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Ding und Dinglichkeit

Den Winter wegignorieren: Der Heizpilz

13. November 2009, 00:20 Uhr

Wir sind alle so durchmediterranisiert, wir essen nur noch Pasta statt Nudeln mit Pesto statt Soße, wir sitzen mit Espresso auf der Piazza statt mit Filterkaffee auf der Sonnenterrasse und entkalken den Wasserkocher mit Balsamico. Ja, wir hier in Deutschland arbeiten hart an unserem Dolce Vita, wir schauen alle böse an, die noch Gnotschi sagen und Lambortschini, keine Frage, und die ganz Schlauen unter uns kennen sogar alle richtigen Pluralformen. Eigentlich sind wir innerlich schon richtige Italiener, so leicht und entspannt und temperamentvoll, und wenn einer uns blöd kommt, dann beschimpfen wir ihn: Du bist so typisch deutsch, sagen wir, und dann geht er in die Ecke und schämt sich.

Nur eine Kleinigkeit, die hält uns noch ab vom korrektestmöglichen Italienersein, die sorgt dafür, daß wir uns öfter als geplant in rustikale Gaststuben mit Butzenscheibenimitat zurückziehen, um Gänsekeulen mit Rotkraut zu essen, und das ist unser wirklich beschissenes Wetter hier im Norden. Damit können wir uns einfach nicht abfinden. Schauen Sie nur einmal nach draußen: Es nieselt, es ist kalt, seit Tagen läßt sich die Sonne nicht blicken. Hinten am Horizont ragt der Schornstein des Heizkraftwerkes empor und bläst entweder eine dunkelgraue Wolke in den hellgrauen Himmel oder eine hellgraue Wolke in den dunkelgrauen Himmel. Und so geht das monatelang. Da wird einem mental einiges abverlangt.

Aber zum Glück sind wir Deutschen nicht umsonst bekannt und gerühmt als Nation der Techniker und Tüftler, als Heimat der fortgeschrittenen Ingenieurskunst. Es gibt nichts, was wir nicht mit Stahl und ein paar Schrauben lösen könnten. Und wenn das Wetter uns querkommt, dann kontern wir mit Heizpilzen. 

Diese flüssiggasbetriebenen stationären Strahlungsheizungen, offiziell als Terrassenstrahler bezeichnet, verbrauchen ja leider Unmengen an Energie. Pro Stunde frißt so ein Ding ein knappes Kilo Gas und verursacht dem Wirt Kosten von etwa 1,50 Euro, die er allerdings wieder einnimmt: Sein Lokal wird ja durch die Mitbenutzung der Straße locker doppelt so groß. Die wirtschaftliche Bilanz geht also in Ordnung, die klimatische nicht ganz: Bei mehrstündiger Betriebszeit pro Tag stößt so ein Pilz aufs Jahr gerechnet soviel Kohlendioxid aus wie ein durchschnittlicher Mittelklassewagen, nämlich etwa vier Tonnen. Deshalb hat der Heizpilz nicht nur Freunde, es gibt auch immer wieder Bestrebungen, ihn gänzlich zu verbieten. Aber er hält sich hartnäckig, denn in Sachen Dolce Vita kennen wir keinen Spaß. Vor allem Raucher wissen ihn zu schätzen, wenn sie, aus der Gaststube vertrieben, draußen am Stehtisch Nikotin nachladen müssen.

Der Heizpilz zieht aber noch anderes nach sich, denn er verändert die Bedingungen, unter denen Straßencafés arbeiten, grundlegend. Zum Beispiel vermehren sich die sogenannten Einhausungen drastisch, das sind zeltartige Anbauten aus meist transparentem Plastik, die sich nun plötzlich jeder Metzger leistet, damit die werte Kundschaft in angenehm temperiertem Umfeld die Worscht zu sich nehmen kann. Eine Art Verlängerung des Geschäftes in den öffentlichen Raum hinein.

Wer dieser Tage über die Frankfurter Freßgass flaniert, sucht vergeblich nach Ladenfronten: Ein Zelt nach dem nächsten wuchert die Straße zu und zeigt sein häßliches Plastikgesicht, darin sitzen dick eingepackt die Gäste auf Caféhausmobiliar nicht richtig drinnen und nicht richtig draußen, sondern in einer Art sehr großem Windfang und halten sich am Macchiatoglas fest. Die Wärmeverteilung darin stellt sich nämlich leicht lagerfeuerhaft dar: Von hinten oder oben rösten die Heizstrahler, während die andere Körperhälfte der Kälte anheimfällt. Die gut durchgewärmte Gaststube scheint offenbar weniger attraktiv als die archaische Heizsituation am Gaspilz. Aber man ist halt doch irgendwie draußen auf der Piazza, auch im Winter, und schaut durch Plastikfolie den dahineilenden Passanten nach. Dolce Vita: Was muß, das muß.

Die richtig modernen urbanen Gastronomieangebote in der Innenstadt sind da noch konsequenter und räumen ihre Sommergarnituren gar nicht mehr weg. Was einst temporär die Straßen bemöbelte ist nun Dauerzustand, nach draußen verlegte Gaststuben ohne Ladenmiete. Die Sonnenschirme bleiben auch gleich stehen und bekommen eine neue Aufgabe zugewiesen: Sie halten jetzt notdürftig die Wärme unten. Gerade hat auf der Zeil der neue Cafépavillion eröffnet und mitten im November die Bänke auf dem hölzernen Terrassenboden abgestellt, Heizstrahler drübergehängt, paßt. Und Sitzbänke, breit und tief und gepolstert, gruppieren sich um couchtischartige Abstellflächen.

