Das Fernsehblog
Artikel-Services

Was sich alles nicht vom Privatfernsehen auf ARD und ZDF übertragen lässt

07. April 2009, 17:50 Uhr

Der "Spiegel" berichtet in seiner aktuellen Ausgabe darüber, wie die einbrechenden Werbeerlöse dazu führen, dass die privaten Fernsehsender ihre Ausgaben zurückfahren müssen. Für ARD und ZDF seien das gute Zeiten, heißt es:

Weil sie sichere Gebührenmilliarden einnehmen, sind sie für Produzenten so attraktiv wie selten. Die würden ihm fast die Türen einrennen, sagt ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut. Aber manche Hoffnung, bei den Privaten abgelehnte Formate bei den Öffentlich-Rechtlichen unterzubringen, dürfte sich zerschlagen. Das wenigste lasse sich einfach von einem Privatsender auf öffentlich-rechtliches Fernsehen übertragen, meint Bellut.

Recht hat er. Welche Formate lassen sich schon einfach so vom privaten aufs öffentlich-rechtliche Fernsehen übertragen?

Die Daily Soap ist eine Ausnahme, wie "Marienhof" und "Verbotene Liebe" in der ARD beweisen (und der ZDF-Versuch, mit "Jede Menge Leben" eine eigene Variante von "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" im Programm zu etablieren, brachte es auch immerhin auf 313 Folgen).

Ach ja, und die Telenovela ist im Grund natürlich auch ein privates Format, macht sich aber gerade als "Sturm der Liebe" (ARD), "Rote Rosen" (ARD) und "Alisa - Folge deinem Herzen" (ZDF) im öffentlich-rechtlichen Nachmittagsprogramm breit.

Sicher, die tägliche Quizshow wäre noch ein Gegenbeispiel, ein gewisser Jörg Pilawa hatte sie vor ein paar Jahren bei Sat.1 etabliert, kam aber dann damit ins Erste.

Logisch, die große Prime-Time-Quizshow mit Riesengewinnen muss man auch ausnehmen, wenn man die Show "CA$H - Das eine Million Mark Quiz" kennt, mit der das ZDF 2001 auf den Erfolg von "Wer wird Millionär" im ZDF reagierte.

Klar, das Konzept eines Boulevardmagazins ließ sich auch relativ mühelos von "Explosiv" (RTL) auf "Brisant" (ARD) und "Hallo Deutschland" (ZDF) übertragen.

Und Castingshows natürlich, aus "Deutschland sucht den Superstar" (RTL, 2002) wurde ruckzuck "Die deutsche Stimme" (ZDF, 2003).

Okay, und Doku-Soaps sind auch eine Ausnahme: Die RTL-Reihe "Papa gesucht" läuft im ZDF unter dem Titel "Kleine Familie sucht große Liebe", die RTL-Reihe "Unser neues Zuhause" heißt in den Dritten Programmen von WDR und NDR "Frau Dr. Haus" und das Konzept der RTL-Reihe "Rach der Restauranttester" findet sich im NDR-Fernsehen unter dem Namen "Retten Sie unser Hotel!"

Richtig, Test-Shows müsste man noch nennen: Nachdem bei RTL von 2001 an "Der große IQ-Test" lief, machte die ARD 2003 aus der Idee unter anderem "Pisa" mit Jörg Pilawa und das ZDF 2007 "Wie schlau ist Deutschland" mit Johannes B. Kerner.

Hach, und die Familientauschformate sind natürlich auch Ausnahmen, wie die ZDF-Sendung "Gottschalk zieht ein" und die ARD-Variante "Hausbesuch" bewiesen.

Und die Idee, im Talk am Sonntagabend so gegen zehn mit Politikern Woche für Woche die gleichen Themen durchzunudeln, die ließ sich auch ganz leicht vom privaten ("Talk im Turm", Sat.1, ab 1990) ins öffentlich-rechtliche ("Sabine Christiansen", ARD, ab 1998) Fernsehen übertragen.

Gut, und das Format der B-Promi-vor-Filmausschnitt-Shows, in denen unbekannte Menschen Dinge und Ereignisse kommentieren, möglichst verbunden mit irgendeinem Ranking, musste von den Vorbildern wie der "Ultimativen Chart-Show" oder der "80er Show" (beide RTL) auch nicht verändert werden, um endlos vervielfacht in den Dritten Programmen wie dem HR-Fernsehen Platz zu finden.

