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Ding und Dinglichkeit

Im toten Winkel der Poesie: Die Plastiktüte

18. November 2009, 22:18 Uhr

Ich hätte es wissen müssen, als ich mich auf den Platz direkt neben dem Mann mit der gebraucht aussehenden Plastiktüte setzte. Bei Lesungen oder Ausstellungseröffnungen tauchen immer diese Männer mit gebraucht aussehenden Plastiktüten auf, und die sind alle ein bißchen irr. Die meisten kommen nur, wenn der Eintritt frei ist und besonders dann, wenn es was umsonst gibt und ganz besonders dann, wenn es Wein umsonst gibt. Dieser Abend war also ganz nach dem Geschmack des Mannes mit der Plastiktüte.

"Haben Sie schon einmal an so einer Veranstaltung teilgenommen?" fragte er mich, kaum, daß ich mich gesetzt und die Handschuhe ausgezogen hatte. 
"Wie – im Publikum? Ja, durchaus", sagte ich.
"Ist das heute Abend eine Lesung oder eine Podiumsdiskussion?" fragte er.
"Eine Lesung", sagte ich leicht irritiert. Ich denke ja immer, Menschen, die auf Lesungen gehen, sind wenigstens grob darüber orientiert, was sie sich da gleich zu Gemüte führen. Anscheinend nicht alle.

Der Plastiktütenmann klärte mich dann darüber auf, daß er öfter hier am Hause vorbeigehe und nun einmal an so einer Veranstaltung teilnehmen wolle. Dabei krallte er sich an seiner Plastiktüte fest, an der er sich augenscheinlich schon so oft festgekrallt hatte, daß die Farbe ganz abgewetzt war und das weiße Material hervorschien wie bei einer Moonwashed-Jeans aus den Achtzigerjahren.

Die abgewetzte Plastiktüte ist die Handtasche des einsamen alten Mannes. Meist schon mehr als ein bißchen wunderlich und mit einer leichten Neigung zum Suff stopft er die Plastiktüte voll mit Zeitungen, wahllos zusammengesammeltem Informationsmaterial und anderen Dingen, ohne die er das Haus nicht zu verlassen sich in der Lage sieht und begibt sich auf seine abendliche Wanderung durch die Kulturinstitutionen der Stadt. Er ist sehr höflich, spricht jeden an und riecht meist etwas streng. Es gibt ihn in jeder Stadt, bei nahezu jeder Veranstaltung und manchmal auch in weiblicher Ausführung. Manchmal erzählen sie einem ihr Leben, dann erfährt man, daß sie seit 40 Semestern Germanistik studieren.

Vorne auf dem Podium liest ein junger Lyriker, und während die Wörter an mir vorbeihuschen, denke ich über die Melancholie der Plastiktüte im Endstadium nach. Denn der Beginn ist ja so hoffnungsfroh, wenn im Laden Frischgekauftes in die Tüte gepackt und stolz nach Hause getragen wird. Sie ist ein Symbol gerade eben vollzogenen Konsumverhaltens, seht her, ich tu was für die Wirtschaft, ich habe gerade eben dazu beigetragen, einen Arbeitsplatz zu erhalten. Man tut heute ja nichts mehr einfach so privat, kaufen oder Kinderkriegen, man tut es für das ökonomische Wohlergehen des geschätzten Vaterlandes.

Dann tritt die Plastiktüte ihren ersten Gang an, bis sie im Heim des Käufers ankommt. Alles, was nun folgt, ist schon eine Zweitverwertung, für die sie nicht hergestellt wurde. Sie deckt Dinge ab, die nicht naßwerden sollen, sie transportiert Gegenstände, die keine Griffe haben, sie wird mit alten Kissen gestopft und als Knieposter für Gartenarbeit verwendet – ihre Einsatzgebiete sind mannigfaltig und immer irgendwie provisorisch. Man verwendet sie, wenn man nichts besseres hat. Die Nachkriegsgeneration konnte mit einer Plastiktüte, etwas Draht und Isolierband praktisch alles reparieren. So jemand war auch mein Großvater: Immer mehr kaputte Gegenstände im Haus wurden durch Konstruktionen aus diesen drei Materialien ersetzt, was nicht schön war, aber billig. 

Ein besonders abgewetztes Exemplar, auf dem man die Hertie-Rosette kaum noch erkennen konnte, nahm Gartenschere und Handrechen auf und kam regelmäßig einmal in der Woche mit zum Friedhof. Es hing in seiner ganzen in Würdelosigkeit gealterten Pracht am Lenker des Fahrrads, bis mein Großvater wieder zu Hause ankam und die Tüte die Woche über an einem Haken im Keller hing. Jahrelang lebte diese Plastiktüte mit uns. Und als sie endlich einen Riß bekam, was lange dauerte, wurde sie noch immer nicht ersetzt, obwohl sich neue, kaum gebrauchte Plastiktüten massenweise im Haushalt einfanden. Man trennt sich nicht so leicht.

In Österreich gilt das Plastiksackerl als Ausweis von zerstreuter Genialität. Der bekennende Messie Hermes Phettberg sammelt Staub jahrgangsweise und die Jagdbeute täglicher Sammeltouren in solchen Sackerln, dem Wiener Opernspezialisten Marcel Prawy dienten sie einstmals als Organisationsgrundlage seines Daseins. In rund tausend beschrifteten Sackerln sammelte er Dokumente, die er nach seinem Tod der Stadt Wien vermachte. In Phettbergs legendärer Sendung "Phettbergs Nette Leit Show" tauschten sich die beiden einstmals über ihren Sackerlfetischismus aus (Teil 1, Teil 2), der vom Hosensackerl über das Papiersackerl schließlich im Plastiksackerl seine Apotheose findet: "Das Plastiksackerl ist das Heiligtum", befand Prawy. Dies ist das Land, in dem eine große Supermarktkette mit drei- und überdimensionalen, leuchtenden Sackerln als Logo wirbt, davon können wir nur lernen.

