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Mittwoch, 08. Februar 2012
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Ding und Dinglichkeit

Die Schüssel und das Pendel: Im Esoterikladen

06. November 2009, 14:32 Uhr

Nehmen Sie an, Sie sind zu einem Geburtstag eingeladen, es gibt Wein und Würstchen und Kartoffelsalat und einiges anderes, sie stellen sich auf einen geruhsamen Abend ein, und neben Ihnen am Büfett packt jemand ein Pendel aus, ein silbernes spitzes Ding an einer Kette, und läßt es über der Schüssel mit dem Kartoffelsalat schwingen, nickt dann kurz, packt das Pendel weg und schlägt sich mit dem Löffel eine Portion auf den Teller. Was tun Sie?

Ich habe vermutlich sehr konsterniert geschaut. Denn ich bekam sofort eine Erklärung geliefert: Das Pendel, so führte die Person aus, sagt mir, ob der Kartoffelsalat gut für mich ist. Ich notierte das geistig in mein imaginäres Notizbuch surrealer Sätze und bemühte mich, mir nichts anmerken zu lassen. Ah ja, meinte ich, und nahm mir auch Kartoffelsalat, zwar unausgependelt, aber wird schon hinhauen, dachte ich. Bislang war Kartoffelsalat immer gut für mich, und Empirie ist ja auch was wert.

Die Welt der Esoteriker ist geheimnisvoll. Sie lesen Bücher mit violetten verschwommenen Umschlagmotiven und erhoffen sich dadurch Zugang zu einer Welt, die Ungläubige wie ich rundheraus abstreiten. Sie dekorieren ihre Wohnung mit Salzkristallampen, Kraftpyramiden, Mondkalendern und dem unvermeidlichen indianischen Traumfänger, bekochen ihren Hund ayurvedisch und kennen die Farbe ihrer Aura. Meistens qualmt irgendwo ein Räucherzeugs, das wahlweise Kreativität fördert oder Elfen besänftigt. Manchmal glauben sie auch an wirre Methoden, die sie alternative Medizin nennen und gehen nicht zum Arzt, dann wird es regelmäßig tragisch.

Mit Büchern, Dienstleistungen und Klimbim werden deutschlandweit jedes Jahr schätzungsweise 10 Milliarden Euro umgesetzt. Es gibt kriselndere Branchen. Denn neben den eingefleischten Allroundesoterikern gibt es eine erschreckend hohe Dunkelziffer eigentlich völlig normaler Menschen, die einem dann in dunklen Momenten etwas von Strahlen und Energien erzählen. Zwei Drittel aller Deutschen glauben an Schutzengel, deshalb bilden die mittlerweile eine eigene Unterabteilung im Eso-Buchladen. Satte 56 Prozent glauben an Wunder. Alternative Heilmethoden stehen auch hoch im Kurs: Man fragt nichtsahnend, ob jemand eine Salbe gegen Insektenstiche dabei habe und bekommt Globuli angeboten. Und wenn man sagt, danke, aber ich glaube nicht daran, wird einem erklärt, daß das Kronenchakra vermutlich irgendwie verstopft sei, was aber, na gottseidank, durch Bach-Büten therapiert werden kann.

Wissen Sie eigentlich, was Bach-Blüten sind? Ich mußte auch erst nachschauen: Erfunden wurde das von einem englischen Arzt in den Dreißigern, der glaubte, jede Krankheit sei ein Konflikt zwischen der unsterblichen Seele und der Persönlichkeit, und jeder Schieflage ordnete er intuitiv, man könnte auch sagen: willkürlich, eine Pflanze zu. Diese Pflanzen werden in Wasser gelegt oder gekocht, damit sie ihre ureigensten Schwingungen übertragen, dann wird das schwingende Wasser mit noch mehr Wasser verdünnt, weil es dann immer stärker schwingt, und als sogenannte "Essenz" teuer in Apotheken verkauft. Ganz ähnlich wie Homöopathie also, nur daß die Bachblüten entgegengesetzt zum Konflikt schwingen und die homöopathischen Essenzen in Gleichtakt. Gegen mein verstopftes Kronenchakra wäre weißblühende Kastanie zu empfehlen. Vielleicht, denke ich, hilft dann aber auch ein ausgedehnter Besuch im Biergarten des Vertrauens, vielleicht schwingt die Kastanie auch so zu mir hinüber. Schwing, Kastanie, schwing!

Schwingungen, Energien, Strahlen, Schlacken – unsichtbare Materie ist es, was den Esoteriker umtreibt. All das liegt in Form von Quanten, Tachyonen oder Bioenergie vor, überall schwingt es in den Frequenzen des Kosmos oder irgendwelcher Engel. Die gute Energie rein, die böse raus, was gar nicht so schwer ist, wenn man entsprechend frequenzgetunte Steinchen kauft oder Pyramiden oder Engelkuschelkissen, und ständig werden neue Energien erfunden. Erinnert sich noch jemand an die guten alten Erdstahlen? Die waren in den Achtziger Jahren das heißeste auf dem Sektor, und man hatte sich unbedingt dagegen zu schützen. Sogar in der Hörzu war ein Bericht mit einem aufrüttelnden Diagramm, das zeigte wie die gelblichen Strahlen von Wasseradern ausgehend in der Erde emporradiierten und sich durch Wände und Fundamente fraßen, um den darüber lebenden Menschen das Leben schwer zu machen.

Bekannte meiner Eltern waren einigermaßen hysterisiert, konnten nicht mehr schlafen vor lauter Wasseradern und, noch schlimmer, kreuzende Wasseradern, schickten Wünschelrutengänger durch die Räumlichkeiten, gaben zehntausende Mark dafür aus, das Haus mit Kupferdrähten strahlensicher zu machen und kannten auch sonst alle Tricks: Spiegel unterm Bett und Kamm unterm Schrank sollten der Gattin ein wenig Linderung verschaffen. Doch soweit ich weiß, kämpft die Dame bis heute mit ihrer nervlichen Verfassung, was vermutlich auch daran liegt, daß sie sich Anita nennt, aber leider nur eine Anneliese ist. Eine Anneliese sind, aber mindestens eine Lilith oder Morgana sein wollen ja die meisten Esoterikerinnen, denn Frauen sind besonders anfällig. 43 Prozent glauben an Geistwesen, aber nur 14 Prozent der Männer. 

Man mag sich nicht recht abfinden mit dem profanen Leben in deutscher Gegenwart, und so werden Anknüpfungspunkte gesucht an ferne Völker und ihre alten Weisheiten, die mindestens einige Jahrtausende auf dem Buckel haben, dann aber irgendwie unter Verschluß gehalten wurden, woran gern mal das Patriarchat an sich schuld ist, und die nun in bunten Büchlein wieder zugänglich gemacht werden und nur darauf warten, mit ihrem Inhalt unsere Leben zu ändern. Kelten, Indianer, Buddhismus haben eigentlich immer Konjunktur, Afrika seltsamerweise nie, und von der geheimen Weisheit der Eskimos hört man auch wenig. Vielleicht werden die aber auch unter Schamanismus allgemein subsummiert. Und dann gibt es natürlich die Crossover: Indianer-Tarot, keltische Mandalas und Aura-Soma-Therapie neuerdings auch mit Erzengeln.

Bei Amazon liegt zur Zeit die Quantenheilung ganz vorn in der esoterischen Topsellerliste: "Wirkt sofort und jeder kann es lernen" lautet der Untertitel, und das ist ja schon einigermaßen vielversprechend. "Quantenheilung arbeitet mit sanfter Berührung und versetzt das vegetative Nervenssystem spontan und sofort in den Zustand, in dem tiefe Heilprozesse stattfinden: Das Nervensystem schaltet unmittelbar auf Heilung um und kann all das reorganisieren, was nicht optimal funktioniert", heißt es zum Buch. Ich werde das beim nächsten Schnupfen ausprobieren und einfach mal auf Tiefenheilprozeß umschalten. Man will ja optimal funktionieren.

Oder, Amazon Platz 2, "Das Prinzip: Geheimnis zur Erschaffung der gewünschten Realität". Hier haben wir wieder alles, was eine anständige Pseudolehre ausmacht: Neueste Erkenntnisse, uralte, vergessene Weisheit, den Schlüssel zu unerschlossenen Macht- und Kraftreserven in uns, die Erkenntnis unseres wahren Ichs, all die Schlüsselreize des Esoterikers. Wer will das nicht? Endlich zum inneren Wesenskern vordringen, endlich das Gehirn mal so richtig ausfahren wie andere den Porsche auf der Autobahn während des WM-Finales?

Ach, sag ich dann immer, ich hab kein wahres Ich, ich hab mindestens fünf. Und ich will mich nicht für eins entscheiden müssen, wer will sich schon für eins seiner Kinder entscheiden? Man hat sie doch alle lieb. Und Macht und Kraft will ich auch keine. Ich will auch keine Telefongebühren sparen oder mir für unfaßbar wenig Geld einen Fernseher mit Flachbildschirm kaufen. Ich sage gerne nein, ich will meine Ruhe, die sollen mich alle in Frieden lassen, ich will nicht mit dem Universum quatschen, ich quatsche schon viel zu viel unnützes Zeug, ich will meine Träume träumen und nicht mit ihnen arbeiten, ich will nicht meine Wohnung vollrümpeln mit Zimmerspringbrünnchen oder Klimperwindspielen, ich finde trommeln doof und rechte Winkel gut, ich will mich nicht tief erfahren, ich will meine Spiritualität nicht im Alltag leben und auch sonst nirgendwo, ich will kein Orakel bemühen, das mir weiterhilft, ich will mein Baumhoroskop nicht wissen, meine weibliche Urkraft ist mir egal, weil ich häßliche Vorurteile gegen Weibliche-Urkraft-Benutzerinnen habe und deshalb keine sein will. Ich lebe insofern in Einklang mit der Natur, als ich meine Zimmerpflanzen regelmäßig gieße, und meine Heilung findet durch einen Hausarzt und lauter böse Chemie-Medizin statt, ich glaube nämlich an Bakterien und nicht ans Orgon. Ich will, daß meine Krankheitserreger zumindest durch ein Elektronenrastermikroskop sichtbar sind, damit ich weiß, daß es sie gibt.

