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Sonntag, 12. Februar 2012
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Das Fernsehblog

Schleichwerbeverdacht: Die ARD mistelt sich so durch

26. Februar 2009, 18:15 Uhr

Wahrscheinlich ist die ARD-Telenovela "Sturm der Liebe" bisher maßlos unterschätzt worden. Sie ist keine Industrieproduktion, in der halbgare Groschenromanhandlungen fürs Fernsehen nachgedreht werden und arbeitet auch nicht mit Stereotypen, die Hausfrauenherzen höher schlagen lassen sollen, sondern glänzt durch ihre fein ausgearbeiteten Handlungsstränge mit einer besonderen Nähe zur Lebenswirklichkeit. Jedenfalls deutet das die Programmdirektion des Ersten an, wenn man bei ihr anruft und einen unschönen Schleichwerbeverdacht im Gepäck hat.

In der vergangenen Woche tauchten in "Sturm der Liebe" merkwürdige Dialoge auf, die sich leicht als in die Handlung verwobene Werbung für die (umstrittene) Misteltherapie zur Behandlung von Krebs lesen lassen. (Genauso gut aber auch nicht, wie manche Kommentatoren im Fernsehblog anmerkten.)

In jedem Fall sorgen die Dialoge, die dadurch auffallen, dass sie in einer Serie verkommen, die bisher nicht in erster Linie für ihre differenzierte Darstellung alternativer Heilpräparate bekannt war, für Verwirrung. Ist das jetzt Themenplacement? Oder nicht?

Die Programmdirektion der ARD sagt: nein. Und findet, dass Journalisten, denen solche Dialoge auffallen, erst einmal zu beweisen haben, dass es sich dabei tatsächlich um ein unerlaubtes Placement handelt. (Was schwierig ist, wenn man keinen direkten Aktenschrankzugang in Geiselgasteig besitzt.) Auf die Frage, ob die ARD ganz konkret ausschließen könne, dass für Hinweise auf die Misteltherapie Gelder an die zuständige Produktionsfirma Bavaria oder an der Produktion beteiligte Personen gezahlt wurden, gibt es allerdings keine klare Antwort:

"Eine hundertprozentige Sicherheit lässt sich in Anbetracht der Fehlbarkeit von Menschen nie herstellen. Wir müssen uns auf die Aussagen unserer Produktionsfirmen verlassen. Das ist nicht zuletzt auch Gegenstand der Produktionsverträge."

In einem will sich die ARD aber nichts vorwerfen lassen:

"Die ARD jedenfalls hat alles veranlasst, um einen Schleichwerbeverdacht ausschließen zu können."

Falls Sie sich jetzt fragen, was das zu bedeuten hat: Das haben wir uns auch gefragt. Die Antwort lautet: Die ARD hat alles veranlasst, um einen Schleichwerbeverdacht auszuschließen, indem die für "Sturm der Liebe" federführende Redaktion des WDR eine Stellungnahme der Bavaria einholte, in der die Bavaria versichert, dass es sich bei den Misteltherapie-Dialogen nicht um Themenplacement handelt. (Den genauen Wortlaut der Stellungnahme stellt die ARD Journalisten nicht zur Verfügung.)

Die Bavaria, Sie erinnern sich bestimmt, ist diese vertrauenswürdige Produktionsfirma, die der ARD vor vier Jahren einen ihrer größten Skandale bescherte, inzwischen aber vollständig rehabilitiert zu sein scheint.

Die Misteltherapie-Dialoge hält man in der Programmdirektion offenbar für ok, zu einer expliziten Unbedenklichkeitsbescheinigung will man sich aber nicht hinreißen lassen. Die Zuschauerredaktion des Ersten fand da Mitte des Monats in einer Mail an eine Zuschauerin, die den Verdacht der Schleichwerbung in "Sturm der Liebe" vorgebracht hatte, schon klarere Worte:

"Wir können Ihnen versichern, dass es sich bei dem von Ihnen beschriebenen Vorgang in 'Sturm der Liebe' nicht um Schleichwerbung handelt."

Und, noch expliziter:

"Auf keinen Fall bekommen wir Geld dafür, dass wir die Misteltherapie in 'Sturm der Liebe' erwähnen. Dafür hat die ARD eigens eine Clearing-Stelle gegen Schleichwerbung aufgebaut."

Die Clearingstelle der ARD ist allerdings nicht, wie man sich das vorstellen könnte, eine Institution, die regelmäßige Kontrollen auf Schleichwerbeeinflüsse durchführt, um neue Skandale zu vermeiden, sondern wird bloß "im Einzelfall" aktiv, das bedeutet: nach konkreten Zuschauerhinweisen, wie wiederum die Programmdirektion der ARD auf Anfrage bestätigt:

"Anders als noch im Jahre 2005 ist heute jedoch jeder Programmteil im Ersten Deutschen Fernsehen redaktionell an eine Landesrundfunkanstalt angebunden und wird dort auch redaktionell abgenommen. Die Clearingstelle geht daher entsprechenden Vorwürfen nach, holt Stellungnahmen ein und beantwortet Zuschaueranfragen, nimmt aber keine eigenen Programmbeobachtungen vor."

Der Leiter der Clearingstelle, SWR-Justiziar Hermann Eicher, bestätigt auf Nachfrage, dass er sich wegen der Angelegenheit "Sturm der Liebe" am gestrigen Mittwoch telefonisch an den Bavaria-Geschäftsführer Achim Rohnke gewandt habe, um ihn um eine eigene Stellungnahme zu bitten und sich vom Drehbuchautor schriftlich versichern zu lassen, dass dieser nicht zu einer Platzierung der Mistelteharpie angeleitet worden sei. Außerdem will Eicher bei der Bavaria Media überprüfen lassen, ob es zuletzt ungewöhnliche Zahlungseingänge gegeben habe. Offenbar gibt es innerhalb der ARD unterschiedliche Ansichten über die Problematik der Misteldialoge. Eicher scheint jedenfalls ein Interesse daran zu haben, den Fall noch einmal genauer zu prüfen. Er räumt aber auch ein: Sobald die Bestätigungen der Bavaria vorlägen, seien seine Möglichkeiten erschöpft.

Eine Stellungnahme des WDR, dessen Redaktion die betreffenden Folgen ja "redaktionell geprüft" haben muss, ohne Auffälligkeiten festzustellen, ist angefragt und wird nachgereicht.

