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Ding und Dinglichkeit

Standorttreue Bräuner: Die Poolliege

31. Juli 2009, 10:15 Uhr

Für jeden Gast im Hotel gibt es einen Stuhl im Speisesaal, ein Bett im Zimmer und einen Parkplatz für sein Auto. Doch eins gibt es nicht für jeden Gast: Eine Liege am Pool. Sie ist hart umkämpftes Gut und wird mit allen Tücken, derer ein erholungssuchender Mensch fähig ist, erobert und verteidigt. Warum die Liege am Pool begehrter ist als die weiter entfernte Liege auf der Wiese, habe ich bislang nicht klären können. Sie ist es aber. Deshalb stürzen sich bereits vor dem Frühstücksbüfett die Damen und Herren von der Bräunungsfraktion hinunter ans Becken, lassen nonchalant ihr Handtuch fallen und markieren auf diese Weise ihr Revier.

Wir kommen gleich, sagt das Handtuch, wir sind nur eben noch kurz unterwegs. Wagen Sie es bloß nicht, uns wegzuräumen, das wäre sehr, sehr unhöflich und unsere Besitzer werden sich entsetzlich aufregen. Vielleicht macht die Dame auch eine Szene. Gehen Sie einfach still woanders hin. Oder stehen Sie morgen früher auf als wir. Dann werden wir allerdings übermorgen noch früher aufstehen als Sie. Wir sind fähig, sagt das Handtuch, auch mitten in der Nacht aufzustehen. Wir sind zu allem fähig.

Die Besatzung der Poolliegen besteht meist aus den ehrgeizigen Bräunern, das sind die, die nicht einfach nur nebenbei braun werden, sondern deren Urlaubshauptzweck in einer Verdunkelung der Hautfarbe besteht. Und sie gehen nach einem genauen Plan vor: Das zunächst noch zusammengefaltete, gekonnt achtlos plazierte Handtuch wird später über das Plastikgewebe gebreitet und bietet einen schweiß- und sonnenölsaugenden Untergrund. Am oberen Ende der Poolliege befindet sich meist ein Sonnendach an einem Gelenk, das dem Kopf Schatten spendet. Dann werden die Schlappen abgestreift, der Körper in Badekleidung ausgebreitet und der Sonneneinstrahlung feilgeboten. Der Rest des Tages wird ein Turnus aus Sonnen, Schwimmen und Nachcremen eingehalten, ab und an wird sich gewendet.

Dieser Ablauf darf keinesfalls dadurch gestört werden, daß nicht die gewohnte Poolliege verfügbar wäre, sondern irgendeine andere. Eventuell, das wäre schlimm, nur eine im Schatten. Der ehrgeizige Bräuner ist standorttreu und reserviert sich immer die gleiche Liege, die nach wenigen Tagen bereits als Eigentum angesehen wird. Dann streckt er sich aus, schließt die Augen und träumt von fest zugewiesenen Liegen mit Namensschildchen, die gleich beim Buchen des Zimmers vergeben werden. Es müßte einen Liegenplan geben, träumt der ehrgeizige Bräuner, für den man sich eintragen kann und demgemäß man ganztägig Anspruch auf eine Liege haben könnte.

Daß direkt am Pool die Kinder am lautesten kreischen und gerne auch spritzen, nehmen die ehrgeizigen Bräuner mit stoischer Ausdruckslosigkeit hin. In welcher Umgebung die Bräunerei stattfindet, ist weitgehend egal. Ab und an sollen einige von ihnen das Hotel verlassen haben, so hört man. Weit können sie nicht gekommen sein, denn man muß sich auf der Straße ankleiden und das macht Streifen. Man sieht das an den gescheckten Körpern der Wanderer, Spaziergänger, Cafésitzer und Sesselliftfahrer, die gegen Nachmittag verschwitzt am Pool einfallen und bleiche Stellen entblößen. 

Der Nachmittag bis zum frühen Abend ist die Rush Hour des Hotelpools. Die Ehrgeizigen haben die heißesten Stunden des Tages schon in zielführender Reglosigkeit genutzt, ihr Werk voranzubringen, haben Sonnenschirme und Bikiniträger verschoben, da kommen die, denen ihre Körperfarbe augenscheinlich egal ist. Den ganzen Tag über hatten sie besseres zu tun, nun wollen plötzlich alle auch eine Liege, aber natürlich haben sie keine reserviert. Selbst schuld. Sie plantschen ein bißchen herum, sitzen auf den Liegen irgendwo ganz weit hinten auf den billigen Plätzen und spielen Karten, manche haben sogar Bücher dabei.

Nur selten sieht man den alten Pooladel etwas anderes lesen als Zeitungen, Zeitschriften und anderes leicht zu hebendes, denn schnell erlahmen einem die Arme, schnell drückt es am Ellenbogen, auf den man sich stützt. Die Poolliege ist nur in einer Position wirklich bequem, und das ist im Liegen, also wird der Urlaub konsequent im Liegen verbracht. Es ist auch die Position, in der die Maximalhautfläche der UV-Einstrahlung ausgesetzt wird, in der man also am effektivsten bräunt. Und darum geht es, denn die Nachbarn und Kollegen sollen nur rechtschaffen neidisch werden auf die gesunde Farbe, die man sich angeschafft hat. Dann fragen sie, wie es war, und man sagt, man habe sich herrlich erholt.

Dennoch befindet sich der reine Bräunungsurlaub auf dem Rückzug. Das hat vermutlich mit der Erfindung der Wellness zu tun, die neben der Hautfarbe viele weitere Optimierungsangebote für erholungsbedürftige Körper macht. Aber auch damit, wie meine Generation geprägt wurde von den Lederkörpern auf den Poolliegen, von der fleckigen Haut, auf der Goldschmuck glänzt, von den Kettchen im lockigen Brusthaar. Ich lief mit meinem Gummitier an den Liegen vorbei, auf denen sie lagen, seit dem Morgen schon, ich sprang ins Wasser, spritzte dabei ein wenig und sie verzogen keine Miene. Ich mußte an Schildkröten denken, denen man den Panzer weggenommen hat.

