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Ding und Dinglichkeit

Von Herzen, mit Schmerzen: Das Geschenk

20. Dezember 2009, 20:44 Uhr

"Na", fragte die Zahnarzthelferin, als sie mir jüngst den Zahnstein aus den Zwischenräumen herauskratzte und ich mit offenem Mund praktisch wehrlos vor ihr lag, "schon Weihnachtsgeschenke gekauft?" Ich gab einen gutturalen Laut von mir und verdrehte die Augen. Nicht nur, daß das so ziemlich die einzige Reaktion ist, zu der man während einer zahnärztlichen Prophylaxebehandlung fähig ist, sie war dem Gegenstand auch durchaus angemessen. Ich hatte noch kein einziges Weihnachtsgeschenk gekauft, ich gedachte, so wenig Geschenke wie möglich zu kaufen, ich bemühe mich, es Jahr für Jahr weniger werden zu lassen und werde vermutlich nur einige gute Gesten zustandebringen, die einen nicht völlig nackt dastehen lassen.

Es ist nicht so, daß ich geizig bin, aber Geschenkpflicht zu bestimmten Tagen setzt mich unter eine unangenehme Art von Druck. Und es wird immer schlimmer, je älter man wird. Kinder haben es leicht, sie schreiben Wunschzettel mit haufenweise Spielzeug drauf, verschenken selbstgetöpferte Tonklumpen oder Gipsfladen mit ihrem Handabdruck drin und alle freuen sich. Wunderbar. Wenn sie größer werden, werden auch die Wünsche größer, dann wollen sie irgendwann nur noch Geld, sind darüber aber trotzdem froh. Doch je älter Menschen werden, desto anspruchsvoller werden sie, desto mehr haben sie schon und desto weniger brauchen sie noch. Eltern zum Beispiel neigen dazu, ziemlich komplett zu sein, und das, was sie noch nicht haben, eigentlich auch nicht wirklich zu wollen. Wenn man sie fragt, was sie sich zu Weihnachten wünschen, sagen sie: Wir haben ja alles, wir brauchen nichts.

Das macht es dem Schenker, also mir, nicht unbedingt leichter, denn natürlich muß man trotzdem etwas schenken, weil es erwartet wird. Die vermeintliche Bescheidenheit ist keine, sondern erhöht nur die Schwierigkeitsstufe. Ich bohre also nach: "Nicht einmal die Wanderhure Teil dreihundertfünfzehn, Mama?" – "Nein, die schenkt mir schon der Papa", heißt es dann, das war ja klar, das einzige mögliche Wunschobjekt ist schon vergeben. Ich werde mir also wieder einmal den Kopf zerbrechen müssen.

Und so kommt es, daß zu Weihnachten die vielgeschmähten Notgeschenke unterm Weihnachtsbaum liegen: Socken, Krawatten, lange Unterhosen, damit der Bub nicht friert. Das After Shave, das immer genau ein Jahr reicht, das Fläschchen Tosca von 4711, das auch immer ein Jahr reicht. Wein und Schnaps werden gern genommen, denn was macht Opa noch wirklich Freude? Richtig, Alkohol. Die Tante bekommt Biber-Bettwäsche und Angora-Unterhemden, der Rest Kulturbeutel. Bisheriger Rekord war der Ringtausch von drei Kulturbeuteln bei fünf Beteiligten. Komischerweise ist nie einer bei mir hängengeblieben, obwohl ich einen brauchen könnte. Aber ich sage das lieber nicht so laut, wer weiß, was für ein scheußliches Ding ich dann demnächst übereignet bekomme.

Das ist nämlich das nächste Problem: So ein unverlangt eingesandtes Geschenk neigt dazu, nicht nur haarscharf an meinem Geschmack vorbeizuschrammen, sondern wenn, dann richtig. Man fragt sich mitunter, welche Vorstellung die Menschheit von einem hat, daß sie ernsthaft mit sowas ankommt. Ich besitze Perlenohrringe aus Bernstein, obwohl meine Ohrlöcher seit 15 Jahren zugewachsen sind. Ich besitze ein Saftglas mit Uli-Stein-Maus drauf und das häßlichste Teeglas der Welt. Die silbernen Salz- und Pfefferstreuer in naturgetreuer Vogelform mit Löchern im Kopf dagegen sind so abwegig, daß sie schon wieder richtig gut sind. Ich besitze CDs mit schottischer Fahrstuhlmusik, die irgendein Pseudodruide auf seiner Harfe mundzupft, und das Erstlingswerk einer Rapperin, die ihre Homosexualität thematisiert. Beide wurden mir mit dem gleichen Satz übergeben, nämlich einem überzeugt vorgebrachten "das wird dir gefallen", was mich in tiefe Zweifel stürzte, ob ich eventuell den Eindruck vermittle, daß mir das tatsächlich gefallen könnte.

All diese hochwertigen Dinge verbringen eine gewisse Anstandsphase im Haushalt, bevor sie irgendwann entsorgt werden. Eine gute Gelegenheit dazu ist das Wichteln. Da gibt es ja verschiedenste Varianten, aber die beste ist die: Man packt etwas möglichst liebevoll ein, was man nicht mehr braucht und wofür man nichts bezahlt hat, bringt es zur Firmenweihnachtsfeier mit, bekommt eine Nummer draufgeklebt, zieht dann selbst eine Nummer und packt das Geschenk unter Anteilnahme und Schadenfreude der gesamten Runde aus. Oh, eine Musikkassette der Kelly Family, danke! Den blutrünstigen japanischen Thriller hab ich danach für 10 Euro bei Amazon verkauft, das fürchterliche "Strawberry Love"-Parfüm ging in die zweite Runde.

Was nicht bald entsorgt wird, kann sich auf ein langes, ungestörtes Dasein in den Tiefen einer Schrankwand gefaßt machen, die sich zum Archiv der Nutzlosigkeiten entwickelt. So einiges sammelt sich an im Laufe eines Lebens, Modegeschenke nach Jahrzehnten gestaffelt: Hölzerne Kormoranbilder und Rauchglasaschenbecher aus den Sechzigern, Käseigel und Knabberschälchensets aus den Siebzigern, Sandrieselbilder und Hologramme aus den Achtzigern, Sandwichmaker und getöpferte Duftlampen aus den Neunzigern. Dazu einige Produkte von seltsam zeitloser Scheußlichkeit, die sind von den Verwandten aus der Zone. 

Die Zahnarzthelferin ist mit Kratzen fertig und mischt jetzt die Polierpaste. "Au-üln!" verlange ich und greife zum Spülbecher, dann geht es mir besser. "Ich weiß nie, was ich schenken soll", sag ich. "Jeder hat schon alles, und dann steht es nur rum." Ich lehne mich wieder zurück, dann nimmt die Zahnarzthelferin die rotierende Bürste und surrt damit über meine Zahnreihen. "Ich schenke immer was zum Essen. Entweder ist es dann weg, oder es ist abgelaufen und muß weggeworfen werden", sagt sie. "Ah", sag ich, weil man mit einer Polierbürste im Mund nicht viel mehr sagen kann. Aber das ist eine Lösung, Geschenke mit einem Haltbarkeitsdatum möglichst innerhalb des nächsten Monats, oder noch kürzer. Damit gibt man sich selbst nicht die Blöße, jemanden komplett falsch eingeschätzt zu haben, und man zwingt niemanden, etwas zu besitzen, was er freiwillig nie besitzen würde, und bei der Übergabe auch noch ein erfreutes Gesicht zu machen. Ich muß das nur noch meiner Umgebung beibringen.

