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Ding und Dinglichkeit

Zwischen Gesetz, Moral und Remix: Das Plagiat

10. Februar 2010, 02:54 Uhr

Wem Bücher gehören, ist klar: Dem Besitzer, der Bibliothek. Wem Texte gehören, ist schon komplizierter. Aber wem gehört das Wort "Vaselintitten"? Gehört es überhaupt jemandem? Airen, seines Zeichens Blogger, Autor und unter einem unbekannten, vollständigen Namen auch Unternehmensberater, hat es jedenfalls in die Welt gesetzt, und zwar in folgendem Zusammenhang: "Denn alles führt ja von selber von sich aus ganz automatisch zum Chaos und dies zu bejahen oder gar prototypisch zu personifizieren, ein Künstlerleben zu führen [...] mit farbigem Schattenspiel auf hyperrealen aber durch Rohypnol etwas schlecht aufgelösten Vaselintitten … " und so weiter. Dann kommt eine Nachwuchsautorin, die findet das gut, und greift das Wort auf. Prima. Soll sie. Und zwar in folgendem Zusammenhang: "Meine Existenz setzt sich momentan nur noch aus Schwindelanfällen und der Tatsache zusammen, dass sie von einer hyperrealen, aber durch Rohypnol etwas schlecht aufgelösten Vaselintitten-Installation halb zerfleischt wurde." So schreibt Helene Hegemann in ihrem Debütroman "Axolotl Roadkill". Es geht also nicht nur um die Vaselintitten, sondern um durch Rohypnol etwas schlecht aufgelöste Vaselintitten. Und es bleibt auch nicht bei den Vaselintitten, das geht weiter mit der Technoplastizität, mit überhitztem Blut, mit den schmutzigen Details des Heroinrauchens und vielen, vielen anderen Fragmenten.

Die Masse macht es illegitim, meint Deef Pirmasens, auch Blogger und Entdecker der doch ziemlich frappierenden Übereinstimmungen, in einem Interview. Und jetzt streiten sich die Experten, warum das nun illegitim ist, und verhandeln das Ganze auf zwei Ebenen: Juristisch und moralisch.

"Also wie das juristisch ist, weiß ich leider nicht so genau", das sagt die Autorin, und spätestens da fragt sich der unbedarfte Leser, ob der Verlag eigentlich mal mit ihr darüber geredet hat, was so geht und was nicht. Sie verteidigt ihr Vorgehen mit den Konventionen der modernen Remixkultur, der "Ablösung von diesem ganzen Urheberrechtsexzess durch das Recht zum Kopieren und zur Transformation", so sagt sie, argumentiert also mit ihrem gefühlten Recht als Künstler, sich quer durch die Kulturproduktion bedienen zu dürfen.

Gut, reden wir also über den Remix und nehmen das Argument der Autorin einen Moment lang mal ernst. Wie und unter welchen Bedingungen findet Cut-up, findet Transformation statt? Das ist ja so ein von Hipness umwehter Prozeß, der jeden, der da mit dem Recht am Text kommt, sofort zum Spielverderber degradiert, der die Moderne boykottiert. Man verweist dann gerne auf Beat-Literatur, auf frühen Hip Hop oder auch schon mal auf Goethe und wirft Dinge in einen Topf, die nun wirklich nicht zusammengehören. Gern rührt man noch den Begriff des Zitats dazu, damit das Ganze auch hübsch harmlos aussieht. Aber das ist es eben nicht, denn wenn da mehr steht als, sagen wir mal, "Vaselintitte", dann muß das kenntlich gemacht werden, und das ist nicht passiert. Das gilt im Übrigen auch für die Hip-Hop-Kultur, die aber ziemlich gerne kenntlich macht, weil das da eine Art der Respektsbezeugung ist. Diesen Respekt vermisse ich bei Axolotl Roadkill. Den vermisse ich auch an anderer Stelle. In einem älteren Interview mit dem "Küchenradio", als Podcast online, lobt man sie für einen Satz aus ihrem Film "Torpedo". "Wenn die Liebe geht, die Hobbies bleiben" – das fand der Moderator toll. Den Satz finde ich auch toll. So toll, daß ich ihn selbst schon mal als Motto eines Blogtextes verwendet habe. Mit dem Hinweis, woraus er stammt: Aus dem Lied "Dreißigjährige Pärchen" von Rainald Grebe. Rainald Grebe ist wunderbar und gehört gefälligst der Menschheit nahegebracht, finde ich. Frau Hegemann scheint das nicht zu finden und heimst das Kompliment für sich ein. So geht also Remix, aha.

Vom Juristischen mal abgesehen, sagen andere, ist das vor allem moralisch verwerflich, weil sie sich mit fremden Federn schmückt, in diesem Fall mit einer ziemlichen Ballung an Formulierungen, die nicht die ihren sind. Sie als vielbesprochene Autorin eines Publikumsverlages bereichere sich auf Kosten eines kaum wahrgenommenen Autors aus einem Berliner Untergrundverlag, das gehöre sich nicht. Das ist die zweite Argumentationsebene, auf der die Sache verhandelt wird.

"Es geht hier nicht um Remix-, Sample- und Zitatkultur, ein postmodernes Vexierspiel und intertextuelle Verweise ... Wir haben es hier nicht mit einem Roman von Thomas Meinecke oder Italo Calvino zu tun. Auch Rainald Goetz protokolliert Gespräche mit Freunden, aber er schreibt sie nicht aus anderen Büchern ab", meint der SuKultur-Verlag, der Airens Buch veröffentlicht hat, in einer Presseerklärung (Apropos Goetz – schonmal jemand mit "Rave" abgeglichen?). Im Internet, wo ja angeblich auch überall nur geklaut wird, gehört es zum guten Ton, Links zu setzen. In einem Buch hätte sich ein Verweis ebenfalls gut gemacht. Hegemann ringt sich immerhin in der zweiten Auflage – noch vor den Plagiatsvorwürfen, wie man ihr zugestehen muß – dazu durch, Airen in die Danksagungen mit aufzunehmen. Einen so hübschen Credit wie David Foster Wallace bekommt er allerdings nicht. Den bekommt auch nicht der Autor Malcolm Lowry, der die Eingangssequenz beisteuert und auch nicht die Band Archive, deren Song "F*** U" Hegemann übersetzt und als Brief der verstorbenen Mutter an ihre Tochter an den Schluß des Buches stellt. Ein gern und vielzitiertes Stück Prosa, das den Rezensenten ganz außerordentlich gut gefällt. Doch darf man eine Autorin für etwas loben, was sie nicht gut erfunden, sondern nur gut gefunden hat? Reicht das schon?

Im Grunde geht es um unser Verständnis von literarischer Kultur, meint der Züricher Literaturwissenschaftler Philipp Theisohn in einem hörenswerten Interview mit dem Deutschlandradio. Was wollen wir, fragt er, eigenständige Autoren, Werke, literarische Verdienste und eben auch Verlage, die Autoren am Markt präsentieren und dank "Urheberrechtsexzeß" nicht unerhebliche Summen auszahlen – oder eine Kultur des Hypertextes, in der Frau Hegemann dann aber nichts weiter wäre als eine unvermarktete Bloggerin unter vielen? Es geht eben nur eines, und da müsse man sich entscheiden. Derweil leben wir noch in Szenario eins, auch wenn einige das Gegenteil behaupten. Der Urheberschutz gilt auch für Texte aus dem Internet.

Einigermaßen aus den Fugen gerät derweil das gesamte Drumherum. Man sollte vielleicht bei einer Siebzehnjährigen nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, aber kann der Verlag sie nicht ein bißchen besser davor schützen, unfaßbar peinliche Interviews zu geben, in denen sie Sachen sagen darf wie "die Quellenangabe ist für mich ein ästhetisches Problem, wobei ich aber aus ethischen Gründen glaube, dass sie trotzdem richtig ist"? (Gut, Interviewerin Cosima Lutz ist mit ihrer penetranten Duzerei nicht minder unangenehm.) Kann man ihr auch erklären, daß es nicht gut kommt, zu behaupten, sie haben Airens Buch nie gelesen, obwohl es nachweisbar an ihre Adresse ausgeliefert wurde? Warum so viele Unwahrheiten?

Vielleicht geschieht aber auch ein Wunder. Vielleicht regt sich das geschätzte Feuilleton einfach mal ab und fällt nicht auf jedes Küken mit Destruktionsvokabular hinein, das sie großäugig und minderjährig durch den Haarvorhang vom Waschzettel herunter anglotzt. Vielleicht zieht es sich nicht auf Ausweichbewegungen zurück wie Peter Michalzik in der Rundschau, "dass Helene Hegemanns wesentliche Leistung vielleicht darin besteht, eine Erfahrung von der Sub- in die Hochkultur (schau an, die beiden gibt´s ja doch noch!) transponiert zu haben", nur damit man irgendwas hat, was man an dem Buch noch feiern kann, wenn man selbst sich schon zu fein ist, sich in die Niederungen der Subkultur zu begeben.

"So verführerisch individuell" fand Maxim Biller in seiner FAS-Hymne die Sprache der Autorin, "dass ab morgen bestimmt hundert andere deutsche Schriftsteller – manche sogar gegen ihren Willen – den Hegemann-Sound nachmachen und dabei natürlich absolut scheitern werden."

Naja, vermutlich kommt es doch eher anders.

Veröffentlicht 10. Februar 2010, 02:54 von Andrea Diener
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Kommentare

Rosinante

10. Februar 2010, 06:35

liebe Frau Diener, vielen Dank für das mutige und wichtige Thema. Es wird Feuilleton, Legislative, Autoren- und Autorinnenverbände sowie Juristen in den nächsten Jahren noch viel beschäftigen. Nur vorab, ich teile Ihre Haltung ganz und gar, und dass Sie das facebook-Link zwischen Maxim Biller und Carl Hegemann nennen, ist ja interessant. Und den Namen des Vaters hat er in seiner FAS-Rezension auch wohlweislich verschwiegen. Auch Biller werde ich künftig mit mehr Vorsicht lesen müssen. Frau von Lovenberg und Herr Kilb haben dieses Thema im der Printausgabe des Ressorts dieses Blogs ja in den letzten Tagen abgewogen. Von Lovenberg hat recherchiert, gut informiert und klar argumentiert. Kilb kommt mit der Binsenweisheit, dass keine Literatur voraussetzungslos sei. Für einen FAZ-Redakteur ist diese Feststellung auf einem Niveau, welches sich der frühere Feuilleton-Herausgeber Joachim Fest kein zweites Mal hätte bieten lassen. Im "anderen" Blog, also den "Stützen", wurde im vorletzten Beitrag das Verhältnis Schweiz-Deutschland aus gegebenem Anlass angesprochen. Und wenn man die gestrige Feuilleton-Dienstags-Ausgabe von FAZ und NZZ zum Thema Hegemann/Plagiat/Wohin liest (also die Herren Kilb und Güntner) wird der kleine Unterschied sowohl inhaltlich wie materiell deutlich: der Text von Herrn Güntner (dem Deutschland-Korrespondenten der NZZ-Feuilletons) ist halb so lang bei doppeltem Informations- und Meinungstransport. Die Gewinner dieses Streites, den das Google-Settlement Ende 2008 endlich auslöste, werden in den kommenden Jahren insbesondere die Juristen sein. Die meisten Literaten, die aus Angst vor der Suada der Political Correctness lieber Gras fressen als aufrichtig zu sein, haben das Terrain den Politikern und ein paar Verlegern überlassen. Aber vielleicht stösst die jetzige Diskussion, und auch Ihr Beitrag, liebe Frau Diener, ja die schöne Frage nach Kunst und Form etwas an. Aber zunächst, so ist zu befürchten, wird im subventionierten Theater Berlins das schauspielartige Drama "The Fake or how I learned to love I don't know" von Carl Hegemann und Maxim Biller unter Mitwirkung der Weltliteratur zur Welturaufführung kommen. In den Redaktionen von Spiegel, Süddeutscher Zeitung, Theater heute und News from Nowhere werden schon begeisterte Rezensionen vorbereitet.

Don Ferrando

10. Februar 2010, 07:26

Danke Frau Diener für diesen aufschlußreichen Text.

Ich habe bislang weder das Buch, noch die Besprechungen von Biller oder anderen gelesen.

Bin also völlig unvoreingenommen!

P.Seudonym

10. Februar 2010, 09:16

A propos Plagiat bzw. kreativer Einfluss: Ist der Name Ihres Blogs eigentlich eine Hommage an die Münchener Erotikbuchhandlung "Sinn & Sinnlichkeit" ?

Neris

10. Februar 2010, 09:16

>>Vielleicht regt sich das geschätzte Feuilleton einfach mal ab und fällt nicht auf jedes Küken mit Destruktionsvokabular hinein, das sie großäugig und minderjährig durch den Haarvorhang vom Waschzettel herunter anglotzt.<<

Danke.

Andrea Diener

10. Februar 2010, 09:23

Don Ferrando, wenn Sie sich nicht zufällig für Drogen- oder Adoleszenzliteratur interessieren, müssen Sie das auch nicht lesen. Es ist nämlich leider nicht so sonderlich sprachmächtig, wie alle tun. In dem Gespräch mit Deef Primasens, das ich auch verlinkt habe, wundern sich Interviewer und Interviewter an einer Stelle darüber, warum Hegemanns Sätze eigentlich so klug klingen, aber warum man die ganze Zeit trotzdem nie weiß, was sie einem eigentlich sagen will, und ob sie jetzt wirklich klug ist oder nur so tut. Damit haben sie etwas auf den Punkt gebracht, was der deutschen Literaturkritik, die sich auf die Oberfläche beschränkt hat, entgangen ist.

.

Rosinante, immerhin heute gibt es einen empfehlenswerten Text von Jürgen Kaube, hier:

www.faz.net/.../Doc~E03654DCBDA6D44F299AF3CCE34313DCD~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

(Wurde ja auch Zeit nach all dem Wunden lecken und herumwinden und bloß nicht zugeben wollen, daß man sich kräftig hat vera***en lassen.)

Und das ist ja auch keine Haltung, daß man beteuert, in der Kunst sei das schon in Ordnung, wenn mal ein Bröckchen woanders landet, aber am liebsten jeden Google-Hit verbieten wollen. Nein, ein wenig Konsequenz und Stringenz in der Argumentation unserer verehrten Leitmedien wäre da schön. Abgesehen davon, daß es, völlig unabhängig von jeder aktuellen Diskussion, ein Zitatrecht und ein Urheberrecht gibt, an das sich jeder zu halten hat. Auch Google, auch Frau Hegemann.

Andrea Diener

10. Februar 2010, 09:25

P.Seudonym, die Frage ist jetzt nicht ernst gemeint, oder?

Till

10. Februar 2010, 09:31

Liebe Frau Diener,

Sie haben recht, es ist schon zum Kotzen. (Darf ich das hier so schreiben ?)

Bisher hatte ich den Kult um jugendiche Ingenues oder wie man die halbintellektuellen Naffelmädels mit Mitteilungsdrang noch so nennt, eher in Frankreich verortet. Zur Dinglichkeit: Gainsbourg, der ja gerade als andere Sau durch ein anderes Dorf getrieben wird und der sich mit sowas wohl auskannte, sang über die Sekundärmerkmale anders: 'Tes petits seins de bakelite, qui s'agitent'.  Das kann ich noch nachvollziehen, aber Vaseline ?!?

Don Ferrando

10. Februar 2010, 09:38

Danke für den Hinweis.

Ich habe mit 16 "Naked Lunch" gelesen, sofern man das überhaupt "Drogenliteratur" kennen kann!

Andrea Diener

10. Februar 2010, 09:40

Till, Sie dürfen schreiben, was das System zuläßt. Das hat nämlich einen Böse-Worte-Filter, weshalb ich hier mitunter zum Sternchen greifen muß, damit Titel von Popbands (s.o.) nicht einfach komplett weggelöscht werden.

Die Vaselintitten sind bei Airen durchaus sinnvoll gesetzt, nämlich im Künstlerexistenz-Zusammenhang, das das Chaos bejaht und eben möbliert ist mit Schattenspielen und Vaselintitten und dergleichen mehr, und von dem er sich gerade die Frage stellt, ob es sich zu personifizieren lohnt. Es geht also nicht unbedingt um echte Frauen wie bei Gainsbourg.

Stephan Pockrandt

10. Februar 2010, 09:46

http://www.zwielicht-magazin.de

Mit der Literatur ist das so wie mit allen anderen Künsten: auf der krampfhaften Suche nach etwas "Neuem" bejubelt man aus lauter Schlichtheit heraus jede Schwurbelei, jeden Schlag unter die Gürtellinie, alles was vulgär ist. Natürlich wird mit jedem dieser "Kunstwerke" der Bogen ein wenig mehr überspannt aber das ist ja der Sinne der Sache.

Nur: wer wird in 50 Jahren noch von Biller, Roche, Hegemann und wie sie alle heißen, sprechen, wer wird sie noch lesen?

Also mehr Gelassenheit und: Keinen Pfennig für ein Werk von denen!

Till

10. Februar 2010, 09:58

Danke! Habe beider Werke nicht gelesen und wußte mit dem öligen Sujet  nichts anzufangen.

Künstlerische Freiheit nannten das meine Lehrer, Künstlerische Freiheit! wird sich auch Frau Hegemann bei Ihrer Collage gedacht haben.  

Insgesamt ist das wohl eher ein Fall für die Psychopathologie mit broken home, kulturmächtigem Papa, abgebrochener Schullaufbahn und Seilschaften, die dem lieben Mädel auf die Sprünge helfen wollten.

Inge

10. Februar 2010, 10:25

danke Andrea, habe nur den Namen Hegemann gelesen und wußte worum es geht

sehr gut unterlegt mit den Fotos Gratulation

Andrea Diener

10. Februar 2010, 11:05

Pockrandt, von Biller wird man sicher noch sprechen, der kann ja auch anders. Wenn er sich Mühe gibt und nicht auf beleidigt macht.

.

Don Ferrando, dann kennen Sie ja eh schon das Original.

.

Inge, schön, daß jemand die Fotos bemerkt. Hihi.

Jakov Katz

10. Februar 2010, 11:07

Es ist einfach nur peinlich, wenn ein Verlag, der W.S. Burroughs in seinem Taschenbuch-Programm hat, nicht in der Lage ist, den Unterschied zwischen »cut up« und »copy & paste« zu erkennen seinen Autoren zu vermitteln.

Barocke Hörerin

10. Februar 2010, 11:12

Wie recht Sie haben, werte Frau Diener! Ein Unwort wie "Urheberrechtsexzess" treibt mir wirklich die Zornesröte ins Gesicht. Und zwar nicht (in erster Linie) als Juristin sondern als selbst betroffene Autorin. Ich stoße nämlich im Netz immer wieder auf Texte von mir, die dort ohne meine Erlaubnis eingestellt, teilweise darüber hinaus auch noch verändert wurden. Zwar steht dann mein Name drunter, und man teilt mir auf meine Aufforderung zur Löschung treuherzig mit, dies sei doch schließlich für mich eine gute Werbung - ich möchte aber nun mal selbst entscheiden, in welchem Umfeld meine Texte auftauchen. Zudem möchte ich sie so wiedergegeben sehen, wie ich sie geschrieben habe und nicht zuletzt will ich Geld dafür. Mich macht diese unverschämte Klauerei rasend.