Veröffentlicht 31. Juli 2009, 10:15 von Andrea Diener
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Kommentare

anderl

31. Juli 2009, 10:35

Und Tiroler Nussöl. Das war das Mittelchen der Wahl für die Schildkrötenleiber.

Goya y Lucientes

31. Juli 2009, 10:56

Das Phänomen kenne ich aus den Strandurlauben meiner Kindheit. Da wurden in aller Frühe, mittels Handtuch, Sonnenschirm, Klappstuhl, Faltliege etc., die Claims am Sandstrand abgesteckt, als ginge es um Goldschürfrechte in Klondyke.

Neben den Lederhäuten gab es dann noch die Krebsroten, deren oberste Hautschicht sich, einer Schlange gleich, allmählich abschälte. Es gab wirklich Menschen, denen hing die Haut in Fetzen herunter. Brrr, ich glaube mir ist schlecht.

Andrea Diener

31. Juli 2009, 11:14

anderl: Nußöl? Riecht das nicht widerlich?

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Goya, es gab eine Zeit, da wollten alle so braun sein wie die Leute in der Lätta-Werbung. Und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. Temporäre Krebsigkeit ist da noch das kleinere Übel, langfristig wird die Haut dick, grob und faltig. Das wird dann gern in Kombination mit fisseligem totgebleichten Haar getragen, warum auch immer. Ich tu mir schwer, dieses Ideal zu verstehen. Aber es gibt heute noch Frauen, die sind auf dem besten Weg dorthin.

Doctor Snuggles

31. Juli 2009, 11:24

Das andere Extrem ist dann "Europa in 10 Tagen", vorzugsweise von asiatischen Touristengruppen durchgeführt. Entspannung findet man nur kurz in der Nacht, denn tagsüber müssen ja Kilometer zurückgelegt und Fotos für die Daheimgebliebenden geschossen werden. Wobei... letztens sah ich einen Bericht im Fernsehen von einer Rotel-Tour durch Italien. Das fand ich auch schlimm, die Schlafkabinen erinnerten mich an japanische Kapselhotels, die durch die Landschaft bewegt werden.

Wer es nicht kennt: http://www.rotel.de

Doctor Snuggles

31. Juli 2009, 11:27

@ Andrea Diener: das sieht dann irgendwann so aus: www.grillsportverein.de/.../5997_lederhaut_2.jpg

Don Alphonso

31. Juli 2009, 11:30

Ha! Nussöl! Kenne ich auch noch, wurde aber in den späten 70ern von Piz Buin (gibt es das noch?) verdrängt. Ich als Bayer und Teilzeitbergbewohner habe sowas natürlich nie gebraucht.

Frau B.

31. Juli 2009, 11:36

http://helgabirnstiel.blogs.com

Streifen stören nur, wenn frau am Ende des Sommers in ein tief rückendekolltieres Abendkleid schlüpft. Dann ist es aber auch schon egal, ob das Spagettiträgerkleidstreifen oder Bikinioberteilstreifen sind...

das einzige was nervt: wenn du vom Wandern kommst und dich eine Stunde berechtigterweise ausstrecken möchtest, ist keine einzige Liege frei.

miner

31. Juli 2009, 11:39

Ist Ihnen einmal aufgefallen, dass es in unserer Kindheit noch diese netten Rentner gab ? Also, diese dicklichen, gutmütigen. Irgendwie freundlich und "gebend"

A la: " Hier mein Sohn, du trägst jetzt die Verantwortung für die Firma" oder " Ach, liebes Fräulein, nehmen sie´s ruhig, denn ich kanns in meinem Alter eh nicht mehr gebrauchen"

Diese Generation konnte irgendwie noch geben. Nun ist sie ausgestorben oder zumindest fast ausgestorben. Die jetzigen älteren Damen & Herren entstammen der Wohlstandsgeneration nach dem Krieg. Und die fighten reflexartig für jede Liege, für jedes leckere Stückchen am "Büffeh", für jeden denkbaren Vorteil sogar gegen Kranke und vor Allem gegen Kinder. Sie fighten bis zu ihrem viel zu späten Ende.

Die "Best Ager", "Generation Mallorca" und wie diese weniger netten, überpuderten, älteren Damen und Herren noch so betitelt werden, haben mich schon seit Jahren in Urlaube hinter einem privaten Zaun vertrieben. Denn als normal fühlender Mensch im mittleren Alter, mit der Bereitschaft zu teilen, kann man diese Gestalten nicht um sich ertragen.

Andrea Diener

31. Juli 2009, 11:41

Doctor Snuggles, Sie ersparen uns aber auch gar nichts. Zarte Gemüter sollten den Link bitte erst nach der Mahlzeit anklicken.

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Die asiatische Gewalttour ist wirklich hart. Ich befand mich einmal in der Situation, fünf Tage mit dem Bus durch Irland zu fahren, das ist ja nun halbwegs übersichtlich. Aber am Ende wußte ich schon nicht mehr, welches Foto ich jetzt wo gemacht hatte. Am besten in Erinnerung blieben mir die freien Nachmittage, an denen wir nichts gesehen hatten und ziellos herumgelaufen sind.

miner

31. Juli 2009, 11:44

...oh Don, meine Kindheitserinnerungen an die Berge fangen immer mit Piz Buin & Ovomaltine vor meinem geistigen Auge an...ich war halt ein Kind aus dem Hessenland und wurde damit dauerhaft eingeschmiert....also mit Piz Buin, nicht mit Ovomaltine :-)

Doctor Snuggles

31. Juli 2009, 11:48

@ Don Alphonso: Piz Buin gibt es noch, siehe http://www.pizbuin.com

Andrea Diener

31. Juli 2009, 11:48

Piz Buin, Lichtschutzfaktor zwei (oder eine ähnlich lächerliche Zahl). Werbung mit dunkelbraunem Mensch vor strahlend weißem griechischem Haus. Meine Mutter hatte Sonnenallergie und mußte den Lichtschutzfaktor 18 damals extra in der Apotheke bestellen. Zeiten waren das.

