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Ding und Dinglichkeit

Latte aus der Nuckeltülle: Coffee to go

10. Dezember 2009, 14:57 Uhr

Welches Problem genau hat die Menschheit heutzutage mit der eigentlich so angenehmen Institution des Kaffeehauses? Es ist warm, was gerade im Winter von Vorteil ist, es gibt Torte, an der Wand hängen Zeitungen und der Stuhl ist meist auch gepolstert. Man darf so lange sitzenbleiben wie man will und sogar nachordern. Aber irgendetwas treibt den jungen urbanen Lebensteilnehmer aus den Kaffeehäusern heraus wie den Nestflüchter aus der Bruthöhle. Er lässt sich den Kaffee in einen Pappbecher mit Nuckeltülle abfüllen, auf dem der Hinweis steht, besagter Becher könne unter Umständen heiße Inhalte enthalten, stürzt sich samt Becher hinaus in die im Winter alles andere als lebensfreundliche Umwelt und trinkt seinen heißen Inhalt auf offener Straße.

Eigentlich, sollte man meinen, ist die Republik bereits flächendeckend mit Kaffeemaschinen ausgestattet, sodass man nahezu überall den Koffeinbedarf decken kann. In jedem besseren Büro zischt ein Espressomonstrum mit Milchaufschäumer vor sich hin, in jeder Wohnung steht chromblitzendes Baristagerät, nur die paar hundert Meter dazwischen klafft eine anscheinend entsetzliche Lücke, die durch mobilen Transportkaffee gefüllt werden muss.

Nun ist es ja so, daß das Kaffeehaus als Ort eine nicht unwesentliche Rolle in der westlichen Kulturgeschichte spielt. Los ging es Mitte des 17. Jahrhunderts in Venedig, 1650 ist das erste Coffee-House in Oxford nachgewiesen, 1652 öffnete das Virginia Coffee-House in London. In den folgenden Jahren verbreitete sich die Idee dort vor allem rund um die Börse und das Parlament und erreichte schließlich andere Städte wie Paris und Wien. Das Kaffeehaus diente als Verabredungsort in geschäftlicher, politischer und privater Angelegenheit und war, das war neu, für alle Stände offen. Hier konnte man mit wenig Geld Zugang zu Nachrichten und Wissen erlangen – wenn man nicht gerade eine Frau war, weshalb diese sich sehr gegen das Kaffeehauswesen wandten. Das Zeug stinkt und macht unfruchtbar, wetterten sie in der "Womens Petition against Coffee" von 1674. 

Im Traktat "Verteidigung der Kaffeehäuser" ("Coffe-Houses Vindicated", 1675) führt der Verfasser als Erwiderung gegen die erzürnten Damen allerlei gute Gründe an, warum die überall sprießenden Cafés eine überaus gute Entwicklung sind, und kommt zu dem Schluß: "So daß wir schließlich, in dieser ganzen Angelegenheit, und trotz der müßigen Sarkasmen und der trivialen Ablehnung, derer es ausgesetzt ist, mit nicht weniger Berechtigung denn Klarheit eben jene kurze Charakterisierung eines gut geführten Kaffehauses geben können (unsere Feder sträubt sich, jenen gräßlichen Löchern das Wort zu reden, die sich dieser Bezeichnung bedienen, um die in ihnen praktizierte Ausschweifung zu bemänteln): Daß das Kaffeehaus der Tempel der Gesundheit ist, die Kinderstube der Mäßigung, die Quelle der Sparsamkeit, eine Akademie des höflichen Umgangs und Schule des Einfallsreichtums."

Dazu kommt das Postwesen, das sich als "Penny Post" im Kaffeehaus etablierte, und die Versicherung Lloyds begann als, richtig: Kaffeehaus. Und nicht zu vergessen die guten alten Holzmedien: Die erste Zeitung, der "Spectator", wurde im Kaffeehaus gelesen und dort auch herausgegeben. All das, was dazu führte, daß Jürgen Habermas nicht weniger als einen Strukturwandel der Öffentlichkeit diagnostizierte und ihn am Kaffeehaus festmachte. Es war ein aufklärerisches Projekt, und in seinem Zentrum stand ein Getränk, das zur Abwechslung mal nicht betrunken machte.

Was hat das nun zu bedeuten, daß gute dreihundert Jahre Kaffeehausgeschichte über Bord geworfen werden, und stattdessen die Epoche des Pappbechers eingeläutet scheint? Zunächst einmal sitzt der Gesprächspartner oft genug nicht gegenüber und schon gar nicht am Nebentisch, sondern am anderen Ende der Leitung im virtuellen Irgendwo. Der Pappbechertrinker ist immer allein unterwegs, gern mit Mobiltelefon, meist geschäftlich beschäftigt tuend. Der öffentliche Raum, den er mit seinem albernen Tall Latte Double Cream Hazelnut Zimtstern Frappucchino zu erobern gedenkt, ist eine Parkbank oder gern auch ein Mäuerchen, das irgendein Stadtplaner mit Platzgestaltung verwechselt hat. Manchmal trinkt er such nicht stationär, sondern legt Wegstrecken zurück, bleibt nicht einmal stehen, die Nuckeltülle erlaubt es ja: Das ist die moderne Aufputsch-Druckbetankung für den Leistungsträger.

Der Coffee To Go ist die mobile Weiterentwicklung des Stehkaffees, der ja ohnehin schon etwas sehr ambulantes an sich hat. (Vermutlich ist er auch der Tod des Kaffeeautomaten, der Klare Brühe und Milchpulvercappuccino durch ein und dieselbe Tülle jagt, was ja nun wirklich kein Verlust wäre.) Während das Kaffeehaus einen Raum, also etwas innerhäusliches, für die öffentliche Sphäre reklamiert hat, gehen die Kaffeegeher genau umgekehrt vor: Sie tun so, als sei der Platz, also etwas außerhäusliches, privat. Sie setzen sich hin, trinken dort Kaffee und telefonieren mit Mutti. Sie ignorieren das Getöse um sich herum, richten sich in der Öffentlichkeit häuslich ein, und man fragt sich: Haben die eigentlich kein Wohnzimmer? Oder sind die da nur so selten?

Man kann sich einmal die Zeit nehmen, und die Schlipsträger beobachten, wie sie zur Füllstation wanken, die immer mit Hausfrauenjazz beschallt wird, wie sie komplizierte Englisch-Italienische Wortmassenkarambolagen unfallfrei und mit leicht amerikanischem Akzent aussprechen, wie sie jovial nebeneinander herumstehen mit ihren lächerlichen Becherchen mit der Schneeflöckchenbanderole darauf und der Warnung vor heißem Inhalt. Solche Leute erfinden keine Zeitungen. Solche Leute erfinden höchstens Telefone, mit denen man unterwegs fernsehen kann.

Veröffentlicht 10. Dezember 2009, 14:57 von Andrea Diener
Kommentare

Julius

10. Dezember 2009, 15:12

Zum Glück gibt es immer noch viele Menschen, die wirklich arglos fragen: Togo? Ist der Kaffee von dort so gut?

Don Ferrando

10. Dezember 2009, 15:18

Danke für diesen Text!

Der rote Faden Rucksack-SBahn-Pappbecherkaffee fällt mir wie Schuppen von den Augen.

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Das Kafeehaus wird nicht das letzte Gut sein, das unter der sich ausbreitenden Handy-RTL-Weltkompakt-Malle- Gesellschaft leidet!

Andrea Diener

10. Dezember 2009, 15:34

Julius, das liegt vermutlich auch an den vielen sehr phantasievollen Schreibweisen, in denen man diese simplen Wörtchen vorfinden kann.

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Ja, Don Ferrando, der moderne Mensch darf keine Rückzugsorte mehr haben. Er ist immer unterwegs, unter Beobachtung, nimmt seine Nahrung am Stehtisch zu sich und den Kaffee im Gehen. Ein grausliges Gesellschaftsbild, aber so ist es. Und viele, viele machen mit.

Not quite like Beethoven

10. Dezember 2009, 15:49

http://notquitelikebeethoven.wordpress.com

Sehr schöner Text, danke! Wobei ich mir nicht verkneifen kann zu sagen, dass man in diesen sogenannten Coffee-Shops ja oft genug auch nicht freiwillig drin bleiben möchte, auch wenn sie einigermaßen guten Kaffee haben. In meiner Gegend werde ich geradezu systematisch in die Zange genommen: Schöne Cafés mit grausamem Kaffee oder recht guter Kaffee in einer Umgebung, die man lieber verläßt. Mit Kaffee. Da drin bleiben würde selbst Habermas die Haare zu Berge stehen lassen...

ariadne

10. Dezember 2009, 16:08

Warum trinken Leute dieses Zeug? Vermutlich aus dem gleichen Grund, aus dem sie pseudo-orientalisches Fast Food aus einer Papierserviette essen und sich dabei die Knoblauchsoße (die eigentlich nur den müffelnden Geruch zu alten Fleisches überdecken soll) auf die Jacke kleckern. Oder weshalb sie in Wien (!) zu Starbucks gehen, statt in ein Kaffeehaus. Essen und Trinken beim Stehen und Gehen ist groß in Mode. Besonders schön zu beobachten an einem Samstag in der Innenstadt, überall wird gekaut.

Aber Frau Diener, möchten Sie wirklich, dass all diese Leute plötzlich die angenehmen Seiten eines schönen Kaffeehauses oder einer Konditorei entdecken? Ich nicht. Da bin ich egoistisch. Ich möchte auch weiterhin in Ruhe den großen Braunen trinken und meine Apfeltorte essen und dabei nicht von irgend einem in sein Handy schnatternden Anzugträger am Nebentisch gestört werden. Der soll ruhig draußen an der frischen Luft bleiben.  

sabineffm

10. Dezember 2009, 16:13

Vielen Dank für den interessanten Abriss über die Geschichte des Kaffeehauses. Mag die Kaffeequalität in den Coffee-Shops noch so gut sein, mir schmeckt er schon deshalb nicht weil ich ihn aus dicken Bechern anstatt Kaffeetassen trinken muß, außerdem bin ich eine leidenschaftliche Kuchen- und Tortenesserin, immer nur diese Muffins o.ä , meine Begeisterung hält sich da sehr in Grenzen

Julius

10. Dezember 2009, 16:20

Mir fehlt es da an Gelehrsamkeit. Ist das mit dem Coffee to go und den restlichen Nomadenattributen nun eine Folge der weitgehenden Privatbewirtschaftung des öffentlichen Raumes? Oder sind umgekehrt die To go-Nomaden, die sich überall hinsetzen, bereits die Gegenbewegung, also "Rück-Eroberer" verlorener Öffentlichkeit? Dann zumindest wär mir das geradezu sympathisch (wenn auch im Winter zu kühl).

Carolin Maras

10. Dezember 2009, 16:24

http://www.wedrinkcoffee.de/blog

Die absolute Kür des To-Go-Wahnsinns ist der "Espresso to go", der in den einschlägig bekannten Coffeeshops tatsächlich in eigens dafür gefertigten Kleinst-Pappbechern angeboten wird. Diese 25 ml Heißgetränk hat man schon getrunken, bevor man sich in den meist total überfüllten Etablissements zurück zur Tür gekämpft hat. Abgesehen von der Lächerlichkeit mit solch einem Mini-Pappbecher herumzulaufen, ist auch der Inhalt alles andere als befriedigend. Die Qualität des in den To-Go-Kolchosen ausgeschenkten Kaffees ist so mies, dass man sie nur mit ganz viel Sahne, Milchschaum, Sirup und Zucker ertragen kann. Da steht man doch lieber 20 Minuten in der Schlange bei Wacker´s Kaffee (zumindest die Frankfurter)!

Barocke Hörerin

10. Dezember 2009, 16:52

Beim Lesen Ihrer Betrachtungen fiel mir das Café Zimmermann in Leipzig ein, anno 1723 das größte und schönste Kaffeehaus der Stadt. Es lag gleich hinter dem Marktplatz in der Catharinenstraße, damals die vornehmste Straße Leipzigs. Mein Lieblingskomponist hat dort viele Jahre lang allwöchentlich Konzerte gegeben, bei schönem Wetter im Kaffeegarten, bei schlechtem in einem bis zu 150 Personen fassenden Saal. Höfische Tafelmusik nun endlich auch für Normalsterbliche (ich kann nur hoffen, dass auch Frauen in diesen Genuss kamen). Wie gerne wäre ich wenigstens einmal dabei gewesen! Und wie unvorstellbar ist das heute alles!

Andrea Diener

10. Dezember 2009, 17:03

Beethoven, die dicken, großen Sessel gehen ja noch. Aber die Selbstbedienung, einer der großen Irrtümer der Gastronomiegeschichte, die fürchterliche Happyhappy-Musik, und das anwesende Volk machen einem den Aufenthalt unmöglich.

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Ariadne, das begreife ich auch nicht. In Österreich bekommt man sogar an der Tanke Illy-Kaffee ausgeschenkt – einer der vielen Gründe, in Österreich zu tanken. Es gibt dort auch eine großartige Würstl-Kultur, die Döner-Kultur hingegen liegt, meinen letzten Informationen zufolge, ziemlich am Boden.

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Einreden lasse ich mir öffentliches Essen und Trinken hingegen beim Erzeugermarkt. Da wird ein temporäres, sehr großes Gasthaus simuliert, es gibt Bierbänke und -tische und den Äppler trinkt man auch standesgemäß aus dem Gerippten, nicht aus Pappe. So geht das nämlich.

Andrea Diener

10. Dezember 2009, 17:16

Sabine, mit Muffins werde ich in diesem Leben auch nicht mehr richtig warm, die haben diese seltsame Schaumstoffkonsistenz. Kein Vergleich mit weichen Bisquitböden, mit feuchtelndem Nußkuchen, mit fluffiger Schokoladencreme. (Mist. Ich komme gerade vom Zahnarzt und darf eine Stunde nichts essen.)

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Julius, das kann ich letztgültig nicht beantworten. Ich vermute, daß der Begriff der Öffentlichkeit irgendwie immer undeutlicher wird und sich verwischt. Stattdessen gibt es immer mehr virtuelle öffentliche Räume (Sie baden gerade ihre Hände darin), in denen Begegnung, Diskurs und Gespräch von Tisch zu Tisch stattfinden. Ich persönlich glaube ja, Blogs sind die Kaffeehäuser des 21. Jahrhunderts, mal sehen, ob sich das bewahrheitet.

wazzerpfärdt

10. Dezember 2009, 17:17

Solange die To-Go-Trinker an der frischen Luft bleiben, soll es mir recht sein, da denke ich wie Ariadne.

Aber wenn diese mit Laptoptasche und Handy am Ohr in überfüllte Busse steigen und den letzten Platz mir gegenüber ergattern, dann sehe ich rot. Eigentlich sollte ich im Büro immer irgendwelche Sachen zum Wechseln haben - oder den Mut, diese Damen und Herren aus dem Bus zu weisen.

Der Verfall der Kaffeehauskultur ist ja beklagenswert, aber die in Bus und Bahn Trinkenden sind einfach eine Pest.

Andrea Diener

10. Dezember 2009, 17:40

Carolin Maras, ich betrachte immer mit Freude, wie sich in Frankfurt das Wackers-Verbreitungsgebiet ausdehnt, und auch Stern-Kaffee von Wissmann ist mehr als trinkbar. Es ist gut, daß es vernünftige lokale Alternativen zum Großröster sowie zu den amerikanischen Ketten gibt, wo es einfach besser schmeckt, und es ist auch gut, daß diese lokalen Röster vom Kaffeeboom profitieren können.