Veröffentlicht 20. Dezember 2009, 20:44 von Andrea Diener
Kommentare

Stephanie

20. Dezember 2009, 21:41

http://kultur.streetrunway.de

Ein herrlich schöner Text von deinen Geschenkerfahrungen, die ich teilen kann. Wer kennt das nicht? Bei meiner Oma bekommt man die Geschenke, die man ihr gemacht hat im nächsten Jahr sogar wieder zurück geschenkt :) Also ist das Motto immer etwas zu kaufen, was einem selbst gefällt. Und ich muss leider auch noch einige Geschenke in den verbleibenden 4 Tagen auftreiben.

Ich wünsche trotz Geschenkstress frohe Weihnachten

Wolfgang

20. Dezember 2009, 22:46

Der Ringtausch wird besonders amüsant, wenn sich der Beschenkte gar nicht die Mühe macht, das Geschenk auszupacken, sondern es nach einiger Zwischenlagerung unausgepackt weiterschenkt. So bekam einst meine Tante eine Flasche Wein mit einer Glückwunschkarte ihres fünf Jahre zuvor verstorbenen Bruders.

Antoinette

20. Dezember 2009, 23:10

Ein wirklich genialer Tipp der Zahnarzthelferin! Den beherzige ich aber schon seit Jahren. Beim Weinhändler meines Vertrauens werden alle männlichen Verwandten versorgt, dazu noch ein paar herzhafte Häppchen von Münstermann - und für die weiblichen Verwandten die ausgezeichneten Pralinen von Heinemann.

Bisher habe ich noch keine Beschwerden bekommen, außer vielleicht über ein paar zugelegte Pfunde. Es ist nämlich zu Weihnachten immer das gleiche Mantra "ach Kind nichts zum hinstellen, und vor allem nichts großes" - was bleibt einem da übrig, außer etwas, das verspeist oder getrunken wird?

Ein eigener Blog-Beitrag wären auch "Hochzeitsgeschenke", dank dieser Scheußlichkeiten ist man nämlich auch mindestens ein Jahrzehnt  fürs Wichteln ausgerüstet.

Andrea Diener

21. Dezember 2009, 00:23

Stephanie, ich habe noch nie etwas zurückgeschenkt bekommen, nur einmal zurückgeerbt. Wolfgang, ausgepackt wird bei uns ja schon. Dann das Papier ordentlich zusammengefaltet, das kann man ja nochmal verwenden, das ist ja noch gut.

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Antoinette, ich bin zum Glück nur ganz selten auf Hochzeiten. Das letzte Mal war es gnädig, die Braut wünschte einen Beitrag zu einer neuen Spiegelreflexkamera. Mittlerweile wohnen die meisten ja eh schon zusammen, da braucht der Haushalt ohnehin nichts. (Man braucht ja eh immer weniger. Im Gegensatz zu meinen Großeltern komme ich gut ohne Heringstopf mit dreidimensionalem Porzellanfisch als Henkel aus.)

BlackJack66

21. Dezember 2009, 08:48

http://walkinginboots.blog.de/

Oh der Tipp mit dem Essen ist wirklich gut und wenn man den richtigen Laden betritt, dann erlebt man auch die lsutigsten Geschichten: schwarzmarkt.blog.de/.../italienische-momente-7596500

Sonst ist für die Eltern oder Großeltern auch immer Gesundheitsgeschenke gut und meist sogar die richtige Wahl.

Frau Waldwuff

21. Dezember 2009, 08:57

Sind Sie beim gleichen Zahnarzt?

Bei meinem letzten Besuch Anfang Dezember wurde ich auch während der Zahnreinigung bzgl. meines Geschenkeverhaltens befragt.

Abgesehen davon, dass außer der gutturalen Lautäußerung nicht viel an Response meinerseits möglich war, ist es natürlich schon interessant.

Ihre Zurückhaltung bzgl. der Äußerung des Wunsches nach einem Kulturbeutel kann ich nur unterstützen. Mein Mann war letztes Jahr nicht so zurückhaltend, und erhielt sowohl von Schwiegermama als auch von meiner Mutter so ein gutes Stück. Wenn wir jetzt zu Besuch fahren stellt er jedesmal die Frage, "welchen muss ich denn diesmal mitnehmen?" Beide sind durchaus sehr geschmackvoll (sowas geht), aber würde nun entweder die eine oder die andere Schenkende beschämen, wenn das falsche Stück bei Besuch auftaucht.

Das geschmackloseste Geschenk war einmal ein Salz-und-Pfefferstreuer von Schwager und Schwägerin, welchen die beiden zur Hochzeit erhalten hatten. Insbesondere ärgerte mich damals, das das kleine Beutelchen mit Pfeffer bereits abgelaufen war. (Unabhängig davon, dass ich eigentlich immer nur frisch gemahlenen Pfeffer verwende, aber hier ging es ums Prinzip. Geschmackloses verwichtelt man in der Firma, oder schmeißt es weg. Aber man verschenkt es nicht in der Verwandtschaft!)

Ephemeride

21. Dezember 2009, 09:23

Sehr geehrte Frau Diener: Welch' schöner Text mit einer aparten Zeitreise durch die untersten Schubläden irgendwelcher Kellerschränke. Besser als jeder Jahresrückblick!

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Ansonsten kann ich nur das Motto "Schenken und schenken lassen" empfehlen. Scheußlichkeiten sind immer dabei und selbst angeblich Konsumierbares ist manchmal ohne Haltbarkeitsdatum und unkonsumierbar (Himbeer-Palinka beispielsweise aus Ungarn mit einer erfrischenden Erfindergeistnote einer Ölraffinerie...) Aber zumeist kommt doch alles von Herzen und ist damit von eigenem Wert.

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Nur einmal, da gab es eine Vase - die Inkarnation aus den skurilen Alpträumen einer weltbewegten Töpferin mit Indienerfahrung. Die (also, die Vase...) habe ich weiterverschenkt - mit der Bitte, diese wiederum weiterzugeben und die ihr innewohnende Geschichte weiterzuerzählen. Das geschah 1988, und ich bin fest überzeugt, dass ich die Vase eines Tages noch einmal in meinen Händen halte. Nachdem das gute Stück eine kleine Weltreise hinter sich gebracht hat...

Felix Herzbach

21. Dezember 2009, 09:47

http://www.aufsteigen.net

Essen schenken ist super. Am Besten was selbst machen. Mein Favorit: Pralinen.

Savall

21. Dezember 2009, 11:14

Die Leiden des Beschenktwerdens sind vielfältig und von ausgesuchter Grausamkeit. Ich habe es allerdings schon vor etlichen Jahren geschafft, die engere Familie auf weihnachtliche Geschenkabstinenz zu trimmen. Das geht freilich nur, wenn keine kleinen Kinder beteiligt sind, das ist klar. Mein Grund war ein egoistischer: es traute sich niemand mehr, mir Bücher zu schenken, weil sie nicht wußten was ich schon hatte.  In den ersten Jahren hatte sich dann doch ein leiser Frust breitgemacht. Um einem Volksaufstand zuvorzukommen, kam ich auf folgende salomonische Lösung: jeder kauft sich anläßlich des Weihnachtsfestes etwas, daß er wirklich gern haben möchte. Jeder nur eins, um Orgien zu vermeiden. Der Hauptspaß ist jetzt die Überraschung der jeweils anderen. Und es ist mitunter tatsächlich verblüffend, was da manchmal zum Vorschein kommt. Der nette Nebeneffekt ist, daß man so viel Geld ausgeben kann wie man möchte, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Ein anderes treffliches Hilfsmittel ist natürlich der Amazon-Wunschzettel. Da können keine Doppelbeschenkungen auftreten, der Überraschungseffekt bleibt gewahrt und trotzdem können keine Mißgriffe passieren. Apropos, Andrea, ich konnte wieder einmal nicht widerstehen. Erschrecken Sie also nicht.  