Aber auch ohne Dichter ist die Plastiktüte zur Poesie fähig, wie eine schöne Sequenz aus dem Film "American Beauty" zeigt. Von diesen wenigen Ausnahmen abgesehen aber fristet die Plastiktüte eine unbeachtete Existenz im toten Winkel der Gegenwartskultur. Edle Geschäfte, die viel auf sich halten, verwenden keine Plastiktüten, dort gibt es Papiertüten mit Schnurgriff und fest gefaltetem Boden, wie ein Karton. Mit dem ordinären Gegenstand Plastiktüte möchte man sich dort nicht gemein machen, denn sie hat immer etwas billiges an sich, auch in ganz neuem, noch leicht stinkendem Zustand frisch vom Block. Der Rest der Menschheit greift mittlerweile zum handbedruckten Leinensackerl mit Heimatmotiv, das den etwas drögen Jute-statt-Plastik-Beutel abgelöst hat, während das praktische, faltbare Einkaufsnetz in Regenbogenfarben mit Druckverschlußetui nahezu ausgestorben ist. Zusammen mit einem zweiten Druckverschlußttui, das eine Regenhaube aus Plastik beinhaltete, war es einstmals unverzichtbarer Bestandteil ein jeder Tantenhandtasche.

Der junge Lyriker beendete seine Lesung, es folgte die Einladung zum Wein im Foyer.
"War ganz interessant, oder?" sagte der Plastiktütenmann zu mir.
"Ja, war es", sagte ich.
Wir standen gleichzeitig von unseren Stühlen auf, dann verlor ich ihn aus den Augen. Im Foyer traf ich ihn wieder, er stand vor mir am Ausschank. Es gehört zu den unheimlichen Fähigkeiten des Plastiktütenträgers, stets der erste beim Wein zu sein. Er nahm sich noch eine Brezel, setzte sich mit Glas und Tüte aufs Sofa, während ich noch in der Schlange stand, und begann mit wohldosierter Penetranz, auf eine dort bereits sitzende Dame einzureden. Er verhielt sich, kurz gesagt, völlig plastiktütenträgerkonform.

Veröffentlicht 18. November 2009, 22:18 von Andrea Diener
Kommentare

Stiftungsmensch

18. November 2009, 22:39

Vor einem Jahr war ich bei einem Vorstellungsgespräch, wo es darum ging, die Direktorenposten eines wissenschaftlichen Institutes zu besetzen. Ein aussichtsreicher Bewerber um die 60 scheiterte nicht zuletzt daran, daß er eine Jutetasche mitgebracht und sie auch noch gut sichtbar auf den Tisch gelegt hatte.

Gerade die junge Lehrstuhlinhaberin hatte von allen Beiratsmitgliedern dafür am allerwenigsten Verständnis.

muscat

18. November 2009, 22:41

Genau!! Wie der eine Typ an der Uni, geschätzte Mitte 60 ("Universität des dritten Lebensalters"), der immer zu spät ins Seminar gehuscht kam (der Professor daraufhin: "Und mit pünktlicher Verspätung erscheint wie immer unser Herr XY....").

.

Bin selbst mittlerweile auf ein unverwüstliches pinkes Nylonfabrikat (inklusive zweier Plastik-Einkaufsmünzen im Seitenfach) eines Herstellers ausgewichen, dessen Produkte u.a. als Prämie für das Bestellen eines Jahresabos einer Tageszeitung angeboten werden. War ein Geschenk einer guten, extrem praktisch veranlagten Freundin. Pink hätte ich sonst nicht genommen. Ehrlich.

Andrea Diener

18. November 2009, 22:54

Ich schwöre auf die Buchmesse-Leinentaschen in dezentem Schwarz mit geschmackvoller Aufschrift. Auch die baugleichen schwarzen arte-Taschen sind gern gesehen. Aber zum Vorstellungsgespräch würde ich doch auf die klassische Aktentasche  zurückgreifen, auch in wissenschaftlichem Umfeld. Sobald der Posten gesichert ist, geht dann wieder ausgebeultes Cordsakko plus Birkenstocks an Jutebeutel.

Filou

18. November 2009, 23:34

In meiner Studienzeit war die Plastiktuete das Behaeltnis all meiner Bildungsgueter. Das blieb bis heute so. Einen gab es, der hatte einen Samsonite. Der hat es dannn auch geschafft: Segelyacht in Nizza, Restaurantbesitzer in Vence.

Die Plastiktuete haelt einen auf Dauer unten.

ilnonno

19. November 2009, 00:35

Das war zwar eigentlich was für Mädchen, dennoch habe ich seit ewigen Zeiten Körbe. Kann man auf den Gepäckträger des Fahrrads spannen, fällt im Auto nicht gleich um und schneidet beim Tragen nicht in die Finger. Da liegen mit der Zeit zehn Einkaufszettel drin, und wenn ich im Laden stehe, weiß ich nicht, welcher der richtige ist...

HollyGolightly

19. November 2009, 01:02

Ich habe mal einen Mann kennengelernt, der doch allerlei Grund zur Hoffnung gab. Auf der ersten gemeinsamen Reise entpuppte sich eine Plastiktüte als sein Kulturbeutel. Von meinem entsetzen Blick hätte ich heute noch gern ein Foto.