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Barocke Hörerin, auch das ist so ein wunderbarer Aspekt der Kaffeehaus-Kultur, stimmt. Aber immerhin muß das gemeine Volk gegen Zahlung ja heute nicht mehr auf den Musikgenuß verzichten. Oder steht des Nachts mit dem Reclam-Libretto vorm Außenlautsprecher des Opernhauses.

elbsegler

10. Dezember 2009, 17:54

Verfällt da eine Kaffeehauskultur? Ich glaube nicht. Da ist eine Togo-Kultur zusätzlich entstanden. Man kann sich streiten, ob die Döner-Bude den guten alten Imbiss verdrängt. Aber so wie der Döner nicht den Italiener verdrängt kann auch Starbucks und Co. keinem echten Café was anhaben. Das sind zwei Welten, in denen bevorzugt ein Getränk gereicht wird, das man früher einfach als Kaffee oder in Berlin als Kaffe (mit stummem e) bezeichnet hat. Beide haben nichts miteinander zu tun. Oder können Sie sich ein Starbucks-Publikum in einem Café vorstellen?

Filou

10. Dezember 2009, 17:56

Ach was waren das schoen Zeiten, als man im Café noch paffen durfte, stundenlang sitzen, auf die Freundin warten, den Spiegel dreimal durchhatte.

Ein Café ohne stinkenden Zigarillo zu besetzen ist nicht mehr befriedigend. Darum gehe ich nur noch ins Café, um meine Toertchen zu schaufeln-und schwupps-bin ich wieder weg.

Das ist schade. Sehr schade.

Dankbarer Leser

10. Dezember 2009, 18:08

Wieder mal ein schöner Beitrag. Eins rauf mit Mappe!

Julius

10. Dezember 2009, 18:17

@ Andrea Diener: Woa, 100 Punkte für das Zitat! Eine so ölig-prilig verstandene Öffentlichkeit ist aber nicht attraktiv, oder? Schon gar nicht mit erzieherischem Gehabe (Clementine war vermutlich die Ursupernanny). Bäh. Bescheidene Frage: Wenn Blogleser die Hände drin baden, nehmen Blogger da nicht ein Wannenbad? (*Könnte warmes Wasser enthalten*)

hugoservatius

10. Dezember 2009, 18:20

Sehr verehrte Frau Diener,

.

ich stimme Ihrer Beobachtung vollumfänglich zu, muß mich aber über einige Kommentare trotzdem aufregen.

Einerseits sehen es alle hier Schreibenden genauso wie Sie, andererseits ist die Inkarnation des Schlechten dann immer der Anzugträger mit dem Mobiltelephon.

Ich bekenne offen:

Ich trage an drei von fünf Werktagen einen Anzug, mit Krawatte, Manschettenknöpfen und Einstecktuch, ich besitze zwei Mobiltelephone und entspreche auch ansonsten hinreichend dem Feindbild des gemeinen deutschen Intellektuellen, besitze mehrere Autos mit entsprechendem CO2-Ausstoß, nutze fast nie den ÖPNV und habe Frau Merkel gewählt.

Abends fahre ich ins Westend, hinter hohe Hecken, mit Seeblick.

Trotzdem habe ich noch nie in meinem Leben einen Coffee-to-go getrunken, meide Coffee-Shops, lese in der FAZ zuerst das Feuilleton, esse niemals im Stehen oder Gehen, hasse das Rauchen auf der Straße und schaue kein Privatfernsehen. Außerdem besitze ich mehrere Bücher und bevorzuge klassische Musik.

.

Mehr Gedankenfreiheit, weniger Vorurteile!

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Beste Grüße, hs.

.

P.S.

Jedesmal, wenn ich an meiner Stammtankstelle ein durchschnittliches Monatsgehalt für Benzin einzahle, werde ich gefragt "und, wie wär's, noch Kaffee und 'was zu Essen für Unterwegs?" und jedesmal antworte ich, daß ich diese Frage hasse, niemals in meinem Sportwagen Kaffee trinke und alt genug bin, einen eventuellen Wusch eigenständig zu äußern.

Das ist eigentlich noch furchtbarer, als der Kaffee aus dem Pappbecher.

hugoservatius

10. Dezember 2009, 18:24

Sehr geehrter Herr Filou,

.

ich hab' mich ja gar nicht getraut, das auch noch zu schreiben!

Ein Caféhaus ohne den Duft von Tabak ist ungefähr so schön, wie ein Fünfgangmenue mit Mineralwasserbegleitung.

Noch absurder wird es in Bars und Jazz-Clubs.

.

Tabakrauchumwehte Grüße, hs.

Andrea Diener

10. Dezember 2009, 18:35

Hugoservatios, bei meiner Tanke gibt's nur Hausmacherworscht, und die hat mir noch niemand to go andienen wollen:)

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Der gemeine Sichwichtigfühler-Unddasauchdemonstrierer ist ja nicht nur das Feindbild des Intellektuellen (den ich ohnehin für eine aussterbende Gattung halte), er hat es sich ja durchaus ob seines Axtimwalde-Benehmens mit einem ganz schön großen Teil der Stadtbevölkerung verschissen. Das sind allerdings selten die mit Einstecktuch und Manschettenknöpfen (und vermutlich auch anständigen Schuhen, wenn ich Sie richtig einschätze), sondern eher das Fußvolk mit dem Tuch von der Stange, das seine Ellenbogen, mit denen es sich an die Spitze zu kämpfen geruht, auch im Alltag sich einzusetzen nicht scheut – und etwa die Metzgerschlange in der Kleinmarkthalle als knallharte Wettbewerbssituation wahrnimmt. Wen Sie wählen, ist mir erstmal wurscht, solange Sie nicht neben mir stehen und Anweisungsvokabular ins mobile Device brüllen. Ich differenziere meine Feindbilder da durchaus :)

Andrea Diener

10. Dezember 2009, 18:36

Hm, Filou. Kontaktlinsenträger finden es durchaus ab und an ganz prima, sich nicht abends einen gelblichen Schmierfilm von der Sehhilfe rubbeln zu müssen.

Julius

10. Dezember 2009, 18:38

@ hugoservatius: Das mit den Büchern hat mich am meisten beeindruckt. Würden Sie mir eins abgeben? Ich find die Dinger voll krass.

hugoservatius

10. Dezember 2009, 19:12

Verehrte Frau Diener,

.

Sie schätzen richtig ein, ein Ihrer Profession angehöriger amerikanischer Freund behauptete einmal, ich sei die Imelda Marcos von Berlin-Charlottenburg...

Natürlich kann ich mir vorstellen, wen Sie meinen, nichtsdestotrotz sind mir die Klischees vorwiegend Ihrer und des Herrn Alphons' Leser oft zu einfach gestrickt.

Und wenn ich das Vergnügen hätte neben Ihnen in der Schlange beim Bäcker zu stehen, hätte ich sicher anderes zu tun, als mein Taschentelephon zu benutzen, dessen seien Sie bitte versichert...

.

Beste Grüße, schade, daß ich so selten in Frankfurt bin, hs.

.

P.S.

Das Problem mit den Kontaktlinsen hatte meine Frau in den seligen Zeiten vor Einführung des Rauchverbotes auch, ich finde aber Damen mit Brille eigentlich außerordentlich attraktiv, insofern, Mut zur Brille.

(Nein, ich habe kein Optikergeschäft)

Barocke Hörerin

10. Dezember 2009, 19:13

Was das Rauchen angeht: Als ich damit aufhörte (hoffentlich nicht zu spät), mochte ich auch kein Café mehr aufsuchen. Was mir bis dahin so ungemein gemütlich erschien, biss mir nämlich nun äußerst garstig und rauchig in die Augen, auch Kuchen esse ich lieber mit Sahne als mit Nikotinschwaden oben drauf. Nun, wo die Cafés endlich rauchfrei sind, ist es zu spät, jetzt trinke ich lieber Tee - und damit meine ich nicht den Teebeutelverschnitt, den man im Café meistens angeboten bekommt. Da fällt mir ein: Es gab ja auch mal Teestuben. In meiner Heimatstadt gab es in den Siebzigern eine, die aber eher als Drogenumschlagplatz verschrien war....

Wie auch immer, ich lege jetzt mal die Kaffeekantate von Bach auf.

hugoservatius

10. Dezember 2009, 19:17

Lieber Herr Julius,

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mit dem größten Vergnügen. Einige habe ich sogar doppelt, ich denke, es wird Ihnen Spass machen, zu wählen unter: Michael Bowler: "Racing with Aston-Martin", John Pawson: "Minimum" und Janosch: "Ich mach' Dich gesund, sagte der Bär".

Melden Sie sich einfach bei mir,

.

beste Grüße aus dem Bücherregal, hs.

Alter Bolschewik

10. Dezember 2009, 19:32

@Andrea Diener: Diese Backpulvermuffins finde ich ja auch schauderhaft, aber unübertroffen sind frische, noch warme Hefemuffins (fast flüssiger Hefeteig mit reichlich Butter, Zucker und Ei, nur ein, zwei Eßlöffel pro Förmchen) mit selbstgemachter Orangenmarmelade und --- Tee. Wenn dann die Heizung aufgedreht ist, Regen gegen die Fenster trommelt und ein gutes Buch zur Hand ist, dann kommt das vollkommenem Glück schon ziemlich nahe.

 

@Elbsegler: Sie scheinen in einer sehr glücklichen Stadt zu leben. Hier hat in der Innenstadt nur ein Kaffeehaus überlebt. Daß das schönste Kaffeehaus am Ort vor ein paar Jahren geschlossen hat, lag allerdings nicht an mangelnder Kundschaft, sondern daran, daß sich kein Nachfolger gefunden hat. Jetzt ist dort die Filiale einer Optikerkette drin... Der Starbucks hat sich drei Häuser weiter eingenistet.

Ausgewandert

10. Dezember 2009, 20:02

Herrlich, dieser Blick zurück nach Deutschland durch Ihre Augen. Hier, im To-Go und Drive Through Ursprungsland wohne ich in einer Kleinstadt, die tatsächlich eine Art Kaffeehaus Kultur hat (mit hinsetzen und verweilen und bei Bernice's Bakery sogar mit köstlichen Torten statt Muffins). Frühmorgens allerdings stehen die Einheimischen in der Kaffeeschlange. Nicht im Vorbeigehen, sondern im warmen Auto (meist ein Pick-Up Truck - ich wohne in Montana) am Espresso Drive-Through. Ebenso wie Bank- und Apotheken-Durchfahrtsangebote habe ich auch den On-the-Road-Coffee im Rahmen meiner privaten landeskundlichen Studien getestet. Das Brühprodukt war lecker - sicher schmackhafter als der durchschnittliche US-Büro-Filterkaffee, der den Namen nicht mal der Farbe nach verdient. Vielleicht daher der morgentliche Andrang. Die Buden schließen alle gegen Mittag. Und dann gehen doch alle wieder ins Kaffeehaus.

Mit Verwunderung höre ich übrigens meine Mutter (eine Spätsiebzigerin ohne Mobile Device und wichtigem Beruf) begeistert über "Schtrabucks" Kaffee und fluffige McMuffins reden. Wenn nun selbst sie sich lieber selbst bedient, als von klassisch livrierten Kellnern im Wiesbadener Café Maldaner ihr Kännchen gebracht zu bekommen, dann sehe ich da doch ein Stück alte Heimat in Gefahr. Und werde beim nächsten Besuch im Rhein-Main Gebiet auf ein Stück Schwarzwälder Kirsch im Maldaner bestehen.

Savall

10. Dezember 2009, 20:13

Ey, wie schmeckt der Coffee süße. Obwohl ich gerade beim Tee bin (Prince Waldimir; verstößt gegen die reine Lehre, weil aromatisiert, paßt aber hervorragend in die Jahreszeit). Aber hin und wieder kann man dem Kaffee nicht entkommen. Wobei ich ja bisher dem historischen Vorurteil anhing, daß das Kaffeehaus erst im Gefolge von Kara Mustafa in Wien Einzug hielt und sich von dort aus verbreitete. Da sieht man wieder, daß eine regelmäßige Überprüfung von Vorurteilen bildend sein kann. Danke, Andrea. Der Einfluß des Kaffeehauses auf die europäische Literaturgeschichte jedenfalls kann nicht hoch genug überschätzt werden. Heimito von Doderer, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, hat wohl den Großteil seines Werkes im Kaffeehaus verbrochen und ihm zumindest in den „Dämonen“ ein unsterbliches Denkmal gesetzt. Ich glaube übrigens mit ariadne, daß die Schnittmenge von Kaffeehausbesuchern und Pappbecherträgern gering ist, so bleiben sollte und auf jeden Fall die Existenz von Kaffeehäusern nicht gefährdet. Bei uns hat sich neben dem Coffebaum auch noch das berühmte Café Corso erhalten („Doktor Faustus“, die Leipzig-Kapitel). Und sogar das Riquet, daß zu DDR-Zeiten bloß eine verklärte Erinnerung der Altvorderen war, hat sich wieder berappelt. Insofern sehe ich das gelassen. Die Starbucks kommen und gehen, der Kaffee aber bleibt.

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Ich weiß nicht, Barocke Hörerin, ob Sie das Label Winter & Winter kennen. Dort gibt es seit einigen Jahren eine Reihe von verblüffenden Hörcollagen auf CD. Eine ist mir besonders lieb. Uri Caine hat einige Instrumentalpassagen aus Wagner-Opern für  ein Kaffeehaus-Ensemble arrangiert und diese Stücke in zwei venezianischen Cafés gespielt. Auf dem Mitschnitt hört man die Tassen klirren, die Leute leise im Hintergrund reden, es ist als wäre man bei „Tod in Venedig“ dabei. So kann man dergleichen in den heimischen vier Wänden zumindest simulieren.  

Frank

10. Dezember 2009, 20:26

Über den Verlust der traditionellen Kaffeehauskultur kann man sich ja zu Recht beklagen. Allerdings war die in Deutschland schon lange tot, ehe sich die Coffeeshops breit machten.

Der Witz ist doch, dass augerechnet Starbucks und Co. erst wieder halbwegs trinkbaren Kaffee nach Deutschland gebracht haben.

Haben Sie mal versucht, Anfang der neunziger Jahre in der Frankfurter Innenstadt einen Kaffee zu bekommen? Da gab's meist nur abgestandenen bitteren Filterkaffee. Oder das Oma-Cafe, das mit beispielsweise Wiener Kaffeehauskultur auch nichts gemein hatte.

Über die Lust am Pappbecher kann man sich ja streiten. Aber es kommt doch drauf an, was drin ist.

Beobachter

10. Dezember 2009, 20:52

@Frau Diener: Wenn der Becher keinen "Latte" beherbergt, sondern schlicht vernünftigen, schwarzen (Bohnen-)Kaffee ist die Sache halb so schlimm. Am Bahnhof ists mit Tasse und Untersetzer immer etwas umständlich. Also alles zu seiner Zeit, das böse McDoof hat übrigens gar nicht mal so schlechten Kaffee im Angebot (im Gegensatz zur Pulverbrühe des Erzfeindes). Starbucks verdient immerhin Respekt solche Preise durchzusetzen, bei denen man im klassischen Kaffeehaus sicher besser bedient ist.

@hugoservatius: Sind Ihre Schilderungen ernst gemeint? >>> Witzig bis lächerlich. Sind Sie ein Troll? >>> Chapeau!

