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Vor Gericht ist Pro Sieben am witzigsten
11. Dezember 2008, 17:47
Uhr
In Berlin geht's für Pro Sieben gerade um eine wichtige Entscheidung: Darf der Sender die "TV total Wok-WM" weiter zeigen, obwohl sie mit Sponsorenwerbung zugepflastert ist und möglicherweise gegen das Schleichwerbeverbot verstößt? Der Sender findet: na klar. Und hat sich für das Verwaltungsgericht ein paar kuriose Begründungen einfallen lassen.
"Wok WM", Sie erinnern sich sicher, das ist die Veranstaltung, bei der in diesem Jahr das Team "Frosta Gold-Wok" knapp vor dem "Seat Weltmeister-Wok" ins Ziel rutschte. Anders als im Vorjahr, als der "Seat Sport-Wok" die Konkurrenten vom "mister*lady Fanta 4-Wok" noch auf den zweiten Platz verbannte (vielleicht, weil es den "Burger King Feuerkreisel" so fantastisch meisterte und bei der Abfahrt alle Sponsorenschilder stehen ließ). Jedenfalls gibt es während der "Wok-WM" kaum einen Moment, in dem nicht irgendwo irgendein Sponsor im Bild ist. Die Teams sind nach Sponsoren benannt. Und die Kurven der Bobbahn sind es auch.


Screenshots: Pro Sieben
Pro Sieben sagt: Da können wir nix für.
Denn vom Sender werde die Veranstaltung ja gar nicht organisiert, sondern von Stefan Raabs Produktionsfirma Raab TV, die wiederum eine Event-Agentur mit der Realisierung vor Ort beauftragt habe. Zufällig ist diese Event-Agentur eine Tochterfirma einer Tochterfirma der Pro Sieben Sat.1 Media AG und hat den schönen Namen Pro Sieben Event GmbH. (Volker Lilienthal hat das im Fachdienst epd medien schon mal schöner auseinander gedröselt, ebenso der Kollege Niggemeier in seinem Blog.)
Die für die Aufsicht zuständige Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) ist da anderer Meinung und hat die unzulässige Schleichwerbung beanstandet. Pro Sieben klagt dagegen. Am Donnerstagmittag fand in Berlin die mündliche Verhandlung statt, und die hat auf jeden Fall eines bewirkt: allgemeine Verwirrung (wie es aussah: auch beim Gericht). Weil Pro Sieben fest darauf beharrt, dass Pro Sieben (der Sender) keinen Einfluss auf die Geschäfte von Pro Sieben Event (der Agentur) habe.
Noch mehr Erklärungen gefällig? Na, dann suchen Sie sich mal eine aus:
1. Pro Sieben behauptet, die "Wok WM" sei keine Auftragsproduktion des Senders, man kaufe nur die Sendelizenz ein, deshalb gebe es auch keinen Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung (außer bei der möglichen Ablehnung von Gästen).
2. Die "Wok-WM" sei quasi mit Sport- oder Konzertveranstaltungen vergleichbar, und da gebe es ja auch Sponsorenhinweise.
3. Ein Verstoß gegen das Schleichwerbeverbot könne sowieso nicht vorliegen, da die Sponsorenwerbung ja nicht "schleiche", sondern von den Zuschauern klar als solche zu erkennen sei.
4. Und last but not least handele es sich bei der "Wok WM" ja auch um ein "satirisches Event", mit dem große Sportveranstaltungen persifliert würden, weshalb in besonders exzessivem Maße überall Sponsorenhinweise auftauchten: um die Markenpräsenz bei Großveranstaltungen zu überspitzen.
So witzig wie im Gerichtssaal ist Pro Sieben im Programm nur selten.
Eine Entscheidung des Gerichts wird in Kürze erwartet.