Aber von diesen wenigen Ausnahmen abgesehen, da hat Herr Bellut schon Recht, lassen sich wirklich die wenigsten Formate einfach vom Privatfernsehen auf öffentlich-rechtliches Fernsehen übertragen.

Veröffentlicht 07. April 2009, 17:50 von Stefan Niggemeier
Kommentare

SamaX

07. April 2009, 18:08

So einfach ist das ja nun auch nicht ;-) Man bedenke, dass es immerhin noch die große Herausforderung gibt, solche Formate ohne Werbung (Werbeblöcke sind gemeint ;-) ) zu produzieren. Diese zusätzlichen Minuten muss man ja erstmal mit Inhalt füllen...

Paule

07. April 2009, 18:10

Tja... Herr Bellut. Eigentor. Besonders wo das ZDF bei der Unterhaltung ein fieses Defizit bei Zuschauern ohne graue Haare hat.

Umgekehrt käme er besser weg. Anständige Nachrichten bei den Privaten? Ernsthafte Dokumentationen? Anspruchsvolle Filme? Kulturmagazine? Politsatire?

Wenn man sich überlegt, dass Nano mal ein Me-to-Produkt nach Galileo war und wie sich Galileo sehr zum Schlechteren verändert hat, während Nano immer noch hochwertig daherkommt...

Und Stefan: Jede noch so inhaltsübersichtliche Telenovela ist ehrlicher als Scripted Reality wie Mitten im Leben.

Darian van Dark

07. April 2009, 19:44

So langsam scheint mir als habe Herr Peer sowohl als auch Herr Niggemeier aktuell langeweile und müssen sich irgendwelche wirklich unwichtigen Themen raussuchen um daraus binnen kürzester Zeit eine wahre Blogflut loszutreten. Dabei sei angemerkt: Die Idee, in Form eines Blogs das TV- und Mediengeschehen kritisch zu hinterfragen: Von wem eigentlich ist diese Idee geklaut?  Und werte Autoren: Wenn Sie einmal tief in der Vergangenheit von ARD, ZDF und WDR buddeln möchten: Da wurden schon Quizsendungen veranstaltet, Talkshows abgehalten und anderweitige Formate erfolgreich etabliert: Da wusste man noch nicht einmal, was Privatfernsehen bedeutet und das so etwas jemals kommen würde.... also eigentlich haben die Diebe von den Dieben geklaut was die Diebe einst von den Dieben klauten. Oder so?

Darian, diebisch seit 1975.

Martman

07. April 2009, 19:49

Stefan bist du dir sicher, dass jedes Format vorher schon auf den privaten TV-Sendern gelaufen ist? z.B. Raus aus den Schulden kommt von der ARD.

Stefan Niggemeier

07. April 2009, 19:56

@Darian: Ja, Quizshows gab es schon, als es das Privatfernsehen noch nicht gab. Aber eine Show wie "CA$H" war, wie man unschwer erkennen konnte, die unmittelbare Reaktion auf "Wer wird Millionär".

Es geht doch hier gar nicht ums Klauen. Es geht um die lustige Aussage von Herrn Bellut, dass sich Formate der Privatsender nicht ins öffentlich-rechtliche Fernsehen übertragen lassen.

@Martman: Nein, ich bin mir nicht sicher, dass jedes Format vorher schon auf den privaten TV-Sendern gelaufen ist. Ich hab das aber auch nicht behauptet.

Michael

07. April 2009, 20:15

Sehr schön.

Allerdings würde bei "CA$H" und "Die deutsche Stimme" schon stimmen, dass sich das nicht "einfach so" übertragen lässt. Hat ja nicht geklappt, die RTL-Vorbilder laufen deutlich besser. Falls das ZDF aus solchen Fehlern gelernt haben sollte, darf Bellut das auch so sagen. Also falls. Naja.

Trotzdem, da sind ja noch die anderen Beispiele und es bleibt auch so ein schöner Text.

J. S.

07. April 2009, 20:18

@Stefan:

Telenovelas gab es aber schon in den 80ern in der ARD, also bevor die Privaten auf diesem Zug aufgesprungen sind. Ich erinnere nur an "Die Sklavin Isaura". Ich musste manchmal mitschauen, weil meine Eltern sich dies angetan haben.

Irgendwann war das Interesse so gering, dass man auf keinem Sender eine Telenovela vorfinden konnte.

Mit "Verliebt in Berlin" kam es zur Renaissance der Telenovelas.

Ein Punkt fehlt.