Andrea Diener

10. Dezember 2009, 21:07

Barocke Hörerin, Teestuben gibt es heute wohl nur noch wenige in den äußersten nördlichen Ecken der Republik. An der Nordsee, auf Helgoland und so. Ich wüßte in Frankfurt keine mit Ausschank.

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Ausgewandert, Cafés in Kurstädten sind noch einmal ein ganz eigenes Thema. Daletzt hatte ich in Bad Nauheim das Vergnügen, eins dieser richtig alten Kurcafés zu besuchen, mit lindgrüner Seidentapete, üppigen Leuchtern und Seestücken an der Wand. Das sind Zeitreisen, sag ich Ihnen. Aber da muß es einem auf mehr ankommen als auf braunes Gesöff möglichst schnell zu einem möglichst niedrigen Preis.

Barocke Hörerin

10. Dezember 2009, 21:18

@ Savall: Winter&Winter, bei diesem Label sehen die CDs immer ein wenig aus wie selbst gebastelt. Aber ich fürchte, für jemanden wie Uri Caine bin ich zu puristisch. Und von Wagner wird mir übel, mir kommt diese Musik ein wenig vor, als wenn es Pink Floyd ins 19. Jahrhundert verschlagen hätte. Ich bleibe lieber bei Bach - pur.

Marco

10. Dezember 2009, 21:22

Schöner Beitrag!

Warum den Coffee to go? Es wird uns Zeitdruck suggeriert, in Wirklichkeit aber verplempern wir unsere Zeit, die uns mit anderem Blödsinn gestohlen wird. Wage mal zu behaupten, dass es in deutschen Cafés generell keinen seinem Preis adäquaten Kaffee gibt! Denn was bringt eine 3000 Euro Maschine aus Italien wenn man deren Düsen lediglich beim Frühjahrsputz mit dem Tischlappen streichelt? Im Süden werden Vollautomaten nach fast jedem Espresso beinahsterilisiert, weshalb man auch so lang warten muss. So ist das eben.

Andrea Diener

10. Dezember 2009, 21:25

Savall, die Legende, die Wiener eröffneten das erste Kaffeehaus mit erbeuteten Säcken der Türkenbelagerung, hält sich hartnäckig und wird immer wieder gern kolportiert. Die Wiener waren nicht die ersten, dann aber sehr gründlich bei der Ausprägung einer eigenen Kultur und vor allem nachhaltig. Das hält sich ja alles bis heute, inklusive Ober im Livree.

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Ich habe gerade mal bei jpc in den Wagner in venedig reingehört. Ich kann ja mit Wagner überhaupt nicht, aber *so* halte ich das 19. Jahrhundert gut aus. Den ganzen Schwulst weg, und was übrigbleibt, ist Caféhausmusik. Großartig.

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Frank, ich habe den Anfang der Neunziger in Bockenheim verbracht, denn da stand meine Schule. Und dort gab es haufenweise guten Kaffee an jeder Ecke. Mich fand man meist in Stattcafé, das war am billigsten dort und die Milchkaffeeschüsseln riesig.

colorcraze

10. Dezember 2009, 21:32

Die Druckbetankung mit Nuckeltülle (sehr treffende Bezeichnung) scheint mir auf dem Rückzug, zumal im Winter, wohl weil sie doch zu zuvielen fleckenden Unfällen führte und Stehcafés mittlerweile flächendeckend erreichbar sind. In der BVG haben sie jetzt schon eine Weile gegen Essen+Trinken in der U-Bahn quergeschossen, ich sehe es seltener als vor 5, 10 Jahren. -

Koffein und Nikotin sind die Drogen der Aufklärung, ich schätze, sie werden uns noch eine Weile erhalten bleiben, zumal ja jedes Jahr noch mehr Kaffee gesoffen wird. Auch die Bürolosen, die den öffentlichen Raum mit ihrer Geschäftigkeit verpesten, sind treffend beschrieben. Möglicherweise wird es bald, wenn die Zunahme der Selbständigen mit Laptop und Rollkoffer so anhält wie in meiner Nachbarschaft, so eine Art Mittelding aus Café und Bürogemeinschaft geben müssen. Die Hofwirtschaften in Mitte waren im Sommer schon recht gut auf diesem Weg.

Filou

10. Dezember 2009, 21:45

Liebe Frau Diener, wenn ich mich hier nur selten melde, liegt es daran, dass ich kein vernuenftiges Kompliment fuer Ihre Sicht der Dinge finden kann. Ich moechte es daher mit einer Anekdote tun.

Als Edgar Degas gefragt wurde, warum er nie geheirat habe, war seine Antwort: Er koenne es nicht ertragen, wenn seine Frau das Atelier betritt und sagt: Da hast Du aber wieder etwas Schoenes gemalt!

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Ich habe meine Madame gefragt. Niemals habe sie gelbe Schlieren auf ihren Kontaktlinsen gehabt. Das sie, so sagt sie, wieder zur Brille griff, lag daran, so sagt sie, dass ihr bei unseren artistischen Uebungen die Kontaktlinsen staendig verloren gingen. Sagt sei.

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@HugoServatius: Es wird Zeit, dass ueber die unueberbrueckbaren-und wuenschenswerten-gesellschaftlichen Grenzen hinweg Allianzen geschmiedet werden. Nach der gewonnenen Schlacht trennen sich dann unsere Wege wieder. Nie vergessen: Fuenf Finger bilden eine Faust. Solidaritaet mit den suedamerikanischen Tabakbauern! Che Guevara qualmte auch Zigarren. Fidel an die Antinichtraucherfront. La lotta continua!

colorcraze

10. Dezember 2009, 21:46

@Savall: danke, daß Sie an Heimito von Doderer erinnern. Der Joseph Roth hat ja wohl auch immer im Café geschrieben. Eben das macht für mich ein Café aus: man kann Zeitung lesen und schreiben, es ist nicht so laut, die Leute reden nicht so viel. Man hat dort genug Ruhe, um ein wenig zu denken und zu skizzieren. Tastaturgeklapper und Handygeblubber sind _immer_ zu laut, die brauchen einen Extraort. Vielleicht ein Nebenzimmer oder ein anderes Café 3 Häuser weiter, wo sich dann die Großraumbürogewohnten treffen können. Gespräche will man im Café weder aufgeregte noch tratschende, 2, 3 freundliche Sätze pro Tag müssen reichen, und da sind Begrüßung und Verabschiedung bereits inbegriffen. Eben dieses freundlich-distanzierte, ruhige, macht Cafés überhaupt erst zu Cafés. Und ansonsten müssen sie natürlich immer auch eimerweise Tee (richtigen, gebrühten, nicht aromatisierten) und guten Kuchen haben.

nico

10. Dezember 2009, 22:14

Cafè, cognac und cohiba. Genuß pur, und nicht mit to go zu vereinbaren.

hugoservatius

10. Dezember 2009, 22:24

Sehr geehrter Herr Beobachter,

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natürlich sind meins Schilderungen ernst gemeint.

Ich bin kein Troll, nur aus einer anderen, Ihnen wahrscheinlich nicht wirklich vertrauten Welt.

Der letzte Troll, den ich traf, war übrigens recht sympathisch. Es war bei einer Expedition ins Innere Islands, mein alter Land-Rover hatte 'mal wieder einen elektrischen Defekt und ich drohte ob meiner wenig ausgeprägten technischen Kenntnisse zu verzweifeln, er half mir und zeigte mir den Sicherungskasten.

Also bitte nix gegen Trolls.

Sie hingegen erscheinen mir in Diktion und Attitüde nicht ganz so sympathisch.

Gradezu uncharmant.

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Verschnupfte Grüße, hs.

Coffee to go

10. Dezember 2009, 22:35

Ich stimme im Prinzip zu.

Nur, eine Sache muss ich einwerfen. Den besten kaffee meines Lebens trank ich in London, auf dem Borrough-Market, mit einem köstlichen Schokobrownie, von einem STand, der nur Schokobrownies hatte und dem Kaffee.

Zu dem Kaffee hier einige Zeilen, die ich mir damals so notierte:

Gestern war ich zu Erst wieder auf dem Borough-Market. Habe da eine Brötchen mit OSaft gefrühstückt und mich, auf Chris anraten hin, auf die Suche nach den Megabrownies gemacht. War mein erster richtiger, aber dazu gleich mehr. Etwas süßes, so ganz ohne Kaffee wollte mir nicht recht behagen. Klar ich hätte zu Starbucks gehen können, aber das ist ja kein Kaffee.

Also habe ich nach langem suchen ein Markstand mit Kaffee entdeckt – wenn man Anthony Bourdain glauben schenkt, musste man da gar keinen Kaffee trinken, um zu wissen das der gut ist, denn es war die Hölle los.

Ich mich unverzagt brav hinten angestellt, gewartet und überlegt was ich nehme. Habe mich letztendlich gegen Cappuccino und Co, für einen einfachen Filterkaffee entschieden. Das war wohl auch die mit Abstand beste Entscheidung.

Ich musste zum Abholen meines Kaffees bei diesem Stand um die Ecke gehen. Da stand da eine Frau, eine Kaffeemühle und ein Heißwasserspender.

Der Filterkaffee wurde nicht, wie ich erwartet habe, von einer Warmhalteplatte runter serviert, sondern komplett frisch aufgebrüht. Aber nicht nur das, er wurde auch für jede Tasse frisch gemahlen. Man kann da auch Kaffeebohnen kaufen, so dass dort alle Sorten offen zu Auswahl liegen. Die Frau hat für jeden Kaffee gemahlen, in einen kleinen Papierfilter rieseln lassen, um den dann in einen Porzellanfilter zu tun – Mächtig unpraktisch, wird man sich denken, wenn da so ein Filter auf einem Pappbecher balanciert wird. Pustekuchen. Der beneidenswerte Besitzer dieses Standes, hat eine Vorrichtung für den Filterkaffee entwickelt:

Stellt euch 3 Edelstahlrohre oder ja, so Stangen halt vor, die im Abstand von vll. 4 cm zwischen 2 Holzblöcken aufgespannt werden. Darauf standen dann 8 Filter, und darunter dann jeweils die Pappbecher. Der Kaffee wurde erst aufgesetzt wenn man dazu kam, sodass man seine Menge bestimmen konnte. Er war köstlich. Und dann diese Atmosphäre beim brauen – ich habe selten zuvor einen so guten Kaffee getrunken.

Andrea Diener

10. Dezember 2009, 22:58

Marco, wo die ganze gesparte Zeit hingeht, würde mich auch mal interessieren.

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colorcraze, das ist ja das erste, was ich höre. Bei uns hat keiner mehr als das übliche, lasch gehandhabte Verbot gegen Essen und Trinken in der Bahn. (Wo sollen die ganzen Handwerker denn ihr erstes Bier nach der Arbeit aufmachen, wenn nicht in der S-Bahn?) Nur die Papierkörbe sind jetzt dauernd voll, weil nicht mehr reinpaßt als ein, zwei Becherchen.

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Coffee to go, der Papierfilter ist unterschätzt, sag ich doch!

faz-community.faz.net/.../imageverlierer-der-espressokultur-der-kaffeefilter.aspx

MD

11. Dezember 2009, 01:12

@ savall

wow! noch ein Kusmi-Kenner! Prince Vladi ist übrigens auch mein Favorit.

Haben sie auch mal den Earl Grey von Kusmi probiert? War bisher der  einzige er mich überzeugte.

Der Princess Anastasia ist mir allerdings zu sehr zitronig (-;

Und die Kashmirimischung ist übrigens für die naßkalten Tage im Winter sehr zu empfehlen.

Gruß MD

@ Frau Diener,

zu spät um alles zu lesen, deshalb nur eine Anmerkung, sei sie schon angebracht worden, verzeihen Sie mir:

Immer wieder besonders lustig: "Coffee to go zum Mitnehmen".

Und warum gerade wieder in der Stadt in jedem Plünnenladen Salz in der  italienischen Schreibweise angeboten wird, soll mir bitte auch mal einer erklären (-;

MD

miner

11. Dezember 2009, 01:18

Impulsiv, impulsiv...ein schöner Text mit wunderbaren energiegeladenen Wortkreationen. Da könnte man ja fast schon so eine Art Kampfeslust herauslesen...

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Gefällt mir gut.

dunnhaupt

11. Dezember 2009, 02:51

Pappbecher aller Arten sind mir ein Greuel, aber Pappbecher voll heißem Kaffee im gedrängt vollen U-Bahnwagen stellen eine echte Gefahr dar.  Wohin fahren diese Leute eigentlich?  Ist etwa an der Zielhaltestelle kein Kaffee erhältlich?  Neulich schleppte sogar jemand ein Tablett mit vier großen Pappbechern voll heißem Kaffee in die U-Bahn.  Kann jemand dieses Mysterium erklären?

Reiterjunge

11. Dezember 2009, 08:36

Zu den Cafés in Bad Nauheim ist folgendes zu sagen:

Achtung !

Das Haus in prominentester Lage und mit den ältesten Möbeln muß nicht in jeder Hinsicht das Beste sein.

anderl

11. Dezember 2009, 09:00

Andrea Diener, ich sehe da einen anderen Aspekt. Man möchte zunehmend auf jegliche soziale Nähe verzichten, nur nicht  -und sei es auch nur für einen begrenzten Zeitraum- mit anderen Menschen an einem Platz in räumlicher Enge verweilen müssen. Jederzeit kommentarlos gehen können. Die vermeintliche Gemütlichkeit des Kaffeehauses ist unter dieser Prämisse keine. Sie erfordert den Aufenthalt an Ort und Stelle, direkt neben anderen Humanoiden, man muss dort verharren, gar so lange, bis sich die Bedienung schließlich mit der Rechnung einfindet. Oftmals ziemlich eng aufeinandergepfercht.  Und Blogs sind nicht die Kaffeehäuser des 21. Jahrhundert, sondern das virtuelle Pendant zum Starbucks. Sie sind so herrlich unverbindlich, man kann jederzeit wegclicken, alle sind und bleiben virtuell, und man kann sie sogar unterwegs dabei haben, to go sozusagen. Im virtuellen Pappbecher.

Stephan

11. Dezember 2009, 09:52

Aber den allerbesten Espresso (so wie er in Norditalien bestellt wird) / Cafe (weiter südlich von Norditalien) gab - und gibt es hoffentlich immer noch - an italienischen Autobahntankstellen. Nein, nicht die Raststätten, dort wurde verschiedentlich schon auf Automatenjauche umgestellt. In oder gleich neben der Tankstelle, wo der Espresso zu den glücklichen Zeiten, als noch echtes Geld in Umlauf war für den Gegenwert von 800 Lire über den abgeschabten Tresen wanderte - mit einem Schuß geschäumter Milch (die Temperatur liegt im Gefühl desjenigen, der hinter der Theke steht und nie auf die Idee kommen würde, sich "Barista" zu nennen) für 1200 Lire.