Aber gibt es eigentlich wirklich keine Einkaufsnetze mehr? Ich glaube, das fände ich schon wieder schräg schön. Ich werde mal ein paar Tantenhandtaschen durchstöbern.

Commentatore

19. November 2009, 01:46

http://www.anonymekoeche.net

In den 80ern trugen wir damit unsere punkig-wavige Attitüde in die Kleinstadt hinaus. Am ranghöchsten war, glaube ich, wer eine schwarz-weisse, schachbrettkarierte Tüte ohne Logo oder jeglichen Werbeaudruck am Handgelenk baumeln hatte.  

Andrea Diener

19. November 2009, 02:51

ilnonno, Körbe sind fein, solange es nicht regnet, denn dann regnet es rein. Und auch eher was für die Kurzstrecke, da voluminös, deshalb muß man die immer irgendwie vom Körper weghalten, sonst schlackern die einem an den Beinen herum. Der Korb und ich kommen im Alltag nicht so recht zusammen.

.

Holly Golightly, das ist disqualifizierend. Ich habe ein Auslauf-Trauma, deshalb packe ich Shampoo und Körperöl auch in Plastiktüten, wenn ich verreise. Aber den Kleinkram dann doch nicht.

Das mit den Netzen werde ich mal eruieren, aber auf der Straße sieht man sie kaum noch.

.

Commentatore, interessant. Daß Plastiktüten subkulturelle Relevanz haben, wußte ich so noch nicht. Wobei: Bei uns gab es so rucksackartige Tüten, die oben mit Schnüren zusammengezogen werden konnten. Dafür mußte man in sehr coolen Läden einkaufen und galt dementsprechend was. Aber das war ja auch Höhere-Kinder-Anstalt und auch nicht Kleinstadt.

HollyGolightly

19. November 2009, 03:12

Ich hab ihn dann ja auch trotzdem genommen u. zu Weihnachten erstmal einen ordentlichen Kulturbeutel verschenkt. Romantik wird bei mir ganz groß geschrieben.

Da aber der Rest wirklich passt, darf man(n) dann auch auslaufparanoid alles verzippern. Was haben Menschen wie ihr eigentlich auf Reisen getan, bevor es Zipperbeutel oder Plastiktüten gab? ;-)

Dr. Gailleton

19. November 2009, 04:35

Na war doch klar (.. es gibt sie noch, die guten...):

www.manufactum.de/.../EinkaufsnetzEisengarn.html

Moritz

19. November 2009, 07:40

Guten Morgen Frau Diener,

bei uns ist es eher die Nylonkorbvariante von Reisenthel, die es auch mit Deckel gibt. Natürlich das Original, disqualifizierend ist hier das Tragen eines Billig-Nachbaus.

Ich habe im Familienkombi auch immer eine Sammlung der unterschiedlichsten Plastiktüen zur Zweitverwendung für Spontaneinkäufe, ich finde es allerdings immer anstrengend mir zu überlegen, welche Tüte ich wo mit reinnehmen darf ohne in den Verdacht zu geraten, ein gemeiner Tütendieb zu sein....Rossmanntüte darf mit rein zu Edeka usw...

wazzerpfärdt

19. November 2009, 08:32

"Denn der Beginn ist ja so hoffnungsfroh, wenn im Laden Frischgekauftes in die Tüte gepackt und stolz nach Hause getragen wird."

Nun ja, liebe Frau Diener, schon da ist mein Empfinden nicht ganz so positiv. Wenn ich eine Plastiktüte bekomme oder gar kaufen muss, heißt dies immer, dass ich mich verschätzt habe und jetzt auf das umweltfeindliche Bald-Wegwerf-Gut zurückgreifen muss. Da weise ich doch lieber jegliches Tütenangebot stolz zurück und packe alles in Stoffbeutel, LKW-Planen-Umhängetasche oder Rucksack.  Auch Einkaufs-Roller werden wieder beliebter. Plastiktüten sind immer eine kleine Niederlage.

Reiterjunge

19. November 2009, 08:45

Wenn alles schief geht im Leben ist es ein Trost zu wissen das sich immer noch ein warmes Plätzchen und ein Glas Wein findet.

Dazu noch ein bißchen Kultur.

Falls gerade keine Podiumsdiskussion stattfindet hätte man immer noch die beheizte Stadt- oder Universitätsbibliothek als Stützpunkt.

Hoffentlich wird der Kulturbetrieb noch weiter subventioniert, sei es nun von öffentlicher oder privater Hand.

unellen

19. November 2009, 09:04

hihi, wie treffend :-) Bei mir herrscht grade striktes Plastiktütenverbot, zu Hause habe ich wirklich mittlerweile genug davon. In meiner Handtasche habe ich deswegen immer ein zusammengeknülltes Exemplar für kleine Einkäufe.

Was das Kulturtaschenproblem angeht: Ich packe immer die ganze Kulturtasche in eine große Plastiktüte, die dann mit einem Haargummiknoten abgedichtet wird, da ich mir auch mal einen ganzen Koffer voller Kleidung mit auslaufendem Shampoo versaut habe.

Dass man jemanden wegen einer Jutetasche nicht einstellt finde ich übrigens ziemlich oberflächlich.

Meine Großmutter hat übrigens über Jahrzehnte besonders schöne Plastiktüten gesammelt und trocken und dunkel gelagert, da haben wir nach ihrem Tod wahre zivilisatorische Schäzte geborgen. Wie eine Chronik unserer Konsumgesellschaft.