Bloß eines noch, wieder aus der ARD-Programmdirektion, die wie folgt argumentiert:

"Würde man sämtliche Elemente aus einer Serie eliminieren, die 'nach Themenplacement aussehen' könnten, dann wäre nur noch eine völlig inhaltsleere und weit von der Lebenswirklichkeit entfernte Serie möglich."

Na gut, aber -- ist das nicht einfach die korrekte Beschreibung für: Telenovela?

Veröffentlicht 26. Februar 2009, 18:15 von Peer Schader
Kommentare

kai schiffer

26. Februar 2009, 19:00

http://digitalesschaffen.de

Vielen lieben Dank!

Unsere traurige, bei den ÖRs verrentete, so genannte Journalisten-Elite ist ja leider dem Intellekt in keinem Ausmaße mehr verhaftet. Um so wichtiger ist die Recherchefunktion unserer vierten Macht. Ich freue mich daher über jeden nicht primär den eigenen Einkunftsinteressen geschuldeten Kommentar. Ach - und zur Sache: die Faktenlage ist ja wohl jedem Beobachter dermaßen klar, dass genau hier ein ganz wunderbarer Hebelanzustzen ist. Daher nochmals: Vielen ieben Dank!

Marc

26. Februar 2009, 19:43

http://verwickeltes.wordpress.com/

"Die Programmdirektion der ARD sagt: nein. Und findet, dass Journalisten, denen solche Dialoge auffallen, erst einmal zu beweisen haben, dass es sich dabei tatsächlich um ein unerlaubtes Placement handelt."

Haben die das wirklich so ("Das müsst ihr uns erstmal beweisen") nachgeschoben? Jetzt glaube ich ja doch, dass die bei irgendwas erwischt wurden.

Haben die zu viele Krimis gesehen und Redewendungen unbedacht übernommen? Denn das sagt in der TV-Fiktion doch immer der Täter, dem der Ermittler noch auf die Spur kommen muss.

Oder habe ich jetzt zu viel ferngesehen? ;-)

Peer Schader

26. Februar 2009, 20:05

@Marc: Die konkrete Antwort auf meine Frage "Kann die ARD ganz konkret ausschließen, dass für die Hinweise auf die Misteltherapie Gelder an die Bavaria oder an der Produktion beteiligte Personen gezahlt wurden?" lautet: "Bereits die Fragestellung verkehrt die Prüfungsnotwendigkeiten in ihr Gegenteil (s.o.): Wenn Herr Niggemeier die Tatsachenbehauptung aufstellt, bei der ARD werde für Pharmafirmen geworben, dann hat er dafür die notwendigen Beweise zu liefern. Dies ist bislang aber nicht geschehen. (...)"

hofnarr.florian

26. Februar 2009, 20:11

http://www.hingesehen.net/

Also wenn ich als ARD unschuldig wäre, würde ich mich offensiver verteidigen. Riecht ganz danach, als ob sie was zu verbergen hätten oder selber noch nicht genau Bescheid wissen.

Peter Wuschko

26. Februar 2009, 20:42

WAS FÜR EIN QUATSCH! In der Programmankündigung für morgen war doch schon zu lesen, dass die Figur, die angeblich für die Misteltherapie schleichwirbt, daran stirbt! Ist ja ne Superwerbung!!! Vielleicht ist hier mal nicht die ARD über das Ziel hinausgeschossen, sondern paranoide Journalisten...

Darian van Dark

26. Februar 2009, 21:06

http://www.Darian-van-Dark.de

Das Thema "Schleichwerbung und ARD" scheint aktuell mehrere Medien zu beschäftigen:

www.stern.de/.../655979.html

Ich stimme in so weit zu, als das natürlich ein gewisses "Leben drumherum" in einer TV-Serie schon Sinn macht. Das es sich bei dieser Art von Leben jedoch nicht selten um eine Parallelwelt aus dem Kitschausverkauf handelt: Ist nicht neu. Und es hat (wie so weit mir bekannt der Schwabe sagt) ein "G`schmäckle", wenn Themen in solchen Scheinechteslebenproduktionen auftauchen, die sich in bestimmten Zielgruppen aktuell großer Beliebtheit erfreuen, zumindest aber diskutiert werden.

Und selbst wenn an alle dem nichts dran ist, so ist eines erreicht: Die ARD wird in Zukunft vielleicht noch ein wenig vorsichtiger mit gesendeten Inhalten aus der Digitalretorte umgehen. Ich hoffe nur, dass hier und jetzt nicht wieder eine Endlosdiskussion zum Thema "Krebs und Therapien" oder auch "Misteln: Was sie wirklich bringen" vom Stapel getreten wird, weil: Das wäre dann noch ein neuer Schleichwerbeskandal, Titel:

"Schleichwerbeskandal im Schleichwerbeskandal um Misteltherapie", Untertitel: "Da hat wohl jemand Mist(el) gebaut!"

Darian, mistelig seit 1975.

mistelzweig

26. Februar 2009, 21:13

@Peter Wuschko: Ja, aber wäre es nach den Schulmedizinern gegangen, wäre er schon ein Jahr früher gestorben, sagt er. Das Jahr verdankt er angeblich den Misteln.

Bei Krebs im Endstadium geht es oft um Wochen. Ein ganzes Jahe Lebensverlängerung ist auch mit modernen Medikamenten in vielen Fällen eine Utopie. Pharmakonzerne sind froh, wenn ihnen überhaupt der Nachweis gelingt, dass ein Medikament das Leben um ein paar Wochen verlängert. Bei vielen Modernen Krebsmedikamenten gelingt ihnen nicht einmal das.

Durch die Story eine Art Gleichwertigkeit der beiden Therapieansätze suggeriert: Dem einen hilft dies, dem anderen hilft jenes. Mehr würde ich als Mistelpräparatanbieter gar nicht für mein Geld verlangen.

Daniel

26. Februar 2009, 21:45

@Peer: Auch wenn die Antwort der ARD einen ziemlich patzigen Unterton hat, völlig falsch ist die nicht. Dass Herr Niggemeyer aus seinem Verdacht einfach eine Tatsachenbehauptung macht (und das tut er bereits in Ueberschrift und erstem Satz) finde ich auch etwas fragwürdig. Spezielle da ja nun schon mehrfach erwähnt wurde dass im Laufe der Serie diese Therapie zum Tode führt. Dagegen einfach stur mit jede Publicity ist gute Publicity zu argumentieren überzeugt mich nicht, lässt aber so doer so in jedem Falle gnug Sielraum dass man fairerweise wirklich von einem VERDACHT reden/schreiben sollte und nicht einfach seine Eigenwahrnehmung als Tatsache verkaufen.