Der italienische Milchschäumer hat ein Gefühl für seinen Kaffee und seine Maschine, erworben durch jahrelanges Training bei seinem Vater, der es bei seinem Großvater gelernt hat. Bei Starbucks und anderen Togoeischen Kaffeeausschenkern muss hierfür eine Standardanweisung und ein Thermometer in der Milchkanne reichen. Standardisierte Nahrung in standardisierten Behältnissen für standardisierte Kunden - wo ist das Zwischenmenschliche? Ein Erlebnis ist mir allerdings in Erinnerung geblieben: ein Besuch im örtlichen "Kaffeehaus" (selbstgerösteter Kaffee, die Milch wird nach Gehör geschäumt) vor dem Essen. Es gab alles im Pappbecher (insofern die Modernisierung des Kaffeehauses, inkl. Zeitungen an der Wand). Der Besuch im Mittelamerikanischen Hühnerbraterfastfoodetablissement danach sah dann wieder Porzellangeschirr - verkehrte Welt.

muscat

11. Dezember 2009, 09:55

Liebe Frau Diener, anstelle des Papierfilters bietet sich auch die gute alte Karlsbader Kanne an. Man braucht dafür allerdings min. 10 Minuten Zeit. Zeit, die andere lieber mit dem Anstehen bei S-Bucks verbringen. Von mir aus, bin eh nur noch selten in der Innenstadt.

eisenhans

11. Dezember 2009, 10:16

Hallo Frau Diener,

sehr schöner Artikel, weil (leider) soooo wahr! Ich persönlich glaube ja, das es dabei gar nicht um dem Kaffe geht, sondern um die Pap-Schnabeltasse als Mode-Accessoires.

Ju Honisch

11. Dezember 2009, 10:25

http://www.juhonisch.de

Ich habe einmal den Fehler begangen, beim "Sternenbock" einen Kaffee zu bestellen. Also keinen Furz-und-Feuerstein-Sirup-Sahne-Dingsoccino, sondern einfach nur einen Kaffee. Ohne alles. Er kam denn auch gänzlich ohne Geschmack.

Ich glaube ja, diese Kreationen sind Alibis für Leute, die denken, sie wären ernährungsbewusst. Süßigkeiten isst man nicht als moderner, fetzig erfolgreicher Mensch. Sie schaden der Figur, den Zähnen und vermutlich auch dem Image. Aber der Furz-und-Feuerstein-Sirup-Sahne-Dingsoccino ist ja ein Kaffee. Da kann man suggerieren, dass man wach und "alert" durchs Leben geht (und nicht durchs Leben sitzt, denn wer rastet der rostet) und sich nicht etwa an Verpöntem-Verbotenem labt wie Schokoriegeln oder Junkfood. Dabei hat so einen "Concoction" vermutlich nicht weniger Kalorien als ein Marsriegel, der ja verbrauchte Energie angeblich auch zurückbringt, aber dabei ungleich weniger hipp ist. Der Junk-Drink.

"Ach wie schmeckt der Kaffee süße" heißt es in der Kaffeekantate von Bach, die von der ersten musikalisch dargestellten Getränkeabhänigkeit berichtet. Man kann aber wohl davon ausgehen, dass "Liesgen Schlendrianin" ihn sich nicht im Laufen aus dem Pappbecher zugeführt hat. Those were the days...

Moxie

11. Dezember 2009, 10:50

"Und warum gerade wieder in der Stadt in jedem Plünnenladen Salz in der  italienischen Schreibweise angeboten wird, soll mir bitte auch mal einer erklären (-;"

Ich halte das immer für Französisch :))

Moritz

11. Dezember 2009, 10:50

Werte Frau Diener,

Ich bin ja auch Anhänger des handgefilterten Kaffees, beim Togo-Kaffee habe ich immer Angst um meine Krawatte. Zu Starbucks ummer Ecke kann ich auch nicht mehr gehen, nachdem ich bei einem dieser Latte-irgendwas-Ungetüme versucht habe den Deckel festzudrücken und dabei durch das Wegglitschen des Bechers ein mittleres Inferno angerichtet habe. Der Inhalt ist übrigens wirklich sehr heiß gewesen.....

Ich empfehle übrigens einen Ausflug nach Büdelsdorf (schöner Ort mit einem coolen, CO2-sparenden Kernkraftwerk), dort gibt es keinen Coffee-to-go sondern nur die old-school-Variante im weißen Porzellanbecher zum direkt-dort-Verzehren. Sehr kommunikativ, wenn man dort am Stehtresen steht, Kaninchenschauen sind dort auch Thema (ab und an).

Schönes Wochenende,

Gruss aus dem Norden

Moritz

BlackJack66

11. Dezember 2009, 11:03

http://walkinginboots.blog.de/

Sehr schön beobachtet und geschrieben. Also ich kann mich zwar nicht mehr richtig daran erinnern, aber ich weiß, das meine Eltern viel Zeit und wahrscheinlich Mühe aufbrachten um mir das trinken aus einer Tasse ohne Babynuckel beizubringen. Nun versucht so eine amerikanische Kette mir das wieder beizubringen?? Nö Danke, ohne mich. Wenn ich schon da einkehre, dann setze ich mich in so einen warmen Plüschsessel und beobachte gerne meine Mitmenschen. Ich nehme mir Zeit für mich, etwas was anscheinend fast niemand mehr hat und auch nicht zu wertschätzen weiß.

Am schlimmsten fand ich vor 2 Jahren in Wien, das dort direkt gegenüber von alt eingessenen Kaffeehäusern ein Starbucks aufgemacht hat. Der war voller Touristen, einen Platz im Sacher zu finden, dagegen sehr einfach. Und so tankte ich Kraft und Muße im Sacher und fand mich in bester Gesellschaft.

Andrea Diener

11. Dezember 2009, 11:11

dunnhaupt, diese eierkartonartigen Pappbecherverbände sieht man jetzt öfter. Da ist jemand lieb und bringt seinen Kollegen auch was mit. Die anscheinend auch alle die Büro-Espressomaschine nicht bedienen können.

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Reiterjunge, in die Tiefe der Nauheimer Kaffeehausszene bin ich noch nicht vorgedrungen. Aber die Gans ganz oben auf dem Berg war hervorragend.

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anderl, bei mir im Privatblog muß man sich erst mal registrieren, bevor man kommentieren darf. Das erfordert Commitment! Stammgäste gibt es auch. Und eine Speisekarte. (Das gut geführte Blog, nicht die gräßlichen Löcher, natürlich, die sich dieser Bezeichnung bedienen, um die in ihnen praktizierte Ausschweifung zu bemänteln).

Stendhal

11. Dezember 2009, 11:13

Ich frage mich nur, wo haben eigentlich die Türken und Araber eigentlich ihren Kaffee getrunken, denn von dort kam er doch hierher, oder irre ich mich?

Einen Troll für meinen Rover hätte ich übrigens auch an meiner Seite, die Werkstatt hat, soweit ich das überblicke, leider auch keinen!

muscat

11. Dezember 2009, 11:20

Moxie, ich kenne einen kleinen Hund, der so heißt wie Sie. Kennen wir uns vielleicht? Na ja, vielleicht ist dieser Hund aber auch einfach nur sehr schlau und in der Lage, eine Tastatur zu bedienen...

elbsegler

11. Dezember 2009, 11:21

@Andrea Diener

Ja, vielleicht ist es in unserer Stadt anders. Ich habe allerdings den Eindruck, als wäre das Kaffeehaussterben nicht in unzureichender Besucherzahl begründet, sondern in zu niedriger Rendite. Der alte Betreiber stirbt oder geht in den Ruhestand und die Erben stellen fest, dass man mit dem Vermieten des Ladens an irgendeine Plünnen-Kette ohne jede Arbeit ein vielfaches verdienen kann als mit einem Café, mit dem man sieben Tage die Woche beschäftigt ist. Dann wird das Ding halt dichtgemacht.

Katy

11. Dezember 2009, 11:25

Ich habe absolut KEIN Problem mit Kaffeehäusern, im Gegenteil, ich liebe sie, aufgrund der von Dir eingangs beschriebenen Dinge. ABER. Wenn ich morgens zur Arbeit gehe und an meinem Lieblings-Coffeeshop (jaja ... man sagt Kaffeehaus, aber ich darf das, ich hab einen Ami-Mann ;-)) vorbeikomme, habe ich leider *wirklich* keine Zeit, mich in dem sehr gemütlichen Ambiente dort niederzulassen (es sei denn, ich stehe dafür dann eine halbe bis dreiviertel Stunde früher auf), möchte aber auf meinen Latte Macchiato nicht verzichten. Die wunderbaren Leute hinterm Tresen kennen mich schon, und so steht schon ca. 2 Minuten nach Betreten des Ladens mein Becher (ohne "Nuckeltülle", nur mit einem ovalen Loch) bereit, ich zahle und gehe dann mit meinem "Latte to go" zur U-Bahn, wo ich ihn dann in aller Ruhe trinke. Wenn er alle ist, bin ich fast schon da wo ich hinmuss.

Gern hätte ich es anders, aber ich wäre schon sehr traurig, wenn es diese Möglichkeit *nicht* gäbe ... denn wir haben leider KEINE tolle Büro-Espressomaschine - der Kaffee daraus ist grauslig und nur in Notfällen zu trinken.

Klar sollte man es auch ab und an mal anders als "to go" geniessen, aber es hat halt nicht jeder flexible Arbeitszeiten, und abends um halb sieben ist mir dann meist nicht mehr so nach Kaffee.

Wenn ich allerdings mal frei habe oder am Wochenende bummeln bin, zieht es mich auch gern dorthin, und dann lese ich dort auch mal in Ruhe Zeitung ...

Ach ja, und Ju ... ich denke nicht, dass alle soooo viel darüber nachdenken, ob die Kaffeekreationen nun gesund sind oder nicht, ich denke aber auch, nur ein Bruchteil der Leute macht sich was vor, wie von Dir beschrieben. Die meisten wissen, dass ein Caramel Macchiato Kalorien hat und geniessen ihn einfach trotzdem, weil sie ihn mögen.

(Irgendwie steh ich hier mit meiner Meinung sehr allein ;-) Was solls ... it takes all kinds ;-))

Andrea Diener

11. Dezember 2009, 11:26

Ju, das ist vermutlich gar nicht mal so unplausibel. Bevor man Zimtsterne ißt, trinkt man lieber Tall Latte Double Cream Hazelnut Zimtstern Frappucchino, und Kaffee hat ja, wie wir alle wissen, keine Kalorien :)

Und wehe, man ordert noch was an Torte dazu. Diese Bomben dürften den Tagesbedarf locker abdecken.

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Moritz, das hab ich auch schon hinbekommen. Wenn ich dort was bestelle, dann am Hbf. vor langen Zugfahrten Tall (kleiner als tall gibt es ja nicht) Coffee of the Week, in den ich dann händisch Milch schütte, wozu ich allerdings das Deckelchen ab und wieder drauftun muß. Darüber kann man schonmal S-Bahnen verpassen.

Plebejer

11. Dezember 2009, 11:27

Der Trend scheint zurück zum Kännchen zu gehen, entdeckte dieser Frankfurter Szenegastronom in Tokio:

www.fnp.de/.../rmn01.c.6884873.de.htm

Hiwwelhubber

11. Dezember 2009, 11:27

... hat eigentlich jemand einmal ausgerechnet, wie viel zusätzlichen Müll die Plastikbecher mit ihren Plastiknuckelteilen jährlich global erzeigen?

Wäre doch auch mal so eine Frage.

Ausser Frage steht, wo ich einmal mein bestes und überraschendstes Kaffeeerlebniss (ohgott: jetzt mit 3 E!) hatte: Bei meinem ersten Besuch in Neapel, wo ich, noch etwas schwankend von der Fähre von Ischia kommend, in die nächste Bar torkelte und zu meinem simplen Expresso noch eine Silberschale auf der Bar fand... mit einer unglaublich leichten Nougatsahne mit gerösteten Nussstückchen (ohgott: jetzt mit 3 S!), aus der man sich freigiebig zum Hineinrühren bedienen konnte... ach, war das herrlich!

Das Gefühl der Italiener für Kaffee kann auch rettend sein: Nach einer grauenhaften und elend langen Serpendinen-Busfahrt hoch in ein Bergdorf der Amalfitana - ich muss sehr blass bis grün gewesen sein - bereitete mit der Barista einen extrastarken Erpresso und drüchte ein Stückchen ganz frische Zitronenschale darin aus - und die Übelkeit war nach 5 Minuten weg!

Ohhh, dolce Italia!

Schwelgt der HH.

Stendhal

11. Dezember 2009, 11:29

Also das mit dem Sacher muß nicht zwangsläufig funktionieren. Zuweilen stehen sie da Schlange am Einlaß und werden grüppchenweise reingelassen, so wie andere rausgehen. Aber vielleicht ist diese Beobachtung älter als Starbucks, ichbin da unsicher.

Andrea Diener

11. Dezember 2009, 11:54

Elbsegler, bei uns haben in den letzten Jahren ziemlich viele Cafés neu eröffnet. Jedes Museum hat jetzt eins, der Kunstverein hat eins, vor leerstehenden Ladenlokalen stehen plötzlich Stühle, und wenn man mal drei Wochen nicht hinguckt, macht schon wieder eine Biobäckerei mit Cafébetrieb auf. Stehausschank gibt es außerdem im Schuhladen und in der Geldwechselstube. Das ist völlig verrückt. Wer soll das alles trinken?

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Plebejer, in Tokio gibt's auch drinnen Kännchen, und in Frankfurt gibt es im limori Grünteesahnetorte. Verrückte Welt. Aber der japanische Konditor ist wirklich eine Bereicherung. (Da gibt es auch Kusmi-Tee, wo wir vorhin davon sprachen.)

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Hiwwelhubber, wegen Müll: Sagen Sie sowas nicht, sonst gibt es gleich wieder eine Gutmenschendebatte.

elbsegler

11. Dezember 2009, 12:16

Auch wenn hier wieder mit Vorliebe auf die üblichen Verdächtigen gezeigt wird, größter Mitnahme-Kaffee-Verkäufer in Deutschland ist mit Abstand Tchibo und nicht etwa Starbucks oder McCafé. Tchibo oder früher auch Eduscho oder Frielo waren das Kaffeehaus für den kleinen Geldbeutel. Dort gab es für wenig Geld eine Tasse Kaffee, die man im Laden am Stehtisch trinken konnte - natürlich in der Porzellantasse. In manchen Läden waren die Stehtische schon Stammtische, wo sich die Hausfrauen mal eben ein Tässchen genehmigen und ein Schwätzchen halten konnten. Dafür während des Einkaufs ins Café zu gehen, wäre zu teuer und fast schon dekadent gewesen. Ich liebte als Kind den Besuch dort. Der Kaffeeduft (damals bin ich sozusagen angefixt worden) war toll, die großen Kaffeemühlen sehr interessant und während meine Großmutter ihre Tasse Kaffee trank, naschte ich die Schokolade, die sie mir gekauft hatte. Damals so fast das einzige, was es außer Kaffee dort gab.

Reiterjunge

11. Dezember 2009, 12:19

Frau Diener, das Restaurant oben auf dem Berg in Bad Nauheim ist ein noch ziemlich neues Projekt eines Sportarztes der hauptsächlich vom Verkauf und Einbau neuer Kniegelenke lebt.

Früher war das einmal ein sehr volkstümliches Café. Einheimische sieht man dort heutzutage eher selten. Eher auswärtige Eingeladene.

Aber dieses Haus meinte ich in meinem letzten Beitrag nicht.

elbsegler

11. Dezember 2009, 12:27

@ Andrea Diener

Ja, das ist eine neue Welle. Kein Museum ohne Café. Nicht zu vergessen die Buchläden! Die Stehausschanke (oder -schänke?) in Schuh- und Textilläden halten aber nie lange durch. Wenn die merken, dass das ein teurer Gag des Innenarchitekten war, werden die Dinger schnell wieder dicht gemacht. Allerdings weiß man heute ja nicht mehr so genau, ob es sich bei dem Laden nun um einen Buchladen mit Café oder um ein Café handelt, was auch Bücher verkauft. Bei Tchibo wagt man ja inzwischen kaum noch nach Kaffee zu fragen, so viel anderes Zeug wird da verhökert.