Doctor Snuggles

21. Dezember 2009, 11:21

In unserer kleinen Familie haben wir beschlossen, dass sich die Erwachsenen untereinander nichts schenken. Punkt. Meistens kauft man sich die kleinen Sachen, die man haben möchte, eh schon während des Jahres und die teuren Sachen sind zu teuer, um sie sich als Geschenk zu wünschen. Lediglich die Kinder bekommen wirklich Sachen geschenkt, die sie gerne hätten, wobei das auch immer im Rahmen bleiben muss. Unsere Tochter hat soviele Sachen, dass sie teilweise gar nicht mehr weiß, mit was sie überhaupt spielen soll und entsprechend bekommt sie jetzt eben nicht mehr das x-te Puppenset, die dritte Spielkasse oder die zweite Puppenküche. Es wird eine Digitalkamera sein, weil sie gerne fotografiert. Die Großeltern geben etwas dazu, so teilen wir uns das ganze. Es wird das Spiel "Twister" sein, das hat sie nämlich nur in einer Kleinstversion von McDonalds und die ist zu klein, damit Erwachsene mitspielen können. Und dann bekommt sie noch ein paar günstig erstandene "Clikits" von LEGO, weil sie Kinderschmuck liebt. So, das war's. Ich kann nur hoffen, dass nicht doch noch etwas reinkommt, was sie nicht wirklich braucht. Ein letztens angekommenes Paket meiner Eltern läßt mich bereits mißtrauisch gucken. Die wollten doch Geld für die Kamera geben. Hoffentlich ist es nur Kleidung für die Tochter bzw. für unseren neugeborenen Sohn...

Göttinger

21. Dezember 2009, 11:57

Meine Freundin hat leider eine Woche vor Weihnachten Geburtstag und besteht immer auf eine Vorweihnachts/Geburtstagsparty. Das bedeutet für mich: organisieren, einkaufen, Kuchen backen und am Partyabend: Party machen (mit der Konsequenz, dass ich die nächsten 2-3 Tage immer etwas in den Seilen hänge).

Jedenfalls leiden dadrunter die Weihnachtseinkäufe und ich schaffe es nie, meinem Vorsatz entsprechend, spätestens Anfang Dezember Geschenke zu kaufen. Außerdem kommen die hier treffend beschriebenen Probleme hinzu: außer bei Kindern ist es wirklich schwer, passende Geschenke zu besorgen und ich hasse es, Verlegenheitsgeschenke zu kaufen.

Mit meiner Freundin bin ich seit Jahren in einem fatalen Hochschaukelungsprozess, so dass die Geschenke immer grösser bzw. teurer werden und wir schaffen den Absprung nicht. Außerdem bekommt sie das Hauptgeschenk immer schon zum Geburtstag und ich nehme mir regelmäßig vor, dass es dabei sein Bewenden hat. Ganz kurz vor Weihnachten (also: jetzt!) will ich dann auf einmal doch nicht mit leeren Händen da stehen und muss doch noch etwas kaufen...

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Ach und ein lästiges Thema wurde hier noch gar nicht angeschnitten:

GUTSCHEINE!

Ich finde Gutscheine ganz schrecklich, sie sind für mich der Inbegriff des absoluten Notgeschenks! Aber sie haben immerhin den Vorteil, dass man sie einfach stillschweigend ignorieren und "verfallen" lassen kann. Im Gegensatz zu dinglichen Geschenken muss man sie nicht irgendwo verwahren oder schamhaft wegschmeißen oder weiter verschenken (letzteres traue ich mich im übrigen nicht; außerdem denke ich mir: was ich grauenhaft finde, kann ich unmöglich weiterschenken, das wäre ja eine Beleidigung des Beschenkten)

Daniela

21. Dezember 2009, 12:16

Ich kenne das Drama. Und bin froh, dass das "wir schenken uns nichts" unter den Erwachsenen seit ein paar Jahren wirklich ernst genommen wird - zur Freude aller Beteiligten. Meine Eltern und wir (erwachsenen) Kinder sind froh, nichts zu bekommen, was dann doch nur rumsteht und sich eben auch selber nicht den Kopf zerbrechen zu müssen, was denn nun toll sein könnte. Es hält sich auch jeder dran, dazu hat nicht zuletzt meine Mutter beigetragen, die selber im vertrauten Gespräch ihren Unmut über die Verlegenheitsgeschenke kundgetan hat. Jetzt haben wir alle eine recht entspannte Vorweihnachtszeit - man muß "nur" noch für die Kinder was finden...

Andrea Diener

21. Dezember 2009, 12:39

Black Jack, Gesundheitsgeschenke, stimmt! Der gute Rotkäppchensaft von Rabenhorst. Gibt es immer noch im Reformhaus. Aber so alt sind meine Eltern noch nicht.

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Frau Waldwuff, so machen auch geschmackvolle Geschenke leider Streß. Daher ziehe ich mich seit einigen Jahren immer ins Weihnachtsexil zurück und warte ab, bis der Trubel rum ist.

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Ephemeride, sollte ich jemals die Vase des Grauens erhalten, werde ich mich bei Ihnen melden. Ansonsten habe ich aber den Rest der Menschheit immer schön auf meine Amazon-Wunschliste verwiesen, Savall hat die ja von allein entdeckt, dann kommt kein Blödsinn bei raus. So eine nützliche Einrichtung. Man kann dann ja trotzdem beim Buchhändler des Vertrauens kaufen, weiß aber wenigstens, was.

(Okay, Savall, ich werde, bis ich zu Hause bin, keine CDs kaufen.)

Andrea Diener

21. Dezember 2009, 12:53

Doctor Snuggles, das ist gut, schenken Sie der Tochter eine Digitalkamera. Vielleicht endet sie dann auch wie ich und spart mit Mitte dreißig auf eine Leica :) Mitunter haben Weihnachtsgeschenke ja lebenslang prägende Folgen. Und Lego ist überhaupt immer gut. Wenn ich ein Kind hätte, es müßte sich mit mir um die Legosteine prügeln.

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Göttinger, in unserer Familie ballen sich auch die Winterkinder. Die Mutter vor Weihnachten, ich danach, dann kam immer noch der Opa. Inzwischen bekomme ich zu Weihnachten und zum Geburtstag in einem Aufwasch was Großes und Nützliches geschenkt, nämlich die Jahreskarte für die Öffentlichen. Die brauche ich wirklich, 570 Euro sind häßlich viel Geld, ist zwar ein bißchen prosaisch, aber ich hab immer was davon. Man kann ja noch ein paar Pralinen dazulegen. Oder Florentiner, die mag ich noch lieber.

Don Ferrando

21. Dezember 2009, 14:09

Frau Diener,

heisst der Saft nicht " Rotbäckchen" ??

Den habe ich als Kind in den Sechzigern zur Stärkung bekommen.

Wusste gar nicht, daß man den nun alten Menschen schenkt!

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Andrea Diener

21. Dezember 2009, 14:35

Don Ferrando, Kinder wie ich, die in den chemiegläubigen Siebzigern aufgewachsen sind, bekamen natürlich eine penetrant süß schmeckende, orangefarbene Brühe namens Sanostol, was ja eigentlich klingt wie Sanitärreiniger und auch so ähnlich aussah. Ansonsten haben Sie natürlich recht, was den Namen angeht.

Jeeves

21. Dezember 2009, 14:36

"Tosca", das kleinste (billigste) Fläschchen hab ich als Kind immer meiner Mutter zu Weihnachten geschenkt; mein Gott, das ist auch schon über fünfzig Jahre her.

Und tatsächlich: heut' schenk ich meinem 20-jährigen Sohn, na was schon: Geld.

Frau B.