Davon ab, finde ich Ihre Bescheibung der Clearing-Stelle etwas widersprüchlich. Einerseits erwecken sie den Eindruck, diese Stelle wäre nur ein Papiertiger, anderseits schreiben Sie ja selber, dass der zuständige Papierkrieger beispielsweise den Zahlungsvekehr auf Auffälligkeiten prüfen wird und die Beteiligten wie z.B. den(die) Drehbuchautor(en). Ich wüsste jetzt ehrlich gesagt nicht was ich sonst gross von so ner Stelle erwarten sollte? Hausdurchsuchungen? Verhaftungen?

Peer Schader

26. Februar 2009, 21:57

@Daniel: Na, in erster Stelle war es mal eine Beschreibung dessen, was die Clearingstelle macht - und dass Sie offenbar nicht die Prüfstelle ist, die soviel leisten kann wie nach der Problematik 2005 evtl. nötig wäre. Dass es dennoch Bemühungen gibt, ist doch gut - und deshalb steht es hier.

Das eigentlich Absurde ist doch: Sollte die Bavaria wirklich auf alte Methoden zurückfallen (und ich schreibe nur: sollte), kann die ARD nichts anderes tun, als Stellungnahmen einzuholen und abzuwarten, bis ein Journalist evtl. belastende Verträge auftut? Uiui.

Justus

26. Februar 2009, 22:02

Um eins klarzustellen: nicht er (Fred) stirbt, sie (Frau Tarasch) stirbt, dass ist dann kein unerheblicher Unterschied (weil bei ihr, trotz Mistelzweigtherapie, lediglich wenige Wochen zwischen Diagnose und Tod vergegehen). Darüber hinaus, erscheint es mir so (ich wollte mir nicht schon durch die Vorschau die Spannung nehmen;)), dass Fred ein Morphium-Junkie ist und probiert durch die Mistel-Geschichte, sein angeblichen Hirntumor glaubwürdiger zu machen, den die Ärztin in der Serie nicht bestätigen kann, weil sie ihn nicht untersuchen kann (Weil er ja angeblich der Schulmedizin abgeschworen hat - der Nebeneffekt ist aber, dass auch niemand diagnostizieren kann, dass er gar keinen Gehirntumor hat, sondern lediglich seinen Stoff braucht).

Klingt alles wirr und sehr durchgeknallt und unrealistisch. Aber genau das macht ja eine Telenovela aus. Die Behauptung die Mistelzweigtherapie würde differenziert oder noch besser poitiv dargestellt, ist allerdings, egal wie man es drehen und wenden will sowas von an den Haaren herbeigezogen, dass ich an Stelle der ARD, von Herrn Niggemeier (den ich als Journalisten sehr schätze, momentan besonders wegen des Koch-Inerviews) auch mehr Beweise/Indizien, als  2-3 total aus dem Kontext gezogene Dialoge, fordern würde.

Hannelore

26. Februar 2009, 22:15

Öffentliche Werbung für Mittel und Therapien für bestimmte Krankheiten (u.a. Krebs) ist nach meinen jüngsten Recherchen völlig verboten, auch von "Nichtfachleuten". Das einzige, was erlaubt ist, sind Berichte über eigene Erfahrungen.

Da die ARD uneinsichtig scheint, wird sich wohl der Gesetzgeber damit beschäftigten müssen. Gerade bei derartigen Therapien, die zu Lasten von "schwer Kranken" gehen, sollte sich die ARD besonders genau informieren. In diesem Fall scheinen auch andere Dialogteile darauf hinzudeuten, dass sich hier jemand extrem umfassend mit  sog. Anthroposophischen Therapien auseinandersetzt und die "Ansichten" dieser Gruppe ganz massiv in die Sendung einfließen läßt.

Für diese "Mittel", die weder wirken noch beworben werden dürfen, ist lediglich wichtig, immer wieder genannt und nachgefragt zu werden, sonst ist die "Sonderzulassung" weg.

Die Anthroposophischen Vereine und Interessensverbände werden u.a. von der Firma  Weleda gesponsert, die dafür im Gegenzug für z.B. die anthroposopischen Ärtze auf ihrer Internetseite Werbung mit Hinweis auf "Erfahrung mit der Misteltherapie bei Krebserkrankung "betreiben (auch veboten). Hier soll sich die Bundesärztekammer kümmern.

Ich kenne jemanden, der - hätte er auch nur 1-2 Wochen mit der Chemo gewartet, heute nicht mehr leben würde. Geheilt dank Schulmedizin... Ich selbst wäre ohne die sog. Apparatemedizin heute auch nicht mehr am leben. Mich ko... es wirklich an, wie diesen Kranken auch noch von völlig skrupellosen Geschäftemachern mit derartigen Präparaten das Geld aus der Tasche gezogen wird. Die sterben so wie so und können die Firmen nicht mehr verklagen.

Dann fehlen noch Sprüche wie: wieso, es hat doch nicht geschadet, oder es hat wahrscheinlich evtl. das Leben um ... verlängert???. Am besten ist noch der Spruch: ich hatte das Gefühl, derjenige (der schon tot ist) hat sich damit besser gefühlt... Einer der Hersteller weist in seiner Bilanz darauf hin, dass Patienten vor dem Sozialgericht durchgesetzt hätten, dass die Kasse weiterhin die Kosten bei einer Palliativbehandlung erstattet (das waren Totkranke, die nicht mehr am Leben sind). Diese Firmen sind sogar zu feige, selbst für die Kostenerstattung zu klagen.

Die ARD sollte sich von derartigen Firmen und Praktiken meiner Meinung nach deutlich distanzieren.

Marie

26. Februar 2009, 22:48

Justus' Beitrag erklärt ja doch jetzt einiges: Die Darstellerin von Victoria hat wohl schon länger geplant, aus der Serie auszusteigen. Deshalb hat man ihr eine 'langwierige' Krankheit angedichtet - eben Leukämie. Damit man allen, die eine Chemotherapie machen, nicht die Hoffnung nimmt, dass diese Behandlung helfen könnte, hat man sich dafür entschieden, sie die Chemo abbrechen und eine alternative Therapie machen zu lassen, damit sie 'glaubwürdig' und ohne Beeinträchtigung der Motivation von Chemotherapiepatienten sterben (aussteigen) kann.