Außerdem bin ich ein abenteuerlustiger Mensch. Man hat ja heutzutage nur noch wenige Abenteuer, deshalb bewahre ich mir wenigstens das, meinen Kartoffelsalat zu essen, ohne ihn vorher ausgependelt zu haben. Ich glaube ohnehin nicht daran, daß ein Pendel sich ohne äußeren Einfluß bewegt, meine Gedanken lesen kann und darauf eine sinnvolle Antwort weiß. Ja, ich bin ein spiritueller Holzklotz, in meinem Zimmer könnten fünf unglückliche Seelen heulen, ich bekäme davon nichts mit. Aber ich bin wenigstens damit zufrieden, was ich bin.

Veröffentlicht 06. November 2009, 14:32 von Andrea Diener
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Kommentare

Don Nutella

06. November 2009, 15:41

Oooch Frau Diener! Sie könnten sich ja wenigstens mal kostenlos für viel Geld von diesen hellsichtigen Lebensberatern im TV Dinge erzählen, die Sie eh schon wissen oder sich zusammen reimen könnten. Mit Hilfe von Lebensdingenstarotwichtigkarten natürlich.

Einmal vor langer Zeit habe ich aus Versehen in eine solche Sendung gezappt. Es war köstlich. Meine gleichgute Hälfte und ich sind uns vor lauter Lachen weinend in die Arme gefallen. Da rief eine Dame den Lebensberater an und meinte, er müsse ja wissen wer sie sei, schließlich behaupte er ja von sich, dass er hellsichtig sei. Und sie sei ja hellsichtig und er sei ein Lügner und Scharlatan. Ein Streit, der damit endete, dass er sie aus der Leitung warf und meinte, er müsse sich sowas nicht anhören, er sei ja zum Berater des Jahres 2006 (oder so) gewählt worden. Ganz großes Kino. Jeder Regisseur wäre froh um solche Pointen.

Kalchas

06. November 2009, 15:42

Einen schönen guten Tag Frau Diener!

Der FDP-Vorstand scheint nicht die einzige Parallelwelt zu sein, warum sollte er auch? Vielleicht können Sie mal den Koalitionsvertrag auspendeln lassen, ob da auch ein paar gute vibes drinstecken. Mehr fällt mir dazu nicht ein, und ein schönes Wochenende ohne irgendwelche bösen Geister.

K.

Andrea Diener

06. November 2009, 16:03

Don Nutella, als Existenz ohne Fernseher entgeht mir da wohl einiges. Da finden sich natürlich immer noch viel Irrere ein als die normalen Halbirren, von denen man sonst so umgeben ist. Vor allem nachts auf obskuren Spartenkanälen tun sich wohl die seltsamsten Dinge, hört man. Da ich aber seit meiner Zeit als Telefonmarktforscherin ohnehin gründlich von der Menschheit desillusioniert bin, tu ich mir das eher nicht an.

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Die einzigen Geister, denen ich am Wochenende begegnen will, heißen Talisker und Laphroaig.

Don Nutella

06. November 2009, 16:25

Auch wenn ich sicherlich regen Gebrauch vom Fernseher mache, weil er sowieso rumsteht und ich ausnahmsweise zuhause bin: Nachts schlafe ich lieber als diesen vielen merkwürdigen Leuten zuzusehen. Und man kann definitiv ohne TV leben und verpasst nichts. Das habe ich auch mal ein paar Jahre praktiziert.

&nsbp;

Sláinte! Momentan mag ich eher die milderen Iren, zumal die nicht so überteuert sind wie die Schotten. Aber das ist ein weites Feld...

Don Nutella

06. November 2009, 16:36

Na toll, jetzt hat der einzige HTML-Befehl, von dem ich dachte, dass ich ihn auswendig könnte, nicht funktioniert. Vielelicht sollte ich ofter mal in einem magischen Ritus die Geister der Gedächtnisstütze anrufen. Oder die Schutzengel des Bessermerkens.

Andrea Diener

06. November 2009, 16:57

(Oder schwarzmagisches gegen die Programmierer dieser, ähm, gewöhnungsbedürftigen Blogsoftware? Ich könnt es Ihnen nicht verdenken.)

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Irgendwie will ich beim Fernsehen immer wegklicken der vorspulen, und es geht nicht.

Foersterliesel

06. November 2009, 16:58

Eine überm Gemüse pendelnde Dame ist mir neulich beim Aldi begegnet; es gibt halt eine Ratioresistenz bei Frauen (aller Schichten übrigens, manifest wirds aber eher bei älteren, die sich ein paar Freiheiten mehr erlauben dürfen). So viel Dreck, Blech, Stress und Berechnung rundum erwecken halt Sehnsucht nach dem Numinosen. Die Kirchen in denen frau in Ruhe früher ein wenig Weihrauch schnuppern konnte, sind wegen der Kirchenräuber tagsüber versperrt, also räuchert frau zu Hause selber. Die geschäftstüchtigen Ärzte machen mit und verordnen Bachblüten für Katzen und Eigenblutherapie bei Dermatosen, die feinfühligen Ex-Kosmetikerinnen werden Farbberaterin und verorten sich in noblen Reiki-Meisterlinien - was solls: wenn Sie zum Arzt gehen, nützt es auf jeden Fall dem Arzt, ob es auch Ihnen nützen wird muß sich erst erweisen.

missino

06. November 2009, 17:11

Was genau haben  Sie denn für böse Vorurteile? Ich finde die Esoterikszene irgendwie beruhigend, so schön bunt und sie gibt mir das schöne Gefühl, egal wie sehr ich spinne, da gibt´s immer noch welche, die sind noch durchgeknallter. Und mein unübertroffener Lieblingssatz aus dem Bereich: "Alles was kommt ist gut, es geht auch wieder." Das ist so hilfreich ...

Don Nutella

06. November 2009, 17:23

Wieso begegnen mir eigentlich solche Leute nie? Bin ich zu ignorant? Vertreibe ich sie mit meinem schlechten Karma oder war es die Aura?

Sollte mir doch mal ein pendelndes Wesen begegnen, werde ich ihm vorschlagen, den Ritus von AshkEnte auszuprobieren.

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Ich hab gerne irgendwas nebenher laufen bzw. babbeln, während ich lese oder andere Dinge tue. Das könnte zwar auch das Radio bestens erfüllen, aber irgendwie greife ich dann doch völlig grundlos zur Fernbedienung.

Don Alphonso

06. November 2009, 17:59

"Zwei Drittel aller Deutschen glauben an Schutzengel, deshalb bilden die mittlerweile eine eigene Unterabteilung im Eso-Buchladen. Satte 56 Prozent glauben an Wunder."

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Das ist nicht wahr, oder? Hallo? 21. Jahrhundert? 300 Jahre Aufklärung?

Julius

06. November 2009, 18:27

Hm, das klingt aber verbissen. Vermutlich haben Sie ein paar Wasseradern unter Ihrem Haus. Da hilft es, das Bett in die Küche zu stellen. (Kamm unterm Schrank ist übrigens Quatsch, nur Schrank unterm Kamm wirkt.)

Jeeves

06. November 2009, 19:22

http://www.kdmueller.com

Apropos "Bach-Blüten": Da war letzens in der angeblich tollen sonntäglichen Radio-Sendung "Hörbar Rust" bei RADIO EINS ein Interview mit irgendeinem "Prominenten". Es ging um Musik und der Prominente erwähnte den Komponisten "Bach". Frau Rust verstand wohl nicht genau und fragte nach. Aber nicht etwa: "Johann Sebastian?", "Wilhelm Friedemann?", "C.P.E.?", gar "Johann Christian?" --- nee, sie fragte: "Bach-Blüten?"

Devin08

06. November 2009, 19:45

http://www.herold-binsack.eu

Über den Placeboeffekt in der positiven Wissenschaft

@Don Alphonso/Andrea Diener: Wir glauben doch auch an Gott, warum sollen wir nicht an Schutzengel glauben, die gehören doch zusammen, oder habe ich da was missverstanden – im Religionsunterricht?

Im Übrigen bin ich einigermaßen erstaunt über das esoterische Wissen Frau Dieners, angesichts ihres Unwillens darüber was zu wissen. Fleißige Arbeit, alle Achtung.

