Das Klinsmann-Paradox
11. April 2009, 08:56
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Ist es eigentlich besser, hoch oder knapp zu gewinnen. Die Antwort scheint auf der Hand zu liegen: immer besser hoch. Um zu zeigen, dass das täuscht, stellen wir noch eine triviale Frage: Wer entläßt eigentlich einen Trainer? Die normale Antwort hierauf lautet: der Vorstand. So stellt man sich das eben vor: Die Führung entscheidet, die Chefs haben das Sagen. Was aber, wenn die Führungsleute eigentlich die Geführten wären? Der FC Bayern macht in den vergangenen Wochen diesen Eindruck. Seine Spitze steht unter dem starken und fast ohnmächtigen Eindruck dessen, was die Spieler machen. Vorbei die Zeiten, in denen man die Vorstandssouveränität durch die Entlassung erfolgreicher Trainer beweisen konnte. Mitunter schien es, als könne die Mannschaft sehr gut und krottenschlecht spielen wie es ihr beliebt. Denn die Niederlagen, wie zuletzt auch die gegen Barcelona, fielen oft so unnötig drastisch aus, es wurde so mutwillig schlecht gespielt, dass man an den "schlechten Tag" nicht glauben konnte. Und dann kamen nach den Niederlagen oder kurz vorher wieder so klare Siege, dass man meinte, jemandem zuzusehen, der den Lichtschalter ständig und nahezu übergangslos an- und ausdreht. Eintracht Frankfurt wäre heute ein guter Gegner für die Fortsetzung dieses Spiels. Ganz gleich nämlich, ob die Bayern verlieren oder klar gewinnen - beides wäre ein Zeichen dafür, dass die Mannschaft darüber entscheiden kann, ob der Trainer entlassen wird. So gesehen wäre für Klinsmann ein knapper Sieg viel besser als ein hoher. Denn für den Vorstand sieht das Klinsmann-Paradox so aus: Niederlage - wir müssen ihn entlassen, sind also nicht souverän; hoher Sieg - wir können ihn nicht entlassen, werden aber vermutlich von der Mannschaft vorgeführt, also müssen wir ihn, um Souveränität zu zeigen, trotzdem entlassen; knapper Sieg - wir wissen unter Mitnahmen dreier Punkte nicht, woran wir sind, also machen wir erst einmal weiter.
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