Aber jetzt mal im Ernst: Plastiktüten sollte man eigentlich verbieten, es schwimmen mittlerweile soviele davon im Meer herum wo sie in immer kleinere Einzelteilchen zerfallen und die Mägen von Vögeln und Fischen verstopfen, es liegen soviele in der freien Natur herum dass Wildtiere daran ersticken, etc. Eigentlich eine ziemliche Sauerei...

Stendhal

19. November 2009, 09:10

Ich empfehle Botticelli-Tüten, derzeit im Städel zu haben, und so kulturbeflissen macht sich vielleicht auch in Vorstellungsgesprächen gut. Auf solchen Lesungen war ich übrigens (fast) noch nie - zuletzt bei dem kürzlich erschienen Simplizius . Wenn ich rauskam, war mir meistens unklar, warum ich das hören soll, statt zu lesen, oder mein Abendbrot auf der Couch zu genießen.

Commentatore

19. November 2009, 09:23

Die Beuteltüten mit den Baumwollkordeln, richtig. Ich erinnere mich an welche von Fiorucci. Die wurden wie richtiggehende Trophäen herumgetragen – von Popper allerdings, niemals von Punks oder Waver.

Ephemeride

19. November 2009, 09:34

Schön machen sich Plastiktüten ja auch als lustigbunte Farbtupfer auf der langweiligen Oberfläche von Teichen und Tümpeln, als Kontrast zum ewigen Grau der Straßenränder und als Möglichkeit, den einen oder anderen Bergpfad zu zivilisieren. Schön auch, dass durch Sonne und Wasser nur die Farbe verwittert und irgendwann nur noch das reine Plastiktütenweiß übrig bleibt. Und manchmal - mit etwas Glück - peppen solche Tüten auch das Geweih von Wildtieren auf und umgarnen die Füße von Vögeln. Das ist fein!

tberger

19. November 2009, 09:52

Interessant - ich nutze Plastiktüten als Müllbeutel, um den Sattel des abgestellten Fahrrads und - auf Reisen - um im Koffer die Schuhe, Schmutzwäsche und Kulturbeutel von den anderen Gegenständen zu isolieren. Eine "Schutzfunktion" assoziiere ich trotzdem nicht damit - vielleicht bin ich nur zu unsensibel.

Zu den Papiertaschen: Es gibt - finde ich - kaum eine tragischere Gesellschaftskritik, als die Damen in Düsseldorf, die mit ausgebeulten und offensichtlich alten Hermès-Tüten herumlaufen. Wie traurig muß das Leben von jemandem sein, der sowas nötig hat.

Thessa

19. November 2009, 10:23

Einkaufsnetze gabs vor einigen Jahren mal bei Manufactum, wo auch sonst?!

Andrea Diener

19. November 2009, 11:28

Holly Golightly, vor dem Zipperbeutel war die Glasflasche mit Silberverschluß und Korkeinlage, die mittels Schlaufe im Koffer aufrecht stand. Ich besitze so ein Exemplar eines Toilettenkoffers:

gig.antville.org/.../1905991

Hat leider den Nachteil, ziemlich schwer zu sein.

.

Reiterjunge, an diesem Abend war es eine private Stiftung, die Kultur und Wein finanzierte. Eine Dame mit Erbe, die in guter Bürgertumsmanier soziale und Kulturprojekte fördert. Ganz so, wie es sein soll.

.

unellen, fies sind diese kleinen dünnen Plastikbeutel, die fliegen gern mal durch die Gegend. ich frage mich immer, wie die da überhaupt hinkommen, in die Gegend, und ob es wirklich noch so viele Idioten gibt, die ihr Zeugs in der Wildnis entsorgen. Bei mir dienen Plastiktüten ganz klassisch als Müllbeutel.

Andrea Diener

19. November 2009, 11:36

Stendhal, im Falle der Lesung handelte es sich um Nachwuchs, der noch nicht veröffentlicht ist. Das kann man leider noch nirgendwo lesen. (Zu Botticelli will ich auch noch.)

.

Commentatore, wie gesagt, ich war an einer reinrassigen Popperschule. Was als Alternative aber auch ging, das waren die Tüten vom "Musikladen" – den gibt es in Frankfurt ja immer noch.

.

thberger: Wie – sie besitzen keine Schuhbeitel aus Stoff? Na, da ist aber noch Distinguierungspotential da!

Ja, die alten, Hermès-Tüten, oder auch Louis Vuitton, die werden hier auch gern zweitverwertet. Mit den frischen unzerknitterten laufen fast nur die Asiaten im Markenshoppingrausch herum, siehe oben in braun und orange.

Der Gärtner

19. November 2009, 12:27

Ich hatte mal ein traumatisches Erlebnis mit einer Tüte: Eine Kollegin fragte mich ob ich ihr eine Tüte borgen könnte, ich gab ihr ein Exemplar eines besseren Frankfurter Bekleidungsgeschäfts die ich in meiner Bürotasche mit mir trug und musste mir dann die Unterstellung anhören, ich führte diese wohl mit um meine Kaufhallen-Einkäufe zu verstecken....siehe Hermès Tüten oben.

wazzerpfärdt

19. November 2009, 13:06

Vielen Dank für den Hinweis, Dr. Gailleton! Besonders begeistert war ich auch von der Rucksackvariante.

www.manufactum.de/.../RucksackEisengarn.html

muscat

19. November 2009, 14:33

wazzerpfärdt, dann doch lieber Plastiktüte.