21. Dezember 2009, 14:55

http://helgabirnstiel.blogs.com

Glückwunsch, wie haben Sie es geschafft, dass Ihre Lieben Ihre Amazon-Liste tatsächlich ernst nehmen? - Um mich glaubt jeder noch, kreativ sein zu müssen. Meinetwegen könnte man auf die ganze Schenkerei verzichten - allerdings muss ich zugeben, dass ich manche Menschen sehr gerne beschenke. Und von manchen auch schon wunderschöne Dinge geschenkt bekommen habe...

MM #316

21. Dezember 2009, 15:05

Liebe Frau Diener, die Geschenke der Kinder sind immer sehr verführerisch. Als Vater stelle immer wieder fest, dass Lego, Playmobil und Carrerabahn einen echt begeistern können. Zum Glück ohne große Brügelei, solange man nicht selbst die Spielvariante bestimmen möchte. Leider ist die Zeit so knapp und man wünscht sich diese doch mehr zu haben, für die lieben Kleinen und auch für die eigenen (manchmal geschenkten) Spielzeuge.

Vielen Dank an Sie für Ihre Betrachtungen und Blickwinkel, die mich erheitern und auch manchmal nachdenklich machen. Ich wünsche Ihnen Gesundheit und Zeit für alles was Ihnen wichtig ist. Ein Wunsch oder auch ein Geschenk wäre, wenn Sie nächstes Jahr mit Ihrer neuen Leica schöne Fotos von uns auf einer Ihrer Reisen machen könnten.

Doctor Snuggles

21. Dezember 2009, 15:06

Sanostol bekam ich auch, allerdings hat mir das Zeugs sogar geschmeckt. Das gibt es übrigens noch immer, habe es letztens erst im Schaufenster einer Apotheke gesehen.

 

Die Digitalkamera für die 5jährige Tochter ist schon keine schlechte im Verhältnis, immerhin eine Sony Cybershot DSC-W230. Und was das LEGO angeht: ich habe noch sämtliche Steine meiner Kindheit und erst vor einigen Jahren noch diverses Gebrauchtes dazugekauft, das ganze farblich durchsortiert, eine recht große Sammlung. Irgendwie die Aufarbeitung eines Kindheitstraumas, als ich plötzlich damit nicht mehr spielen sollte... Sie wissen, das Kind/der junge Jugendliche, der nun endlich mal erwachsen werden muss, weil ja der Ernst des Lebens vor der Tür steht und überhaupt die Schule. Tja, immerhin hat es in Frankfurt zum Haus gereicht. Aber vielleicht hat man mir damit die Karriere eines großen LEGO-Künstlers verbaut. Wer weiß das schon.

Andrea Diener

21. Dezember 2009, 16:32

Jeeves, die kleine Tosca-Flasche reicht, denn die ist nur für gut. Im Alltag reicht Kölnisch Wasser (wenn ihre Mutter ansatzweise so ähnlich denkt wie meine …)

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Frau Birnstiel, meine Lieben nehmen den nicht ernst, die kennen den nicht einmal, denn dazu müßte man das Internet anwerfen. Aber netzaffine Freunde wissen Bescheid.

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MM316, vielen Dank, das wünsche ich Ihnen auch. (Und mir einen vorderen Platz auf der Leica-Warteliste meines Fachhändlers. Langsam könnte er wirklich mal anrufen.)

Prima einbezogen werden kann man ja, wenn man Brettspiele schenkt. Aber das hatten wir ja schonmal hier

faz-community.faz.net/.../verlieren-lernen-ohne-strom-die-spielkarte.aspx

hotzen

21. Dezember 2009, 17:59

Wie viele beleidigte Anrufe bekamen Sie nach der öffentlichen Kundgabe all der Hässlichkeiten, die ihnen missfielen.

Remington

21. Dezember 2009, 18:05

http://remington.twoday.net

Fein gemacht, hab sehr gelacht. Betreffs zonale Scheußlichkeiten...sie sind nicht zufällig Besitzerin eines der zahlreich hergestellten <a href="cgi.ebay.de/BIERKRUG-Holz-Krug-Becher-Bier_W0QQitemZ220521166592QQcmdZViewItemQQptZReklame_Werbung

Wenn nicht, sollten sie vielleicht zuschlagen?

Für Frauen, die partout nicht wissen, was sie ihrem großen Jungen schenken sollen, hier ein <a href="www.supermagnete.de/.../a>

zonebattler

21. Dezember 2009, 18:18

http://www.zonebattler.net

Meinen Wunschzettel bei amazon.de nutze ich auch als temporären Merkzettel wider das Vergessen für mich interessierende Bücher, CDs, DVDs etc., die ich mir hin und wieder selbst gönnen und leisten möchte.

 

Einmal aber kam ich abends nach Hause und fand vor der Wohnungstür einen ausladenden Karton von amazon vor, in den gut und gern ein Fernseher reingepaßt hätte. Da staunte ich nicht schlecht, hatte ich doch keine Ahnung, was da von wem an mich geliefert werden sollte. Der Inhalt des Riesenpaketes: Ein geschenkter "Phaidon Atlas of Contemporary Architecture" (den seither größten und schwersten Wälzer in meinem Besitz) im Wert von EUR 150,00! Den hatte mir ein Leser zugedacht, der von meiner kleinen Modellbahn-Website http://www.egger-bahn.de offenbar sehr angetan war.

 

Das war nun wirklich das eigenartigste Geschenk, das mir je zuteil geworden ist: Einerseits war ich glücklich, erfreut und nachgerade wie vom Donner gerührt, anderseits war (und ist) mir ein Präsent in dieser Größenordnung auch ein wenig peinlich. Es erschien mir (in des Wortes doppelter Bedeutung) als absolutely out of proportion!

 

Eine DVD oder ein Taschenbuch wäre eine kleine Anerkennung gewesen, die ich guten Gewissens und frohen Herzens von einem mir unbekannten Gönner hätte annehmen können. Beim teuersten Posten meines Wunschzettels (den mir selber zu kaufen ich aus Sparsamkeitsgründen mir vermutlich bis heute verkniffen hätte) kommt zum Besitzerstolz das ungute Gefühl dazu, das Geschenk nicht wirklich verdient zu haben (oder noch irgendwie verdienen zu müssen).

 

Ich erfreue mich jetzt weiterhin an dem edlen Buchgeschenk, es kam ja sicherlich von Herzen, aber seither schreibe ich von mir begehrte Güter aus dem amazonas-Becken von mehr als zweistelligem Kaufpreis nicht mehr in die Wunschliste, sondern in eine private Textdatei.

Jitzak Tanenbaum

21. Dezember 2009, 18:20

Zum Wichteln kann ich nur positives sagen. Ich bekam einmal als Verlegenheitsgeschenk 5 € in deutschen Postwertzeichen. Die konnte ich gut gebrauchen. Was ich immer noch originell finde, sind die Läden, die Dinge verkaufen, von denen sie wissen, daß das niemand für sich selber kauft. Die Läden heißen dann Geschenkboutique oder ähnlich. Haushaltswarengeschäfte sind mittlerweile so paralysiert, daß sie an der Kasse zweimal fragen, ob man das Küchenmesser / den Kochtopf wirklich für sich selber haben will. Verdrehte Welt. J.T.

Andrea Diener

21. Dezember 2009, 18:25

hotzen, kein einziger wütender Anruf. Ich habe mit Bedacht ausgewählt – Geschenke von Eltern von Exfreunden, da ist das Verhältnis ohnehin zerrüttet.

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Doctor Snuggles, man hat Ihnen ernsthaft das Legospielen verboten, oder es zumindest nahegelegt, damit aufzuhören? Furchtbar. Gerade Lego wächst doch mit. Ich habe damit sehr, sehr lange gespielt, und die Häuser wurden immer komplexer. Vermutlich habe ich allein deshalb ein halbwegs funktionierendes dreidimensionales Vorstellungsvermögen.