Nur in einem Punkt müsste ich sie etwas korrigieren, bzw. eigentlich auch nur ergänzen: Bakterien sind selbstredend Energieträger, neben dem Hämoglobin – genau genommen also kein Widerspruch -, welches wir, wenn wir einen ungewaschenen Apfel – frisch von Nachbars Baum gepflückt, sozusagen -, und einmal kräftig über den Ärmel geputzt, zu uns nehmen. Und ich möchte nicht wissen, was sich da für Energie auflädt, in dem Moment, wo wir diese Bakterien über den Ärmel schmieren, und dort mit anderen Bakterien mischen. Das Problem mit der Energie, die in lebenden Organismen gebundene Energie, und wie diese mit der Umwelt – der ungebundenen Energie - interagiert, scheint mir immer noch nicht völlig begriffen. So wissen wir, dass ein Salat, den wir eine Woche in den Kühlschrank legen, wohl noch frisch aussehen kann, aber im Prinzip wertlos ist, bis auf die Cellulose, die wir dann eigentlich anders verwerten sollten, als sie noch uns zu nehmen. Von „Energie“ keine Spur mehr, totes Gewebe. Denn die ist entschlüpft, mit dem Absterben des Organismus. Entschlüpft aber wohin? In das umliegende Chaos, dem kosmischen, vermutlich! Sie soll ja nicht verloren gehen, diese kostbare Energie! Dass da eine Wechselwirkung stattfindet, dürfte eigentlich klar sein, nur welche und auf welche Weise?

Bei den Tierkadavern, die wir dann - nach Monaten im Eisschrank - noch zu uns nehmen, nennt man das übrigens Leichengift, was sich da gleichzeitig zum Energieschwund mit angereichert hat. Das ist kein Thema für die Esoterik, wäre aber eines für die Wissenschaft. Da diese aber aus begreiflichen Gründen – wer will sich schon mit der Fleischmafia anlegen? - dazu hartnäckig schweigt, übernehmen halt Scharlatane die Deutungshoheit.

Das dürfte das eigentliche Problem sein. Der Bürger scheint mir vor allem verunsichert und weniger verblödet, naja, bis auf die, die ihren Schutzengeln trauen, da kann man aber auch gleich dem Innenminister vertrauen. Apropos Innenminister: wie hoch ist denn der Prozentsatz derer, die an die Integrität dieses Staatsapparats noch glauben (von dem Glauben an unsere positive Wissenschaft mal ganz abgesehen) und einer Volkszählung freudig entgegen liefen?

Nur zum Verständnis meiner Kritik an dieser positiven Wissenschaft – zum Innenminister habe ich an anderer Stelle genug gesagt: Kürzlich hielt ich eine Werbeschrift der deutschen Milchwirtschaft in den Händen, ausgehändigt an meine durch Osteoporose so geplagte Mutter, von ihrem Hausarzt. Seitenlang wurde da meine Mutter darüber belehrt – ich wollte schon aufschreien ob dieser neu erlangten Weisheit unserer Schulmedizin - , dass die Nettobilanz von Kalzium in Milchprodukten negativ sei, also eher wohl schädlich als nützlich in ihrem Falle, wegen des Phosphors in tierischen Produkten nämlich, und doch empfahl man ihr zum Schluss der Lektüre Milchprodukte zu genießen. Es könne ja nicht schaden, wenn es der Landwirtschaft nützt, sagte man so nicht!

Aber offenbar glauben diese Ärzte mehr an den Placeboeffekt des guten Rufes ihres Standes – meine Mutter zumindest zweifelte bis dato daran nicht - als an die definitive Wirkmächtigkeit ihres gepriesenen Produkts. Das war allerdings vor dem Streik der Bauern, vielleicht wird die Broschüre ja jetzt überarbeitet.

nico

06. November 2009, 19:46

"...bekochen ihren Hund ayurvedisch und kennen die Farbe ihrer Aura." Und vieles mehr. Frau Diener, Ihr Meisterstück. Ich darf die gekreuzten Wasseradern mit einem Reiki - weiß ehrlich nicht um die Schreibweise solcher Heilsbringer und will bei wikipedia will ich nicht "nachschlagen" -, der durch das vorzugsweise Schlafzimmer mit einer Wünschelrute meiner Ex schritt, um dieses herzurichten. Nun, sie war sonst sehr dienlich, aber irgendwie auch immer unausgependelt.

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@Foersterliesel, ihre Einlassung zum Kirchenrauch treibt mir die Tränen in die Augen. Wie günstig kommt die Freude heut daher.

nico

06. November 2009, 20:00

Don, was sagt Ihnen denn die Tatsache, daß jedes Wochenende Millionen Gläubige der Mär eines Lottogewinns anheim fallen.

Im Mittelalter gab es einen Schiffbauer, der Freiwillige aus Gefängnissen zur Lösung der das Schiff haltenden Keile aussuchte und ihnen bei erfolgreicher Arbeit die Freiheit in Aussicht stellte. In der Regel überrollte aber das zu Wasser sausende Schiff den Mutigen. Und bekannt war bis dahin, daß niemals ein Freiwilliger ins traute Heim zurückkehrte, dennoch gab es immer wieder Gläubige. So einfach ist es mit dem Glauben nicht.

Andrea Diener

06. November 2009, 21:44

Don A., ich weiß auch nicht, wo die Mär von der rationalen, überaufgeklärten Welt herkommt. Im Grunde müßte man immer wieder von vorne anfangen.

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Julius, ich habe eine riiiesige Wasserader neben dem Haus. Heißt Main. Erklärt vermutlich alles.

Andrea Diener

06. November 2009, 21:58

missino, so gesehen haben Sie recht. Aber es sind so viele.

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Devin, eine Jugend in schlechter Gesellschaft und ein neuerlicher, auffrischender Besuch in zwei Esoshops (Ayurveda für Hunde! Das gibt es wirklich!) begründen mein esoterisches Wissen. Ich bin mehrfach wirkungslos ge-reikit worden und kann aus erster Hand bestätigen, daß es weniger gegen Rückenschmerzen hilft als ein heißes Bad. Ich bin ja neugierig und schau mir vieles an, sogar Eso-Messen. Außerdem muß man die Gegenaufklärung kennen, um sie wirksam bekämpfen zu können.

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In Sachen gesunder Ernährung kann man es übrigens auch ziemlich weit treiben. Ich habe da mal etwas belauscht:

gig.antville.org/.../1923178

das zeigt das ganze Ausmaß des Wahnsinns.

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nico, das finde ich auch seltsam, daß diese Leute, die dauernd kosmische Harmonie suchen, immer so unentspannt sind. Vielleicht sind sie unter Ihresgleichen sanftmütig wie Schafe und erschrecken nur vor meiner unausgepegelten Aura. Man ist ja so empfindsam.

Devin08

06. November 2009, 23:21

http://www.herold-binsack.eu

Genuss mit Augenmaß

Oh, Sie haben da noch einen privaten Blog, gefällt mir. Sehr weiblich (ich weiß, Sie hören das nicht gern). Und die Straße, August-Bebel, sagt mir natürlich was, ist die nicht da in...? Naja, muss ja nicht jeder wissen, wo das ist! Aber Small Talk beiseite, das ist natürlich wahrlich Realsatire, wie ein Blogteilnehmer feststellte. Und genau so möchte ich meine Position hierzu nicht verstanden wissen. Ich kenne wohl Vegetarier-Sein, meine Mutter war eine, meine Tante, eine frühere Beziehung, ich immer nur mitleidend. Doch sind mir dabei einige wichtige Dinge aufgegangen, wenn man das Thema etwas globaler, und nicht nur bzgl. einer eigenen gesunden Ernährung betrachtet. Dass Fleischkonsum, so wie wir ihn, das heißt die fleischkonsumierende westliche Welt, betreiben, ein Ärgernis für die Welternährung und vermutlich auch für das globale Klima sind, gehört ja mittlerweile zum Allgemeinwissen. Und dass die armen Kreaturen, die da so hingeschlachtet werden, für dieses Privileg, im allgemeinen mies bis obermies behandelt werden, wohl ebenso. Aus diesem Grund und anderen Gründen halte ich Fleisch für kein zeitgemäßes Nahrungsmittel mehr, sehr wohl aber für ein Genussmittel. Eines, dass irgendwann auf dem Verbotsindex stehen könnte. Wie so viele andere Dinge, deren Genuss der Kapitalismus verdorben hat. Und doch bin auch ich Genussmensch, aber dann eher im epukuräischen Sinne. Genießen können, heißt auch verzichten können, Prioritäten haben. Und genau das ist das Problem unserer Fleischkultur, sie ist außer Rand und Band, will heißen: ein einziger Vernichtungsexzess. Im Übrigen halte ich das Geschwätz aus jener Bio-Szene zum Beispiel über „fair trade“ usw. für reine Ersatzhandlung. Anstatt gegen die Ausbeutung und Unterdrückung jener in die Milliarden gehenden Bevölkerung – und deren Lebensraum -  wie auch gegen das sinnlose Massaker an den zum Verzehr gedachten Kreaturen, zu kämpfen (mal abgesehen davon, dass der Genuss selber streckenweise absurd geworden ist, so stinkt die ganze Region um Parma zum Beispiel nur nach Schwein und Gülle - entsetzlich), gönnt man sich sein gutes Gewissen, eingenommen mit einer Tafel Schokolade aus „fair trade“, wenns einem danach ist. Dafür zahlt man auch gerne ein wenig mehr, wenn ansonsten der (Sicherheits-)Abstand stimmt und der Geldbeutel das erlaubt.

swina

07. November 2009, 00:01

... weil ich häßliche Vorurteile gegen Weibliche-Urkraft-Benutzerinnen habe und deshalb keine sein will.

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;-)

miner

07. November 2009, 00:40

Wunderbarer Artikel ! Hin zur profanen Realität ist es meist nur ein kleiner Schritt, den jedoch nicht alle Menschen gehen möchten.

Lieber wird sich in einer Scheinwelt eingeigelt. Das gibt auch so eine Art "Sicherheit".

Was glauben Sie, wieviele, (meist weibliche Akademikerinnen ü 50) mir in meiner vorangegangenen Berufslaufbahn begegnet sind, die steif und fest behauptet haben, dass soeben Wasserhahn und Heizung mit ihnen intensiv gesprochen hätten....so glorreich endet dann eine lange, professionelle, esoterische Laufbahn des Öfteren.