Rosinante

10. Februar 2010, 11:17

liebe Frau Diener, danke für das Link zum sehr guten Text von Jürgen Kaube. Ich habe diesen inzwischen in der Printausgabe gelesen. Und in dessen Kenntnis wäre mein frümorgendlicher Kommentar sicher nuancierter ausgefallen. Aber, dass der intellektuelle Unfug und das unterentwickelte Rechtsempfinden von Herrn Kilb überhaupt gedruckt wird, ist traurig genug.

PS. Da Sie ja einen Profi zur Seite haben: Heisst es nun das/der oder die Link? Wenn man von "Verknüpfung" ausgeht, müsste es "die Link" heissen, aber dies stimmt ja nicht. Help, please.

Trulla

10. Februar 2010, 11:51

Bravo. Der erste vernünftige Text, der nicht falsche Vergleiche bringt, manipuliert, den Leser für dumm verkauft oder vielleicht selbst nicht ganz helle ist. Mir sind die Bilder gleich als erstes aufgefallen :-)

Ja, man muss sich schon wundern, wie den Feuilletonisten plötzlich jegliches Gefühl für Dein und Mein abhanden kommt, falls das so ist, also "plötzlich".

Es ist ein Geflecht von Kontakten, das so eine skandalöse Nummer möglich GEMACHT hat. Das ist nicht einfach passiert, das wurde inszeniert.

Schön, dass endlich mal jemand weiter denkt und sich nicht zum Fähnchen im Winde macht.

jpeg

10. Februar 2010, 13:22

Immerhin brachte die ganze mittelmäßige "Affäre" gestandene Welt-, Spiegel- und Fazautoren dazu, plötzlich angeregt von Drogen zu schwadronieren, und aufgeregt das heilige bürgerliche Recht auf Privateigentum mal eben zu negieren, nur um nicht so doof dazustehen nach dem Lob. Und natürlich war das Internet irgendwie schuld an allem. Das alles hat mich sehr amüsiert, wie auch die Bebilderung hier. Airens Buch fand ich recht unterhaltsam, auf eine sentimentale Weise, und wäre ohne Frl. Hegemann nie darauf gestoßen. Bei Amazon ist Strobo von Platz irgendwaszwanzigtausend auf Platz 70 geschossen. Alles in allem hat Familie Hegemann mich also in den letzten Tagen bestens unterhalten, wenn auch etwas anders, als vielleicht von ihr beabsichtigt, aber das nennt man dann wohl Künstlerpech.

Jeeves3

10. Februar 2010, 13:25

DER Link.

Avantgarde

10. Februar 2010, 13:37

Liebe Frau Diener,

seit Ihrem gestrigen Blogeintrag beschäftige ich mich mit diesem Thema, nicht weil mich eine unreife altkluge Autorin so interessiert, sondern weil die ganze Affäre natürlich sehr dunkle Schlagschatten auf den deutschen inzestuösen (und wie in einer Rezension auf BR online so treffend als "hyperventilierend" bezeicneten) Literaturbetrieb wirft. Das wäre auch ohne die Plagiatsvorwürfe spannend genug.

Wenn man sich (wie Sie und ich) ein Lebtag mit Literatur beschäftigt hat, weiß man natürlich, wie schwer das mit der genauen Definition von "Plagiat" ist, und interessanterweise gehen die meisten diesbezüglich angestrengten Prozesse für den mutmaßlichen "Plagiator" siegreich aus, weil es gerade in der Belletristik unzählige Ausreden dafür gibt, und nicht alle sind illegitim,

Es ist zum Beispiel interessant, dass die Feststellung eines Plagiats nicht unbedingt abhängig davon ist, dass ein Autor dieses bewusst bzw. mit Absicht begeht. So bezeichnen Sie den von Hegemann verwendeten Satz "Wenn die Liebe geht, die Hobbies bleiben" als Plagiat. Sie wussten natürlich, von wem er stammt, also schmückten Sie sich nicht mit fremden Federn. Was aber, wenn Hegemann den Satz in einer Konversation unter Freunden aufgeschnappt hätte, oder irgendwo sonst ohne Quellenangabe gehört hätte? Muss man alles, was einem gefällt, googlen, um sicher zu gehen, dass den Satz nicht schon ein andere urheberrechtlich relevant verwendet hat? Was, wenn sich der Satz bei Google nicht findet?

Es ist also gar nicht so leicht. Nun zum Eingangssatz des Romans, der von Malcolm Lowry stammt. Er ist lang und unverwechselbar genug, um zunächst einmal als Plagiat zu gelten. Was haben wir?

Hegemann:

"O. k., die Nacht, wieder mal so ein Ringen mit dem Tod, die Fetzen angstgequälten Schlafes, mein von schicksalsmächtigen Orchestern erbebendes Kinderzimmer und all diese Einbrecherstimmen aus dem Hinterhof, die unausgesetzt meinen Namen schreien."

Lowry

"...dachte er einen Augenblick (...) an die furchtbare Nacht, die ihn - ob er noch mehr trank oder nicht - unausweichlich erwartete, an sein von dämonischen Orchestern erbebendes Zimmer, die Fetzen eines angstgequälten tumultuösen Schlafes, unterbrochen von Stimmen, die in Wirklichkeit Hundegebell waren, oder von eingebildeten Besuchern, die unausgesetzt seinen Namen riefen,..."

Amüsant daran ist, dass eine ZEIT-Rezensentin gerade den Satz als Beispiel für die Sprachmächtigkeit des Mädchens anführt. Keine Frage, vergleicht man die eiden nur in Nuancen abweichenden Zitate, ist das natürlich geklaut. Aber wann ist "geklaut" wirklich "geklaut"? Eindeutig ist es, wenn Hegemann behauptete, das ist alles von mir. Das tut sie aber - zumindest jetzt - nicht, kokettiert ja damit, dass nichts von ihr sei und sie gewissermaßen ein Mädchen sei, dass von fremden Diskursen bestimmt ist. Ein Literaturwissenschaftler könnte jetzt schnell behaupten, dass das Ersetzen von "Zimmer" durch "Kinderzimmer" eine Brechung darstellt, ein ironisches Spielen mit literarischen Vorlagen (Drogenmädchen adaptiert Diskurs eines alten Säufers). Schon wird es schwierig. Bei solchen literarischen Spielen die Quelle zu nennen würde natürlich das Spiel verderben.

Wie man sieht, so einfach ist es nicht. Ob man der Autoren soviel Raffinesse zutraut, ist eine andere, allerdings nicht plagiatsrelevante Frage.

Bei Airen wird das Eis dann allerdings wirklich extrem dünn. Hier wird einfach zuviel, zu wörtlich und v.a. von unbekannter Quelle übernommen. (Literarische Faustregel: Kopiere 100 bekannte Quellen ist literarisches Spiel, Kopiere unbekannte Quellen ist Plagiat, besonders wenn es literarische sind.) Rein theoretisch geht das immer noch, gerade dann, wenn deutlich wird, welche Rolle Fremddiskurse spielen und dass dies Fremddiskurs ist. Für mich ist die Grenze bei Airen aber definitiv überschritten. Die Falle, die sich Autorin und Verlag selbst stellen, ist hier natürlich die Authentizitätsvermarktung. Eine 17jährige Autorin, die durch Zusammenkopieren von Texten einen Roman schafft (selbst wenn er wirklich gut, genial und eines Borges oder Calvino würdig wäre) interessiert im derzeitigen Literaturbetrieb nicht. Eine blonde Göre, die unter ihrem Haarvorhang (wer hat das eigentlich zuerst gesagt?) mit schlimmen Wörtern um sich wirft und mit harten Sex and Drugs Erfahrungen kokettiert, die sie allem Anschein an nicht hat, bringt reife Rezensenten zum Hyperventilieren. Da mag einer sogar Papi spielen... das kommentieren wir besser nicht weiter.

Das Lächerlichste an der Sache ist dann allerdings die Mitteilung der Ullstein-Verlegerin, die da eilfertig ihre gerade noch gepushte Jungautorin im Regen stehen lässt und sagt, aber wir haben ihr doch gesagt, sie müsse alle Quellen und Zitate angeben. In eine Roman? Hallo? Nein, was man versäumt hat war, dem Mädel auseinanderzusetzen, was in Richtung Plagiat geht und was nicht, wo die Fallgruben liegen. Jeder der den Roman nur anliest, hört sofort die Warnglocken läuten. Wofür sind eigentlich Lektoren da?

Aber nein, zuviel Aufmerksamkeit hätte den Marketinghype, die Verkaufe gestört. Man kann noch nicht mal ausschließen, dass der Plagiatsaufrühr schon einkalkuliert war. Wetten, der Verkauf bricht NICHT ein?

Wir werden auch weiterhin mit der Scheinheiligkeit der Medien leben müssen, die einerseits für Fünfworteschnipsel bei Google News schon Urheberrechte anmahnt, anderseits seitenweises Abschreiben bei Blogs rechtfertigt.

Dennoch bleibt es mit dem Thema Plagiat kompliziert. Legt man Urheberrecht so eng wie bei der Google-Diskussion aus, kann man keine Bücher mehr schreiben. Legt man sie so weit aus wie im Fall Hegemann, lohnt es sich nicht mehr, Bücher zu schreiben.

Außer man ist eine "rebellische" Göre mit bester väterlicher Vernetzung in der "Kulturszene".

Wann wird endlich die Rolle des Vaters und seiner Seilschaften ein Thema? Wann die Blamage des überschnappenden Rezensenten- und Verlags-PR-Volks, das auch ganz ohne Plagiat ein unfertiges stammelndes Elaborat in den Literaturhimmel lobt. Erkennen unsere "Literaturprofis" denn gar keine echte Literatur mehr?

Wie sagt die Protagonisten Mifti selbst: "Und so eine Sch**** hast du abgegeben?"

Ladyjane

10. Februar 2010, 13:41

Der Feuilletonhype um Hegemanns Buch ist tatsächlich überdimensioniert. Aber der Antihegemannhype in verschiedenen Blogs rundum, kurzgeschlossen mit einem allgemeinen Feuilletonbashing ist selbst so was von Feuilleton, da hilfts auch nicht, wenn Blog drüber steht. Ansonsten bin ich ganz Ihrer Meinung. Verweisen und zitieren ist eine Frage des Respekts. Im Falle Hegemanns möglicherweise auch der Ahnungslosigkeit. Letztere und/oder Unverfrorenheit treibt auch ein Gutteil der Studierenden, wenn sie copyundpasten was das Zeug hält. Und die erzählen nicht mal was von Hypertext oder Bricolage oder Samplen, nur große Augen... Na gut, nicht alle, nur viele.

Ariadne

10. Februar 2010, 13:51

Welch eine Aufgregung! Doch ehrlich, viel peinlicher als die Urheberrechtsverletzung ist doch das Verhalten der Feuilletonisten. Dass Frau Hegemann möglicherweise selbst glaubt, ein epochales Werk zustande gebracht zu haben, halte ich für gar nicht unwahrscheinlich. Das Mädel ist 17 und stammt offensichtlich nicht unbedingt aus einem, sagen wir mal bodenständigen Elternhaus. Da kann man schon der Täuschung unterliegen, das inhaltslose Geschwurbel sei ein großer Wurf. Peinlich wird es aber, wenn drittklassige Autoren das Ganze aus allzu offensichtlichen Gründen bejubeln und die Autorin zum jugendlich-literarischen Genie erklären (eine Beleidigung für Rimbaud oder Keats!). Oder anders ausgedrückt: Einige Herren (und Damen?) mittleren Alters und von eher überschaubarem Bekanntheitsgrad nutzen eine 17jährige und deren (Ab-)Schreibversuche zur Selbstprofilierung. Und die Qualitätspresse macht den ganzen Zirkus mit.

pardel

10. Februar 2010, 13:52

Sehr geehrte Barocke Hörerin, ich empfinde mit Ihnen, ich kann Ihre Empörung gut verstehen. Diese Inszenierung war Absicht, geistig-moralisch grenzt es an Betrug, wenn es auch im strengen juristischen Sinne der Tatbestand nicht erfüllt wird. Welche Eitelkeit hat den Herrn Papa da getrieben, von welchem Recht auf Privileg geht die angebliche Autorin aus? Eine Frechheit ist das. "Die Quellenangabe ist für mich ein ästhetisches Problem"? Wie kommt die angebliche Autorin darauf? Mag sie die Typographie der Gänsefüßchen nicht, sind ihr die Zahlen, die auf eine Fußnote verweisen, nicht schön genug? Womit haben die Axolotl das verdient?

Gregor Keuschnig

10. Februar 2010, 14:26

http://begleitschreiben.twoday.net

@Avantgarde

Natürlich ist nicht jeder irgendwo aufgeschnappte Satz schon ein Plagiat. Aber hierum geht es ja .im "Fall Hegemann" ja nicht. Es geht um systemastischen Formulierungsklau - wohl in der Erwartung, dass es nicht so auffällt.

Interessanter ist tatsächlich die peinliche Rezeptionsgeschichte der Kritik, die in blinder Affirmation ihrer Göttin Authentizität ihr Repertoire deutlich unter Wert verscherbelt hat. Dass man jetzt das "Wunderkind" verteidigt, hängt damit zusammen.    

Rosinante

10. Februar 2010, 14:28

Avantgarde, Andrea Diener 09:23 hat der die das Link zu einem Text von Jürgen Kaube in der FAZ-Printausgabe von heute angegeben. Damit sind einige Ihrer -keinesfalls unberechtigten- Überlegungen angesprochen, wenn nicht beantwortet.

Chat Atkins

10. Februar 2010, 14:29

http://www.chatatkins.blogger.de

Müssten in beiden Fällen diese Vaselintitten nicht präziser Silikontitten heißen? Oder hat sich dort jemand mit Melkfett eingeschmiert, damit der Absatz besser flutscht? Schließlich lese ich diese Pampers-Literatur nicht, bei der auch unsere Feuilletonisten feuchte Höschen bekommen ...

Don Ferrando

10. Februar 2010, 15:09

"Wann wird endlich die Rolle des Vaters und seiner Seilschaften ein Thema? "

@avangarde, da sprechen Sie aus, was auch mich sehr beschäftigt. Sowohl aus dem juristischen Blickwinkel als auch ein Vater eigentlich eine Fürsorgepflicht jenseits der rechtlichen Verpflichtungen für eine 16 jährige Tochter hat.

müller

10. Februar 2010, 15:45

Man sollte Autoren unter dreißig nicht lesen ! Von wem stammt das Zitat ?

pardel

10. Februar 2010, 15:54

@avantgarde, Don Ferrando: Ja, der Vater. Da liegt wohl der Ursprung des Problems. Und der Ansatzpunkt für die Lösung.

Andrea Diener

10. Februar 2010, 15:56

Barocke Hörerin, das ist ja ärgerlich. Zum Glück ist mir das noch nicht passiert, bislang bin ich vorher immer gefragt worden. Ich sage dann auch meistens eh zu, aber gefragt werden möchte man dann ja doch. Das ist diese Sache mit dem Respekt.

.

Rosinante: der Link. (Denken Sie an: der Verweis.)

.

jpeg, ich habe mir heute Morgen auch Strobo bestellt. Einfach aus einem gewissen Gerechtigkeitsempfinden heraus, weil ich nicht für Hegemann 15 Euro hinlegen will und für Airen gar nichts. Das Buch habe ich zwar schon lange auf dem Radar, aber ich dachte so schlunzig vor mich hin, ach, die Texte kennste eh alle. Schluß damit, der soll jetzt sein Geld bekommen.

Avantgarde

10. Februar 2010, 16:00

@Gregor Keuschnig

Sie haben natürlich Recht. Worauf ich hinweisen will ist, dass "Plagiat" in der Belletristik oft ein Pudding ist, den einer an die Wand nageln will. Ich bin im Studium mit Foucault, Barthes, Genette etc groß geworden, da ging es viel um "Intertextualität". Ich fand auch Autoren immer spannend, die mit meiner eigenen (oft eitlen?) Belesenheit virtuell Ping Pong spielen. Da verschwindet - auch bei wortwörtlichen Zitaten - die Vorstellung von Plagiat, oder das Plagiat inszeniert sich als literarisches Kunstwerk etc.

Aber diese Meisterwerke lassen - zumindest den verständigen Leser - nicht im Unklaren darüber, was sie tun. Plagiat ist eben nicht etwas, was man softwaremäßig mit Wortvergleichen feststellen kann. Das Gerippe von Mann und Frau ist sich sehr ähnlich und doch - welch ein Unterschied!

Nur selbst wenn man der noch sehr jungen Autorin die Kenntnis dieser literaturästhetischen Begrifflichkeiten zubilligen würde (wow, mit 16, 17?), sie kann es eben (noch?) nicht. Schon beim Lowry-Zitat drängt sich auf, das es eben nicht um ironische Einverleibung ("Kinderzimmer"), sondern um recht plumpe Herkunftsverschleierung ging, weil weitere Worte sinnloserweise leicht verändert wurden. Dummerweise findet jeder, der nur "Fetzen angstgequälten Schlafs" googelt, das Original trotzdem sofort. Im Google-Zeitalter muss man sich da schon mehr anstrengen.

Am Ende bleibt eben doch nur der Eindruck eines kopierenden, nachplappernden Teenagers (und wer Papa kennt, weiß, woher das kommt). Und dann sind wir eben bei der unrühmlichen Rolle all derer, die keine altklugen Gören sind, sondern in all den großen deutschsprachigen Tages- und Wochenzeitungen ihren bezahlten Senf abgeben dürfen, dabei aber offenbar nicht in der Lage sind, Geschwätz von Literatur zu unterscheiden. Weil sie es nicht können oder - wegen der Personalie - nicht wollten.

@Rosinante

Ja, kluger Text

Tja, nun hängt die Latte höher. 17jährige Mädchen tun es nicht mehr. Wie findet unser Literaturbetrieb jetzt eine "rebellierende" Zwölfjährige, ohne dass das Jugendamt Scherereien macht?

Avantgarde

10. Februar 2010, 16:10

Und die Rolle des Ullstein-Verlags? Die ist gar kein Thema in der Presse. Da zirkuliert die dürre Presseerklärung der Verlegerin, und das war's dann.

Kein Grund, das Buch vielleicht wenigstens mit etwas modifizierter Werbung anzupreisen?

www.ullsteinbuchverlage.de/.../buch.php

Achwo. Das Mädel bringt doch Kohle.

"Autorenbetreuung" kenne ich irgendwie anders

Platon

10. Februar 2010, 16:13

Man sollte ihr das Machwerk so lange um die Uhren schlagen, bis sie sagt, sei stiehlt nicht mehr. Verwerflicher als der Diebstahl selbst ist ja das fehlende Schuldbewußtsein.