Andrea Diener

21. Dezember 2009, 18:32

Remington, toll! Wir hatten das dazu passende Kaffeeservice, mit Tablett, Kanne, Milchkännchen, Zuckerdose und Bechern, alle natürlich in der beliebten DDR-Wäscheklammeroptik. Stand jahrelang bei meiner Oma in der Schrankwand. Ab und zu kamen ja ein paar steinalte Tanten, die netterweise ausreisen durften, und beglückten uns mit solch wunderbaren Dingen. Ich bekam eine Goldkette mit scheußlichem Anhänger, aber man hatte mir vorher eingeschärft, mich unter allen Umständen sehr höflich zu bedanken und bloß kein Gesicht zu machen.

Julius

21. Dezember 2009, 18:52

Die Jahrzehnte nach ihren Grauslichkeiten benennen, das ist fein. Die Hologramme hätte ich fast vergessen - Kinderträume... Und dann die Duftölschalen mit Teelicht drunter - alle `gefühlt´ fliederfarben... Jedoch, Geschenke der 60er, 70er? Die gingen, mit Verlaub, eher an die Eltern oder?

Antionette

21. Dezember 2009, 18:53

Oh, hier wurde ja ein ganz heißes Thema angeschnitten: selbstgemachte Geschenke.

Die meisten, besonders die kulinarischen, sind entweder ungenießbar oder sehen aus wie schoneinmal verspeist. Wer braucht Feigen-Himbeer-Balsamico-Senf, der einen höchst undefinierten Geschmack hat oder Pralinen, die als Hundehäufchen-Scherzartikel durchgehen könnten?

Spätestens mit Erreichen des zweiten Lebensjahrzehnts sollte man von so etwas Abstand nehmen und lieber 15 € in Lindt-Schokolade oder Kusmi-Tee investieren.

crippspink

21. Dezember 2009, 18:56

zu einem wellness-gutschein sagt niemand nein...

Antoinette

21. Dezember 2009, 18:56

Ein kleiner Nachtrag zu meinem vorherigen Beitrag: Kaschmir! Es ist das tollste Verlegenheitsgeschenk der Welt. Hält Burnout-geplagte Männer warm und die ewig fröstelnden Damen sowieso.

www1.landsend.de/.../Kaschmir-Schal-mit-Fransen~5813_-1.html

Savall

21. Dezember 2009, 19:09

Solche Scheußlichkeiten aus Wäscheklammern mußten wir im Werkunterricht für die Lieben daheim basteln. Vorzugsweise in Kombination mit leeren Plastiksenfbechern. Ich weiß gar nicht, wieso die Wäscheklammern kein Mangelartikel waren. Vermutlich gab es von der Wehrmacht heimlich angelegte Vorkriegs-Depots oder so.

Diesmal ist es übrigens nichts zum hören, sondern zum anschauen, Andrea. Da kann ich gleich noch ein paar Tipps für Last-Minute-Geschenke anbringen: Aus der wunderschönen Salto-Reihe von Wagenbach:  Carlo Cipolla, Geld-Abenteuer. Es ist _das_ Buch zur aktuellen Krise. Ich wußte mich vor Heiterkeit kaum wiederzufinden. Es gibt eben nichts neues unter der Sonne. Bei Musik kann ich nur auf meinen Namensgeber verweisen. Meine Lieblingsplatte ist "La ruta de oriente", aber das wird bis zum Fest wohl nichts mehr. Als Alternative bieten sich auch immer wieder die Platten des Alpha-Labels an. In Sachen DVD gibt es für mich in diesem Jahr nur eine Wahl: Burn after reading.

Sven

21. Dezember 2009, 19:22

Das mit dem "zurückerben" (Dein 1. Kommentar) hat meine Aufmerksamkeit gefangen. Könntest Du das etwas ausführen?

Andrea Diener

21. Dezember 2009, 20:14

zonebattler, wer so groß schenkt, hat vermutlich einen anderen Begriff von Geld und finanziellen Dimensionen. Insofern würde ich mir da keine Sorgen machen.

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Herr Tanenbaum, jedes Mal, wenn ich hier in Bayern zum Konditor gehe und Lebkuchen kaufe, fragt die Verkäuferin, ob sie die als Geschenk verpacken soll. Nein, sag ich dann jedes Mal, die esse ich alle selbst! Sollen die doch denken, was sie wollen.

Aber diese Produkte, die als Geschenke hergestellt werden, finde ich auch bemerkenswert. Lauter süße Plüschtiere, ich habe einen ganzen Müllsack voller süßer Plüschtiere. Es gibt ja auch in Buchläden diese Regale mit Geschenkbüchern, in denen vorwiegend genau die Bücher stehen, die ich nicht geschenkt haben wollte. Bilderchen mit Sinnsprüchen, die mein Leben bereichern sollen. Zum Glück kam noch niemand auf die blöde Idee, mich mit sowas zu belästigen.

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Julius, natürlich, in den Siebzigern ging das Zeug an die Eltern, davor an die Großeltern. Aber das sammelt sich ja in einem Haushalt an und steht herum und prägt einen manchmal auch.

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Antoinette, ich habe schon eine ganze Sammlung mit Tee in der Geschmacksrichtung Wintertraum. Kusmi wäre mal ein Fortschritt …

Andrea Diener

21. Dezember 2009, 20:23

Savall, bei uns im goldenen Westen gab es die Senfgläser aus Glas, weshalb die jeder Haushalt gehortet und daraus getrunken hat. Auch die besseren Kreise, wie man mir glaubhaft versichert hat. Deshalb wurden Wäscheklammern immer gern kreisförmig zu Topfuntersetzern zusammengeklebt, wobei das Kind an sich ja immer dazu neigt, zuviel Kleber zu verwenden, der dann oben und unten rausquatscht. Toll. (Ach ja, und danke für die Tips.)

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Sven, ich habe das Buch, ein Sachbuch über die Geschichte eines europäischen Herrschergeschlechtes in der Renaissance, meinem Großonkel geschenkt. Der einzige wirklich belesene und umfasend informierte Mensch meiner gesamten Verwandtschaft. Als er im Alter von 98 eines Nachts sanft entschlief und meine Eltern daraufhin die Wohnung ausräumten,  ging das Buch mangels anderer Abnehmer (s.o.) zurück an mich.

Doctor Snuggles

21. Dezember 2009, 20:55

Frau Diener, so in etwa. Die schulischen Leistungen waren nicht gut und mein werter Vater führte das auf LEGO-Konsum im Übermaß zurück. Es gab Krach und als Ergebnis baute ich meine sehr große Burg inkl. Weltraumhafen und dazugehörigen Entwicklungsgeschichte zurück, die Sachen verschwanden in Kisten und landeten auf dem Dachboden. Damit starb ein recht wichtiges Kapitel meiner Kindheit. Tja, Eltern können grausam sein, wollen doch aber nur das (ihrer Meinung nach) Beste.

Ju Honisch

21. Dezember 2009, 23:51

http://www.juhonisch.de

Meine Schwiegermutter - inzwischen verblichen - schenkte mir immer gerne Nachthemden. Die Art mit Krägelchen und Spitze und Blümchen und das alles in Pastellfarben, rosa, himmelblau oder zartgelb. Die Art, die zu tragen vermutlich ein Scheidungsgrund wäre, so man sie sich selbst kaufen würde, aber wenn sie von der Mutter des Gatten kommt...   Die Art, die man auch nicht ohne Gesichtsverlust beim Wichteln in die Runde schmeißen könnte. Obwohl - allein das Gesicht von jemandem zu sehen, der sich genau dieses Paket auf der Weihnachtsfeier greift, das hätte schon was. Grübel... Man könnte das Nachthemd in eine Malt-Whisky Kartusche stecken und somit einen einen geschmackstechnischen Genuss antäuschen. Nun ja. Zu spät. Schon entsorgt.