Nachdem mit "Hans Meiser" und "Ilona Christen" RTL sehr erfolgreich war, kopierten andere Sender dieses Format des Daily-Talks. Neben Sat.1 und Pro7 gab es dann tatsächlich im ZDF einen weniger erfolgreichen Daily-Talk-Abklatsch mit Tommi Ohrner.

MTSiegl

07. April 2009, 20:57

Es kotzt einen an dieses hochnäsige Gequassel Herr Niggemeier. Wenn man wieder um Werte diskutiert oder sich fragt, wie eine Gesellschaft so verkommen konnte, dann hat das etwas damit zu tun, dass man respektlos ist und respektlose Sendungen macht und keinen Respekt vor Millionen grauen Zuschauern hat und auch noch Unwahrheiten verbreitet. Wer hat die Telenovela in Deutschland eingeführt und gibt vielen Hundert Leuten Arbeit, Brot und offensichtlich Spass. Wer hat große Shows gemacht, wer hat Talkshows eingeführt.  Note sechs Herr Niggemeier. Und vielelicht mal journalistisch sauber recherchieren statt zu geifern und die Privatsender hoch zu halten. Sie werden doch nicht etwa von denen bezahlt?

Paule

07. April 2009, 21:07

@J.S.

"Mit "Verliebt in Berlin" kam es zur Renaissance der Telenovelas."

AFAIK war das ZDF hier schneller.

Stefan Niggemeier

07. April 2009, 21:08

@MTSiegl: Sie sind aber gut in Fahrt. Vielleicht könnten Sie sich im Ton ein wenig mäßigen?

Und wer sind diese Millionen "grauen Zuschauer"?

Rolf53

08. April 2009, 09:45

Ich hoffe, dass eine intensive Diskussion über Rundfunkgebühren einsetzt mit dem Ziel, die Rundfunkgebühren gänzlich abzuschaffen. Alle Medienanstalten sollen sich über Werbung und Abonnements finanzieren. Wer keine Werbung im Fernsehen schauen mag, soll mit seinen Rundfunkgebühren werbefreie Sendungen abonnieren.

Die Rundfunkgebühren bevorzugen gravierend die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten ohne einen Gewinn an Qualität. Die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten weiten ihre Programmangebote dauernd terrestrisch, über Satellit oder im Internet aus und schreien dann nach Gebührenerhöhungen. Warum werden regionale dritte Programme der Bundesländer deutschlandweit auf Kosten der Gebührenzahler ausgestrahlt? Wann wird den privaten Sendern endlich fairer Wettbewerb ermöglicht? Wann hört endlich die Verdrängung der privaten Sender durch die Gebühren fressenden Moloche der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten auf? Schließlich sieht man am besten, wenn man beide Augen gleichzeitig benutzt und nicht nur eins, egal ob das zweite oder das erste.

Ein Leser

08. April 2009, 10:20

@Niggemeier: Der MTSiegl hat schlecht gefrühstückt. Ich habe ob dieses EIntrags in Ihrem Blog erstmal das einzig richtige getan im Angesicht der Senderanalyse: ich habe herzlich gelacht. MfG ein Leser.