Denn die neue Dauerhaftigkeit wirkt sich auch auf die Sitzgelegenheiten selbst aus: Nicht mehr die zierlichen Draht- oder Rattanmöbelchen von einst, die sich so leicht wegtragen lassen, stehen vor den Cafés, nein: Es wird geloungt, bis der Körper in die Kompletthorizontale gerutscht ist. Breite Sofas, so schwer, daß ein Mann sie nicht alleine heben kann, bilden rechtwinklige Sitzinseln. Darauf liegen dicke Koltern bereit wie bei Oma am Fernsehsessel, Werbekuschelkissen von Zigarettenmarken, das Ganze an flachen Tischen, an denen man nicht essen kann, aber gerade noch halb liegend die Latte drauf abstellen. Dort sitzt man nicht, dort fläzt man zwischen Stehaschenbecher und Buchsbaumkugel und tut so, als wäre noch nicht Winter, als wäre einfach nie Winter. Winter wollen wir nämlich nicht, der ist so typisch deutsch. Geh in die Ecke, kalte Jahreszeit, und schäm dich.

Veröffentlicht 13. November 2009, 00:20 von Andrea Diener
Kommentare

dummbratz

13. November 2009, 00:55

Die normative Vorgabe für Biedersinn unterliegt auch in D beständig dem

Wandel. Nun gibt man sich eben ein wenig mediterran.

Kurios die Heizpilze, die Tradition der frühen Kioske (Pilzform) in die Gegen-

wart rettend.

Bella Figura  auf der Piazza hinter Klarsichtfolie verpackt, ... schmunzel.

Aber wollen wir hoffen, daß es so bleibt, die eine oder andere liebens-

werte italienische Firma lebt davon.

Andrea Diener

13. November 2009, 01:01

Von den Heizpilzen leben einige Berliner Firmen, soweit ich weiß. Wie liebenswert die sind, kann ich nicht sagen.

dummbratz

13. November 2009, 01:38

Eine dieser Berliner Firmen überlegte sogar recht kratzbürstig zu reagieren,

falls der liebe Mitbewerber die geschütze Bezeichnung Heizpilz weiter ver-

wendete (www.faz.net/.../RubC5406E1142284FB6BB79CE581A20766E

Doc~EF85BFCA0DE8A4274BF7C21C4A96D39F1~ATpl~Ecommon~Scontent.html).

Eine vielleicht sogar vornehme Option mediterrane Wärme in kälteren

Gegenden zu bewahren scheint das italienische Kürschnerhandwerk

bereitzuhalten.

Wage das aber gar nicht weiter auszubreiten, verheddert sich doch der

werte gelegentliche Begleiter schon gar arg stilvoll in diesem pelzigen

Thema.

Don Ferrando

13. November 2009, 05:16

Wegen des Rauchverbotes sind die Zeltvorbauten auch in Italiens Bar mittlerweile weitverbreitet; einige Heizpilze konnte ich dort auch schon ausnachen.

.

Was die gespaarte Ladenmiet angeht: ich denke, die Städte lassen sich die Sondernutzung recht üppig bezahlen.

.

Ein echtes Problem ist wirklich die richtige Deklination und Artikelverwendung der italienischen Wörter.

DIE piazza

DIE dolce vita

DER latte

oder eher doch DIE Latte und DAS dolce Vita, weil im Deutschen Milch weiblich und Leben sächlich ist??

Der Gärtner

13. November 2009, 08:36

Mit dieser Entwicklung ist doch allen gedient: Die Raucher müssen nicht frieren und die früher im Winter ab 18.00 ausgestorbenen Innenstädte laden zum flanieren ein. Ausserdem ist der Heizpilz in der Fussgängerzone keine eigentlich deutsche Erfindung, z.B. in Brüssels rue des Bouchers, in Paris und anderen schönen nordlichen Städten sorgt das Gerät für Leben auf der kalten Strasse.

miner

13. November 2009, 08:46

Hinsichtlich der Umweltproblematik reiht sich der Heizpilz doch prima in die entgeistigte Kette zwischen Fernreisefieber & SUV ein. Aber der globale Bildungsbürger von heute weiss ja, es gibt bald die nächste Weltklimakonferenz, mit den ganzen Koryphäen, die auch schon die Wirtschaftskrise so prima gelöst haben..... und alles wird gut.

.

In perfektem Zusammenspiel mit dem Heizpilz, stellen die Plastikvorbauten natürlich eine ästhetische Meisterleistung dar. Geben sie doch jedem Strassenbild ein wenig den Flair von Dauersperrmüll und gestalten es so ganz flott zu einer Art Favela.

Ob von diesem geschmacklichen Fauxpas aber bei den loungigen & chilligen People in diesen Plastikverschlägen noch etwas ankommt, sei aktuell einfach mal dahingestellt.

Eksess

13. November 2009, 08:47

Auf dem ersten Bild wird mit Infrarot-Heizstrahlern geheizt. Diese werden nicht mit Flüssiggas, sondern mit Strom betrieben. Damit sollte die CO2-Bilanz für den laufenden Betrieb zwar besser sein, allerdings ändert sich nichts an der gefühlten Lagerfeueratmosphäre, die Sie in Ihrem Artikel beschreiben. Ich finde diese sehr unbehaglich und ziehe für einen heißen Tee oder Kaffee vier feste Wände, insbesondere sogenannte "Oma-Cafés", vor. Bei letzteren handelt es sich um Cafés, die bevorzugt von älteren Damen frequentiert werden. Ihre Anzahl unter den Besuchern ist ein guter Indikator für die Erstklassigkeit der dort verkauften Torten. Je größer ihre Anzahl, desto besser sind die Torten. Keine dieser Damen würde freiwillig unter einem Heizpilz Platz nehmen und die müssen es wissen.

Frau B.