Ladyjane

21. Dezember 2009, 23:57

Ich finde diese um sich greifende Geschenkeabstinenzlerei unter Erwachsenen richtig schnöde und blöde. Selbst meine beste Freundin hat mir das heuer aufgenötigt. Ha, behalte ich es eben selber! Und mei, die schönsten Scheußlichkeiten brachten schon manch heiteren Moment.

Manni1000

22. Dezember 2009, 06:41

...oft ist es ja auch so, dass man sich, z.b. unter partnern/freunden/familienangehoerigen gegenseitig "hoch&heilig" verspricht sich NIX zu schenken, ABER sich dennoch gezwungen fuehlt ein quasi "notgeschenk" in petto zu haben, sollte der andere sein hoch&heiliges versprechen gebrochen haben, um dann nicht "mit leeren haenden" dazustehen.... aktuelles beispiel: letztes wochenende war ich mit einem freund auf einem hiesigem kuenstlerfest/~flohmarkt damit er "prophylaktisch" ein geschenk hat, falls seine frau, mit der er gerade schwierigkeiten hat (und er deshalb ausgezogen ist (ja, ich hab ihm dabei geholfen)), ihm, entgegen der verbindlichen absprache, etwas schenkt.  immerhin war der gute so schlau das gegengeschenk bisher vor ihren augen zu verbergen (sie hatte ihn zwischenzeitlich in seinem neuen domizil besucht), denn ihr geburtstag steht ja auch noch an...

...man mag mich dafuer kreuzigen, dass ich versuche "naegel mit koeppen" zu machen (alternativ: "butter bei die fische bringen") , aber meine tochter (26j) bekommt dieses jahr von mir, ausser einer von herzen kommenden e-mail, NIX. dasselbe mit unseren eltern und anderen verwandten/freunden. -- NIX anderes erwarte ich auch. trotzdem wird dieses weihnachten genauso unvergesslich bleiben wie die vielen anderen davor, wo wir legosteine, tretautos, schlumpfhaeuser (inkl. population), (primaer) karl-may buecher, marionetten, steiff-tiere, schmuck udgl. erhielten.

der geschenk-terrorismus endet hier, bei mir.

meine schwester&ihr mann bekommen einen (essens~)gutschein fuer unser lieblings-restaurant, da haben wir alle was davon, und es ist was zu(m?) essen.

;-)

Manni1000

22. Dezember 2009, 07:04

...davon abgesehen sind erfahrungen, die man waehrend eines zahnarztbesuches macht, wirklich mitunter aus einer anderen welt (nicht nur dass man ueber die tiefe der kavitaeten im zahnfleisch (und deren haeufigkeit) erstaunt ist, NEIN, wieviel blut man dadurch verlieren kann ist eklatant !!

-- zwar nicht lebensbedrohlich, aber hinterlaesst deutliche spuren im waschbecken.

....ich empfehle zahnreinigung per "sandstrahlen", wobei kein sand, sondern ein spezielles granulat eingesetzt wird, um die zaehne wieder auf vordermann zu bringen. -- schmeckt auch gut das zeug !!

;-)

capullo

22. Dezember 2009, 09:03

also meine liebsten bekommen jedes jahr das selbe geschenk: NICHTS

Schneekönigin

22. Dezember 2009, 10:12

Ich schließe mich Ladyjane an! Ich möchte auch mal eine Lanze für das Schenken zu Weihnachten brechen. Ich gebe gerne zu, dass es einige Mühe kostet, das passende Geschenk zu finden. Aber wenn man es erstmal gefunden hat, gibt es doch nichts Schöneres als das Schenken. Ich freu mich schon Tage vorher wie eine Schneekönigin auf die Gesichter der Beschenkten. Ihre Freude entschädigt mich für alle Mühen, die man vorher mit den Geschenken hatte. Abgesehen davon haben die Menschen jedes Jahr zu Weihnachten ein Thema, über das sie sich kollektiv beschweren können! :-)

Andrea Diener

22. Dezember 2009, 11:00

Ju, das ist spätestens dann unangenehm, wenn das Blümchennachthemd zu teuer war, um daraus guten Gewissens Blümchenschuhputzlappen zu machen. Es ist ja auch das ausgegebene Geld, das einen unangenehm berührt.

.

Manni, Restaurantbesuch ist gut. Da verschenkt man auch einen schönen, gemeinsamen Abend. Und auf der Speisekarte sollte jeder was finden. Na hoffentlich wird das was mit der Geschenkabstinenz.

.

Die ich ja ehrlich gesagt, liebe Ladyjane & Schneekönigin, auch nicht durchhalte. Von mir bekommt der Herr des Hauses dieses Jahr einen Stapel hübscher Hemden plus Krawatte, weil hier gerade ein Herrenausstatter verramscht. Das ist nicht sonderlich phantasievoll, aber nützlich. Gerade für jemanden, der sich wegen längerer HartzIV-Phase nichts kaufen konnte und nun Arbeitskleidung braucht.

Ariadne

22. Dezember 2009, 11:34

Ich schenke gerne. Sehr gerne sogar (ich bin vermutlich erblich belastet, vor allem mein Vater schenkt ebenfalls sehr gerne). Allerdings beschränke ich den Kreis der Beschenkten auf Eltern, Geschwister, Lebensgefährten, Schwiegereltern und Großeltern. Und da ich das ganze Jahr über Geschenkideen (und z.T. auch schon Geschenke) sammle, hält sich der Stress vor Weihnachten meist in Grenzen.

Noch schöner finde ich allerdings kleine "Zwischendurch-Geschenke", um jemandem einfach eine Freude zu machen oder ihn aufzumuntern. Wer nämlich einmal gesehen hat, wie sich z. B. eine Sekretärin, die regelmäßig von der Chefin gemobbt wird, über einen kleinen Blumenstrauß freut oder die mit einem Hungerlohn abgespeiste Putzfrau über eine Flasche Rotwein, der wird nie wieder etwas gegen das Schenken sagen.

Till

22. Dezember 2009, 12:48

Ja, so ist es. Gut getroffen und schön beschrieben.

Nur was ist, bitteschön, 'die Wanderhure Teil dreihundertfünfzehn' ?

Wäre ich in Ffm geblieben, hätte ich sie vielleicht erblickt - hier in den Bergen ist die Dame nie angekommen. Weil ja gewerbliche Unzucht in allen bayerischen Gemeinden unter 50Tsd. Seelen verboten ist und somit nicht existiert. Das ergibt dann eine keimfreie Zone von Rosenheim bis Passau

Andrea Diener

22. Dezember 2009, 13:18

Ariadne, Geschenke als kleine Überraschung zwischendurch sind eine ganz wunderbare Sache und mir auch lieber als das anlaßbezogene Schenken. Am schönsten dann, wenn man überhaupt nicht damit rechnet.

.

Till, siehe de.wikipedia.org/.../Die_Wanderhure. Die Angélique (sprich: Ohschelick) des 21. Jahrhunderts. Historische Frauenschmonzette, angeblich spannend.

Ariadne

22. Dezember 2009, 13:27

@ A.D. Ich glaube, dagegen ist "Angélique" noch hochgeistig. Aber irgendwer muss solchen Kram ja lesen, warum würden die Tische und Regale mit diesem pseudo-historischen Schmachtfetzen sonst wie Unkraut in meiner Buchhandlung wuchern.

Julius

22. Dezember 2009, 13:27

Oh, seit drei Generationen wird aufbewahrt? Arme Schrankwand. Andererseits: Auf eigene Art museal, vermute ich.

Till

22. Dezember 2009, 13:52

Danke für die Aufklärung! So verderbt ist jetzt der Gabentisch ? Wird sicher bald verfilmt werden. Mir drehts ja schon beim Gedanken an die 'Päpstin', die mir neulich im Bayernradio vorgestellt wurde, die Fingernägel hoch.