MTSiegl

08. April 2009, 10:32

Naja, man kann diese Angriffe auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen einfach nicht mehr ertragen. Umgekehrt sind "die Journalisten" ohne jede Selbstkritik. Warum? Weil sie diejenigen sind, deren "Statements" - egal ob sachich in Ordnung oder nicht - in der Öffentlichkeit kursieren und von vielen für bare Münze genommen werden. Das ist MACHT. Und mit Macht muss man sorgfältig und sauber umgehen. Respektvoll, wie man heute wieder sagen darf. Respektvoll gehen Journalisten nicht mit älteren Zuschauern um. Sie klatschen ihnen Tag für Tag um die Ohren, was sie für "Schrott" anschauen. Die öffentlich-rechtlichen, die fürwahr für die gesamte Kultur in Deutschland sehr viel tun - und denen man natürlich auf die Finger schauen muss und darf wie sie mit unseren Gebühren umgehen - werden permanent gegeisselt, lächerlich gemacht (da schauen ja nur noch alte Leute zu, die jungen wollen das nicht mehr) und vorgeführt. Von Journalisten, die sich hoffentlich ebenfalls - wie die Banker - mal fragen, was sie da eigentlich machen. Wie sie mit anderen umgehen? Was für einen Ton sie drauf haben? Warum sie ständig die Mär von den schlechten Redakteuren und Verantwortlichen,  die nur eins im Sinn haben, die Gebühren rauszuwerfen, durch die Gegend tragen. Und lustigerweise findet jeder einzelne Journalist nur das gut, was ihm selbst gefällt. Auch klar! Und in den TV-Medien finden Sie auch nicht mehr - wie früher - eine saubere Trennung von Meinung und Information des Zuschauers. DA müßte mal angefangen werden zu diskutieren, welche Macht diese "Meinungsmacher" haben, die noch nicht mal mehr ihre Meinung verstecken. Mich wundert nicht, dass Politiker hier durchaus mal den Finger drauf legen und fragen, was hier schief läuft. Wobei sicher richtig ist, dass man - ebenso wie bei der Bahn, bei Siemens, bei VW oder sonstwo - hinterfragen darf, wofür die die Gelder verwenden. Klar! Lesen Sie mal, WIE Sie geschrieben haben. Hämisch und in vielem auch noch falsch. Und das als TV-Experte. Darum geht es! Ich wünsche mir wieder sauberen Journalismus. Informiert mich und überlaßt MIR die Entscheidung, wie ich damit umgehe. Zwingt mir nicht Eure Meinung auf, Eure Überzeugungen und Eure politische Richtung.  Schauen Sie mal kritisch in Nachrichten oder andere Magazine. ICH erlebe kaum mehr einen Moderator, der nicht vor eigener Wichtigkeit bad platzt und seine Meinung staatstragend vor sich her trägt. Und gleichzeitig die Politiker - oder andere - runter macht für deren Gehabe... Wie gesagt. Der Satz von den neuen Managern oder neuen Bankern oder oder ist 1:1 auf die Forderung nach neuen Journalisten übertragbar. Mit genau der gleichen Begründung. Dass sich auch in den Kommentaren auf Ihren Blog die Schreiber so ganz selbstverständlich über die älteren Zuschauer lustig machen und sich totlachen über ZDF und ARD, denen die Jungen davon laufren, ist darauf zurück zu führen, dass ihnen das die Medien täglich hämlich vor-schreiben und vor-sagen. Das war gemeint damit, dass es "Millionen graue Zuschauer" gibt, die auch Gebührenzahler sind, die bestimmte Formate lieben und denen ständig gesagt wird, was sie eigentlich für Schrott anschauen.

MTSiegl

08. April 2009, 11:17

Jessas, man könnte ständig hier rumschreiben... dabei habe ich keine Zeit... Aber eins finde ich schon spannend. Die gleichen Leute, die gerne hätten, dass wir mit Steuer-Milliarden verhindern, dass 100.000 Opel-Mitarbeiter arbeitslos sind, fordern eiskalt die Abschaffung von Gebühren und Sendern. Schon mal überlegt oder auch nur gerechnet, wieviele Arbeitslose das für Deutschland bedeutet? Und wofür? Mir persönlich ist es tausendmal lieber, auf Arte, bei Phoenix und auch bei den anderen ö-r-Sendern ohne jede Werbung tolle Sendungen schauen zu können. Weil ich weiß, dass ich über jeden Kassenbon die Werbung mit bezahle, die mich dann zusätzlich noch unendlich viel Zeit kostet. Und Zeit ist auch Geld! Statt 90 Minuten muss ich zwei Stunden einen Film schauen und ähnliches. Außerdem mag ich tolle Orchester, die von Rundfunkanstalten unterstützt werden und ich finde es grandios, dass wir einen guten, werbefreien Kindersender und tolle Kinderprogramme haben. Was zum Beispiel die Sender hier tun, interessiert niemanden. Ich zahle dafür den Preis von 17.98 Euro monatlich sehr gerne.

Denken

08. April 2009, 11:33

Man sollte es eher andersherum betrachten.

So bieten die ö.R. auch vielen Formaten Raum die bei den Privaten überhaupt keine Chance hätten und haben.

Klassisches Beispiel: Gute politische Satire.

Da sind die Privaten doch die größten Kriecher! Bloß nichts zu provokantes immer schön brav Mainstream.

georgie

08. April 2009, 11:58

Hier fehlen glaub ich noch die Box-"Galas", in dieser Form eine "Erfindung" von RTL (in Anlehnung an die USA.

Aber man muss ja nicht nur das Format klauen. Eine Serie übernehmen, geht auch. Siehe "Bergdoktor".