13. November 2009, 08:54

http://helgabirnstiel.blogs.com

Das ist kein deutsches Phänomen. In Rom, wo es ja auch kalt werden kann - jedenfalls für römische Verhältnisse - steht vor jeder Bar Heizstrahler. In München übrigens nicht. Hier sollen die Raucher gefälligst frieren...

nnier

13. November 2009, 09:34

http://mad.blogger.de/

Ob mit oder ohne Pilz - es ist ohnehin verblüffend, wie viele Angebote es inzwischen für draußen gibt. Das ist nicht nur bei Ihnen im quasimediterranen Frankfurt so oder im schockierend mild klimatisierten Köln, wo ich noch vor zwei Wochen spätabends draußen saß zum Biertrinken. Auch hier im Norden käme man kaum auf die Idee, sich im Spätherbst zu bewegen: Wo man vor zwanzig Jahren noch im Sommer verzweifelt die halbe Stadt nach einer Sitz- und Trinkgelegenheit an der frischen Luft absuchte, stolpert man inzwischen auch im November an fast jeder beliebigen Ecke über reichlich Freiluftgastronomie. (Im Verhältnis zur Einwohnerzahl wohl eine ähnlich drastische Entwicklung wie bei den Fuß- oder Nagelpflegesalons.)

Robi

13. November 2009, 09:37

Naja, ob der Heizpilz eine typisch deutsche Erfindung ist wage ich zu bezweifeln. In Paris sind diese Dinger schon seit den späten Neunzigern im Einsatz.

Vadder Krause

13. November 2009, 09:40

Diese häßlichen Zelterweiterungen werden in vielen Städten nicht mehr geduldet.

.

Es gibt also auch noch Stadtplaner, denen Ästhtik vor Geschäft geht.

.

Auch Heizpilze werden schon in vielen verboten (Köln, Stuttgard, Tübingen).

Nur in Berlin diskutiert man noch.

muscat

13. November 2009, 10:00

Frau Diener, wieder einmal fein beobachtet. Auf der Fressgass wundert mich sowieso seit langem schon gar nichts mehr. Auch ein zweiter Starbucks (max. 50 m entfernt vom alten) für die Louis Vuitton-Taschen-Teenies wäre keine Überraschung.

Il

13. November 2009, 10:10

latte, vi prego.

Mario

13. November 2009, 10:15

http://www.medienmensch.info

Wie wahr wie wahr.

Eine weitere Verschlimmbesserung sind die Feuerspucker in spitzer Pyramidenform. Die wärmen nicht einmal, sondern verbrauchen nur.

ilnonno

13. November 2009, 11:15

Ein wundervoller Text. Er hat die Leichtigkeit, die "wir müssen auch dolce vita können" vergeblich sucht.

Andrea Diener

13. November 2009, 11:16

Gärtner, irgendwo habe ich aufgeschnappt, die Heizpilze stammten aus Skandinavien. Das ist jetzt schon ein bißchen aberwitzig. Den milden römischen Winter etwas aufzuheizen, das kann ich nachvollziehen, aber in nördlichen Breiten? Aber vermutlich begann alles mit dem Weihnachtsmarkt. Dort hängen schon lange Heizstrahler über den Glühweintrinkern.

.

Eksess, wie wahr. Zum Glück gibt es noch einige schöne Oma-Cafés in der Stadt, das sind mir die liebsten.

Klaus

13. November 2009, 11:43

"wir essen nur noch Pasta statt Nudeln mit Pesto statt Soße, wir sitzen mit Espresso auf der Piazza statt mit Filterkaffee auf der Sonnenterrasse und entkalken den Wasserkocher mit Balsamico."

Sie vielleicht, ich nicht.

Der Gärtner

13. November 2009, 12:16

Vadder Krause: Wundert mich nicht mit den Verboten in Tübingen und Stuttgart. Der deutsche Verbots- und Ordnungswahn hat eine Heimstatt im blitzsauberen und ökologisch aufgeräumten Schwabenländle.

Wie Frankfurt oder Köln, auferstanden aus Ruinen, mit den Zelten seine Innenstädte angeblich verhunzen soll ist mir schleierhaft.

Andrea Diener

13. November 2009, 12:22

Don Ferrando, ich bin ja von meiner kalabresischen Schulfreundin streng erzogen worden, was italienische Aussprache und korrekte Benutzung der Gabel im Spaghettiteller angeht. Harte Schule war das. Aber die Artikel, die fielen irgendwie immer durcheinander, da sind die Sprachen nicht so recht kompatibel.

.

Klaus, ach ja, schön, daß Sie sich distanzieren.

Der Gärtner

13. November 2009, 12:46

Eigentlich haben mich Ihre Photos angeregt mal wieder nach Frankfurt zu fahren. Ist doch eigentlich ein schönes Städtchen...Jetzt ist ja auch Botticelli zu Gast; war für mich ein Aergernis, denn letzte Woche in Altenburgs wunderbarem Lindenau Museum (www.lindenau-museum.de) war ein Damenportrait abgehängt und auf dem Weg nach Ffm..

Wenn dann in Frankfurt noch eine warme Zelt-Lounge am Mainufer zur Einkehr lockt, umso besser.

zonebattler

13. November 2009, 13:01

http://www.zonebattler.net

Die dummbratz'schen Erinnerungen an "die Tradition der frühen Kioske in Pilzform" seien hier dahingehend präzisiert, daß diese ursprünglich als "Milchpilze" konzipiert waren, siehe

 

http://www.pilzkiosk.de

 

Deren Umweltbilanz war sicher allemal zu loben!

eriktheodor

13. November 2009, 13:09

Der Erfolg der Heizdinger ist aber schon verwunderlich, wird sonst in Deutschland beim kleinsten Hauch bewegter Luft schon Theater veranstaltet, wenn's mal nicht Scheißwetter hat.

