prinzip auch Singer, wenn er Säuglingen als Menschen ohne Subjektivität bezeichnet, die sich ihres Seins nicht bewußt sind. Deswegen handelt es sich, wenn man sie tötet, nicht um die Auslöschung eines Individuums. Genau dasselbe sagt Hoche in seinen ärztlichen Ausführungen auch, dass diese Menschen keine Menschen seien, weil sie kein Selbstbewusstsein hätten, keine Eigenart, sondern nur vor sich hin vegetieren ohne eine Interaktion mit der Gesellschaft aufzunehmen. Bei diesem Gedankengang ist es doch sehr auffällig, dass Parallelen zu finden sind zwischen 1920 und der aktuellen Bioethikdebatte."

Ok. Schreiben wir also über Singer, den Behindertenfreund. Schmidt-Salomon zitiert aus Singers 1993 in Deutschland erschienenem Buch „Muss dieses Kind am Leben bleiben? Das Problem schwerstgeschädigter Neugeborener" Schon der Titel des Buches ist, was Schmidt-Salomon so nicht sehen wird, diskriminierend. Wieso sind „schwerstgeschädigte Neugeborene" ein Problem? Und was sind überhaut „schwerstgeschädigte" Neugeborene? Es erscheint auch etwas ungewöhnlich einen angeblich empathischen Diskurs mit der Frage zu eröffnen, ob der Betroffene denn nun am Leben bleiben müsse. Aber in dem Buch ist, was Schmidt-Salomon von dessen Unverfänglichkeit überzeugt hat, zu lesen:

„Wir meinen (...), dass die reichen Nationen sehr viel mehr tun sollten, um behinderten Menschen ein erfülltes, lebenswertes Leben zu ermöglichen und sie in die Lage zu versetzen, das ihnen innewohnende Potential wirklich auszuschöpfen. Wir sollten alles tun, um die oft beklagenswert schlechte institutionelle Betreuung zu verbessern und die Dienstleistungen bereitzustellen, die behinderten Menschen ein Leben außerhalb von Institutionen und innerhalb der Gemeinschaft ermöglichen"

Das ist hübsch, es lohnt sich aber, sich den Zusammenhang zu vergegenwärtigen: Singer und seine Mitstreiterin Helga Kuhse wollen, dass es behinderten Menschen ganz allgemein besser gehen soll, das gilt aber ausdrücklich nicht für „schwerstgeschädigte Neugeborene":

„Ein Leben für nicht lebenswert zu befinden, bevor es recht eigentlich begonnen hat, ist eine Sache; eine ganz andere Sache ist es, die Notwendigkeit zu leugnen, die Qualität eines Lebens, das bereits gelebt wird, zu verbessern."

Soll heißen: Grundsätzlich haben Singer/Kuhse nichts gegen Behinderte - allerdings werden sie es aus philosophischen Gründen kaum schaffen. den Zustand zu erreichen, in dem sie die Fürsorge der praktischen Philosophie erreichen könnten, denn idealiter werden sie das Neugeborenen-Alter nicht überleben - und zwar wegen ihrer Behinderung nicht. Singer kommt übrigens, nachdem er eingehend dekliniert hat, gegen wessen Interessen es alles verstößt, wenn „schwerstgeschädigte Neugeborene"am Leben bleiben, nochmal auf die Kostenfrage vom Beginn seines Buches zurück. Dort hatte er ja noch gefordert, es müsste mehr getan werden, um die Lage der (überlebenden) Behinderten zu verbessern. Aber, fragt er nun, zum Abschluss seines Werkes, geht das denn überhaupt? Die Frage stellen und ein paar Zahlenkunstsücke vorführen („Man schätzte, dass in den Vereinigten Staaten 1983 etwa 140.000 Kinder mit angeborenen körperlichen Abnormalitäten, geisteigen Behinderungen oder Lernbehinderungen geboren würden. Ende der Fünfziger Jahre waren es 70.000"), heißt die erforderlich Stimmung erzeugen zu wollen für diesen fulminanten Abschluß:

„Jedes Gemeinwesen kann nur eine begrenzte Anzahl von Menschen verkraften, für die es aufkommen muss.  Wenn wir alle Kinder - ungeachtet ihrer künftigen Möglichkeiten - am Leben halten wollen, müssen wir andere Dinge, die wir möglicherweise für ebenso wichtig halten, aufgeben. Da die meisten Gemeinwesen offenbar nicht bereit sind, ausreichend Mittel für die Bedürfnisse ihrer behinderten Mitglieder bereitzustellen, ist das Überleben vieler weiterer schwerstbehinderter Kinder möglicherweise auch nicht im Interesse der behinderten Menschen, die bereits von staatlicher Fürsorge abhängig sind."  

Wer zuerst lebt, darf auch weiterleben....für die Nachfolgenden reichen die Ressourcen nicht mehr aus, Pech gehabt. Singer, der so freundlich und abwägend daher kommt, der sich den Menschenaffen brüderlich verbunden fühlt und dem kein Kalbsschnitzel in diePfanne und kein Ledergürtel um die Hüfte kommt, möchte bei der Entscheidung

„ob wir ein Kind am Leben halten oder nicht, die Interessen des Kindes, der Familie, des ‚nächsten Kindes‘ und der Gemeinschaft als Ganzer berücksichtigen."

Da werde ich dann doch lieber Christ als evolutionärer Humanist.

PS.: Apart ist auch Singers Überlegung, wer denn über das Weiterleben behinderter Neugeborener entscheiden soll:die Eltern, klar, aber gegebenenfalls auch der Staat, vertreten durch lokale Prüfungsausschüsse, die aber nur so vielen Kindern das Überleben gestatten dürfen, wie es Geld für "kleine, gut ausgestattete Heime" gibt. 

So. Singer Bücher sind entstaubt. Ins Regal müssen sie trotzdem zurück. Und dort bleiben Sie dann hoffentlich wieder 20 Jahre....

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Kommentare

Sojherde

28. Mai 2011, 04:56

http://sojherde.net/

Dann ist diese Preisverleihung also mehr eine Werbung für die eigene Ideologie als eine Unterstützung derer,die sich für Behinderte einsetzen. Manchmal gut,wenn man das weiß. Danke für diesen Beitrag!

Gerhard Bartz

28. Mai 2011, 12:00

Es ist erstaunlich, dass Singer immer wieder Leute (über diesen Begriff habe ich lange gegrübelt und dann doch eine neutrale Bezeichnung gefunden) ausfindig macht, die ihm eine Plattform bieten. Vor einem Jahrzehnt tauchte er mit seinem Gedankengut bei Sandra Maischberger auf. Nach meiner Erinnerung ging er dort argumentativ unter, mit seinen Büchern, in denen er sich nicht mit seinen Gegnern auseinandersetzen muss, ist er gefährlicher. Alle Proteste im Vorfeld der Talkshow, auch bei Alfred Biolek, dem Produzenten der damaligen Sendung, blieben ergebníslos. Jahre zuvor konnte er in der Bonner Bundespressekonferenz seine Thesen verbreiten, behinderte Menschen, die dagegen protestierten, wurden von der Polizei abgeführt. Bleibt nur zu hoffen, dass das Immunsystem unserer Gesellschaft stark genug ist ...

Frank Welker

28. Mai 2011, 12:25

Merkwürdig ist, dass der Autor des Blogs Singers Bücher "20 Jahre" im Regal verstauben ließ und dennoch meint "geradezu fast alle Bücher des praktischen Philosophen Peter Singer" gelesen zu haben.  Immerhin sind doch viele maßgebliche Bücher Singers erst in den letzten 10-20 Jahren erschienen! Am erschreckendsten ist jedoch, dass Tolmein offensichtlich sogar noch stolz auf seine Ignoranz ist (gegenüber Tierrechten, Singers Arbeiten zur Beseitigung der absoluten Armut oder sämtlichen Büchern Schmidt-Salomons, den er so heftig kritisiert).Jeder Leser sollte sich doch bitte selbst ein Bild von der Arbeit der kritisierten Philosophen Schmidt-Salomon und Singer machen.

Ava Odoémena

28. Mai 2011, 13:26

http://www.veganesauge.de

Leider hast du vergessen zu erwähnen, welcher Ideologie Singer eigentlich anhängt, also was diese Widersprüche eigentlich generiert: der Utilitarismus. Dagegen findet der Umstand, dass Singer vegetarisch oder vegan lebt mehrmals Erwähnung.

Fundierte Kritik an Singer und am Utilitarismus kommt aber gerade vom Veganismus, z. B. durch den amerikanischen Rechtsprofessor Gary Francione.

Verwunderlich in dem Zusammenhang ist auch, dass Singer sogar als der Urvater der Debatte über Tierrechte dargestelllt wird, zweieinhalb Jahrtausende nach Pythagoras von Samos.

Wie so oft schwingt auch in deinem Beitrag eine Verunglimpfung des Veganismus mit, mit dem Singer als Eskalation benutzt, areligiöse Ethik als Bedrohung konstruiert wird.

Lislott Pfaff

28. Mai 2011, 16:19

Peter Singer will nicht nur "schwerstbehinderte" Säuglinge zum Wohle anderer behinderter sowie erkrankter Menschen opfern, sondern - gemäss Sunday Times vom 26.11.2011 - auch Affen experimentell quälen und töten lassen zum Wohle von Patienten. Der "Vater der Tierrechts-Bewegung" erklärte sich einverstanden mit der Verwendung von Affen in der Parkinson-Forschung. Er hält es für "gerechtfertigt", dass Affen diese Krankheit künstlich zugefügt wird in der vermeintlichen Hoffnung, dass  Tausende von Patienten Nutzen aus diesen sinnlosen Experimenten Nutzen ziehen können.  