Andrea Diener

31. Juli 2009, 11:56

Frau B., wir gehörten damals auch zur Wanderfraktion. Insofern war ich mit Buch und Rommékarten irgendwo nach hinten verbannt. Ich kann das nicht, so stundenlang still liegen, ich brauche mindestens ein Buch dazu.

Andrea Diener

31. Juli 2009, 12:09

miner, jetzt muß ich ein bißchen aufpassen auf meine galoppierenden Vorurteile, weil diese Generation mir entsetzlich auf die Nerven geht. Also nicht alle, selbstredend. Aber wenn jemand sich in die S-Bahn drängelt, ohne Leute aussteigen zu lassen, nur damit sein Hintern als erster einen Sitz bekommt, dann eben diese Best Ager. Immer mit verkniffenem Gesichtsausdruck. Mich haben sie damit schon aus den öffentlichen Verkehrsmitteln vertrieben. Das Dasein muß ein ständiger Kampf sein für diese Leute, ein ständiges Verteidigen von Ansprüchen, das muß einen doch völlig mürbe machen.

Andi

31. Juli 2009, 12:17

"Aber auch damit, wie meine Generation geprägt wurde von den Lederkörpern auf den Poolliegen, von der fleckigen Haut, auf der Goldschmuck glänzt, von den Kettchen im lockigen Brusthaar."

Was hier so unschuldig wie eine Beschreibung mit Worten daherkommt, sind in Wirklichkeit zwei weitere Fotos im Artikel; bloß daß diese bei der Lektüre prompt vor dem inneren Auge entstehen, was ihrer Ausdrucksstärke aber keinen Abbruch tut. Waah!

Ladyjane

31. Juli 2009, 12:19

Allein der gedanke an Tiroler Nussöl beamt mich in meine Kindheits- und Jugendferien an Kärntner Seen. Dabei gings übrigens keineswegs darum, ob man das "braucht", sondern um ebendie Glänz- und Geruchssensationen. Die fand der Rest der Familie allerdings grässlich + schmierte geschlechtsspezifisch verteilt: Mein Papa auch Piz Buin, die Mädels aber Zeozon! Gibt es eigentlich noch die perversen Luftmatratzen, oben durchsichtig unten metallisch, zur beiderseitigen Bruzzelei.

Alter Bolschewik

31. Juli 2009, 12:20

"Turnus aus Sonnen, Schwimmen und Nachcremen"? Schwimmen? Gehen die wirklich ins Wasser? Mit Poolbetrieb kenne ich mich nicht so aus, aber hier am Baggersee gehen maximal die Blagen dieser Brathenderln ins Wasser, sobald's ins tiefere Wasser geht, habe ich in der Regel den kompletten See für mich allein. Wenigstens haben Sie am Pool den Vorteil, daß Spaghettiträger nur verschoben werden, hier am Baggersee werden einem unfreiwillig Einblicke geboten, auf die man gut und gerne verzichten könnte. Aber das hatten Sie ja schon einmal anhand der Gardinen thematisiert.

Doctor Snuggles

31. Juli 2009, 13:01

@ Andi: Brusthaare sind auf dem Rückzug. Der moderne junge Mensch, auch Mann, rasiert sich mehr oder weniger komplett. Kann man mögen, muss man aber nicht. Alice Schwarzer hat schon drastische Worte dafür gefunden.

Für die Gegenseite gibt es Lösungen: www.anwaelte-in-vulkane-werfen.de/.../brusthaar.jpg

urlaubsmuffel

31. Juli 2009, 13:10

schöner Kommentar von 1993 zur Hatz auf Hotelliegen:

www.youtube.com/watch

ichweissichweiss: es kommt von "da unten" und gehört damit zum "ästhetischen Terror"...

nico

31. Juli 2009, 13:28

Die Schildkröte, Frau Diener, das ist es. In Andalusien liebevoll tortuga genannt, ist sie gleichsam Synonym für die Wohnmobil-Urlauber. Sie biwakieren gern am Strande - in Gruppen - bilden wie die Nomaden der Neutzeit ein anschauliches Bild in weiß wie die Liegen am pool. Auch sie verlassen nur ungern den schutzspendenden Panzer in steter Angst, ihn zu verlieren. Zu gern bildet man auch Wagenburgen, um den Schutzfaktor zu maximieren - allerdings nur bei Kennzeichenparität.

Die Engländer werden dort ebenfalls liebevoll gamba roja betitelt - echt kulinarisch und so schön passend.

@ anderl: In Spanien nimmt besagtes Volk gern aceite de oliva zur Hilfe, in einer Dosierung, die es um Pumkt 18.00 am büfee erlaubt - sollte der der camarero das Öl vergessen haben........

@doctor snuggles. Kenne einen Nudistenstrand mit pool in Andalusien. Im August liegen sie dort a partir de las 10 de la manana hasta las 8 de la tarde. Diese junge Frau muß früher dort geurlaubt haben, kein Zweifel.

B.A.H.

