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Das Fernsehblog

Der Amoklauf als Wetterbericht: Notizen zum Ausnahmezustand

12. März 2009, 15:08 Uhr

An einem Tag wie gestern zuhause vor dem Fernseher zu sitzen und zu sagen: schaut mal, was die da wieder verbockt haben -- das ist leicht. Aber einige Entscheidungen der Sender sind auch mit der Hektik der Sitaution nur schwer zu eklären.

Zum Beispiel bei N24, wo jemand auf die Spitzenidee gekommen ist, die Toten wie auf einer Schatzkarte zu markieren. (Das große Kreuz soll den toten Amokläufer darstellen.)


Screenshot: N24

Und natürlich wüsste man gerne, wer bei n-tv eigentlich die Anweisung gegeben hat, alle, aber wirklich alle Ereignisse, bei denen sich Google-Earth-Karten einbinden lassen, wie den Wetterbericht moderieren zu lassen.


Screenshot: n-tv

Am heikelsten ist der Umgang mit Augenzeugen: Ist es wirklich so gut, alle vor die Kamera zu lassen, die bereitwillig Auskunft geben, während sie womöglich noch unter Schock stehen? Und sogar die, die eher nicht wollen? Das öffentlich-rechtliche Fernsehen, das sich so gerne selbst für seine Seriosität lobt, steht dem privaten da kaum in etwas nach. Während RTL einen Nachbarn des Amokschützen für ein Interview auftrieb, stellte das ZDF dem Tischtennislehrer des Täters nach, um ihn zu fragen, ob er nicht was hätte ahnen können, weil man ja als Sportlehrer "ein enges, fast schon intimes Verhältnis zu Jugendlichen" habe.


Screenshots: ZDF (Verpixelung von uns)

Auf RTL erzählte derweil eine entsetzte Mutter, dass ihre Tochter mit ansehen musste, wie einem Mitschüler in den Hals geschossen wurde:

"Ich versteh die Welt nicht mehr. Meine Tochter war in der zehnten Klasse, die hat das alles live miterlebt. Die sitzt jetzt zuhause, zittert und weint. Sie sind aus dem Fenster gesprungen, sie und ihre Freundin."

Warum die Mutter nicht zuhause bei ihrer Tochter war, und stattdessen vor der Schule Interviews gab, war nicht zu erfahren, weder im "Explosiv"-Spezial noch bei "RTL aktuell", wo der Ausschnitt in der Dauerrotation lief -- bis die Kollegen vom ZDF übernahmen, für die die Mutter noch einmal ganz ähnliche Zitate lieferte, die zigmal in "heute" und im "ZDF spezial" wiederholt wurden.


Screenshots: RTL/ZDF (Verpixelung von uns)

Wie muss man sich das vorstellen? Standen da in Winnenden die Kamerateams Schlange hinter den verängstigten Eltern, so lange bis jeder mal dran war?

Die Redaktion von "stern tv" wollte für ihre abendliche Live-Sendung zwei Schüler aus Winnenden zu sich ins Studio nach Hürth bei Köln holen, allerdings mussten die beiden, wie Günther Jauch berichtete, wieder umkehren, weil sich ein Selbstmörder vor den Zug geworfen hatte, weshalb sie von ihm dann am Tatort im Dunkeln befragt wurden und bloß sagen konnten, dass sie den Täter auch nur vom Sehen kannten. Die Schülerin hatte am Mittag bereits Karriere bei N24 gemacht.

Und bei "RTL aktuell" war man sich nicht zu blöd, das Foto einer getöteten Schülerin aus "Schüler VZ" zu klauen und es unverpixelt zu zeigen.


Screenshot: RTL (Verpixelung von uns)

Im ZDF kam es (wie auch die Kollegen von DWDL berichten) dann im "Spezial" nach den "heute"-Nachrichten noch dicker, wo sich der ehemalige Kanal-Telemedia-Veranstalter Thomas Hornauer während einer Live-Schaltung aus der Kirche in Winnenden hinter den ZDF-Reporter schob - und gar nicht mehr weggehen wollte, ohne dass jemand etwas dagegen unternehmen wollte, was einen geradezu gruseligen Effekt hatte. Etwas verwirrt sagte Moderator Steffen Seibert bloß:

"Liebe Zuschauer, Sie sehen, wir haben da gerade ein Bildproblem."