Eine Anekdote aus grauer Vorzeit (80er Jahre des 20. Jh.): Als Tchibo begann, unter anderem auch Fahrräder zu verkaufen, boten Kölner Fahrradhändler auf einmal auch Kaffee an. Dazu stand im Laden noch ein Schild: Wir wünschen den Tchibo-Verkäuferinnen viel Erfolg beim Justieren der Kettenschaltungen!

Andrea Diener

11. Dezember 2009, 12:28

Reiterjunge, mir ist fast klar, daß Sie Nauheimtechnisch über Herrschaftswissen verfügen, und nun testen wollen, ob ich tief genug mit der Materie vertraut bin, Ihnen zu folgen. Ich gestehe: Es war mein erstes Mal dort, ich befand mich in Begleitung eines Eingeborenen, der mir Kontakt zur lokalen Bevölkerung genug war. Wer das Restaurant da oben führt, ist mir eigentlich wurscht, ob der Kniegelenke verkauft oder den Apfelwein seit fünf Generationen mundklöppelt. Die Gans war jedenfalls wirklich gut, und darauf kam es mir in dem Moment an, denn ich hatte Hunger. Authentizität ist was feines, taugt aber als Selbstzweck nur wenig.

Ephemeride

11. Dezember 2009, 12:31

Ich komme nicht aus Baden-Baden, möchte dort auch nicht leben - aber ich war vor kurzem dort in einem herrlichen Café, in dem man nichts anderes hörte als Zeitungsrascheln, ein paar dezent geführte Gespräche und das liebevolle Nachfragen der Kellnerin, ob man - bitteschön - noch etwas wünsche? Dort lässt es sich trefflich schlauen Gedanken nachhängen. Denn kreativ und visionär und individuell ist man doch nicht als Togo-Gehetzter, der nirgendwo Zeit für etwas richtig findet, sondern nur an genau solchen Orten der Anregung und der Ruhe. Insofern gebe ich meinen Vorkommentatoren recht: Eigentlich kann man froh sein, dass sich die Spreu vom Weizen trennt und in echten Kaffeehäusern keine schlipstragenden Schlepptopnutzer herumwichtiguern.

Ephemeride

11. Dezember 2009, 12:39

@Andrea Diener: Ich muss Sie - wenn auch sehr sehr ungerne - ein kleinwenig korrigieren (wenn Sie erlauben?): Teestuben, sogar vorzügliche, sogar sehr hübsche, sogar gar nicht marinierte, gibt es auch in München. Da tummelt sich dann auch nicht das 'typisch' innenstädtische Schicksenpublikum, gar die Mobilgesteuerten, sondern zitternde Omis und palavernde Nickelbrillenträger.  

elbsegler

11. Dezember 2009, 12:48

@plebejer

Das ist eine deutsche Sucht. Den Trend immer wo anders zu suchen. Dass ausgerechnet von Japan aus eine neue Kaffeehauskultur  die Welt erobern wird, mag ja dieser "Szene-Gastronom" glauben. Ich nicht. Man muss immer aufpassen, wer da von wem abguckt.

Dazu eine alte Geschichte. Zwei weiße Siedler zogen in die Rockys und bauten vor Einbruch des Winters noch ihr Blockhaus und begannen, Holzvorräte zum Heizen zu sammeln. In Sichtweite lebte ein einsamer alter Schamane, der das Treiben der beiden gelassen beobachtete. Nachdem beide einen riesigen berg brennholz gesammelt hatten, entschlossen sie sich, zur Sicherheit den Schamanen zu fragen, wie denn der Winter werde. Der murmelte nur vielsagend: "Winter!! Viel kalt!" Daraufhin sammelten sie noch mehr Holz und fragten wieder den Schamanen. Der antwortete: "Oh, furchtbares Winter! Viel mehr kalt!" In großer Sorge sammelten die beiden fleißig weiter. Völlig erschöpft fragten sie wieder und er sagte: "Schlimmstes Winter seit Welt geboren! Riesig viel kalt!" Völlig verzweifelt fragten sie nach, woher der Schamane denn wisse, dass der Winter so furchtbar werde. Der antwortete: "Weißes Mann sammeln sehr viel Holz!"

Julius

11. Dezember 2009, 12:51

Lieber Hugoservatius, unter "John Pawson Minimum" liefert Amazon folgende zierliche Beschreibung: "Eine in hohem Grade sought-after Bibel vom unbedeutenden ästhetischen, vorhanden im Taschenbuch zum ersten Mal. Ein außerordentlicher Sichtversuch, der den Begriff des Minimums in Bezug auf Architektur, Kunst und Entwurf erforscht. Wörter vom Verleger: Minimum ist ein Sichtversuch durch berühmten Architekten John Pawson, dessen Zweck, ist, wenn sie das Buch schreibt, die Idee des „Minimums“ als Denkweise, Funktion und Leben zu erklären. Die Seiten decken eine außerordentliche Strecke der steifen, schönen Bilder einschließlich die der Architektur, der Technik, der Keramik, der Möbel, der Fotographie und der Kunst von vielen Zeiträumen und von Kulturen auf, die kombinieren, um die Idee von Einfachheit auszudrücken."

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Menno, dass ist ein gutes Stück zu hoch für mich.

Tschonni

11. Dezember 2009, 13:16

@elbsegler - genau diese Tschibodüfte sind auch meine erste Erinnerung an Kaffee. Auch wenn es für mich als kleines Kind bei den raren Besuchen in der Stadt immer nur eine Tasse heiße Schokolade gab, durfte ich jedoch immer ein Zuckerwürfel mit Kaffee naschen.

Meinen Vater ist noch heute diesen Coffeetogoschuppen gram, die nach und nach hier in Darmstadt alle 3 Tschibofilialen zu besseren Discountern hat verkommen lassen.

Wie meinte schon Tita von Hardenberg so schön "und da wünscht man sich nur die alte Frage - Tasse oder Kännchen"

Reiterjunge

11. Dezember 2009, 13:27

Frau Diener, ich gönne Ihnen Ihre schöne kulinarische Erfahrung und möchte sie keinesfalls kleinreden.

Bad Nauheim freut sich sicher über jeden Besucher.

Leider verfüge ich noch nicht über "Herrschaftswissen", da überschätzen Sie mich. Vielleicht ein bißchen Wissen, aber leider ohne Herrschaft.

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Ich bin aber nun mal der festen Meinung das Gans in ehemaligen alterwürdigen Kurcafés nichts verloren hat, genausowenig wie Pappbecher.

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Und bitte bitte packen Sie bitte nicht so schnell den Knüppel aus, ich bin sensibel.

colorcraze

11. Dezember 2009, 13:28

Interessant, die vielen "Pegelstandsmeldungen". -

Daß es in Baden-Baden noch ein oder mehrere gepflegte Cafés gibt, ist allerdings keine wirkliche Meldung, weil keiner Erwartung widersprechend; anders wäre es, wenn ein solches dort fehlen würde oder alle vollständig von der Bürolosenfraktion erobert wären. -

Kaffee mit Karamelsirup ist was für Kinder, die Kaffee nicht gewöhnt sind. Anfängergetränk: Starbucks hatte messerscharf und richtig erkannt, daß die Amerikaner mit ihrem Blümchenkaffee eben Kaffeeanfänger sind. So wie Jugendliche sich ja auch erst über den Umweg von Likör und Whisky-Cola an Bier heranmachen, so versucht man den Leuten über genügend Süße den Kaffee schmackhaft zu machen. -

Für meine Meldung, daß Laufkaffee abnimmt, kann ich mich nicht verbürgen, denn die Stadt ist zu groß, als daß ich sie ganz im Blick haben könnte, und man muß die Sache noch 2, 3 Jahre beobachten, denn im Sommer kommt derlei naturgemäß stärker vor als bei Kälte und Regen. Aber ich denke, es macht schon einen großen Unterschied, wenn die nunmehr an jedem 2. oder 3. U-Bahnhof vorhandenen Backstände sich damit zurückhalten und eher zu Stehcafés werden, wo man die Tassen stehenläßt.

elbsegler

11. Dezember 2009, 13:52

@Julius

Nur mal so zwischendurch als Geplauder im Kaffeehaus: Das ist Übersetzungsmaschinen-Dadaismus in Reinkultur. Die Originalseite von architecture-page.com ist englisch:

"A highly sought-after bible of the Minimalist aesthetic, available in paperback for the first time. An extraordinary visual essay that explores the notion of minimum as applied to architecture, art and design.

Words from the publisher:

Minimum is a visual essay by renowned architect John Pawson, whose purpose in writing the book is to assert the idea of the 'minimum' as a way of thinking, working and living. The pages reveal an extraordinary range of stark, beautiful images including those of architecture, engineering, ceramics, furniture, photography and art from many periods and cultures, all of which combine to express the idea of simplicity."

Im Original verliert der Text viel von seinem Charme. Ich liebe diese Übersetzungsprogramme. Sie produzieren völlig sinnfreie Texte und sind so bestens geeignet "die Idee von Einfachheit auszudrücken". Sie zeigen auch, wie weit wir von "intelligenten" Computern noch entfernt sind. Ich muss zur Ehre der Rechner allerdings einräumen, dass dieser verquaste Kunst-Sprech auch von einem menschlichen Übersetzer nur  mit Mühe in klares Deutsch übertragen werden kann.

colorcraze

11. Dezember 2009, 13:53

@Ephemeride: Teestuben, ja, das ist auch noch so ein Fall.

Hier in Berlin, ich glaub es war oben auf dem Prenzlauer Berg, etwas abseits und vor der von den Medien ausgerufenen großen Schwabeninvasion (eine kleine BaWü-Invasion gabs schon lange vorher, zu der gehörte ich), gab es eine russische Teestube, so ein ganz verträumtes Eckchen, in dem es Tee und Suppe gab. Das Publikum schien, wie soll ich sagen, etwas studentisch-literarisch. Nickelbrillen hätten gepaßt, ja. -

In Kleinbasel gabs nahe dem Badischen Bahnhof lange Zeit einen "Tea Room", wohl eine Art in den 60ern ff. in der Schweiz moderne Form von Café. Das war nicht verträumt, eher so eine Mischung aus Wartesaal, Handwerkerabend und Omacafé, also recht anders. -

Aber am besten fand ich in London immer, daß es richtigen Tee gibt, egal wo und wie, denn selbst farbloser Beuteltee hat dort überraschend viel Geschmack, und vielerorts kann man sogar Tee aus der Kanne bekommen. Als Teetrinker muß man dort nicht leiden. -

Ich war noch nie in Ostfriesland, dort müßte es doch gewiß eine Art alteingesessene Teestuben geben. Wie es dort läuft, fände ich mal interessant, denn das ist ja eine eingefleischte Teetrinkergegend, was man vom Rest Deutschlands nicht so unbedingt sagen kann. Tee läuft in Deutschland üblicherweise nebenher, weswegen es beim Beuteltee bleibt, kaum je als Hauptsache, also mit extra Brühzubehör.

colorcraze

11. Dezember 2009, 13:56

Julius, mein Blick fällt gerade auf Ihren Beitrag und er tut mir im Auge weh. Bitte nicht so lange zitieren, wenns nur Pleiten, Pech und Pannen sind, das kennen wir alle schon, lieber selber was schreiben, das ist viel interessanter.

muscat

11. Dezember 2009, 13:56

@elbsegler: Sehr schöne Geschichte!

Göttinger

11. Dezember 2009, 14:00

Zu empfehlen ist das alte Göttinger Café "Cron & Lanz" mitten in der Hauptfussgängerzone. Dort gibt es hervorragende Torten (mein Favorit: Himbeer!) und bestes Gebäck (legendärer Baumkuchen).

Seit Jahrzehnten verkehren dort die Göttinger Professoren (ob frisch ihrem Ruf gefolgt oder bereits emeritiert) und viele junge Studenten sitzen dort mit ihren Eltern oder Großeltern.

Der "normale Kaffee" ist sehr lecker, die "Kaffeespezialitäten" misslingen jedoch, alle Arten von "Latte" sollte man daher meiden.

Einen Nachteil hat dieses Café ob seiner primär ergrauten Zielgruppe: es ist chronisch zu heiß und häufig auch grenzwertig voll.

Aufmerksam wurde ich auf dieses Café übrigens vor vielen Jahren in meinem Zivildienst. U.a. betreute ich eine alte Dame, die sehr unsicher auf den Beinen war, Sprachstörungen zu ertragen hatte und kaum noch aus dem Haus kam. Meine Aufgabe war es nun, einmal in der Woche zu ihr zu gehen, geduldig mit ihr beim Kaffee zu plaudern, sie unterzuhaken und gemächlich einmal um den Block zu spazieren.

Sie war sehr traurig, dass sie es nicht mehr in die Stadt schaffte und bat mich, zu unseren Treffen immer Kuchen von Cron & Lanz mitzubringen. Ich durfte mir - quasi als Trinkgeld - immer ein Stück meiner Wahl aussuchen.

Sie brühte frischen Kaffee und servierte ihn klassisch mit einem Schuß Kaffeesahne, dazu gab es den C&L Kuchen, dann holte sie den alten silbernen Regimentsaschenbecher ihres verstorbenen Ehemanns (Berufsoffizier) hervor und bat mich, eine Zigarette zu rauchen. Dies erinnerte sie immer an ihren Mann und erfüllte sie mit Freude. Danach gingen wir fröhlich um den Block. Auch während der ersten Semester meines anschließenden Studiums habe ich sie weiterhin besucht und mich immer richtig auf dieses Ritual gefreut.

Seitdem bin ich ein Freund von C&L und denke dabei immer wieder an die freundliche alte Dame. Und obwohl ich mittlerweile auch ab und zu einen Milchkaffee bei den einschlägigen Ketten trinke, freue ich mich doch immer wieder über einen "oldschool" Kaffee mit Kaffeesahne.

Bernhard

11. Dezember 2009, 14:14

http://www.kaffeetraditionsverein.de/index.php/Kategorie:Kaffeeh%C3%A4user

In den Großstädten findet "Kaffeehauskultur" heute bereits statt. Neben alteingesessenen Häusern (Coffeebaum, Maldaner, Luitpold, Tambosi), kommen neue Kaffeehäuser (Einstein, Hagen, Klein und Kaiserlich) im traditionellen Still hinzu.

elbsegler

11. Dezember 2009, 15:18

@muscat

Der Schamane lebt noch. Er heißt Roland Berger und hat auf diese Weise viel Geld verdient.

Der Gärtner

11. Dezember 2009, 16:16

Um die Kaffeekultur, die richtige, nicht die im Pappbecher, ist mir nicht bang. Jüngst sah ich in der Porzellan- und Silberabteilung von Harrods die alten arabischen Kaffekannen mit dieser langgezogenen Tülle als neueste Modelle für den gepflegten Kaffeetisch (in Porzellan). Die lassen sich nur mit Filterkaffee und nicht durch eine Jura befüllen. Der Familientisch mit Kaffeekanne ist also wieder im kommen...

Dipsy

11. Dezember 2009, 16:22

hugoservatius, nun sind Sie mir wirklich einmal sympathisch.