Singer sollte sich hinter die Ohren schreiben, was der britische Psychologe und ehemalige Tierforscher Richard D. Ryder in seinem Buch "Victims of Science" (1975) schrieb: "Die Leidensfjähigkeit ist der entscheidende Faktor, der uns alle, Menschen und Tiere, verbindet und uns alle demselben ethischen Begriffsbereich zuordnet." (...) "Es fragt sich, ob es für die Gesellschaft von Gutem ist, dass das Mitgefühl aus dem Verrhaltensmuster einer immer grösseren Zahl von Menschen ausgemerzt wird." (...) Man weiss wenig darüber, inwiefern die in Labors praktizierte, institutionalisierte Gewalt auf die menschliche Gesellschaft ausserhalb der Labors übergreifen kann. Inwieweit wird diese Mentalität - die Gefühllosigkeit, Abstumpfung der Empfindsamkeit und Missachtung von Leiden - die ganze Lebenseinstellung künftiger Generationen beeinflussen?"

Lutz Barth

28. Mai 2011, 19:27

http://www.iqb-info.de

Es erscheint reizvoll, den BLOG-Beitrag von Tolmein zu „kommentieren“, wenngleich ich nicht Öl ins Feuer gießen möchte. Nur soweit: Eine „Denkfabrik“ braucht „Denker“, zuweilen auch Philosophen, vielleicht auch einige Humanisten, auch solche, die da phantasievoll den Grundstein für einen sog. „evolutionären Humanismus“ zu legen versuchen, ohne hierbei allerdings selbst ohne „10 Angebote“ auszukommen, bei deren „Befolgung“ die ansonsten  gern bemühte „Toleranz“ ihrer tragenden Achsen verlustig zu gehen scheint und so gesehen zu einer „Ersatzreligion“ mutiert, die ohne humanistischen Dogmen nicht auszukommen scheint (vgl. dazu u.a. L. Barth, Neues vom Philosophen und Religionskritiker Schmidt-Salomon, PM v. 18.03.07 bei open-PR >>> www.openpr.de/.../Neues-vom-Philosophen-und-Religionskritiker-Schmidt-Salomon.html ).

Der scheinbar gebotene Feldzug gegen die „Religion“ stellt sich nicht selten als „Kreuzzug“ eben der Humanisten dar, obgleich es doch gerade jedem Einzelnen überlassen bleibt, seinen „Glauben“ nicht nur als „naives Primatenhirn-Konstrukt“ zu begreifen, wie sich Schmidt-Salomon gelegentlich auszudrücken pflegt, sondern auch zu praktizieren, so wie dem Philosophen die Freiheit seines Geistes zu konzedieren ist, seine gedanklichen Konstruktionen einem interessierten Publikum nahe zu bringen. Ob allerdings das Publikum hieraus entsprechende Konsequenzen zu ziehen gedenkt, setzt abermals das „Denken“ voraus und sofern wir uns darauf verständigen könnten, dass auch der Humanismus sich dem Toleranzprinzip verpflichtet weiß, so kämen die prominenten Vertreter sicherlich irgendwann zur Erkenntnis, dass es einer fundamentalen Religionskritik in einem säkularen Verfassungsstaat nicht bedarf.

Ob nun Singer einen Preis erhält oder nicht, ist für mich persönlich eher unbedeutend und sofern ganz allgemein für einen nachhaltigen Tierschutz plädiert wird, halte ich dies ungeachtet der Frage, ob ich nun einen „Bruder Schimpanse“ oder eine „Schwester Bonobo“ habe, für ein sinnvolles Anliegen und zwar ohne mich entscheiden zu müssen, ob ich lieber „Christ“ oder „als evolutionärer Humanist“ sein möchte. Von beiden erwarte ich Toleranz, die leider vielfach auf der Strecke bleibt – so jedenfalls meine Gedanken, mögen diese im Zweifel auch einem „„naiven Primatenhirn“ entsprungen sein, dass im Zweifel keine „Verantwortung“ trägt, weil letztlich der „freie Wille“ fehlt und die Gedanken einem Neuronenfeuer im Hirn geschuldet sind, das ohne mein „Denken“ und „Zutun“ fortwährend gezündet wird.

Oliver Tolmein

28. Mai 2011, 19:29

@Frau Pfaff: Die Position von Peter Singer (die erübrigens in der Sunday Times vom 26.11.2006 geäußert hat) ist noch weitaus befremdlicher: Er unterstützt die Durchführung von Tests an Affen, wenn sich die Affenforscher vorstellen können, diese Tests auch an Menschen durchzuführen, die auf dem gleichen intelektuellen Niveau wie Affen stehen. Diese Position ist charakteristisch für Singer: Er findet immer einen Weg, Menschen mit (geistigen oder mehrfachen) Behinderungen ins Visier zu rücken und ihre Menschenwürde in Frage zu stellen.

fazfazfaz123

28. Mai 2011, 20:33

Volksverhetzung?

Lislott Pfaff

29. Mai 2011, 12:59

Herr Tolmein: Auch ich bin behindert, zwar nur körperlich (vorläufig - mit 80 weiss man ja nie...) und finde Singers Haltung absolut verwerflich. Ich möchte diese Feststellung aber nicht nur auf menschliche, sondern auch auf nicht-menschliche Wesen (Tiere) beziehen. Meine zehnjährige Tätigkeit als medizinwissenschaftliche Übersetzerin in der Basler Pharmaindustrie hat mich gelehrt, dass die kalte Brutalität in der Tierforschung nahtlos auf die Forschung am Menschen übergeht, ja bei gewissen Projekten sogar zeitgleich vorhanden ist. Im Bereich dieser Art von Wissenschaft wird sowohl die menschliche als auch die tierische Würde verletzt und überhaupt nicht zur Kenntnis genommen. Insofern übernimmt also Singer nur die in den Forschungslabors (und bei den biomedizinischen Wissenschaften ganz allgemein) herrschende Herren-Mentalität. Mit anderen Worten: Er schmiedet ein Bündnis mit den Mächtigen gegen die Ohnmächtigen.

Thomas Bastian

29. Mai 2011, 14:15

Ein mühsam zu bedenkendes Thema. Es geht hier doch um Grundsätze des freien Denkens.

Aus eben diesem Grunde verpasst Herr Tolmeins Artikel meines bescheidenen Erachtens nach den Ansatz der Aussagen von Herrn Singer.

Selbst definiere ich mich als ein -- Mir selbst bewusstes Säugetier --, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Dies stellt mich nicht über alle anderen Formen des Lebens, als eine oft empfundene Art -- Krone der Schöpfung --, es stellt mich jedoch unbedingt in die Verantwortung - auch des freien Denkens.

Wenn ich meinen Hund einschläfern lasse, den ich als Welpen zum " Baby " machte, ihn dann über seine vitale Lebenszeit neben mir als Familienmitglied, ja als Partner ( ersatz ) ansah - gilt dieser Vorgang des Tötens als Akt von humanem Mitgefühl - der Erlösung und er ist allgemein aktzeptiert.

Zudem verbindet es noch das "Gute" - "Mitfühlende" mit der äusserst praktischen Seite, nicht mit einem Hund Gassi zu gehen, den ich tragen oder schieben muss ( beschämend ) und dessen Fäkalien ich ständig aus meiner Wohnung entfernen muss.

So darf ich mir auch die Frage stellen wie "lebenswert" das Dasein eines geistig schwerstbehinderten Säuglings ist.

Dieser wird niemals in der Lage sein ein selbstbestimmtes Leben zu führen noch sich uns uneingeschränkt mitteilen zu können.

Ein kerngesunder "Primat" ist dazu durchaus in der Lage, so man ihn lässt.

Selbst arbeite ich im Sozialen Dienst in einem Seniorenzentrum und bin des öfteren Zeuge, wie Menschen an ihrem Erfüllten Lebensende mangels einer Patientenverfügung mehr oder weniger bei lebendigem Leibe verfaulen und wir alle ohnmächtig dabei zuschauen müssen. Eben weil es Menschen sind.

Dies würde man keinem Hund antun !

ThorHa

29. Mai 2011, 16:09

Ein Ethik-Preis für jemanden, der durch die Hintertür wieder die Unterscheidung zwischen lebenswerten und nichtlebensswerten Menschen einführt? Da kann einem schon der Konfirmationskaffee ...

David Brucklacher

29. Mai 2011, 16:13

Der Autor hat die Kernthese Singers nicht begriffen. Wer über ein christlich geprägtes Weltbild hinausgeht, kann nicht keinen Beweis für eine Vorrangstellung des Menschen in der Welt finden. Genauso wenig wie sich ein rationaler Beweis für Gott finden lässt.

Darüber hinaus können Schwerstbehinderte sehr wohl ein Problem darstellen, wenn man das utilitaristische Grundprinzip auf eine ökonomisch interessierte Gesellschaft anwendet...

Oliver Tolmein

29. Mai 2011, 16:24

@Brucklacher: Es tut mir leid es schreiben zu müssen: Aber Sie haben meine Kernthese nicht begriffen. Mir kommt es gar nicht darauf an, ob es eine (objektive) Vorrangstellung des Menschen in der Welt gibt. Ich opponiere gegen die Vorstellung, dass wir Menschen berechtigt sind über den Lebenswert anderer Menschen zu befinden und (tödliche ) Konsequenzen daraus zu ziehen. Meines Erachtens finden sich fundierte Einwände gegen diese Vorstellung im christlichen Weltbild, aber eben auch in säkularen Weltbildern (ich bezeichne mich nicht als Christ), die beispielsweise durch Werte wie Gleichheit und Solidarität  geprägt sind. Dass Utilitaristen (wie Singer) Schwerstbehinderte als Problem sehen ist mir wohl bewußt, aber was lehrt uns das? Ausgehend von ökonomischen Interesse könnte man sich auch fragen, ob nicht hochbezahlte Moralphilosophen, die Ressentiment gegen andere Menschen schüren ein Problem darstellen.....aber da gilt dann für mich das auch schwer ökonomisch zu begründende Prinzip der Wissenschaftsfreiheit.  