Das entspricht doch der üblichen Praxis und erklärt vielleicht die mistelige Idee, oder?

Marc

26. Februar 2009, 22:50

http://verwickeltes.wordpress.com/

@Justus: Wer stirbt in der Serie? Heute in Folge 793 starb Fred (war ich sozusagen live dabei) und Viktoria lebt (zumindest bis Folge 812, wie die letzte aktuelle Vorschau beschreibt).

Aber ich sehe schon, wir brauchen hier Spoilertags. :-D

Peer Schader

26. Februar 2009, 23:23

Gibt es eigentlich noch mehr Meinungen zu dem, wie sich die ARD zu der Angelegenheit geäußert hat? Ich fände das interessant.

Hannelore

26. Februar 2009, 23:52

Liebe Marie,

statt Friedenspfeife einen Vorschlag:

es gibt das Serienforum, dort kann man sich über die Dialoge, Inhalte, Folgesendungen etc. wunderbar mit Gleichgesinnten austauschen, Tränen vergießen, sich über die Frisur von .. unterhalten und darüber debattieren, ob Werner aussieht wie ...

Jedem sein Niveau. Ich sehen die Soap als das, was sie ist, seichte Nachmittagsunterhaltung, die ich mit ansehe, weil ich oft aus gesundheitlichen Gründen "auf mein Sofa angewiesen bin" und es um die Zeit keine echten Alternativen gibt.

Die ARD macht es sich mit ihren Pflichten als öffentlichrechtliche "unabhängige" Medienanstalt doch etwas zu einfach.

Ich jedenfalls werde die ARD weiterhin mit Briefen etc. nerven. Da ich jetzt ja nicht einmal mehr SdL anschauen mag, habe ich ja jeden Nachmittag eine Stunde Zeit.

nona

27. Februar 2009, 00:50

Spassig finde ich die Unterschiede in den Reaktionen auf die Frage "Schleichwerbung?", quasi:

Zuschauerredaktion: "Nein. Nächste Frage?"

Programmdirektion: "Beweist *ihr* es erstmal, ansonsten haltet gefälligst die Füsse still. Unser Programm ist doch so toll!"

Clearing-Stelle: "Hmm. Riecht in der Tat komisch. Wir untersuchen mal."

Sehr amüsant auch die Programmdirektion mit dem unwillkürlichen Fehlfloskel "Die ARD jedenfalls hat alles veranlasst, um einen Schleichwerbeverdacht ausschließen zu können." Tja, ich würde mal sagen: wenn das wirklich so gemeint ist, dann ist das fehlgeschlagen. Denn der Schleichwerbeverdacht besteht ja, und meines Erachtens besteht er berechtigterweise. Die Dialogpassagen sind ja nicht nur entsetzlich schlecht, sie werben auch schleichend (die Frage ist nur, ob absichtlich oder nicht). Was die ARD tatsächlich "alles veranlassen" soll, hat dem Ausschließen von Schleichwerbung zu dienen, nicht dem Ausschließen von Verdachten.

Arnulf

27. Februar 2009, 01:14

@Peer: Also die Verdachtsberichterstattung in allen Ehren, aber im Grunde hat die ARD recht (auch wenn ihre Formulierungen nicht sehr diplomatisch sind): Es ist jetzt Aufgabe des Kollegen Niggemeier, stichhaltigere Belege für seinen Verdacht zu liefern, also (anonyme) Aussagen von Produktions- oder Pharmamitarbeitern, Dokumente etc., so wie es Lilienthal damals auch gemacht hat.

Dass die Clearingstelle (auf konkrete Beschwerde von Zuschauern) aktiv wird und angeblich die Zahlungseingänge überprüfen will, finde ich (falls das geschieht) okay - viel mehr könnte die Staatsanwaltschaft auch nicht machen. Und die Antwort der Zuschauerredaktion: Ja mei, das ist wie bei den Leserbriefredaktionen der Tageszeitungen auch. Da sitzen ein paar schlecht bezahlte Aushilfen oder Praktikanten, die die Zuschauer/Leser ruhigstellen sollen. Als offizielle Stellungnahme eines Mediums würde ich das nicht ansehen.

Davon abgesehen, wäre es eigentlich im Sinne der journalistischen Sorgfaltspflicht gewesen, im ersten Posting bereits der Clearingstelle, als ihr ans Bein gepinkelt wurde, die Möglichkeit zu einer Stellungnahme einzuräumen.

Haco

27. Februar 2009, 01:17

Ich finde es etwas irritierend, dass es keine Programmbeobachtung gibt. Vermutlich gibt es außer dem Redakteur, der die jeweilige Sendung abnimmt, niemanden in der ARD, der das eigene Programm auch guckt.

Vielleicht hat sich da über die Jahre etwas eingespielt, was den Beteiligten gar nicht mehr auffällt. Film- und Werbebranche haben sich vermischt, Autoren und Regisseure werden immer mal wieder auch für die Werbung arbeiten. Wenn da gemauschelt wird, Ideen ausgetauscht oder "Anregungen" aufgegriffen werden, wird man das schwer rausfinden können. Umsowichtiger wäre eine unabhängige Programmbeobachtung.

Denn das entscheidende ist, ob ein Programm werblichen Charakter hat oder nicht. Dass das im vorliegenden Fall zutrifft, wurde hier dokumentiert: Die Dialoge werben für die Misteltherapie, erklären, wofür sie gut ist, wo man entsprechende Präparate erhält, wo man sich informieren kann und dass man die Packungsbeilage beachten soll. Ob da Geld geflossen ist, und wie diese Dialoge zustande kamen ist zweitrangig. Sie sind da, und haben da nichts zu suchen.

Zum Thema Tatort & Autos: Immer wenn man etwas geschenkt bekommt, fühlt man sich - auch unbewusst - verpflichtet eine Gegenleistung zu erbringen. So tickt der Mensch. Die Produktionsfirma wird automatisch den Wagen auch entsprechend in Szene setzen wollen, um sich etwas zu revanchieren. Ich verstehe nicht, warum man nicht einfach ganz normal einen Wagen für ein paar Tage mietet. Machen doch andere Menschen auch so.