Zapato

11. Dezember 2009, 16:30

Ich frage mich, wenn man das hier so liest, wer die wahren Wichtigtuer sind... Die Coffee-to-go-Trinker, oder die "Wiederentdecker der Langsamkeit", die sich hier nicht so dezent - man hoert Tastaturklappern statt Zeitungsrascheln - aufschaeumen? ;)

Wir sollten doch froh sein, dass es die hektischen Umtriebler gibt. Auf die koennen wir's ja dann schieben, dass es uns insgeheimen Dichtern und Denkern heut halt doch mal wieder nicht gekommen ist, weil wir so abgelenkt waren von unserem tiefen Sinnen. Sch*, hatte fast ne Vision im Kandiszucker, und dann laeuft der A*...

Nix fuer Ungut - das war ein schoener Artikel. Warte halt immer noch darauf, dass sich mal ein Blog um 180 Grad dem Vorigen widerspricht, und trotzdem alle folgen... via free wifi in der Teestube (password: sozp1971) vom neuen iPhone unterm Tisch.

Julius

11. Dezember 2009, 17:05

Elbsegler: Danke! Habe mich sehr amüsiert, beides vergleichend zu lesen. Echt "Dada".

Colorcraze: Ich wirklich würde lieben es zu schreiben mir selbst solchen Unsinn.

Göttinger: Da stehen sonntags (nicht zu früh-)morgens die Kundenschlangen bis weit auf die Straße.

Savall

11. Dezember 2009, 18:10

Nein, anderl, ein Kaffeehaus ist das hier nicht, aber ganz sicher auch kein Starbucks (was kann der Obermaat Starbuck eigentlich für den Mißbrauch seines Namens?). Ich fühle mich nach Frau Dieners Worten eher in einem Salon. Sagen wir, wie bei Anna Pawlowna Scherer.  Die Sache mit Genua und Lucca war doch auch ganz fürchterlich, n'est-ce pas? Ich gebe auch gern den Pierre Besuchow. Das bringt mich auch gleich auf Kusmi, MD, der vor der Revolution sicher Kusmitschow hieß, aber sei’s drum. Ich bin vor etlichen Jahren auf die Marke gestoßen und seitdem ist das mein Wintertee. Den Earl Grey hab ich noch nicht probiert, aber er ist sicher phänomenal. Gegen die barocke Geschmackspracht von „Prince Wladimir“ kommt ohnehin kein Kaffee an, sei er so gut wie er wolle.

Es betrübt mich allerdings, Barocke Hörerin, daß ich Ihren Geschmack so gänzlich verfehlte.  Ich meinte, daß Sie wie Frau Diener die feine Ironie und modeste Melancholie der Wagner-Paraphrasen in Venedig zu schätzen wüßten. Sieht man nicht förmlich Dirk Bogarde mit verlaufener Schminke sitzen und der unerreichbaren, unbegreifbaren Schönheit nachstarren?  Reinstes Fin de siècle. Kein Barock freilich. Aber ich käme mir bei Bach im Kaffeehaus wie Johannes Kreisler vor, der die Goldbach-Variationen einem völlig gleichgültigen Tanztee-Publikum wie Perle vor die Säue vorwarf.  Ich glaube, der Herr von Doderer hätte den Jokus geschätzt, nicht, colorcraze? Die „Dämonen“ sind übrigens ein furchtbar passendes Buch zur aktuellen Krise, finde ich. Um wieder zum Thema zu kommen: ich stieß heute zufällig (aber gibt es Zufälle?) bei der Jagd auf das aktuelle Objekt meiner Begierde auf ein Bonner Antiquariat mit angeschlossenem Cafè:

www.buch-antiquarius.de

So etwas hat für meine Wenigkeit nun doch ein wenig die Anmutung von einem Paradies.

(N.B. Da ich Sie gerade hier treffe, Frau Honisch: Wo bleibt der zweite Teil der Salzträume? Ich bitte Sie dringlich, beim Verlag zu insistieren.)

lustiger

11. Dezember 2009, 18:17

ausser den guten teestuben gibts in der grossen stadt zwei "einstein" - cafes alter prgägung und ein paar einstein "to-go"-shops ....

obwohl der cafe gut ist fehlt mir doch der knurrig, gebildete ober (gibts nichts im weiblichen pendant - "helas" !) und die möglichkeit des ungestörten verweilens ... dazu isses halt zu preussisch und so gar nicht levantinisch hier ...

dafür gibts aber ein wunderschönes eiscafe auf "dem" berg mit einer - wenn wunderts - wunderbar schrecklichen italienischen patriarchin, die pro sommer drei bis vier wunderschöne mitarbeiterinnen "verschleißt" ... man kann aber an manchen "touristenfreien" nachmittagen fas-lesend stundenland expresso schlürfen und spagehtti-eis geniessen und das alles auf den schönen "trümmern" von "honis reich" ...

Savall

11. Dezember 2009, 18:23

@Barocke Hörerin: Sorry, daß ich "Goldbach-Variationen" schrieb. Freudscher Lapsus oder so.

@Zapato: Nee, das ist zu billig.

Reiterjunge

11. Dezember 2009, 18:26

@Der Gärtner, ich fürchte Harrods ist in Stilfragen keine gute Referenz mehr.

Das Treppenhaus sieht aus wie eine ägyptische Geisterbahn, in den Verkaufabteilungen löst sich der Teppichboden und wird zur Unfallgefahr.

Das ist etwas für arabische Touristen, darum wahrscheinlich die von Ihnen beschriebenen Kannen.

.

Gehen Sie lieber zu Fortnum & Mason.

Alles sehr schön und auch praktisch.

Für mich nur zum Staunen, nicht zum Kaufen.

mutant

11. Dezember 2009, 18:39

http://tofusofa.antville.org

illy-kaffee finde ich nicht sooo den burner, einmal geschmacklich, und dann ist der signor illy auch noch ein ausgesprochen homophober typ. uncool.

Castellio

11. Dezember 2009, 19:16

da bin ich schön reingefallen. In W. las ich café togo und dachte endlich kann ich mal die Afrikaner (vormals Neger genannt) unterstützen und leckeren Café aus Togo trinken, war aber doch nur ein blöder Anglizismus und obwohl die Bestellung auch so gelang, war mir der Genuß der Plörre verhagelt.

Grimaldeli

11. Dezember 2009, 19:20

@Göttinger

Sie haben vergessen, die Pralinen zu erwaehnen und den Kakaoo!

Ich war das 1.Mal  Mitte der 70er dort.

Und die Himbeertorte ist es mir heute noch wert von der BAB abzubiegen, wenn es mich mal wieder nach Westdeutschland verschlaegt.

Kommt aber eher selten vor.

Verhinderter Metaller

11. Dezember 2009, 19:28

hatte die autorin zuviel langeweile?

Grimadeli

11. Dezember 2009, 19:32

@Stephan

Der Cafe kostet heute in Italien 90 Centime.

Aber er ist nach wie vor von einer Qualità imbattibile ....!!!

Da wir direkt an der Grenze leben, habe ich den Unterschied mehrmals die Woche auf der Zunge: in Monaco/France gibts es Wasser mit Farbe fuer 1,20 bis 3 Euro. In Italie "Café" , what else!

Andrea Diener

11. Dezember 2009, 19:32

elbsegler, eins der scheußlichsten Cafés ist das in der Parfümerie Douglas auf der Zeil. Entsetzliches Ding. Aber irgendwie scheint man das heutzutage zu brauchen. Keine Ahnung, warum. Es hält sich auch hartnäckig.

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Ephemeride, gern korrigieren. Nehme Teestube mit Omi untertänigst zur Kenntnis :)

.

Tschonnie, bei uns war's Gala Nr. 1 mit Oma von Eduscho. Mit viel Milch. So werden Kinder angefixt. (Im Übrigen mußte ich mal erfahren, daß das Zeug handaufgebrüht gar nicht so übel schmeckt. Besser als sein Ruf jedenfalls.)

.

Reiterjunge, dann sagen Sie mir, wo es die gute Gans und den guten Kuchen gibt. Sonst kommt wirklich noch der Knüppel. Ich warne Sie: Beim Thema Essen verstehe ich wenig Spaß :)

Barocke Hörerin

11. Dezember 2009, 19:37

@Savall: Ich weiß Ihre gute Absicht natürlich zu schätzen, aber die Sympathie (um das Mindeste zu sagen) Thomas Manns für die Musik Wagners wird mir wohl immer fremd bleiben. Wie übrigens auch sein "Tod in Venedig". Was Bachs Konzerte im Café Zimmermann angeht: Perlen vor die Säue geworfen wurden da vermutlich nicht. Leipzig war in den 1720er Jahren schon eine aufstrebende Messe- und Universitätsstadt mit entsprechend gebildetem und anspruchsvollem bürgerlichen Publikum. Ich gehe auch davon aus, dass die Preise im ersten Kaffeehaus der Stadt durchaus nicht gesüßt sondern gesalzen waren, die "besseren Kreise" werden also unter sich geblieben sein. Zudem: Meister Bach war für seinen Jähzorn bekannt, der vor allem dann aufbrauste, wenn seine Musik nicht richtig ausgeführt und gewürdigt wurde. Die Damen und Herren Kaffeetrinker werden sich also wohl einigermaßen gesittet benommen haben.

Andrea Diener

11. Dezember 2009, 19:45

colorcraze, in Friesland gibt es tatsächlich Teestuben. Ich war mal auf Föhr und auf Helgoland, da bekommt man weißblaue Tassen mit Einsatz und losem Tee darin. Natürlich auch Kännchen.

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Hmja, Harrods würde ich jetzt auch nicht unbedingt als Beleg für irgendwas gelten lassen. Das ist doch eher eine Art sehr heller London Dungeon.

.

mutant, das wußte ich nicht, daß der Signor Illy so ungustiös ist.

Reiterjunge

11. Dezember 2009, 20:01

Frau Diener, zu empfehlen wäre in Bad Nauheim das Café Mirwald in der Parkstraße, zumindest hinsichtlich der Kuchen. Dies weiß ich allerdings nicht aus eigener Erfahrung, sondern von einer Gewährsfrau aus der Branche und deren Kunden.

Dort gibt es allerdings keine Gans, da müßten Sie weiter zum Sportarzt gehen.

Stuttgarter

11. Dezember 2009, 20:19

Wir haben hier in Stuttgart mehrere Kaffeebars, z.B. Hochland, Lavazza, usw.

Aber nein, manche Zeitgenossen gehen ins Starbucks.

Der Kaffee ist teurer, man trinkt freiwillig aus Pappe!

Ich nehme an, daß diese Sorte Konsument jeglichen Gesschmack verloren hat:

Kulturell und gustatorisch durch pausenlosen Fast-Food-Konsum.

Stuttgarter

11. Dezember 2009, 20:43

@Katy

Becher mit ovalem LOCH ....

Sagt das nicht schon fast alles?

Tschonni

11. Dezember 2009, 20:51

Wo wir wieder beim Thema wären!

Seit meine Eltern von Hand aufbrühen, kann man da den Kaffee auch trinken.

Das macht das meiste aus, eine gute Bohne ist die Kür. Das Handaufbrühen die Pflicht.

Heute mit frischen Heidesand. Der beste keks den es gibt!

Tschonni

11. Dezember 2009, 20:52

Stuttgarter  -  der Hochlandkaffee ist Spitze. Da ists Spagat zwischen tollem Kaffee und "schick sein" sehr gut getroffen. Haben wir in Darmstadt Gott sei Dank auch.

tartan

11. Dezember 2009, 20:56

Sehr schöner Blog ist das hier!

Gibt es eigentlich noch Mocca? Früher, ganz früher war das, glaube ich, mal das Highlight der Kaffeekultur?

muscat

11. Dezember 2009, 21:05

@elbsegler: Jaaaaa, richtig!!! Herrlich, danke!

muscat

11. Dezember 2009, 21:07

@tartan: Auf Zypern gibt es jedenfalls sehr guten... Habe ich so dickflüssig hier noch nie getrunken.

Katy

11. Dezember 2009, 21:20

@Stuttgarter Was soll das sagen? Dass ich für dieses Blog nicht intellektuell genug bin? Natürlich hat der Deckel das Loch, nicht der Becher ... man kann sich ja mal im Ausdruck vertun. Weia, wie pingelig.

Oder war es doch das Wort "oval"? Was weiss ich denn wie das heisst. Halt nicht rund sondern länglich. Vielleicht findet sich ja das passende Wort im Mathematikbuch, Sparte Geometrie.

Es trinkt sich jedenfalls gut daraus. Nicht so wie aus Bechern mit dieser "Tülle" - die hatte ich auch schonmal, in einem anderen Laden, und das klappt weniger gut.

@Colorgraze Wow. Dass es so einfach ist, mit 41 Jahren wieder als Kind zu gelten, hätt ich das gewusst, hätte ich mir Jahre an Faltencreme sparen können ;-)

Mir schmeckt es halt einfach, für mich ist das eine Süßigkeit (und keine Ausrede *g*). Allerdings schmeckt mir auch Espresso, stark, schwarz und süss, ganz hervorragend, also soviel zum Thema Kaffee nicht gewöhnt.

Heut gehts hier aber echt arg ... ummmm ... elitär zu.

Hmmmm

11. Dezember 2009, 21:23

Ohje, jetzt werde ich mich gleich ganz unbeliebt machen... Ich bin ursprünglich aus Wien (Stadt der Kaffeekultur!), lebe jedoch seit 12 Jahren zuerst in den USA und in den letzten Jahren in England (Cambridge). Und muss zugeben - ich mag Starbucks. Na, jetzt ist es raus. Vor allem den Vanilla Latte (und die Chocolate Brownies und Sandwiches sind auch sehr lecker), gibt es auch in Tassen zum Trinken vor Ort. Außerdem sind, zumindest hier, die meisten Starbucks Cafés sehr gemütlich, mit Ledersofas, angenehmer Musik und stets freundlicher Bedienung (das mit der freundlichen Bedienung hat in den meisten Wiener Kaffeehäusern leider immer sehr gehapert). Ich gebe gerne zu, dass ich kein Kaffee-Gourmet bin - aber so ganz allein kann ich ja nicht dastehen, wenn ich mir ansehe, wie sehr ich in meinem Starbucks oft um einen Platz kämpfen muss. Und jetzt könnt ihr alle gerne ein bisschen auf mir rumhacken... :-)

Hmmmm

11. Dezember 2009, 21:33

@Katy

Das hatte ich jetzt fast vergessen - du stehst nicht alleine da. Nicht jeder hat das Bedürfnis, sich rein aufgrund des Ortes seines Kaffeekonsums als Kulturmenschen und andere als Kulturbanausen zu bezeichnen. ;-)

Andrea Diener

11. Dezember 2009, 21:53

Danke, Reiterjunge, ich werde das Café Mirwald testen. Wenn das Wetter wieder etwas schöner ist.

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Katy, gegen elitär hilft nur eins: Nicht so ernst nehmen. Und schon überhaupt nicht persönlich.

.

Hmmmm (mit 4 m), das klingt fast nach Selbsthilfegruppe, Starbucks Users Anonymous, aber ich mag das durchaus, wenn die Kellner, wie in Wien, so etwas leicht angegranteltes haben. Nicht unwirsch, nicht gelangweilt, sondern so eine Art der liebevollen Herablassung. Aber vielleicht liegt das an meiner Herkunft, der Hesse an sich wird ja immer gleich mißtrauisch, wenn einer allzuherzlich herumtut.

Don Ferrando

11. Dezember 2009, 23:03

Es wurde zwar schon von Hugoservatius thematisiert, aber dieses Feindbild "Anzugträger" schmerzt.

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Ich möchte jedenfalls nicht im Kaffeehaus neben lauter Leuten mit Birkis und 7/8 Hosen oder ähnlichem sitzen.