Yvonne Wenner

29. Mai 2011, 17:35

Singer wörtlich

Wenn uns Herr Schmidt-Salomon im kobinet Singers Thesen schmackhaft machen will, indem er behauptet, diese Thesen seien nicht gegen Menschen mit Behinderungen gerichtet, sondern sie beträfen schwerbehinderte Säuglinge, so nenne ich das ein Ausspielen dieser beiden Gruppen gegeneinander, was wir nicht dulden.

Außerdem unterstellt uns Herr Schmidt-Salomon, dass wir die Texte Peter Singers entweder nicht kennen oder nicht genau lesen. Pars pro toto sei deswegen aus seinem Hauptwerk „Praktische Ethik“ zitiert (Kapitel: „Töten: Euthanasie“):

„In Kapitel 4 haben wir gesehen, dass die Zugehörigkeit eines menschlichen Wesens zur Spezies Homo sapiens allein keine Bedeutung dafür hat, ob es verwerflich ist, es zu töten; entscheidend sind vielmehr Eigenschaften wie Rationalität, Autonomie und Selbstbewusstsein. Missgebildete Säuglinge haben diese Eigenschaften nicht. Sie zu töten kann daher nicht gleichgesetzt werden mit dem Töten normaler menschlicher Wesen.“

Welche Anmaßung des Herrn Singer, von hoher Warte herab zu dekretieren, aufgrund welcher Eigenschaften Menschen (und Tiere) Lebensrecht haben oder eben nicht – der Mensch also immer noch die normgebende Krone der Schöpfung? Merci vielmals!

Solange Singer mit Sätzen wie diesen – einer von vielen ähnlich lautenden Zentralsätzen seiner unsäglichen utilitaristischen Philosophie – aufwartet, kann sich dessen Apologet Schmidt-Salomon jedes seiner Worte sparen, denn sie verschleiern die im Zitat genannte Mitte dessen, worum es de facto geht.

Prometheus

29. Mai 2011, 23:32

Was ist eigentlich ein "Behindertenfreund", werter Herr Tolmein? Jemand, der behinderte Freunde hat? Oder jemand, der "Freund der Behinderten" ist? Wohl eher letzteres. Was soll das bedeuten? Jemand, der Behinderten hilft, das versteh ich. Aber jemand, der Freund von Leuten ist, nur WEIL sie behindert sind, das versteh ich nicht. Bin ich ein Behindertenfreund wenn ich einer blinden Frau, die offenbar die Orientierung verloren hat, den Weg weise? Oder doch nur ein normaler, anstaendiger Mensch? Wenn Sie selbst immer darauf bestehen, Behinderte seien ganz normale (!) Mitglieder der Gesellschaft, wie koennen Sie dann ein Behindertenfreund sein - ausser Sie sind generell Philanthroph (mit Ausnahme der Herren Singer und Schmidt-Salomon)?

Noch ein paar Kommentare zum Thema

- Singer vertritt Thesen, denen ich nicht zustimme. Seinen Utilitarismus halte ich aber fuer sehr bedenkenswert. Das generelle Problem des Utilitarismus ist ja, dass er voellig ideologiefrei Kosten-Nutzen-Rechnungen aufstellt, diese "Kosten" aber nicht nur die oekonomischen sind. Wie nun der Wert z.B. von Leid, Hunger oder der Freude, einem Kind beim Aufwachsen zuzusehen, anzusetzen ist, ist sicherlich keine objektiv eindeutige Angelegenheit. Problematisch wird es also dann, wenn beispielsweise ein Staat sich anmasst, diese Bewertung zu erstellen. Selbst in einem demokratischen Gebilde kann das schnell in einer Diktatur der Mehrheit enden, weshalb wir gut daran tun, dass Staaten unabhaengig von utilitaristischem Denken die sogenannten Menschenrechte befolgen.

- Was Entscheidungen des Individuums (also vor allem fuer sich selbst) betrifft, halte ich den Utilitarismus als eine exzellente Methode. Hier wiederum sollte der Staat die Entscheidung des Einzelnen moeglichst nicht beschraenken (beispiele aus diesem Blog: Suizid, Sterbehilfe, [eingeschraenkt] Abtreibung).

- Man muss Singers Meinungen nicht teilen, um seinen Beitrag zum Diskurs in einer oft dogmatisch gefuehrten Debatte (bzw. vielen Debatten) positiv zu bewerten. Singer scheut sich nicht, gegen den Mainstream anzudiskutieren, was die Preisverleihung durch die GBS zumindest halbwegs nachvollziehbar macht.

- Michael Schmidt-Salomon ist sicherlich kein Utilitarist.

- Soweit ich weiss plaediert die GBS nicht fuer Euthanasie oder aehnliches. Und ich lese schon seit jahren deren Newsletter.

- Auch wenn Sie sich selbst nicht als Christ bezeichenen, so ist Ihre Argumentation doch typisch fuer viele Religioese. Die Atheisten/Agnostiker (hier die GBS) spricht mit X. X hat seltsame, verdammenswerte Meinungen. Dann geh ich doch lieber zur Religion...

Beste Gruesse,

P.

Lutz Martin

30. Mai 2011, 04:03

Eine der Hauptforderungen Singers besteht doch darin, Wesen nur insofern gleich, bzw. ungleich zu behandeln, als sie gleich, bzw. ungleich SIND. Menschen wie nicht-Menschen sind - abhängig von ihrer Beschaffenheit und ihrem Zustand - Ich-bewußt und/oder leidensfähig (oder aber nicht). Folglich ist die Grenze zwischen Wesen mit und solchen ohne ethisch relevante Eigenschaften nicht mit jener zwischen Menschen und nicht-Menschen identisch (das sollten insbesondere die Verfechter der sogenannten "Menschenwürde" endlich begreifen!). Wer empfindungsfähigen nichtmenschlichen Wesen vermeidbares Leid zufügt oder es nicht verhindert, mit gleichermaßen empfindungsfähigen oder gar empfindungslosen menschlichen Wesen jedoch gänzlich anders verfährt, trifft eine willkürliche Unterscheidung, die in ihrem Kern faschistisch ist. Auch viele Behinderte und nicht-Behinderte, Männer und Frauen, Schwarze und Weiße, Hetero- und Homosexuelle, Israelis und Palästinenser, "Arier" und Juden, etliche Wild-, Haus- und "Nutztiere" sind Wesen von gleicher Leidensfähigkeit, und dennoch finden ihre jeweiligen Bedürfnisse und Interessen allzu häufig nicht auch die gleiche Berücksichtigung. Peter Singer hat eine Ethik entworfen, die einen wesentlichen Beitrag zur Beseitigung dieser Zustände leistet.

L.E.N.

30. Mai 2011, 08:22

Guten Morgen,

schon der Titel impliziert, Singer stehe auf einer Seite, sei also jemandes Freund oder Feind. Das kann ich nicht nachvollziehen, denn wenn sich hier jemand feindselig und voreingenommen äußert, ist das der Autor, Herr Tolmein. Man muss nicht einmal Singers Ethik teilen um zu erkennen, dass eine Angleichung der Lebensberechtigung der großen Affen mit der von Menschen (allein dies stand im Fokus der Preisverleihung!) sich nicht gegen bestimmte Teile der menschlichen Gesellschaft richtet.

Es ist wichtig anzuerkennen, dass Peter Singer zwischenzeitlich einige seiner Thesen überdacht hat (dies soll bei undogmatisch denkenden Menschen ja vorkommen!) und zu dem Schluss gekommen ist, dass das Leben ab der Geburt schützenswert sei. Dies geht mir persönlich zwar nicht weit genug, da dank medizinischem Fortschritt auch zu früh Geborene sehr gute Überlebenschancen haben, aber wie gesagt, hier hing es um den Vorwurf der Behindertenfeindlichkeit, der so nicht haltbar ist und in der Art der Formulierung als Diffamierung gewertet weden kann.

Oliver Tolmein

30. Mai 2011, 08:36

@ L.E.N.: wir können jetzt darüber streiten, ob Freund-Feind-Zuweisungen etwas Objektives beschreiben oder voraussetzen, dass es subjektiv auch so gemeint sei. Dass Singer sich selbst als Freund der großen Affen sieht, werden Sie auch nicht bestreiten. Dass er sich nicht als Feind behinderter Menschen versteht, bestreite ich wiederum nicht. Tatsächlich erscheint es mir aber jedenfalls nicht willkürlich, einen Menschen, der Behinderung als Anknüpfungspunkt für Entscheidungen über Leben und Tod nimmt, und der feststellt, die Gesellschaften könnten aus ökonomischen Gründen nur eine bestimmte Anzahl behinderter Menschen verkraften, als "Feind der Behinderten" zu qualifizieren. Singer hat in der Tat seine Positionen an manchem Punkt geringfügig modifiziert, aber nicht seine Haltung gegenüber Behinderungen und Menschen mit Behinderungen. Die von Ihnen erwähnte "neue" Auffassung Singers, dass Leben ab der Geburt schützenswert sei, rückt zwar von seiner ursprünglichen Auffassung ab, dass Neugeborene grundsätzlich bis zu 28 Tage nachder Geburt getötet werden dürften, es ging also gerade nicht um eine Änderung seiner Position in Zusammenhang mit dem Vorwurf der Behindertenfeindlichkeit. Seine mittlerweile auch reife 18 Jahre alte "neue" Position hindert Peter Singer aber gerade nicht daran, das Leben behinderter Neugeborener dennoch zur Disposition zu stellen (keine der von mir im Blog zitierten Positionen hat Singer widerrufen oder durch neue Überlegungen obsolet werden lassen)! Und seine Haltung zu Experimenten an Affen, die legitim sein können, wenn man bereit ist, auch Behinderte für solche Versuche einzusetzen, verdeutlicht seine behindertenfeindliche (und insoweit dann auch nicht gerade affenfreundliche) Position.