Andrea Diener

10. Februar 2010, 16:26

Avanatgarde, ich bin mir auch sicher, daß die Verkaufszahlen nicht einbrechen werden. Richtig finster wird die Angelegenheit erst mit dem nächsten Buch, denn diese Angelegenheit, zuwenig erfunden zu haben, bleibt ihr an der Hacke kleben, genau wie bei Tom Kummer, der zuviel erfunden hat.

Rosinante

10. Februar 2010, 16:26

Andrea Diener, thank's

Andrea Diener

10. Februar 2010, 16:31

Ich habe diesen Text gerade bearbeitet. Ich bekam gerade eine Mail des verantwortlichen Redakteurs von Billers Text, der mir schrieb, er habe 400 Kontake auf Facebook und kenne nicht alle Töchter, ja wisse nicht einmal, ob einige von denen Töchter haben. Insofern sei es eine Unverschämtheit zu behaupten, Maxim Biller kenne Helene Hegemann, weil er ihren Vater als Facebook-Kontakt gelistet habe.

.

Da ich nicht auf Facebook aktiv bin, kenne ich niemanden dort und kann das nur so stehen lassen. Meinen Satz natürlich nicht, den habe ich gestrichen. Nur, damit sich niemand wundert, warum plötzlich was fehlt.

paulz

10. Februar 2010, 16:31

@Müller: implizit stammt dies u.a. von Arno Schmidt, der es zumindest für ungehörig angesehen hat, sich in geringerem Alter literarisch zu betätigen.

Rechtlich wird man Frau Hegemann für ihre Plagiatis-Kinderspielerei wohl ohnehin nicht belangen können: zwar enthält ihr Verlagsvertrag sicher eine salvierende Klausel, die Ullstein von jeder Schadensersatzpflicht bei Verletzung des Urheberrechts seitens der Autorin freistellt, allerdings: da Frau Hegemann minderjährig und damit nicht geschäftsfähig ist, kann sie einen solchen Vertrag gar nicht geschlossen haben. Unter diesem dürfte sich denn wohl der Name des Vaters finden lassen ...

Stephanie Reyntjes

10. Februar 2010, 16:33

Was sind V a s e l i n t i t t e n - und noch "schlecht aufgelöste"? - Kennt jeder FAZ-Leser solche Spezifika, deren Verwendungs- oder Platzierungsbereich ich nicht kennen muss.

Barocke Hörerin

10. Februar 2010, 16:39

@Platon: Geschlagen wird nicht, weder mit Mach- noch mit sonstigen Werken. Ich finde es auch nicht angemessen, jetzt auf eine 17-jährige zu schimpfen, die - gerade als Minderjährige - eine gute Betreuung durch ihren Verlag gebraucht hätte. Eine Minderjährige kann auch einen Verlagsvertrag nur mit Einwilligung der Sorgeberechtigten schließen, auch die müssten sich also dringend kümmern - hat das Mädchen eigentlich keine Mutter? Um solche Skandale in Zukunft zu vermeiden, wäre es womöglich erfolgversprechender, diversen älteren Herren (fast hätte ich "alten Säcken" geschrieben) aus Spiegel, FAZ und Co in Zukunft die Zuständigkeit fürs Literarische zu entziehen.

@Andrea Diener: Ja, auch ich möchte gefragt werden und zwar vorher, sonst werde ich sauer. Manchmal hätte ich nicht übel Lust, die Missetäter mit gebührenpflichtigen Abmahnungen zu überziehen aber das habe ich mir bisher noch verkniffen - ich habe einfach Besseres zu tun.

pardel

10. Februar 2010, 17:00

@Barocke Hörerin: Ich erlaube es mir, aus Wikipedia zu zitieren. "Hegemann wuchs bei ihrer geschiedenen Mutter in Bochum auf. Nach dem Tod ihrer Mutter zog sie mit 14 Jahren zu ihrem Vater Carl Hegemann nach Berlin."

Da sie 1992 geboren wurde, muss sie nach meiner Rechnung mit 14 Jahren 2006 nach Berlin gekommen sein. Bereits im Jahr 2007 wird ihr erstes Theaterstück uraufgeführt, bekam sie eine Subvention der Bundeskulturstiftung für die "Realisierung eines Drehbuchs", im Jahr darauf gab es den Film dazu, bei den Hofer Filmtagen uraufgeführt, mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet, und seitdem geht es so weiter.

Avantgarde

10. Februar 2010, 17:06

"Insofern sei es eine Unverschämtheit zu behaupten, Maxim Biller kenne Helene Hegemann, weil er ihren Vater als Facebook-Kontakt gelistet habe."

Aber wahrscheinlich klug von Biller, es nicht höchstderoselbst zu dementieren?

turn schuh

10. Februar 2010, 17:07

lieben dank andrea diener, dass sie - im gegensatz zu ihrer kollegin gestern - klare worte finden.  

rotpeter

10. Februar 2010, 17:16

nach dem studieren ihres berichts und den kommentaren stellt sich mir die frage von wem denn die oben veröffentlichten fotos sind....einen credit habe ich nicht finden können?

Avantgarde

10. Februar 2010, 17:22

Um auch das letzte Rätsel zu lösen, nämlich das der Vaselintitten:

www.vaseline.com/index.aspx

Da gab es eine Werbekampagne mit Stars

www.fibre2fashion.com/.../newsdetails.aspx

Ich möchte übrigens dringend davon abraten, Rohypnol und Vaseline kombiniert zu googeln, das führt in ganz üble Abgründe.

lustiger

10. Februar 2010, 17:25

"vaselintitten" - dies ist genau eines der Worte, die einem durch den Kopf gehen, wenn man dies tatsächlich gerade nicht erleben möchte .... - herzlichen Dank Frau Diener ....

ich finde ihren Artikel aber gut - nicht nur berufsbedingt ....

Andererseits sollte man Maxim Biller nicht zu böse - im Kern hat er schon etwas gutes gelobt, nur halt den "falschen" Autor .....

eben die "Nicht-so-ganz"-Autorin, ohne die aber der richtige Autor gar nicht so nicht bekannt geworden wäre....

und jetzt dürfen sich alle wieder über M.B. lustig machen .....sein Artikel war doch gut geschrieben, nur halt nicht alleine für die "richtige" Person...

und überhaupt, für alle Berliner ist diese Debatte doch eine schöne Abwechslung statt sich über ungeräumte, aasigeglatte Straßen und Bürgersteige, die nicht fahrende S-Bahn, den Verdi-Strei und überhaupt Klaus Wowereit zu ärgern ....

M.B., Frau Diener bleiben Sie uns erhalten ....

Andrea Diener

10. Februar 2010, 17:27

Alle Fotos, die Sie hier finden, lieber Rotpeter, sind von mir. Es handelte sich um einen öffentlichen Pressetermin (es ging auch um ein Buch, aber nicht von Hegemann).

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Avantgarde, Herr Biller hat vermutlich anderes zu tun, nehme ich an. Da will ich jetzt gar nicht spekulieren.

Rosinante

10. Februar 2010, 17:33

Andrea Diener, wenn Sie die plausible Analogie streichen "sollen", wie die mail des Biller-Text-FAS-Verantwortlichen es offenbar nahelegte, mit der Sie aus der facebook-Freundschaft zwischen Carl Hegemann und Maxim Biller sowie einer einseitigen hageographischen Rezension Billers im FAZ-Sonntagsblatt (als Bundauftakt) auf eine Bekanntschaft von Biller und der Autorin schliessen, ist dies Zensur. Gut möglich, da Biller ja regelmässiger Mitarbeiter der FAS ist, dass er entweder die Kündigung seiner Mitarbeit oder gar juristische Mittel angedroht hat. Da ist er -glaube ich- nicht zimperlich. Wird aus dem FAZ-Feuilleton langsam ein antiautoritärer Kindergarten?

Andrea Diener

10. Februar 2010, 17:45

Barocke Hörerin, mir liegt es auch fern, auf eine Siebzehnjährige zu schimpfen. Sie weiß es nicht besser. Und auch wenn sie altklug tut, erwächst daraus noch keine Verpflichtung, alles zu wissen (dumm ist sie ja ohnehin nicht, das wissen wir, glaube ich, alle). Aber da hat sich doch bitteschön das Umfeld zu kümmern. Der Verlag verdient ja nicht schlecht an ihr, vielleicht hat sie auch eine Agentur.

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Und das Hauptdilemma ist eben wirklich der Umgang mit Literatur in den Medien. Von wenigstens einem der Rezensenten hätte ich mir klare Worte gewünscht. Hey, ich bin drauf reingefallen, ich geb's zu – sowas. Wenigstens einer. "Wie sie sich winden, und dann verschwinden" (Credit: Das Regenwürmerlied). Und eigentlich wäre auch eine Debatte über Literaturkritik angebracht, die mal fragt, was eigentlich genau besprochen wird: Die Sprache? Das Image? Das Gesamtpaket? Nichts. Schweigen im Walde. Aber vielleicht bin ich auch nur zu ungeduldig.

Avantgarde

10. Februar 2010, 17:54

Muss man gar nicht spekulieren

Man könnte auf das öffentliche MySpace Profil von Herrn B. gehen und bei den gelisteten Freunden (Alle Freunde, nicht Neue Freunde) unter H nachsehen.

Aber man kann ja nicht alle Freunde kennen

Andrea Diener

10. Februar 2010, 18:24

Oh. In der Süddeutschen kommt man jetzt drauf, daß das Buch eigentlich doch gar nicht so gut ist. Faszinierend.

www.sueddeutsche.de/.../text

Avantgarde

10. Februar 2010, 18:32

Zeitgleich gelesen...

Ja, zuerst machte man Kohle mit dem Hypen, jetzt mit dem Verdammen.

Dabei ist all das, was die SZ JETZT so schlimm findet, auch ohne Plagiat schlimm.

Roadkill halt. Wo ist das nächste Frischfleisch? Aber bitte etwas jünger und wenns geht knapper angezogen,

Rosinante

10. Februar 2010, 18:46

Frau Diener, à propos Süddeutsche Zeitung, eine conditio sine qua non der Schweizer Hausfrau sind die Seifen der Fa. Steinfels: www.emailschild.ch/SteinfelsSeife.html

muscat

10. Februar 2010, 18:52

@Rosinante (17.33 Uhr): Die Rezension von Biller war ja so was von peinlich... Nach Lektüre seines Artikels war mir eines klar: Das Buch kaufe ich mir auf KEINEN Fall!

Und ja, ich fürchte, dass Sie womöglich mit Ihrer Annahme hinsichtlich Zensur recht haben könnten. Das wiederum wäre peinlich für die F.A.S. und ein Grund für mich, diese abzubestellen.

Danke an Frau Diener für die differenzierte und sorgfältige Aufbereitung der Informationen/Links. SO sollte Qualitätsjournalismus aussehen!

Devin08

10. Februar 2010, 18:56

http://www.herold-binsack.eu

Das „Wunderkind“, das so früh wie möglich Profit machen möchte

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Ich habe zu diesem Thema auch einen Leserkommentar geschrieben, den die FAZ leider um den letzten Satz gekürzt hat (www.faz.net/.../Doc~E03654DCBDA6D44F299AF3CCE34313DCD~ATpl~Ecommon~Sspezial.html). Nun ja, vielleicht hat die Redaktion da was missverstanden, denn ich habe definitiv nicht von „sexuellem“ Missbrauch gesprochen (das Wortspiel sollte doch unter die künstlerische Freiheit fallen!).

Oder sie mag es nicht, wenn ich hier laut über das „Wunderkind“ nachdenke, welches da so „früh wie möglich Profit“ machen möchte. Ich bringe den Text daher noch mal – ungekürzt - hierher, zumal er ja  passt.

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Das Wunderkind von heute

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Wenn ich mir bei „Feuchtgebiete“ (vgl.: blog.herold-binsack.eu) vorgestellt hatte, dass uns da eine profitgeile Kulturindustrie den letzten Cent aus der Tasche ziehen möchte – mit allen Mitteln, auch den abgestandensten -, so klingt das hier nach Satanismus, dem „ein tatsächliches Kind zum Opfer“ gebracht wird. War das nun etwa gar keine Vorlage für einen Lektor, wenn es den gegeben hat, sondern eher eine für den Staatsanwalt? Gleich ob dieses Mädchen das selber geschrieben hat, oder ein ganzes Heer von Erziehungsgehilfen da mit rein gemischt, geprägt sind deren Spuren doch deutlich, nämlich ins „Material“ – der Autorin selbst. Wir unterhalten uns über die Verwahrlosung der Jugend, vor allem dort, wo wir es offenkundig haben wollen – in den unteren Klassen - und bemerken gar nicht, den Zerfall der Bürgerlichkeit von oben. Wenn ein Mozart noch, als das Wunderkind seiner Zeit, die Welt der Erwachsenen zu überraschen vermochte, sie zu amüsieren, ja sie zu belehren gar, so sind unsere heutigen „Wunderkinder“ – Wunderwaffen, in den Händen einer Erwachsenenwelt nämlich, die diesen Kindern nichts zu bieten hat, ja selbst zu hinterlassen nichts mehr hat, außer ein Vorbild, das es längst nicht mehr ist. Ein Wunderkind ist heute, das frühkindlich erlebten Missbrauch so früh wie möglich zu Profit macht.

silent_marc

10. Februar 2010, 19:16

Frau Diener, danke für diese Anschaulichkeit. Ich gebe ihnen im vielen Recht.

Grundsätzlich ist es aber, so glaube ich, doch nur ein Problem, das man Tagebucheintragungen eines jungen Menschen immer gleich zur Literatur hochstilisiert. Das nervt total, denn nach dem Abfeiern der Erstlingswerke kommt der große Fall "Stuckrad von Barre " oder so ähnlich ist auch so ein Fall, danach kam doch nicht wirklich irgendwas brauchbares. Vielleicht sollten die Verlage endlich aufhören jeden Jungen mit ner hippen Sprache nachzujagen, nur weil die ihr Tagebuch gefleddert haben. Und der Verlag sich damit einen schnellen Erfolg erhofft.

Diese Göre tut mir eigentlich nur leid, denn diesen Makel wird sie in ihrem Leben nie wieder los.  Es sein denn, sie schreibt eines Tages wirklich Literatur, die einem weghaut. Also mehr als eine langweilige Ist-zeit Betrachtung aus ner Großstadt. zzz...zzz....(ich muss zugeben, dass ich ihr Buch nicht gelesen habe...aber schon diese paar Pseudo-sätze haben mich abgeschreckt).

Und Dieb bleibt Dieb. Egal ob in Portionen oder rigoros. Der Verlag sollte sich schämen, dass er seine Fürsorge- und Aufsichtspflicht (sie ist ja schliesslich minderjährig) verletzt hat ;)

Zwischen mir und einer sehr guten Freundin gab es über fast 15 Jahre einen regen Briefwechsel...und wir hatten auch ne ziemlich gute Schreibe. Vielleicht können wir ja im nachhinein damit auch noch Geld machen...hihi...die heisst übrigens auch Andrea mit Vornamen. Feinste Grüße an Sie.

Andrea Diener

10. Februar 2010, 21:47

Silent Marc, die Zeiten, in denen junge Talente langsam aufgebaut werden, sind gottseidank noch nicht vollständig vorbei, und es gibt auch nach wie vor diejenigen, die sich langsam hocharbeiten. Das sind wohl die, deren Eltern nicht in der Kulturbranche tätig sind, die sich aus irgendwelchen Brotberufen aus der Provinz emporzappeln. Und das ist vermutlich auch der bessere, weil schonendere Weg. Man muß Hegemann die guten Beziehungen in den Betrieb nicht neiden, man muß sie vermutlich dafür bedauern.

Aber die Möglichkeit, innerhalb eines Verlages langsam zu wachsen, die gibt es wohl nicht mehr. Wer einen Autor hat, will, daß der Autor Kasse macht, und zwar schnell. Diese behutsame Nachwuchspflege wie in den seligen Zeiten unter Unseld, die ist wohl ein für alle Mal passé.

Vermutlich muß man, wenn die Wogen geglättet sind, nicht nur über Literaturkritik reden, sondern auch darüber, wie man seinen Nachwuchs behandelt. Schon zwei wichtige Themen auf der To-Do-Liste. Wetten, daß das in Vergessenheit gerät und sich hinterher alle nur noch über Urheberrecht streiten?

HansMeier555

10. Februar 2010, 21:54

Bei "Bonjour tristesse" vor 50 Jahren funktionierte der Betrieb auch schon so ähnlich. Damals nannte man es "Existenzialismus".

Don Ferrando

10. Februar 2010, 22:08

@hansmeier 555

der Unterschied ist, daß Francoise Sagan das Buch selbst  g e s c h r i e b e n  hat, und nicht ihr Vater aus anderen Vorlagen zusammenkopiert hat!!!

schusch

10. Februar 2010, 22:37

@Devin

Von mir aus kann ein verwahrloster Jugendlicher über seine Verwarhlosung schreiben, wenn man das Gefühl hat, es ist echt. Erbauungsliteratur lese ich nicht.

Und Bret Easton Ellis hat aus seinem erzählerischen Ich heraus auch alles an üblem geschildert. Trotzdem halte ich das für Literatur. Genauso wie den Marquis. Man muss das ja nicht als Handlungsanweisung verstehen. So binär denken wir ja auch nicht.

Wenn jetzt von der jungen Dame als das große literische Talent gesprochen wird, dann erwarte ich von ihr eine eigene Schreibe. Und da ist "Remix" der vollkommen andere Ansatz, im HipHop wurde gesamplet, um aus bekannten Zitaten etwas vollständig neues zu machen. Das ist hier nicht der Fall.

Ich habe übrigens gestern sehr junge Leute auf der Bühne erlebt, die mit altbekannten Mitteln (Stromgitarren, die üblichen Akkorde und Harmonien) etwas vollkommen eigenes gemacht haben: Die Arctic Monkeys.  In this case, you can believe the hype.

stilkritik

10. Februar 2010, 22:45

@Andrea Diener: natürlich gibt der (die) Klügere nach. Ich bin aber dennoch nicht der Meinung, dass Sie Ihren Satz über M.B. hätten streichen müssen. Es kam doch für Ihr Argument gar nicht darauf an, ob dieser H.H. "kennt", und meiner Erinnerung nach hatten Sie das auch gar nicht unterstellt. Worauf es ankommt, ist vielmehr, dass zwischen dem Vater C.H. und M.B. immerhin ein öffentlich nachvollziehbarer virtueller Kontakt besteht -- googeln Sie mal, das geht auch ohne Mitgliedschaft! --, der im letzten Absatz der Rezension auf geradezu lächerliche Weise vernebelt wird. In der Situation zu behaupten, man kenne seine Facebook-Kontakte nicht, ist bestenfalls eine Schlamperei, eigentlich aber selbst eine Unverschämtheit, nämlich gegenüber ebendiesen Kontakten, und im übrigen auch nicht wirklich glaubhaft. Denn die Vater-Tochter-Beziehung wurde schon anlässlich des Erstlingsfilms von H.H. im Sommer im Feuilleton offengelegt und war daher allgemein bekannt. Aber wie gesagt: darauf kommt es gar nicht an. Sondern allein auf die nicht zu leugnende Tatsache des Facebook-Kontaktes. Die Behauptung, man kenne sich nicht, klingt in dem Zusammenhang irgendwie ähnlich wie die Einlassung der H.H., sie wisse nichts von so was wie „Urheberrecht“. Peinlich, peinlich, peinlich.