31. Juli 2009, 13:32

Kann es sein, dass nur die Deutschen das so machen? In England jedenfalls, beispielsweise, gehören die "Handtücher in der Frühe" (Schießen!) oder die "Handtücher am Pool" zu den festesten Teutonen-Klischees. Der erste Weltkrieg und die Handtücher. Es genügt schon, "Towels" zu sagen, und jeder weiss bescheid. Selbst das Baby in der Wiege kreischt schon vor hämischem Vergnügen. Vielleicht ähnlich, wie "die heisse Schlacht am kalten Büffet" bei uns eine bestimmte Vorstellung weckt. (Die man sogar riechen kann. Und wie Sie sagen, es kommt ja aus derselben Ecke.) Auf jedem Schiff am Ende der Welt kann man vor dem Frühstück an den Handtüchern abzählen, wie viele Deutsche an Bord sind. Da nützen alle Schilder usw. nichts. Nicht jedoch Österreicher, die ja eine ähnliche Sprache haben. Oder liege ich da falsch?  - Das mit dem Klischee der Briten ist eigentlich seltsam, denn gerade das Anstehen, und seine zahllosen ungeschriebenen Regeln, zelebriert doch die Insel. Markieren die Spanier? Die Franzosen? Haben es die Russen schon gelernt? Kommt das etwa über die DDR, die ja - wie die Briten - auch die Schlange als Wappentier hatte? Oder aus der guten alten Zeit der Lebensmittelkarten hier? Ist es die Fortsetzung des gewöhnlichen Lebenskampfes mit dem Handtuch auf deutsch, also etwas im System, oder ist es etwas mehr Historisches? Der "Platz an der Sonne" war ja der Slogan der Altkolonialen zu Zeiten von Willem zwo, die überhaupt nicht an den Pool dachten. Pardon, an die Sommerfrische.

Was anderes: Fragen Sie doch mal den D., ob man seinen Panamahut so eng zusammenrollen kann, dass er durch einen Serviettenring geht. Und dann flugs wieder aufsetzen natürlich. Wenn nicht, auch gut. Aber es sollte schon diese Qualität sein. Aber wirklich, wenn nicht, macht es auch nichts. Wirklich nicht!  

Andrea Diener

31. Juli 2009, 13:41

Andi, soviel Diskretion muß sein, das nicht auch noch zu fotografieren. Ich vertraue da ganz auf die Phantasie der Leserschaft. Ihre, scheint's, funktioniert bestens.

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Ladyjane, einige ganz harte hatten früher auch diese silbernen Reflektorschirme, die man sonst eigentlich nur in Hollywoodfilmen sieht. ich muß aber zugeben, beides lange nicht gesehen zu haben. Aber vielleicht wissen mitlesende Strandurlauber da genaueres.

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Alter Bolschewik: Woher sonst kommt der Ölfilm auf der Wasseroberfläche? Doch, ab und an drehte man eine gepflegte Runde im Pool. See wohl weniger, aber Pool ist zivilisiert genug.

Doctor Snuggles

31. Juli 2009, 13:43

@ B.A.H.: Es scheinen nicht nur Deutsche dieses zu zelebrieren: www.spiegel.de/.../0,1518,499105,00.html

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Allerdings scheint es bei Deutschen wirklich verbreitet zu sein, die Engländer können es auch, sind aber nicht so gut darin, deshalb wohl der Spott (um von der eigenen Schwäche abzulenken): reisen.t-online.de/.../19508234.html

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Aber die neue Grossmacht Russland schickt sich an, auch auf diesem internationalen Parkett mitzuspielen: koeln.prinz.de/.../was-tun-wenn-alle-liegen-mit-handtuechern-reserviert-sind,599752,1,Article.html

Lebemann

31. Juli 2009, 14:27

Liebe Andrea Diener,

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herzlichen Dank für den schönen Beitrag.

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Betreffend der Poolliege(nden) und dem sich darum abspielenden bunten menschlichen Treibens darf ich an dieser Stelle auf die (bei uns leider nicht zu sehende) ITV-Serie "Bendidorm" hinweisen, und folgendes Schmankerl anbieten:

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www.youtube.com/watch

sterne

31. Juli 2009, 17:12

Hat denn keine(r) "3 Männer im Schnee" gelesen? Da haääte sichdie Frage nach dem Nussöl erübrigt... Tja, moderne Zeiten.

Savall

31. Juli 2009, 17:41

Ich hab in meiner Firma auch so eine Dame, die einen Kampf um die Poolliege bis auf's Messer ausfechten würde. Sie ist weit jenseits der Schwelle, an der eine verantwortungsvolle Frau ihr Alter angäbe. Aber regelmäßig erscheint sie aus dem Urlaub im Zustand eines gut durchgebratenen Hähnchens. Sie hat zweifellos die vergangenen zwei Wochen gewissenhaft auf irgendeinem Teutonen-Grill verbracht. Die Dame ist sonst durchaus attraktiv, wenn auch nicht sonderlich intelligent. Was ist aus unserer Gesellschaft geworden, daß eine solche Dame (ich gebrauche das Wort bewußt) nicht in Würde altern und sich angemessen kleiden kann? Diese peinlichen hautengen durchsichtigen 5/8-Jeans! Es treibt einem qua Fremdschämen die Tränen in die Augen. Der allgemeine Jugendwahn wird ja nun öfter beklagt. Aber warum ist nur so gar keine Abhilfe in Sicht?

Devin08

31. Juli 2009, 17:53

http://www.herold-binsack.eu

Vom Eigentum anderer Leute

Ich hatte da mal vor einiger Zeit in der Sauna so ein parkendes Handtuch, nach einem gewissen Zögern, entfernt, denn stand da nicht ausdrücklich?  - „Bitte keine Liegen reservieren, keine Handtücher liegen lassen!“

Und wie blökte mich da jemand an, ob jener Ungehörigkeit. „Ob ich denn keinen Respekt vor dem Eigentum anderer hätte?“ Nicht der Betroffene, nein, eben dessen Gesinnungsgenosse und Liegenachbar, diesbezüglich, sagte das. Die Absurdität am Rande. Den Burschen kannte ich, der war es nämlich, der mir damals, vor so einigen Jahrzehnten (ich war ganz frisch verheiratet, mit meiner ersten Frau, und noch überglücklich und daher blind ob jener frisch erworbenen Beute) so eine sinnlose Police (Kapitallebensversicherung, oder so was in der Art) angedreht hatte, die ich dann sehr schnell wieder still legte, und der nun in diesem Wellnessparadies in Bad Homburg seine – auf diese schäbige Art – aber offenbar doch  reichlich verdiente Rente, sprich: ebenso Beute, verlebte. Ein richtiger Spießer, dieser Herr, ging mir da durch den Kopf, und von solch einem Dösel hast du dir was andrehen lassen? Und der will mir was vom „Eigentum der Leute“ erzählen? Ich fasse es immer noch nicht. Nicht, dass so einer mir was angedreht hat, das habe ich verschmerzt, nein diese „Doppelmoral“ in Bezug auf das „Eigentum“. Mein Eigentum hatte der sich schneller unter den Nagel gerissen, als ich hier das Handtuch entfernen konnte. Ich überlegte zumindest ein paar Minuten, bevor ich das tat.