Till

19. November 2009, 14:34

10 Jahre zuvor, als unsere gemeinsame Schule noch kein Popperladen, sondern vielmehr Restbiotop der eintrocknenden 68er-Bewegung war, galt so ein Türkenkoffer als chic. Am besten von Woolis auf der Zeil oder Kaufhaus Süd auf der Schweizer. Damals gab es noch keine Rucksäcke und Samsonite war was für manche Väter und solche Mitschüler, die später BWL (damals eher noch VWL) studieren wollten und schon mal das Sortieren ihrer wichtigen career-tools übten.

sylvia

19. November 2009, 14:51

Mmmh -- ein wenig Emphatie für den einsamen Plastiktütenmann? Schließlich hat er sich ja aus lauter Neugier "so eine Veranstaltung" angetan und vielleicht außer Wein und Brezel noch Lyrik mit nach Hause genommen? Ganz im Gegensatz zu der Dame, die gar nicht zugehört hat, weil sie an ihren nächsten Blogeintrag gedacht hat? Der mir übrigens an und für sich gefallen hat.

miner

19. November 2009, 15:40

Phettberg....es gibt noch jemand der Phettberg kennt. Ich habe mich gerade neulich gerfagt, was dieser Mensch eigentlich heute macht....

Filou

19. November 2009, 16:15

Wahrscheinlich laesst sich der Ph. immer noch in seiner Stube aufhaengen, und beweint die Abwesenheit huebscher Knaben. Und die werden immer abwesender...

Andrea Diener

19. November 2009, 16:26

Till, interessant. Mitschüler mit Hartplastik-Samsonite waren bei uns die Computerbesitzer, die darin ihre umfangreiche Floppysammlung herumtrugen. Die wurden später unweigerlich Informatiker.

.

Sylvia, manchmal muß man aus dramaturgischen Gründen nicht zuhören, damit eine Geschichte Mitte und Schluß bekommt :-)

.

miner, lieber nicht den Wiki-Eintrag lesen. Da steht, es gehe ihm ziemlich schlecht. Er ist auch nur noch ein Drittel seiner selbst.

Till

19. November 2009, 16:52

Informatiker gabs natürlich auch noch nicht. Dafür aber Thor Kunkel.

Grimaldeli

19. November 2009, 18:46

Ohne Plastiktueten komme ich leider nicht aus. Ich habe immer die 100er Rollen zu Hause und mindestens 5 Stueck in der Tasche. Aber nicht zum Einkauf, sondern um die dicken Dinger, welche mein kleiner Labrador ablegt, zu entsorgen. Meine Katzen gehen auf ihr Oertchen, aber soweit bin ich mit der Erziehung auch beim 5.ten Labrador noch nicht gekommen.

Der Mops eines Bekannten geht tatsaechlich aufs Katzenklo. Ist halt ein Mops!

Zum Einkaufen ziehe ich aber den klassischen Einkaufskorb und die klassischen Strohtaschen vor.

Julius

19. November 2009, 18:53

"Einsamer alter Mann"? "der seit 40 Semestern studiert"? Bei rechtzeitigem Start dieser Laufbahn ins Leere wäre der "alte" Mann ca. 40. Frau Diener, ich sehe das ja genauso wie Sie, aber fragen Sie mal andere, den Don Alphonso z.B., der demnach ein alter, sogar ein uralter Mann wäre.

Julius

19. November 2009, 18:57

filou: dauerhaft? Geben Sie nicht auf!

Devin08

19. November 2009, 18:59

http://www.herold-binsack.eu

Taschenmuffel

Ich bin auch so ein Taschenmuffel. Trage gerne eine nicht zu dicke Aktentasche mit mir rum - Rucksäcke trage ich nur auf dem Fahrrad oder beim Waldspaziergang -, für all das Zeugs von Papier bis Büroschlüssel. Aber für meine Brote und sonstige Utensilien wird’s dann eng. Die Tasche nimmt das nicht auf. Meine Frau hat mich dazu gebracht auf die gewöhnlichen Plastiktüten zu verzichten und etwas schmuckere Papptaschen zu nehmen, solche, die Frauen aus irgendwelchen Handtaschenboutiquen oder auch Parfümläden mitbringen. Sehen ganz lustig aus, vor allem wenn ein Mann damit rumläuft. Die trage ich dann bis das Brot unten durch fällt. Irgendwie sind da die Plastiktaschen halt doch besser, die besseren.

Andrea Diener

19. November 2009, 19:12

Julius, es gibt an den meisten Universitäten diese seltsamen Zausel, die schon immer da waren und noch immer da sein werden, deren Alter sich unmöglich schätzen läßt und die auch irgendwie alterslos sind. Die meine ich. Einige sind vielleicht erst 40, andere schon 80, aber alle tragen abgewetzte Kleidung, mitunter seltsame Kappen und eben Plastiktüten. Nageln sie mich nicht auf Altersangaben fest, aber einer erzählte mir einmal vom 36. Semester. Wenn er nicht dem hessischen Intermezzo der Langzeitstudiengebühren zum Opfer gefallen ist, die ja viele dieser Zausel aus ihren gewohnten Strukturen rissen, so gibt es ihn noch heute. Er dürfte mittlerweile grob 45 Semester auf dem Buckel haben.

Filou

19. November 2009, 19:19

Julius, unten ist es nett und bequem, und man muss nix schleppen.