Paule

08. April 2009, 12:20

@Georgie

"Aber man muss ja nicht nur das Format klauen. Eine Serie übernehmen, geht auch. Siehe "Bergdoktor"."

Das ist leider kein gutes Beispiel, weil diese Serie von Sat.1 ganz offiziell fallengelassen wurde, weil das Publikum nicht mehr passte. Das ZDF produziert hier also eine Serie, die kein Privater mehr anbietet.

Stefan Niggemeier

08. April 2009, 12:26

Der "Bergdoktor" ist das perfekte Beispiel. Es geht doch darum, dass Bellut sagt, private Formate ließen sich fast nie aufs öffentlich-rechtliche Fernsehen übertragen. Auch beim "Bergdoktor" hat das ZDF das locker hingekriegt.

(100 Punkte übrigens für den ersten der errät, an welchen Sender RTL 2001 die Wiederholungsrechte für seine Schmonzette "Ein Schloss am Wörtersee" verkaufte.)

Thomas Television

08. April 2009, 13:02

http://tvundso.wordpress.com

Lustig geschrieben, wie auch schon der Artikel in der APuZ.

Mein Vorschlag ist ja, dass ARD und ZDF nicht einfach nur Formate aus dem Privaten übernehmen, sondern nur die grundsätzliche Darstellungsform und diese dann mit irgendeiner Art Niveau füllen, so wie etwa die BBC mit dem irgendwie klugen und witzigen und charmanten Apprentice gemacht hat (vergleich dazu die private Version aus Amerika). Statt Restaurants könnte man in den ARD Theater sanieren (ernsthaft) und wie wäre es mal mit einem Amazing Race mit Intellektuellen (oder so) durch Europas Kulturmetropolen, quasi statt "Durch die Nacht mit..." -> "Um die Wette durch Europa mit...".

Hab ich schon öfter geschrieben und würde ich wirklich gerne sehen. .

Jo

08. April 2009, 13:24

Etwas sorgfältiger müssten die ÖR schon mit den GEZ-Gebühren umgehen. Brauchen wir z.B.  ein ARD- und ein ZDF-Wahlstudio ? Benötigen wir in Zeiten des Kabel- oder Satelitenfernsehens noch den WDR, SWR, NDR, MDR, BR, HR usw. ? Bis auf wenige regionale Sendungen werden doch in jedem Sender diesselben Beiträge und Filme gesendet, bzw. wiederholt. Und jeder leistet sich dazu einen Riesenstab an Mitarbeitern.

Christian

08. April 2009, 13:28

Betr: Wörthersee.

An die ARD?

Kann ich mir von den 100 Punkten jetzt einen Eisbecher leisten?

Paule

08. April 2009, 14:54

@Stefan Niggemeier

"Der "Bergdoktor" ist das perfekte Beispiel."

Es wäre das perfekte Beispiel, wenn Sat.1 noch Intersse am Bergdoktor hätte. Hat es aber nicht. Wenn das ZDF jetzt den Bergdoktor macht, dann spricht man damit ein Publikum an, welches durch die Privaten nicht (mehr) angesprochen wird. Das ZDF belegt eine Lücke.

Paule

08. April 2009, 14:58

@ Thomas Television

"Hab ich schon öfter geschrieben und würde ich wirklich gerne sehen. ."

Geh in die 3sat-Mediathek und schau dir 1-2-3-Moskau und 1-2-3-Istanbul an. Das ist genau das, was du forderst. 2 Leute fahren um die Wette nach Moskau bzw. Istanbul und besuchen Künstler und Bands oder informieren sich über die Geschichte der Hauptstädte, durch die sie kommen.

Stefan Niggemeier

08. April 2009, 16:18

@Paule: Die Frage, ob Sat.1 noch Interesse am Bergdoktor hatte, ist doch irrelevant, wenn es darum geht, ob sich Formate vom Privatfernsehen einfach so ins öffentlich-rechtliche Fernsehen übertragen lassen. Um nichts anderes geht es in diesem Eintrag.

@Christian: Den gibt's erst leider erst ab 101...

Paule

08. April 2009, 16:46

"Die Frage, ob Sat.1 noch Interesse am Bergdoktor hatte, ist doch irrelevant, "

Bellut meint aktuelle und zukünftige Formate. Die Liste oben bezieht sich auf zeitnahe Übernahmen. Der Bergdoktor hingegen kam erst zum ZDF, als Sat.1 nichts mehr damit anfangen konnte. Es ist kein Format, welches jetzt auf beiden Seiten des dualen Systems gleichzeitig zu sehen sein könnte. Weil sich eine Seite davon verabschiedet hat. Vergleichbar wäre es, wenn das ZDF zu Zeiten des 'Bergdoktors' die 'Almpraxis' eröffnet hätte. Das wäre "Me-to" gewesen, während es jetzt eher Marktlücke ist.