anderl

31. Juli 2009, 18:03

Tiroler Nussöl und Piz Buin stehen aber für ganz verschiedene Typen von Sonnenanbetern.  Tiroler Nussöl ließ den Löwen der Liegeweise auf seinbem Stammplatz im Freibad glänzen, zwischen Chlorgeruch und auf Waschbeton breitgetretenen Pommes Frites, Piz Buin dagegen verhieß -wenn auch gleichsam im Freibad- doch schon einen Hauch Weltläufigkeit und richtete sich wohl eher an die Damen.

nico

31. Juli 2009, 19:23

@savall, wie schön du schreibst. Wir Jäger wissen: je größer die Schönheit, desto vergänglicher ist sie. Und: man kann nicht alles haben! Ich nehme an, dieses besagte pollo crujente, polyblond von Natur, appliziert gern honigsüße Lockstoffe?!

Andrea Diener

31. Juli 2009, 19:58

urlaubsmuffel, B.A.H., leider fehlt mir ein bißchen der Vergleich zum Pooliegenverhalten anderer Völker. Ich kann mich aber nicht erinnern, daß die italienische Minderheit im Hotel auch Handtücher plaziert hätte. Aber Doctor Snuggles hat recherchiert: Die Russen kommen also. Gibt es eigentlich noch unschöne Aspekte am Urlaub, an denen nicht reiche Russen schuld sein sollen?

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Anderl, danke für die Aufklärung hinsichtlich des Nußöls.

Savall

31. Juli 2009, 19:58

@nico: Man würde ja irgendein russische Brutalparfüm erwarten, aber nada. Sie scheint bloß in Bezug auf ihr Alter einem fundamentalen Trugschluß zu unterliegen. Wie gesagt, ich schätze die Dame ansonsten sehr. Aber es traut sich natürlich niemand, sie auf die Tatsachen hinzuweisen. Ich auch nicht. Es wäre doch zu abscheulich. Aber es krampft einem doch das Herz zusammen: vor zwanzig Jahren war sie bestimmt eine fantastische Frau. Warum will sie keine fantastische Frau sein, zwanzig Jahre später, mit einem anderen Stil? Diese alberne Perpetuierung eines irrsinigen Werbestils geht mir auf die Nerven. Man kann die Stupidität des Gedankens quasi von ihrer Haut ablesen. Sind wir alle so leicht zu manipulieren?

Andrea Diener

31. Juli 2009, 20:24

Savall, ich fürchte immer, es fehlen die Vorbilder. So viele halbwegs gut gekleidete ältere Damen gibt es heutzutage nicht, die einem als Stilmodell gereichen könnten. (Es ist ja auch nicht so, daß sowas an Zwanzigjährigen gut aussehen würde, nur halt weniger peinlich.)

Sich zu kleiden ist aber auch eine Kompetenz, man braucht dazu ein bißchen Wissen und muß hinschauen können. Das wird schnell abgetan als "mir gefällt's halt" und "Geschmäcker sind verschieden". Ganz tragisch ist das immer, wenn man nach Italien kommt und da laufen die eleganten älteren Damen auf der Straße herum und dazwischen die Deutschen entweder in ihren beigen Rentnersäcken oder mit zuviel Glitzer. Einen Mittelweg gibt es für die scheinbar nicht.

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Nico, nein, Schönheit ist nicht immer derart vergänglich. Meist leidet sie nur unter der Dummheit und Geschmacklosigeit ihres Wirtskörpers.

Andrea Diener

31. Juli 2009, 20:33

Devin08, meinem Bankberater, der mit die Lehman-Zertifikate vertickt hat, würde ich auch gern mal die Saunaliege klauen. Und eigentlich noch so einiges anderes.

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Lebemann, danke für das Schmankerl. Das kannte ich noch nicht, liegt aber irgendwie nah.

BCBG

31. Juli 2009, 20:36

Poolliegen waren mir immer ein Rätsel, und fremd und exotisch kam mir ihre Besatzung vor, wie ein seltenes Tier. Leider kein nettes, freundliches Tier, sondern eins, das sein Gegenüber nach der Rückkehr aus dem Urlaub anherrschte, wie "käsig" es denn sei.

Wobei die putzigen braunen Tierchen nur zeigten, dass auch das Augenlicht beim Langstreckenbräunen Schaden genommen hatte. Denn ich war niemals käsig. Ich bin, wenn man schon Nahrungsmittelkategorien anwenden wollte, "milchig" - kein Albino und trotzdem sommersprossenfrei hellweiß zu jeder Jahreszeit.

Als ich jünger war, hatte ich die Hoffnung, die Kommentierung meiner Hautfarbe durch die Poolliegenbesatzung würde enden, wenn ich in ein angemessen erwachsenes Alter käme. Zurück von mehreren Monaten beruflichen Afrikaaufenthalts ist meine Hoffnung im Alter von 29 Jahren in den letzten Wochen leider enttäuscht worden. Das Wort für geronnene Milchprodukte wurde vielfach verwandt, gerne in Zusammenhang mit hilflosen Erklärungsversuchen angesichts dieses schier unglaublichen Zustands nahezu unveränderter Blässe. "Bist Du denn gar nicht aus dem Büro gekommen, Mädchen?"

Doch. Bin ich. Deutschen Behördenarbeitszeiten sei dank auch täglich um 17 Uhr. Aber wenn ich danach irgendeinen Platz aufgesucht habe, dann einen Schattenplatz, und habe dabei klammheimlich das diebische Vergnügen genossen, in einem Land voller Bleichcremeverwenderinnen ein unerreichbares Ideal spazierenzutragen, das vom Cafépersonal durch aufmerksames Verstellen der Sonnenschirme vor jedem vermeidbaren Sonnenstrahl bewahrt wurde.