Screenshots: ZDF

Eigentlich zeigt das alles bloß, wie hilflos die Sender auf solche Ereignisse reagieren: Indem sie jeden vor die Kamera holen, der was sagen kann, auch wenn es wie bei RTL bloß ein Junge ist, der stammelt: "Nicht so toll, ich find sowas nicht so toll." Und indem plötzlich alles relevant ist, sei es auch noch so nichtig. Bei "Explosiv" erklärte eine Sprecherin, was das eigentlich Schockierende an diesem Amoklauf war:

"Was alle bestürzt: Wenn so ein grausames Massaker im beschaulichen Schwabenländle passiert, dann kann es jederzeit und überall jeden treffen."

Veröffentlicht 12. März 2009, 15:08 von Peer Schader
Kommentare

Ralf Henke

12. März 2009, 15:41

Hornauer hat sich noch ein weiteres mal ins Bild gedrängt: Als Marietta Slomka den Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Oettinger interviewte (heute journal 11.3.09, 21.45 Uhr), stand Hornauer - diemal mit Mütze auf der hohlen Birne - hinten rechts im Bild.

Marc

12. März 2009, 16:02

Bewusste Mutter tauchte schließlich auch noch im ARD-Brennpunkt auf. Wahrscheinlich sind nicht viele bereit sich an einem solchen Tag zu äußern. Auch ein Hinterbliebener des Erfurt-Amoklaufs war bei beiden öffentlich-rechtlichen Sendern identisch.

Interessant auch, dass laut DWDL der ZDF-Reporter früher bereits mit Hornauer zusammengearbeitet hat.

Höhepunkt des ZDF-Spezial nach der abstoßenden Verfolgung des Tischtennislehrers war der Internet-Experte, dessen Aussage sich auf eine Hashtagsuche bei Twitter stützten, um dem Publikum darzulegen, wie die Jugend im Internet auf das Ereignis reagiert.

Peer Schader

12. März 2009, 16:12

@Marc: Die ARD hat die Mutter vom ZDF übernommen und eingezoomt, damit man das Mikro nicht sieht -- bzw. nur ganz kurz:

 


Screenshot: ARD (Verpixelung von uns)

 

@Ralf Henke: Den Hornauer im "heute journal" find ich nicht. Sicher, dass es "heute journal" war?

nona

12. März 2009, 16:21

Im verlinkten Artikel "Sowas ist hier noch nie passiert" wird unter Anderem kritisiert, dass ARD und SWR spät reagiert hätten und normales banales Programm gesendet haben. Der Kritik kann ich mich nicht anschliessen, und ich weiss ehrlich gesagt nicht, wie der Autor sich das vorstellt - soll die Forderung sein, dass jeder Sender gefälligst sein Programm ändern *muss*? Bei aller Tragik des Geschehens: man soll es nicht glauben aber, tatsächlich, das Leben geht weiter, und die Erde dreht sich auch immer noch. Ich finde es völlig nachvollziehbar, dass ein Sender "auch" noch sein vorgesehenes Programm sendet und eben nicht sofort und total auf den Zug der hyperventilierenden Sondersendungsmaschinerie aufspringt, auch um vielleicht eine Alternative zu der Berichterstattung in anderen Kanälen zu bieten (ernsthaft, nicht jeder will von einer solchen Tragödie im Fernsehen überflutet werden...). Wer sich informieren wollte, der konnte das auf einem guten Dutzend an Sendern tun. Auch dass gerade die Vielzahl der öffentlich-rechtlichen Sender eben kein redundantes Amoklauf-Programm sondern Alternativen zu "sich selbst" bietet, ist eine gute Entscheidung. Im ZDF kam nachmittags übrigens auch noch Sport (Frauenfussball-Länderspiel), wenn auch nach Abpfiff nur sehr knapp analysiert um schnell zu einem heute-spezial abgzugeben (Katrin Müller-Hohenstein: "...an einem Tag wie diesem..."). Das ist doch völlig legitim so.

achim glück

12. März 2009, 16:30

http://www.achimglueck.de

der reporter l. becker kann garnix für hornauers auftritt. becker hasst den hornauer wie der rest der bevölkerung. hornauer hat sich da nur eben mal zugestellt, weil er immer noch der kranken meinung ist, es sei der chef von allen..auch der von l. becker. ich kenn l.b. persönlich und lege meine hand für ihn ins feuer. lothar ist ein netter mensch...mehr nicht!

palosalto

12. März 2009, 16:32

über das "bildprobelm" im zdfSpezial musste ich schmunzeln...