Marie

27. Februar 2009, 02:36

Liebe Hannelore,  

ich verliere mich hier nicht in Trivia, sondern bleibe beim Thema: Den Serienmachern werden ihre Inhalte anhand ausgewählter Dialoge vorgeworfen - ich bleibe am Text und argumentiere mit anderen Dialogen, die eben diese Inhalte in einem anderen Licht erscheinen lassen. Mich wegen meiner Kenntnis dieser Dialoge oder meines Interesses daran als niveaulos oder hier fehl am Platze diskreditieren zu wollen, halte ich meinerseits für niveaulos. Deshalb bin ich auch nicht der Ansicht, meine Beiträge gehörten ins Serienforum, weil ich hier wie bereits im vorigen Thread ganz dezidiert auf die konkret geäußerten Vorwürfe der Journalisten eingehe.

Was die Reaktion der ARD angeht: Wie sollen sich denn die verantwortlichen Gremien äußern, um Sie zufriedenstellen zu können? Mit welcher Aussage oder Maßnahme wären alle Schleichwerbungsthesen-Befürworter denn zufrieden? Was würde Ihren Verdacht restlos ausräumen? Was können sie tun, um sich zu rechtfertigen, zu 'rehabilitieren'?

Sagen Sie ihnen einfach, welche Aktionen Sie sich wünschen - das Öffnen der 'Giftschränke', das Offenlegen der Konten, eidesstattliche Erklärungen... wenn Sie glauben, für ein derartiges Ansinnen die moralische Grundlage zu besitzen.

Und ist es denn moralisch unbedenklicher, selbstbewusst zu titeln "Die ARD wirbt wieder für Pharma-Unternehmen", ohne dafür hinreichende Belege zu haben, statt beispielsweise "Wirbt die ARD wieder für Pharmaunternehmen?" Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein!

maqz

27. Februar 2009, 09:40

http://www.comicradioshow.com

@nona  Interessanter Aspekt "die Frage ist nur, ob absichtlich oder nicht". Bisher behauptet Stefan Niggemeier aufgrund von Dialogen, die wie Schleichwerbung klingen, dass die ARD für Pharmafirmen wirbt. Nur, weil man etwas behauptet, muss es nicht unbedingt stimmen! Was kann die ARD tun? Sie fragt den/die Verantwortlichen! Und die sagen nun einmal: "Soweit wir wissen gibt's keine bezahlte Schleichwerbung." Nächster konsequenter Schritt: Überprüfung der Geldflüsse und  ...uups... Weil etwas so klingt wie Schleichwerbung, sollen jetzt u.a. Konten gecheckt werden? Ist da die Frage nach etwas mehr Beweisen nicht doch evtl. berechtigt?

Und dann können wir uns ja fragen, ob unbeabsichtigte, unbezahlte, zufällige (?) Schleichwerbung verboten werden soll...

(Und weil ich das auch mal benutzen will, sag ich dazu): UiuiuiUi!

Hannelore

27. Februar 2009, 10:31

Vielleicht ist es ja wirklich so, wie die ARD zwischen den Zeilen mitteilt:

Man kann nicht alles entfernen, dann würde nichts mehr bleiben.

Mir sind gestern mehrere als Rückblick in schwarzweiß eingeschobene alte Dialoge aufgefallen.

Aber man kann anscheinend nicht alles entfernen???

Peer Schader

27. Februar 2009, 11:37

@Marie: Ich finde das, was die Clearingstelle unternimmt, schon deutlich konsequenter als das, was die Programmdirektion der ARD fabriziert hat.

Und wenn wir schon bei Bibelzitaten sind: Es heißt Sünde, nicht Schuld.

Hannelore

27. Februar 2009, 12:03

Vielleicht sollten wir in diesem Fall einfach die Definition von Schleichwerbung (von einschleichen kann hier mittlerweile wohl nicht mehr die Rede sein) in Produktplacement in direktester Form reden. Hier wird ja nicht einmal versucht, den Begriff geschickt unterschwellig einzuweben, sondern es werden große Teile mehrerer Folgen um das Prdukt herum inszeniert.

Insoweit wäre es vielleicht richtig, den Begriff Schleichwerbung nicht mehr zu benutzen.

Und, liebe Marie, ich habe bereits mehrfach deutlich gesagt, dass ich eine Soap oder Telenovela nun beim besten willen nicht inhaltlich diskutieren werde. Das ist nicht mein Niveau, wobei ich mit dieser Aussage nichts über die Höhe meines aussage, geschweige denn, die Höhe des Niveaus anderer, die ich nicht kenne, beurteile.

Es ist ledliglich eine Aussage über mich persönlich. Nichts läge mir ferner, als damit schleichend über andere zu urteilen.

Ansonsten bin ich eine Privatperson, die hinsichtlich Werbung noch nie eine Sünde begangen hat, außer der, zufällig von der Krankheit betroffen zu sein.

Hannelore

27. Februar 2009, 12:35

Der erste Satz muss natürlich enden mit ...direktester Form ... ändern (nicht reden.)

Das kleine Feld macht es manchmal schwierig, korrekturzulesen.

Ich hoffe, ich wurde trotzdem verstanden.

Hannelore

27. Februar 2009, 13:18

Im Nachgang noch zur Frage, was die ARD meiner Meinung nach tun sollte: unverzüglich diese subtile Werbung unterlassen und sich beim Publikum dafür entschuldigen.

Marie

27. Februar 2009, 13:42

@ Hannelore: Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen gute Besserung.

@ Peer: Laut Luther Sünde, nicht Schuld, Sie haben Recht, und danke für den Hinweis, jetzt muss ich alter Perfektionist aber alle verfügbaren Bibelübersetzungen lesen und im 'Original' schauen, um festzustellen, ob man nicht vielleicht doch Schuld sagen kann, das dauert, ohje.

Halten Sie uns über ARD-Reaktionen bitte auf dem Laufenden!  

Martin

27. Februar 2009, 15:50

Ich finde den Ansatz von Marie richtig. Wie soll die ARD damit umgehen? Was für Möglichkeiten hat die Anstalt. Eine Stellungnahme der Bavaria zu fordern ist das Einzige was möglich ist.  Jedoch traue ich der Bavaria auf jeden Fall zu , dass sie versucht auf allen Wegen Geld einzunehmen.