Als glückliche Eigentümerin von Garten und Balkon frage ich mich jeden Sommer, wieso die Leute in Scharen aus Möbelgeschäften und Baumärkten unbequeme Plastikliegen nach Hause schleppen, um sich darin Tätigkeiten hinzugeben, die eher an Nahrungsmittelzubereitung erinnern, wenn sie sich in einem Gemisch aus Sonnencreme und Schweiß mariniert gelegentlich drehen und wenden. Wir kommen tadellos ohne Liege aus, zuhause, im Sommerhaus, im Hotel. Plastikliegen sind vermutlich unbequemer als ein Sofa oder ein Sessel, zum Lesen ist es in der prallen Sonne zu hell, und schläft man nicht eher nachts, im Dunkeln? Ich habe keine Ambitionen, mir dieses Möbel gewordene Rätsel zu kaufen, sondern werde wohl weiterhin mit einem Buch im Schatten sitzen und dabei zufällig den perfekten Milchton pflegen.

nico

31. Juli 2009, 20:40

@savall, sie hebt ihr Restgeld - nach GLAM, Gym, Promi-Friseur und Playa Arenal - für den Couch-Therapeuten auf, der da in ihren Augen quasi fordernd liest: mein biologisches Alter ist Mitte 30!

Savall

31. Juli 2009, 20:52

Andrea, Sie sprechen ein großes Wort gelassen aus. Aber, und da sind wir fast schon bei den "Stützen der Gesellschaft", mir scheint es auch, daß die Vorbilder fehlen. Aber lesen denn auch auch die würdevolleren Damen nur "Bild der Frau" oder solche Schmonzetten? Andererseits könnte man der Wirtschaft gut und gern den Vorwurf machen, daß es eben keine entsprechenden Mode-Angebote gibt.  Wir hatten ja letztens eine Reminiszenz an Curt Goetz. Man möge doch nur an Valerie von Martens in "Hokuspokus" denken. Mein Gott, die Frau war 59. Man schaue sie sich an, man schaue sich ihre Kleider an. Es ging doch! Nun gut, die Ausleuchtung war ziemlich frauenfreundlich. Aber trotzdem, trotzdem...

nico

31. Juli 2009, 21:02

Verehrte Frau Diener, hier nun merkt man die der Frau inhärente Diplomatie, ja, ich möchte soweit gehen........nun, das ist fürwahr ein anderes Thema, dem wir uns sicher widmen werden?! Aber, en absoluto, Sie haben Recht, nüchtern betrachtet und als Konzession meinerseits, denn was sich hier, und schlimmer in fernen Ländern, wo keiner schaut, derlei Individuen zu tragen trauen, ist schon als böswillig und gemein anzusehen. In Spanien, Italien und Italien schämte man sich, aber da hat ja nun auch die Gourmandise ihren Ursprung. Auch das ein ergiebiges Thema wie ich meine. Wirtskörper- laß ich mir auf der Zunge zergehen.

Devin08

31. Juli 2009, 21:07

http://www.herold-binsack.eu

Eklige In-Besitznahme

@Diener: Oh, das ist aber jetzt ein Missverständnis, ich hatte das Handtuch nur vom damit reservierten Platz entfernt und einfach an die Seite gelegt. Abgesehen davon würde ich niemals Handtücher von Fremden benutzen. Das ist ja der Witz: nicht weil ich etwas entwendet hätte, nein, weil ich es wagte, etwas von dem Platz zu nehmen, hätte ich angeblich keinen Respekt vor fremden Eigentum. Doppeltes quasi: das des Handtuches und das des in Besitz genommenen Liegestuhls. Man nimmt also mittels Handtücher in Besitz, was einem definitiv nicht gehört. Eine schöne Allegorie auf die In-Besitznahme ganz generell. Man belegt etwas mit der eigenen Duftnote, und schon denkt man, alles, was damit benetzt ist, gehört einem. Ein wahrlich archaisch anmutender Vorgang. Und angesichts des Handtuches, ein schon ekliger Vorgang.

Savall

31. Juli 2009, 21:21

El Arenal, nico, ist sicher noch drin. Aber für anderen Aktivitäten reichen die hierorts gezahlten Gehälter nicht aus. Ihre Frisur übrigens, trotz Farbe, ist übrigens nicht übel. Die Frau hat manchmal Geschmack, aber eben in Sachen Teutonen-Grill sind die Synapsen im Eimer. Merkwürdig. nicht?

Liebe BCBG, Sie nehmen mir das Wort aus dem Mund. Ja, genauso ist es. Ich habe schon verschiedentlich die Damenwelt darauf aufmerksam gemacht, daß der afrikanische Beduine als solcher sich nicht in der Sonne braten läßt, sondern luftige Gewänder in im übrigen ansprechender Form trägt. Die verständnislosen Blicke sind mir für immer unauslöschlich.

swina

31. Juli 2009, 21:46

@miner/diener

beim gegenwärtigen feldversuch der drei universitäten berlins,

in welchem u.a. die "auswirkungen einer reduzierung von transportmittelkapazität auf den öffentlichen raum"

unter ökonomischen, ökologischen, psychologischen, ethnologischen und ekliptischen gesichtspunkten untersucht werden, zeichnet sich hinsichtlich des von ihnen besprochenen egofaktors ab, daß es in berlin vor allem

die gruppe der young white male (age range 25 - 34) ist,

welche den verteilungskampf (der ersatzbahn-plätze) dominieren.

gegenwärtig werden noch untersuchungen vorgenommen, ob sich die ywm`s aus purer "schlurfiger trottelligkeit" oder aus "ich muß sehen, wo ich bleibe"-chuzpe vor die bereits lange vor ihnen auf dem bahnsteig stehenden stellen.

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nun, das experiment geht weiter.

und ich kann später sagen: ja! ich war dabei!