Trouvaille

07. November 2009, 01:10

Bei Leuten, die mal mit Naturwissenschaft in Berührung gekommen sind, ist der Drang zum Esoterischen oft besonders stark. Eine Freundin von mir war mit einem Arzt verheiratet, der sich von der Schulmedizin abwandte. Im Zuge dieser Neuorientierung bestellte er auch einen Wünschelrutengänger, der unheilvolle Wasseradern in ihrer Wohnung im zweiten Stock aufspüren sollte. Der Bestellte Experte  marschierte erst ein wenig ziellos durch die Zimmer und machte schließlich mit heftig ausschlagender Wünschelrute Halt im Bad vorm Wasserkasten des WCs.

Dann machte der Doktor erstmal einen Akupunkturkurs, das hatte einen geringeren Lächerlichkeitsfaktor.

Ich kenne mehrere Kinder von Ärzten, die nur mit homöopathischen Globuli etc. gegen alle Krankheiten therapiert werden und für die Antibiotika der wahrhaftige Gottseibeiuns sind.

Eine Zeitlang versuchte mein Hausarzt mir Medikamente mit der Anpreisung"rein pflanzlich" zu empfehlen. Auf meine Frage" so wie Digitalis, Tollkirschen und Knollenblätterpilze?" gab es dann etwas vernünftigere Erklärungen.

Ich denke, dass es gerade die unlogische Verworrenheit der meisten eso-Lehren ist, die ihnen so treue Anhänger beschert. Man muss gewöhnlich einiges Geld für die Requisiten und für Kurse ausgeben, der Geist wird mit dem Erlernen von allen möglichen Verhaltensregeln beschäftigt, also lässt man das Denken und beginnt zu glauben, damit sich die Investition auch gelohnt hat. Es ist vielleicht nur eine besonders schräge Form der Geldanlage.

Andrea Diener

07. November 2009, 08:44

Devin, da sind wir einer Meinung. Wenn ich die Leute diese ja!-Mortadella aufs Supermarktband legen sehe, denk ich auch immer: Ja was glauben Sie denn, woraus die hergestellt ist? Müssen Sie diesen Scheiß kaufen? Fleisch ist heikel, und wenn ich dem nicht traue, dann ess ichs lieber nicht.

.

Fair-Trade-Schokolade und Kaffee sind allerdings meistens qualitativ besser als das, was sonst so im Supermarktregal liegt. Der Kaffee ist oft die einzige Möglichkeit, langzeitgeröstete Ware zu bekommen, wenn nicht gerade eine Rösterei in der Nähe ist.

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miner, meine Sanitär- und Heizungsinstallationen sind alle wohlerzogen und schweigsam. Irgendwas scheine ich richtig zu machen. Ehrlich gesagt ist mir das Gegenteil auch noch nicht untergekommen, denn zu meinen, äh, untergekommenen Menschen sprechen immer eher Steine und Bäume und andere Landschaftsphänomene. Kontakt zu Gaia und so. Mutter Natur, weibliche Urkraft.

Andrea Diener

07. November 2009, 08:51

Trouvaille, die Bekehrten sind immer die schlimmsten Eiferer. Ich habe wenig gegen pflanzliche Wirkstoffe, mein Apotheker stellt einem im Erkältungsfall auch immer eine Tüte Salbeitee hin, anstatt die Hämmer zu verschreiben. Das ist ja grundvernünftig. Die Vernunft hört bei mir genau da auf, wo der Wirkstoff nicht mehr nachweisbar ist. Da wird es dann wirklich esoterisch, weil nicht nachweisbar ist, wie Kastanien jetzt eigentlich schwingen. Aber vermutlich ist das wirklich das starre Regelgerüst, das Sicherheit gibt. Es gibt eine ganze Menge Leute, die genau das wollen und suchen und dadurch Läuterung/Reinigung/Entschlackung anstreben. Ein bißchen Einschränkung, aber dafür ist man innerlich irgendwie sauberer als der Rest der Menschheit, das gibt so ein erhabenes Gefühl.

HansMeier555

07. November 2009, 08:54

Die Hexerei ist heute auch nicht mehr das, was sie einmal war. Von allem, was Frau Diener da erwaehnt, geht so ein miefiger Geruch aus von Renter-Kaffeefahrten, Volkshochschulen und Haschpfeifenlaedchen.

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Kann mir denn niemand sagen, wie man Liebestraenke mixt und Freikugeln giesst?

Fleissiger Student

07. November 2009, 09:35

Frau Diener ich finde sie sehr sexy!

Barocke Hörerin

07. November 2009, 09:50

Ich muss zugeben: In einem anderen Jahrhundert (ich meine ganz profan das Zwanzigste, nix Reinkarnation) habe auch ich für einige Jahre mit Pendel und Tarotkarten gelebt. Meinen Kartoffelsalat habe ich allerdings ohne gegessen...

Die stets milde lächelnden Esoterik-Frauen und Männer, die ich für meine Freunde hielt, wurde allerdings recht schnell recht ungemütlich, um nicht zu sagen zynisch, als ich in eine schwere gesundheitliche Krise geriet und konkrete Hilfe braucht, statt Bemerkungen wie "das muss dein schlechtes Karma sein". Wobei: Gerade in Fällen, in denen die wissenschaftlich fundierte, als "Schulmedizin" verächtlich gemachte Medizin nicht wirklich helfen kann, ist die Gefahr, diversen esoterischen Scharlatanen in die Hände zu fallen, besonders groß. Je größer die Verzweiflung, desto mehr wird der eigene, kritische Verstand ausgeschaltet. Und das ist ja denn auch wieder zu verstehen. Helfen tut es trotzdem nicht und viel Geld kostet es auch.

Tobias

07. November 2009, 15:16

http://www.weitergen.de

Ganz groß, Andrea Diener!

wenn jetzt noch ein paar Esoteriker hier aufschlagen gehts rund, dass einem die Chakren schlackern.

Foersterliesel

07. November 2009, 16:43

Nun, die Ratioresistenz der Frauen hat schon auch was von resistence. Meine Mutter pflegte zu sagen, ältere Damen mit Geld sollten sich von Ärzten fernhalten, und ich kann mir eine ganze Reihe chirurgischer Interventionen, oder besser gesagt Moden, von denen vor allem die besseren Damen bedroht waren, in Erinnerung rufen: Auflegen von Radium bei Mandelentzündung (bei späterer Krebsfolge) in den Zwanzigerjahren, Totaloperation von Uterus und Ovarien im Klimakterium in den 60ern (worauf die Armen, die nicht arm waren, verwelkten wie ungegossene Zimmerpflanzen, die Hormonsubstitution war noch nicht üblich), von der operativen Schönheitspflege gar nicht erst zu reden.

Rosenquarzenglein, Aurasprays, und Tarotkarten sind da doch harmloser. Überdies wurden immer Karten gelegt: geht die Patience auf, ja oder nein, liebt er mich, liebt er mich nicht ?

Am besten alterten jene, die bei Kräutertee, Melissengeist und gehacktem Knoblauch in Olivenöl (sie rochen trotzdem nach Knoblauch) blieben und ihr

Geld dazu verwendeten die alten Bilder für die Erben noch mal restaurieren zu lassen und für gute Zwecke zu spenden.

colorcraze

07. November 2009, 21:55

Danke!!! Zwar scheint mir sich das Gehumse etwas verlagert zu haben, will sagen, ich muß nun einige Minuten weiter laufen als vor 10 Jahren, um auf den ersten Humbug-Laden zu treffen, vorhanden ist es gleichwohl noch. -

Habe mich heute sehr amüsiert über die britischen Homöopathen, die aus der Berliner Mauer ein Wässerchen hergestellt haben, das einige Briten wohl anregte, sich "deutsch einzufühlen". -

@forsterliesel: ich nannte das für mich immer "das Privatpatientenproblem": man bekommt eben Unnützes aufgeschwatzt, wenn man für einen größeren Geldbeutel bekannt ist.

Alter Bolschewik

07. November 2009, 22:05

Ich lebe ja leider in einer kleinen, dummen Stadt, die als Esoterikhochburg gelten kann. Hier gibt es sogar ein Stadtviertel, in dem diese geballt auftreten. Die CDU ist dort mit 7% eine Splitterpartei, während es "Die Violetten", die Partei für "spirituelle Politik", auf immerhin beachtliche 1,4% bringen - und so wenig sind es nur, weil die Leib- und Magenpartei der Esoteriker, die Grünen, über 50% liegen. Als meine Geliebte noch in der Nähe dieses Viertels wohnte, haben wir gelegentlich unseren Abendspaziergang dorthin gelenkt, um uns über die Aushänge und Plakate zu amüsieren - wir wurden nie enttäuscht.

 

Entsprechend sieht es bei den Ärzten in unserer Stadt aus. Ich habe mit meinem Hausarzt ein Gentlemens-Agreement: So lange ich nicht ernsthaft krank bin, darf er mir Globuli mitgeben, die ich dann nehme, weil er daran glaubt. Sobald ich aber wirklich krank bin, hat er mir Antibiotika oder ähnliches zu verschreiben oder mich zu einem Spezialisten zu überweisen. Das klappt eigentlich ganz gut und wir sind beide zufrieden.

 

Der Spott über die Homöopathie ist übrigens so alt wie diese "Heil"-Methode selbst. Paul Féval hat sich schon 1856 in seinem wirklich sehr netten Roman "La Vampire" über die Homöopathie und deren Erfinder Samuel Hahnemann lustig gemacht. Was aber der Ausbreitung dieses medizinischen Aberglaubens keinen Abbruch getan hat.