Da passt einfach ein ordentlicher Anzug besser hin.

eslebedermüll

11. Dezember 2009, 23:33

Ist Ihnen eigentlich schonmal aufgefallen, dass überall die Becher rumliegen? Gibt es noch jemanden unter 30 Jahre Lebensalter der Wert auf den Genuss einer Tasse Kaffee in Ruhe legt? Ohne Handy, ohne Ipod.

MD

12. Dezember 2009, 00:07

@ savall,

Kusmi hat die Revolution nicht mitgemacht sondern sich nach Berlin und Paris davongemacht.

Dort haben sie ihre Firma neu gegründet, Kusmichoff, und in Paris gab es noch in den 90ern die Oma der ersten Generation, die den Tee eigenhändig in kleine Musselinbeutelchen umfüllte.

In der großen und lt. einigen Zeitgenpossen auch häßlichen Stadt an der Spree gibt es Kusmi in der Friedrichstraße im Lafayette. Falls Sie mal hinkommen, nehmen Sie eine geräumige Tasche mit. Die haben dort auch die großen hellblauen Dosen mit dem,- wie Sie so schön sagten - barocken Geschmackerlebnis

@moxie, französisch  könnte passen, aber dann fehlt da immer noch ein Wort, z.B. truc oder etwas deutlicher c*n(-;

- und die Scheiben können ja nicht gemeint sein - oder doch(-;

MD

YoYoYo

12. Dezember 2009, 00:08

Schon interessant, wie gebildet manche Menschen hier sind; und dazu noch mit einem schönen Kaffee in der rechten Hand ...

Was für ein Blödsinn. Frühere Kaffeehäuser sind ausgestorben, weil sie die Zeit nicht für sich nutzten. Dann kamen die Pappbecher-Anbieter und überrollten sie.

Wenn ich mir das noch heute antun müsste: Draussen nur Känchen. Blablabla ... Ich will einen stinknormalen Kaffee, und ich will ihn an der kalten frischen Luft genießen (können). Prämisse: Pappbecher sollte sicher sein!

goedeking

12. Dezember 2009, 01:03

Wer auf der Straße isst, Sekt - Champagner! - auf der Straße aus Plastik trinkt, trinkt auch Coffee to go jetzt auch zum mitnehmen. Und wo kommt eigentlich der ganze Döner-Müll her? Oder sollten die Coffee to Go Trinker sich nur dadurch unterscheiden, den Becher bestimmungsgemäß zu entsorgen? Wäre ein recht geringer Unterschied.

böhnchen

12. Dezember 2009, 07:20

... mit dem becher in der hand kommt man durch's ganze land, wenn man nicht vorher vom pappbecher-anbieter überrollt wird...

Schmüli

12. Dezember 2009, 10:16

Ich finde hier wird viel zu sehr in Klischees gedacht. Nicht jeder Coffee-to-go Fan ist RTL-Gucker oder Handyfreak. Ganz im Ernst. Ich mag Coffee-to-go und ich kann mir trotzdem die Zeit für mich nehmen trinken. Ich bin nicht umringt von unzähligen fremden Menschen, die sich die ganze Zeit nur beschweren. Ehrlich in den Kaffeehäusern wird doch auch nur über geschäftliches gesprochen, das macht für mich keinen Unterschied, ob am Telefon oder dort. Für mich ist Kaffee etwas beruhigendes und privates, etwas für mich. Und wenn ich lieber durch die Stadt laufe und ein bißchen für mich sein kann, dann ist daran nichts, was darauf rückschließen lässt, welcher Schicht ich angehöre und welche Hobbies ich habe. Ehrlich, muss man sich immer vor dem Neuen, und wenn es nur Moden zu sein scheinen, verschließen und alles schlecht reden? Aber im Meckern sind wir Deutschen ja sowieso die Besten...

Savall

12. Dezember 2009, 10:30

@Barocke Hörerin: Ich sehe, daß wir uns in Sachen Wagner einig sind, nicht einig zu sein. Aber Wagner hat die Menschheit von jeher gespalten und die Menschheit hat’s überlebt. Zwei Dinge zur Bachschen Kaffeehausmusik würden mich aber noch interessieren: wo genau in der Katharinenstraße muß man sich das Kaffeehaus denken? Auf jener Seite wo heute das Bildermuseum steht? Und welches Repertoire hat man gespielt? Was beim Köthener Fürsten an der Tafel gespielt wurde, kann ich mir denken. Aber der hatte ja auch die von HansMeier555 immer wieder vehement geforderte Hofkapelle. Streichquartette im klassischen Sinn gab es ja wohl noch nicht. Einfach Cembalo und Viola da Gamba und frisch drauflos improvisiert?

@MD: Ach, wie schade. Ich war erst letztens in Berlin und auch in der Friedrichstraße, aber nicht bei Lafayette. Ich beziehe meinen Kusmi bei Paul Schrader. Aber da gibt es nicht alles.

Barocke Hörerin

12. Dezember 2009, 11:21

@Savall: Über die genaue Lage des Café Zimmermann kann ich leider nichts sagen, Christoph Wolff schreibt in seiner lesenswerten Bach-Biographie lediglich, dass es sich ganz in der Nähe des Marktplatzes in der damals offenbar noch mit C geschriebenen Catharinenstraße befand und in jeder Hinsicht "beste Lage" war. Bach spielte dort auch keineswegs alleine, mit ihm musizierte sein "Collegium musicum", ein gar nicht so kleines Instrumentalensemble, das hauptsächlich aus Studenten der Universität, Schülern Bachs und nicht zuletzt seinen Söhnen bestand. Dort wurden z.B. seine Cembalokonzerte aufgeführt, laut Wolff aber auch die Kaffeekantate. Entgelt gab es offenbar keines, Herr Zimmermann hatte aber extra Instrumente angeschafft und den Kaffee werden die Mitwirkenden sicher auch umsonst bekommen haben. Die genaue Finanzierung der größeren Aufführungen ist aber offenbar nicht hinreichend geklärt.

Andrea Diener

12. Dezember 2009, 11:30

Savall, wenn Sie mal nach Frankfurt kommen, zeig ich Ihnen, wo es ganz viel Kusmi gibt (besagte japanische Konditorei führt den in rauhen Mengen). Na, vermutlich ist Berlin aber näher bei Ihnen da oben.

.

Don Ferrando, ich hatte mich ja oben dem werten hugoservatius hinsichtlich Anzug schon erklärt. Oder war das jetzt gar nicht an mich gerichtet?

Barocke Hörerin

12. Dezember 2009, 12:11

PS. Bei Wikipedia gibt es einen schönen Kupferstich des damaligen Café Zimmermann zu sehen.

de.wikipedia.org/.../index.php

Don Ferrando

12. Dezember 2009, 12:18

@Schmüli: ich meinte das mit RTL-Handy-Pappbecherkaffe nicht "tateinheitlich" sondern nur als Kumul verschiedendlicher unerfreulicher Entwicklungen.

.

@Andrea Diener: Nein nicht Sie, sondern Ephemeride 12:31

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@tartan: Danke für den Mokka Hinweis. Ich habe kürzlich ein wunderschönes Mokka-Serice ersteigert und weiss leider gar nicht wie und mit welchem Kaffe ich Mokka kochen soll!

Savall

12. Dezember 2009, 13:54

Ahja, vielen Dank, Barocke Hörerin. Das ist ganz offensichtlich die linke Seite der Katharinenstraße, die 1943 zerbombt worden ist. Ich dachte ja immer, daß das Collegium Musicum im Rathaussaal auftrat. Aber das war wohl ein gedanklicher Kurzschluß mit Max Pommers Neugründung in unserer Zeit. Auch Dank für den Literaturhinweis, ich suche schon lange nach einer vernünftigen Biographie. Haben Sie Robert Schneiders "Offenbarung" gelesen? Das letzte Kapitel mit dem cholerischen Bach, der seinen Schwiegersohn terrorisiert, ist ein Kabinettstückchen der besonderen Art.

.

Das wird sich einrichten lassen, Andrea. Ich werde zweifellos nicht umhin können, früher oder später Ihren Arbeitgeber am Hirschgraben aufzusuchen. Und nach Mörfelden will ich auch dringend.

Espresso statt Location

12. Dezember 2009, 23:01

Not quite like Beethoven hat es erwähnt, es ist nicht nur der Ort, der entscheidet, sonder auch das Getränk selber.

Und solang ich eben in 90% der Kaffeehäuser eben die übliche alte Brühe mit Filter bekomme, die weder mein Magen verträgt noch mein Geschmack, ziehe ich eben einen Kaffee aus einer ital. Maschine mit Siebträger vor, auch wenn er im Pappbecher daher kommt. Im Frühjahr und Sommer, fantastisch, man kann sich seinen Platz aussuchen, hat Freiraum um sich!! Etwas was mich an Restaurants, Cafes und Bars derzeit so oder so immer mehr nervt, ist die viel zu enge (wahrscheinlich wirtschaftlichen Gründen geschuldete) Bestuhlung. Entspannung fängt da an, wo man Ruhe hat. Und einen Espresso draußen trinken, bei frischer Luft, hat eben weitaus mehr, als einen Filterkaffee drinnen, in im Winter ständig überfüllten Kaffees (->so ist nun mal in der Praxis jenseits des Artikels: Das Aussterben findet solange nicht statt, solange die Kaffeehäuser ständig überfüllt sind).

Auch wenn ich dazu keine Weltkompakt lese, sondern lieber ein gute Buch, Cicero oder auch die FAS, oder eben am Liebsten entspannt mir die Umwelt anschaue und den Blick in die Ferne schweifen lasse (und nicht nur zur alten Oma oder den Schülern am Nachbartisch).

Gerade Städte wie Wien oder München, die viel Wert auf Ihre Kaffeetradition legen, haben leider, leider immer noch meist die übliche Filterbrühe im Angebot. Und einen Dallmayr als Espresso, brrrrr.

Espresso statt Location

12. Dezember 2009, 23:10

@ Stuttgarter: Also wen Du Lavazza als kaffeetechnischen Hochgenuss darstellst, dann erübrigt sich auch jede weitere Qualitätsdiskussion: Lavazza ist in der Qualität nicht sehr viel besser als Starbucks, etc. und von einem richtig guten Espresso sind beide meilenweit entfernt. Wenn man den Espresso allerdings mit Milch mixt, egal welches Verhältnis und eben noch Vanille oder sonst ein Geschmack hinzugibt, dann mag das was anderes sein, als ein Espresso, schmeckt aber auch recht gut und insb. bei Starbucks ,etc. besser als bei Lavazza (und vor allem als in einem alten Kaffeehaus, wenn es das dort überhaupt gibt).

perfekt!57

13. Dezember 2009, 15:25

"Solche Leute erfinden keine Zeitungen. Solche Leute erfinden höchstens Telefone, mit denen man unterwegs fernsehen kann."

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Genau, das ist ja ihre Aufgabe. Und andere wollen dem jetzt - womöglich in großem Stil - nacheifern:

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Paul Volker empfiehlt Deutschland als Vorbild für den us-überlebensnotwendigen Paradigmenwechsel ("mehr Facharbeiter und "Produkthersteller, händisch" als Banker"): www.spiegel.de/.../0,1518,666768,00.html

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(... Komma, und der Stuhl ist meist auch gepolstert...)

colorcraze

13. Dezember 2009, 21:26

Also, ich verstehs ja nicht, wieso so ein derartiger Modetanz um den Kaffee gemacht wird. Daß das Abdrehen von Kaffeezufuhr zu Unruhe führt, ist mir seit 10 Jahren bekannt (in der Firma sorgte damals die von geizigen Ruhrcontrollern versuchte Ersetzung des gewohnten Milchkaffees aus Haushaltsmaschinen durch Automaten und "Kaffeesahne" für Unterschriftenlisten und schnelle Beendigung dieses Kulturbruchs), und ja, ich war auch schonmal froh, auf dem belgischen Campingplatz einen Kaffee aus dem Kapselautomaten zu bekommen, denn das ist viel besser als kein Kaffee, aber diese Technikverliebtheit, die da immer ausgebreitet wird, ist mir doch sehr wesensfremd.

Ich meine, das ist doch was, was schmecken soll, da geht es doch eher darum, eine genehme Zubereitungsart und Geschmacksnote zu finden, ohne geschmäcklerisch zu werden. -

Aber ich habe eine Katastrophenmeldung zu machen. Mein Lieblingscafé wird verändert, es soll eine neue Chefin, neue Bedienungen und "ein neues Konzept" bekommen. Da ich mit dem bisherigen Konzept (Zeitunglesen, guter gebrühter Tee, guter Kuchen, guter Kaffee, helle Wände, schnelle, freundliche und ruhige Bedienung) jedoch 100%ig zufrieden war, kann es nur schlechter werden, und ich sehe dem neuen Jahr etwas trübsinnig entgegen.

Manni1000

14. Dezember 2009, 04:05

...hatten wir dieses thema (kaffee) so oder aehnlich nicht neulich schon mal ??

...neu ist vielleicht, dass es diesmal ums "to go" geht und starbucks gerne zitiert wird. - hierzu faellt mir ein, dass damals, als ich/wir zum 1. male (vor mehr als 20 jahren), in den usa unterwegs waren, starbucks grade erst anfingen und so exotische geschmacksrichtungen wie "vanilla-macadamia" mit original "blue-mountain" bohnen anboten und das ganze in einem "kaff" namens fresno..... naja, amis halt, dachten wir damals... hat denn heutzutage ein cafe balzac, ein mr. coffee, ein tazza d' oro und wie sie alle heissen moegen auch kostenloses wifi ?? -- nicht dass mich das interessiert, hab eh keinen laptop, ich mein' ja nur.

;-))

Manni1000

14. Dezember 2009, 04:16

....da faellt mir ein, dass wir vor noch laengerer zeit in einem wiener kaffee-haus von einer schlecht gelaunten bedienung mit minderwertigem kaffee verkoestigt wurden, welcher dem vom mir hand-aufgebruehtem nicht annaehernd den filter reichen konnte.

aber rauchen durfte man damals (ich leider NOCH nicht) in diesen etablissements !!

nur gut, dass auch diese tradition dem allgemeinen wohlsein geopfert wurde.

Frau Waldwuff

14. Dezember 2009, 09:42

Vielen Dank wieder für diesen Artikel.

Ich bin so erzogen wurden, dass ich in der Öffentlichkeit, sprich auf der Strasse weder esse noch trinke. Dies hat in einem Lokal oder zu Hause zu geschehen.

Essen to go oder gar Kaffee to go, ein Unding für meine grandmère und meine Mutter.

Und doch muss ich gestehen, bin ich für den Kaffee to go inzwischen dankbar.

Für den Kaffeehausbesuch wünsche ich mir Muße. Ich möchte Klatschblätter oder auch das ein oder andere Intellektuellenmagazin lesen. Mit einem Kleinkind ist das vorbei. Und da ich den Bewegungsdrang meines Kindes kenne, und auch die Lautstärke, sitze ich dann mit meinem Kaffee zum Gehen (so schmeckt er nämlich) auf der Bank auf dem Spielplatz. Seh meinem glücklichen Kind beim Spielen und toben zu und hoffe, dass alle Leute ohne Kinder die in diesem Moment im Kaffeehaus bei einer ruhigen Tasse Kaffee oder was auch immer sitzen, mir, ja ganz persönlich mir! dankbar sind, dass ich ihnen kein lärmendes Kind zumute.