"Es zieht junger Mann, schließen sie bitte das Fenster!" - aber bei 30 Minusgraden draußen hocken. Die Welt ist schlecht.

Andrea Diener

13. November 2009, 13:09

Gärtner, ja, Botticelli ist ein Grund. Am besten jetzt bald gehen, bevor im Dezember die ganzen Scharen einfallen, die immer mit dem Weihnachtsmarkt anreisen. Und gleich noch nach nebenan ins Liebighaus. Einkehren würde ich dann allerdings in einem der vielen Museumscafés.

.

Zonebattler, danke für die Verlinkung dieser wunderbaren Website.

elbsegler

13. November 2009, 13:35

Heizstrahler in der Außengastronomie sind nun alles andere als neu. Früher waren es elektrisch betriebene Infrarotstrahler, die eben den Nachteil hatten, einen Stromanschluss zu brauchen. Der (Gas-)Heizpilz kann überall aufgestellt werden. Optisch sind diese Dinger nicht immer eine Delikatesse und so manches gerät ist von so mieser Qualität, dass es kaum einen Winter durchhält. Es ist wohl weniger der Italiener in uns, der dafür sorgt, dass überall diese Heizpilze aus dem Boden schießen, sondern der sogenannte Nichtraucherschutz. Welcher Wirt kann es sich leisten, die Raucher ganz zu vergraulen. Da ist der Kaffee oder das Bierchen unter dem Heizpilz für Nikotinabhängige ein naheliegendes Angebot. Eigentlich nur kundenfreundlich, dieser Trend. Unsere rührigen Stadtverwaltugen, die beim Einnehmen von Sondernutzungsgebühren von Wirten nicht gerade zimperlich sind, freuen sich auch über die verlängerte Freiluftsaison. Irgendwelche wuchernden Zeltstädte sind rechlich auch zuverlässig zu vermeiden. Wo es sie gibt, sind sie von der Stadt genehmigt (meistens). Kein Grund zur Aufregung also. Ach so, die Klimakatastrophe! Indirekt ist jetzt also der Raucher nicht nur an seinem eigenen Tod und dem der "Passivraucher" schuld, sondern auch daran, dass seinetwegen die Eisbären am Nordpol von ihren Schollen geheizt werden. Da die Tiere nicht mehr zu Pelzmänteln verarbeitet werden dürfen, wie wir beim Don lesen müssen, kann sich der Raucher auch nicht mit Eisbärenfell vor der Kneipe wärmen. Also muss er unter den Heizpilz. Ein Teufelskreis.

N.W.

13. November 2009, 13:42

Frankfurt ist auch so schon unsagbar haesslich --- da kommt's auf ein paar Plastik-Vorbauten auch nicht mehr an.

Observator

13. November 2009, 13:50

Nichts gegen Heizpilze, ich bin Raucher und freue mich im Winter über jede Form wärmender Flora und Fauna, aber die Zeil wird durch's Draußen-sitzen-können auch nicht besser. Ganz gleich, ob sommers oder winters, ich finde sie einfach nur scheusslich.  Meiner Ansicht nach eine der am wenigsten charmanten Ecken von Frankfurt. Dann sitze ich doch lieber vor'm Opitz. Und da fällt mir gerade ein: Haben die da eigentlich auch Heizpilze?

rocinante

13. November 2009, 13:58

letzen Sommer war ich in München und Umgebung im Urlaub, und war sehr überrascht dass es überall Espresso und Latte Macchiatto, gibt, der Eiskaffee wurde zum Affogato, und am Abend trinkt man Aperol.

Ich lebe seit Jahren in Spanien und fand es sehr amüsant, wenn nicht schon lächerlich.

Wenn sie sich fragen warum in Rom oder Barcelona im Winter die Strassencafés beheizt werden, ist die Antwort ganz einfach, die Einheimischen frieren eben schon bei 10ºC plus.

Der Gärtner

13. November 2009, 14:00

Die Heizpilze haben, so denke ich, Ihre Berechtigung, denn so kann man auch in der dunklen Jahreszeit convivialité, das Miteinander auf der Strasse leben. Der Heizpilz ist somit ein Instrument des Zusammenseins zu Zeiten wo Familie eher auf dem Rückzug ist und das Singledasein in Städten die Regel wird. Es rechnet ja auch keiner ernsthaft die Oekobilanz von Single-Haushalten, Single-Portionen von Lebensmittelverpackungen, Heizen der Wohnungen für nur eine Person, Single Zweitwohnungen am Tegernsee..etc... Bei all diesen CO2-trächtigen Grösst- Verschwendungen sollte man doch grosszügig das bisschen Gas übersehen, das aus dem Heizpilz flimmert.

molosovsky

13. November 2009, 14:22

http://molochronik.antville.org

Laut google haben die Engländer 1856 die ersten kommerziellen *patio heaters* hergestellt.

E.R.Nest

13. November 2009, 14:49

@Elbsegler: den Gedanken hatte ich auch grade - der Heizpilz als Fluch der guten (?) Tat, keine Pelze mehr zu tragen. Die Methode "Ausstieg aus der Kernkraft auch wenn es den CO2-Ausstoss massiv erhöht" funktioniert also auch im Kleinen.

@ der Gärtner: Ist Ihnen mal der Gedanke gekommen, daß man das Miteinander auch in geschlossenen Räumen veranstalten kann.

Conclusio: Der Heizpilz ist der SUV des Möchtegern-Italieners.