Andrea Diener

10. Februar 2010, 23:09

Ich habe vorerst meinen Kopf aus der Schußline genommen. In der Mail gibt es den schönen Satz: "Und die rhetorische Frage "Warum soviel Unwahrheit" könnte man auch zum Anlaß einer Gegendarstellung nehmen."

Es denke sich nun bitte jeder seinen Teil dazu.

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Zur Verteidigung der FAS sei zu sagen, daß ich auch eine wirklich sehr nette Mail aus der Politikredaktion bekommen habe.

ron

10. Februar 2010, 23:29

Auf ihrem alten Blog hat die Hegemann das Thema Urheberrecht ja auch noch anders gesehen:

"Jeder versuchte Diebstahl an einem auf dieser Seite veröffentlichten Text wird zur Anzeige gebracht und dort blau angestrichen. Alles andere wäre zu prosaisch.

copyright by leni hegemann"

lovelyskizze.myblog.de/.../1271916

Avantgarde

10. Februar 2010, 23:48

Oh

Muss es wirklich mit dem Holzhammer sein?

friends.myspace.com/index.cfm

Leser

10. Februar 2010, 23:54

Kompliment für den Artikel und die Photos, die wirkliche Kinder zeigen, nicht infantilisierte 17-jährige.

Was das Wunder betrifft, so wünsche ich mir als Leser, es möge bald eintreten. Das Feuilleton bespricht ja keine Schulaufsätze, sondern Literatur. Da sollte es in meinen unbedarften Augen nicht um das Alter des Autors gehen, sondern um den Text: Entweder die Geschichte oder Beschreibung ist lesenswert und sprachlich gelungen oder eben nicht.

Auf "Axolotl Roadkill", so scheint mir, treffe "eben nicht" zu: inhaltlich langweilig, sprachlich allenfalls komisch (wie bösartig muss ein Lektor eigentlich sein, um dermaßen schiefe Metaphern und so viel hohles Geplapper stehen zu lassen?). Offenbar kann die Autorin nicht mal anständig klauen, die fraglichen Passagen hat sie jedenfalls bis zur Absurdität entstellt.  Man möchte ihr fast wünschen, sie möge sich das mit ihrer Eignung "für den normalen Arbeitsmarkt" nochmals überlegen, denn dass sie sich das Talent für den künstlerischen noch aneignen kann, scheint doch eher fraglich. Andererseits: Solange Feuilletonschreiber jeden als Kind betrachten, der höchstens halb so alt ist wie sie, kann sie ja noch etwas Förderbeiträge und Preise abzocken.

Don Ferrando

11. Februar 2010, 07:19

Sehr vernünftig Frau Diener, den Kopf aus der Schußlinie zu nehmen.

Denn jetzt geht es los mit den Verteidigungs- und Rechtfertigungsmechanismen der Lektoren, Autoren, Jubelrezensenten etc, die man allzugut kennt.

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Angefangen bei: " Das haben wir nicht gewußt" :kennt man von den NS-Mitläufern nach'45.

.

Dann: " Mein Ehrenwort, daß alles nicht wahr ist, was über mich gesagt wir" hört man von den ertappten gedopeten Sportler.

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Bis hin zu den schwereren Geschützen von mehr oder weniger subtilen Einschüchterungsversuchen, Gegendarstellungen, Abmahnungen, einweiligen Verfügungen und strafbewehrten Unterlassungsklage:

kennt man sehr gut von entlarvten Stasi-IM.

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Wer mir bei der ganzen Sache leid tut, ist das minderjährige Kind; gibt es denn da keine Mutter, die es beschützt?

Savall

11. Februar 2010, 08:11

Manchmal kommt es mir vor, als sei der Hegemann-Hype (schon als „Torpedo“ herauskam) ein gigantisches Happening. Ich neige eigentlich nicht zu Verschwörungstheorien, aber in diesem Fall scheint es sich um eine Publikumsfopperei im Stile einer Verona Feldbusch zu handeln.  Immerhin gibt es derzeit eigentlich nur Gewinner: der Verlag macht Umsatz, das Feuilleton kann zweimal Zeilenhonorar kassieren (einmal für Hosianna, einmal für Kreuzigt ihn), bildungsferne Kreise beschäftigten sich mit Literatur (Denk dir nur, Helga, zum Frühstück gibt’s bei denen Koks und dann gehen sie in den grauenhaften Schuppen, wo es von Schweinereien nur so wimmelt! Übrigens, wo ist dieses Berghain eigentlich?), wir haben hier eine Menge Spaß, es wird mal wieder über Urheberrecht im digitalen Zeitalter debattiert und ich freue mich, daß ich 14,95 € gespart habe. Bloß das Frl. Hegemann wird aus dieser Mühle nicht unbeschadet herauskommen.

Stephan Pockrandt

11. Februar 2010, 09:11

http://www.zwielicht-magazin.de

Werte Frau Diener,

kaum hatten Sie die "beleidigte Leberwurst" erwähnt und aus Gründen der Redlichkeit eher schlecht als recht verteitigt, da hat sie uns schon Recht gegeben.

Jemand, der einst großspurig krakelte, wegen der Fußball-WM Deutschland zu verlassen und dann schamlos geblieben ist, ist m.E. kein bedeutender Schriftsteller sondern jemand, der immer den zu Mund zu voll nimmt.

Ihr Blog ist wirklich gold wert, darum noch einmal vielen Dank für diesen Beitrag.

jpeg

11. Februar 2010, 09:14

Buch und Film und Theaterstück - abgehakt. Was kommt nun? Vielleicht überrascht uns HH ja nun mit einer dezenten Herrenduftlinie, oder beginnt im Leipziger Stil zu malen, komponiert eine Sinfonie, oder eröffnet wenigstens eine schicke angesagte Berliner Kulturbar! Vielleicht geht sie mit Tocotronic auf Tournee? Wird UNO-Kulturbotschafterin, oder Leiterin des Goethe-Instituts? Woraufhin dann hoffentlich wieder ein Aufschrei der Entzückung durchs Feuilleton gehen wird, bis ein paar Nörgler natürlich, die dann alles wieder madig machen werden. Manche Leute haben eben immer was zu meckern.

G. Schoenbauer

11. Februar 2010, 09:19

... daß Sagan das Buch selbst  g e s c h r i e b e n  hat, und nicht ihr Vater aus anderen Vorlagen zusammenkopiert hat.

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... wuerde eher vermuten, dass der liebe (einschlaegig bewanderte) Papi dem ganzen den noetigen Schliff und Zusammenhang verpasst hat, obgleich man es nie wird beweisen koennen; ihm wuerde ich es auch zutrauen, etwa Foster-Wallace "Infinite Jest" im Original gelesen zu haben (Uebersetzung gibt es ja erst seit einem halben Jahr), was ja auch mit sehr gutem Schulenglisch nicht zu machen ist.

G.S.

villabor

11. Februar 2010, 09:20

bei dieser ganzen plagiatsdiskussion wird von den meisten ( die das buch auch nicht gelesen haben, wenn man da überhaupt von lesen sprechen kann, bei diesen "inhalten" ) vergessen zu erwähnen, dass das buch, um es mit den worten der plagiatorin zu sagen, eine unheimlich ausgekotzte fickscheisse ihrer jämmerlichen selbstexistenz ist.

paulo

11. Februar 2010, 09:43

Hegemanns Buch ist Kitsch: die Übererfüllung von Erwartungen an das exzessive und kaputte Leben in "Berlin". Bei Rosamunde Pilcher ist die Welt grün, duftend, sonnig, sauber. Bei Helenchen, grau, stinkend, dunkel, schmutzig. Beide Welten sind aus Fertigbauteilen zusammengesetzt.

Andrea Diener

11. Februar 2010, 10:10

Leser, die Art, mit den geklauten Passagen umzugehen, stieß auch auf kein einhelliges Echo in der Literaturkritik. Michalzik in der FR meint ja, Hegemann habe sie besser gemacht. Klaus Nüchtern in einem Radio-Interview des ORF (fm4.orf.at/.../1638726, am Ende des Textbeitrags) meint dagegen, sie seien bei ihr eher schlechter geworden. Also nichtmal dabei Einigkeit.

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Don Ferrando, nein, die Mutter starb vor einigen Jahren. Beschützen sollten sie eigentlich Vater/Agent/Verleger, aber scheinbar kommt da keiner seiner Aufgabe so recht nach.

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paulo, ja! Ich rede bei so Actionreißern auch immer gern von "Männerkitsch", denn beides ist ungenau und einseitig. Hier scheint es sich eindeutig um Feuilletonistenkitsch zu handeln.

silent_marc

11. Februar 2010, 10:17

Frau Diener, Urheberrechte hin und her. Mir scheint es so, als habe sich der Literaturbetrieb einfach nur der schnelllebigen Popwelt da draussen angepasst. Heute ein Hit, morgen ein Flop...und es macht Plop. Immer schneller muss es raus, denn seine Halbwertzeit ist dank des Internets noch begrenzter als sonst. Sie nehmen das Tempo eines Mediums auf, dass für die Literatur gar nicht beschaffen ist. Denn, so verstehe ich das, Literatur hat etwas mit sich Zeit nehmen zu tun. Reflektieren, hinterfragen. Das Internet, das sind für mich Fragemente von Meinungen, schnellen Statements und ab und zu ja auch mal mehr Hintergrund. Und deshalb passt es wie die Faust aufs Auge, dass die Autorin sich bei Blogs bedient hat.

Mich irritieren übrigens immer diese Bücherberge bei diesen Buchketten...alles 2,95 Euro als Mängelexemplar. Wieviel veröffentlich wird,  ist schon heftig. Und ich ärgere mich dann, obwohl ich mich ja freuen sollte, wenn einer meiner Favourites für dieses wenige Geld zu bekommen ist. Was gottseidank selten vorkommt, weil meistens ist in diesen Kisten nur Schmock.

Zum Schluss möchte ich noch, denn soviel Zeit darf man so einer Banalität ja gar nicht einräumen, meinen derzeitigen Lieblingsschriftsteller posten:

Joey Goebel mit "Freaks"...das ist schnell, kraftvoll und hat auch ne spannende Stilistik und hat sogar ne Message...Basta!

ajo

11. Februar 2010, 10:19

Liebe Frau Diener,

vielen Dank für Ihren Beitrag, der leider nicht in der Printausgabe erschienen ist. Bei der ganzen Debatte sind Sie es, die am deutlichsten auf die Marktförmigkeit des Literaturbetriebs hingewiesen haben. Insbesondere von der gruseligen "Goethe hat auch abgeschrieben"-Fraktion wird dieser Aspekt sehr gerne übersehen.

HansMeier555

11. Februar 2010, 10:19

Ein Feuilleton, das sich so verhält, hat wohl auch eine ziemlich traurige Meinung vom Lesepublikum.

Zu Unrecht?

HansMeier555

11. Februar 2010, 10:27

"Nicht gut erfunden, aber gut gefunden - reicht das?"

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Auf dem Pausenhof, wo die Kiddies mit Witzen und Sprüchen landen wollen, reicht es allemal.

Mein Bruder, der in der Abi-Zeitung mit einem halben Dutzend satirischer Gedichte glänzte, hatte diese, wie ich erst Jahre später herausfand, zu 90 Prozent aus der rd. 40 Jahre zuvor erschienen Abizeitung eines Onkels plagiiert.

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Und bei Markenfetischismus ist es ja genauso: Wer die Markenjeans hat, kriegt dafür Anerkennung, auch wenn andere den Schnitt entworfen und das Teil zusammengenäht haben.

Andrea Diener

11. Februar 2010, 11:27

Silent_Marc, von Joey Goebel kenne ich "Vincent". Darin geht es um ein schreibendes Wunderkind, das durch bewußt zugefügtes Leid zum großen Künstler geformt werden soll. Eine schön böse Satire auf den Kultur- und Unterhaltungsbetrieb.

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Literatur und Internet sehe ich jetzt gar nicht so sehr als Gegensatz, Fernsehen ist viel schlimmer. Ich schrieb ja in einem der letzten Beiträge, daß ich außer dem Wettlesen in Klagenfurt nichts mehr anschaue, und das ist auch das einzige Format, das Literatur einigermaßen gerecht wird. Da werden Bücher noch als Lebensprojekte von Autoren gesehen, nicht als Produkt, das in Ratgebermanier so servicemäßig an die Zielgruppe vermittelt werden muß. Natürlich sind Bücher auch Produkte, aber dem geht ja noch einiges voraus, und da muß man nicht einmal das Märchen vom Originalgenie bemühen. Es reicht ja, das als Arbeitsprojekt eines Menschen zu begreifen, der sich einige Fragen gestellt hat und sich mit einem Themenkomplex, einer Geschichte befaßt hat, und dafür eine Form gesucht und auch gefunden hat (idealerweise nicht in fremden Büchern/Blogs). Das sind mal so die Basics.

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Jetzt gibt es natürlich noch die Frage des Anspruchs eines Autors an sich selbst. Und da scheint mir Hegemann derzeit eher im unteren Level verortet. Sie scheint nicht unbedingt den Anspruch zu haben, für Dinge anerkannt zu werden, die auch wirklich von ihr stammen. Man kann das auch an den jüngsten Ereignissen ablesen:

www.viceland.com/.../hegefeuer-der-eitelkeiten

Es macht nicht nur einen unguten Eindruck, wie sie mit dem Material anderer umgeht, es läßt mich auch völlig sprachlos zurück, wie schäbig sie ihren eigenen Anspruch als Künstlerin behandelt.

Devin08

11. Februar 2010, 11:50

http://www.herold-binsack.eu

Die  Zeitschiene zur Distanz ist unhintergehbar

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@Schusch: Sie haben natürlich recht, nur war das auch nicht von mir so gedacht. Sollte ich mich da missverständlich ausgedrückt haben?

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Nun, in „Feuchtgebiete“ wird ebenso wenig Literatur angeboten, bestenfalls so was wie Versatzstücke aus einem Tagebuch, was besser nie veröffentlicht worden wäre. Nicht wegen der darin geschilderten (und wie ich aus erster Quelle weiß) mehr oder weniger autobiografisch nachempfundenen Szenen (nicht mal wegen des Stoffes, der nichts anderes ist als Pornografie), sondern wegen der darin erkennbaren fehlenden Distanz vom Autor. Wenn da nun, wie bei Hegemann, distanzlos über die Vergewaltigung eines 6-Jährigen berichtet wird, ist das ja nicht nur ein Fall für den Staatsanwalt, u.U, sondern eben schlechte Literatur, die daher nicht umsonst in die Rubrik „Pornografie“ gesteckt werden muss.

Und natürlich, Pornografie unterliegt gewissen Kontrollen, die in solchen Genres offenbar mit Erfolg unterlaufen werden.

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Ich rede daher ganz allgemein von „Missbrauch“, da ich annehmen muss, dass hier nicht nur die „eigenen Kinder“, die da nun zu Autoren gehypt werden, missbraucht werden – genau in diesem Moment -, sondern eben auch das Publikum.

Der womöglich darin verborgene, und solchermaßen literarisch geschönte, sexuelle Missbrauch, ist da nicht mal das Hauptproblem, denn hier wird die Jugend viel umfassender missbraucht, denn es wird sich hinter ihr versteckt. Nicht nur das Versagen ganzer Generationen, nein, das wäre eben eine konservative Kritik, sondern natürlich die sichtbar gewordenen Risse in der bürgerlichen Gesellschaft, werden da zur Kultur stilisiert. Und dahinter würde sich gerne auch eine konservative Kritik verstecken, wenn es ihr nicht so peinlich wäre. – Darin liegt auch der Grund für das Phänomen, dass Konservative in solchen Situationen wie Revolutionäre auftreten, bzw. vice versa.

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Bis zu einem gewissen Alter, das Alter muss natürlich immer konkret definiert werden, sind die Erwachsenen, die „Erziehungsberechtigten“, nicht nur berechtigt, sondern eben auch verpflichtet, eben nicht nur die Jugend zu schützen, gegenüber Dritten, sondern auch gegenüber sich selbst. Und wenn das nicht schon in der Kindheit dieser Kinder geschehen ist, schlimm genug, ist es nie zu spät diesbezüglich etwas nachzuholen. Jugendliche werden nie erwachsen, wenn man sie darin nicht gefördert hat.

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Die Eltern hätten solches verhindern müssen, oder es zum Anlass nehmen sollen, um sich endlich ihrer Verantwortung bewusst zu werden. Sie hätten die ersten Kritiker – die schärfsten Selbstkritiker – sein müssen!

Ich denke, wenn es je einen Grund für ein Todesurteil, wie zum Beispiel eines solchen gegen Sokrates, geben sollte, dann wäre dies jetzt der Fall.

Eine raffiniertere Form der Jugendverführung ist mir bisher nicht begegnet, und wenn ich richtig informiert bin, war genau das die Hauptkritik der Athener.

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Die Jugend ist nicht harmlos, das war sie nie (ich war es auch nicht), aber eben genau deswegen nach wie vor schutzbedürftig.

Hier werden womöglich auch traumatische Erlebnisse von Jugendlichen (zugefügt durch Erwachsene – sehr wahrscheinlich) so mir nichts dir nichts als Literatur affirmiert.  D a s  ist der inkriminierte Gegenstand meiner Kritik.

Um es klar zu sagen: selbst wenn es „gute Literatur“ hätte sein sollen (was es nicht ist, vermutlich auch gar nicht sein kann! – Eine gewisse Zeitschiene zur  „Distanz“ ist in der Regel unhintergehbar, auch der von Ihnen genannte „Marquis“, ich nehme an, Sie meinten „de Sade“, sprach ja recht eigentlich als ein nihilistischer Revolutionär, und selbst die Geschichten einer „Mutzenbacher“ im Sternverlag der 60er waren ja keine Anleitung zum Handeln, damals jedenfalls nicht, bestenfalls eine zur Revolte), ist eine Auseinandersetzung, eine kritische nicht zu umgehen, und schon gar nicht unter dem Hinweis, es sei doch gute Literatur.

Holly

11. Februar 2010, 12:14

Ein schönes Fundstück zum Thema:

twitter.com/.../8908897764

;-)

(auch die anderen Tweets von Literaturcafe zum Thema!)

Andrea Diener

11. Februar 2010, 12:21

Holly, auch sehr gelacht über den darauf folgenden Tweet:

twitter.com/.../8909200488

Devin08

11. Februar 2010, 12:37

http://www.herold-binsack.eu

Sorry, es muss natürlich "Märzverlag" heißen, nicht Sternverlag.

