Home
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Das Fernsehblog

Das Vorher-Nachher-Wunder von Pro Sieben

27. Februar 2009, 18:46 Uhr

Heute erklären wir den "Stylomaten" auf Pro Sieben, den es jeden Donnerstag im Entertainment-Magazin "red!" zu sehen gibt. (Und zwischendurch als Wiederholung im Mischmagazin "taff".)


Screenshot: Pro Sieben

Der "Stylomat" ist so eine Mischung aus Holodeck und sprechendem Schminkspiegel, und er hilft jungen Frauen, sich modern und sexy zu kleiden. Es gibt eine Vorher-Runde, in der die Kandidatin einschätzen muss, was die Männer auf der Straße über sie gesagt haben, dann ein aufwändiges Umstyling und schließlich eine Nachher-Runde, bei der die Männer sagen, was ihnen jetzt besser gefällt.

Kandidatin Susi hat das am Donnerstag erst mal geschockt. Der "Stylomat" hatte ja schon zu Beginn Bedenken, weil sich die Nachtclub-Tänzerin auch privat "gerne offenherzig und freizügig" zeigt - und die Passanten, die dazu vom "Stylomaten" befragt wurden, haben das bestätigt:

"Das sieht schon ganz schön billig aus, so nuttig irgendwie."
"Viel zu billig, würd gar nicht zu mir passen."
"Die schaut aus wie 33, einfach viel zu alt für mich."
"Sie ist verbraucht, sie sieht wie 30 aus."
"Wenn ich die sehen würde, ich würd sie nicht ansprechen."
"Optisch eher der Zonk."


Screenshots: Pro Sieben

Anschließend lieferte der "Stylomat" noch ein paar genauere Zahlen:

"89 Prozent der Männer finden dein Outfit zu billig."
Und: "86 Prozent schätzen dich wesentlich älter."

Das war natürlich erschreckend für Susi. Aber sie durfte sich ja gleich für ein Umstyling ganz nach ihrem Geschmack entscheiden (die Frisur von Jennifer Aniston, das Outfit von Victoria Beckham). Anschließend stand sie mit ihrem "komplett neuen und weiblichen Look" wieder im "Stylomaten" und die Männer, die sie eben noch zurückgewiesen hätten, waren hin und weg:

"Unglaublich: die Veränderung! Richtig seriös, trotzdem sexy. Hut ab!"
"Super Outfit, Hammer-Körper. Würd mir echt Spaß machen, mich mit der in der Öffentlichkeit sehen zu lassen."
"Jetzt würd ich mich gerne mit ihr treffen. Sie sieht super erotisch aus."


Screenshots: Pro Sieben

Toll, oder?

Nur: Wie haben die das bei Pro Sieben bloß mit den Männern gemacht? Jetzt sagen Sie vielleicht: Die haben denen einfach ein Vorher- und ein Nachher-Bild gezeigt. Aber so einfach ist das nicht. Immerhin bekommt Susi ja am Anfang vom "Stylomaten" die Kommentare zu ihrem alten Styling vorgeführt - und sucht sich erst dann ihr neues Styling heraus, das es vorher noch nicht gegeben hat, aber von denselben Männern an denselben Plätzen wieder bewertet und dann für gut befunden wird.

Also, helfen Sie mir doch bitte mal: Wie geht das?

Ist Pro Sieben am selben Tag rausgegangen und hat die Männer für die Umfrage während des Umstylings an ihrem Platz festgehalten, damit sie danach nochmal was dazu sagen können? Nee, eher nicht.

Leistet sich der Sender für jeden neuen "Stylomat"-Beitrag zwei Drehtage, zeichnet die Vorher-Einschätzung mit dem alten Styling erst im Nachhinein auf, wenn bereits Vorher-/Nacher-Bilder da sind, man schnell eine Straßenumfrage machen kann, und zwingt die Kandidatin dann dazu, so zu tun als sei sie noch gar nicht umgestylt worden? Ach was, viel zu viel Aufwand.

Oder läuft da in Deutschlands Fußgängerzonen womöglich ein Pro-Sieben-Kamerateam herum, spricht Männer in Einkaufspassagen an und fragt, ob die mal in die Kamera sagen können, wie doof sie das alte Styling einer ihnen unbekannten Kandidatin finden und wie toll das neue...

...das sie dann noch gar nicht gesehen haben?

Veröffentlicht 27. Februar 2009, 18:46 von Peer Schader
Abgelegt unter: , ,
Kommentare

hannah

27. Februar 2009, 19:50

Genau diese Frage musste ich mir auch gestern Abend während dieser Sendung stellen.

