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Päpstlicher als der Papst - Oder: Der Ruf nach Widerruf
07. Februar 2009, 09:27
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Nach dem Hosianna und "Wir sind Papst!" der ersten Tage scheint Benedictus XVI auf dem Kreuzweg des höchsten Amts der Christenheit vor dem Bildstock der "Geisselung und Verspottung" angelangt und sich verwundert die Augen zu reiben: "Wie kann man nur so missverstanden werden? Der ich antrat, Frieden zu stiften und die Christenheit zu versöhnen, ich, der noch tausende von Menschen in Köln in Ekstase versetzt hat, werde nun von den Medien durch die launische öffentliche Meinung gehetzt. Schon höre ich vereinzelt 'Kreuzige ihn' rufen. - Das ist bitter." So haben sich die Zeiten nicht verändert, sie haben sich nur verkehrt. Wäre es früher an dem Stellvertreter Christi auf Erden gewesen von vermeintlich irregeleiteten Häretikern und Ketzern in Politik, Wissenschaft und Kultur bei Androhung des Kirchbanns den Widerruf zu fordern, ist es nun die Öffentlichkeit mit ihren inquisitorischen Medien, die den Papst zu intellektueller Zucht und Ordnung rufen. Und derjenige irrt, der meint, die Scheiterhaufen öffentlich zelebrierter Ketzerverbrennungen seien schon vor Jahrhunderten endgültig verloschen. Sie werden nur von anderen errichtet und angezündet. - So geriert sich unsere aufgeregte Medienwelt mit Ihrem Ruf nach Widerruf am Ende päpstlicher als der Papst selbst.
Ihr Ralf Borlinghaus

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