Andrea Diener

11. Februar 2010, 12:50

Und auf die Shortlist weitergereicht:

www.faz.net/.../Doc~E6CEAF939E8C046B6BC4A4B303E66ECCF~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Heute Abend ist sie ja bei Harald Schmidt. Das wär eine gute Gelegenheit, ihren Verzicht auf die Nominierung bekanntzugeben.

Don Ferrando

11. Februar 2010, 12:54

Holly you made my day!

Habe Bauchschmerzen vom Lachen!

Barocke Hörerin

11. Februar 2010, 14:03

@Devin08: Ja, auch ich spüre, dass um dieses Buch Missbrauch (in mehrfacher Hinsicht) und Traumatisierung wabert. Wer hier Täter und wer Opfer ist, lasse ich mal dahin gestellt sein, ich kann es nicht beurteilen. Die bereits zitierte Passage von der Vergewaltigung eines Kindes ist aber derart ekelhaft - nicht wegen ihrer Drastik sondern wegen ihrer moralischen Indifferenz - dass es mich im Halse würgt, wenn ich diese Sätze lese. Ein Literaturbetrieb, der so etwas goutiert, interessiert mich nicht mehr. Es passt auch gut in diesen Zusammenhang, dass ein alternder Zyniker wie Harald Schmidt nun auch noch sein Süppchen auf der Angelegenheit kocht. Die Sendung wird sicher gar lustig werden.

Nur die Sache mit dem Todesurteil - da halte ich strikt dagegen.

Avantgarde

11. Februar 2010, 14:20

Vielleicht kann sie ja bei Harald Schmidt gleich miterklären, ob sie Plagiieren auch beim Film toll findet

www.tagesanzeiger.ch/.../26678260

Aber wahrscheinlich wird Schmidt damit kokettieren, dass seine Witze auch geklaut sind und alle werden fröhlich sein und über das dumme Publikum lachen, das da sowas von spießig ist.

ron

11. Februar 2010, 15:39

Hier ist ein Interview mit Airen und darunter sind alle geklauten Textstellen aufgeführt. Zumindest die von ihm geklauten...

www.faz.net/.../Doc~E88A9CA72ADE445F390437D064F10C598~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Und der Ullstein Verlag gibt sich unverhältnismäßig selbstbewußt:

www.buchreport.de/.../ullstein-abdruckgenehmigung-fuer-quellen-von-axolotl-roadkill.htm

Merzmensch

11. Februar 2010, 17:52

http://merzmensch.blog.de

Auch meinerseits vielen Dank für diese klare und deutliche Auseinandersetzung mit dem Fall Hegemann (wobei in diesem Kontext würde ich es eher "Fall Hegemann & Feuilleton" nennen). Endlich mal eine gute Zusammenfassung - und eine ehrliche Meinung - die aus dem Bereich der Printmedien klingt (wenn auch als Blog) :-)

Peter Meyer

11. Februar 2010, 17:56

Die Juryvorsitzende Auffermann "ist froh, daß Hegeman nicht alles selbst erlebt hat".

So eine darf Literaturpreise verleihen.

www.morgenpost.de/kultur/berlin-kultur/article1255494/Hegemann-soll-auch-aus-Film-abgekupfert-haben.html

Leser

11. Februar 2010, 22:40

Frau Diener, da haben wir's: Untergehen wird das Abendland, wenn nicht mal unter den Literaturkritikern Einigkeit herrscht. – Ernsthaft: "von Lorbeerblättern" umflochtes Blut, das aus Ohren fließt, finde ich nicht sonderlich gelungen. Bei Frau Hegemann tut es das auch noch "zu Lorbeerkränzen" geflochten. Also, ich weiß nicht recht. Immerhin: Es passt zu denjenigen Passagen, die bisher nicht als Plagiat enttarnt wurden, ein sprachliches Unglück reiht sich ja ans nächste, ergänzt mit Splatter, Premierengeschwurbel und Psychosülze.

Feuilletonautoren ist so etwas offenbar Zeichen einer Hochbegabung, die es zu fördern gilt. Das ist es, was mich ärgert, denn es führt dazu, dass ich zwischen Historienkitsch, Altherrenphantasien und Brigitte-Bestsellern fast nur noch solchen Schrott in Buchhandlungen finde, wenn ich nach aktueller Literatur suche.

Avantgarde

11. Februar 2010, 23:47

Harald Schmidt ist vorbei.

Es gibt Leute, die schon länger wussten, wie verkommen unsere "Kulturszene" ist.

In diesen Tagen wurde der plastische Beweis geliefert.

Es gibt nichts mehr zu sagen.

Andrea Diener

11. Februar 2010, 23:58

Avantgarde: Ach, auch das Vertrauen in unsere mediale Berichterstattung verloren?

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Leser, es macht sich ja keiner die Mühe, mal zu gucken, ob die Sprache auch wirklich gelungen ist, da war der werte Herr Steinfeld der erste. Normalerweise werden nur der große Gestus bewertet oder ob "eine Geschichte" erzählt wird (das gibt scheinbar Pluspunkte).

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Peter Meyer, ron: Ohne Worte.

Avantgarde

12. Februar 2010, 00:08

Liebe Andrea Diener

Ich möchte mich nicht zu sehr outen, aber ich habe leider in diesem Betrieb eine nicht unbedeutende Rolle gespielt, bis ich mich verabschiedete.

Aber die letzten Tage haben mich doch etwas überrascht, obwohl ich dachte, das geht gar nicht mehr.

Ich könnte viel erzählen. Aber ehrlich gesagt, ich habe keine Lust mehr dazu.

Ihr Blog werde ich nach wie vor mit Genuss lesen. Es versöhnt mich ein wenig mit dem ansonsten herrschenden Elend.

molosovsky

12. Februar 2010, 08:45

http://molochronik.antville.org

Eigentlich gehört meine Bemerkung nicht zum Thema: Was lesen (berufstätige) Menschen, die keine Zeit haben für solche durch Hype- und Skandal zum Verkaufsschlager gejazzten Bücher. Zum Beispiel die Briefe von Horaz in der Wieland’schen Ausgabe. In den Anmerkungen zum vierten Brief findet sich …:

»Die Ausleger der Alten verfehlen oft bloß dadurch des wahren Sinnes, daß sie dem Autor, als ob er zu wenig an seinem eigenen Witz habe, auch noch von dem ihrigen leihen wollen, der nicht immer von der besten Sorte ist.«

Ich remixe:

»Die Lobpreiser des Axolotl verfehlen oft bloß dadurch des wahren Sinnes, daß sie der Autorin, da sie zu wenig an ihrem eigenen Witz habe, auch noch von dem ihrigen leihen wollen, der nicht immer von der besten Sorte ist.«

Eines der Kapitel des Hegemann-Buches ist mit dem Zitat »Take the money and run« überschrieben. Dem ist nichts hinzuzufgen.

Andrea Diener

12. Februar 2010, 11:27

Avanatgarde, vielleicht machen Sie ja noch Ihren Frieden mit dem "Betrieb" und schreiben uns das große Enthüllungsbuch. Ich bin ja auch desillusioniert, aber zum Glück bleibt einem ja immer noch die Aufregung, wenn man ein wirklich gutes Buch oder einen neuen Autor entdeckt – öfter halt im englischsprachigen Raum, aber macht ja nix, Literatur ist Literatur. Das bleibt, und daran können auch zehn Hegemanns nichts ändern, die sich in die Talkshow setzen und von Moral faseln. (Was Kunst und Moral angeht, halte ich es ja eigentlich mit Wilde, der nicht der Meinung war, daß die beiden etwas miteinander zu tun haben sollten. Aber was will man machen, wenn man den Begriff der künstlerischen Integrität nicht kennt.)

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molosovsky, ich habe gerade einen Amazon-Wunsch erfüllt bekommen (danke an dieser Stelle an den werten Herrn! Hoffentlich liest er gerade mit) und lese daher mal wieder was für Erwachsene: Das Buch "The Great Fire" von Shirley Hazzard. Hier die Dame:

en.wikipedia.org/.../Shirley_Hazzard

die nicht mal einen deutschen Wikipedia-Eintrag hat. Sie ist gerade achtzig Jahre alt geworden (und sieht sie nicht gut aus?), schrieb zwanzig Jahre an diesem Buch, das 2003 veröffentlicht wurde und seitdem eher als Geheimtip kursiert. Das kuriert mich hoffentlich vom Axolotl.

Savall

12. Februar 2010, 11:40

Er liest natürlich mit, Andrea. So ein kleines Dankeschön pour le merite ist doch selbstverständlich und macht mir auch Freude. Der Liefertermin für „Brideshead“ ist übrigens auf unbestimmte Zeit verschoben. Ja, der Buchhandel ist wohl mit der Axolotl-Auslieferung zu stark in Anspruch genommen. Ich bin übrigens gerade bei Egon Friedells „Kulturgeschichte des Altertums“.  In jener Zeit hat man freilich ohne weiteres kompiliert und abgeschrieben. Allerdings wäre damals auch niemand auf die Idee gekommen, einem Autor ein Honorar zu zahlen.

stilkritik

12. Februar 2010, 11:47

Was wirklich ein Skandal ist: Dass jetzt alle Beteiligten, die es von Berufs wegen eigentlich besser wissen müssten, so tun, als gäbe es a) keinen Unterschied zwischen Plagiat und Zitat und b) zwischen Danksagung und Quellenangabe. Alle tun so, als wäre mit dem halbherzigen Anerkenntnis und Nachschieben von Dank ein Plagiat aus der Welt zu räumen! Und niemand kommentiert mal diese Dreistigkeit vom "Urheberrechtsexzess", mit der sich das Mädchen da rotzfrech rausredet. Alle schweigen dazu und tun so, als sei es längt Konsens, dass das Urheberrecht Mist ist und versuchen dadurch, die Debatte so zu manipulieren, dass man neuerdings begründen muss, warum man spießigerweise was *gegen* Plagiate hat. Also faktische Umkehrung der Argumentationslast durch öffentliche Vernebelung dessen, was eigentlich jedem Autoren einleuchten muss. Und was man vermutlich sogar auf der Realschule lernt (so wie Fräulein H.). An der Universität wird die Beherrschung dieser Regeln jedenfalls vom ersten Semester an vorausgesetzt.  

Andrea Diener

12. Februar 2010, 11:51

Oh, Brideshead! Das wird den Reisebegleiter freuen, der mich schon seit Ewigkeiten drängt, das endlich mal zu lesen. Wenn es denn kommt.

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Friedell ist ziemlich amüsant, wobei ich eher die Neuzeit gut kenne und da vorwiegend die Ecke um das 18./19. Jahrhundert herum (und natürlich "die Barocke"). Ähnlich nett liest sich heutzutage wenig. Das letzte, was ich in der Art in der Hand hatte, war die englische Kulturgeschichte vom Schwanitz selig.

jpeg

12. Februar 2010, 12:43

Es geht, glaube ich, den meisten Kritikern weniger um die Qualität des Buches, sondern mehr um Gesichts-, Macht-, Deutungshoheitsverlust, der abgewehrt werden muss, und Angriff ist da gerade die beste Verteidigung: einfach noch ne Schippe drauflegen. Das ganze Herumgewurstel mit den wechselnden Gründen, aus denen das Buch besonders toll sein soll (erst die angeblich authentische Jugendsprache und Haltung der Nullerjahre, nun raffinierte Collage, theoretisch auf der Höhe der Postmoderne) zeigt doch, dass es darum eigentlich nicht mehr geht und wohl nie ging, sondern eher um eineHandwäschtdieandere, und dass solche Geistesheroen sich nicht irren, sonst wären sie ja fehl an ihrem Platz.

Ich habe mal diverse Kommentare auf Blogs, bei Amazon, in Foren dazu gelesen, und je näher die Leute da der Helene alters- und Lebensstil-mässig sind, um so weniger können sie eigentlich eigentlich mit ihrem Buch anfangen. Der Airen ist da halt ein Gentleman. Es spricht aber sonst scheinbar eher Leute an, die älter sind und die eher behütet aufgewachsen, nun recht bieder-erfolgreich in einem (Kultur)-Berufsleben stehen. Das "Volksbühnen-Publikum"?

Aber wenn das alles von Familie Hegemann so geplant war, dass das Feuilliton sich hier "entlarven", und dann selbst zerstören sollte wie mit einem eingefangenen Virus, aus eigener Eitelkeit und Hohlheit, dannn ziehe ich natürlich ganz tief den Hut, "Chapeau". Oder Schappo.

Andrea Diener

12. Februar 2010, 13:39

jpeg, das Klügste, was ich zu dem Thema gelesen habe, war ein Kommentar im Schülermagazin (!) yaez:

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"Man stelle sich das so vor: Journalisten, die während der Nuller-Jahre ihre Jugend schon lange hinter sich haben, erklären ein Werk einer Autorin zum Schlüsselroman, die zu Beginn der Nuller-Jahre sieben Jahre alt war, nicht einmal die Volljährigkeit während dieser Dekade erlangt hat und eigentlich die Lebenswirklichkeit von Endzwanzigern in Berlin beschreibt. Intergenerative Verständnisprobleme scheinen da vorprogrammiert."

Quelle: www.yaez.de/.../Normal-fuer-eine-17-Jaehrige.html

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Ich wurde gerade auf meinem Privatblog auf ein Interview mit Verena Auffermann aufmerksam gemacht, der Juryvorsitzenden des Leipziger Buchpreises. Und da bekommt man diese Verständnisprobleme ganz wunderbar demonstriert:

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"Wenn Sie sich die Listen der Blogs ansehen, wenn Sie sich dieses ganze Spiel, was da sozusagen unterirdisch stattfindet, im Zimmer, also ohne Tag, die ganze Kultur der Facebooks, wenn man sich das alles vor Augen führt, dann müssen wir sagen, da hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Und dass jetzt sozusagen in dieser ganzen Unordnung, in diesem Chaos - Hegemann ist ja ein Ausdruck für etwas -, dass in diesem ganzen Chaos jetzt mal eine Zäsur gesetzt wird und dass es zur Sprache kommt, finden wir ausgezeichnet."

Quelle: www.dradio.de/.../1123839

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Dieses Ganze, also, das ist Hegemann irgendwie ein Ausdruck für. Präzision scheint kein Kriterium für die Beschäftigung mit Literatur zu sein.

jpeg

12. Februar 2010, 14:46

Klar, aus so einer Perspektive wird die Helene dann zur Mittlerin, um diese exotisch-fremde Welt "Internet" (wir schreiben das Jahr 2010!) zu verstehen, und die kaputten Gestalten, die sich in diesem Darkroom mutmaßlich so herumtreiben. Von Karl May konnte man ja auch was über Amerika lernen, collagiert und verfremdet und durch seine romantische Sehnsuchts-Wurstmaschine gedreht. Also Buchpreis, mit Grüßen aus dem Elfenbeinturm.

Für den gewöhnlichen Netzbürger oder 17-jährigen stellt es sich wiederum alles eher als Farce dar, denn der Volksbühne-Pollesch-Psycho-Jargon wirkt nicht frisch, sondern befremdet, wirkt angestaubt, das suggerierte Lebensgefühl erinnert eher an den 90er-Berlin-Hype oder Christiane F.. Und Sampling oder Collage leben ja gerade nicht von Authentizität, oder davon, irgendwas zu entlarven, anzuklagen, sondern vom guten Mix, von Fetzen von Erinnerung, rausgepickten Rosinen. Oder davon, den Fetzen was gegenläufiges zu entlocken, was zunächst unbeachtet in ihnen schlief. Aber wo passiert sowas denn in ihrem Buch? In preiswürdiger Weise?

Was entlarvt denn nun das Buch? "Uns"? Wer ist das? Oder soll es Airen entlarven? Ihren Vater? Das Feuilleton? Das alles verwirrt eher, als zu kicken.

Am meisten stört mich persönlich am Hype eigentlich, Plagiat hin, Fickikotzi her, dass das geschilderte/gesamplete Milieu, Lebensgefühl, der ganze Drogenexpressionismus doch eher ziemlich Nineties sind. Die Leute, die so lebten, haben jetzt Kinder und sind ruhiger geworden. Heute kann man sich das als Jugendlicher gar nicht leisten, es bedeutet mehr denn je den Weg zu Hartz4 und Elend, in Zeiten, wo lückenlose Lebensläufe das mindeste sind. Außer man hat Eltern und Bekannte, die einen protegieren. Wie die Kinder der Reichen.

Die "Nullerjahre" waren für mich: der große Bruch des 11. September, Bush, Überwachung und Neoliberalismus und Disziplinierung (auch als Reaktion auf die wilden 90ies); schwarzgrün, Groko,, Super-Nanny und die guten Manieren, und auf der anderen Seite das Netz, sein sich-selbst-bewusst-werden, seine wachsende Macht, die ersten Risse im Print-Elfenbeinturm, Hierarchien in Unordnung. Und die "Urheberrechtsexzesse" gibts - als Reaktion auf technische Kopierbarkeit und Mp3, aber nicht als Reaktion auf (frühere!) künstlerische Verfahren wie Montage oder Remix. Von daher finde ich die Begründungen, warum HH der allerneueste Scheiß sein soll, gerade so hanebüchern.

Das kann doch nur jemand finden, der eben überhaupt nicht "am Puls der zeit" o.ä. lebt.

Als Blog, vielleicht noch anonym, wär es ja wieder was anderes gewesen, hätte sein Publikum gefunden und mit 20 hätte dann jemand gesagt, mach doch ein Buch draus, wie Airen, ein Underground-Verlag - warum nicht. So wurde die Frau nun auf einen Sockel gehoben, dem sie nicht gerecht werden kann, und als nun Rufe aus der Menge kommen, "der kaiser hat ja garnichts an!", da stockt man den Sockel nur weiter auf, immer höher, immer mehr, bis das arme Kind in den Wolken verschwindet, auf dem Kulturolymp ankommt, wo ihr Daddy und der Christof (S.) und der Rene (P.) schon auf sie warten, Kollegen und Brüder im geniehaften Geiste.

Was ich an Airens Buch interessant finde, das ich ansonsten auch ziemlich 90ies oder Fifties/beatpoetig finde, ist der Aspekt, dass er diese funkelnde Verglühens-Lebensweise mit der nullerjahregemäßen Tätigkeit in einer Unternehmensberatung in Einklang bringen muss, wie er an der an ihn herangetragenen Disziplinierung scheitert oder sie lapidar und fröhlich zurückweist.

Hegemann dagegen beschwert sich doch implizit nur, dass die Welt sich nicht mehr um die armen Kinder wie sie kümmert, das habt ihr nun davon, dann neben sie eben Heroin und vögeln mit irgendjemand und sind traurig und klauen. Es erinnert mich an der Stelle an diese Meine-68er-Eltern-haben-sich-selbst-verwirklicht-aber-ich-kam-unter-die-Räder-Literatur der Nullerjahre, eigentlich eine ziemlich konservative Angelegenheit. Vielleicht gefällt es ja auch gerade deshalb den Rezensenten bei Spon, Welt, Faz etc. so sehr.