Herzlichst Ihne Ihrn Fanfan la Tulipe

Indica

22. Dezember 2009, 14:53

http://www.frau-indica.de

Liebe Frau Diener, ein köstlicher Text, wie alle Ihre anregenden Betrachtungen der Dinglichkeit.

Ich schenke gern und lasse mich auch gern beschenken. Deshalb war ich überrascht, wie oft und gern hier die Lanze fürs Nichtschenken gebrochen wird. Allerdings gibt es bei mir, gewünscht, noch nie abgelehnt und auch auf Nachfragen nach Jahren immer wieder erbetene selbst gefertigte Fotokalender. Da können die Bilder wohl nicht die schlimmsten Urlaubsfotos sein und sie sind natürlich nicht auf scheußlichen Untergründen und vorkonfektioniert aus dem Internet oder so. (Snobmodus aus)

Ansonsten frage ich, auch als von vielen Dezember- und Januarkindern Umgebene, bei meinen Freunden einfach nach, was denn erfreuen würde. Dann wird eben für Großgeschenke zusammengelegt und ggf. auch vom zu Beschenkenden selbst ergänzt. Das gilt vor allem für Geburtstags- und Hochzeitsgeschenke.

Aber auch an Weihnachten gilt, so finde ich: Fragen hilft. Selbst mir, die ich mich inzwischen meistens in meinen fortgeschrittenen Jahren bei der elterlichen Antwort "Ach, ich hab doch schon alles" ertappe, fällt dann doch etwas ein. Beim Stichwort "Kleinigkeiten" z.B. kleine Foto-Bilderrahmen. Denn in meinem fortgeschrittenen Alter möchte ich die Kaminsimssammlung von Freundesbildern mal seriös gerahmt aufstellen und nicht mehr labbelnd an Buchrücken anlehnen. Klar, braucht kein Mensch zum Überleben, ist aber schön und macht Freude...

Ach, ich bin wohl Spielkind genug, um mich immer noch über erhaltene Geschenke zu freuen. So richtig Schlimmes war in den letzten Jahren auch nicht dabei. Aber am liebsten schenke ich selbst und der Freund meiner besten Freundin, mit denen ich Heiligabend verbringen werde, verbat sich vom Rest der Gruppe Geschenke. Da bin ich jetzt schon beleidigt und werde selbstverständlich gar nichts schenken. Beleidigt bin ich, weil er mir die Freude genommen hat, ein Geschenk zu MACHEN. Denn das macht einfach am meisten Freude daran. Und ich natürlich fest davon überzeugt bin, keine öden oder entgleisten Geschenke zu machen.

Sehr gut angekommen übrigens bei den Spielkindern in meinem Team: Kleine Lego-Schneemänner, -Tannenbäume und -Nikoläuse. Auch die Generation Ü-40 und Ü-50 bastelt gern qualifiziert!

Doctor Snuggles

22. Dezember 2009, 15:49

Nun, es geht ja nicht um den Vorgang des Schenkens an sich. Es geht eher darum, dass es wirklich so ist, dass die Familienmitglieder in der Regel bereits alles mögliche haben und die Häuser voll sind. Sich nun noch etwas auszudenken, was das Haus dann noch voller macht und vielleicht nicht einmal zu 100% den Geschmack des Beschenkten trifft, ist eher suboptimal - für den Beschenkten. Für den Schenker genau genommen auch, weil er Geld für etwas ausgegeben hat, was seinen eigentlich gedachten Zweck nicht wirklich erfüllt. Daher haben wir diesen Prozeß im gegenseitigen Einverständnis beendet.

Manni1000

23. Dezember 2009, 03:21

@andrea : viel spass beim europa-trip !!

4lleicht sehen wir uns ja auch auf islay, meine plotnr. lautet: 378682

;-))

Andrea Diener

23. Dezember 2009, 12:38

Julius, so ist das im klassischen Mehrgenerationenhaus. Großeltern, Eltern und Kinder bunkern da ihr Zeugs ein. Wobei meine Eltern mich in regelmäßigen Abständen daran erinnern, was von mir alles noch unbotmäßig im Keller herumsteht.

.

Frau Indica, gleichaltrige Freunde, zumal solche mit Interessen, sind kein Problem. Meist sind es die Eltern und Großeltern, zu denen mir so gar nichts einfallen will. Hobbies? Der Garten. Aber man kann ja nicht jedes Jahr eine neue Harke oder ein Pflänzchen für den Steingarten schenken.

.

Manni, danke. Ich glaube erst an die Schottlandtour (er fährt, ich saufe), wenn ich die ersten Hochmoorhügel sehe. London war schon einer sehr schwachen Stunde zu verdanken. Aber ich habe schnell reagiert und Flug und Hotel gebucht. Ha!

Alter Bolschewik

23. Dezember 2009, 13:55

Der Niedergang des Schenkens scheint mir nicht so sehr daran zu liegen, daß es so schwer wäre, etwas passendes zu finden. Ich denke, das Problem liegt tiefer: Schenken schafft eine symbolische Verpflichtung zwischen dem Schenkenden und dem Beschenkten. Und wenn wir modernen, aufgeklärten Menschen etwas scheuen wie der Teufel das Weihwasser, dann sind das derartige symbolische Verpflichtungen. Heiraten ist so ein anderer Punkt, an dem das auffällt. Da wohnen Paare seit 20 Jahren zusammen, haben gemeinsame Kinder - aber heiraten? Niemals. Oder höchstens wegen der Steuer oder der Rente.

 

Ich will das gar nicht bewerten. Ich gehöre auch zu denen, die nichts zu Weihnachten verschenken (schon seit über dreißig Jahren nicht mehr und so nach fünf Jahren hatte das dann auch der letzte kapiert). Aber merkwürdig ist diese Abscheu vor gegenseitigen symbolischen Verpflichtungen schon.

Filou

23. Dezember 2009, 17:37

Gruess Gott allerseits! Morgen ist es dann soweit:

.

www.youtube.com/watch

molosovsky

24. Dezember 2009, 06:21

http://molochronik.antville.org

>>>Bisheriger Rekord war der Ringtausch von drei Kulturbeuteln bei fünf Beteiligten.<<<

Welchen Preis kann man für diesen Satz verleihen? Gibt es nicht irgendwo in der großen deutschen Lit-Preis-Landschaft einen Preis für so einen feinen Satz?

Andrea Diener

25. Dezember 2009, 00:21

Ich hoffe, Sie haben alle keine Enttäuschungen erlitten?

Frohe Feiertage Ihnen dort draußen.

Filou

25. Dezember 2009, 01:28

Es war wieder einmal ein schoener Weihnachtsabend. Alles wurde im Gespraech gehoerig durchgeklatscht, die Jugend, die Schulzeit, die lieben Eltern, die Zukunft...

...einfach alles. Und alles so normal.

.

Der Wein ist alle, der Calvadosspiegel in der Flasche gehoerig gesunken, der Kartoffelsalat gegessen, die Verwandtschaft rief aus fernen Landen an. Man koennte bei soviel Harmonie glatt sentimental werden.

.

Lasst es euch gut gehen. Gute Nacht.

Beate W.

25. Dezember 2009, 08:12

Werte Frau Diener,

ich habe dieses Jahr (wie auch schon in den Jahren vorher) wieder selbstgestrickte Socken verschenkt, die auch mit Begeisterung aufgenommen wurden. Es kommt nur drauf an, wem man das Selbstgemachte schenkt, da hilft es, vorher nachzufragen.

Schöne Feiertage!

Andrea Diener

25. Dezember 2009, 10:26

Socken find ich auch gut, solange sie schwarz oder grau sind.