Doctor Snuggles

13. November 2009, 15:07

@ Dummbratz: vielen Dank für die Erinnerung an den Pilzkiosk. In Natura habe ich noch nie einen gesehen, aber ich verbinde damit wohlige Gedanken an die Kinder- und Jugendzeit mit ihrer Modelleisenbahn. Also in etwa so: www.modellbahnecke.de/.../120135.jpg

Doctor Snuggles

13. November 2009, 15:22

@ Der Gärtner: da kommt eben das eine zum anderen. Da aber Kurzreisen nach Italien gesellschaftlich eher angesagt sind als Heizpilze, ist ja klar, wer eher als Klimakiller herhalten muss  ;-)

Der Gärtner

13. November 2009, 15:54

E.R.nest: In der Kneipe fehlt der auf der Strasse zu erheischende Blickkontakt und der Vorgang des Flanierens, weshalb alle Welt draussen sein will.

Aah, ein paar Austern mit einer Fläsch Champagner, spiessbürgerlich völlig unkorrekt, aber leeecker, Normalität in in jeder mittleren Stadt Frankreichs, Bruxelles, Luxembourg, meinetwegen auch im Heizzelt...So kann ein Abend doch wunderbar beginnen.

patentante

13. November 2009, 16:34

Das Dilemma mit den Heizpilzen und der dolce vita wird sich ja ohnehin irgendwann in Wohlgefallen auflösen. Ließe man nur lange genug diese ihre Wärme und Abgase produzieren, wird Deutschland venezianische Verhältnisse haben. Wenn das dann nicht wirklich durchmediterranisiert ist.

perfekt!57

13. November 2009, 16:45

Sehr netten Blog! Und mal wieder wirklich gut beobachtet!

.

Und erneut und auch nur am Rande bemerkt: Wie wärs mal mit einem Ding von der anderen Seite der gemeinen Existenz? Sozusagen kontrasthalber? Dem gemeinen Infusionsständer z.B., diesem "Möbel", welches auf Krankenhausfluren oder in Altersheimen häufig vor allem mit extrem primitivem "Rollroll-Laufgeräusch" auffällt? Echt billig halt?

.

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B.A.H.

13. November 2009, 16:50

N.W., und von wo aus gesehen ist Frankfurt so unsagbar hässlich?

Andrea Diener

13. November 2009, 18:55

perfekt, danke für die Anregung. Ich bin sehr froh, noch nie einen längeren Krankenhausaufenthalt absolviert zu haben, aber bei Ärzten liegen ja genug schlimme Dinge herum. Mit Spritzen zum Beispiel kenne ich mich aus.

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Seit wann, Herr Gärtner, sind Austern und Champagner spießbürgerlich unkorrekt? Gibt's bei jedem Straßenfest und demnächst vermutlich auch bei Aldi. Das ist ja das Problem der großbürgerlichen Distinktionsversuche, daß einem dauernd einer an den Hacken hängt und dann muß man sich was neues suchen. Ständig auf der Flucht, sozusagen. Das wäre ja nicht meins.

.

B.A.H., Frankfurt ist meistens da besonders häßlich, wo es sich sehr anstrengt, schick sein zu wollen.

B.A.H.

13. November 2009, 20:20

Andrea Diener, ich gebs ja zu. Was das hässliche Frankfurt angeht. Nur das "unsagbar" hat mich geärgert. Wo wohnt der, die oder das N.W. denn: in Rothenburg ob der Tauber? In Vancouver?      

tesafilm

13. November 2009, 20:45

Heizpilze in Frankfurt und Berlin ist ja billig. Nicht das ich irgendwelche Sympathien fuer Duesseldorf und den Duesseldorfer darin haette aber die machen das schon seit Jahren richtig und haben fest montierte Gasheizer mit fester Zuleitung.

Fuer Raucher habe ich natuerlich auch keine Sympathien oder etwa auch noch Mitleid.

votum_separatum

13. November 2009, 22:00

Köstlich :-) Treffend beschrieben, Gratulation!

Andrea Diener

13. November 2009, 22:32

Observator, Sie meinen die Konditorei Opitz an der Ecke Salzhaus/Großer Hirschgraben? Die Stühle davor gehören zum Café Karin, und das heizt meines Wissens nicht.

.

B.A.H., schön ist das eher nicht hier. Wenn man aber mal die Innenstadt verläßt, findet man viele nette Ecken. Aber wer zum Beispiel kommt schon mal nach Höchst? Eben. Keiner. Die meisten Städte haben eine aufgemotzte Innenstadt, und draußen wird es trist, bei uns ist das halt umgekehrt. Die Innenstadt als Bänker-Servicecenter, der Rest zum Leben.

dummbratz

13. November 2009, 22:41

@zonebattler

Danke, eigentlich kannte ich das Pilzkiosk nur als Modellbausatz einer in

Fachkreisen bekannten Firma. In der Analogwelt habe ich dies putzigen

Häuschen nie gesehen, hat mir auf der Modellbahn aber sehr gefallen.

Als Milchpilz ist das Ding ja von feinster political correctness.

Jetzt muß ich doch mal nachsehen, ob ich den Pilz noch auf dem Speicher

habe.

dummbratz

13. November 2009, 22:51

@Doctor Snuggles

Das ist ja toll, genau die beiden Modellkioske hatte ich auch.

Jetzt wird mir ja ganz weihnachtlich zumute, danke danke.

rottenrails

14. November 2009, 00:02

http://rottenrails.wordpress.com

In meiner alten Heimatstadt Bad Sachsa steht so ein Pilzkiosk seit nahezu 50 Jahren unverändert.

Der Rest hier: epoche-3.de/pilzkiosk.php

Wilhelmson

14. November 2009, 00:26

Hört doch mit diesem CO2-Quatsch auf. Das ist doch alles Irrsinn. Redet doch den Leuten nicht sinnlos ein schlechtes Gewissen ein. Wir Deutschen sind so sparsam und effektiv mit unserer Energie. Die paar CO2-Moleküle machen das Kraut auch nicht fett. Die ganze Klimahysterie ist doch nur eine einzige Farce. Ich sitze immer sehr entspannt unter den Heizpilzen. Es ist eine sehr gute Sache. Absolut PRO!

