Wie der Donaldismus forscht - und warum der Donaldist es manchmal nicht tut
02. April 2009, 12:13
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Was ist eigentlich Donaldismus? werde ich oft gefragt. So auch wieder gestern abend, als ich die Eröffnung einer reizenden Schau im Frankfurter Museum für Kommunikation besuchte, die lebensgroße Nachbauten von Erfindungen präsentiert, die den Geschichten mit Daniel Düsentrieb entstammen. Da ich auch ein paar Worte an die Besucher richten durfte, habe ich es da so erklärt: Der Donaldismus ist eine Metadisziplin, die alle gängigen Wissenschaften vereint - also Physik, Soziologie, Historiographie, Betriebswirtschaftslehre, Philosophie, um nur einige zu nennen -, deren erkenntnisgewinnende Methoden aber ausschließlich auf Entenhausen anwendet. Man könnte also auch sagen: Donaldimus ist Wissenschaft per se, sofern sie sich für Entenhausen interessiert.
Am kommenden Samstag, dem 4. April, findet der Jahreskongreß der D.O.N.A.L.D. (das ist das Akronym für die Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus) in Stuttgart statt, und zwar im dortigen Löwentor-Museum. Dann werden Donaldisten aus der ganzen Bundesrepublik und vereinzelte Gäste aus Österreich und der Schweiz die Erträge der Forschungen präsentieren, die sie im vergangenen Jahr durchgeführt haben. Es wird ein sehr belehrender Tag sein - und mit etwas Glück auch unterhaltsam.
Was darf man erwarten? Die Themen aufzuzählen, hätte wenig Sinn, denn das meiste erschließt sich erst aus der Präsentation. Aber ich will etwas zur Methode sagen und zwar am Beispiel meines eigenen Scheiterns. Natürlich betrachte ich es als Pflicht, selbst neue Erkenntnisse zu gewinnen, und deshalb habe ich seit 1988 auf jedem Kongreß, den ich besuchen konnte (und das waren mit einer Ausnahme alle), auch einen Vortrag gehalten - streng nach der Maxime Donald Ducks: „Entweder ich halte den Vortrag, oder ich laß mich von einem Haifisch fressen." (Für die Wißbegierigen: Das Zitat stammt aus WDC 101.) Für einen großen Forschungskomplex hat meine Zeit in diesem Jahr jedoch nicht gereicht, aber ich wollte einen Beitrag zum Kongreß leisten, der in meine Reihe „Short Cuts" gepaßt hätte. Unter diesem Titel stelle ich bisweilen kleine Beobachtungen zum Entenhausener Leben vor, meist nur anhand von einem Dutzend Bildern aus den Duck-Geschichten von Carl Barks. Bei meinen Vorbereitungen zur Düsentrieb-Ausstellung war mir nämlich eine alte Frage wieder in den Sinn gekommen, die noch aus prädonaldistischer Zeit stammt: Trägt Daniel Düsentrieb ein Toupet?
Damals, in den siebziger Jahren, war man sich dessen sicher, weil man Quellen heranzog, auf denen Düsentrieb gelegentlich (in Schreckmomenten) der Haarschopf vom Kopf flog. Doch diese Berichte gelten wahren Donaldisten längst als apokryph, weil sie nicht von Carl Barks stammen. Die Forschung berücksichtigt sie also nicht mehr. Aber widerlegt ist die alte These auch noch nicht. Mir war nun eine Sequenz aufgefallen, in der Düsentrieb unter dem Einfluß eines akustischen Phänomens die Haare zu Berge stehen. Gleiches wiederfährt beim selben Ton Franz Gans, dem Knecht auf Oma Ducks Bauernhof, und auch Oma Duck selbst hört das Geräusch, doch ihr aufgetürmter Dutt bleibt davon unberührt. Meine These schien nun klar: Düsentriebs Haare sind echt, denn wie sollte eine Perücke zu Berge stehen? Dagegen trägt Oma Duck offenbar zumindest ein künstliches Haarteil. Das wird im Übrigen auch durch einen anderen Bericht von Barks gedeckt, in dem gezeigt wird, wie sich das Haargebirge der Bäuerin in drei einzelnen Bestandteilen von deren Kopf löst.
Diese Geschichte also zog ich auch noch heran. Sie erzählt von einem Nachbarstreit auf dem Lande, und der mißtrauische Nachbar trägt nun erklärtermaßen eine Perücke. Doch man kann sich wohl meinen Schreck vorstellen, als ich ein Bild entdeckte, auf dem dieser Herr den Neffen Tick, Trick und Track hinterherschimpft und sich ihm dabei die - erwiesenermaßen - künstlichen Haare sträuben. Also gibt es in Entenhausen Toupets, die solche Simulationen von Echthaar leisten können, und schon brach meine kleine These wieder in sich zusammen. Ich habe keinen Zweifel, daß man eine plausible Erklärung für all das finden wird, denn bei Entenhausen handelt es sich um eine vernünftige Welt. Doch so kurz vor dem Kongreß reichte es mir selbst nicht mehr dazu. Also muß mein Short Cut ausfallen, denn mit einem zweifelhaften Forschungsergebnis darf man sich - um in der Duckschen Terminologie zu bleiben - nicht ins Haifischbecken donaldistischer Debatten begeben.
Mehr zum D.O.N.A.L.D.-Kongreß am Montag an dieser Stelle. Jetzt habe ich ja alle Ruhe der Welt, um ihn zu beobachten.
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