Mitleser

30. Mai 2011, 10:19

http://rehsteff@gmail.com

Letztendlich ist die hier abgebildete Diskussion m.E. Kitsch.

Da wird ein Philosophieprofessor, der mir nicht bekannte Theorien vertritt, zu einen gefährlichen poltischen Agitator stilisiert. Da grenzen sich "Behindertenfreunde" ab von Verfolgern von "Behinderten" ab. Schon früher riefen Verinsmeier zu "landesweiten Großprotesten" auf, wenn der Mann aus Australien an einer Universität in Deuschland einen Vortrag halten wollte.

Irgendwie regt sich hier der Verdacht, dass geisteswissenschaftliche Überlegungen nicht mehr nur widerlegt werden sollen, sondern zugleich "politisch" diskreditiert werden sollen. Und der Betrachter fragt sich warum das so ist. Die Antworten sind vielfältig.

Hier wird skandlöser Weise eine Wissenschaft zu politischen Zwecken missbraucht. Philosophie ist eben nur Philosophie. Poltik ist Politik und Recht ist Recht. Der von Herrn Dr. Tolmein offensichtlich efürchtete Einfluss der Philosophie auf praktische Poltik ist doch übertrieben.

Mir machen hier die Personen große Sorgen, die sich für fähig halten, komplizierte wissenschaftlich philosophische Gedankengänge zu beurteilen und ggf. noch nie eine Universität von Innen gesehen haben oder ganz etwas anderes studiert haben (ok vermutlich haben die meisten Leser hier einen Hochschulabschluss).

Letztendlich empfinden offensichtlich einige Beitragenden die Philosophie als Politikersatz, sonst würden sie sich nicht so sehr ereifern. Dem ist natürlich nicht so. Und Dr. Tolmein hat die altmodische Singer-Debatte natürlich nicht ohne Sinn und Grund hier angezettelt. Immerhin vertritt Singer eine ethische Position, die ihm gewiss nicht gefällt.

Ich sehe hier eine große Gefahr: Sowohl Dr. Tolmein als auch die eher künstlich aufgeregten Singer-Kritiker stehen und standen in der Gefahr philosophische Positionen und ihre Diskussion mit praktischer und theoretischer Poltik zu verwechseln. Das ist für mich nicht weiter verwunderlich, denn sie stellen mit ihren politischen und philosophischen Positionen zunehmend eine Minderheit da.

Nur der Versuch Denkverbote in der Poitik und in den Geisteswissenschaften zu fordern, wird deren Position nicht stärken und den subjektiv empfundenen Verfall der moralischen Sitten nicht aufhalten. Von daher freue ich mich auf die Preisverleihung, werde aber dennoch kein Buch des Herren lesen und mich weiterhin an den teilweise simplen Vorwürfen gegen seine Schriften ergötzen.

Politisch wäre es klüger, wenn mann gegen Singer ist, ihn tod zu schweigen. Aber was sollte dann noch auf der eigenen Agenda stehen?

blubb

30. Mai 2011, 12:02

dafür das der blogger kein einziges buch gelesen hat daumen hoch!!! und das von der faz man man man journalismus heist das man sich vorher mal informiert ok alle bücher kann man so schnell auch nicht lesen aber sich zu informieren und die beschuldigten zeilen/ absätze auch mal selbst zu lesen und auch mal weiterzulesen das muss man doch vorraussetzen können oder?

www.giordano-bruno-stiftung.de/.../zur-debatte-um-peter-singer

Oliver Tolmein

30. Mai 2011, 14:07

@blubb: das ist dann doch zuviel der (Un-)Ehre: ich habe doch sogar ein Zweit-Buch im Haus... nur eben keines von Herrn Schmidt-Salomon, über den ich ja (deswegen) auch nicht schreibe, aber mehr als mir lieb war von Herrn Singer, aus denen ich deswegen ja auch echt geprüfte und gut abgehangene Erkenntnisse zitieren kann.....aber ruhig weiter so!

Mitleser

30. Mai 2011, 15:46

http://proxifilm@gmail.com

@ Dr. Tolmein

Warum haben Sie eigentlich auf eine kritische Auseinandersetzung wenigstens mit einer These von Singer verzichtet? Und warum hat hier kein Beitragender erwähnt, dass es durchaus von der Seite der "Behindertenbewegten", Disability Studies, "kritischen" Sonderpädagogen und Philosophen, die Singer heftig kritisieren, eine hervorragende kritische Würdigung aus der Sicht der Menschen mit Behinderungen vorhanden ist (ich hatte vergessen, dass das Büchlein in meiner Bibliothek steht, die ist allerdings ein wenig kleiner als die der Landesbib)... Hier ein Hinweis auf das gut lesbare Buch:

Zwischen allen Stühlen. Die Kontroverse zu Ethik und Behinderung.

Harald Fischer, Erlangen 1997. 160 Seiten, DM 39,80.

Besprochen unter:

www.spektrumverlag.de/.../825103

Prometheus

30. Mai 2011, 16:13

Hier mal ein schoener Link zum Thema Relativismus (der Utilitarismus ist da ja nur eine Unterart) versus Naturalismus, auch wenn das "Gedankenexperiment" am Ende natuerlich weit hergeholt ist (die "convention" ist in dem Fall naemlich nicht in der ganzen Gesellschaft gegeben - der typische Grund fuer Revolutionen):

opinionator.blogs.nytimes.com/.../are-there-natural-human-rights

Oliver Tolmein

30. Mai 2011, 17:15

@Mitleser: Aber was ist denn an dem Büchlein, das Sie erwähnen, und das in Singers Hausverlag erschienen ist, überraschend, so dass es erwähnenswert gewesen wäre: Es versammelt ´mehr oder weniger namhafte Autoren, die aber einen ganz und gar einseitigen Singer-Fanclub bilden.... und wie sollte Ihrer Meinung nach eine "kritische Auseinandersetzung2 mit Singers These aussehen, dass das Gemeinwesen nur eine begrenzte Anzahl von Menschen mit Behinderungen verträgt und deswegen "überzählige" behinderte Neugeborene getötet werden müssen? Sollte ich vorrechnen, dass Singer sich täuscht? Oder darauf hinweisen, dass man das ja gar nicht so genau kalkulieren kann? Oder abwägen, ob man nicht bei der Versorgung etwas einsparen und dann doch mehr neugeborene Behinderte am Leben lassen kann? Singers ganze Perspektive ist falsch, weil er eine bestimmte Menschengruppe einseiitig als Kostenfaktor in den Blick nimmt -  und sich offenbar gar nicht vorstellen kann, dass diese Menschen,um mal bei a) anzufangen, gar nicht in Institutionen leben wollen, sondern selbstbestimmt und, um mal zu z) zuspringen, Assistenz oder Pflege kein reiner Kostenfaktor ist, sondern auch Wertschöpfung (im ökonomischen Sinne) und irgendwo dazwischen darauf hinzuweisen, dass auf einem inklusiven Arbeitsmarkt, auch ganz schön viele Menschen mit Behinderungen (und sonstigen Eigenheiten) selber arbeiten und tätig sein könnten....  

Mitleser

30. Mai 2011, 19:21

http://rehsteff@gmail.com

Wenn man es so sehen will, ist jede Bevölkerungsgruppe egal nach welchen Kriterien wir z.B. die Bundesbürger unterteilen, ein Kostenfaktor.

Mensch Herr Dr. Tolmein, das ist doch Wissenschaft (Singer und Konsorten) im Elfenbeinturm. Was regen Sie sich auf? Glauben Sie tatsächlich, dass A. Merkel oder sonstwer das gelesen hat und Dienstag anfängt über Gesetze nachzudenken, die dem entsprechen? Sie doch so wenig wie ich.

Haben Sie für Ihre Promotion nichts gelesen und zitiert, was sie genervt, aufgeregt hat oder Ihren absoluten Widerspruch hervorgerufen hat? Bestimmt. So ist nun mal Wissenschaft. Wenn wir anfangen würden, jede wissenschaftliche Dreistigkeit oder Verwegenheit auf die politisch gesellschaftliche Goldwage zu legen, würden wir den ganzen Tag ähnliche Artikel schreiben, wie den von Ihnen. Ist es das wert? Ich könnte gleich 20 weitere Personen aufzählen, deren Extravaganzen mir schon lange gegen den Strich gehen. Aber deshalb gleich zum burgerschaftlichen Widerstand aufrufen???

Und ob die Sozialphantasien der sogenannten "Behindertenbewegung" wirklich so sozial ist, das ließe sich in Anbetracht der Tatsache, dass nur wenige "Behinderte" sich für deren Arbeit und Propagande interessieren doch schon allein von einem logischen Standpunkt her bezweifeln.

Sie mögen ja Recht haben, dass da irgendetwas nicht stimmt bei Singer. Aber Gesetze zur Assitenz und Pflege werden immer noch im BT gemacht und nicht zwischen Universitäten, schlecht gelittenen Verlagen und australischen Hochschulprofessoren. Oder?