AP

27. Februar 2009, 17:20

Hier eine weitere Meinung, und zwar meine, zur Stellungnahme der ARD Herr Schader:

Die ARD schreibt also nicht sie habe alles veranlasst um Schleichwerbung auszuschließen, sondern um einen (späteren) Verdacht auf Schleichwerbung auszuschließen.

Diese Formulierung finde ich eigenartig.

Hannelore

27. Februar 2009, 19:46

Die ARD (in diesem Fall der WDR) ist verantwortlich für die Serie und deren Inhalte. Man wollte damit ja anscheinend so eine Art Kontrolle der Bavaria einführen.

Diverse Rückblenden in den Folgen scheinen darauf hinzuweisen, dass auch hier und da einmal Szenen der "Kontrolle" zum Opfer fallen.

Auf jeden Fall ist die ARD über die DEGETO Auftraggeber und nach deutschem Recht damit auch verantwortlich dafür, dass die Produkte, die in Ihrem Auftrag hergestellt und vertrieben werden, den deutschen Gesetzen entsprechen. Und für das, was die ARD und ihre Mitglieder senden, sind sie auf jeden Fall verantwortlich.

nona

27. Februar 2009, 22:23

@AP:

Und ich dachte schon, ausser mir (und vermutlich Peer) ist das niemandem aufgefallen. In der Tat, das ist ein hübscher Freudscher Verschreiber. Überspitzt umformuliert: "Wir haben dafür gesorgt, dass niemand Verdacht schöpft." Jaja...

(Allerdings glaube ich, dass der ARD-Verfasser dort tatsächlich den Ausschluss von Schleichwerbung meinte, und nur unglücklich formuliert hat.)

@maqz:

Wenn etwas watschelt wie eine Ente, und quakt wie eine Ente, dann ist es mit beträchtlicher Wahrscheinlichkeit tatsächlich eine Ente. Oder deutlicher: die Textpassagen und Umstände riechen sehr verdächtig stark nach Schleichwerbung. Darauf hinzuweisen und den Verdacht in den Raum zu stellen, ist völlig legitim. Sowohl zur öffentlichen Dokumentation als auch zur Anregung von weitergehenden Untersuchungen durch probate Institutionen. Und auch "unbeabsichtigte" Schleichwerbung ist übrigens bereits "verboten" (d.h. sollte nicht vorkommen und wird evtl. geahndet), das brauchen wir uns nicht mehr zu fragen.

Darian van Dark

28. Februar 2009, 04:44

http://www.Darian-van-Dark.de

Warum auch immer ich um 04:35 Uhr noch vor dem PC sitze und warum auch immer im Hintergrund der Fernseher flimmert, aber als ich aus eben diesem Hintergrund die Worte "Misteltherapie" und "Opiate" vernahm, verschlug es mich aber umgehend in die Diskussion zurück. Ich zitiere sinngemäß:

Frau 1: "Aber mit der MISTELTHERAPIE hat er sich doch wohlgefühlt?!" Darauf Frau 2 (man verzeihe mir, dass ich die Damen nicht kenne): "Vor allem wegen der Opiate hat er sich gut gefühlt!"

Für mich eindeutig Werbung, denn der Dialog war so intensiv mit "Misteltherapie" behaftet. Und gerade geht es weiter:

"Wenn die Schulmedizin versagt, sucht man nach Alternativen" "Die Misteltherapie hat ihm doch ein Jahr gebracht!" "Felix, die Chemo killt alles, alles, keiner weiß was es bringt!" DAS habe ich jetzt gerade live mitgetippt. Ich weiß nicht, wie weit man die Augen noch öffnen muss. Es stellt sich hier so dar, als sei der Dialogpartner das "gute Gewissen" die "moralische Instanz" welche die Schulmedizin hochhält, aber die Betroffene selbst sagt dann noch sinngemäß: "Selbst, wenn es nichts bringt, die Chemo zerfrisst alles!" Diesen Ansatz finde ich noch bedenklicher... denn viele Betroffene (und meine Mutter ist intensiv betroffen) kennen die Nebenwirkungen einer Chemo, sagen nach der ersten oft: "Nie wieder!" und nicken zustimmend mit dem Kopf, der Darstellerin auf die Schulter klopfend: "Ja Mädchen, ich verstehe Dich... lieber alles (auch Misteln) aber keine Chemo mehr!" Und jetzt bitte ich in diesem Zusammenhang mal alle, die hier keine Schleichwerbung sehen von dem Ross "das sind halt Dialoge aus dem Leben" zu steigen, denn so wie sich das darstellt, so wie das immer wieder intensiv (natürlich mit betont traurig-melodramatischer Musik unterlegt) gezeigt wird und so sehr wie auch bei Bedenken (um die Kritiker zu besänftigen) immer gekontert wird: Die Misteltherapie bringt in den Augen der Betroffenen was und selbst wenn es nix bringt, bringt es mehr als die "versagende Schulmedizin, die am Ende ist!" Man hätte insgesamt auch nur von ALTERNATIVEN reden können (derer gibt es viele)... aber NEIN, Mistel, Mistel und noch mal Mistel.

Darian, jetzt erst mal ausgemistelt...

Hanneelore

28. Februar 2009, 11:31

Auch mir geht es so, dass bei jeder Nennung von "Mistel" sich mittlerweile die Nackenhaare hochstellen. Ich habe mir die Serie ohne schlechtes Gewissen angesehen und, wenn ich nicht zuhause war, aufgenommen. Ich habe überhaupt kein Problem damit, mir "seichte" Nachmittagsunterhaltung anzusehe. Allerdings diskutiere ich normalerweise nicht über deren Inhalte,  sondern nehme die erdachten Handlungsabläufe als das hin, was sie sein sollen: unterhaltend, ablenkend.

Ich habe die ARD nach der ersten Sendung (Folge 788) angeschrieben, weil ich zugegebenermaßen eine ziemlich radikale Einstellung gegen zwielichtige homöopatische Präparate habe. Mittlerweile überspannt die ARD den Bogen doch derart, dass hier eine sofortige Einstellung der Serie erfolgen sollte.

Vor welcher hinter dieser Schleichwerbung stehenden Firma oder Vereinigung hat die ARD so eine Angst, dass sie das nicht tut????

Ich wünsche allen ein SturmderLiebe-freies erholsames Wochenende.

Peer Schader

28. Februar 2009, 11:37

@Hannelore: Ich glaube, wir haben Ihren Punkt jetzt sehr gut verstanden. Danke.