Peer Schader

12. März 2009, 16:40

Weil ich das jetzt erst sehe: "Willkommen zurück zum Magazin und zum schrecklichen Amoklauf in Winnenden", hat Moderatorin Annika Kipp im "Das Sat.1-Magazin"-Spezial gestern nach der Werbeunterbrechung gesagt.

 

Und vorher lief der Sat.1-Trailer:

 


Screenshot: Sat.1

Paule

12. März 2009, 16:41

Hornauer:

Was soll man denn machen, wenn der sich in einem Live-Interview in den Hintergrund stellt? Es war ein frei zugänglicher Raum. Wenn man ihn verbal auffordert hört das der Zuschauer. Wenn man ihn am Arm packt und wegzieht, sieht das der Zuschauer. Hornauer wehrt sich und wir würden hier jetzt sowas wie "Eklat in Kriche: ZDF zensiert Hornauer" lesen. Der Sender hatte keine Chance.

Paule

12. März 2009, 16:47

@nona

"Im verlinkten Artikel "Sowas ist hier noch nie passiert" wird unter Anderem kritisiert, dass ARD und SWR spät reagiert hätten und normales banales Programm gesendet haben. "

Das ist wieder diese Verlogenheit. Einerseits fordert man, dass die Sender sofort vor Ort sind und eine Zeit lang über alles informieren und macht es denen zum Vorwurf, die eben nicht sofort da sind.

Andererseits kritisiert man offensive Berichterstattung oder doppelte Interviewpartner, die nur deswegen von Sender zu Sender gereicht werden, weil die Menge an Informationen und Interviewpartner begrenzt ist.

wessinger

12. März 2009, 17:27

Jetzt warten wir noch auf den Amokläufer, der mit dem Kameramann zusammen in die Schule kommt....

nona

12. März 2009, 17:41

@Paule: Nein, das ist keine Verlogenheit (äh, hä?), sondern das sind schlichtweg unterschiedliche Autoren mit abweichenden Ansichten, die sie beide jeweils haben dürfen. Diesem pauschalen "man" schliesse ich mich nicht an. Bitte etwas weniger pauschal polemisieren und stattdessen differenzierter betrachten.

onlime

12. März 2009, 18:05

@Peer Schader: Bezüglich unpassender Bilder auf den Sendern... VIVA hat gestern aus Respekt vor den Opfern sein Programm geändert und anstatt Klingeltonwerbung nur schwermütige Musikvideos gespielt. Unter anderem auch von Rihanna - Unfaithful mit der schönen Textzeile:

"I don't wanna hurt him anymore.

I don't wanna take away his life.

I don't wanna be a murderer."

Paule

12. März 2009, 18:06

@nona

"sondern das sind schlichtweg unterschiedliche Autoren mit abweichenden Ansichten, die sie beide jeweils haben dürfen."

Mal ehrlich: Das Zuspätkommen des SWR kommentiert man reflexartig mit "Wofür zahlen wir Gebühren, wenn die zu spät kommen" und die Reportagepraxis bewertet man als "Annäherung der ÖR an die Privaten." Selbst den Hornauer schiebt man dem ZDF persönlich in die Schuhe.

Es bedarf zweier Meinungen um zwei Seiten einer Medaille zu kritisieren. Beim richtigen Thema bekommt man von Seiten der Öffentlichkeit zu beiden Positionen Zustimmung. So wie hier. Die Öffentlichkeit fordert frühzeitige umfassende Berichterstattung und dies hat halt ihre Schattenseiten.

Immerhin gibts bei RTL das exklusive und ungekürzte Selbstmordvideo.