Andrea Diener

19. November 2009, 19:22

Filou, ich würde auch weder Segelyacht noch Restaurant wollen. Nicht zu dem Preis, den sowas üblicherweise mit sich bringt.

dummbratz

19. November 2009, 19:59

@Andrea Diener

Also diese großen braunen Tüten auf dem letzten Photo kommen mir sehr

bekannt vor. Mit ziemlicher Sicherheit transportieren hier zwei Passanten

frischerworbene Schätze aus diesem Kaffeekapselclub, der sich im Wertigkeits-

anspruch seiner Produkte der Atmosphäre eines Briefmarkenladens anheischig

zu machen scheint. Die große Tüte dient oftmals dem Transport, der auf eine Art

Bezugsschein ausgegeben ersten Ration kleinteilig kaffeegefüllten, zukünftig

gelbtonnengeeigneten Aluminiumwertstoffes.

Der hochgerechnete Kilopreis dieser Ware mag eine belastbare Erklärung für

die etwas erhaben euphorische Stimmung in der, der Wegpflasterung nach

vermutlich in unmittelbarer Nähe befindlichen, Produktabgabestelle Frankfurt

liefern. Der gute durchschnittliche Geschmack wäre auch dem Geldbeutel

zuträglichger, wenn er nur mit einem wesentlich abgesenkten Preisniveau

korrespondieren müßte. Einem Ondit gewöhnlich gut unterrichteter lebens-

mittelwirtschaftlicher Kreise zufolge, scheint preisliche Abhilfe unter Einhaltung

der Kapselkompatibilität schon in der Pipeline zweier großer Discounter, die

sich u.a. auch auch im Kaffeegeschäft mit guten Qualitäten bewährt haben,

auf nicht allzu zeitfernen Abruf zu warten.

Foersterliesel und Gäste

19. November 2009, 20:00

liebe Frau Diener,

die alterslosen komischen Zausel sind oft postpsychiatrische Fälle, die es Anfang 20, bei der Ablösung von der Familie, schwer erwischt hat. Die Familien tragen das Kind mit, aber die Elten leben halt nicht ewig und Geschwister können beim Erbe sehr gemein sein und fürsorgliche testamentarische Verfügungen der Eltern beeinspruchen. Früher fanden diese Leute (die oft ein erstaunliches Spezialwissen in ganz merkwürdigen Gebieten haben) oft einen kleinen Job in der Poststelle von Uni, Bibliothek, wissenschaftlichen Instituten, beim Antiquar etc. Da sie einsam und arm waren,  frequentierten sie gerne Dichterlesungen, philosophische Seminare und Vernissagen (bei denen es früher Schmalzbrot und Wein aus dem Doppler gab). Fast jede wissenschaftliche Institution gab so einem Menschen etwas Halt. Einer meiner Chefs (ansonsten ein Gräuel, aber dafür: Hut ab!) stellte seinen gleichaltrigen ehemaligen Schulkameraden mit diesem Schicksal an. Er konnte sich frei im ganzen Haus bewegen, überall kleine Besuche machen, schrieb den jungen Damen Gedichte und er konnte jederzeit zum "Chef" auf einen kleinen philosophischen Disput.

Nun diese Zeit ohne Ausgrenzung, mit einem quasi familiären Auffangen ist vorbei.

Andrea Diener

19. November 2009, 20:14

Dummbratz, tatsächlich ist die Kaffeekapsel-Ausgabestelle genau gegenüber. Diese braunen Kuben im Hintergrund, sehen Sie die? Da wachsen Buchskugeln drin, dahinter stehen die Loungesofas mit den Heizstrahlern des Fertigkaffee-Ausschanks.

Nur was den Inhalt der Tüten angeht, muß ich Sie enttäuschen. Es handelt sich, was Sie natürlich nicht sehen können, um eine Gruppe asiatischer Herren. Die waren bei LV und Hermès und haben Lederwaren mit Logo besorgt, die sie daheim an ihre Damen hängen können.

.

Foersterliesel, so ist das. Man leistete sich früher noch Botengänger, Hofkehrer, Mädchen für alles oder sowas, das waren die klassischen Jobs für solche Fälle. Das gibt es nicht mehr, weil den Hof jetzt ein spezialisiertes Reinigungsunternehmen kehrt, das in der Woche mit modernen Kehrmaschinen 50 Höfe schafft, der Zausel lebt von Sozialhilfe und findet keinen Anschluß an die Gesellschaft. Am Ende profitiert davon eigentlich niemand so recht, außer dem Hersteller von Hofkehrmaschinen, der demnächst einen Mittelstandpreis vom Innenminister überreicht bekommt, weil er die Wirtschaft mit seiner Marktlücke enorm voranbringt und auch viele tolle Arbeitsplätze schafft. (Das war jetzt ein rein fiktives Beispiel zur Illustration eines Prinzips.)

dummbratz

19. November 2009, 20:41

Werte Frau Diener,

chapeau, obwohl ich gar keinen trage, sie operieren ja wie eine richtige Kundschafterin des Konsums. Und wenn Sie erst mal die M9 bedienen wird es

Zeit für den Tarnkappenshop. Die behalte ich dann in Ffm sicherhaltshalber auf dem Kopf, sieht ja keiner.