Wenn es dann bei Singer so steht, wird man ihm ökonomisch Recht geben müssen. Ob die Wirtschaft agngeheizt wird mit Assistenz, 100 neuen Tetraplegikern, 250 geisig Behinderten? Ich glaubs nicht. Aber das heißt doch auch gar nichts. Ich bin mir sicher, dass mehr nicht akademisch gebildete Menschen so denken wie Singer. Seien wir doch froh, dass Sie, so manch anderer Beitragende hier und ich nicht so denken und das nicht nur, weil wir nicht mit unserer Hände Arbeit unsere monatlichen Moneten verdienen....

Singer ist doch kein Parteivorsitzender einer braun schwarzen Partei in Deutschland. Wünschen wir ihm einen angenehmen Lebensabend im australischen Busch....

Lutz Martin

30. Mai 2011, 20:10

@ Oliver Tolmein:

[quote Tolmein]Tatsächlich erscheint es mir aber jedenfalls nicht willkürlich, einen Menschen, der Behinderung als Anknüpfungspunkt für Entscheidungen über Leben und Tod nimmt,[unquote]

Welcher Anknüpfungspunkt für Entscheidungen über Leben und Tod ist eigentlich der IHRE und warum? Immerhin ist Leben ein Zustand, in dem sich enorm viele Dinge auf der Erde befinden: von Pflanzen über Viren, Bakterien und Einzeller bis hin zu Insekten, Fischen, Vögeln und Säugetieren.

[quote Tolmein]und der feststellt, die Gesellschaften könnten aus ökonomischen Gründen nur eine bestimmte Anzahl behinderter Menschen verkraften, als "Feind der Behinderten" zu qualifizieren.[unquote]

Das ist nicht nur willkürlich, sondern falsch, denn Singer geht es um die Kosten VERMEIDBAREN LEIDES, die obendrein ihrerseits geeignet sind, vermeidbares Leid zu erzeugen! Er wendet sich gegen KrankHEIT und BehindeRUNG, nicht gegen KrankE und BehindertE!

Die Ressourcen eines jeden Gesundheitssystems sind begrenzt. Nach welchen Kriterien würden SIE entscheiden, wofür sie eingesetzt werden? Wären Sie bereit, z.B. auf eine Organtransplantation zu verzichten, damit behinderte Kinder geboren werden können, die ihren Eltern nicht willkommen sind, für die sich keine Adoptiveltern finden und die der Solidargemeinschaft gewaltige Kosten aufbürden?

[quote Tolmein]Die von Ihnen erwähnte "neue" Auffassung Singers, dass Leben ab der Geburt schützenswert sei, rückt zwar von seiner ursprünglichen Auffassung ab, dass Neugeborene grundsätzlich bis zu 28 Tage nachder Geburt getötet werden dürften,[unquote]

Das kann eigentlich nur ein Zugeständnis an gewisse "Bedenkenträger" sein, denn ob dritter Schwangerschaftsmonat, Geburt oder vierte Lebenswoche: ALLE "Tötungsverbote", die vor der Ausbildung eines Lebensbewußtseins und des mit ihm einhergehenden Lebensinteresses ansetzen, sind gleichermaßen willkürlich. Es ist schlichtweg sinnlos, "Rechte" zu gewähren, wo es keine ihnen entsprechenden Interessen gibt, deren Mißachtung Leid erzeugt.

Eine Schwäche der Singerschen Ethik besteht in der Vermengung juristischer und ethischer Fragen. Es gibt nämlich keinen direkten ethischen Grund, auf (leidfreie) Tötungen zu verzichten, denn der Tod ist ein Zustand, unter dem das betroffene Wesen nicht leiden kann. (Leidfreie) Tötungen stellen nur insofern ein ethisches Problem dar, als sie Dritten Leid zufügen (z.B. Trauer und Angst), den Mörder/Schlächter psychisch belasten und/oder emotional verrohen (wer kann schon behaupten, zu Metzgern oder Henkern ein gänzlich unbefangenes Verhältnis zu haben?). Rechtlich hingegen stellt sich die Situation vollkommen anders dar: Solange die Menschen ethisch nicht weit genug entwickelt sind, um sich konsequent moralisch verhalten zu können, braucht es ein Rechtswesen, das zumindest den übelsten Folgen ethischen Versagens vorbeugt. Daher ist es notwendig, Gesetze zu schaffen, die bestimmte Verhaltensweisen ge- oder verbieten, auch wenn sie im konkreten Einzelfall ethisch nicht begründbar sind. Überdies machen gesetzlich bestimmte Rechte und Pflichten nur dort Sinn, wo sie auch durchgesetzt werden können. Ethik aber kennt keine Legislative, Judikative oder Exekutive. Sie muß funktionieren, weil sie verstanden und zur Selbstverpflichtung geworden ist.

[quote Tolmein]Und seine Haltung zu Experimenten an Affen, die legitim sein können, wenn man bereit ist, auch Behinderte für solche Versuche einzusetzen, verdeutlicht seine behindertenfeindliche (und insoweit dann auch nicht gerade affenfreundliche) Position.[unquote]

Auch das ist einfach falsch! Singer hat wiederholt betont, daß es ihm nicht darum geht, bestimmte Menschen schlechter zu behandeln als nichtmenschliche Tiere, sondern darum, nichtmenschliche Tiere NICHT SCHLECHTER (!) zu behandeln als Menschen in vergleichbaren Zuständen und Entwicklungsstadien. Die Selbstverständlichkeit, mit der Primaten für Experimente herangezogen werden, sollen wir anhand unserer Bereitschaft hinterfragen, dasselbe auch Menschen in vergleichbaren Zuständen oder Entwicklungsstadien anzutun. M.a.W.: Lehnen wir Versuche an Säuglingen oder Schwerstbehinderten ab, sollten wir sie auch Primaten ersparen!

Stefan Dewald

30. Mai 2011, 23:01

http://klafuenf.de

Peter Singer stolpert in der öffentlichen Rezeption - genau wie ich - über ein Problem der menschlichen Kommunikation. Nur weil wir etwas SAGEN, denken die Zuhörer (Leser) man würde das auch MEINEN oder gar dem ZUSTIMMEN.

Einfacher Test: Denk nicht an einen rosa Elephanten!

Wir müssen noch viel lernen, bevor wir öffentlich laut denken dürfen. Denn vom Denken zum Entscheiden ist ein langer Weg.

erwin riess / wien

31. Mai 2011, 10:37

oliver tolmein ist zu danken, daß er diese preisvergabe thematisiert. auch in österreich melden sich immer wieder ethiker und philosophen, die eine gesellschaftlich sanktionierte grenze des behinderten lebens einfordern. die gefahr für schwerstbehinderte menschen kommt nicht vom rechten rand der gesellschaft, sie kommt aus deren mitte, von den lehrkanzeln und redaktionsräumen. der sozialkrieg, welcher mit dem neuen sparpaket besonders gegen behinderte menschen von der österreichischen regierung losgetreten wurde, stellt die zweite zange eines generalangriffs auf abweichende formen des lebens dar. und wieder schaut die "mehrheitsgesellschaft" weg.

Mitleser

31. Mai 2011, 10:40

http://rehsteff@gmail.com

Und: Es gibt nun mal keine halbe Freiheit der Wissenschaft. Wir können leider keinen Einfluß darauf nehmen wer was wie in der Wissenschaft denkt. Wenn wir es tun würden, würden wir die Freiheit der Wissenschaft beschränken. Mir wäre das egal, denn z.B. von Seiten der Philosophie und ihrer Unterdisziplin Ethik ist in den letzten 20 Jahren ja eigentlich nicht mehr viel gekommen zum Thema Mensch. Die Spielfläche wird heute von den Biowiossenschaften abgedeckt. Und der inflationäre Gebrauch des Begriffs "Ethik" hat nicht dazu beigetragen, dass von der Philosophie noch ein paar interessante Impulse ausgegangen sind.

@ Lutz Martin

Ich weiß nicht, ob hier der richtige Platz ist für eine Diskussion über unsere Ausgaben im Gesundheitssystem. Aber es gehört nun einmal nicht zum tieferen poltischen Denken, die Kostenerstattung im Gesundheitssystem in ein Verhältnis zu setzen zum ökonimischen Wert des Menschen. Darauf wird sich kein Poltiker einlassen (eher müßten wir uns mal um Kostensenkung unterhalten und uns fragen ob der "ökonimische Wert" eines Arztes tatsächlich seinem übertrieben Einkommen entspricht. Ich glaube das nicht.

Und ich glaube auch nicht, dass Singer etwas von der Juristerei versteht, denn dann könnte er die hier abgebildeten Aussagen so nicht getroffen haben. Er ist eben "nur" ein Philosoph, die haben so wie Ärzte eine gewisse gesellschaftliche Narrenfreiheit. Da sagt dann soziologisch auch etwas über ihren "ökonomischen" Wert aus...

Detlef-Arndt

31. Mai 2011, 11:26

http://tierrechte.blog.de

Peter Singer ist wohl nie Veganer, Tierrechtler oder Antispeziesist gewesen, nur was schert das die GBS-Preisverleiher, unter denen sich u.a. auch Tierexperimentoren wie Wolf Singer und Beda Stadler befinden.  Tierrechte, wie sie Singer vorschlägt,  bei denen ganz "ethisch korrekt",  nichtmenschliche Tiere eingesperrt und verspeist werden können oder für Tierversuche benutzt werden dürfen, ja das trifft ganz augenfällig genau  den Geschmack mancher GBS ler.   Wer keine Tierethik will, der bastelt sich eben eine Pseudoethik.