Barbara

12. März 2009, 19:24

http://AHBHertel@t-online.de

Bravo! Die Medien haben es gestern geschafft in unnachahmlicher Weise einem Amokschützen ein riesen Forum zu Verfügung zu stellen.

Vor keinem Überlebenden wurde halt gemacht und auch in der Kirche wurde munter weitergedreht. Das war keine Berichterstattung mehr, das war nur noch sensationsgeil!

Auf dem einem Sender Wintersport mit einer Waffe auf den anderen Sendern NONSTOP- Berieselung  Amoklauf! Amoklauf jagt Quote!

Ohne umfassendes Hintergrundwissen kam es gestern zu permanenten Vorverurteilungen von Dingen und Personen.

Wir alle sind für ein solches Geschehen mitverantwortlich. Wir haben den sozialen Umgang mit unseren Mitmenschen verlernt.

Wir ziehen uns eine Katastrophenmeldung nach der Nächsten rein, sind davon paralysiert und wollen die kleinsten , kleinen positiven Entwicklungen in unserem Umfeld nicht mehr wahrnehmen. Zu hören wollen wir überhaupt nicht mehr. Wir könnten ja erfahren wie es dem Anderen geht. Das ist unser Problem!

Giubar

12. März 2009, 20:02

Meiner Meinung nach ist es eher verwunderlich, dass sich immer wieder Leute finden, die auch bereit sind, irgendetwas zu erzählen. Wie kommt man denn auf die Idee, sich mit irgendwelchen beliebigen Aussagen im Fernsehen wiederfinden zu wollen? Das Problem ist doch, dass man offensichtlich meint, etwas darzustellen, wenn man mal im TV auftaucht. Die Leute haben keinerlei Schamgefühl und Zurückhaltung.    

mathis

12. März 2009, 20:25

@barbara: also, ich habe das Problem nicht.

@paule: nona hatte das ja schon versucht: "man" kommentiert überhaupt nicht und "man" ist deshalb auch nicht verlogen.

ICH zum Beispiel kann auf die Sofortberichterstattung und Programmänderungen völlig verzichten, genauso auf Interviews mit Beteiligten. Ein reflektierender Artikel oder Beitrag am nächsten Tag würde ohne jede Einbuße das Gleiche liefern und einige Schwächen und Probleme der Sofortberichterstattung umgehen. Kann man natürlich anders sehen und ich habe auch nichts gegen Berichterstattung, jedenfalls nicht als solcher. Guck ich halt nicht.

Aber wenn man Sofortberichterstattung macht, muss man auch diese mit hoher Qualität und moralisch rechtfertigbar gestalten. Das versichern CvDs, Programmchefs und einzelne Reporter ja auch ständig. Kritik kann man nicht dadurch abwürgen, dass man widersprüchliche Anforderungen feststellt. Natürlich gibt es widersprüchliche Anforderungen. Die gibt es bei fast allen anspruchsvollen Aufgaben...

Djoma

12. März 2009, 20:26

Ich habe das Gefühl, daß bei der derzeitigen Art der Informationsübermittlung auf einigen Sendern "Zuhören" das letzte wäre, was einem Fernsehzuschauer wachrütteln könnte.  - Wunderschön und beispielhaftfinde ich derzeit die Berichterstattung der Nachrichtensender. So etwas wie themenspezifische Dokumentationen, die Phönix derzeit in Dauerschleife zwischen seiner Berichterstattung mit Experten durchnudelt scheint es bei N24 und N-TV nicht zu geben (Ich könnte mich da jetzt auch nicht direkt an einen Experten erinnern). Da läuft scheinbar den ganzen Tag über eine Bildschleife ab (Ich weiß nicht, wie oft ich schon einen Polizisten gesehen habe, welcher die beiden Hecktüren seines Transporters zuklappt) während hektisch wirkende Sprecher unkonzentriert die Fakten aus der Laufschrift runterlabern. Es scheint, als würden sie nebenbei noch in der Tagespresse blättern, denn ein einigermaßen verständlicher Satzbau kommt dabei selten herum. Hoffentlich wird bald mal wieder 'ne Panzerdoku zur Auflockerung des Programms gesendet. Den Reportern, denen zu Einstieg eines jeden Gesprächs erst einmal die aktuelle Nachrichtenlage vorgelesen wird, (welche sich mutmaßlich seit der letzten Schalte vor 30 Minuten nur in den Nuancen der Wiedergabe geändert haben mag), die dann wiederum noch einmal die aktuelle Nachrichtenlage wiederholen um dann zu wiederholen, daß sich die aktuelle Nachrichtenlage kaum geändert hat, wäre ein Stündchen Pause zu gönnen. Wer weiß, vielleicht ändert sich bis dahin ja noch einmal die aktuelle Nachrichtenlage.... von den Pressekonferenzen einmal abgesehen. Ab da kommt dann auch der Praktikant wieder zur Arbeit, er kann die Laufschrift aktualisieren, welcher dann den Leitfaden für den Rest Programms wie oben geschildert bildet. - Ja, ich weiß, ich hätt's ja auch abschalten können.