Apostelhilfe

14. November 2009, 03:42

Heizstrahler gab es in Paris schon vor über hundert Jahren, ist wohl eher was großstädtisches

zonebattler

14. November 2009, 07:14

http://www.zonebattler.net

@dummbratz:

 

Der Faller'sche Bausatz ist auch heute noch im Handel, wie überhaupt die heile Welt der 1950er bis '60er Jahre im Maßstab H0 unverändert weiter existiert.

 

Übrigens erstreckt sich die angesprochene political correctness durchaus auch ins reale Leben: der mir aus eigener Anschauung bekannte Ex-Milchpilz unweit des Regensburger Hauptbahnhofes wird heutzutage von einem mutmaßlich migrationshintergrundbehafteten Döneriseur bespielt...

francesca

14. November 2009, 08:41

exzellent liebe don, exzellent!

Zapato

14. November 2009, 09:06

Wilhelmson ist zuzustimmen. Wem das zu spiessig oder pseudo-SUVeraen ist, der soll es nicht unterstuetzen, der Markt regelt den Rest. Die Welt jedenfalls wird davon bestimmt nicht wesentlich waermer, da gibt es wichtigere Massnahmen. Die Verbot-Debatte ist meiner Meinung nach von politischen Wichtigmachern geleitet, die damit billig punkten wollen, so z. B. Tuebingens oberwichtiger gruener Oberbuergermeister, Boris Palmer (oben erwaehnt, s. Details hier www.taz.de/.../keine-killerpilze-im-cafe). Der hatte schon frueher so tolle Ideen wie einen Transrapid von Stuttgart nach Tuebingen zu bauen oder durchzusetzen, dass alle Tuebinger Studenten das Semesterticket zwangssubventionieren muessen, selbst wenn sie Fahrrad fahren und es gar nicht wollen. Das einzige, was er damit erreichen wollte, ist den Leuten im Tuebinger Umland Vorteile zuzuschanzen, auf Kosten anderer. Auswaertige waehlten oft nicht lokal/gruen. Ebensowenig wie die Jura-Studenten von der Heizpilzbar, so erzaehlt man sich im feministischen Frauencafe Lila Villa. Fazit: Gruen ist nur, was mir hochkommt.  

swina

14. November 2009, 10:31

wunderbar geschrieben!

.

ich finde es persönlich sehr angenehm,

daß die jeunesse dorée aus mitte & prenzlberg

einen auf südeuropäisch/global/unangepaßt macht

[wer`s braucht .. ] -

so bleibt mir viel platz im warmen.

G.Hablizel

14. November 2009, 12:34

Also daß Frankfurt häßlich sei, gar unsagbar, dieser Verleumdung gilt es deutlich zu widersprechen.  Zwar ist die Fressgass' mit ihrer holprig-grauen Pflasterung noch vor dem neuen Goetheplatz eines der schuh- und fuß-feindlichsten Areale in ganz Frankford (über den neuen Goetheplatz hat ja die verehrte Frau Diener jüngst ausführlich berichtet)... aber gerade mit den kontrastreichen Zeltvorbauten, den heimeligen Heizstrahlern und den auf diese Weise gebotenen gemütlichen Sitz- und Rauchgelegenheiten gefällt mir sie mir dennoch hundert Mal besser als jedwede Ecke nördlich des Mains...

Andrea Diener

14. November 2009, 13:19

swina, unsereins sitzt dann mit den Rentnerinnen im Café und trinkt kännchenweise Kaffee mit Torte. Mir soll's recht sein. Ich bin da gern unkosmopolitisch. Und typisch deutsch *gemütlich*.

.

G. Hablizel, man müßte halt den Donnerstags- und Samstagsmarkt von der Konsti runter auf den Goetheplatz verlegen. Das wurde ein paarmal gemacht, als auf der Konsti irgendwas anderes veranstaltet wurde, und siehe da: Der Goetheplatz funktionierte ganz wunderbar, und es war auch mehr Platz für Sitzbänke dort. Eigentlich ist der Platz dafür prädestiniert. (Überhaupt ist das Markttreiben eines der schönsten Dinge in Frankfurt.)

Observator

14. November 2009, 13:19

Verehrte Frau Diener,

das ist das Café, das ich meinte. Wenn ich bei Opitz Schleckereien kaufe, sehe ich da immer Leute "uff de Gass" (nun ja, jedenfalls im Sommer). Ich wusste aber nicht, wie es heisst.

Mit Höchst gebe ich Ihnen Recht, das hat ein paar sehr nette Ecken.

Ich möchte nur noch etwas zum eigentlichen Thema des Blogs anmerken. Im Südwesten Deutschlands haben Straßencafés und Ähnliches schon viel länger Tradition (obwohl mir ein Kollege versicherte, dass sie in Frankfurt eine vergleichsweise junge Erscheinung seien), allerdings hauptsächlich im Sommer. Das vermehrte Auftauchen der Heizpilze in den gastronomischen Biotopen scheint mir doch in erster Linie auf das Rauchverbot zurückzuführen zu sein. Vorher hatten auch im Süden nicht so viele Leute das Bedürfnis, sich bei Wind und Kälte vor den Türen zu versammeln.

G.Hablizel

14. November 2009, 14:15

Uneingeschränkte Zustimmung, Frau Diener! Plätze brauchen Leben, brauchen Gewusel und Gewimmel - dann funktionieren sie. Und genau das ist auch der Grund, warum die Fressgass' - ja eigentlich eher ein Platz als eine Gass' bzw. Strasse - so gut funktioniert.   Und das häßliche Pflaster des Goetheplatzes sähe man dann auch nicht mehr. (Übrigens bin ich ich der Ansicht, daß der alte Goethe in die falsche Richtung guckt - man sollte ihn um 180 Grad drehen und in die Sonne schauen lassen...)