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---Singers praktische Ethik: Pseudotierrechte und Euthanasie: ---

veganrevolution.free.fr/.../singer.html

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---Tierrechtler Gary L. Francione:  Peter Singer unterstützt Tierversuche: Warum sind Sie überrascht? ---

Wenn Sie lesen, was Peter Singer seit 30 Jahren schreibt, dann ist völlig klar, dass er Tierversuche mit Nichtmenschen – und Menschen – als moralisch zulässig erachtet. In der Tat verwirft Singer ausdrücklich Tierrechte und die Abschaffung der Tierausbeutung; er betrachtet das Essen von Tieren und Tierprodukten nicht als per se moralisch falsch; er behauptet´, dass wir ''pflichtbewusste Allesesser '' sein.

tierrechte.blog.de/.../peter-singer-unterstuetzt-tierversuche-ueberrascht-11207717

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---Tierrechtlerin Joan Dunayer zu Peter Singer:  -----

In Wirklichkeit glaubt Singer, keine Tiere, einschließlich der Menschen, sollten unverletzbare Rechte haben. Er glaubt, das individuelle Wohlergehen und das Leben können im Interesse des "Gesamtwohls” geopfert werden. Mit anderen Worten, man kann mich oder eine Kuh versklaven, wenn die Versklavung das Leben anderer wesentlich verlängert oder verbessert. Man kann mit mir oder einer Maus experimentieren, wenn (hier müssen Sie wirklich Ihr Vorstellungsvermögen strapazieren) diese Experimente an mir oder der Maus das Leben vieler anderer retten sollten.

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Nora S.

31. Mai 2011, 14:22

Wie ich zum ersten Mal von der Preisverleihung an Singer gehört habe, dachte ich nur "Das glaube ich einfach nicht...!"

Hat denn diese Gesellschaft seit den ersten Emanzipationsbestrebungen der behinderten Menschen nichts dazu gelernt? Müssen wir Menschen mit Behinderung uns immer noch von Nichtbehinderten "Vergleichen, Differenzieren, Hierarchisieren, Homogenisieren, Ausschließen" und am Ende sogar Vernichten lassen (vgl. Foucault)? Müssen wir uns immer wieder sagen lassen, es wäre besser wenn es uns nicht gäbe?

Ich bin ein Mensch mit einer schweren Behinderung. Ich habe einige Bekannte und Freunde die sogar schwerstmehrfachbehindert sind. Ja, manchmal gibt es schwierige Zeiten im Umgang mit meiner eigenen Behinderung. Will ich deswegen einen anderen Körper? Bin ich deswegen weniger glücklich? Habe ich deswegen weniger Möglichkeiten in meinem Leben? Nein. Das ist mein Leben und ich will es nicht eintauchen. Kann ich für alle behinderten Menschen sprechen? - Nein, sicher nicht. Es mag durchaus behinderte Menschen geben, die ihr Leben gerne reklamieren und zurückgeben würden. Aber solche gibt es auch jede Menge unter Nichtbehinderten.

Babys und auch Embryonen kann man diese Frage gar nicht stellen. Sie können sich nicht wehren, nicht selbst entscheiden wenn jemand den Wert ihres Lebens in Frage stellt, ihn verneint und sie folglich vernichtet. Genau das schlägt Peter Singer nämlich vor. Sein (etwas seltsames) Engagement für den Tierschutz mag löblich sein, seine Ansichten über den Menschen sind gefährlicher und schlecht argumentierter Utilitarismus. Ein Preis wird ihm als Menschen aber im Ganzen verliehen.

Singer verkennt, dass Glück nicht berechenbar ist. Er verkennt auch, dass Menschen an Herausforderungen wachsen können. Er begreift nicht, dass aus Einschränkungen Möglichkeiten erwachsen können. Er täte gut daran, sich mal mit Saal, Sierk und Feuser zu beschäftigen und sich erklären zu lassen, warum ein Leben mit Behinderung in jeder Hinsicht lebenswert ist. bidok.uibk.ac.at/library/q?subject=1;subject_id=20;m=e;page=3 Und die Juroren der G-B-Stiftung ebenso.

Die Giordano Bruno Stiftung soll sich schämen, für ihre diesjährige Preisträgerauswahl! Und ob ein Mensch mein Freund oder Feind ist, hängt nicht von ethisch-philosophischen Disputen sondern von seinen Handlungen ab.

Mitleser

31. Mai 2011, 16:55

http://rehsteff@gmail.com

@ erwin riess

Viel schlimmer sind die in Deutschland am Wochenende über die Bildschirme des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gesendeten Signale an die Gesellschaft. Sie lauten Mitleid und Menschen mit Behinderungen benötigen ständig mehr und mehr finanzielle Mittel, die durch Spenden aufgebracht werden müssten. Abghalfterte Talkmaster bitten für Aktion Mensch (früher Aktion Sorgenkind) und anderen Krimskrams um Spenden. Die Wirkung dieser Gesellschaften mit ihrem Mitleid erregenden PR tragen unverholen zu diesen Stimmungen bei.

Auch Philosophie ist nur ein Spiegel unserer Zeit. Und ich wette, wenn die Selbstdarstellung von Menschen mit Behinderungen besser wäre (mehr Paralympics, mehr Informationen anstatt Dokumentationen), dann würden mehr Menschen nicht anfällig werden für solche teilweise sonderbaren Positionen.

Plindos

01. Juni 2011, 13:51

So könnte man doch fragen:

Beweisen Sie mir, worin Ihre Human-Ethik höher stehen sollte, als meine schon sehr hochentwickelte?

Was unterscheidet nun P. Singers Utilitarismus besonders von dem propagierten und praktizierten unter  Hitler oder Himmler?

Giordano Bruno

02. Juni 2011, 00:01

Hätt´ ich ein sepolcro, müsste ich mich nun darin umdrehen. Risparmieren Sie mir das prego, ich bin nicht mehr so giovane. Von dieser Stiftung, die meinen Namen usurpiert, distanziere ich mich entschieden. Mi sembra che sian pazzi quei umanisti! Für die stieg ich nicht auf den Scheiterhaufen. Porco di...

Approposito nicht mehr der Jüngste: von diesem Singer höre ich seit zu vielen Jahrzehnten schifezzen. Hat der Herrr der Himmel (wir sind neuerdings ganz gut conosciuti) ihn nicht schon zu lange übersehen? Er soll herkommen, damit ich ihm die Aurikeln lang ziehe. Davvero!

Von höherer Warte einen cordialmenten salute per il egr. Signore Tolmeino!

Giordano Bruno

02. Juni 2011, 00:23

Habe ich doch vergessen Nora S.: Cara Nora, für Sie scende ich gern vom Sockel und umarme sie voll gioia. Besuchen Sie mich einmal auf dem Blümchenfeld, dann wärs mir eine Ehre! Anche di piu!

Lutz Martin

02. Juni 2011, 03:02

@ Mitleser:

-

»Ich weiß nicht, ob hier der richtige Platz ist für eine Diskussion über unsere Ausgaben im Gesundheitssystem. Aber es gehört nun einmal nicht zum tieferen poltischen Denken, die Kostenerstattung im Gesundheitssystem in ein Verhältnis zu setzen zum ökonimischen Wert des Menschen.«

-

Das ist gar nicht Singers Thema. Gleichgültig, ob es um ein nationales Gesundheitssystem oder das weltweite Armutsproblem geht - Singer dringt lediglich darauf, über den Umgang mit begrenzten Ressourcen nach ETHISCHEN und nicht wie bisher allzu häufig nach irgendwelchen anderen Kriterien zu entscheiden.

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»Und ich glaube auch nicht, dass Singer etwas von der Juristerei versteht, denn dann könnte er die hier abgebildeten Aussagen so nicht getroffen haben.«

-

Wie so oft sind sie teilweise (absichtlich?) entstellend aus dem Zusammenhang gerissen. Wollen Sie Singers Moralphilosophie in Gänze und Detail beurteilen, werden sie um ein konzentriertes und vor allem geistig aufgeschlossenes Studium (mindestens) der Praktischen Ethik nicht herumkommen. Wer sie begreift, muß sein Verhalten drastisch ändern. Wer sie nicht begreift, dem bleibt meist nur Polemik und Verleumdung. Letzteren zur Kenntnis:

-

www.giordano-bruno-stiftung.de/stellungnahme-behindertenfeindlich

-

www.giordano-bruno-stiftung.de/.../signal-fuer-tierrechte-aufgeklaerte-streitkultur

Oliver Tolmein

02. Juni 2011, 14:02

@Giordano Bruno: Danke für den überraschenden Besuch in meinem Blog. Wenn es mal eine Biografie über Sie gibt, die Ihnen gefällt, lassen Sie es mich gerne wissen - ich war überrascht, wie wenig spannendes es über Ihr so spannendes Leben und Handeln zu lesen gibt. Herzliche Grüße und allen Respekt nach unten und oben Ihr Oliver Tolmein

Plindos

02. Juni 2011, 15:00

Woher wissen die Vertreter  der Giordano-Bruno-Stiftung eigentlich, daß Embryos (nicht Embryonen, als ob diese Aliens wären) keine Empfindung haben? Die Vertreter mit dem angemaßten Namen  scheinen mir mitsamt ihrer lächerlichen PID-Philosophie (oh, weh, das ist aber polemisch) auf ziemlich hohem Ross zu sitzen. Vorsicht, Pferde können auch scheuen.

Den Namen G. B.s in dem Zusammenhang  lesen zu müßen, wäre mir mir bis jetzt nicht im Traum eingefallen. Vielleicht weiß man nichts genaues darüber: "Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen":...Des Nolaners Ansicht ist die, daß es eine Vernunft ist, welche jedem Wesen Dinge sein Wesen gibt,-Die Pythagoreer und Timaeus nennen sie den Geber der Formen;-eine Seele als formales Princip, welche alle Dinge bildet und gestalte, -eben dieselbe nennen es die Quelle der Formen;-eine Materie aus der jedes Ding gemacht und gestaltet und gebildet wird,-diese nennen alle das Gefäß der Formen. (Dritter Dialog, Felix Meiner Verlag, Hamburg 1977)

D. Arndt

02. Juni 2011, 17:48

http://tierrechte.blog.de/2011/06/01/peter-singers-toetungsfantasien-11249843/

Ich weiß nicht wie jemand dazu kommt Peter Singer als Tierrechtler oder Veganer auszugeben.  Er ist beides eindeutig nicht.  Wirkliche  vegane Tierrechtler distanzieren sich deshalb schon seit Jahren vor Singers reiner Nützlichkeitsethik.