Mal davon abgesehen, dass das Nachher-Resultat fast noch schlimmer aussah, als das ursprüngliche Styling/Outfit, wundert mich bei Prosieben eigentlich gar nichts mehr.

Billges "Hartz IV-TV" mit hohen Einschaltquoten. Herr Reich Ranicki hatte eben doch Recht.

hihi

27. Februar 2009, 19:58

ist echt merkwürdig xD ist auch schon dem fernsekritiker (fernsehkritik.tv) aufgefallen xD

Michael

27. Februar 2009, 20:32

obwohl ich es eigentlich logischer finde, dass zuerst der ganze mist im studio gemacht wird: Sie nimmt das Styling von Blablahastenichtgesehen, sagt ach und oh, und erst dann eht das Team auf die Straße...dass das Team ohne Bilder die Passanten zwingt, irgendeinen Mist zu sagen, wäre natürlich vorurteilsunterstützender...

Der Andere

27. Februar 2009, 20:50

Danke schön, dass Sie den "Stylomat" mal ansprechen hier.

Habe ihn beim Durchzappen mal entdeckt. Was mich jedoch fasziniert hat, war weniger die Taktik der Drehtage für die Kommentare von Passanten, sondern diese grausame, schreckliche, hirnzerbräsende Inszenierung des "Stylomaten". Dieses sprechende Aparillo, dieser Kitt für Arme, und dazu eine schlechte Laiendarstellerin. Das gehört für mich in die Kategorie von Fernsehsendungen oder -Rubriken, bei denen ich mich frage, ob es wirklich irgendwo da draussen jemanden gibt, der sich das anschaut und es als das, als was es von den Machern eigentlich inszeniert wird, ernst nimmt.

Lukas

27. Februar 2009, 21:10

http://www.coffeeandtv.de/

Danke, Peer! Genau das hab ich mich auch schon mehrfach gefragt (Warum habe ich diesen Quatsch eigentlich schon mehrfach gesehen?) und bin zu keinem Ergebnis gekommen.

Warum nehmen diese Programmmacher eigentlich an, sowas würde schon keinem auffallen?

Al

27. Februar 2009, 21:46

Hervorragende Frage...!

Ich habe die Sendung zum Glück noch nie gesehen, aber tendiere zu einer Variation von Option 2: Die Kandidatin im Originaloutfit muss so tun, als sähe sie gerade schockierende Aussagen von Passanten, dann kommt das Umstyling, und die Straßenumfrage wird im Anschluss mit Vorher-/Nachher-Bildern gemacht. Dann wären zumindest die Aussagen der Passanten authentisch.

Oder bezieht sich die Kandidatin auf die konkreten Aussagen der Passanten? Dann wäre das natürlich nicht möglich.

Möglichkeit 3 möchte ich lieber nicht in Erwägung ziehen, da ich selbst Journalist bin und mir das ein wenig an die Berufsehre ginge...

Knotz-Kevin Fischfurther

27. Februar 2009, 22:31

Das ist ein Holo-Automat,  da geht das immer so schnell mit dem umstylen. Ihr kapiert aber auch ga nichts, Leute!

Thomas

27. Februar 2009, 23:32

Vielleicht wird den Kandidaten auch ein ganz anderes Bild von einer ganz anderen Frau gezeigt. Oder kann man bei den zufällig angesprochenen Passanten sehen, was für ein Bild Ihnen gezeigt wird. Und wer sagt denn, dass die neu gestylten Frauen nicht vorher so aussahen wie in der Nachher-Ansicht?

Aber egal - allein wie armselig Styling auf eine Promi-Copy-Auswahl zu beschränken.

Givenchy hat recht. Das Ordinäre hat gesiegt. Eleganz ist tot.

Darian van Dark

27. Februar 2009, 23:37

http://www.Darian-van-Dark.de

Ich weiß gar nicht, was daran so schwer sein soll: Uri Geller hat mit einem Raben auf den Schultern den Protagonisten auf der Straße mental die neuen Bilder schon vor der Umsetzung ins Hirn digitalisiert. Sollte das nicht des Rätsels Lösung sein, müsste sich "Galileo Mystery" dem Ganzen einmal gewohnt kritisch und seriös annehmen. Wenn die nichts heraus bekommen, kann ja der freundlich-nette Herr Aminati ab Montag bei "taff" journalistisch anspruchsvoll das Thema aufdröseln. Das ganze aufgefrischt mit ein paar Promis (also mal ohn Gülcan, ohne Olli P. und Janinen Kunze so wie Herrn Hoécker) in der Bluebox: Fertig ist die Laube. Zusammenfassung dann bei Herrn Raab, Verstehen Sie?

Darian, versteht seit 1975.