Aber ich habe ja wie immer gestreikt, freute mich eines ganz normalen, geruhsamen Abends und bekomme heute vor der Abfahrt noch ganz unzeremoniell ein Teeservice überreicht, das ich schon länger neidisch anschiele. Zu Hause, so sagte man mir, warten einige Päckchen, auf denen Amazon steht. Hurra! Das mit dem Wunschzettel ist eine wirklich gute Sache.

Manni1000

26. Dezember 2009, 02:37

...aehhh, ich meinte virtuell, bei "fol".

;-)

Denken

28. Dezember 2009, 08:44

Die Kleine bekam einige Geschenke, wir haben uns nix Geschenkt!

Das ist Klimaschonend!

Helmut Waldherr

29. Dezember 2009, 20:13

>"..und bei der Übergabe auch noch ein erfreutes Gesicht zu machen. Ich muß das nur noch meiner Umgebung beibringen"..

Hmm.. das ist aber bedauerlich..

Ich stimme ihnen allen zu,

die Bandbreite „möglicher“ Geschenke ist gewaltig: Von selbstgestrickten Socken in den Lieblingsfarben Schwarz oder Grau, über X hin bis zu Y. Man könnte auch die ganze Welt bereisen und wird dabei sicher noch das eine oder andere mögliche Geschenk für einen lieben Menschen finden.

Die Halbwertszeit

in der ein solch mögliches Geschenk jedoch zu Ballast zerfällt, ist direkt davon abhängig wie kostbar der Beschenkte die Sache einstuft. Da Sie in der Regel umgekehrt auch ein Geschenk zu erwarten haben, gilt das eben gesagte selbstverständlich auch für Sie.

Wie man nun erkennt

ob ein Geschenk das Richtige, gar das eine echte war? Es ist einfacher als Sie vieleicht glauben - stellen Sie sich folgendes vor:

Sie sind gebügelt,

sehen klasse aus, haben das Strahler-80 Lächeln drauf und tragen das "mögliche" Geschenk in den Raum Ihrer Lieben. Dann ist der Zeitpunkt in welchem Sie von diesen im Raum als anwesend erkannt werden der Moment aller Wahrheiten:

Fällt der erste Blick direkt in Ihre Augen,

so haben Sie zumindest das richtige Geschenk dabei. In allen anderen Fällen haben "Sie" höchstwahrscheinlich die Arschkarte gezogen.

Liegt aber

in einem dieser Blicke - so scheint es zumindest - "Ihr" ganzes Leben: dann haben sie das eine "wahre" Geschenk dabei und noch bevor Sie zum zweiten Schritt in diesen Raum ansetzen, haben Sie bereits ebenfalls ein solches Geschenk zurück erhalten.

Ob ich nur

von Weihnachten gesprochen habe? Wer weiß - nehmen Sie sich doch alle etwas Zeit - und denken Sie in einer ballastfreien Minute Ihres Lebens mal darüber nach. Vieleicht lohnt es sich ja für Sie und Ihre Lieben.

In diesem Sinne..

einen geruhsamen Abend - Sayonara

colorcraze

29. Dezember 2009, 22:48

Ja, mit den eßbaren Geschenken, da bin ich seit Jahren dafür. Aber auch diese dürfen nicht im Übermaß daherkommen, denn daß sich 5 Personen Lebkuchen schenken, geht auch nicht. "Nützlichkeitsgeschenke", wie meine Schwägerin das nannte, sind mir durchaus sehr lieb, etwa eine Sorte Tee, die ich hier nicht bekomme. Aber am besten ist es schon, wenn jemand einen erfüllbaren, konkreten Wunsch hat. Oder sich ab einem bestimmten Alter denn doch mal die Konvention durchsetzen läßt, statt Geschenkauspacken lieber Lieder zu singen und Glühwein zu trinken.

Stefan

30. Dezember 2009, 13:31

http://literaturecho.blogspot.com/

Noch blöder als Geschenkfeste sind Zahnärzte, die sich während der Behandlung unterhalten wollen.

Ich finde Bücher gar nicht so schlecht. Sie sind praktisch, können angenehm überraschen und wenn sie einem nicht gefallen kann man sie gut weitergeben oder -verkaufen. Selbst die Entsorgung via Altpapier ist einigermaßen ökologisch.

Andrea Diener

30. Dezember 2009, 17:30

Stefan, Bücher sind natürlich immer gut. Aber die meisten Menschen, die ich kenne, haben schon derart viele davon, daß ich die Übersicht verloren habe, was sie schon haben und was nicht. Das heißt, man muß vorsichtig im Gespräch vorsondieren. Mitunter geht das, manchmal fehlt leider die Gelegenheit.

.

colorcraze, im Zweifel für die Nützlichkeit. Recht so. Oder, Herr Waldherr, für die kleine Aufmerksamkeit zwischendurch. Dann ruhen die Augen der Lieben nicht gar so belastend.

Alter Bolschewik

30. Dezember 2009, 17:48

Die ultimative Lösung des Geschenkeproblems haben, man hätte es sich ja denken können, Dilbert und Dogbert:

www.dilbert.com/.../2009-12-25

Helmut Waldherr

30. Dezember 2009, 21:07

Ich sag's ja nur ungern Frau Diener: aber für die kleine Aufmerksamkeit zwischendurch nutze ich die vielen elektronischen Scheisserchen, denn alles andere hätte eine mehr als 10.000 km weite Reise hinter sich.

.

Trotzdem haben Sie Recht: kleine Aufmerksamkeiten müssen sein. Werden sie doch wahrgenommen wie das sprichwörtliche Salz in der Suppe. Fehlt es, mosern einfach alle.

.

Nun ist es aber so, das in einer Ecke der Welt die dortig lebenden Menschen das Geschenk in ihrer Kultur so sehr verankert haben, das dafür eigens eine umfänglich wirkende Industrie implementiert wurde.

.

Sich diesem wohlig warmen Lüftchen zu entziehen ist für den gemeinen Bayer gänzlich unmöglich. Versucht er es doch, so erwächst aus dem duftigen Lüftchen schnell ein strenger Orkan, welcher das eingewanderte Volk vom Rande der Alpen, unmittelbar vom Baum zu wehen droht. So gesehen, habe ich eine nicht ganz unvoreingenommene Einstellung zu den kleinen Mitbringsel’n.

.

Würde man mich in Deutschland öfter als alle 2 Jahre (und auch das nicht immer) sehen, so wären meine Favoriten trotzdem für die dortige Geschenke-Industrie weniger gewinnträchtig als erhofft: Zeit & Anwesenheit, eine liebevolle Geste, ein aufrichtig gemeinter Satz an der rechten Stelle und für eventuell ganz besondere Menschen eine zärtliche Berührung sowie ein leidenschaftlicher Kuss.

.

Alles andere ist lediglich Schall und Rauch.

.

Hmm.. also gut.. Ihnen würd' ich natürlich schon ein Blumensträußchen mitbringen.. ;-)

colorcraze

30. Dezember 2009, 22:08

"Noch blöder als Geschenkfeste sind Zahnärzte, die sich während der Behandlung unterhalten wollen." -

Hahaha! Oh ja, das habe ich schon oft erlebt, daß der Zahnarzt was fragt, ohne daran zu denken, daß man nicht reden kann. Vermutlich weil die Assistentinnen ja antworten können. Dieses Zurückgeworfensein aufs Nonverbale ist garnicht schön. Bei einer Wurzelbehandlung an einem mit x Spritzen nicht betäubbaren Zahn mußte ich mich mal arg schwer beherrschen, mit einem Kinnhaken danebenzuzielen.

Maria

16. Mai 2010, 12:30

http://www.tolle-geschenke.de

sehr schöner Eintrag das lesen hat Spaß gemacht

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Oh Tannenbaum | artefakt

22. Dezember 2009, 18:35

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