Mobber

12. März 2009, 22:28

ab sofort gelten alle männlichen Schüler (und es sind, wie einer der Interviewparterner bestätigte nur männliche) potentielle Mörder, die dunkel gekleidet durch die Schulen laufen. In Schulen werden Sicherheitsdienste eingerichet und jeder Schüler bekommt seinen persönlichen Psychologen zur Seite gestellt???.

Da man wohl in Wenningen nach den ersten Schreckminuten keine neuen Interviewpartner fand, hat das ZDF im Morgenmagazin einfach eine Berliner Schule besucht und dort völlig unbeteilgte Schüler "bei ihrer Trauerarbeit" begleitet und merkwürdige Fragen gestellt: Glaubst du, dass der heutige Tag ein ganz normaler Unterrichtstag wird? Die Frage wurde von einer Schülerin und einem Schüler mit ja beantwortet, was diese Jugentlichen evtl. jetzt zu gefühlosen Monstern macht??

Manche Fragen sollte man einfach nicht stellen, und schon gar nicht halbwüchsigen (evtl. noch minderjährigen) Schülern. So eine Frage dient weder der Sache, noch dient sie der Aufklärung oder Erklärung dessen, was in der Nähe von Stuttgart passiert ist. Es handelt sich - bei allem Geschrei - letztlich um einen (sehr tragischen) Einzelfall. Dass man 2 weitere Fälle aus den Archiven gräbt, ist wohl auch kaum hilfreich. Der Amokläufer war ein Einzeltäter, der zufällig an Waffen kam. Unter anderen Rahmenbedingungen hätte er wahrscheinlich einen Mord in anderer Form begangen. Aber die Ursache/Schuld liegt in seiner Person, nur die Art der Tat hat er am heutigen Umfeld ausgerichtet. Damit sind nicht alle Jugendlichen potentielle Amokläufer. Man würde ja auch die Tat eines Mörders nicht automatisch auf andere Gleichaltrige projizieren.

Bianca..

12. März 2009, 23:05

"RTL zeigte das ungekürzte Video" - das stimmt nicht. Der Moment des Selbstmordes ist offensichtlich herausgeschnitten.

Darian van Dark

13. März 2009, 07:01

"Die gleiche Prozedur wie nach dem letzten Amoklauf?" "Die gleiche Prozedur wie nach JEDEM Amoklauf!" Berichten, Fragen stellen, Überlebende reden lassen, Programm kurzfristig ändern, sich über Videohandys freuen und hoffen, dass beim nächsten Mal die Bildqualität besser ist. Und nicht die Psychologen vergessen, die man alles noch mal kommentieren und hinterfragen lässt. In 3 Wochen redet kein Mensch mehr drüber, wir haben unsere moralische Schuldigkeit aus Mitgefühl getan und widmen uns wieder den wichtigen Dingen des Lebens. Jeden Tag sterben auf der Welt zehntausende Menschen - aber bei 16 vor der eigenen Haustür starten wir den Betroffenheitsaufriss. Das war so, das ist so, das wird immer so sein.

daschauher

13. März 2009, 10:24

> Google-Earth-Karten sind wohl inzwischen Standard bei allem und jedem geworden. Manchmal konnte man glauben, der Zoom reicht weiter bis ins Elternhaus des Täters und hinein in den Waffenschrank. Vermutlich kann man sich bald den Tathergang solcher Geschehnisse von TV- oder Zeitungs-Online-Seiten nachträglich als Download auf den eigenen PC holen und alles "nachspielen".