Es ist eben sehr befremdend, dass Peter Singer in seinen sogenannten Ethikschriften, vorrangig darüber herum phantasiert, wer denn alles ethisch korrekt getötet werden dürfte. Per Fingerzeig will er also über Tod und Leben entscheiden. Seine Buchtitel könnten deshalb auch lauten:

"Wie erreichen und vermitteln wir am besten ethisch, korrekte Morde"

Peter Singers Tötungsfantasien:

tierrechte.blog.de/.../peter-singers-toetungsfantasien-11249843

Lutz Martin

02. Juni 2011, 17:57

@ Plindos:

-

»Woher wissen die Vertreter  der Giordano-Bruno-Stiftung eigentlich, daß Embryos (nicht Embryonen, als ob diese Aliens wären)«

-

www.duden.de/.../Embryo

-

»keine Empfindung haben?«

-

Nach heutigem neurobiologischem Kenntnisstand sind die dafür notwendigen körperlichen Systeme frühestens um die 20. Schwangerschaftswoche weit genug entwickelt.

-

»Den Namen G. B.s in dem Zusammenhang  lesen zu müßen, wäre mir mir bis jetzt nicht im Traum eingefallen.«

-

www.giordano-bruno-stiftung.de/.../stiftungsname

Mitleser

02. Juni 2011, 18:32

http://rehsteff@gmail.com

Ich amüsiere mich prächtig. Menschen, die sich bisher gegen die Freiheit über den Körper des Menschen ausgesprochen haben, konservativ sind oder eine "enge" Vorstellung über Selbstbestimmung haben, lassen sich durch eine geisteswissenschaftliche Position aus der Ruhe bringen bis zu weilen zeigen sie ein schlechtes Benehmen....

Herr Maritin

Ich interessiere mich für Kunst und Poltitik und habe nebenher auch noch einen Beruf, der mich fordert. Ich möchte mich nicht tiefergehend mit Philosophie befassen.

Und ich bin mir sicher, dass Singer das beste für den Menschen will. Seien Sie sich sicher, dass ich das denke...

Sie schrieben:

"begrenzten Ressourcen nach ETHISCHEN und nicht wie bisher allzu häufig nach irgendwelchen anderen Kriterien zu entscheiden."

Meine unbedeutende und arrogante Meinung dazu:

Das ist eine politische Frage. Sie sollte in den Parlamenten der Welt diskutiert werden und dort auch entschieden werden. Jeder Mensch und jede Wissenschaft hat natürlich das Recht sich dazu zu äußern. Ich lese das dann manchmal in der FAZ, Zeit oder FR. Aber es kommt dann nicht an mein Herz.

Mal sehen, wwas hier noch so geschrieben wird. Das Sturm im Wasserglas ist noch nicht abgeebbt.

Ach ja und wir sollten noch diskutieren, ob ein Zellhaufen schon Leben ist. Es gibt bestimmt Leser, die sich an ihre Zeit als Zelllhaufen noch erinnern können. Hatte S. Freud nicht bereits geäußert, dass das Embryo schon Sex will??? Oder war es das Kleinkind. Wie dem auch sei, hier feiert die Gesellschaft, die uns gerne in die KuK-Monarchie zurückführen wollen freudige Urstände.

Freiheit ist da in Anbetracht der Äußerungen eines Professors aus dem fernen Australien eben relativ. Nur die Konservativen wissen eben, was gut ist...

Prima.

W. Gan

02. Juni 2011, 21:42

Ja ,ja, da ist sie wieder, die deutsche (geschichtsbedingte???) Heuchlei:

Deshalb für alle die vorgeben Singers Bücher gelesen zu haben:

Zitat aus Singer's Praktischer Ethik: 1994, 2. Auflage, S. 109:

"Es ist auch wichtig sich in Erinnerung zu rufen, daß ich die Absicht verfolge, den Status der Tiere zu heben, nicht aber, den der Menschen zu senken...."

Inabetracht dessen, dass in Deutschland jährlich 50 Mio. Schweine, 7 Mio Rinder, zig Mio Geflügel erst unter bestialischen Bedingungen gehalten, und dann geschlachtet werden, (ganz zu schweigen von den Zuständen in Alten- und Pflegeheimen) sollte jede(r) "singerkritische" Kommentator(in) nochmal innehalten und nachdenken - zumindest die Bücher Singer's genau und vorallem aufrichtig lesen.

Oliver Tolmein

02. Juni 2011, 21:52

@Gan: Nun möchte ich ja nicht in den Wettstreit um das schönste Singer-Zitat eintreten, aber das möchte ich Ihnen dann doch nicht vorenthalten: "Vergleichen wir ein menschliches schwerbehindertes Neugeborenes mit einem nichtmenschlichen Tier, etwa einem Hund oder einem Schwein, so werden wir feststellen, dass das nichtmenschliche Tier oft größere Fähigkeiten zu Denkvermögen, Kommunikation und allem anderen hat, das plausibel als moralisch bedeutsam gekten kann." (P. Singer, Leben und Tod, 1998, S. 103). Eine solche Passage wirkt, wie Singers Werke insgesamt in erster Linie statussenkend - das ist auch erforderlich, weil Menschen eben ansonsten grundsätzlich, was Singer gerade vermeiden will, Menschenrechte in umfassendem Maße zustehen. So umfassend will Singer aber auch Tiere gar nicht schützen (s. Beiträge zu Singers Vorstellungen vonm Tierschutz).

W. Gan

02. Juni 2011, 22:05

@Oliver Tolmein

sehen Sie, man kann eben alles so oder so interpretieren. Und es ist absolut unsinnig sich mit Menschen auseinanderzusetzen die, aus welchen Gründen auch immer, Sachverhalte nicht in jenes Licht rücken wollen, in die sie gehören. Und wenn Sie nun ihr Zitat gegen das meine stellen, können Sie feststellen, dass diese sich entsprechen. Anders sieht es mit Ihrer Interpretation Ihres Zitats aus, da Sie es sind, der sozusagen speziesistisch argumentiert und somit den Status der Menschen senkt um eine bestimmte Wirkung, einen bestimmten Zweck zu verfolgen .

Mitleser

03. Juni 2011, 09:50

http://rehsteff@gmail.com

Herr Dr. Tolmein: Sie verwechseln Ethik bzw. ethische Argumentationen mit moralischen Diskussionen. Das ist bedauerlich.

Lutz Martin

03. Juni 2011, 15:49

@ D. Arndt:

-

»Ich weiß nicht wie jemand dazu kommt Peter Singer als Tierrechtler oder Veganer auszugeben.  Er ist beides eindeutig nicht.  Wirkliche  vegane Tierrechtler distanzieren sich deshalb schon seit Jahren vor Singers reiner Nützlichkeitsethik.«

-

Leider ist "wirklicher" Veganismus eine rigoristische Position, da er ohne Berücksichtigung der jeweiligen Umstände ein bestimmtes Verhalten, bzw. Unterlassen fordert. Das bedeutet vorsätzlichen Verzicht auf ethische Reflexion und ist somit als antimoralisch einzustufen. Es gibt nun mal keine Handlung oder Unterlassung, die in allen möglichen Situationen dazu dient, Leid vorzubeugen, zu lindern oder zu beseitigen, bzw. Glück zu fördern. Ob sie das voraussichtlich tun wird, kann nur in Kenntnis der Bedürfnisse und Interessen der jeweils beteiligten und betroffenen leidensfähigen Wesen ermittelt werden. Soll eine ethische Regel verständlich und wirksam sein, bedarf nicht nur sie selbst einer rationalen Grundlage, sie muß auch ihre Ausnahmen spezifizieren und zutreffend begründen - das gilt auch für den Veganismus, sofern er als ethische Position und nicht bloß als quasi-religiöses Bekenntnis verstanden werden soll. Singer hat das Tötungsproblem ausführlich erörtert und Lösungen angeboten. Man sollte sie in ihrem Kontext kennen, bevor man sie verurteilt. Übrigens bin auch ich selbst Veganer im Singerschen Sinne, wenngleich restriktiver, was die Akzeptanz von Ausnahmen betrifft.

Lutz Martin

03. Juni 2011, 15:50

@ Mitleser:

-

»Ich interessiere mich für Kunst und Poltitik und habe nebenher auch noch einen Beruf, der mich fordert. Ich möchte mich nicht tiefergehend mit Philosophie befassen.«

-

Das ist sehr schade. So werden Sie leider nur Teil der Probleme der Menschheit sein können, statt Teil ihrer Lösung. Wer die Zusammenhänge zwischen seinem Verhalten und dem Zustand der Welt nicht wahrnimmt, kann über Leichen gehen, ohne es überhaupt zu bemerken - in gewisser Weise beneide ich Sie um diese "Entspanntheit".

-

»"begrenzten Ressourcen nach ETHISCHEN und nicht wie bisher allzu häufig nach irgendwelchen anderen Kriterien zu entscheiden."

Meine unbedeutende und arrogante Meinung dazu:

Das ist eine politische Frage.«

-

Und Politik wird von PolitikerInnen gemacht, die Ethik gelernt haben und sich moralisch verhalten oder aber nicht. Auch Politik hängt also letztlich vom ethischen Entwicklungsstadium ihrer Akteure ab.