Till

19. November 2009, 20:43

Liebe Försterliesel: Sie rufen Erinnerungen in mir wach . Bei uns am Institut war es ein reizender älterer Herr Marke Hagestolz, der in einem schönen Zimmer mit Wandtäfelung saß und einen Kleinnager nach dem anderen aus deren Einzelknochen rekonstruierte. Gerne hätte ich seine Stelle geerbt, aber just zu dieser Zeit wurde die Laufbahn, die zum akdemischen Oberrat führte, abgeschafft. Und so mußte ich hinaus ins Leben.

colorcraze

19. November 2009, 21:34

@commentatore: oh ja, eine solche schwarzweiß karierte Tüte hatte ich (aus dem Booster in Zürich, DAS Plattengeschäft überhaupt seinerzeit), und hütete sie bestimmt 10 Jahre an der Wand, und eine pinkene Fiorucci-Tüte mit Kordel auch mal. Ich hatte auch Plastikgardinen - in der Küche farblose Folien mit roten, blauen und grünen Dreiecken aufgeklebt, und im Zimmer verschwenderische Stores aus Bauabdeckfolie, auf Schmetterlingsband getackert. Dazu selbstverständlich mit roter, blauer und grüner Folie abgedeckte Neonröhren an der Wand. In den 80ern waren Plastiktüten Kult, es gab viele schön bedruckte, die Geschäfte gaben sich richtig Mühe damit. - Die gut beschriebenen dicken Papiertüten mit Kordel sind mir recht lästig, weil sie den Papiermüll so aufblähen und ich keine richtige Zweitverwertung dafür habe, seit der Kachelofen nicht mehr geheizt wird, weil die Gasheizung halt doch viel bequemer ist. Und zum Schuhe oder Shampoo im Koffer zu isolieren (oder später Stinksocken) taugen sie nun wirklich garnicht.

Ju Honisch

19. November 2009, 23:08

http://www.juhonisch.de

Nächste Woche stocke ich den Vorrat wieder auf. Da bin ich auf einer Maschinenbaumesse und da gibt es - Plastiktüten. Allerdings die edle Art: querformatig, DIN A3, genäht, aus dickem oder Webplastik und mit Schlaufen, die man sich über die Schulter hängen kann, damit man die Hände frei hat um logo-bedruckte Kugelschreiber und Bonbons einzusammeln. Wer die schönste, praktischste und haltbarste Plastiktasche auf einer Technikmesse hat, kann sich vor Stand-Besuchern kaum retten. Und dann gehen wir alle, alle mit dem gleichen Logo unter der Achsel über die Messe.

Kekse waren gestern. Es lebe eminent pratische, vielseitig verwendbare, marketing-orientierte Supersonderplastiktasche. - Aber solche werden auf Lesungen vermutlich selten getragen.

@kritikaster

20. November 2009, 01:13

Welch merkwürdig herablassender Artikel. Der ältere Herr mit der werbefreien Plastiktüte...riecht etwas streng...So,so- das ist also die Sicht auf die Unterschicht, die sich keinen Mops leisten kann, nicht bei Versace oder anderen Schicki-Micki Läden einkaufen geht? Überheblicher und arroganter geht's wohl nicht? Die Leser-

kommentare machen es überdeutlich: Der gutverdienende Anteil der Gesellschaft

lebt in einer Welt, in der man eine eigentlich praktische Plastiktüte, mit Verach-

tung bedenkt, um dann nach Tüten mit Werbeaufdruck stolz herumzutragen. Damit Jeder sieht, wie toll man gerade in der Edelboutik shoppen war. Das ist krank.

Whistleblower

20. November 2009, 10:27

@ @Kritikaster: Sie müssen neu hier sein...Bei Frau Diener und Herrn Don Alphonsos wird allenfalls Konsum a la "Manufactum" goutiert. Dagegen sind Massenwaren und erst recht deren Konsum äußerst verpönt (siehe auch Meister Alphonsos Blog zum Thema IKEA ;-) ), eigentlich ist alles mit einem "Gschmäckle" behaftet, was nicht geerbt und imagemäßig einwandfrei oder zumindest auf 30 Jahre Nutzungsdauer ausgelegt ist (insb. auch Fahrräder, die wurden ja auch immer schlechter und alles wegen den gottverdammtem Asia-Komponenten (billige Feinmechanik,tsetse), vgl. wiederum D.A.'s Blog dazu). Kurz: Hier finden Sie eine besondere Sicht der Dinge, meistens eine unterhaltsame. Ein Nutzer -(User-)Treffen wäre allerdings wirklich interessant! [Wie wärs Frau Diener?]. Letztlich sind doch die meisten von uns ein bisschen "oldschool" auf die eine oder andere Art (die Erinnerung malt ja gern mit goldener Feder). Dem Eindruck aber, dass hier und bei Don Alphonso ein paar besonders interessante Dinos unterwegs sind, kann ich mich jedoch auch nicht verwehren. Aber sind die nicht auch schützenswert, weil vom Aussterben bedroht? Und in Konsumfragen ist doch die Wahlmöglichkeit das Wichtigste. Grüße WB

P.S.: Lesetipp Nr. 3 D.A.'s Blog zum Thema Pelze :-)

Andrea Diener

20. November 2009, 11:55

(Dummbratz, jetzt hat sich das mit der M9 schon hierher durchgesprochen!)

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colorcraze, die Papiertüten nutze ich, um den Papiermüll von der Wohnung zwei Stockwerke runter in den Hof zu bringen. Hier oben weilt der Stapel nämlich in einer Kiste mit der schönen Aufschrift "Bonzo – Große Lieblingsknochen", und die Kiste ist mir heilig ob ihres Alltagsdadaismus.

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Ju, ich wollte schon immer mal was über die ZVAB-Tüte machen, das ist nämlich das Pendant, das auf der Buchmesse jeder trägt, um dort Prospekte, Postkarten, Buttons und andere Goodies, nunja: einzutüten. Das ist allerdings eine sehr häßliche Papptüte, monströs groß und ein Hindernis, an dem man nicht vorbeikommt, wenn es sich im Gang irgendwo querstellt.

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kritikaster, ihr Kommentar läßt mich grübeln, ob er sich wirklich auf obigen Text bezieht.