Philipp

28. Februar 2009, 08:53

http://www.niveau-ist-keine-creme.de

Nunja, es gäbe noch eine weitere Möglichkeit:

erst umstylen, dann mit Bildern (vorher, nachher) Feedback erfragen.

Aber dass bei RED alles so billig wie möglich gemacht wird, sieht man der Sendung ja auch an...

Simon

28. Februar 2009, 09:39

Und wie kommen die auf solche exakten Werte wie "96% der Männer fanden dich potthässlich"? Die haben doch garantiert nicht mehr als zehn Leute befragt.

Rolf

28. Februar 2009, 10:15

Ich verstehe ja, das man als Fernsehkritiker auch mal was schauen muss, bei dem alleine vom theoretischen Themeaufbau der Sendung/des Berichtes schon gruseln sollte.

Aber es stellt sich die Frage ob so ein Senderausfluss wirklich noch einen Kommentar wert ist.

Und mir stellt sich die dabei Frage, ob dieser Kommentar dann wirklich in der FAZ stehen muss und wo ich in anbetracht des sonstigen Niveaus zumindest irgendeine neue Information, eine neue Ausspitzung des Themas oder zumindest etwas Esprit erwarte.

Es gibt viel zu tun für Fernsehkritiker.

Nur wenn etwas wie wie Müll aussieht und wie Müll richt muss ich nicht dran probieren um zu wissen das es Müll ist.

Herr Grimme

28. Februar 2009, 10:42

Wie alle Sendungen auf Pro Sieben wird auch diese Sendung von seriösen Journalisten (alle ehemalige FAZ-, SZ- und ZEIT-Journalisten) sorgfältig recherchiert und bearbeitet. Dieses anspruchsvolle Format befindet sich ohne Frage auf Augenhöhe mit Panorama und Monitor. Ich kann mir daher nicht vorstellen, dass hier geschummelt wird...

Peer Schader

28. Februar 2009, 11:20

@Rolf: Das Ding hier heißt "FAZ Fernsehblog", und weil's ein Blog ist, schreiben wir hier auch Sachen rein, die wahrscheinlich nicht in der Zeitung stünden, weil sie zu abseitig oder unwichtig sind. Wer sich aber auch fürs Abseitige und Unwichtige interessiert, ist herzlich eingeladen, hier vorbei zu schauen. Und wer nicht, kann weiterhin einfach "in die FAZ" schauen. Oder?

Ich finde, der Eintrag hat sich alleine schon wegen der lustigen Kommentare gelohnt. Obwohl ich ja ein bisschen enttäuscht bin, dass hier noch keiner eine andere Spur aufgetan hat.

@Al: Dann würde die Vorher-Runde mit der Kandidatin also zum Schluss aufgenommen? Müsste man mal beobachten, ob sie da auf die Aussagen genauer eingeht, erinnere ich gerade nicht. Aber die Kommentare der Männer wirken doch auch manchmal so, als hätte sie sich vorher ein Redakteur ausgedacht, oder?

Mart

28. Februar 2009, 11:30

Ein klarer Fall für Galileo Mystery.

Darian van Dark

28. Februar 2009, 11:54

http://www.Darian-van-Dark.de

Rolf,

und ich frage mich, ob man unnötigen Ausfluss im TV auch noch unnötig kommentieren muss ;)

Darian van Dark

28. Februar 2009, 12:06

http://www.Darian-van-Dark.de

Vielleicht wir der ganze Zauber vor einem Geschäft aufgezeichnet in dem das hässliche Entlein quasi live umgedonnert wird um sie dann als Schwan wieder den 96% der 10 Befragten zu präsentieren. Den Stylomaten gibt`s von der Festplatte, alles schnell zusammenbasteln: Fertig. Oder ich schreibe mal an Akte09, vielleicht können die der Sache kritischer auf den Grund gehen?

Imbissfreund

28. Februar 2009, 13:16

Da wurden einfach zehn Männer mit den Vorher/Nachher Antworten auf Vorrat gedreht. An die erinnert sich doch kein Zuschauer mehr, das kann dann wunderbar am Schnitt gemixt werden. Vielleicht gab es sogar ein kleines Dankeschön dafür?

Daniel

28. Februar 2009, 15:30

Wenn die Umfrage erst post-Styling erfolgt dann ist aber doch die Reaktion der Kandidatin auf das verheerende Urteil der Männerwelt gefaket oder? Und wie schon jemand bemerkte, Wenn wirklich mit Zahlen wie 89% hantiert wird dann müsste man ja Minimum 100 Leute gefragt haben. Oder eben die Zahlen weitgehend erfunden.