-

»Ach ja und wir sollten noch diskutieren, ob ein Zellhaufen schon Leben ist.«

-

Warum nicht, bzw. welche Rolle sollte das spielen? Auch Viren und Bakterien sind lebendig, und ihre massenhafte "Abschlachtung" bereitet nicht einmal radikalen Veganern Kopfzerbrechen.

Lutz Martin

03. Juni 2011, 15:54

@ Oliver Tolmein:

»"Vergleichen wir ein menschliches schwerbehindertes Neugeborenes mit einem nichtmenschlichen Tier, etwa einem Hund oder einem Schwein, so werden wir feststellen, dass das nichtmenschliche Tier oft größere Fähigkeiten zu Denkvermögen, Kommunikation und allem anderen hat, das plausibel als moralisch bedeutsam gekten kann." (P. Singer, Leben und Tod, 1998, S. 103). Eine solche Passage wirkt, wie Singers Werke insgesamt in erster Linie statussenkend«

-

Diese Wertung ist ausschließlich Folge Ihrer vorgefaßten und anscheinend unkorrigierbaren Meinung. Ich wiederhole:

-

"Eine der Hauptforderungen Singers besteht darin, Wesen nur insofern gleich, bzw. ungleich zu behandeln, als sie gleich, bzw. ungleich SIND." Es geht also um die ethische Würdigung von TATSACHEN: Einmal sind die zu berücksichtigenden menschlichen Eigenschaften ethisch gewichtiger als die mit ihnen in Abwägung zu bringenden nichtmenschlichen, ein anderes Mal verhält es sich eben umgekehrt.

-

"Wer empfindungsfähigen nichtmenschlichen Wesen vermeidbares Leid zufügt oder es nicht verhindert, mit gleichermaßen empfindungsfähigen oder gar empfindungslosen menschlichen Wesen jedoch gänzlich anders verfährt, trifft eine willkürliche Unterscheidung, die in ihrem Kern faschistisch ist." Auf Ihre Kritik am o.g. Zitat angewendet bedeutet das: Die Forderung, Menschen allein deshalb einen höheren "Status" als nichtmenschlichen Tieren zu verleihen, weil sie Menschen sind, ist willkürlich und in ihrem Kern faschistisch. Mit derselben Willkür wurde und wird häufig noch immer zwischen Behinderten und nicht-Behinderten, Männern und Frauen, Schwarzen und Weißen, Hetero- und Homosexuellen, Israelis und Palästinensern, "Ariern" und Juden, etlichen Wild-, Haus- und "Nutztieren" etc. unterschieden. Bitte legen Sie dieses Denken umgehend ab!

-

"Singer geht es um die Kosten VERMEIDBAREN LEIDES, die obendrein ihrerseits geeignet sind, vermeidbares Leid zu erzeugen! Er wendet sich gegen KrankHEIT und BehindeRUNG, nicht gegen KrankE und BehindertE!"

-

"Singer hat wiederholt betont, daß es ihm nicht darum geht, bestimmte Menschen schlechter zu behandeln als nichtmenschliche Tiere, sondern darum, nichtmenschliche Tiere NICHT SCHLECHTER (!) zu behandeln als Menschen in vergleichbaren Zuständen und Entwicklungsstadien. ... Lehnen wir Versuche an Säuglingen oder Schwerstbehinderten ab, sollten wir sie auch Primaten ersparen!"

esther hottenrott

06. Juni 2011, 01:41

peter singer philosophiert nicht nur so vor sich hin. er lehrt und forscht. insofern verbrät er ertsens öffentliche gelder und bewegt sich zweitens in einem gesellschaftlichen zusammenhang. er beansprucht den öffentlichen raum also in mehrfacher hinsicht.

die praktische ausweitung der anwendung der pnd lässt deutlich erkennen, dass die menschheit sehr wohl daran interessiert ist, sich vor behinderten nachkommen zu schützen. Das ist wie ein putzfimmel.

eine rechtssprechung, die den fall "kind als schadensfall" anerkennt, lässt weiterhin darauf schließen, dass es eine klare bereitschaft gibt, behindertes leben zu vermeiden bzw. nachträglich aus der welt zu schaffen.

im zusammenhang mit der pid nennt man das "verwerfen".

ich würde vorschlagen, jedes einzelne leben auf seine nützlichkeit hin zu überprüfen: ein mensch muss fressen, wohnen, schlafen. verbraucht also erst einmal ziemlich viel (zu lasten anderer), bis er sich evtl. nützlich machen kann. meistenfalls wird das unterm strich +-0 sein. man könnte also doch zu dem schluss kommen, dass wir alle relativ überflüssig sind. (wenn man dann noch die ganz ganz großen schäden hinzuzieht, wird es allemale dunkelfinster.)

spätabtreibungen sind gesellschaftliches tabu. meines wissens gibt es auch keine statistiken hierzu. weder wie viele spätabtreibungen stattfinden, noch, wie viele potentielle mütter (und väter) zu langzeittherapierten werden etc.

nebenan werden frühgeborene ab 300g aufgepäppelt. die schäden, die diese kinder davontragen, werden in kauf genommen, da sie erstens zunächst "normal" sind und zweitens dienen sie der forschung. sie sind also nützliches material.

nach einer umfrage würden sehr viele frauen (70% der befragten) ein kind abtreiben bei genetisch bedingter fettleibigkeit. wo bleiben die ärzte, die diesen frauen sagen, dass sie besser gar keine kinder bekommen sollten.

dänemark geht mit seinem "system" hausieren (quasi flächendeckender pränataldiagnostik), mit dessen hilfe kaum noch ein kind mit down syndrom zur welt kommt.

wenn ich mit meinem sohn unterwegs bin (auch so ein balg, das nicht hätte sein müssen), sehe ich all die behindertenfreunde, denen einmal im jahr von einem herrn im gut geschnittenen anzug der satz "es ist normal, verschieden zu sein." gesagt wird.

wir könnten doch mal für ein weilchen in den zoos einen großen nett eingerichtetetn käfig aufstellen, in dem echte menschen zu sehen sind.

oder?

Bertschinger

06. Juni 2011, 18:29

Der Mensch unterscheidet sich vom Tier dadurch, dass er um seine Vergänglichkeit WEISS und daran leidet. Der Mensch unterscheidet sich vom Tier durch eine Grundangst, die das Tier nicht kennt, und dass er an dieser Angst permanent leidet und ihr zu entfliehen versucht (Neurosen, Süchte, Illusionen, etc.), was beim Tier nicht der Fall ist. Das verkennen alle jene, die im Bewusstsein bloss ein Werkzeug sehen analog den Reisszähnen eines Tiegers. Vielen naturwissenschaft-lastigen GBS'lern fehlt m.E. ein grundlegendes Verständnis der Notwendigkeit und der Möglichkeit, den Menschen auch aus der Warte der Geisteswisenschaft zu betrachten. Dann würden sie auf den grundlegenden Unterschied zwischen Mensch und Tier stossen, ungeachtet der vielen Fehlschlüsse, die leider auch aus dieser Unterscheidung gezogen werden. Man google auch mal "Daseinsanalyse", das kann weiterhelfen;-)

henna blue

08. Juni 2011, 16:40

@esther hottenrott

Kaum noch Kinder mit Down-Syndrom? Das ist ja schrecklich! Die Schwangeren der Welt sollten dringend mehr Schindluder mit sich treiben, um die furchtbaren Zustände in Dänemark auszugleichen. Schliesslich sind Behinderungen etwas so Wunderbares, dass man sie niemandem vorenthalten sollte. Wie wäre es mit der Einrichtung von Verkrüppelungsanstalten, wo sich jeder eine passende (auch Zweit- oder Mehrfach-)Behinderung aussuchen kann? Die Nachfrage dürfte enorm sein.

@Bertschinger

Wie kommen Sie darauf, dass viele GBSler Ihre eher banalen Aussagen zum menschlichen Bewusstsein nicht kennen oder nicht berücksichtigen? Immerhin versammelt die GBS Personen mit unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen: www.giordano-bruno-stiftung.de/aufbau

Empirist

12. Juni 2011, 14:45

Sehr geehrter Herr Tolmein,

da waren Sie aber, wie der Engländer sagen würde, out of your depth.

Leute wie Sie sind es, die (durch "argumentative" Unterstützung) in Deutschland dazu beitragen, dass ein Philosoph wie Singer gar nicht mehr öffentlich auftreten kann, ohne dass ungebildete Krawallmacher und unverschämte Interessenverbände den vermeintlich gerechten Aufstand proben. In unserem Land droht denkenden und offenen Menschen beständig der Erstickungstod im politisch korrekten Dunst. Es ist zum Würgen.

Hochachtungsvoll,

Empirist

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MisterX

31. Juli 2011, 03:18

Üprigens finde ich diese Stellungnahmen der GBS sehr gut für Leute die jetzt überreagieren und panisch geworden sind, oder Angst vor irgendwas haben:

www.giordano-bruno-stiftung.de/.../zur-debatte-um-peter-singer

Klaus Klausen

22. Oktober 2011, 18:47

Evolutionärer Humanismus.Das klingt stark nach Forum kritische Psychologie.Dürfte auch so sein,denn:Das Great Ape Projekt der Giordano-Bruno-Stiftung wird geleitet von Dr.Colin Goldner von ebenjenem Forum.Der hatte früher eine New-Age/Esoterikkritische Haltung und hat jetzt die politischen Seiten gewechselt und belästigt und verleumdet Kritiker dieses Seitenwechsels.Oder er ist ein verquaster Querfrontler,aber dafür ist seine vegane Lebensweise zu radikal.Über die Machwerke von Herrn Singer erspare ich mir jeglichen Kommentar,sonst muß ich mich übergeben.

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