Der neuste Schreyl
01. März 2009, 17:37
Uhr
Huch, was haben die bei RTL denn Marco Schreyl in die Milch gekippt? In der ersten Liveshow der aktuellen Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" (Video) war der Mann am Samstag wie ausgewechselt. Also: gar nicht zurückhaltend, langweilig und bieder - sondern das genaue Gegenteil.

Screenshot: RTL
"Guten Abend. Ich hab's so vermisst, und wenn Sie zuhause ehrlich sind: Sie doch auch", begrüßte er die Zuschauer zu Beginn der Show, und schrie dann nochmal "Mir hat was gefeeeeehlt!" Jurymitglied Nina Eichinger stellte Schreyl als "Sex on legs" vor. Als er einer Kandidaten im knappen Röckchen auf die Bühne nachging, platzte aus ihm heraus: "Sieht heiß aus von hinten." Sogar einige Neckereien gegen den "hochbezahlten Dieter Bohlen" erlaubte sich der Mann, über den Bohlen in der vergangenen Staffel noch gesagt hatte, er sei in der Sendung fürs Schleimen zuständig.
Ganz hat Schreyl diese Zuständigkeit noch nicht abgegeben und auch den Kandidaten am Samstag gut zugeredet, wenn schlechte Kritik von der Jury kam, nur hat er dabei nicht mehr wie ein trauriger Pudel gewirkt, der mit dem Gescholteten mitleidet, sondern wie der große Bruder, der signalisiert, dass es gleich Prügel geben könnte, wenn noch mal einer was Fieses sagt. (Einmal ist er sogar auf Jurymitglied Volker Neumüller zugestürmt, zwang ihn zum Aufstehen und verlangte eine ausführlichere Erläuterung seines Urteils.) Kein Wunder, dass sich die Jury zwischendurch immer wieder verdutzt ansah: Was ist denn mit dem los?

Screenshot RTL
Fast hätte man sogar ein bisschen Selbstironie heraushören können, als Schreyl wieder zum Trost eines Kandidaten ansetzte, dessen Auftritt bei Bohlen durchgefallen war:
"Ich fand's trotzdem gut. Zu mir sagen auch immer alle: Du liest von Kärtchen vor. Drauf geschissen!"
"Drauf geschissen?" Von Marco Schreyl? Oha.
Dabei war das mit den Moderationskärtchen diesmal überhaupt kein Problem. An ein paar hat sich Schreyl zwar auch am Samstag wieder festgehalten, aber entweder einen Deal mit der Regie gehabt, dass er beim Vorlesen nicht mehr so oft gezeigt wird - oder er hat sich endlich davon überzeugen lassen, dass es in so einer Show viel besser wirkt, vom Teleprompter abzulesen, wenn nicht sogar: einfach mal spontan zu sein. Der Marco Schreyl vom Samstagabend wirkte zumindest spontan, geradezu keck, fast schon aufgekratzt, ein bisschen so als hätte er in den Ferien einen Schnellschreikurs bei Wurst-Achim belegt. (Immerhin kennen sich die beiden ja aus "Mensch gegen Tier".)
Auf jeden Fall hab ich ihm zum ersten Mal abgenommen, dass er wirklich Spaß bei der Sache hat.

Screenshot: RTL
Ich weiß noch nicht, ob ich diesen leicht überdrehten Image-Wechsel gut finden soll - aber für diese Woche: warum eigentlich nicht? Und der Sendung kann es nur gut tun, wenn sie endlich einen Moderator hat, der das Publikum mitreißt anstatt es in den Schlaf zu hätscheln.