Hiwwelhubber

20. November 2009, 17:23

... zu Alternativ-Hochzeiten - es muss vor den 1980ern gewesen sein - kreierte ich aus jugendlichem Übermut heraus die "Plastik statt Jute"-Tasche, die dann bald für herrlich irritierte und auch bösartige Gesichter sorgt... das war ein Spaß, damals!

Sehr apart finde ich dann im Straßenbild immer auch diese auffällig unauffälligen Plasiktüten in Dunkelbraun mit den goldenen Sternchen, die gleich verraten, dass darin der Schmuddelkram aus der Frankfurter Kaiserstraße transportiert wird :-D

OK, das war jetzt nicht so salonfein, passt doch aber zum vorgegebenen Thema,

meint der HH.

nurmalsozwischendurch

20. November 2009, 18:26

Hilfe Andrea, ich mache mir langsam Sorgen um Dich..... Erst lernst Du diese etwas merkwürdigen Medien-iPhone-Manager auf den Medientagen in München kennen, nun die Plastiktüten-Männer und der gute Don ist sicherlich auch nicht ganz unkompliziert... Triffst Du auch noch mal ganz normale Männer?

colorcraze

20. November 2009, 20:54

Stimmt, zum Zeitungen entsorgen sind die Papiertüten einigermaßen zu gebrauchen. Sofern sie keine Kunststoffkordel haben, denn Kunststoff macht sich in Papier wiederum schlecht (ja, ich habe eine Küchenschere. Aber kann es nicht was geben, das man nicht erst bearbeiten muß?).

dummbratz

20. November 2009, 23:27

Andrea Diener, bei der ZVAB-Tüte muß man schon aufpassen, da nicht in die

quergestellte hineinzustolpern, denn ehe man sich versieht ist man frisch

vertütet und kann nicht einmal sehen wohin die Reise geht.

Andrea Diener

21. November 2009, 08:14

Hiwwlhubber, ach da ist Schmuddelkram drin? Da können Sie mal sehen, wie naiv ich bin. Ich verbinde das immer mit diesen Herrenboutiquen der seriöseren Art, wo man beige Strickjacken bekommt. Wahrscheinlich ist das Absicht.

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nurmalsozwischendurch, mir macht Normalität immer ein bißchen Angst. Ich fühl mich dann so unnormal und kompliziert.

Hiwwelhubber

21. November 2009, 10:39

@Andrea: Ja, in den seriösen Herrengeschäften bekommt man diese Tüten eben auch, mit den beigen Strickjacken drin.

Und genau DIESEN Effekt machen sich eben die Schmuddelläden zu nutze!

Lacht der HH.

Straight Chris

22. November 2009, 16:10

http://www.christianmittermayr.com

Plastiktragetaschen - eine sehr komplexe Materie. Das Thema hier kreist offenbar um zwei Dinge: Die Dinglichkeit, und ein Psychogramm der Benutzer.

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Meine persönlichen Erfahrungen dazu: Von meiner frühen Jugend weg habe ich Plastiksackerl beim Einkauf nach Möglichkeit immer konsequent verweigert - der Umwelt zuliebe. Doch als im fortgeschrittenen Alter das Studentenleben begann, hatten Plastiksacker plötzlich einen Wert, nicht als Wertgegenstand oder gar Analageobjekt, aber als Nutzgegenstand. Bei bestimmten Handelsketten und Fachgeschäften sind die Tragetaschen gratis, Lebensmitteleinzelhändler sind so konsequent und verlangen Geld dafür. Grundsätzlich sollte eine "Tüte" von ihrer Herkunft her nie zu edel sein, aber auch nie zu billaig - es verträgt sich so schlecht mit dem Verwendungszweck. Das seltsame Bedürfnis Tragetaschen von ganz bestimmten Geschäften in Ehren zu halten habe ich mir (beinahe) abgewöhnt. Plastiktüten müssen einfach strapazierfähig sein und im programmierten Schadensfall tränenfrei der Mülltonne geopfert werden können. So ziemlich alles habe ich darin transportiert, als ich mich noch dem künstlerischen Studium widmete. Seitdem ich Theoretiker bin, ist das alles stark in den Hintergrund getreten.

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Manchmal ist es wirklich amüsant, was bei manchen Erbtanten auftaucht. In meiner Wohngemeinschaft waren bei meinem Einzug noch immer 130 Obstsackerl von der Vorbesitziern in einem toten Winkel verborgen. U.a. auch die Tüte eines Fotohändlers mit der Aufschrift "Jeder volle Film zum Hartlauer" - beinahe schon kulturhistorisch. Ein Billa-Sackl mit der Originalfaltung der Gretl Eybl habe ich aufgehoben, es liegt noch immer im toten Winkel.

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Mein persönlicher Nutzen, den ich aus der Verwendung von Plastiksackerln ziehe, ist folgender: Nur schwer abschätzbare Volumsvergrößerungen während des Verlassens der Zelle (vor allem beim Einkauf in Läden mit gebührenpflichtigen Sackerln) - sowie der übliche Kleinkram wie etwa Schmutzwäsche und Reisegepäck ganz allgemein.

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Und zu den Träger_inne_n von Plastiktüten: Es müssen nicht immer Sozialfälle sein, manchmal sind es Typen die cool wirken wollen, aber die Veränderungen der Zeit noch nicht bemerkt haben dürften, denen Distinktion ein täglich wieder kehrender theoretischer Begriff aus der eigenen soziologischen Arbeit ist, aber selbst kein Bedürfnis verspüren sich zu distinguieren.

Ladyjane

24. November 2009, 22:39

So ein schöner Titel, den würde ich mir patentieren lassen.

Trackbacks

Taschenmuffel

19. November 2009, 19:02

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