Und Montage, Collage, Remix als künstlerische Verfahren dürften damit erst mal allgemein erledigt sein, wer will jetzt noch mit so was ankommen. Ausser bei Youtube. Das ist abgeschmacker Mainstream, nicht Avantgarde. Den Aspekt finde ich auch interessant.

Ariadne

12. Februar 2010, 14:59

@ molosovsky. Bin berufstätig, habe noch nie so ein Hype-Geschwurbel (kam jedenfalls nicht über Seite 3 hinaus) gelesen und habe das auch nicht vor. Ich lese (mal wieder) McMurtrys "Lonesome Dove" und danach warten Faulkner, Tolkien und Connelly. Alles nicht hip, hype oder Schlüsselroman -  aber dafür vernünftiger Satzbau und schöne Sprache, auch nicht irgendwo abgeschrieben und ich verstehe worum es geht.

Ariadne

12. Februar 2010, 15:03

@ A.D. Ich kenne mich im Literaturbetrieb nicht aus, ich bin nur Leser, aber wie kann bitte jemand, der so spricht Juryvorsitzender einer Buchmesse werden? Das liest sich, als hätte Loriot die Feder geführt.

Avantgarde

12. Februar 2010, 17:09

Liebe Frau Diener,

"vielleicht machen Sie ja noch Ihren Frieden mit dem "Betrieb" und schreiben uns das große Enthüllungsbuch. Ich bin ja auch desillusioniert, aber zum Glück bleibt einem ja immer noch die Aufregung, wenn man ein wirklich gutes Buch oder einen neuen Autor entdeckt – öfter halt im englischsprachigen Raum, aber macht ja nix, Literatur ist Literatur."

Wenn ich es so schriebe, wie es sein müsste, dann wäre ich die nächsten Jahre vor Gerichten beschäftigt. Die Damen und Herren sind da sehr dünnhäutig. Und wozu auch? Für einige Momente wollüstiger Erregung im Feuilleton? Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Am Ende würde das Buch sogar noch gelobt. Nein, das muss nicht sein.

Aber ja, gute Literatur lässt sich gottlob nach wie vor entdecken. Nicht nur im englischsprachigen Bereich übrigens, aber leider doch kaum noch im deutschsprachigen. Der Chilene Roberto Bolano ist so ein Autor, aber es gibt viele mehr.

Doch noch ein PS: Maxim B., der nicht für Klatsch und das Verbreiten von Verlags-PR zuständig ist, sondern für große, unvergessliche Literatur, möchte sich auf Nachfrage der SZ nicht an der Diskussion beteiligen und auch nicht zitiert werden.

www.sueddeutsche.de/.../bilder

Mehr ist dazu wohl auch nicht zu sagen.

pardel

12. Februar 2010, 18:35

Nachdem was Frau Hegemann gestern bei Harald Schmitt gestammelt hat, sollte das ganze nun doch erledigt sein, oder?

Allerdings sagte Harald Schmitt auch, und ich glaube es, die vermeintliche Autorin sei Nummer 2 der Spiegel-Bestsellerliste ("Ich bin vor den Vampiren! Uuuiiii!" Zitat Ende) und Nummer 5 bei Amazon. Mir kommt die Galle hoch.

Zur Besetzung von Jurys fällt mir gar nichts mehr ein. Bei Büchern wie bei Filmen. Über das, wörüber man wirklich nichts mehr sagen kann... (Achtung: Zitat, unvollständiger, aber metatextisch intertextuell verfremdet!)

Lorenz Borsche

12. Februar 2010, 19:18

http://www.borsche.de

www.buchmarkt.de/.../41462-jens-lindner-zu-seinem-plagiat.htm

Betr.: Jens Lindner zu seinem Plagiat

Sieht aus, als wäre das trotz der Verfehlung ein anständiger Kerl. Und die Geschichte erscheint durchaus glaubwürdig, solche Geschichten schreibt das Leben.

Ganz anders die arme Hegefrau, die von einem ehrgeizigen Vater erst mit Intellektuellen-Neusprech gefüttert und dann mit Vitamin B und anderem gepampered wird (bis hin zur Online-Besorgung des später abgeschriebnene Romans 'Strobo') - wer glaubt, sich über den gierigen Vater von Hannah-Montana-Miley-Cyrus aufregen zu dürfen, sollte vielleicht mal beim Herrn Dramaturgen anfangen? Weil: minderbemittelte Unterschichtsmittelständler dürfen so was, und wir dürfen dann schaudernd sagen: die wissen es halt nicht besser, essen ja auch ungeniert bei MäcD. Intellektuelle aber wissen es definitiv besser. Immer. Schon aus ihrem Selbstverständnis heraus. Das macht Vater Hegemann zum Täter. Und seine Tochter zum Opfer einer sensationslüsternen Feuilletonsmafia, der eitle Maxim Biller natürlich wieder ganz vorne hin und weg.

Und die ganze Remix-Diskussion ist ohnehin nur völlig verlogen, denn man sollte den Ursprungstext ja nun gerade nicht erkennen - bei Remixen ist das aber gewöhnlich der Fall, da spielt der Autor auch mit der musikalischen oder literarischen Vorbildung des Lesers.

Nein, Hegefrau hat einfach nur ungenau abgepinselt, und damit man's nicht so merkt, einige Worte ausgetauscht, was gute Originale natürlich normalerweise verwässert, also verschlechtert. Also haben wir es hier weder mit Cut'nPaste noch mit einem daraus entstehenden Remix zu tun, sondern mit dem, was in der Grundschule einfach nur abschreiben heisst. Setzen sechs.

andreaffm sagt in ihrem langen Blogbeitrag über den Fall Hegemann/Axolotl:

>Ich sollte vielleicht vorweg sagen, daß ich ein Problem mit Kunst habe,

>die mir ihr Kunstwollen mit aller Kraft ins Gesicht drückt.

(gig.antville.org/.../1970254)

Vielleicht dachte andreaffm dabei an Liebermanns berühmtesten Spruch und dessen Berliner-Schnauze-Steigerung:

Kunst kommt von Können.                       (Max Liebermann)

Wenn es von Wollen käme, hieße es Wulst.  (Berliner Volksmund)

LG L

Andrea Diener

12. Februar 2010, 21:25

Lorenz Borsche: Der Lindner hat eben "nur" so einen Krimi geschrieben, da kann man sich schlecht mit postmodernen Strategien rausreden. Das gilt bei Genreliteratur nämlich nicht.

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Biller handelt sich in dieser ganzen Angelegenheit gerade die miesesten Haltungsnoten ein. Erst mit der größten Klappe vornedran, so kennen und so lieben wir ihn, und dann einfach schweigen.

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Ariadne, wenn man einmal im Betrieb ist, kann man so schnell nicht mehr raus. Man wird immer wieder angefragt und weitergereicht, von Jury zu Jury. Ab einer gewissen Position geht es einfach nicht mehr abwärts. Dort ergraut man dann in Ehren.

Rosinante

12. Februar 2010, 21:45

Avantgarde et al., es gab auch eine Rezension, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lies. Vielleicht tröstets:

www.nzz.ch/.../nicht_gesellschaftsfaehig_1.4790838.html

Avantgarde

12. Februar 2010, 22:02

In den USA sieht man die Affäre mit weniger Verständnis

www.nytimes.com/.../12germany.html

Dazu empfiehlt sich die Lektüre eines Wikipedia-Eintrags zu einem Plagiatsskandal von 2006

en.wikipedia.org/.../How_Opal_Mehta_Got_Kissed,_Got_Wild,_and_Got_a_Life

G. Schoenbauer

12. Februar 2010, 22:29

@ariadne,

recht aufschlussreich, was Biller vor einem Jahr ueber "das Arschloch" (ebenso) Thomas Bernhard "abgesondert" hat, aufschlussreich vor allem ueber diesen, Biller, der so gern ein Tausendsassa der Weltliteratur, ja ein Olympier waere:    

www.faz.net/.../Doc~EAE6D6FD0F3F445AAA8A63B2A62294669~ATpl~Ecommon~Scontent.html

MfG

G.S.

Filou

12. Februar 2010, 22:46

Ok, ab 22.20 Uhr (heute, 12.2.2010) die Dame bei Harald Schmidt (1Festival) gesehen. Von der wird man noch oft etwas hoeren, wenn sie nicht zur Bundewehr geht, wie sie es im Interwiew andeutete. Was hindert sie?

.

Hallo, ihr Aelteren, kann sich noch jemand an einen aehnlichen Fall in den fruehen 60ern im Heiligen Koeln erinnern? Da wurde im Feuilleton von einer deutschen Francois Sagan geschwafelt. Aus Koeln (Biotop fuer Bekloppte)! Aus Pietaet nenne ich keinen Namen. Das Maedchen lebt nicht mehr.

.

Nochmals Max Liebermann: Man kann garnicht soviel fressen wie man...

Leser

12. Februar 2010, 22:51

Endlich habe auch ich's begriffen: Die Verena Auffermanns finden in solchen Erstlingen ihr eigenes 68er-Geplapper wieder, und das ist es, was sie so hervorragend finden.

Vielleicht bestünde die wirksamste Förderung deutschsprachiger Literatur darin, für einen Rentenfonds zugunsten der heutigen Rezensenten und Jurymitglieder zu  sammeln. Richtet jemand ein Konto ein? Mir wär's eine Spende wert.

G. Schoenbauer

12. Februar 2010, 23:05

@Lorenz Borsche,

schoener Liebermann-Spruch; habe ihn mir, hinter vorgehaltener Hand zugestanden, sogleich notiert.

In der Kuenstler-Familie Hegemann haelt man es wohl eher mit der Losung Otto M. Zykans, eines Berufskollegen von Papa Hegemann. Kunst kommt danach von Goennen, mit dem Unterton: goennen wir dem Toechterchen den Erfolg; hat er nicht stets und so auch hier viele Vaeter?

Gruss

G.S.

Deutscher Winter

12. Februar 2010, 23:10

„Der Kritiker, der keine persönliche Feststellung trifft über seine eigenen Maßstäbe, ist einfach ein unzuverlässiger Kritiker. Er ist kein Maßgebener … “ – Irgendwann ist Schluß, dann ist es egal, ob sie Biller, Delius oder Mangold heißen. Das Buch, aus dem das Zitat und die Kategorien weiter unten stammen, heißt „ABC des Lesens“ und ist von Ezra Pound; Eva Hesse hat es übersetzt. Es ist 1957 im Arche Verlag erschienen und seit langem nicht mehr lieferbar. Lizenzausgabe in der Bibliothek Suhrkamp, 13. und 14. Tausend 1976. Man kann dieses ABC für etwa die Hälfte des Neupreises eines „Axolotl Roadkill“ antiquarisch erwerben. Das ist deshalb lohnend, weil die von Pound aufgestellten Kriterien helfen, durch eigene Lektüre seinen literarischen Geschmack auszubilden und von der Saisonware und ihren Lohnschreibern Abstand zu nehmen. Man geht die Sache systematisch an, baut sich ein kleine Bibliothek auf und hat bis zum Lebensende zu lesen.

„FÄNGT MAN EINMAL AN, in der Literatur nach „reinen Elementen“ zu suchen, so entdeckt man, daß Literatur von folgenden Kategorien von Menschen geschaffen wurde:

1. Erfinder. Menschen, die ein neues Verfahren erfanden oder deren Werk uns, soviel wir wissen, das erste Muster eines Verfahrens liefert.

2. Die Meister. Menschen, die eine Reihe solcher Verfahren verbanden und sie ebensogut anwandten wie die Erfinder, oder besser.

3. Die Verwässerer. Menschen, die auf die beiden ersten Kategorien folgten, ohne die Fähigkeit, ganz so gute Arbeit zu machen.

4. Gute Autoren ohne hervorstechende Eigenheiten. Menschen, die das Glück haben, zu einer Zeit geboren zu werden, in der die Literatur eines gegebenen Landes gut im Gang ist, oder in der ein bestimmter Literaturzweig „gesund“ ist. Zum Beispiel, Menschen, die zu Dantes Lebzeit Sonette schrieben, oder zu Shakespeares Lebzeiten und einige Jahrhunderte danach kurze Lieder, oder, nachdem Flaubert es ihnen gezeigt hatte, französischen Romane und Novellen.

5. Schöngeister. Das heißt, Menschen, die nicht eigentlich etwas erfanden, die sich aber auf irgendeinen Sonderbereich des Schrifttums spezialisierten; die man nicht als „ganz Große“ ansprechen kann oder als Autoren, die ein umfassendes Bild ihres Lebens, oder ihrer Epoche, zu geben suchen.

6. Hervorbringer von einem Fimmel.“

molosovsky

13. Februar 2010, 05:45

http://molochronik.antville.org

Danke für den kurzen Überblick zu Pounds Schriftstellertypen, Deutscher Winter.

Schopenhauer teilt ja in die drei Klassen (von oben nach unten):

III. Autoren, die (gründlich) nachgedacht haben, ehe sie sich ans Schreiben machten;

II. Autoren, die beim schreiben denken (Jäger und Sammler);

I. Autoren, die zusammenschreiben, was andere bereits gedacht und geschrieben haben (Parasiten).

Im Interview das ich gehört habe, wußte Hegemann auf die Frage, um was es in ihrem damals noch im Werden befindlichen ›Roman‹ ginge nichts erhellendes zu antworten. Das, zusammen mit ihrem unbekümmerten Schere & Kleber-Vorgehen macht die Entscheidung sehr einfach, welcher der drei Schopenhauer’schen Autoren-Klassen sie zuzusprechen ist.

Herr Taube

13. Februar 2010, 11:35

http://literaturecho.blogspot.com/

"Doch darf man eine Autorin für etwas loben, was sie nicht gut erfunden, sondern nur gut gefunden hat? Reicht das schon?"

Diese Frage von Frau Diener erinnert mich sehr an twitter. Da geht es schließlich nur noch darum auf das zu verweisen, was man gut findet. Ich finde das elegant, weil man kein ganzes Buch mehr schreiben muss, um anderen das zu vermitteln. Allerdings verdient man auch nichts daran.

Jedenfalls ein sehr schöner Artikel. Es ist auch angenehm, was für Kommentatoren Frau Dieners Blog anzieht.

Soll man jetzt eigentlich nur noch Bücher lesen, die aus der Zeit vor Google stammen?

Andrea Diener

13. Februar 2010, 12:45

Herr Taube, Twitter hat auch nicht den Anspruch, eine Kunstform zu sein. Es ist ein Werkzeug. Blogs waren ganz, ganz früher, so vor der Jahrtausendwende, ganz genauso, dann entwickelte sich die Angelegenheit allerdings weiter.

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Ich nehme an, Ihre Schlußfrage war eher rhetorisch gemeint, denn natürlich und unbedingt soll man weiter zeitgenössische Literatur lesen. Man soll auch die Gegenwart im Blick behalten. Denn nur so kann man verhindern, zusammengeklaubtes Zeug mit Zeitgenossenschaft zu verwechseln.

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Leser, ganz so einfach ist es nicht. Biller ist des 68er-tums gänzlich unverdächtig. Aber wer ist eigentlich der "prominente Kritiker" Axel Lottel? (www.fr-online.de/.../2304401_Hegemann-Airen-Geschichte-Das-Recht-auf-Reinheit.html) Ich würde ihm gern eine Käsesahnetorte schicken. Mindestens.

luke

13. Februar 2010, 13:15

Bei jetzt/süddeutsche (jetzt.sueddeutsche.de/.../-1) gibt es ein Interview mit Airen, und was mich wütend macht, ist wie Ullstein Airen und seinen Verlag offenbar (falls das so stimmt) über den Tisch gezogen hat. Wohl für eine Mini-Summe die Unterschrift, die eine Klage verhindern soll.

Und Ullstein wird "strobo" auch noch in Lizenz rausbringen. Also wahlweise doppelt abkassieren oder den späten Erfolg von Strobo verhindern. Meiner Meinung nach hätte Airen/sein Verlag  die Autorin (Erziehungsberechtigten?) bzw. Ullstein verklagen sollen auf eine Riesensumme inkl. Einstampfen der jetzigen Auflage etc. Oder zumindest Ullstein/Autorin die rechtliche Sicherheit sehr, sehr viel Geld kosten lassen. Und dann "strobo" einem Konkurrenzverlag zur Lizensierung anbieten.

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Danke, Frau Diener, für den nach wie vor besten Beitrag zum Thema.

Andrea Diener

13. Februar 2010, 13:31

Luke, die Taschenbuch-Lizenzausgabe ist schon ein Zugeständnis von Ullstein. Ich kenne die Summe nicht, aber für SuKulTur ist das sicherlich ein warmer Geldregen, ohne Kosten und ohne Risiko.

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Ich finde es allerdings sehr souverän von Airen, wie er reagiert hat. Da ergreift mich richtig der Bloggerstolz, so blöd das klingt. Gerade merkt man wieder einmal ein bißchen den Zusammenhalt einer längst fragmentierten Szene.

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Glam trägt auf seinem Blog übrigens einen Satz aus dem F.A.Z.-Interview nach: "airens antwort auf die frage, ob er denn der kröte nun dankbar sei, wo sein buch sich so gut verkauft, wurde leider nicht gedruckt. da hat er nämlich gesagt "nein. ich bin deef pirmasens dankbar." so am i." (Von hier: glamourdick.twoday.net/.../6185612)

luke

13. Februar 2010, 13:47

@A.D. kann ich gut nachvollziehen, mich freut der Zusammenhalt unter Bloggern bei der Geschichte auch. Und ja, Airens Reaktion ist zutiefst symphatisch und souverän. Dass er sich weitestgehend aus dem Medienzirkus raushält spricht für ihn.

Dennoch spiel Ullstein bei der ganzen Sache m.E. eine ziemlich unrühmliche Rolle. Und es ärgert mich, dass die Rechnung für Hegemann/Ullstein finanziell so wunderbar aufgeht. Airen/SuKulTur hätte denen das Spiel vermasseln können. Ich glaube, er wollte sich da nicht drauf einlassen, was durchaus lobenswert ist. Es stört nur mein Gerechtigkeitsempfinden.

ron

13. Februar 2010, 15:43

Andrea Diener: "Luke, die Taschenbuch-Lizenzausgabe ist schon ein Zugeständnis von Ullstein. Ich kenne die Summe nicht, aber für SuKulTur ist das sicherlich ein warmer Geldregen, ohne Kosten und ohne Risiko."

Laut Interview gab es einen "niedrigen vierstelligen Betrag". Ich kenne mich im Verlagswesen überhaupt nicht aus, deshalb vermute ich, das ist das übliche Honorar bei Zitaten oder so. Eine Entschädigung oder ein Zugeständnis ist das jedenfalls nicht.

Laut Don Alphonso (bei Rebellenmark) hat die Hegemann über 100.000 Euros als Vorschuss kassiert.