CD

14. November 2009, 15:16

Wir Deutschen sind doch glatt in der Lage, uns mit unserem grünen Gewissen - oder das was wir dafür halten, halten soll(t)en oder halten müssen uns jeden auch noch so gearteten Spaß zu verderben.

Mit der aktuellen Klimakatastrophe wird ja alles wärmer - deswegen gab es Mitte Oktober in Bayern auch schon die ersten Frosttage - da werden die Heizpilze irgendwann eh überflüssig.

Ökologie hat sicherlich auch was für sich - aber wer ernsthaft gegen die Heizpilze aus Umweltgesichtspunkten vorgehen will sollte entweder den QKat entwickeln - nicht den für den 5er, 7er aus Ingolstadt sondern den für das schwarzbunte Fleckvieh, denn die emittieren noch mehr CO2 oder alle Kühe notschlachten. Das wäre ökologisch konsequent.

Aber weil das auch keiner will, habe ich manchmal Lust den Ökos dahin zu treten, wo dann auch wieder CO2 austräte und lasse das dann wegen der Klimakatastrophe.

genova

14. November 2009, 17:42

http://exportabel.wordpress.com

Schön beobachtet. Heizpilze sind aber in der Tat, wie schon erwähnt, kein rein deutsches Phänomen. Mir zumindest ist das zuerst in den niederländischen Seebädern aufgefallen. Dort ist es in den Cafés drinnen selbst im Winter menschenleer, alle sitzen in der steifen Brise.

Ich finde es komisch, denn drinnen ist es doch eigentlich nett: kein Wind, schön warm, eben gemütlich. Man kann sich kaum vorstellen, dass die Leute draußen sitzen, um so zu tun, als seien sie im Süden. Zumal im Süden die Einheimischen doch eher drinnen sind, auch im Sommer, weil es draußen zu heiß ist. In Lissabon beispielsweise sind meiner Beobachtung nach Touristen die einzigen, die draußen essen wollen.

colorcraze

14. November 2009, 20:30

In den 90ern war in den Niederlanden die "Terrassieverwarming" bereits Standard, wie mir mein damals in Aachen lebender Bruder versicherte. Die Holländer sitzen nämlich gern draußen auf der Terrasse. In D fingen damals die Straßencafés an, sich allmählich auszubreiten, zunächst noch in eher improvisierter Form. So um 2000 war in Berlin die "Strandbar" mit Sand auf dem Boden schwer Mode. Das "Strandbad Mitte" (das ehemalige Eingangshäuschen eines längst aufgegebenen kleinen Schwimmbades, SIW) hatte gar Strandkörbe, und das mitten in Mitte (am längsten davon gehalten hat sich wohl der Bundespressestrand, der allerdings auch spät anfing, weiß garnicht, obs den noch gibt). Diese hatten dann bald auch Heizstrahler, die ich zunächst amüsiert als "Terrassieverwarming" apostrophierte. Sie wurden aber bald von der Stadtverwaltung bekämpft, und inzwischen sehe ich sie kaum noch. Hier in Charlottenburg haben sie sich eh nie so richtig durchgesetzt, scheint mir. Eher noch erlaubt man drinnen das Rauchen wieder, als daß hier fächendeckend Heizpilze aus dem Boden sprießen.

dummbratz

15. November 2009, 00:23

@zonebattler

Mit Überraschung habe ich festgestellt, daß diese "Spielsachen" preislich

stark angezogen haben, heute also mehr was für ältere Herrschaften.

Wundert mich nicht, daß diese sich für die heile Atmosphäre ihrer Jugend-

zeit erwärmen und auch entsprechend kaufen.

Zu den realen Dönerpilzen:

Bleibt abzuwarten, ob der südostmediterrane Food-Specialist mit einem

Pilz zufrieden ist. Er könnte ja auf o.a. hitzige Idee kommen und ein wenig

heiße Luft verbreiten wenn es dem Umsatz dient.

FinMike

15. November 2009, 14:23

http://www.thandorf.de

Eigentlich könnte man die deutsche Gastronomie noch für ganz andere Dinge beuteln: die bis zur unmenschlichkeit versklavten, visafreien Mitarbeiter aus anderen Teilen der Welt, ohne die in der Küche nichts liefe und deren ängstlicher Blick manchmal aus der Küchentür fällt - und die werte Kundschaft zahlt willig für einen Latte, was solch ein Mensch in ein paar Stunden verdient. Kaum zu unterbieten.

.

Da ist der schaurige Kaffee, der aus der Unkenntnis der Pflegehinweise resultiert, die in der Bedienungsanleitung der sauteuren, aber völlig ungeeigneten Espressomaschine stehen, die eigentlich für den Hausgebrauch überdimensioniert, für den "Profi" aber zu klein ist, schon halb so wild.

.

Vietnamesen, die italienische, und Slaven, die türkische Etablissements betreiben - sowie alle weitern Variationen von Nationalitäten, sind auch eine Freude. Alleine schon "asiatische Küche" mit süss-sauer, Sushi und taiwanesischen Rezepten. Warum macht eigentlich niemand ein "europäisches" Restaurant auf und variiert Labskaus, Weissworscht und Döner?

.

Aber ach, wohin das führen würde - vielleicht auf öffentliche Parkbänke, mit einem Schirm bei Bedarf und einer Flasche Sekt, sowie mit voller Raucherlaubnis? Wenn das nicht wirken würde wie eine Ich-AG auf Betriebsausflug, ja dann...  