 

Dieser Esoterik-Quatsch ist meines Erachtens ein Symptom des zunehmenden Verfalls organisierter Religion. Der Mitgliederschwund der Kirchen ist leider kein Indiz für eine zunehmende Säkularisierung, sondern, im Einklang mit der allgemeinen Individualisierung, einer Privatisierung religiöser Bedürfnisse. Für jemanden, der wie ich keinerlei derartige Bedürfnisse hat, bleibt dafür nur die Erklärung Freuds:

 

"Für die religiösen Bedürfnisse scheint mir die Ableitung aus der infantilen Hilflosigkeit [...] unabweisbar, zumal da sich dies Gefühl nicht einfach aus dem kindlichen Leben fortsetzt, sondern durch die Angst vor der Übermacht des Schicksals dauernd erhalten wird. [...] Bis zum Gefühl der kindlichen Hilflosigkeit kann man den Ursprung der religiösen Einstellung in klaren Umrissen verfolgen. Es mag noch anderes dahinterstecken, aber das verhüllt einstweilen der Nebel." (Das Unbehagen in der Kultur)

Alter Bolschewik

07. November 2009, 22:33

So geht's natürlich auch: www.youtube.com/watch

HansMeier555

07. November 2009, 22:48

Wenn nur die Gerichtsmedizin nicht auf Ayurveda-Methoden umsteigt.

HansMeier555

07. November 2009, 22:53

Das beste Mittel gesund zu bleiben ist all der Blödsinn, den man läßt: Zum Beispiel im November mit offenem Verdeck über Alpenpässe zu fahren.

Andrea Diener

07. November 2009, 23:36

Barocke Hörerin, das ist es ja. Wenn man nur einen Schnupfen hat, fällt es leicht, sich von der Schulmedizin abzuwenden. Aber was ist bei Beinbruch, Niereninsuffizienz und Darmkrebs? Wer da nur Steine legt und Räucherwerk abbrennt, dem ist nicht mehr zu helfen. – Wobei, Foersterliesel, Sie natürlich recht haben, daß blinder Gehorsam gegenüber dem Herrn Doktor auch nicht weiterhilft. Aber in welchen Lebenssituationen hilft blinder Gehorsam je weiter?

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Tobias, bislang noch kein Esoteriker weit und breit.

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colorcraze, das mit den britischen Homöopathen ist nicht wahr, oder?

Barocke Hörerin

07. November 2009, 23:58

Die Esoteriker haben es nicht so mit dem Diskutieren, sie sind nach meiner Erfahrung zumeist eher denkfaul. Wer ihre "höheren Weisheiten" nicht versteht, ist eben noch nicht soweit. Schon deshalb halte ich es eher für unwahrscheinlich,, dass hier jemand aus dieser Ecke auftaucht. Das Pendel würde bestimmt nein sagen...

Was mich überrascht: Ist dieses Gedankengut wirklich noch so verbreitet? Ich hatte das eher unter Zeitgeist der Achtziger Jahre abgebucht. Haben die meisten Leute heute nicht andere Sorgen, als Wasseradern unter dem Bett aufzuspüren?

nico

08. November 2009, 09:24

@Barocke Hörerin, genau so ist es. Ich habe eine Bekannte, die seit ca. 40 Jahren ein Geschäft für Esoterika und Asiatica in einem weltweit bekannten Stadtviertel betreibt. Nie lief es so schlecht wie heute.

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Gestern las ich die „Geschmackssache“ von Jürgen Dollase, der wie immer mit analytischer Beobachtung schreibt. Er war in Paris bei Alain Paasard in dessen 3 Sterne-Tempel. Thema: Ihm fällt nur Gemüse ein. Dieses Etablissement gelte als Wahlfahrtsort unter Kennern. Sicher hat er Recht damit. Nun, bei Wahlfahrtsort fällt mir dann allerdings nicht der nach Sinnes- und Lebenslust im provenzalischen Stil strebende Genießer ein, sondern der auf Demut, Hingabe, Selbstkasteiung und innerlicher Reinigung bedachte Gläubige, der im Trott mit anderen seine Erfahrungen machen will – und sich dabei einiges bieten zu lassen bereit ist. So schreibt auch Dollase. 3-Sterne-Tempel heißt eben auch Glauben, denn was täte man in einem solchen, wenn nicht den Götzen huldigen.

Bei Tempel fällt mir überdies der Bhagwan ein, der seinerzeit das eingesammelte Geld von seinen Sannyasin in britische Karossen Marke Rolls-Royce – zig Stück in allen Himmelsfarben - investierte. Auch das war in den Achtzigern.

Alter Bolschewik

08. November 2009, 11:22

Barocke Hörerin, wenn ich das richtig sehe, sind die Wasseradern unterm Bett inzwischen durch Handystrahlen bzw. "Elektrosmog" abgelöst worden. Die Art der Strahlung wechselt, die Strahlen selber bleiben...

Andrea Diener

08. November 2009, 11:38

Barocke Hörerin und Nico, die Zahlen, die ich oben verwendet habe, sind von 2005 bzw. 2007, also so veraltet nicht. Mit etwas Googleei findet man häßlich aktuelle Forsa-Studien darüber, an welchen Humbug Menschen glauben. Eventuell tun sie das auch zunehmend privater und mit weniger Bereitschaft, sich dafür teures Zubehör zu kaufen. Und Bach-Blüten gibt es ja in der Apotheke. (Andererseits hält sich der innenstadtnahe Eso-Shop überraschend hartnäckig.)

nico

08. November 2009, 13:01

@Alter Bolschewik, ja, mit den Handystrahlen eine schöne Weisheit, wohl war. Mit amazon`s kindle dann noch beim Lesen auf dem Bett. Rundumstrahlung sozusagen. Es ist wie in der Politik: die Tröge sind die Strahlen und die Schweine ist die Art. Könnte man das sagen?

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Sie haben natürlich Recht, Frau Diener, vieles hält sich hartnäckig unter Oberfläche oder wird gar unauffällig ersetzt. Heute glaubt man, oder besser glaubte man, den Gewinnversprechen der Finanzoptimierer - aber auch hier kehrte Ernüchterung ein. Damit will man dann lieber nicht nach außen.

reichundgesund

08. November 2009, 13:32

Sorry, Frau Diener, was Sie hier geliefert haben, ist billigster Mainstream. Das könnte genauso gut in der Brigitte stehen!

Barocke Hörerin

08. November 2009, 13:52

Nachdem ich jetzt ein wenig nachgedacht habe: In gewisser Weise passt die Esoterik doch auch wieder oder immer noch in die Zeit. Mir fallen dazu die Stichworte "Selbstoptimierung" und "Entsolidarisierung" ein. Anders formuliert: Wenn ich selber richtig esse, meditiere, mit meinem Schutzengel spreche oder was auch immer, werde ich schon nicht krank, arm oder arbeitslos auch nicht. Was kümmert mich da die Entwicklung der Kranken- und Pflegeversicherung oder die Bankenkrise. Es fällt mir allerdings schwer zu glauben, dass man solche Illusionen auf Dauer aufrecht erhalten kann. In gewisser Weise wäre dann Esoterik nur etwas für Privilegierte und Leute, die bisher einfach Glück hatten.

Andrea Diener

08. November 2009, 14:02

Ja, die böse Elektrik, die schlimme Technik, die entfremdet uns regelmäßig von unseren wahren Wurzeln und fügt uns unsichtbare Schäden zu. Und die Schulmedizin ist ihre kleine Schwester.

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Barocke Hörerin, ich befürchte ja ehrlich gesagt einen Anstieg esoterischen Quatsches. In kalten Zeiten wärmt sich die Seele gern an heilsbringendem Blödsinn. Natürlich haben die Menschen andere Sorgen, aber die wollen sie ja gerade vergessen, von denen wollen sie sich ablenken (das mach ich auch, nur anders). Das wäre ja etwas ganz neues, wenn Menschen ihre Sorgen mit nützlichen Lösungsstrategien angingen. Lieber Steine legen und Engel anbeten und hoffen, daß das Problem von alleine weggeht.

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(Ah, die Brigitte, bildungsbürgerliche Lieblingsdiffamierungsstrategie Nr. 1.)

Entenquak

08. November 2009, 16:03

Sie subsumieren Buddhismus unter Esoterik. Zumindest der Buddha selbst hat sich zeitlebens abfällig über magische Praktiken geäußert. Das hindert natürlich keinen Esoteriker sich auch auf Buddha zu berufen genausowenig, wie sich des Vokabulars der modernen Physik (Energie!, Schwingungen!) für seine inneren Wallungen zu bedienen.  Was nix über Physik oder Buddhas Lehren, aber viel über Esoteriker aussagt.

Die Sache wird noch schwieriger dadurch, daß zu Buddhismus auch Richtungen gezählt werden, die mit der ursprünglichen Lehre (Theravada) nicht mehr sehr viel gemein haben.

Foersterliesel

08. November 2009, 16:08

Um wirksam - im Guten wie im Schlechten - zu sein, müssen die Substanzen nicht in Kaffeelöffelquantität verabreicht werden, man denke da nur etwa an die Hormone. Deswegen kann an der Homöopathie durchaus was dran sein und wenn es nur die Placebowirkung sei. Außerdem heilt die Person des Arztes, seine Anteilnahme und Zuwendung tun uns gut, schnelles Abgefertigtwerden hingegen kränkt uns. Oft ist die ärztliche (und früher war es auch manchmal die priesterliche, seelsorgerische) Zuwendung die einzige, die alternden Frauen noch bleibt.