Aus Erfahrung, wenn ich einmal Ausgang habe und meine bessere Hälfte sich der Kindpflege annimmt, weiß ich aber, dass nicht alle Eltern soviel Rücksicht auf die anderen Kaffeehausbesucher nehmen. Das finde ich dann schade ;-)

Andrea Diener

14. Dezember 2009, 12:46

colorcraze, ein Café mit Konzept ist mir ähnlich suspekt wie ein Hersteller mit Philosophie. Ein Café hat Kaffee zu haben (und alles andere, von Ihnen beschriebene) und ein Hersteller ein Produkt. Aber vielleicht bin ich da zu einfach gestrickt.

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Manni, zugegeben, Kaffeekultur ist ein Steckenpferd von mir. Nächster Kaffeeinetrag (über Würfelzucker vielleicht) frühestens im Sommer. Versprochen.

.

Frau Waldwuff, wenn ich wieder einmal in einem Café sitze und meine Ruhe habe, dann weiß ich, es ist allein Ihnen zu verdanken. Ich werde Ihnen ganz persönlich eine Schweigeminute widmen :)

(Ehrlich, ich finde das sehr verständnisvoll von Ihnen. Die Gäste danken es, und das Kind, das eh keine Lust auf Stillsitzen hat, mit Sicherheit auch.)

Frau Waldwuff

14. Dezember 2009, 13:09

Naja, das ist nicht meine Rücksicht, sondern die Erziehung die meine Eltern mir mitgegeben haben ;-) und der gesunde Menschenverstand.

Letzteres schalten manchmal manche aus. Das Leben mit Kindern ist eben anders als ohne. Nur behandeln manche ihren Nachwuchs auch als Ding. Wie ein Handy oder eine neue Handtasche wird dann das Kind überall mithingeschleift.

www.welt.de/.../Haben-Kinder-ein-Grundrecht-auf-Latte-Macchiato.html

E.R.Nest

14. Dezember 2009, 14:39

Darf ich anregen, für die Pappbecher das schöne Wort "Rennpappe" zu recyceln?

mutant

15. Dezember 2009, 00:00

http://tofusofa.antville.org

"besser als kein kaffee", naja, dazu muss man dann ja schon sehr koffeinabhaengig sein, oder? so nach dem motto: zur not toernt auch instant-ware.. ohne wasser gekaut. oder gleich koffeintabletten. ach nee, es muss ja auch noch heiss sein und milch-verekelt. so wie der junkie eben auch einfach noch nadel-geil ist, das bringt auch kein methadon weg ;-)

ich persoenlich trinke dann lieber ne coke (aus der dose, klar).

Manni1000

15. Dezember 2009, 03:48

hey, wuerfelzucker hatten wir ansatzweise auch schon mal !!! -- nichtsdestotrotz ein nicht enden wollendes thema: kaufen ja/nein/warum/nicht, herstellung/gebrauch(verwendung), historie, kunst usw.

ich persoenlich benutze ja meine schachtel wuerfelzucker u.a. auch als zeitmesser (so wie z.b. einige andere blogger ihre zeit in filtertueten/kaffeeblech~/plastik~dosen messen). -- bei 3 wuerfeln/dickem pott in der frueh, reicht eine schachtel ca. 4 monate.

man kann die kleinen kerle auch als zielscheiben fuer luftgewehr uebungen missbrauchen; sind schwer zu treffen, machen aber richtig viel dampf !!

;-))

Denken

15. Dezember 2009, 11:52

Das Konsumverhalten passt sich immer auch dem Zeitgeist an. Heute mag es die Mehrheit eben oberflächlich und einfach. Mit der Mehrheit wird Geld verdient. Coffee to go ist da letztlich nur logisch.

Obwohl wir uns vielleicht noch darüber freuen sollten, dass die Leute damit wenigstens noch laufen ... gerade in Zeiten des Klimawandels und so.

schreibtischlampe

15. Dezember 2009, 12:53

Also so ganz kann ich das lamentieren in den Kommentaren hier nicht ganz nachvollziehen, wir leben schließlich in einer Marktwirtschaft, in der die Nachfrage einen großen Einfluß auf das Angebot ausübt. Darüber hinaus ist die Kaffeehauskultur wie jede andere Kulturtechnik einem stetigen Wandel unterworfen. Die (von vielen Kommentatorinnen oder Kommentatoren hier kritisierten) Konsummuster resultieren aus der Weigerung einer breiten Mehrheit der Bevölkerung, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren. Daher herrscht eben neben der heutigen Kaffeehauskultur auch eine solche politische Machtverteilung vor, wie wir sie heute ertragen müssen.

Zum Artikel: nicht einmal die englische wikipedia erdreistet sich, den "Spectator" als Zeitung zu bezeichnen. Die erste zeitung der Welt hieß "Leipziger Einkommende Zeitungen", erschien ab 1650 und hatte mit Kaffee nichts am Hut.

elbsegler

15. Dezember 2009, 15:02

@Manni1000

Würfelzucker ist pure Meditation. Dafür ist allerdings Tee im Glas besser geeignet. Man stapelt am Grund des Glases zwei oder Mehr Stücke übereinander und beobachte dann konzentriert den Zerfall: Wie es rieselt und bröselt und rutscht und sich schließlich ganz auflöst.

Für Titanicfans gibt es jetzt kleine Schiffchen aus Zucker, die erst ein bisschen auf dem Kaffee oder Tee schwimmen und dann hochdramatisch in den heißen Fluten versinken.

Andrea Diener

15. Dezember 2009, 17:11

Schreibtischlampe, den Leipzigern sei die erste Zeitung der Welt geschenkt. The Spectator ist allerdings in die Kategorie "defunct newspapers" einsortiert (deutsch: Kategorie "Zeitung (eingestellt)") und gehört da auch hin. Viel mehr als ein reines Nachrichtenmedium war er eher eine Art Feuilleton und Plattform für Debatten, und genau dadurch interessant.

Was die nicht reflektierten Konsummuster angeht, gebe ich Ihnen recht. Untersuchungen zeigen (zur Not frage ich auch nochmal nach den Quellen, aber vielleicht glauben Sie mir auch so), daß viele Menschen kleine Innenstadtläden mögen, dort aber nie selbst kaufen, weil ihnen das zu teuer und zu mühsam ist. Damit erschaffen sie Städte, wie sie sie eigentlich nicht haben wollen. Tja.

Manni1000

15. Dezember 2009, 17:30

jo elbsegler,

das spektakel kann ich mir gut vorstellen, kommt in tee bestimmt ultra-gut !! bin leider wie andrea voll der kaffee-fan und nahezu tee-hasser (jaja, jetzt kommt = wieder die tee-fraktion mit schimpfkanonaden)

;-)

colorcraze

15. Dezember 2009, 19:28

@Frau Diener: eben, das mit dem Konzept sehe ich ähnlich - zu verkopfte Herangehensweise an die nötige Einpassung Wirtin - Lage - mögliches Publikum wird nicht helfen, diese drei Dinge müssen vor allem zusammenpassen. Man kann sich noch so tolle Autorenlesungen, Musikabende, Vernissagen und sonstwas ausdenken (damit versuchen sich andere zu halten), wenn die Leute nicht kommen, weil sie was ganz anderes wollen, etwa einfach nur in Ruhe am Sonntagmittag Zeitung lesen, wird das kein Publikum ziehen. -

Andernseits ist "Konzept" aber auch Gastrosprech für "Zielgruppenzuschnitt und Ausstattung", man sollte es also nicht überbewerten.

colorcraze

15. Dezember 2009, 19:50

Also ich kaufe in kleinen Innenstadtläden, wenn es sich nicht gerade um Kleider handelt, denn diesbezüglich bin ich traumatisiert von nötigenden Verkäuferinnen, ist allerdings schon lange her. Aber Bettwäsche z.B. nur dort, denn anderswo kriegt man nur Ramsch. Vor 3 Jahren habe ich in einem solchen Laden gleich mehrere sehr schöne Badeanzüge gekauft. Auch meine Waschmaschine habe ich in einem kleineren Fachgeschäft (man muß danach suchen, es gibt nicht mehr viele) gekauft und bin sehr zufrieden. Wenn mich etwas nervt, dann ist es das Rabattgeschwalle, noch bevor man sich etwas ausgeguckt hat, das man überhaupt haben will. Ich will erstmal wissen, ob es überhaupt was gibt, das ich brauchen kann. Feilschen kommt dann zum Schluß.

Versandhandel nehme ich selten in Anspruch, weil ich die meisten Sachen sehen (bei Kleidern: unbedingt Material fühlen und ausprobieren, bei Sofa: halbe Stunde mindestens probesitzen) will, bevor ich sie kaufe. Schade, daß es kaum noch kleine Buchläden gibt, in denen man stöbern kann. Allerdings habe ich auch nur selten Zeit dafür. Die derzeitigen Bücherkaufhäuser gefallen mir nicht wegen ihres Sortiments, bei Kiepert früher war das anders. Zumindest der neue Buchladen in meinem Heimatdorf wird allweihnachtlich 3 Bücher an mich los.

agg

15. Dezember 2009, 23:40

http://www.rotten.com

falls es noch niemand gesagt hat: coffee-2-go ist neoliberale scheiße zur beschleunigung des verwertungsprozesses der ware mensch und schmeckt auch so.

elbsegler

16. Dezember 2009, 10:41

@Manni1000

Ich bin auch ein Kaffee-Junkie. Es gibt aber auch Momente, da ist eine schöne Tasse guten Tees genau das Richtige, nicht nur wegen der Würfelzucker-Meditation. Wenn ich mich im Winter nach einem Spaziergang fröstelnd vor den Kamin setze ist der Tee irgendwie wärmender als ein Kaffee. Ein Togo-Tee wäre allerdings, um beim Thema zu bleiben, so das letzte, was ich mir kaufen würde.

hugoservatius

16. Dezember 2009, 17:32

Lieber Herr Julius,

etwas hinter der Zeit her (zu lange vor dem Bücherschrank und im Café gesessen...), aber ich möchte doch nicht verabsäumen, Ihnen zu antworten!

Also, der Pawson ist viel schöner, als die Beschreibung bei Amazon vermuten läßt.

Sollten Sie aber trotzdem nicht glücklich mit Architektur und Design werden, empfehle ich Ihnen das Buch von Janosch, "Ich mach' Dich gesund, sagte der Bär", eine wirklich wunderbare Geschichte der Freundschaft von Tiger und Bär, auch für Intellektuelle geeignet, jedenfalls in der Vorweihnachtszeit.

.

Sehr geehrter Herr Dipsy,

darf ich fragen warum? Wegen Frau Merkel, der drei Bücher oder der Freude am Tabakgenuß?

Wie dem auch sei, ich werde mir Mühe geben, daß das nicht allzu häufig vorkommt!

Sehr geehrter Herr Beobachter,

ich denke immer noch über den Troll nach. Wie kommen Sie gerade auf Troll. Der, den ich in Island kennen gelernt habe, war klein, runzelig und hatte wirre Haare.

Ich hingegen bin recht groß gewachsen, sehe jünger aus, als ich bin und kämme mich mehrmals am Tag.

Sie haben mich vollständig verunsichert und jetzt hüllen Sie sich in einfältiges Schweigen, ich bin von Ihnen enttäuscht.

.

Vorweihnachtliche Grüße, hs.

Manni1000

17. Dezember 2009, 02:48

@ elbsegler: ...bei tee KANN ich nicht mitreden (will ich auch gar nicht), togo ist mehr als schwierig mitzureden; wir sollten beim kaffee bleiben.... natuerlich nicht dem kalten...

;-)

Göttinger

18. Dezember 2009, 15:33

Dieser/s Blog (ich kann mir das Geschlecht nie merken) hat mich doch nachhaltig beeinflusst. Ich kann nicht mehr unbefangen zu meiner Coffee to go Kette des Vertrauens gehen!

Helmut Waldherr

30. Dezember 2009, 08:12

>"..und in seinem Zentrum stand ein Getränk, das zur Abwechslung mal nicht betrunken machte."

.

Na bravo..

schon mal einen nach 3 Liter Kaffee gesehen? Solche Zombies lecken ja den Putz von der Decke. Ist das tatsächlich Gesellschaftsfähiger als der gemeine Bayer mit 3 Liter Augustiner im Bauch?

.

>"Das ist die moderne Aufputsch-Druckbetankung für den Leistungsträger"

.

Interessante These!

Das würde natürlich die Bankenkriese erklären. Denn wenn alle unter der Decke fliegen, wer drückt dann die lustigen Knöpfe? Na klar: der KfW Computer!

.

>"Sie setzen sich hin, trinken dort Kaffee und telefonieren mit Mutti"

.

Ganz egal ob die kleinen Scheisserchen funk- oder drahtgebunden zu einem streben: Hauptsache am Puls der Elektronen! Es scheint fast - nur so haben superurbane Zeitgeister noch den rechten Kick - wenn sie nicht gerade den Putz von der Decke lecken.

.

Hmm…

Ob ich mal den Maler an der Ecke fragen soll was die da so alles reinmischen?

Andrea Diener

30. Dezember 2009, 17:33

Herr Waldherr, was glauben, Sie denn, was der klassische Banker noch so im stillen Örtchen zu sich nimmt? Den Sauggeräuschen, von denen mir berichtet ward, nach zu schließen, wurde seit Jahren kein Bankgeschäft mehr nüchtern getätigt. Die brauchen den Kaffee vermutlich zum runterkommen.

Helmut Waldherr

30. Dezember 2009, 20:24

Werte Frau Diener, haben Sie sich schon mal gefragt warum es in allen Geldbörsen der Welt schneit? Nein? Na dann werfen Sie doch einfach mal einen Blick in Ihren Geldbeutel und entnehmen daraus einen beliebigen Geldschein. Lassen Sie dessen Oberfläche sodann chemisch untersuchen und sie werden nur noch mit größter Abscheu Bar bezahlen.

.

Das ist zwar nicht der Grund für die Plastikkärtchen-Affinität der superurbanen Menschen, aber so erspart man sich doch das eine oder andere zwangsweise Händewaschen.

.

Was den sonstigen Konsum der Primaten vom Berufsstand Banker angeht, so ist es mir gleich woran die sich zu Tode saufen, schnupfen und/oder spritzen – dann fühle ich mich wenigstens nicht genötigt dem einen oder anderen mal eben die Nase zu brechen.

.

Ach ja – sofern Ihre Leitplanken Affinität schon wieder abgenommen hat – das Cafe Central in Wien hat einen ganz vorzüglichen Topfenstrudel, dazu einen Verlängerten mit kühler Milch und der Banker-verseuchte Tag ist wieder gerettet ;-)

Neris

24. Februar 2010, 22:53

Liebe Frau Diener,

ich bin spät dran mit meinem Vorschlag, finde aber, er passt so gut zu diesem Beitrag (der mir sehr gut gefallen hat, Kompliment!): hätten Sie nicht Lust, etwas über die Verbreitung von Barhockern und Schemeln als Sitzgelegenheiten in der Gastronomie zu schreiben? Bei "Dean & David" in München (http://deananddavid.de/) etwa sind beide Extreme vereint: drinnen ausschließlich Barhocker, draußen, im Sommer, Schemel auf dem Trottoir - die Leute samt ihren Speisen und/oder Getränken sitzen beinahe auf dem Asphalt und stören sich merkwürdigerweise gar nicht daran. Warum lässt man die Menschen sich nicht auf einen völlig normalen Stuhl an einen völlig normalen Tisch setzen?

Herzliche Grüße

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