>  Nicht nur Hornauer war prominent im Bild, sondern auch ein gewisser Timo Tasche. Seit Jahren bekannt als Berufs-Betroffenheits-Demonstrant - vergleiche hierzu z.B. Stern-Artikel vom Januar 2008. Taucht überall auf, wo was Schreckliches passiert, meistens mit "Warum?"-Schild; diesmal mit "Gott wo warst Du?"-Plakat, wenn  ich´s richtig gesehen habe. Sollte eigentlich inzwischen bei den Medien (als persönlich Unbetroffen) bekannt sein, wurde aber wieder von allen Kamerateams gern genommen und prominent ins Bild gesetzt.

> Wenn mich nicht alles täuscht, hat es ausgerechnet im SWR-3-Fernsehen eine Zusammenfassung der Ereignisse gegeben, wo Polizisten im Anmarsch, weinende Mädchen und bestürzte Eltern zu sehen waren, alles unterlegt mit einem Schmusesong eines/r mir unbekannten Interpreten/in. Wann kommt der erste Klingelton fürs Handy mit den Todesschüssen?

>>> Fazit: Zweimal leidet der Zuschauer. Zuerst mit dem Verbrechen, danach mit der medialen Aufbereitung. Soll man noch - z.B. mit der Teilnahme an einem Gedenkgottesdienst - sein Mitgefühl zeigen, oder nicht besser - ohne interviewt und gefilmt werden zu müssen - zuhause bleiben?

kritiker

13. März 2009, 10:52

ich finde disese bereichterstattung eh zuviel d es guten...damit bietet man dem kjetzigen und zukünftogen amokläufern doch nur ne plattform!da wird sogar das abend-programm  abgesetzt, weil ein idiot durchdreht^^ hallo?! wegen einem spinner kuss ganz deutschland leiden(programmtechnisch)?!

kritiker

13. März 2009, 10:53

die trittbrettfaherer haben wir übrigens den medien zu verdsanken...weil die dem amokspinner zu viel aufmerksamkeit schenken

Thorsten

13. März 2009, 21:58

Danke liebes FAZ-Team!

Nachdem mir mehrere Male die Kotze hochgekommen ist ("Alle Bilder! Alle Videos..."), möchte ich mich für den Artikel bedanken.

Als besonders erschreckend empfinde ich die Mystifizierung des Täters in der BILD. Für manche wird er so sicher zum Vorbild.

TimoTasche

28. März 2009, 13:18

Tasches Senf: Liebe Kritiker, leider muss ich euch in vielen Teilen Recht geben. In der Tat habe ich auch Leute beobachtet, die teilweise grinsend hinter einer Live-Schalte des TV stehen und mit "zu Hause" telefonieren , ob sie richtig im Bild sind. Das sind unschöne Seiten einer Berichterstattung. Die Fernsehmacher haben allerdings auch eine wahre Herkulesarbeit zu verrichten. Das ist eben NICHT alles so simpel wie es später auf dem kleinen TV-Gerät aussieht. Was "Thomas Hornauer" betrifft, so muss ich sagen, DSDS sucht den Superstar und Thomas Hornauer war eben in Winnenden im Bild. Wenn er da war, war er eben da. Warum habt ihr ein Problem damit? Er hat ja keine Faxen gemacht und nichts zu sagen ist ja auch ein Ausdruck, wenn gleich auch kein Grimme-Preis verdächtiger.!!! Was mich betrifft: Ich bin Demonstrant. Und bin immer da wenn gegen etwas demonstriert werden MUSS. Ich kann nicht verstehen, das man noch über jemanden diskutiert, der GEGEN einen Missstand aufrütteln will. Am Ende kann man auch Alles negativ auslegen. Übrigens: Wenn NICHT berichtet würde, würden sich bestimmt auch wieder Kritiker finden , die dies kritisieren.

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