Waren die Leute früher von Hunger, unbehandelbaren Unfallfolgen und Infektionskrankheiten bedroht, so haben heutige Lebensformen auch ihren gesundheitlichen Preis, wie die moderne vergleichende Medizinstatistik zeigt.

Ayurvedische Behandlungen, die auf Empirie von 1000 Jahren beruhen, sind sehr effizient bei chronischen Ablagerungskrankheiten, das ist medizinisch nachweisbar. An Ayurveda für Hunde mag ich nicht so recht zu glauben, weil Ayurveda starkschmeckende Gewürze einsetzt, die Hunde nicht mögen und die ihnen  schlecht bekommen. Allerdings, da sie mit uns leben, wollen sie "im Rudel" mitfuttern was die Menschen essen und verschlingen auch Gewürztes und Süßes, was manche von ihnen dann als Diabetiker enden läßt.

Julius

08. November 2009, 17:39

Das mit dem Main ist die beste Antwort auf die Wasseradern-Esoteriker! Danke für den Tip!

Julius

08. November 2009, 17:42

@ reichundgesund: Mainstream? In Frankfurt am Main? Was denn sonst? Die große Wasserader dort ist nun mal - erste Anwendung der köstlichen Antwort auf Dummies - der Mainstream.

unellen

08. November 2009, 18:27

Ha, nix gegen die Brigitte! Die müssten eigentlich viel mehr Frauen unterstützen, haben sie sich doch als einzige "Frauenzeitschrift" jetzt mal wirklich gegen den Magerwahn gestellt und setzen für die Modefotostrecken nur noch Frauen mit normalen Maßen und keine Size-0 Skelette ein...

*sorry fürs OT*

Mich erstaunt aber auch öfter, was Leute immer noch für einen Unsinn glauben, ich kenne eine (sogar eher junge!) Frau, die allen Ernstes ihre Pflanzen nicht gießt wenn sie menstruiert, weil sie fest davon überzeugt ist dass diese dann eingehen.

Andrea Diener

08. November 2009, 20:21

Entenquak, die Buddhafigürchen da oben haben mit Buddhismus vermutlich ähnlich viel zu tun wie die Rosenquarz-Schutzengel mit dem Christentum. Ich käme nie auf die Idee, Buddhimus unter Esoterik zu subsummieren, aber natürlich bedient sich die Esoterik in bewährter Baukastenmanier der einschlägigen Symbolik.

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Forsterliesl, den Placebo-Effekt würde ich nicht unbedingt als Beleg für die Wirksamkeit einer Therapie heranziehen. Normalerweise führt man den ja durch, um zu beweisen, daß ein Medikament *wirksamer* ist als das Placebo.

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unellen, das nenne ich mal kräftige Überschätzung der eigenen weiblichen Urkraft.

Barocke Hörerin

08. November 2009, 21:31

Richtige Esoteriker würde wahrscheinlich der Schlag treffen, wenn sie die Glasschale auf meinem Wohnzimmertisch sähen. Dort befinden sich nämlich in kunterbunter Mischung eine Reihe von schön polierten Halbedelsteinen, die ich manchmal gerne in die Hand nehme und anschaue. Es sieht fast aus wie eine Bonbonschale, nur ohne Kalorien... Eine esoterisch angehauchte Bekannte warnte mich jedenfalls eindringlich, als sie die Schale sah. Schließlich hätte all diese Steine eine "Energie", die nun im wilden Durcheinander auf mich einströmte. Das sei sehr ungünstig, um nicht zu sagen gefährlich. Was soll ich sagen, ich lebe noch...

Foersterliesel

08. November 2009, 21:34

Liebe Frau Diener,

ja, danke für die Richtigstellung; ich habe mich ungenau ausgedrückt und meinte eigentlich, daß auch eine unwirksame Medikation (z.B. :Berliner Mauer, hoch verdünnt) wirken könne, weil Homöopathen sich für die Anamnese viel Zeit nehmen, Fragen stellen (z.B.:wie träumen Sie?) und dieses ärztliche Interesse bereits heilt.

Hochgiftige Pflanzen (z. B. Aconitum, Eisenhut) können homöopathisch risikolos verabreicht werden, ungiftige eben auch einfach als Tee. Bei Berliner Mauer und bei Schwanenfederchen würde ich auch nein sagen.

commodum

09. November 2009, 00:21

Klar, der Brigitte-Vorwurf von reichundgesund lädt natürlich zur antibildungsbürgerlichen Replik ein. Aber mal ehrlich: Dieser Artikel ist nun wirklich weder besonders originell noch übermäßig geistreich. Alles nach dem hübschen Kartoffelsalat-Aufhänger ist ja doch eher lieblos zusammengegoogled. Und ja: Das ist in der Tat langweiliger mainstream (bitte ersparen Sie mir eine Neuauflage Ihres Wasseradernwitzes).

Manni1000

09. November 2009, 04:07

also ich fand den mit der wasserader (und den gesamten blog (wiedermal)) echt gut  !! -- war ja auch kein witz  ;-)

eine sehr gute und intime freundin meinerseits verstarb vor jahren an brustkrebs (erblich bedingt). sie war eine ausgebildete psychologin (staatl. geprueft, mit allen diplomen), praktizierte aber eher "alternative" heilmethoden und arbeitete mit chakren, kristallen, musik udgl. -- ihr haben ihr wissen und ihre heilkraft letztendlich nicht geholfen, aber ich bin ein lebendes beispiel dafuer, dass sich die grossflaechigen und tiefen schuerfwunden, die ich mir bei einem motorradunfall zuzog und die durch ihr "handauflegen" behandelt wurden, schneller und vor allem unsichtbarer verheilt sind, als die bei denen sie das nicht gemacht hat. -- bei verschiedenen spaziergaengen durch das nbg. umland machten wir auch an best. punkten halt und "spuerten" die kraftfelder die von einem stein oder baum ausgingen. --zugegeben, ich habe nix gespuert. genausowenig konnte ich vorletzte woche mit zwei drahtkleiderbuegeln wasseradern finden, ABER andere "konnten es" und die kleiderbuegel "schlugen an", d.h. sie drehten sich in der hand der wuenschelruten-gehenden person, ohne dass diese wissen konnte wo wasserleitungen verliefen. (der gleiche versuch schlug fehl auf dem eigenen grundstueck dieser person, wo wir mit ebendieser methode wasserleitungen finden WOLLTEN....)

inzwischen weiss ich dass "der glaube berge versetzt", welcher ist egal.

richtig/falsch kann und sollte nur jeder fuer sich selbst herausfinden.

AMS

09. November 2009, 08:36

Genau das ist der springende Punkt. Sehnsucht nach Reinheit, Perfektion, Ordnung. In einer Gesellschaft die unsere christlichen Werte - die seit Jahrhunderten Orientierung gaben - mehr und mehr verwässert, sucht der Einzelne in pseudoreligiösen Programmen und Lehren, etwa bei denen der  Esoterik, nach Ersatz, um die Sehnsucht nach Sicherheit und Ordnung irgendwie wieder ins Lot zu bringen. (Auch im Buddhismus und Hinduismus etc. befragt man Gottheiten und lebt in ständiger Angst und Unsicherheit  „wie das Pendel wohl ausschlägt“.)

In der christlichen Lehre, die sich auf Gottes Wort gründet, muss der Mensch vor Gott  seinen Zustand bekennen: sündig! Wir erhalten Vergebung, inneren Frieden  und ewiges Leben (Joh. 3,16).

Das Angebot der Liebe Gottes wird in dieser puristischen Einfachheit nicht mehr gelehrt und geglaubt, weil die Kirchen beliebig geworden sind - wenn nicht bereits verstummt -  und die moderne  Gesellschaft einem Mainstream folgt bei dem es nicht mehr sexy ist an so etwas zu glauben.

Barocke Hörerin

09. November 2009, 09:29

@reichundgesund, commudum: Bitte klären Sie uns auf: Was genau meinen Sie denn mit ihrer Kritik, Frau Dieners Artikel sei "langweiliger mainstream auf Brigitte-Niveau"? Die Zeitschrift Brigitte kenne ich nur vom Sehen und auch vom "mainstream" halte ich mich weitestgehend fern. Andererseits habe ich als junge Frau einige Jahre in der Esoterik-Szene gelebt und kann an dem Artikel nichts Falsches oder allzu Oberflächliches finden - und gegen ein bisschen Polemik habe ich nichts einzuwenden.

Mit Verlaub: Ihre allzu pauschale Kritik klingt ein wenig nach dem sattsam bekannten Esoterik-Argument: "Wer es nicht ausprobiert hat, kann es auch nicht beurteilen". Ich halte das für grundfalsch. Im Gegenteil kann ich alle nur beglückwünschen, die sich von vorne herein von dieser Ideologie, die keine sein will, fernhalten. So harmlos, wie es auf den ersten Blick scheint, sind nämlich vor allem die Psycho-Techniken der Esoterik ("Chanelling" etc.)keineswegs.

commodum

09. November 2009, 11:05

@ Barocke Hörerin: Mir geht es gar nicht darum, irgendwelche esoterischen Praktiken zu verteidigen. Ob sich jemand mit Bach-Blüten beträufelt oder stattdessen lieber zur Chemiekeule greift, ist mir völlig einerlei. Ich lese Frau Dieners Artikel ja aber auch nicht, um mir Ratschläge für die Behandlung meiner Pollenallergie zu holen. Vielmehr erhoffe ich mir jeweils ein kleines sprachlich-intellektuelles Feuerwerk. Und dieser Artikel löst diese Erwartung für mich nicht ganz ein, weil er zu sehr an sattsam bekannten Klischees klebt.