Anyway, das Thema erinnert mich an die erste Sendung der "TV-Helden" wo sie mit einem Kamerateam auf der Essener Motor-Show die Aussteller aufgesucht haben und denen vollkommen entgegengesetzte Statements on camera entlockt haben (unter der Vorgabe, sowohl fuer ein Tuning- als auch ein Umweltmagazin zu drehen). Solches Worte-in-den-Mund-legen funktioniert fuer solche Lückenfüller-Sendungen wie hier sicher auch ganz gut.

hofnarr.florian

28. Februar 2009, 16:32

http://www.hingesehen.net/

Fernsehkritik.tv nannte den "Stylomaten" auf Pro Sieben "Faschistomat", was ich sehr passend finde.

viewer

28. Februar 2009, 22:18

Ich finde die Texte der Kandidatinnen immer so aufgesagt und dann finde ich das Vorher-Styling immer so unstimmig, dass es für mich eher so wirkt, als ob die gut aussehende Mädels für den Stylomaten extra in ein "hässliches Entlein" verwandeln.

Ich habe mal beim Sat.1-Frühstücksfernsehen eine alte Bekannte bei einer typischen Umstyl-Aktion gesehen. Sie wurde da als braves Mauerblümchen gezeigt, dass am Ende sogar ins P1 kommt mit ihrem neuen Styling. Nur dass sie schon früher ein Partyluder war...

Prekarius

01. März 2009, 20:30

Das ist so schlecht gefaket, dass ich denke, die gehen davon aus, dass ihre Zuschauer sowieso nur Vollpfosten sind. Ich verstehe auch nicht, wieso eine Kandidatin, die voll von sich überzeugt ist, sich von drei dämlichen Straßenkommentaren so verunsichern lassen soll.

Peter

03. März 2009, 19:28

Lesen die Stylomatmacher hier mit? Hab heute voller Vorfreude taff gesehen und war sehr enttaeuscht das hier beschriebene Phaenomen nicht zu sehen.

Die Maenner waren verschiedene und es wurde explizit gesagt, dass das Umstylen nicht per beamen geht sondern durchaus laenger dauert.

Thomas Bonsack

03. März 2009, 21:09

Hallo,zunächst einmal nichts gegen die Sendung aber derStylomat scheint wohl defekt zu sein.Möglicherweise liegt`s an dem eingestellten Pogramm.Offenbar im OMA Modus.Nun man kann sagen das Die Teilnehmerinnen vorherum längen besser aussahen als nachher.Die Kommentare der bewertenden Herren sind zu 100%ein fake.Klar keiner von den Hirnis würde mit einer Frau

im Minikleid oder Jeansminirock ausgehen.

Schaut euch die mal beim nächsten mal an die würden sich

die Finger lecken wenn sie auch nur die geringste Chance

hätten.

Erschreckend ist der Merkel Einheitsstyle alles was nicht

dem Deutschen 08/15 brav-Geschmack entspricht

wird als no go hingestellt.

Gruß Thomas

Merzmensch

04. März 2009, 10:20

http://merzmensch.blog.de

Es ist nicht einmal klar, was die angefragten Männer da zu bewerten bekommen. Vielleicht wurden diese "Interviews" im Voraus vorbereitet und nun aus dem riesigen Katalog zur jeweiligen Folge dargeboten?

Obwohl so viel Manipulation würde ich auch Pro7 nicht zumuten. Oder doch?..

Zu Kritikstimmen an diesem Blogeintrag: es ist sehr wichtig, dass auch solche Sendungen behandelt werden. Denn es geht hier um ein Phänomen, das doch von einem allgemein zugänglichen Sender der Öffentlichkeit angeboten wird. Und die Medien sind höchst wirksam im Bereich der aktiven Stupidisierung der Gesellschaft.

Mumu

04. März 2009, 14:41

Das Originial-Format "Snog, Marry, Avoid" ist übrigens gar  nicht soooo schlimm.

Besonders dann, wenn sich C-Celebrities (etwa Kategorie "Gülcan Kamps") einem "Make Under"  unterziehen

mental_asyl

19. März 2009, 14:15

is doch I<--- soooo --->I einfach.

abdallah fragt sein expertemteam ... is das moeglich? *raetselraten, skeptischer blick, kopfnicken* und dann macht das der urige geller...zackbumm *blitze zucken*  tataaa ---> aus nuttig-aussehend wird alt-aussehend.

umstyling blaundblubb ... da faellt mir die geschichte mit 'des koenigs neue kleider' ein. aus ner kraehe wird kein schwan - egal wie weiss ich die feden anmale.

Ihr Kommentar

 
Hinzufügen
Blogsuche
in
Blog abonnieren
per Email an folgende Adresse
Themenfinder
A B C D E F G H I J K L M
N O P Q R S T U V W X Y Z