Bei ARD und ZDF macht "Bild" das Programm
04. Februar 2009, 15:41
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Achtung, Achtung, wir unterbrechen dieses Blog für eine wichtige Meldung. Frédéric Prinz von Anhalt (der Mann, der Kader Loth vor Jahren in der Pro-Sieben-Show "Die Burg" ins Badewasser pinkelte) hat bekannt gegeben, künftig in Deutschland Rente beziehen zu wollen, weil es bei ihm zuhause in Kalifornien mit den Milliönchen ein bisschen knapp geworden ist, wie das ZDF-Boulevardmagazin "hallo deutschland" am Montag berichtete.

Screenshot: ZDF
Er habe in Deutschland "hart gearbeitet", erklärte der beliebte Adelige im ZDF, "und ich sag mir ganz einfach: In der Zeit, wo ich in Deutschland gearbeitet habe, habe ich hart gearbeitet und es ging mir schlecht. Es war schwierig für mich, die Rentenbeiträge zu bezahlen, also: warum soll ich die jetzt nicht zurück kriegen?" Außerdem äußerte er leichte Kritik an der Mentalität seiner Landsleute:
"Wenn ich seh, wer in Deutschland so alles abgreift, ja, dann bin ich auch dabei. Jeder, der in Deutschland 'ne hohle Hand zeigt, kriegt auch was. Na also, ich bin auch Deutscher, also krieg ich auch was."
Auf so eine Exklusivmeldung verzichtet man als öffentlich-rechtlicher Sender natürlich ungern. Also, äh, nicht mal dann, wenn es gar keine Exklusivmeldung ist.
Denn am Montag zeigte das ARD-Boulevardmagazin "Brisant", wenige Minuten nach den Kollegen vom ZDF, ebenfalls einen Beitrag über die Rentenpläne des Herrn, der mit bürgerlichem Namen Hans-Robert Lichtenberg heißt. In der ARD begründete er seinen Rentenanspruch wie folgt:
"Wenn ich seh, wer in Deutschland so alles abgreift, ja, dann bin ich auch dabei. Jeder, der in Deutschland 'ne hohle Hand zeigt, kriegt auch was. Na also, ich bin auch Deutscher, also krieg ich auch was."

Screenshot: Das Erste
Offensichtlich haben sich ARD und ZDF bei derselben Quelle bedient. Und an dieser Stelle müssen wir kurz mal erklären, wo die Geschichte über Frédéric Prinz von Anhalt überhaupt hergekommen ist. Die Antwortet lautet, wie so oft: von "Bild". Die schrieb in der vergangenen Woche:
"Der durchgeknallte Prinz Frédéric von Anhalt: Geld alle! Jetzt hol ich mir Rente in Deutschland"
Und stellte auf Bild.de ein Video online, in dem Frédéric Prinz von Anhalt vieles von dem sagt, was er wenige Tage später auch bei ARD und ZDF sagte, und sogar noch ein bisschen mehr, das den Fernsehzuschauern glücklicherweise erspart geblieben ist.

Screenshot: Bild.de
Der Grund dafür ist einfach: Die Videoaufnahmen stammen von Bild TV, das die Bilder an interessierte Medien weiterverkauft, und im Zusammenspiel mit dem Mutterblatt ein prima Geschäftsmodell aufgetan hat. Erst sorgt "Bild" durch eine Veröffentlichung dafür, dass ein Thema vermeintliche Relevanz für andere Boulevardmedien erhält, und dann lizenzieren die Kollegen die passenden Bilder dazu. (Bei überregionalen Ausstrahlungen sind 1000 Euro pro angefangene Sendeminute üblich, für die Sender ist das im Vergleich zu Eigendrehs ein Schnäppchen.)
In den 90er Jahren gab es beim Verlag Axel Springer mal die Überlegung, gemeinsam mit Sat.1 "Bild TV" zu machen (woraus bekanntlich nichts wurde). Aber wenn ARD und ZDF gleich doppelt Gebührengelder ausgeben, um Geschichten nachzuerzählen, die es nur gibt, weil es "Bild" so will, kann man sich den Aufwand natürlich auch sparen.