Andrea Diener

09. November 2009, 12:11

AMS, der Kirche ist zugute zu halten, daß sie nicht vorgibt, Krankheiten heilen zu können. Wer mit Magenbeschwerden zum Pfarrer kommt, wird zum Arzt weitergeschickt, das ist bei vielen Esoteriktypen eben anders. Im Namen des ganzheitlichen Anspruchs, nach dem alles mit allem zusammenhängt, ist man ja praktisch immer zuständig.

.

Commodum, das sei Ihnen unbenommen. Ich kann es hier nicht jedem immer recht machen, zu verschieden sind die Hintergründe, das Wissen und auch der Humor der Leser. Ich hoffe, Sie kommen ein anders Mal wieder mehr auf Ihre Kosten.

unellen

09. November 2009, 12:41

jaja, die harm- und wirkungslosen "Bach-Blüten" auf der einen und die böse "Chemiekeule" auf der anderen Seite.

@commodum: Probieren Sie doch mal gegen die Pollenallergie die böse schulmedizinische Hyposensibilisierung, die hilft oder lindert wenigstens nachweislich (kann ich selbst bestätigen, mein Heuschnupfen ist jedenfalls weg. Ist natürlich kein Wirkungsbeweis).

@AMS: Hmm, die Liebe Gottes. War die auch bei diesem Fall mit im Spiel?

de.wikipedia.org/.../Alicia_Tysiac

Da bin ich froh, dass Gottes weltliche katholische Vertreter in Deutschland nicht mehr so einen großen Einfluss haben... dann lieber "beliebige Kirchen".

...

was diese Religionsgeschichte angeht: Ich selber halte Humanismus ja für einen guten Religionsersatz. Aber der reicht vermutlich nur für das Ethische und befriedigt nicht den Drang zum Spirituellen (obwohl ich simple Meditation für einen guten Ersatz halte, die kann ja ganz schnöde selbstzentriert passieren. Aber Spiritualität und Esoterik sind ja auch zwei verschiedene Dinge). In meinem persönlichen Umfeld sehe ich übrigens ganz stark den Trend, diverse Ernährungsformen in den Rang einer Ersatzreligion zu erheben (eine Bekannte prophezeite mir gar den baldigen Tod, da ich abends Kohlenhydrate zu mir genommen habe.) Wie im Kartoffelsalat-Pendel-Beispiel schön gezeigt werden Ernährung und Esoterik eh gerne mal miteinander verquirlt...

Ariadne

09. November 2009, 12:59

@ A.D. Danke für diesen wunderbaren Beitrag. Jetzt weiß ich auch endlich, was dieses Bachblüten-Zeugs ist...Ich hatte bisher geglaubt, dass sei so eine Art Badezusatz.

Mich faszinieren diese Astro-TV-Shows. Das sitzen meist ziemlich unansehnliche und leicht übergewichtige Damen mittleren Alters mit schlecht gefärbten Haaren (in der Regel Schuhcremschwarz), vor sich auf dem Tisch einen Plastikfigur, die einen Engel darstellen soll murmeln bedeutungsschwer vor sich hin. Und es gibt tatsächlich Leute, die dort anrufen um sich von diesem Engel die Zukunft voraussagen zu lassen oder Wünsche zu bestellen... Soll man da lachen oder schon Mitleid haben?

Holzi

09. November 2009, 13:28

http://PhantaNews.de

Ich bin allerdings der Ansicht, dass man die staatlich forcierten und gesellschaftlich anerkannten Esoterik-Varianten namens "christliche Kirchen" genau so betrachten kann, darf und sollte, wie die oben beschriebenen Spielarten. Der Unterschied zu Kartoffelsalatpendlern und Horoskop-Fetischisten ist bei näherer Betrachtung nämlich nonexistent, gelle? :o)

Foersterliesel

09. November 2009, 14:54

Die Esoterikwelle kritisch zu besprechen halte ich für durchaus verdienstvoll.

Natürlich gehen von ihr auch Gefahren für unbedarfte Ratsuchende aus: Channeling, Divination und  Psychotechniken die auch in Vertrieb und Marketing Anwendung finden, sind durchaus so etwas wie Alltagsokkultismus, nämlich etwas das undurchschaut wirkt und nicht zum Nutzen des Hilfesuchenden ist, sondern Hilflosigkeit ausnutzt und leider des öfteren dauerhafte Abhängigkeiten schafft. Ähnliches kann auch in durchaus seriösen und anerkannten Therapien passieren, eben immer dann, wenn regressive Situationen nicht gelöst und Ichfunktionen delegiert werden.

Darüberhinaus aber gibt es eben diese rosarote Englein-Seite der Esoterikwelle, die leistet, was früher Rosenkranz und Verehrung der Schutzmantelmadonna bewirkten und in anderen Kulturen die Grüne Tara und andere Devas: eine Aktivierung des primären Narzißmus, jener tiefen Erinnerung aus jeder (halbwegs glücklichen) Kindheit, da

wir Mutters behüteter und beschützter Augapfel waren (was uns später dann zeitweilig verdammt auf den Keks gehen sollte) der von dieser Muttermacht geschützt war. Symbole und Bilder helfen uns in Belastungs-und Krisensituationen diese emotionale Reserve zu aktivieren.  

zonebattler

09. November 2009, 14:58

http://www.zonebattler.net

@Don Nutella

 

Sie hatten oben einen banalen Buchstabendreher in Ihrem non-breaking-space.

 

Mit   statt &nsbp; gelingt die punktlose Leerzeile

 

gänzlich

 

unesoterisch! ;-)

Sanneherzchen

09. November 2009, 14:59

Jedem seine Meinung...

....ob pendeln, Karten legen, meditieren, etc., wem's hilft oder besser gesagt: Wer es braucht....

Ich persönlich, aus Erfahrung sprechend, habe des esoterischen Glauben den Rücken gedreht und mir geht seitdem viel besser!!

Also, leben und leben lassen!

Der Beitrag von Frau Diener absolut klasse! Daumen hoch!!

Liliane Bergwiesel

09. November 2009, 19:35

Liebe Frau Diener, wenn ich Ihre Deutschlehrerin wäre, würde ich Ihnen eine Eins Plus für diesen kreativen und humorvollen Aufsatz geben. Falls Sie uns jedoch hier fundiertes Wissen mit Kartoffelsalat servieren möchten, würde ich lieber das ayurvedische Hundefutter probieren, da sind eventuell mehr Vitamine drin. Wenn Sie etwas gegen Esoterik haben, dann können Sie natürlich schreiben was Sie wollen. Falls Ihr Artikel jedoch irgendetwas beweisen soll oder will, dann fehlen konkrete Details, logische Zusammenhänge, Gegenargumente und Begründungen. Ihr Artikel ist relativ unausgegoren, eine sprunghafte Zusammenstellung mehr oder weniger wirrer Beispiele, die im Prinzip nicht viel aussagen und in gewisser Weise esoterischen Praktiken nicht unähnlich sind. Auf humorvolle Weise scheinen Sie sich extrem über Esoterik zu ärgern. Daraus schliesse ich unverschämterweise, dass die Esoterik Sie bereits fest im Griff hat, denn die negativen Nebenwirkung treten in Ihrem Artikel bereits deutlich hervor. Therapievorschläge kann ich Ihnen leider nicht machen. Ich wollte es nur mal gesagt haben, weil ich gerade Zeit habe, ein paar Zeilen in den Raum bzw. ins Internet zu stellen. Das ist ja heutzutage modern. Jedenfalls habe ich herzlich über Ihren Artikel gelacht, und da Lachen bekanntlich gesund ist, hat er also seinen Zweck erfüllt. Obwohl...das mit dem gesunden Lachen - geht das womöglich schon so ein bisschen in Richtung Esoterik? Huch! ;-)

Andrea Diener

09. November 2009, 21:37

Frau Bergwiesel, beweisen oder belegen kann ich in einem Artikel leider gar nichts. Das muß ich schon der Wissenschaft überlassen, die hat dafür ihre Methoden entwickelt. Ich kann mich ja auch hinstellen und behaupten, Streuselkuchen helfe gegen Schweinegrippe – so, und jetzt widerlegen Sie das!

.

Holzi, wie gesagt, die meisten Kirchen haben mittlerweile akzeptiert, daß es neben ihnen noch so etwas wie Wissenschaft gibt. Glaubenssysteme, die das nicht akzeptieren, werfe ich gern in den Esoteriktopf. Dieses ganze Kreationistengedöns etwa oder sonstige schlimme Auswüchse. Zum Glück gibt es heutzutage in diesem unserem Land nur noch wenige kirchliche Eiferer, aber wenn man mal einem richtigen Ernährungsfanatiker begegnet, meine Herren, da ist die Inquisition ein comfy chair dagegen.

Remington

09. November 2009, 22:50

http://remington.twoday.net

Ts...Und ich dachte, ne Bachblüte wäre ne gefälschte Kantate von dem Kirchenmusikus...