Andrea Diener

31. Juli 2009, 21:47

BCBG, die Leute sehen nunmal unterschiedlich aus. ich werde auch nicht sonderlich braun, ich krieg nur Sommersprossen. Inzwischen sind zum Glück die Siebziger rum und die Achtziger, in denen man noch möglichst dunkel aus dem Urlaub kommen mußte, inzwischen hat sich das etwas gewandelt. Im Frühjahr allerdings und im Herbst, wenn die Sonne nicht so sticht, dann sind faule Tage mit Liegestuhl, Buch und Sonnenbrille etwas feines.

nico

31. Juli 2009, 21:59

@savall. Also Frisuren sind heutzutage nicht das Problen an sich. Discounter bieten Onduliersets ganz günstig, und die Farbe, die erledigt Domestos im Falle von Polyblond. Insofern bleibt sogar noch Geld für den Besuch beim benachbarten Tatoo-Meister. So ein Rücken-Hirschgeweih oder Flamendes Inferno haben was, dafür ist man bisweilen zu Opfern bereit. Und am pool ist das mega cool, nit wahr.

Andrea Diener

31. Juli 2009, 22:03

nico, der Reisebegleiter bestritt jüngst noch, daß ich über weibliche Diplomatie verfüge. Ich erwähnte so etwas in der Richtung, und er fing an zu lachen.

Andrea Diener

31. Juli 2009, 22:08

swina, vielleicht fallen mir die Damen beim S-Bahn-Verteilungskampf nur besonders auf, weil ich von ihnen eigentlich anderes erwarte. Einem Kollegen, der aussteigen wollte, fuhr mal eine beim Einsteigen mit dem Fahrrad über den Fuß. Als er sie höflich bat, doch bitte zu warten, wurde sie pampig. Da steht man da und weiß einfach nicht, was man sagen soll vor lauter Sprachlosigkeit. Aber ich werde das mal beobachten, ich fahre ja demnächst wieder vermehrt S-Bahn.

nico

31. Juli 2009, 22:25

@Dona Diener. Sind die Akquisitionsphase und Werbewochen erst vor bei, wird frau doch schnell konkret, sprich - ich fürchte um Freischaltung - die Rechenmaschine setzt sich durch: Schatz, zahlst du heut, mein Portemonnaie liegt.........Ich fürchte, der Don ist über die erste Phase hinweg?!

Rene Hamann

31. Juli 2009, 22:38

In meinen bisher dreißig Lebensjahren habe ich noch nie Urlaub gemacht. Schon gar nicht in einem Hotel mit Außenpool. Durch diesen Umstand war es mir bisher nicht möglich, den Gemeinen Poolliegen-in-Besitz-Nehmer in freier Natur zu erleben, doch in manchem Medium habe ich schon verwackelte Filmaufnahmen dieser scheinbar wildvermehrenden Spezies gesehen.

Ich frage mich, wie ich das Verhalten dieser Menschen diplomatisch beschreiben könnte. Kann man ein Kopfschütteln in Worte fassen? Oder das Gefühl der Unverständnis?

Sollte man vielleicht anfangen, fremden Autos Decken auf Dach und Motorhaube zu legen und dann zu sagen "der is mir"?

Es muss ein schwacher Geist sein, dessen einzige Befriedigung darin liegt, ein Stück Stoff auf ein Stück Plastik zu legen. Er sollte lieber mal barfuß langsam über diese saftgrüne Wiese gehen, die ich auf den obigen Fotos sehe. Das wiederum fände ich befriedigender.

Andrea Diener

31. Juli 2009, 23:04

Rene Hamann, ich kenne das auch vorwiegend aus meiner Kindheit. Seitdem habe ich den Plan, konventionellen Ausruhurlaub zu machen, aufgegeben. Es bringt nichts, ich werde nur unzufrieden und nervös und bekomme schlechte Laune. Und misanthropisch werde ich auch, vor allem das.

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Nico, ich fürchte, Sie mißverstehen die Natur unserer gegenseitigen Reisebegleitung ein wenig. Wir verrechnen nicht jeden Euro, führen aber durchaus getrennte Haushalte.

Doctor Snuggles

01. August 2009, 00:34

@ Andrea Diener: ja, man hat es schon nicht leicht in Frankfurt. Unhöflichkeit ist allgegenwärtig. Da spielt es häufig auch keine Rolle, ob die Leute offensichtliche Drogenabhängige sind, alte Leute oder im Anzug gekleidet. Rücksichtnahme, ein Fremdwort. Gerade älte Leute zeichnen sich hier gerne durch eine ausgemachte Unfreundlichkeit und Frechheit aus. Meine Frau beklagte sich oft, als sie unsere Tochter im Kinderwagen fahren musste. Heute, mit dem zweiten Kinde schwanger, ist es immer noch nicht besser. Die U-Bahn voll, sie darf mit dicken Bauche stehen, ein Platz wird nicht angeboten. In anderen Situationen ist es nicht besser.

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Stilvolle Kleidung ist schön, aber nur die halbe Wahrheit. Es muss auch der Geist dazu passen. Ausserdem stelle ich die Frage: was genau zeichnet denn eigentlich stilvolle Kleidung aus? Wie ist diese definiert? Bleiben wir bei der Stadt, in der wir beide wohnen: hier gibt es eine Menge Angestellter, die Anzüge tragen. Bei manchen sieht man schon am schlecht sitzenden Anzug oder an der grausamen Krawatte, dass der Anzug eigentlich nicht zur Person passt und lediglich als Uniform getragen wird, weil man sich einem gewissen Diktat unterwirft. Es gibt auch welche, da passt der Anzug, die Person sieht schick darin aus. Hat diese Person nun auch automatisch Stil? Doch sicherlich nicht. Das Äußere kann über ziemlich viel hinwegtäuschen und gerade dazu eingesetzt werden, mangelnden inneren Stil zu kaschieren.

