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Sido kämpft um seinen schlechten Ruf
05. Dezember 2008, 12:28
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Mit großer Wahrscheinlichkeit waren sie bei Pro Sieben am Anfang ziemlich enttäuscht. Da kauft man schon mal so einen Top-Rapper von der Straße ein, bei dem, bevor er ein neues Album herausbringt, jedes Mal die gesamte Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien Urlaubsverbot bekommt – und dann stellt er sich als Jurymitglied in der Castingshow "Popstars" als handzahmer Mädchenförderer heraus.
Statt krasser Skandale gab's höfliche Komplimente für die Kandidatinnen, und während Tanz-Coach Detlef "D!" Soost alles unternahm, um in gewohnter Intensität Teenager fertig zu machen, die nicht die ganze Nacht seine "Moves" geübt hatten, saß Sido da und blieb: fair.
Weil man sich in der Musikindizierungsbranche aber auf Dauer den Ruf ruiniert, wenn man zu brav ist, hat sich Sido jetzt kurz vor dem Weihnachtfest doch noch mal gehen lassen. Aber nicht so wie sich die "Popstars"-Macher das vorgestellt haben. Im Interview mit dem SWR-Jugendradio Das Ding plauderte er am Donnerstagabend, während auf Pro Sieben die nächste "Popstars"-Folge lief, mal darüber, wie es in der Show wirklich zugeht:
"Wenn die Mädels da weinen oder so, dann ist das nicht gestellt. Aber es ist trotzdem falsch. Die Mädchen sind nicht echt, außer Gabriella. Sobald die Kamera angeht, sind die anders, und die wissen genau, wie die sich dann verhalten müssen: Ich bin hier bei 'Popstars' und das muss so und so laufen, wie auch immer. Du musst denen nicht mal sagen: Mach das so. Die wissen: Heute muss ich weinen, die brauchen 'n paar Tränen hier in der Sendung, ich wein mal. (...) Also, ich meine, wie abgebrüht und wie eklig das doch auch sein kann. Und natürlich achten die Produzenten darauf, dass es vorzugsweise so 'ne Mädchen sind, mit denen man sowas auch machen kann."
Beim SWR war man ganz aus dem Häuschen über soviel Exklusivität und dramatisierte per Pressemitteilung, Sido habe "scharfe Kritik" an der Sendung geübt. Scharf? Das war wohl eher niedlich – vor allem, weil es von einem Rapper kam, der zu Beginn seiner Karriere permanent eine silberne Totenkopfmaske trug, mit der Gewinnerin der "Popstars"-Staffel 2004 liiert ist und sehr genau weiß, wie er sich fernsehgerecht verhalten muss, sobald irgendwo eine Kamera angeht. Meistens jedenfalls.

Screenshot: Pro Sieben
Der Sender hat trotzdem versucht zu widersprechen. Obwohl die Formulierung "Bei 'Popstars' sind die Mädchen genauso authentisch wie Sido" sich genauso gut als Bestätigung der Kritik lesen lässt. Wenn es bei der nächsten Staffel nix mehr wird mit der Jurymitgliedschaft, kann Sido auf jeden Fall eine Zweitkarriere als Fernsehkritiker einschlagen. Auf die Frage, ob er seriös geworden sei, weil er neulich in "Menschen bei Maischberger" zu Gast war, um von seiner Kindheit zu erzählen, sagte er bei Das Ding:
"Da war ich einfach nur, weil ich so 'ne Statistik kenne, dass, nachdem man bei 'Maischberger' war, man 30 Prozent mehr Platten verkauft als die Woche davor. Mir geht's einfach um die Promo, in der Sendung zu sein. (...) Da sitzt man doch gerne mal in der Sendung, quatscht'n bisschen Scheiße, vielleicht kauft der ein oder andere deine Platte, fertig."
Wie gesagt: niedlich.