Andrea Diener

13. Februar 2010, 16:09

ron, den "niedrigen vierstelligen Betrag" als Entschädigung. PLUS Lizenzausgabe. Für einen kleinen Verlag ist das eine ganze Menge.

(Abgesehen davon, da gebe ich luke recht, daß in Sachen Haltungsnoten SuKulTur sich eins A geschlagen hat, Ullstein aber eher eine unglückliche Figur macht. Ich glaube, darüber sind wir uns alle einig.)

Filou

13. Februar 2010, 16:35

Das Interview mit H.H. ab 31.15:

www.daserste.de/.../letztesendung.asp

Avantgarde

13. Februar 2010, 17:13

Na ich weiß nicht. Unter 10000 Euro Schadensersatz geht eigentlich gar nichts. Schon der Autorenanteil liegt ja jetzt schon bei über 50000. Das zieht man ohnehin der Helene ab.

Und Lizenz bei Ullstein? Neeee, mit der Publicity nimmt Strobo jetzt JEDER Taschenbuchverlag mit Handkuss. Muss aber schnell gehen. Bei Ullstein Herbst? Da ist das Thema doch längst durch.

luke

13. Februar 2010, 17:28

ron/Andrea Diener: Sehen Sie, es geht hier um einen Bestseller, sprich um sehr viel Geld. Und es geht um den Vorwurf des Plagiats, nicht um "übliche Honorare für Zitate". Ich bin sicher, eine Unterschrift seitens Airen/SuKulTur unter einen Ullstein-"wir sind aus der Nummer raus"-Wisch ist sehr viel mehr wert als eine niedrige vierstellige Summe. Der Verlag hat doch im Zusammenhang mit dem Leipziger Buchpreis gerade getönt, alles ginge jetzt seinen juristisch sauberen Gang. Bahn frei also für ein Riesengeschäft, befeuert noch von der ganzen Diskussion. Das Herausbringen der Lizenzausgabe von "Strobo" sehe ich auch weniger als Zugeständnis (gäbe sicher andere Verlage, die Strobo jetzt lizensieren würden), sondern vielmehr als Möglichkeit, auch noch am "Original" ein bisschen zu verdienen, das jetzt Aufmerksamkeit erfährt. Allerdings mit Interessenkonflikt.

luke

13. Februar 2010, 17:29

Avantgarde, Sie waren schneller. Genau!

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Ohne zuviel spekulieren zu wollen/können, habe ich insgesamt das Gefühl, da ist ein mieser Plan einer Seilschaft voll aufgegangen.

Avantgarde

13. Februar 2010, 18:59

Einen Taschenbuch "Schnellschuss"? Der kann schon im März im Buchhandel sein. Das geht fix.

SuKulTur ist ja recht einsilbig. Das lässt auf Profis hoffen. Und so lange man im Stillen verhandelt, bleibt das nette Image gewahrt.

Aber Ullstein wird jeden Tag nervöser. Da muss SuKulTur gar nichts tun, außer das jeweils aktuelle Angebot mit einem freundlichen "Also das sehen wir noch nicht so recht" beantworten.

Eigentlich geht ja nur Einstampfen. Plagiate "lizensiert man nicht nach". Da wird sich Ullstein noch wundern. Ich höre da so einiges von anderen, auch internationalen Verlagen, die das gar nicht gut finden.

GAR NICHT GUT

Rosinante

13. Februar 2010, 19:26

an Mehrere, entspricht es dem Niveau diese Eintrags und vieler seiner Kommentare, dass jetzt in spätmarxistischer Manier über Schadenssummen nach dem Komma debattiert wird? Das Thema ist meines Erachtens jenes der Kunst: Ja oder Nein. Und das Buch von Fräulein Hegemann ist einfach Schrott: www.nzz.ch/.../nicht_gesellschaftsfaehig_1.4790838.html

Ms. Phipps

13. Februar 2010, 20:38

Für den Schrott einer H.H. wäre mir auch ein Penny zu schade.

Ein Leben ist zu kurz, um all die Schätze zu lesen, die die Weltliteratur bietet. Dass auch Erfolgsbücher bis in unsre Tage große Literatur sein kann, zeigt  beispielsweise Thomas Mann. Er ist nach wie vor ein Longseller, und zwar nicht nur in Deutschland. In den USA fällt mir seit Jahren erfreulicherweise auf, dass er auch in der großen Buchhandelskette Barnes & Nobles stets in den Regalen steht - und nachgefragt wird. Mit großem Vergnügen lese ich immer wieder in seinen Tagebüchern.

Dank also, liebe Andrea Diener, für Ihre eindeutige Stellungnahme.

seufzer

14. Februar 2010, 00:43

Zunächst einmal Dank an alle für Ihre inspirierenden Gedanken und all die hilfreichen (Web-)Verweise! Sie haben mir doch glatt das Selber-Erarbeiten erspart!

Vielleicht auch für Sie interessant(?!):

Habe kürzlich die folgende, im Hinblick auf die aktuelle Hegemann-Debatte um so alarmierendere, Information aufgeschnappt, dass schwedischen Schülern künftig/bald erlaubt sein soll, ja das es geradezu zu erwünscht sein wird, in Klausuren das Internet zu nutzen, da es heute nicht mehr wichtig sei, etwas über bestimmte Dinge/Inhalte/Zusammenhänge zu wissen, sondern vielmehr, wo im Netz etwas (Wissenswertes) zu finden sei, wo etwas stehe.

Sogesehen habe ich schon mal versagt, da es mir leider nicht gelungen ist, eine diese Behauptung stützende Quelle zu ergoogeln.

Vielleicht ist ja einer von Ihnen findiger bzw in der Wahl der Suchparameter phantasievoller als ich.

Was die Verlorenheit der Protagonistin Mifti in Helene Hegemanns Roman angeht, so sind ihr im Bekunden dieser Heerscharen Jugendlicher mittels Tragen viel zu weiter Kleidung vorausgeeilt. Mir wollte das nach einigem Nachdenken darüber zumindest einen Hilfeschrei bedeuten, der da lautet:"Seht her! Ich kann die mich umgebende Welt (bei weitem) nicht ausfüllen, verschwinde in ihr, werde von ihr verschluckt!" (Passt vielleicht nicht ganz hierher, findet aber als Metapher vielleicht dennoch Ihren Gefallen: Wenn ja, ja selbst wenn nicht, gebe ich dieses Bild hiermit selbstgefälligst und ausdrücklich zum Abschuss frei ! )

and finally: Was den Hype um Helene Hegemann angeht: Um mich nicht allzusehr über all die oben aufgeführten Versäumnisse und fehlende Einsicht der Auslöser dieses Tumultes ärgern zu müssen, halte ich mir mantraartig, beharrlich jene Erkenntnis aus der Astrophysik vor Augen, die da besagt, das viele Sterne, deren Schein uns erreicht, heute gar nicht (mehr) existieren und -ja!- es Zeit meines Lebens auch niemals taten! Dieses Wissen(?) hat mir bereits hinsichtlich in Deutschland gefundener Superstars stets Trost verschafft.

"Some cause happiness wherever they go; others whenever they go" (Oscar Wilde)

Und weil es hier nicht zuletzt auch um Medien(-macher)-Kompetenz geht, möchte ich noch auf die folgende Sendung im Deutschlandfunk vom 31.01.2010 hinweisen:

www.dradio.de/.../1116519

Andrea Diener

14. Februar 2010, 08:57

Rosinante, Kunst findet nun einmal nicht im ökonomischen Vakuum statt. Kunstkritische Debatten sollten davon unberührt bleiben, das stimmt. Aber hier ist es doch ein etwas anderer Fall, es geht ja auch um einen Schaden und dessen Wiedergutmachung, und diese Wiedergutmachung ist eben eine, die mit Geld beglichen wird. Das ist die juristische Dimension, wie schon oben im Text angesprochen.

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Avantgarde, ich bin gespannt, wie schnell sich Strobo als Taschenbuch wiederfindet. Ich scheine ja eins der letzten SuKulTur-Exemplare bekommen zu haben, jetzt ist es wohl so gut wie vergriffen. Hoffentlich kommt dann auch ordentlich was beim Autor an.

luke

14. Februar 2010, 13:35

Rosinante, klar geht es erstmal um die Auseinandersetzung mit Kunst (-kritik). Dennoch lässt sich m.E. diese ganze Posse wie leider so häufig ohne den Blick auf finanzielle Interessen nicht verstehen. Ich würde sogar in den Raum stellen: ohne massive finanzielle Interessen wäre dieses Buch von H.H. nie erschienen, ach, niemals in der Form geschrieben worden!

Damit verbunden stellt sich dann hinsichtlich der Plagiatsdisukussion die Frage, ob und wie der Autor des Originals dagegen vorgehen kann/soll.

Rosinante

14. Februar 2010, 14:01

Andrea Diener, no doubt, aber wer heute Herrn Weiermanns Persil-Aktion (Keiner wäscht Reiner) in der FAS liest, könnte auch als FAZ-Blogteilnehmer verzweifeln. Gut, Weiermann muss mit Biller solidarisch sein, denn er hat die Publikation der Hegemann-Rezension möglicherweise zu verantworten. Aber gleichzeitig muss er ja die schiefe Ökonomie in Sachen Axolotl in irgendeiner Form mitverantworten. Und im Rahmen dieser Mitverantwortung wird hier über vier- oder niedrige fünfstellige Schadensersatzsummen debattiert, alldieweil das gastgebende Feuilleton eines Weltblatts die Fragwürdigkeit seines Urteils rechtfertigt. Da wirkt Ihr engagierter Eintrag und Blog letztlich als Feigenblatt. Und bitte, dies ja keinesfalls gegen Sie, ihre Person oder Meinung gerichtet, aber finden Sie dies nicht merkwürdig? Darauf müssen Sie selbstredend nicht antworten.

ron

14. Februar 2010, 15:12

luke: das hat doch ein kritiker in der sz (oder war es anderswo?) gesagt: ohne massive finanzielle interessen, die in der form nur durch ein striktes copyright möglich sind, wäre hegemann eine normale bloggerin unter vielen.

c-m

14. Februar 2010, 17:25

Vielen Dank für den sehr guten Artikel! Ich wünschte, er hätte heute in der Printausgabe der FAS gestanden und nicht dieses peinliche Geschwurbel von Weidermann.

jpeg

14. Februar 2010, 17:56

Ja, und in der Welt dann noch Laura Ewert. Die natürlich vorher auch eine Jubelrezension geschrieben hatte. Sagt mal Leute, könnt ihr euch jetzt wenigstens mal einig werden, ob das tolle am "Buch über das Deutschland spricht" (aus dem Verlag, der uns auch Schocker wie "Feuchtgebiete" und "Fucking Berlin" brachte), nun ist, dass es so ur-authentisch jugendlich ist, oder dass es gerade nicht authentisch ist, sondern so listig zitathaft-postmodern? Das ist ja nicht zum Aushalten. Und die selben Blätter haben andererseits alle gerade auch einen Artikel über den "Plagiarius"-Schmähpreis im Angebot: Ja wirklich schlimm, wie da unserer guten Wirtschaft die tollen Ideen geklaut werden. Bin gespannt, welche Volten sie dann bei FAZ oder Welt oder Spon wieder schlagen werden, wenn sie uns demnächst die WIPO-Neuregelungen zu Fragen des geistigen Eigentums nahebringen werden, für die sie vor und hinter den Kulissen gerade lobbyieren. Das ganze Theater wäre langsam eigentlich ein schöner Stoff für eine aus Zitaten montierte Oper, "La Plagiata", live in der "Volksbühne" Internet, Eintritt frei, kostet aber den Verstand..

Filou

14. Februar 2010, 19:39

Es hilft alles nichts. Wir muessen begreifen, dass wir mittlerweile eine Gesellschaft sind, in der nur noch heisse Luft produziert wird. Kulturell langweilig und nur noch mit unnoetigen Aufregern interessant gemacht. Gesellschaftlich katastrophal, weil man sich unangenehmen Wahrheiten nicht stellen moechte. Wirtschaftlich, weil gemeint wurde, es muesse alles dem Primat der grossen Renditen geopfert werden.

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Sieht denn niemand die Zeichen an der Wand?

Andrea Diener

14. Februar 2010, 19:41

Rosinante, c-m, gerade bin ich nach Hause gekommen und hab den Weidermann-Artikel gelesen. Einen sachlichen Fehler gefunden (das Drehbuch hat Hegemann nicht für den Roman "remixt", sondern für eine Kurzgeschichte, die im Magazin Vice abgedruckt wurde) und ziemlich viel Behauptung, nämlich, daß die gesamte Öffentlichkeit haßtriefend auf sie eingeprügeln würde.

Eigentlich wird ja, was ich von der Öffentlichkeit mitbekomme, mehr auf den Verlag und auf das Feuilleton eingeprügelt, das das Buch gar zu sehr in den Himmel gelobt hatte, aber das mag das Feuilleton nun nicht hören und behauptet einfach, man müsse das arme Kind ja schützen. Dabei schützt das Feuilleton, namentlich das der FAS, sich bloß selbst, und instrumentalisiert die Autorin dafür. Ekliger geht es eigentlich nicht mehr.

Avantgarde

14. Februar 2010, 21:10

Also bitte, Frau Hegemann hat doch wirklich kaum jemand was getan. Die wurde für ihr talentfreies Plagiat noch bei Harald Schmidt gehätschelt, wo man den Autor, von dem sie abschrieb, verhöhnte.

Da hat jede medienunerfahrene Göre bei Dieter Bohlen zehnmal mehr Infamie auszuhalten, und das im TV.

Und Papa Hegemann? Lässt sein Töchterlein nun schon eine Woche lang ins Messer laufen. Wohlstandsverwahrlosung in der Tat.

Zehnmal mehr blamiert als eine 17jährige Göre, deren Jugendsünde man sicher schnell vergessen hätte, haben sich Feuilleton, Verlag, Jury der Buchmesse (geht's noch?) und noch so einige, die jetzt alle ihren A*** durch Vorwärtsverteidigung retten. Derweil wird täglich Kasse gemacht.

Ich hätte gerne für Airens Verlag die Verhandlungen mit Ullstein geführt. Das wäre blutig geworden.

Ich hatte in sehr jungen Jahren mal mit dem Plagiat eines bekannten Autors zu tun, der bei einem hochrenommierten Verlag mit Verlegerpersönlichkeit für Aufregung sorgte. Das wurde zwar gottlob vor der Veröffentlichung entdeckt. Aber es wurde sehr sehr hässlich.

Aber das war halt noch nicht in den Nullerjahren.

c-m

14. Februar 2010, 21:56

Andrea Diener, genau das meinte ich mit "dieses peinliche Geschwurbel". Und noch peinlicher finde ich den Artikel, wenn ich berücksichtige, dass er Jurymitglied der Leipziger Buchmesse ist. (Das las ich erst vorhin.)

Mal unabhängig davon, ich habe gestern eine Stunde verschwendet und habe in diesen "Roman" geschaut ... und ich habe mich geärgert, dass ich es getan habe. Denn nach Billers Lobhudelei war mir eigentlich klar, dass das keine Lektüre für mich ist.

Das ist pubertäres Gejaule und hätte besser in den privaten Tagebüchern einer 17-jährigen bleiben sollen.

Rosinante

14. Februar 2010, 22:24

Liebe Frau Diener, Ihre Klarheit imponiert mir, vielen Dank. Jetzt füge ich das "d" bei Weidermann auch wieder ein.

Andrea Diener

14. Februar 2010, 23:15

c-m, ja, das ist auch so ein Knaller. Eigentlich hätte Weidermann irgendwo erwähnen müssen, daß er der Buchpreisjury angehört. Das wäre im Sinne der Transparenz nett gewesen. (Der Seitenhieb gegen Don Alphonso war natürlich auch nicht freundlich, aber naja.)

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Schmidt war einfach nur unlustig.

ron

15. Februar 2010, 17:15

wollte ullstein nicht eine liste aller "zitate" veröffentlichen? sollte das nicht bis freitag geschehen sein? kann nicht mal jemand öffentlich darüber schimpfen?

klar, es wird in der neuen auflage stehen (dann schon die 4., die ersten 3 wurden ohne quellenangaben gedruckt). aber wie könnte z.b. jemand das erfahren, der das buch bereits gekauft hat? nur um zu wissen, wo die hegemann abgeschrieben hat, sollte niemand das buch erneut kaufen müssen.

Ariadne

15. Februar 2010, 18:08

Ich habe mir nun doch die Zeit genommen, in der Buchhandlung ausführlicher in Hegemanns Werk zu blättern, kaufen wollte ich es danach nicht mehr. Wie schon einige Vorkommentatoren hier schrieben: Es wirkt nachgemacht. Ich bin zwar keine 17 mehr, abet noch nicht so alt, als dass ich micht nicht mehr erinnern könnte, wie ich als 17jährige gesprochen oder gedacht habe. Und ich kenne auch keinen 17jährigen, der zu solchen Wortergüssen fähig oder willens wäre.

Auf mich wirkt das ganze Ding wie in Buchform gegossenes Regietheater, laut und vermeintlich provokativ daherkommend und dabei eigentlich nur noch langweilig, verklemmt und seit Jahrzehnten überholt. Heute regt sich auch niemand mehr auf, wenn auf der Bühne jemand nackt auftritt und /oder sich mit Blut, Fäkalien oder toten Tieren austobt. Entweder hofft man doch nur noch, dass sich nicht gerade der mit der unvorteilhaftesten Figur auszieht oder man hat Mitleid mit den Sängern oder Schauspielern, die für ein zeitlich befristetes (und oft schlecht bezahltes) Engagement den ganzen Unfug mitmachen müssen.    

Aber nach den fortgesetzen Lobhuddeleien des Literaturbetriebs zu urteilen, bin ich vermutlich einfach nicht in der Lage, die Größe des Werks zu erkennen. Pech. Und um ganz ehrlich zu sein, wenn es um Sex, Drogen und Erwachsenwerden geht, dann ist mein absoluter Klassiker "Clerks". Das wurde allerdings auch nie von Biller besprochen...

Filou

15. Februar 2010, 18:47

Ariadne: "...in Buchform gegossenes Regietheater..."

Nach diesem Satz habe ich gesucht- und bei Ihnen gefunden. Ha!

Ariadne

15. Februar 2010, 19:21

@ Filou. Und wie wir von Hr. Weidermann & Co. gelernt haben, dürfen wir dass, was wir im Netz finden, behalten. Ganz für uns allein. Also viel Spaß mit dem Satz.

Literarisches Wunderkind

15. Februar 2010, 19:26

Wahl zur Sportlerin des Jahres

Einen passenden Vergleich zu den Vorgängen der Causa Hegemann fand ich in der Aussage einer Kommentatorin eines Blogs. Die "Herausgeberin" Hegemann ("Autorin" mag man gar nicht mehr sagen) für den Preis der Leipziger Buchmesse zu nominieren sei, als schlüge man eine überführte "Doping-Sünderin für die Wahl der Sportlerin des Jahres" vor.