Sandra Streit

10. November 2009, 05:07

Man nehme eine große Portion Vorurteile verrühre sie gut und bringe sie mit Hilfe es in drittklassigen Fernsehsendungen aufgeschnappten "Fachjargons" zu Papier. Et voilà, fertig ist der Artikel. Schade um die damit verschwendete Zeit ...

saxana

10. November 2009, 10:55

http://saxanasnotizen.blogspot.com

Wieder meisterhaft geschrieben, aber der Inhalt passt irgendwie nicht. Ich lese dich trotzdem weiter, täglich.

boreer

10. November 2009, 11:23

Für das moderne Leiden der Ernährungsfanatika gibt es ja mittlerweile eine eigene Bezeichnung : Orthorexia nervosa; wobei auffallend viele Zeitgenossen/innen die damit zu tun haben auch in der Esoterikszene verwurzelt sind. Jede Zeit hat offenbar ihre besonderen vermeintlichen Krankheiten. Mitte des 19. Jahrhunderts erkrankten viele Damen die mit der Eisenbahn fuhren am „Delirium furiosa“. Heute gibt es dafür die bösen Strahlen. Tja das Nervensystem eines jeden Menschen ist immer wieder besonderen Herausforderungen ausgesetzt. Da ist es schon besser den Kartoffelsalat auszupendeln bevor man noch krank wird.

Ich hab mich jedenfalls köstlich amüsiert. Danke Frau Diener!

Andrea Diener

10. November 2009, 12:05

boreer, ich muß auch immer an die Damen des 19. Jahrhunderts denken mit ihren ganzen nervlichen Überreizungen und Hysterien, die regelmäßig aber nur die filigranen Exemplare der Oberschicht befielen, woraufhin diese erstmal wieder ausführlich kurten. Und die Esokrankheit befällt besonders gern Akademikerinnen, ich gebe es ungern zu, ich bin besonders gefährdet, und gerade in meinem Alter. Jetzt müßte das irgendwann kommen, daß ich diese Leere spüre und Disharmonie und den Drang, mich mit Rudolf Steiners Schriften zu beschäftigen. Oder ich kaufe mir eine Zentrophanmühle für mein eigenes Dinkelmehl.

unellen

10. November 2009, 12:56

@boreer: Richtig, böse Strahlen und Energien überall... und die allgegenwärtige Übersäuerung! Und Verschlackung!

Fast vergessen: Negative Informationen, die lauern überall. Aber dafür gibts ja zum Glück Abhilfe:

www.myaqua.de/.../Wasserbelebung:::2_10.html

wenn ich Wasser wäre würde ich bei dem Design dieses tollen Platzdeckchens (runterscrollen) ja erst recht und extra missgelaunt und ungeordnet werden, da könnte der Trinker noch so oft "Liebe" und "Dankbarkeit" sagen:

www.wasser-hilft.de/wasser_informieren.htm

ich frage mich immer warum mir sowas nicht einfällt - aber wahrscheinlich würde ich mich zu sehr schämen, mit der Dummheit anderer Leute Geld zu verdienen (bin gespannt auf die ganzen Kommentare von Leute, die jetzt kommen die steif und fest behaupten dass es ihnen viel besser geht seitdem sie "belebtes" Wasser trinken...)

@Andrea Diener: Streuselkuchen (zählt auch Apfelstreuselkuchen) gegen Schweinegrippe, geht das auch prophylaktisch? In dem Fall würde ich nämlich ein Blech backen und jeden Tag ein großes Stück davon verspeisen :-)

Barocke Hörerin

10. November 2009, 13:03

Dinkelmehl? Rudolf Steiner? Bloß nicht. Bei Anfällen "innerer Leere" empfehle ich wahlweise Bach (alles), Charpentier (auch alles) oder auch Haydns Streichquartette. Hilft immer - mir jedenfalls.

Andrea Diener

10. November 2009, 13:44

unellen, Sie ahnen gar nicht, wieviel besser es mir geht, seit ich regelmäßig Kuchen esse. Und wenn die Eintracht gewinnt, strahlt mein Konditor besonders positiv, da ist jede Kraftpyramide ein Dreck dagegen.

Don Ferrando

10. November 2009, 14:15

Werte Frau Diener,

die Streuselkuchentheorie gefällt mir allerbest!!

Ob auch Frankfurter Kranz geeignet ist?

Für eine Testreihe stehe ich zur Verfügung!

boreer

10. November 2009, 15:56

@unellen:Wahrscheinlich sollte man jetzt Steußelkuchenbäckeraktien kaufen. Denn der derzeitige Schokoladenboom ist möglicherweise auch von den Ernährungsfanatikern wegen der flavonoiden Radikalenfängerei mitverursacht. Wenn die erstmal herausfinden, dass Streußelkuchen hilft! Aber vermutlich braucht es noch eine esoterische Streußelkuchentheorie oder einfach das richtige approach, so was wie rechtsdrehender Streußelkuchen mit leviertem Wasser bei Vollmond im Holzofen nach altem Indianerrezept original gebacken.

Foersterliesel

10. November 2009, 18:22

liebe Frau Diener,

mit Rudolf Steiner kommen nicht  nur frustierte alte Frauen, wie Sie meinen, sondern eher junge Leute in Berührung. Junge Frauen wenn sie die bewährten und beliebten Weleda Babypflegeprodukte, die Firma Weleda ist eine Gründung Rudolf Steiners (viele Körperpflegeprodukte basieren auf seinen Rezepturen), kaufen. Wenig später, wenn die Eltern einen wirklich guten Kindergarten für ihr Kind suchen, werden sie auf die beliebten Waldorfkindergärten treffen, dort vermutlich keinen Platz finden, weil die so beliebt sind bei jungen Akademikern,  und Grünen, später dann gehts weiter mit der Waldorfschule, die auch sehr beliebt und daher überlaufen ist. In der Waldorfschule konnten behinderte Kinder erstmals "integriert" in normalen Klassen die Schule besuchen, ein weites Feld der Recherche tut sich Ihnen da auf ...

Andrea Diener

10. November 2009, 18:32

Foersterliesl, sehe ich so alt aus? Ich meinte ja, ich sei im besten Alter, solchen Theorien anheimzufallen. Weleda, ja, und Demeter-Produkte. Bestimmt alles mit Liebe gemacht und gute Qualität, aber irgendwie will ich denen mein Geld nicht geben.

Foersterliesel

10. November 2009, 20:04

liebe Frau Diener,

aber nein, Sie sehen jung und bezaubernd aus und waren mit "alt und frustriert" selbstverständlich nicht gemeint!

Jan42

10. November 2009, 22:49

Das Afrika eigentlich immer out ist, dem muss ich widersprechen - einfach mal bei Amazon nach Voodoo Puppe oder Papa Shanga suchen. Beliebt sind auch Handgeschnitzte Tiere und Masken. Idealerweise sollten die aber mit Afrika soviel zu tun haben wie Ohrenkerzen mit Hopi Indianern.

Den vorletzten Absatz lasse ich mir rahmen. Bei "ich finde trommeln doof und rechte Winkel gut" musste ich allerdings an Stackenblochen* denken.

*notfalls bitte youtube fragen

Holgi

10. November 2009, 22:57

mwahahaha...

Dafür sollte ich dir die Ehe anbieten!

Aleph

10. November 2009, 23:04

Esoterikbücher

Ich denke, Sie sollten den Sinn und Erfolg der Esoterikbücher überdenken. Ich glaube ja, dass die eigentlich nicht zum Lesen gedacht sind, sondern zum Rauchen. Wie damals das Spice, bevor es verboten wurde.

Andrea Diener

11. November 2009, 00:47

Foersterliesl, ich bin beruhigt.

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Jan, tatsächlich!, mittlerweile wird sogar Voodoo für den Markt ausgebreitet. Wahnsinn. Ich hab mich vor einigen Jahren mal damit beschäftigt, da gab es ausschließlich kulturgeschichtliche und theoretische Bücher zu dem Thema. Es ist ja auch eine interessante Religion, die ich wirklich sehr faszinierend finde, wenn man mal dieses ganze Hollywoodzeug mit Püppchen und Zombies wegläßt. Aber dann liest man die Leserkommentare bei Amazon und denkt sich, oje.

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Holgi, wenn das mit den Immobilien bei Dir in dem Tempo so weitergeht, überleg ich's mir.

growBeard

14. November 2009, 09:12

Schöner und beruhigender Artikel. Ich habe sonst manchmal das Gefühl, dass ich einer der letzten Esoterik-Verweigerer bin.

Zum Thema hier ein schrecklich-amüsantes Video von einer Frau Doktor Werner, die in ihren Erklärungen die Naturgesetze vergewaltigt:

www.youtube.com/watch

Sebastian Karcher

25. November 2009, 12:10

http://www.eskimobuddha.com

Ganz ohne Esoterik, mit einer Prise frischem Wind. Der Eskimobuddha. Er verbindet den weniger bekannten Eskimo mit dem recht beliebten Buddha. Frei von religösen Hintergründen focusiert er auf die mittlerweilen gebräuchlichen und beliebten Grundsätze des Buddhismus, verzichtet aber auf Entbehrung und rituelles Handeln. Von den kritischen Inhalten des Buddhismus ganz abzusehen. Hier finden wir einen ganz realen Glücksbringer, aber eben frei von Pendel und Schwingungen. :-)

Valandhir

28. November 2009, 04:31

Ein herrlicher Artikel und wunderbar auf den Punkt gebracht. Ich möchte mir erlauben eine kleine Episode hinzuzufügen. Ende der Neunziger war ich auf der Suche nach einer Crowley-Tarotkarte, nicht weil ich Tarot lege, sonder weil die künstlerische Gestaltung der Karten sehr schön ist. Ich frage also in einem Esoterikladen danach. Empört schaut micht die Verkäuferin an: "Crowley war ein Schwarzmagier - so was unterstützen wir hier nicht."

Trackbacks

Astrodicticum Simplex

07. November 2009, 12:05

Mehr Krawall! « Aufkl??rung 2.0

07. November 2009, 20:48

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