Darian van Dark

28. Februar 2009, 12:02

http://www.Darian-van-Dark.de

Einen muss ich noch dazumisteln:

www.surgicaloncology.de/.../support_mistel.html

Man möge sich mit dem Hintergrund des Verdachts auf Schleichwerbung in den Inhalten der Dialoge in der Serie an den Text heransetzen und sich dann noch einmal fragen, ob das nicht alles doch irgendwie einen Beigeschmack mit sich bringt....

Hannelore

28. Februar 2009, 12:41

Danke für den Link, link wie ich bin, habe ich selbigen an ein großes Pharmaunternehmen gesandt, das zugesichert hat, sich im Verband dafür einzusetzen, dass die unzulässige Werbung auch in wettbewerbsrechtlicher Hinsicht überprüft wird. Die Rechte als Verbraucher sind hier doch sehr eingeschränkt, kein persönlicher Schaden, keine Handlungsmöglichkeit.

Leider war mein Wochenende dann doch nicht so "mistelfrei". Mein kurzes Zappen führte mich prompt genau in die letzten 7 Minuten der besagten Serie und genau in eine Diskussion von Viktioria und was weiß ich wem über genanntes Thema.

So, nun habe ich alles in meiner Macht stehende getan, um das Problem so öffentlich wie möglich zu machen. Ich werde ich mich wieder der seichten einlullenden Unterhaltung zuwenden und mein Wochende mit Kaffee, Kuchen und Fernsehen genießen.

Ein schönes Wochenende

Hannelore

Marie

28. Februar 2009, 12:53

Ich habe nach meinem Abitur 1992 ein halbes Jahr in einer anthroposophischen Kommune in England gearbeitet, in der körperlich und geistig behinderte Kinder und Jugendliche mit ihren "Co-Workern" zusammenlebten. Es gab sehr gute Angebote für die Jugendlichen: Weben, Töpfern, Landarbeit etc, die ihnen das Leben wirklich sehr angenehm machten. Andererseits war die Gemeinschaft in höchstem Maße diktatorisch organisiert: Verboten waren Fernsehen, Radio, "nicht selbst gemachte" Musik, Zeitungen und jegliche Einflüsse aus der Außenwelt ebenso wie Umarmungen und eigenständiges Denken. Jede Woche gab es ein Treffen, zu dem die Mitarbeiter aufgefordert wurden, sich gegenseitig zu denunzieren, was sie denn auch taten. Es durfte nur Steiner zitiert werden. Mobbing und Ausgrenzungen "Aufmüpfiger" waren an der Tagesordnung. Es herrschte ein Klima der Angst und des Misstrauens, weil zumindest die 'Festangestellten' aufgrund eines bloßen Verdachts des Abweichlertums von heute auf morgen entlassen werden konnten. Damit sie mangels finanzieller Ressourcen nicht wieder in die 'reale Welt' zurückkehren konnten, gab man ihnen übrigens nur 'Trust Money', d.h., sie mussten alles vorlegen, was sie gekauft hatten, und bekamen das Geld dann erstattet, so dass man beim Kauf einer Packung Kondome wissen konnte, dass alle einen Tag später diskutieren würden, mit wem man wohl Sex habe.

Meine Freundin und ich wurden sehr krank (sie Sinusitis, ich schwere Bronchitis mit einer echten Grippe). Wir haben vergeblich darum gebeten, mit Schulmedizin behandelt zu werden, stattdessen 'verschrieb' man uns Senffußbäder und Senfkompressen für die Stirn (tut höllisch weh und bringt nichts außer Hautverätzungen). Ich glaube, der 'Arzt' der Kommune hatte gar keine Approbation und hat uns deshalb nichts verschrieben.

Wie dem auch sei, wir wären beide fast gestorben, und als ich aus Angst um meine Gesundheit nach einem halben Jahr nach Deutschland zurückkam, fragte meine Ärztin, ob ich denn im Dschungel war, weil das nicht behandelt wurde.

Mein Fazit: Die Anthroposophen, die ich kennen lernte, glaubten an Engel, waren weltfremd, paranoid und neurotisch (geworden) und hätten im Gespräch mit halbwegs aufgeklärten Menschen sehr schnell an Glaubwürdigkeit verloren.

Nun frage ich mich und Sie: Warum sollten solche Menschen/ Meinungen Zugang zu ARD-Sendungen bekommen? Ist bekannt, dass ein leitender Mitarbeiter mit denen 'verbandelt' ist? Würde man, wenn es hier nur ums Geld ginge, nicht vielleicht lieber eine neue schulmedizinische Therapie anpreisen, als die 'Behandlungsmethoden' derartiger Wirrköpfe?

Und ich habe es schon einmal mit Blick auf Pubmed gepostet: Die seriösen Studien seriöser Institute zum Beleg einer gewissen Wirksamkeit existieren; die Dialoge müssen also nicht unbedingt aus der anthroposophischen Ecke kommen. Dennoch muss ich zugeben: Ich finde es langsam auch merkwürdig, dass sie auf dem Thema immer noch so stark rumreiten. Es ist ja schon regelrecht nervtötend. Da Viktoria von den Autoren aber so sehr auf ihre Krankheit reduziert wird, kann man mit ihr wohl aber vielleicht auch gar nicht mehr über so viele andere Dinge sprechen.  

Danke für's Feedback,

Marie

mathis

28. Februar 2009, 14:04

Schleichwerbung ist doch verboten, oder? Wenn man dann keine Beweise hat, darf man nicht als Tatsachenbehauptung formulieren.

Anhand der Inhalte der Serie ließe sich nur ausschließen, dass es sich um Schleichwerbung handelt, nämlich wenn die Therapie so zerrissen würde, dass niemand dafür bezahlen würde. Positive Inhalte hingegen können nicht beweisen, dass es einen Aufrtraggeber für Schleichwerbung gibt. Dafür braucht man andere Quellen. Ein Vorredner hat ja bereits auf die Quellentypen hingewiesen, die im ersten Bavariafall Schleichwerbung bewiesen haben. Aussagen von Mitarbeitern, etc.

Und wenn man sich schon in die Deutelei der Inhalte begibt, muss man doch fairerweise warten, bis das ganze Mistelkapitel abgeschlossen ist. Von mir aus kann man dann noch zwischen der Gesamtwirkung (für intensivgucker) und den Einzelwirkungen der Folgen (für reinzapper) unterscheiden wollen.