Hegemanns Fall erinnert mich an den 100-Meter-Sprinter Ben Johnson, der zweifellos der schnellste Mann seiner Zeit war. Diese Leistung - wie Hegemanns literarische - hat ihm aber zu Recht nichts genützt.

Der allgemeine Konsens - hier wie da - war und ist, daß diese nicht anerkannt wurde und wird.

Mir ist nicht bekannt, daß Sportreporter auf die Anerkennung der Leistung seines "Jahrhundertlaufes" (100m in 9,79 Sekunden) beharrten. Sportreporter im Gegensatz zu Feuilletonisten scheinen in diesem Zusammenhang die integeren Journalisten zu sein.

Daß der Autor des Artikels "Es werde jetzt Zeit für einen Neuanfang" Volker Weidermann Mitglied der Jury des Preises der

Leipziger Buchmesse ist, die Helene Hegemann für selbigen nominierte

(worauf er hier leider nicht hinweist), hinterläßt mehr als nur ein Geschmäckle. Er sollte sich dafür schämen. Wenn er sich "vielleicht auch morgen noch

im Spiegel ansehen" will.

Ben Johnson wurde übrigens nach einem weiteren Vorfall lebenslang gesperrt. Soviel zu "Neuanfang".

PS

Der Artikel zum Vorfall Hegemann von Andrea Diener dagegen war ausgezeichnet.

Leider versteckt unter "F.A.Z.-Blogs". Der hätte auf die erste Seite von FAZ.Net gehört.

Leser

15. Februar 2010, 22:19

Schade, Frau Diener, ich hätte sogar Lotto gespielt, um die Sache zu beschleunigen. Aber es gibt ja auch eine günstigere Lösung: Was die Mehrheit der Feuilletonschreiber als bahnbrechend, frisch, sprachmächtig und/oder klug lobt, werde ich mir künftig ersparen.

Das mit der Torte trifft sich hingegen gut. Geht mehrstöckig? Ich würde den Menschen nämlich gern heiraten. (Danke für den link!)

Leser

15. Februar 2010, 22:45

Ariadne, "Und ich kenne auch keinen 17jährigen, der zu solchen Wortergüssen fähig oder willens wäre."

Wirklich? Ich kann mich noch gut an meine Jugend erinnern und fürchte, wir schwallten damals ganz ähnlich vor uns hin, nur etwas gepflegter. Selbstverständlich fühlten wir uns dabei fürchterlich intellektuell. Ihr "nachgemacht" wäre auch in diesem Fall ein Volltreffer gewesen, wir plapperten in aufgeschnapptem Jargon, wie man das halt in einem bestimmten Alter tut (etwa zwischen dreizehn und sechzehn; ein, zwei Jahre später war's den meisten von uns peinlich, und heute amüsieren wir uns darüber; allerdings gab's in unserem Umfeld auch nicht sehr viele relevante Erwachsene, die sich von unseren Höhenflügen hätten beeindrucken lassen).

Andrea Diener

15. Februar 2010, 22:50

Leser, wenn Sie Glück haben, handelt es sich um Ina Hartwig und nicht um Uwe Wittstock. Aber seien Sie vorsichtig, Backwaren an die Rundschau-Redaktion zu schicken. Das letzte Mal, als das jemand versucht hat, hat das einen bundesweiten Datenskandal ausgelöst.

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Tja, Wunderkind, ich bin eben ein Internet-Bewohner, Herr Weidermann dagegen zertifizierter Literaturredakteur. Dennoch danke für die Blumen.

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Ariadne, gut zusammengefaßt. Regietheater. Genau.

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ron, ja, wir warten. Vielleicht wartet Ullstein ja auch, nämlich darauf, daß sich der Staub ein wenig legt. Wenn die Liste kommt, wird sie bestimmt noch einmal für Wirbel sorgen, da bin ich sicher.

Avantgarde

15. Februar 2010, 23:02

Na dann warten wir mal gespannt auf das neue Titelfoto im STERN:

"Wir haben abgeschrieben"

Leser

15. Februar 2010, 23:05

Frau Diener, das war jetzt nicht nett: Kakao kriegt man immer so schwer aus der Tastatur raus. Aber wer solche Artikel schreibt, der sei alles verziehen. Die <a href="www.deliaonline.com/.../sd031-ricotta-cherry-cheesc-18588.jpg target="_blank">Torte</a> gebührt ohnehin Ihnen.

Leser

15. Februar 2010, 23:07

Die Liste dürfte vor allem lang werden. Von den englischsprachigen Werken war ja noch gar nicht die Rede.

Filou

15. Februar 2010, 23:09

@Leser: Ich wollte es nicht zugeben, aber in meinen Buecherkartons (unausgepackt) befindet sich ein rororo-Band "Primanerlyrik". Eine Anthologie aus 1964/ 66. Darum sehe ich das ganze Theater auch ziemlich gelassen.

Barocke Hörerin

15. Februar 2010, 23:16

Tja, Frau Dieners klare Position ist eben nicht gut fürs (Buch)Geschäft und wer weiß, ob Ullstein nicht demnächst mal wieder in der FAZ inserieren wird. Genau dieser Verdacht von Käuflichkeit und unguter Interessenverflechtung aller Beteiligten haben mich dazu gebracht, die ehemaligen Qualitätszeitungen inzwischen weitgehend zu meiden (bis auf den ein oder anderen Blog natürlich). Genau diese Zeitungen beklagen sich ja andererseits ständig darüber, dass ihnen das Internet das Wasser abgräbt. Selbst schuld, kann ich da nur sagen. Um mal ein Beispiel aus dem Bereich der klassischen Musik zu nehmen: Wenn ich mir eine neue CD kaufen will (und ich will mir oft eine neue CD kaufen), kann ich z.B. nachschauen, ob und wie sie im einschlägigen FonoFourm rezensiert wurde. Nun ist es aber so, dass dieses FonoForum von Werbeanzeigen genau der Plattenfirmen lebt, deren Aufnahmen sie bespricht. Da frage ich doch lieber gleich in "meinem" Internetforum bei anderen Interessierten nach. Deren (formale) Qualifikation zur Beurteilung einer Interpretation mag häufig geringer sein (manchmal nicht einmal das), diese Leute sind aber nicht von irgend einem Label abhängig - das macht mir ihre Meinung um so wertvoller. Auch sind sie bereit, im Netz mit anderen zu diskutieren und selber dazuzulernen. SO sieht eine Öffentlichkeit aus, die ich mich interessiert.

Filou

16. Februar 2010, 00:03

Barocke Hörerin, mir geht es genauso. Meine Rettung besteht in Geduld, denn irgendwann kann ich eine Hoerprobe, in meinem Fall Sehprobe (barocke Opern), bei YouTube machen. Das hilft nicht endgueltig, aber es hilft. Seit meinen Fehlkaeufen (nicht musikalisch, wohl inszenatorisch) verschiedener Glyndbourne-Irritationen, mache ich es so.

Rosinante

16. Februar 2010, 06:12

Barocke Hörerin, Filou, Einspruch. Wenn Sie anfangen, generalisierend über das Verhältnis von Redaktion und Inserateaquisition zu urteilen, unterminieren Sie die Möglichkeiten und auch die Zukunft des Feuilletons, Und bitte, ich spreche von einem Feuilleton, welches diesen Namen verdient. Kein Printmedium und -da gibt's ja keine verlässlichen Zahlen- wohl auch kein Online-Medium hat oder wird je von den Lesern (beiderlei Geschlechts!) oder Nutzern finanziert. Bei der Qualitätspresse ist das Einnahmeverhältnis von Abonnements und Direktverkauf (Kiosk etc) zu den Einahmen aus Insertion etwa 30 zu 70. Die Kunst einer redaktionellen Politik, also auch einer Literaturredaktion, besteht also darin, vom eigenen Qualitätsstandard nicht abweichen zu wollen. Und diesen in ups und downs zu verteidigen. Aber Herr Weidermann, so ich dies bisher richtig verstehe, hat die Weihen von Marcel Reich-Ranicky, und er schreibt ja häufig auch gut. Aber in der aktuellen Causa lässt er sich von Herrn Biller, der einfach nicht aus seinem Berliner Gefängnis rauskommt, einseifen. Und, no doubt, mit der Buch von Hegemann wird's ganz kritisch. Hier wäre der für das FAZ-Feuilleton zuständige Herausgeber gefragt. Aber dessen Rechtsempfinden in Sachen Internet wirkt auf den Leser immer verstörter. Und die Printmedien, die auch in der Schweiz nur jammern, dürfen sich nicht darüber beklagen, dass ihr permanentes "sowohl als auch" keine Käuferschaft mehr findet. Im Internet ist die Indifferenz gratis.

Barocke Hörerin

16. Februar 2010, 10:03

@Rosinante: Mir ist bewusst, dass die ehemalige Qualitätspresse ein Problem mit der Finanzierung hat, aber es ist doch nicht MEINE Aufgabe, neue Ideen zur Lösung dieses Problems zu entwickeln. Der inzwischen eingetretene Vertrauensverlust dürfte jedenfalls sehr schwer zu reparieren sein. Und es gibt - als werbefreie Konkurrenz - schließlich auch noch das Radio, Deutschlandfunk, DeutschlandRadio Kultur, WDR und viele mehr, die ich mit meinen Rundfunkgebühren finanziere. Auch dort mag es ab und an Interessenkonflikte geben, aber eben nicht in dem Ausmaß.

Birkenwald

16. Februar 2010, 13:02

am 16.januar erschien in der sz am wochenende ein artikel von helene hegemann: der chanel-fake. sie regte sich darin sehr unterhaltsam über mädchen auf, die sich an ihren louis-vuitton- und gucci-handtaschen - mal echt, mal gefakt - auf öden partys festkrallen und nix zu erzählen hätten. ich hatte mich damals schon gewundert, dass eine 17jährige sowas altbackenes überhaupt noch schreibt. ich dachte, das ist doch egentlich ein thema für frauen aus der generation von rebecca casati bspw. ich hatte den eindruck, dieser text wurde von der redaktion in auftrag gegeben und ist kein originärer text einer heute 17jährigen. eher einer 17jährige, die so tut, als wäre sie eine 40jährige redakteurin der stil-seite der sz.

in helene hegemanns eigenen worten (aus www.dasmagazin.ch - ein porträt von georg diez über hhegemann):

«Ich bin so dissoziativ, dass ich zu dem werden kann, was andere in mir sehen, da wirst du mir wohl gestatten, einige Fragen zu stellen, bevor ich mich in ein vierzigjähriges Wrack verwandle, nur um dir zu gefallen.»

Andrea Diener

16. Februar 2010, 18:53

Ich glaube auch nicht, daß es vorrangig wirtschaftliche Gründe sind, daß Besprechungen so aussehen wie sie nun einmal aussehen. Es gibt eher eine Tendenz, das Abgefuckte zu romantisieren, eine Sehnsucht nach echtem Leben. Das ist auch etwas, was ich immer bei den Klagenfurt-Urteilen bemängele, da wird auch gern mal die Welthaltigkeit gelobt (bzw. das, was man dafür hält) und gar nicht mehr so genau darauf geachtet, wie das denn jetzt gemacht ist und ob das sprachlich gelungen ist. Manchmal reicht es schon, gewisse Schlüsselreize zu triggern, und der Kritiker euphorisiert ungebremst vor sich hin.

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Satirisch überspitzt hier: www.magda.de/.../axolotl-roadmap

Ariadne

16. Februar 2010, 19:56

@ A.D. Vielen Dank für den Link, ich konnte schon nach der zweiten Kritik vor Lachen nicht mehr weiterlesen. Besonders schön finde ich Nr. 3 - die verkrüppelten Grottenolme.

Literarisches Wunderkind

16. Februar 2010, 22:49

Beschützer-Nießbrauch-Soap

Ich kaufe dem minderjährigen Mädchen mit nachgesagtem Lolita-Charme nicht eine Sekunde ab, daß sie Opfer eines überfordernden Literaturbetriebes wurde. Mein Eindruck ist, daß sie sehr ausgebufft ist und sehr wohl weiß, wie sie ihre Ziele erreicht. Das Wort "Karriere" kommt in ihrem alten Blog recht häufig vor und erlangt bei ihr den Status eines besitzergreifenden Fürwortes. Im Umgang mit Menschen kokettiert sie offen mit dieser Methodik:

"Mein Leben lang habe ich von mir vergötterte Menschen betrogen, indem ich durch autoaggressiv zugefügtes Leid ihren Beschützerinstinkt geweckt und mir somit subjektiv betrachtet bedingungslose Zuneigung systematisch erarbeitet habe...

Obwohl sich eine derartige Methode der Eroberung aufgrund meiner im Nachhinein zu grob verstrickten Lügen meist als zerstörerisch herausstellt inmitten des obligatorischen Endeffekts und sich der Betrug an der herbei gelockten Person infolgedessen zu einem auf mich gerichteten Hass entwickelt, sind die Möglichkeiten der Beeinflussung durch eigenständig fabrizierte

Hilflosigkeit durchaus vorhanden." (lovelyskizze.myblog.de/.../3)

Ich weise hier gerne auf ihren Auftritt bei "Harald Schmidt" hin, bei dem sie von vorneherein diese Methodik in der Manipulation von Menschen offenlegte, indem sie mit allem, was sie ausdrückte (Sprache, Gestik, Dauernd-in-die-Haare-greifen) Beschützerinstinkte hervorrufen zu hoffte. Mit Erfolg. Bei Herrn Schmidt. Ich glaube nicht - minderjährig oder nicht -, daß man (wie öfters im Feuilleton angemahnt) einen so berechnenden Menschen vor irgendetwas schützen muß.

PS

Natürlich ist es unfair, heute einer damals 14jährigen ihre gut drei Jahre alten Aussagen unter die Nase zu reiben. Ich will nur einen Anstoß geben und fände es gut, von der Johanna-von-Orleans-isierung in Teilen der Presse zur Felix-Krull-isierung überzugehen.

Darüberhinaus finde ich es aber auffällig, daß in Feuilleton-Kommentaren

hin und wieder auch anders auf Thomas Mann hingewiesen wird, der doch auch abgeschrieben habe.

Mich würde es nicht wundern, daß eine so im Internet bewanderte Person ("Du-weißt-schon-wer..."/Harry Potter) unter Pseudonym gerne so ihre Meinung kundtut. Was natürlich nicht verwerflich ist. Tue ich es doch auch.

Ich gebe zu. Von dem "Wunderkind" habe ich kaum Notiz genommen, als es auf die Zeitungs-Welt kam. Neugierig wurde ich erst, als unter Plagiats-Wehen eine Mißgeburt daraus wurde. Ich kann mich meiner Sensationsgeilheit einer frischgebackenen Feuilletons-Mutter gegenüber einfach nicht erwehren. Nun gut.

Jetzt muß sich die Mutter mit dem Kind abfinden, es lieben und bis zur Volljährigkeit an ihrem Busen nähren. Bin gespannt darauf, wie es das Krabbeln erlernt. Auf den ersten Zahn und mögliche Kindergarten-Erfolge wurde ja auch schon die herrlich angenehme Andrea Diener aufmerksam in diesem köstlichen "Wegweiser der kommenden 7 Jahre". Diese Kinder. Ich bin erschrocken. Danach wende ich mich wieder "DSDS" und "Unser Star

für Oslo" zu. Übrigens eine ideale Karriere-Zweitverwertung.

Als Soap-Zuschauer trägt man schließlich Verantwortung.

Rosinante

18. Februar 2010, 11:59

liebe Frau Diener, Sie und ein wenig die Teilnehmer geben sich hier alle Mühe, und das halbe "Zeit"-Feuilleton ist heute mit Hegemann-Absolution bedeckt. Vielleicht ein Trost, dass de Cervantes (1607 erschien die Erstausgabe mit mir) zwar politisch nicht so helle war wie knapp zuvor Montaigne, aber er war kriegserfahren.

marc houma

06. April 2010, 19:06

http://www.marc-houma.de

Es gehoert zur Tradition, den Sexuell weniger attracktiven, geistigen Reichtum zu bescheinigen.

"Man muss die Wahrheit immer und immer wieder sagen, weil auch die Lüge ständig wiederholt wird – von Zeitungen, in den Schulen und den Universitäten.” (J. W. Goethe)

Sie haben gejubelt,

Sie haben daran festgehalten

Sie haben richtig gestellt

Wie weit das geistige Vermoegen der "Sie" reicht, ist leicht zu erkennen am Umgang mit der Leipziger Erklaerung. Diese, erwaehnt Hegemann nicht. Aus trivialen rethorischen Gruenden waere es leicht gewesen, die Erklaerung zu nehmen wie sie ist, und sei sie noch so naheliegend zum Fall Hegemann.

Aber weil "Sie" ploetzlich den Genius in sich selbst waehnen, waren "Sie" nicht zu bremsen, die Welt am Genius teilhaben zu lassen, deutlich zu machen, dass man natuerlich durchschaut hat, was man dort im SChilde fuerht

www.marc-houma.de

marc houma

22. April 2010, 01:12

http://www.marc-houma.de

Das Bildungsbürgertum

„Helene und Lena sind weniger die Stimmen ihrer Generation als vielmehr die erwünschten Stimmen ihrer Eltern/Großelterngeneration.“

“Helene Hegemann…Lena Meyer-Landrut… sind die Gesichter einer neuen Generation starker Frauen – und die Hoffnung des Bildungsbürgertums… Ullstein und der Eurovision Song Contest sind das Gegenteil von RTL und seiner Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“,die in bildungsbürgerlichen Kreisen eher naserümpfend als „Gesindelkultur“ wahrgenommen wird.”

Gott sei Dank,möchte man sagen,es gibt noch ein Deutschland,neben DSDS und ähnlichem. Doch vergleicht man DSDS mit der Entwicklung von H.Hegemann... schwer zu sagen was alberner ist. „Sie sind die neue Generation der erwünschten Schwiegertöchter“,sagt Gröbel. Es ist sehr wahscheinlich, dass der Artikel recht hat, vor allem bez. des "Fanblocks",wenn man unter Bildungsbürgertum jene zusammenfasst,die nicht wirklich gebildet sind, sondern durch ausreichendes stupides Gebimse,ausreichendem Kapitalfluss, sich dieses Etikett verschaffen konnten.  Dieser Gruppe ist zuzutrauen, Hegemann das Prädikat "rebellisch intellektüll" zu verleihen.

Das Dielema H. Hegemann wird Medien und Literaturbetrieb noch lange Zeit beschäftigen.Weniger ob sie nun,hat sie nun,und wieviel überhaupt,eher bez. hat da wieder jemand abgeschr.Den nächsten Jungautor mit Zitaten wird es geben, und man muss leider annehmen,mit Rückblick auf Pro und Contra,dass man zwischen zitieren und zietieren nicht unterscheiden wird. www.marc-houma.de

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10. Februar 2010, 12:03

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10. Februar 2010, 19:01

Oliver Gassner

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