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Ist nun derjenige, der höflich und gesittet agiert, aber Jeans und T-Shirt trägt, ein stilloser Prolet? Bestimmt nicht. Es wird sicherlich auch auf die Situation ankommen, in der die Kleidung getragen wird, auf ein Gesamtbild. Da zählen innere und äußere Werte zusammengenommen, nicht nur Bruchstücke. Allerdings beurteilen wir in der Regel immer erstmal die äußere Hülle und schließen daraus gerne auf den Rest.

anderl

01. August 2009, 08:00

Andrea, das Problem beim konventionellen Ausruhurlaub ist, dass man nie genug Bücher dabei hat. Nie. Unweigerlich steht man die letzten Tage ohne Lektüre da und muss dann um die üblichen Drehständer mit den immergleichen Werken kreisen, im verzweifelnden Nichtwissen, wie man den Tag herum bekommen soll.

Andrea Diener

01. August 2009, 08:55

Doctor Snuggles, für mich hat Stil mit Persönlichkeit zu tun. Das ist beim Kleidungsstil nicht anders als beim Schreibstil oder anderen Ausdrucksmöglichkeiten. Wer einen Anzug durch die Frankfurter Innenstadt trägt, ist ungefähr soweit, korrekte Geschäftskorrespondenz verfassen zu können. Und dann gibt es Leute, die sind weiter, die tragen wahre Lyrik am Leib. Da sieht man, daß sie sich über jedes Detail Gedanken gemacht haben. Kennen Sie das Blog vom Sartorialist (thesartorialist.blogspot.com)? Der wandert durch die Straßen und sammelt solche Exemplare.

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Anderl, das ist mir zum Glück noch nie passiert, daß mir die Bücher ausgegangen sind. Obwohl, früher schon. Ich hatte sofort heimatliche Gefühle, als ich in Meran an der Athesia-Buchhandlung vorbeikam. Wichtige Stätte meiner Jugend.

Alter Bolschewik

01. August 2009, 11:11

Anderl, selbst auf die Gefahr der Exkommunikation hin (obwohl ich hoffe, daß Frau Diener eher Milde walten läßt als der Don), die Lösung für dieses Problem heißt: ebook-Reader. Das löst nicht nur das Mengenproblem, sondern auch das Gewichtsproblem: Den Moby Dick hätte ich letztes Jahr bei sengender Hitze nicht durch Athen mitschleppen wollen, so aber war es kein Problem, im Schatten der Akropolis frische Feigen mampfend die Lektüre fortzusetzen (aaah, noch ein Sakrileg, essen und lesen gleichzeitig - wenn ich jetzt noch zugeben würde, Trekkingsandalen getragen zu haben...).

Doctor Snuggles

01. August 2009, 11:27

@ Andrea Diener: den Blog kannte ich noch nicht. Auch wenn manches sicherlich nicht meinen Geschmack trifft, so passen die Sachen in der Tat immer zusammen und stellen eine Einheit dar. Und es wirkt nicht als billige Kopie irgendwelcher Figuren, die in Musikvideos oder "Deutschland sucht..." Fernsehsendungen zu sehen sind. Schön.

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Immer wieder nett anzuschauen ist in diesem Zusammenhang die Kriminalserie "Agatha Christie’s Poirot" mit David Suchet in der Hauptrolle. Diese Kunstfigur legt auch immer großen Wert auf exakte Kleidung und Suchet setzt das perfekt um.

Andrea Diener

01. August 2009, 12:18

Doctor Snuggles, ja, Poirot! Für mich ist diese Serie auch eine Art Inneneinrichtungskatalog. Ich wollte immer den Schreibtisch. Und das Regal. Und das Kleid der Sekretärin.

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Bolschewik, ich habe damit wenig Probleme. Es gibt Bücher, die schon so lange out of Print sind, daß man sie nur noch über irgendwelche Datenbanken beziehen kann. Für meine Magisterarbeit hatte ich dauernd dicke Leitz-Ordner mit Ausdrucken dabei. Da hätte ich mir einen eBook-Reader gewünscht, den hätte ich überall mitnehmen können. Vielleicht ersetzt das eBook-Ding auch irgendwann diesen ganzen Fotokopierwahn, dem die Studenten dauernd ausgesetzt sind.

sterne

02. August 2009, 19:49

Alter Bolschewik, Moby Dick auf der Akropolis. Cool! Das macht jede Trekkingsandale wett.

Charlie Arglist

05. August 2009, 20:35

BCBG, vielen Dank für Ihren Kommentar! Es geht mir ähnlich.

Und ich - als Stadturlauber - möchte hinzufügen, daß man nur die lokale Bevölkerung betrachten muß, um zu verstehen, daß man in einem warmen Land den Schatten sucht und nicht die Sonne. Die Fenster tagsüber geschlossen läßt, damit es drinnen nicht noch wärmer wird. Lieber den Sonnenschirm mit an den Strand nimmt.

Mitunter ist der Effekt zu beobachten, daß die Einheimischen alle auf der schattigen Seite der Straße gehen und die Touristen auf der sonnigen!

Sehr unschön ist die orange Farbe einiger deutscher Mitmenschen, die kommt vermutlich von Bräunungscremes oder aus dem Sonnenstudio, ich weiß es nicht.

perfekt!57

21. Februar 2010, 15:35

Wir erheben Einspruch gegen die unerlaute Verwendung des Bildes von uns: Der Mann auf dem Foto ganz oben mit Armbanduhr und Birkis sind nämlich wir höchstselbst! Und wir widersprechen: Meine Frau und ich waren auch nicht schon ganz früh da und wir haben auch keine Liegen mit Handtüchern belegt.

Das machen wir nämlich nie, und wie wir - wohl vorzüglich böswillig - in den Zusammenhang gestellt werden können, ist und bleibt uns schleierhaft.

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Außerdem gilt wohl vor allem eines: Alter und Bauch und schütteres Haupthaar gehören unter Anstrengungen und Entbehrungen in langen Jahrzehnten ehrlich erworben - die fallen einem nicht einfach so zu! Da könnte ja jede/jeder  kommen ... .

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