Passiert nur ganz selten, dass ich Herrn Niggemeiers (hatte ja den Anstoß gegeben) Arbeit nicht gelungen finde. Hier ist die Sache für mich aber klar: man darf Verdächtigungen nicht als Tatsachen behaupten. Man kann einen Verdacht  nicht direkt und ausschließlich aus den Inhalten rekonstruieren. Für eine Inhaltsanalyse muss man abwarten, bis einem der gesamte Inhalt vorliegt.

Darian van Dark

28. Februar 2009, 18:37

http://www.Darian-van-Dark.de

Nun...

Man könnte sich jetzt in Kleinigkeiten ergehen und behaupten, dass Herr Niggemeier Recht hat wenn er titelt: "ARD wirbt wieder für Pharmaunternehmen". Ich zerdrösel mal eben: "ARD"? Stimmt! "Wirbt"? Stimmt auch, denn: Wenn in einer Serie jemand ein Nasenspray benutzt, ist das im weitesten Sinne Werbung für eine Medikamentenart, Medikamente werden im Allgemeinen von Pharmaunternehmen hergestellt und/oder vertrieben. Und das Wort "wieder" ist in Anbetracht der aus 2005 erwiesenen Fälle auch nicht falsch.

Man mag jetzt gegenhalten: "Es kommt aber mehr aufs allgemeine Verständnis einer Aussage an und die suggeriert eben, es wäre ein Fakt!". Was aber passiert, wenn Eindruck und Absicht nicht im klaren Konsenz stehen, kann man an bisher über 150 Postings in 2 Artikeln in dieser Community eindrucksvoll nachlesen ;)

Darian, eindrucksvoll seit 1975.

Hannelore

28. Februar 2009, 18:44

Lieber Mathis,

eigentlich wollte ich mit diesem Thema abschließen, aber dieser permanente Hinweis auf "Gesamtaussage" oder um das ganze wissenschaftlich aussehen zu lassen "Inhaltsanalyse" nervt mich.

Achtung: Unterhaltung!!!!

Weder Werbung noch wissenschaftliche Sendung noch philosophische Studie noch noch noch.

Schlicht und einfach Unterhaltung. Und so sollte es auch bleiben.

Hier hat weder Werbung noch anthroposophische oder angeblich wissenschaftliche Diskussion etwas zu suchen, schon gar nicht, wenn es um eine schwer Erkrankung und konkrete Behandlungen und Heilmittel geht

Der Zuschauer hat ein Recht darauf, zu erfahren, was er sich gerade ansieht. Sollte es um eine derartige  Diskussion mit Herrn Fliege,  Barbara Rüttig etc. gehen, weiß ich, dass ich den Fernseher vorher ausschalten muss, weil ich weiß, was kommt udn weil ich weiß, dass ich danach vor Wut nicht mehr schlafen kann.

Dann soll die ARD diese Serie anders verkaufen: Achtung: Fliege kommt ....

Einen schönen Sonntag

Hannelore

Hannelore

28. Februar 2009, 19:38

Liebe Marie,

es gibt keine für Patienten veröffentlichte seriöse Studien über die Wirkung von Mitteln in der Krebsbehandlung, weil das mind. in Deutschland verboten ist. Es gibt für wirksame Krebsmittel kurze Hinweise, aber nie eine genaue Aussage über die Wirkung. Diese Studien dürfen nur Fachleuten zugänglich gemacht werden. Die Anbieter von fachlichen Internetseiten haben dies sicherzustellen, auch wenn sie ausländische Studien veröffentlichen.

Somit erübrigt sich, im Zusammenhang mit der Mistel von seriösen Studien zu sprechen, die für alle zugänglich im Internet aufzufinden sind. Vermutlich wissen viele der Zitierten gar nicht, dass sie zitiert werden, oder sie sind schon lange vertorben, wie Herr Steiner.

Im Ausland (im nichtdeutschsprachigen Raum) spielt die Mistel in der Krebsbehandlung keine Rolle, in den USA wird nach wenigen versuchten Studien sogar ausdrücklich davon abgeraten.

Studien dürfen außerdem nur mit genauen Angaben veröffentlicht werden, nicht so "allgemein", wie es gerade bei den Homöopathen und Anthroposophen (allein das Wort ist schon fürchterlich) der Fall ist. So wurde zum Beispiel Dr. Schüßler aus der Heilpraktikervereinigung ausgeschlossen. Trotzdem kaufen die Menchen in Deutschland völlig inhaltslose (hochverriebene) Zuckerpillen für viel Geld. Und die DHU und Pflüger platzieren immer wieder ihre Themen in Frauenzeitschriften und der Apothekerrundschau. Es gab kürzlich eine interessanten Bericht bei Phoenix über die direkte Beeinflussung von Inhalten der Zeitschriften. Die Unternehmen können ihre eigenen Artikel schreiben (Auftragsarbeit nennen die Verleger das) und somit ihre Produktinformationen ohne "Werbehinweis" platzieren.

Schlimm ist, dass die wenigsten Menschen, die sich die z.B. Waldorfschulen für ihre Kinder auf die Stirn geschrieben haben, wirklich wissen, welche "verdrehte Philosophie" hinter der Sache steckt. Dem ganzen ist ein gewisser Sektencharakter, verbunden mit Gehirnwäsche und stark patriachalischem Hintergrund nicht abzusprechen. Das macht diese Menschen, die das vertreten, ja auch so penetrant und uneinsichtigt. Schalter für Denken umgelegt????

Man kann darüber lange diskutieren. In diesem Fall jedoch ist besonders zu berücksichtigen, dass die ARD als öffentlichrechtliche Medienanstalt bei uns einen besonderen Stellenwert hat und somit auch eine besondere Verantwortung. Weshalb sind denn alle so wild darauf, bei der ARD ihre Themen zu platzieren??

Justus

01. März 2009, 12:00

@Marc

oha, da ich zur Zeit über die Mediathek gucke, hinke ich ein bißchen hinterher und habe mich von der Vorschau, in die Irre leiten lassen (von einer Telenovela - das ist mir ja fast peinlich). Dieser Verlauf des Plots erhärtet natürlich einen Schleichwerbungverdacht, da gebe ich ihnen recht.

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Das Fernsehblog

28. Februar 2009, 19:33

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