Lieber Panama als Kanada - Soll man Frauenfußball-WM gucken?
24. Juni 2011, 13:51
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Guildo Horn - ja, den gibt es wohl tatsächlich noch! - hat in einer sogenannten Prominentenumfrage der Nachrichtenagentur dpa erklärt: „Ich bin ein Frauenfußball." Es fällt schwer, einen Sinn darin zu erkennen, man möchte schon den Redakteur anrufen und fragen, ob da womöglich ein Schreibfehler vorliegt - und es ist noch schwerer, einen Witz darin zu erkennen.
Es sei denn, man nähme diese Selbstdefinition des „Piep, piep, piep"-Mannes als schlagendes Argument, warum man sich die Spiele der WM lieber nicht anschaut. So wenig, wie man den pinkfarbenen Barbie-Kickertisch im Berliner KaDeWe aufsucht, so wenig, wie man von den Marketingstrategien beeindruckt ist, mit denen alle möglichen Firmen versuchen, an dem Event zu verdienen; so wenig, wie man all den beflissenen Politikern vom Bundespräsidenten bis zum Innenminister glaubt, die sich ein neues „Sommermärchen" versprechen, weil man sie gefragt hat, ob sie sich von der WM ein „neues Sommermärchen" versprechen.
Gegen die Flügelzange aus hoher kommerzieller Erwartung und zaghafter nationaler Kampagne steht noch immer die prosaische Auskunft, dass jeder zweite Deutsche (laut einer Umfrage von dpa) keine einzige Fußball-Nationalspielerin kennt. Sie belegt, dass all die Werbemühen samt publizistischem Flankenschutz so gut wie gar nichts gebracht haben und wohl auch nicht mehr allzu viel bringen werden, wenn nicht mal die „Sex sells"-Formel, der sich die meisten Verkäufer willfährig unterworfen haben, eingeschlagen hat. Es sind die händeringenden Versuche, ein Event an den Kunden zu bringen, und gelegentlich hört man dann von Leuten, in deren Firmen Karten für die Spiele gelandet sind, dass die kaum einer haben will, obwohl es sie umsonst gibt.
Es wird auch diesmal nicht gelingen, Frauenfußball mittelfristig populärer zu machen. Das verhält sich ähnlich wie bei den kurzen Blüten von Biathlon oder Skispringen, wo mit den Quoten auch das öffentliche Interesse schwand. Auch der Vorschlag der Schauspielerin Katja Flint, von dpa ebenfalls zur Ader gelassen, es auch im Fußball mit etwas Ähnlichem wie einem „gemischten Doppel" zu versuchen, hat kaum eine Zukunft. Was man schon daran sehen konnte, dass die Spiele der Frauen-Nationalelf gegen eine männliche A-Jugend-Mannschaft unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden - und dann auch nicht so wahnsinnig erfolgreich verliefen.
Warum soll ich mir Spiele ansehen, die nicht so athletisch, nicht so taktisch ausgefeilt, nicht so spielerisch ansprechend sind wie im Männerfußball, obwohl es sich ja immerhin um eine WM handelt? Ist ja gut und richtig, dass Mädchen und Frauen Fußball spielen, tun sie ja längst in fast allen Fußballvereinen. Aber man muss das nicht um jeden Preis ins Prime-Time-Fernsehen bringen. Ist ja richtig, aber nicht wichtig, pflegte der Wirtschaftswissenschaftler Edgar Salin gerne manche Antworten in seinen Seminaren zu kommentieren.
Ich freue mich stattdessen, dass Sport1 diverse Spiele der Copa America übertragen wird, die Anfang Juli beginnt, und dass Eurosport bei der U17-WM in Mexiko dabei ist. Und ich erwarte nicht, dass öffentlich-rechtliche Sender diese Spiele zeigen. Ein Spartenkanal ist jedoch genau dazu da, und als ich gestern der deutschen U17 beim souveränen 3:0 gegen Burkina Faso zusah, war das erheblich unterhaltsamer und spannender als Frauenfußball. Ich schaute mir die milchbärtigen Gesichter bei der Hymne an und fragte mich, ob es einer dieser Jungs vom Jahrgang 1994 bis 2014 in Brasilien packen wird und wer von ihnen dann 2016 bei der Euro in Frankreich dabei sein wird. Und hoffe natürlich, dass der einzige Spieler im Kader, der bei einem Drittligaclub spielt, dass Nico Perrey von Arminia Bielefeld, der gestern eine fehlerlose Partie als Innenverteidiger bot, dabei sein wird. Wenn's geht, vielleicht ohne Justin-Bieber-Frisur.
Natürlich ist ein U17-Match nicht immer so flüssig, die Fehlerquote im Passspiel ist eher hoch, aber wenn man das Bild der Führungskamera hat, ohne Nahaufnahmen der Gesichter oder die Halbnahe, könnte es sich gut auch um eine gehobene Bundesliga-Partie handeln. Dieser Eindruck stellt sich beim Betrachten eines Frauenfußballspiels nie ein. Man sieht, wie gut zum Teil die Raumaufteilung der 17-Jährigen ist, wie vergleichsweise strukturiert und diszipliniert sie ein 4-2-3-1 spielen, und ist für die fußballlose Zeit getröstet. Deshalb muss ich am Sonntag den Fernseher auch erst um 22 Uhr anschalten, wenn Deutschland gegen Panama spielt.
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