Andrea Diener

15. November 2009, 14:40

FinMike, über die seltsamen Asiabuden wundere ich mich auch immer. Die Leute müssen da schier übermenschliche Schichten am Wok schieben, es sind jedenfalls immer dieselben. Solange denen das Geschäft gehört, ok., aber oft genug sind das Ketten. Da fragt man sich schon, wer da eigentlich was am Schwein süß-sauer mit Dosenananas verdient – und wieviel bei den Angestellten landet. Vermutlich wenig. Entsprechend motiviert sind die dann auch meistens.

.

colorcraze, die Strandbar ist so etabliert, sowas gibt es mittlerweile sogar schon im beschaulichen, trendresistenten Griesheim. (Aber keine Pilze. Hier wird noch bei Schneesturm im Freien geraucht. Alles harte Männer.)

FinMike

15. November 2009, 14:51

http://www.thandorf.de

@Andrea Diener - vermutlich rechtfertigen die völlig überzogenen Mietpreise für die "besseren" Lokationen einen Teil der Preise. Aber auch nur einen Teil, und vermutlich nicht den größten.

.

Und die "Motivation" des erwähnten Personals besorgt oft die Aussicht auf baldige Abschiebung beim ersten Mucks.

Raffy Ryff

15. November 2009, 18:48

http://machmichgluecklich.eu/

Der einzige Pilz mit Italianita' ist der Weisse Trüffel. Buon Appetito!

colorcraze

15. November 2009, 19:46

Apropos "Asia": in Berlin sind das meist Vietnamesen, die zu DDR-Zeiten als Gastarbeiter in die DDR geholt worden waren und hier geblieben sind. Ein Teil schlug sich direkt nach der Wende mit Zigarettenschmuggel durch, inzwischen haben die meisten seit Jahren einen Imbiß oder einen Blumenladen, den sie betreiben. Vor 1990 gab es in West-Berlin auch schon einige Chinesen und Vietnamesen, die Restaurants hatten, für die ist es allerdings durch die Konkurrenz schwerer geworden. Die Imbisse müssen billig wirtschaften, denn wie sollen sie sonst ein warmes Essen für 5 EUR auf den Tisch bringen können. Das geht natürlich nur mit billigsten Zutaten und sparen, wos nur geht. Da die Moden immer mal wechseln, und die Leute mehr wert auf billiges als auf besonders gutes Essen legen, und die Berliner eh nicht mit dicken Geldbeuteln gesegnet sind, wird halt dann alles ausprobiert, was ankommt. Die Sushiläden, die vor 5 Jahren so schwer Mode waren, wurden fast ausschließlich von Vietnamesen betrieben. Einige versuchen sich auch an Thaicurry - man muß sich nicht wundern, wenn einem da ein Brokkoli entgegenglotzt, der nun wirklich nicht reingehört. Leider machen sie wenig Vietnamesisches, dabei wäre das sehr wohlschmeckend. Aber ist wahrscheinlich zu aufwendig und zu teuer von den Zutaten her, wenn mans richtig machen will. Mit der Frau aus dem West-Berliner Vietnam-Restaurant, das es leider nicht mehr gibt, hatte ich mich seinerzeit mal unterhalten, die betrieben einen ziemlichen Aufwand für die guten Sößle und Beilagen, und man bekam auch immer ein Stück geschnitzte Karotte als Dekoration (Gemüseschnitzen ist in Vietnam wohl Kult, kein Essen ohne ein kunstvoll als Figürchen oder Blümchen geschnittenes Gemüs). -

Davon abgesehen gibt es diverse Libanesen und andere Araber, die semiitalienisch kochen bzw. kleine Pizzerien betreiben. Call-a-Pizza hat in Berlin in den 90ern ein Perser hochgebracht und schließlich wieder verkauft. Die Pizzas waren gut, und das Geschäft lief wohl recht ordentlich. -

Selten mal versucht es wer mit arabischer Küche, aber die wenigen, die ich damit beobachtet habe, machten nach wenigen Jahren wieder zu. Ist anscheinend nicht so recht mehrheitsfähig (außer vielleicht an manchen Ecken in Neukölln oder Wedding, aber ich hatte schon länger keine Zeit mehr, mal in der Stadt wieder Entdeckerles zu spielen). -

Ja, die Arbeitsbedingungen in der Gastronomie sind wohl durchgehend schlecht. Bestimmt die Hälfte arbeitet völlig "schwarz", also ohne jede Sozialversicherung, keineswegs nur die ohne Papiere, die sich in der Küche versteckt halten.

Observator

16. November 2009, 13:12

Die Situation der diversen Asia-Imbisse kann ich nachvollziehen; diese Betriebe könnten sonst kaum überleben. Es ist mir jedoch ein Rätsel, wie sich diese Asia-Geschenke-Shops am Leben halten, die ich in Halle und Leipzig hin und wieder sehen konnte. Das sind Geschäfte, in denen man prinzipiell nur Talmi der Marke Plastikbuddha, Keramikkitschelefanten und ähnliches kaufen könnte, wenn man das wollte. Kunden konnte ich darin aber nie beobachten und meine ortsansässigen Freunde gingen davon aus, dass es sich um reine Geldwaschanlagen handele. In Frankfurt ist mir so etwas bislang noch nicht begegnet, doch möglicherweise existieren solche Läden auch hier in der einen oder anderen Ecke.

colorcraze

17. November 2009, 22:20

Ha, als hätte der Wirt den Artikel gelesen, glotzt mich heute nun in nächster Nähe vor dem Stella Alpina in der Suarez ein Vorzelt mit 3 Tischen samt Heizpilz an!!

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15. November 2009, 22:25

Méditerranisés | Amyklai

18. November 2009, 18:09

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