Paule

08. April 2009, 16:50

@Jo "Brauchen wir z.B.  ein ARD- und ein ZDF-Wahlstudio ?"

Die Politik gibt vor, dass wir zwei konkurrierende System haben sollen. Die Sender folgen damit dem Auftrag.

Keine Frage: Das war nie so sinnlos wie heute, wo es besser wäre, beide Sender sinnvoll neben- und nicht gegeneinander zu stellen. Aber das Ergebnis ist nur eine Folge des Rahmens.

Bei den Wahlen bedienen sich die Privaten ja gern an den doppelten Hochrechnungen. Haben also alle etwas davon ;)

TVjunkie

08. April 2009, 16:57

Noch ein Beispiel: "Die Anwälte". Produziert von einer NDR-Tochter für RTL. Da gesendet und nach einer Folge gleich wieder abgesetzt, danach verkauft ans Erste und dort untergegangen...  

Thomas Television

08. April 2009, 19:25

http://tvundso.wordpress.com

@Paule:

Danke für den Tipp! Klingt super. Klingt tatsächlich genau wie das, was ich mir wünsche. Wobei 2 Leute mir noch zu wenig sind. Es sollten schon mehrere Teams sein für meinen Geschmack. Aber nach 2 Folgen ist ja dann schon Schluß :(

Christopher

09. April 2009, 13:15

http://www.hingesehen.net

Belluts Äußerung ist unlogisch und schlichtweg falsch, da sind wir uns glaube ich alle einig hier. Es kommt auch gar nicht unbedingt im Einzelfall darauf an, ob ein Format jetzt zunächst bei den Öffentlich-Rechtlichen oder den Privaten vorkam. Die interessantere Frage ist für mich eher, inwieweit Erstgenannte einfach nur noch kopieren und auf Trends aufspringen - zum Teil zu spät wie das o.g. Beispiel "Die deutsche Stimme" im Vergleich zu "DSDS" zeigt, denn neben der Charakterfigur Bohlen war es einfach nicht das Original.

Insgesamt ist aber der Vergleich Öffentlich-Rechtlich und Private in Frage zu stellen, denn im Ausland ist dieses TV-System sowieso nicht sehr verbreitet. Die Angebote, die dort laufen, sind dennoch vergleichbar (und damit in der Theorie auch auf unser System transferierbar).

Baumi

09. April 2009, 16:00

http://www.seifenschreiber.de/

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass längst nicht alle ÖR-Varianten dieser Formate auch ihre Zuschauer fanden. ZDF-Castingshows z.B. floppen mit schöner Regelmäßigkeit und auch die ARD-Vorabend-Soaps haben Zuschauerzahlen, bei denen kein Privater sie weiter durchschleppen würde.

So gesehen kann man also schon argumentieren, dass sich nicht alles übertragen lässt - zumindest nicht mit Erfolg. Das hindert allerdings die Verantwortlichen bei ARD und ZDF nicht daran, wieder und wieder zu versuchen, die private Konkurrenz zu kopieren, statt eigene Ideen und Konzepte dagegen zu setzen.

Paule

09. April 2009, 16:36

@Baumi

"Das hindert allerdings die Verantwortlichen bei ARD und ZDF nicht daran, wieder und wieder zu versuchen, die private Konkurrenz zu kopieren, statt eigene Ideen und Konzepte dagegen zu setzen."

Ich glaube wir sind uns schon einig, dass ARD und ZDF nicht der Hort der Kreativität sind. Aber dieses Kopier-Argument ist doch ein wenig platt und abgegriffen. Denn für jedes Kopiert-Format gibt's mindestens eins, was nur die ÖR, aber nicht die Privaten haben. Und es gibt auch genug Beispiele, wo die ÖR zuerst waren.

MTSiegl

09. April 2009, 17:18

Dass die ÖR zu spät und dann noch ohne eigene Ideen auf Züge aufspringen ist wirklich furchtbar. Betrifft hauptsächlich den Show-Bereich. Da könnte man aber doch durchaus mal genauer fragen, wer dafür eigentlich verantwortlich ist... vielleicht "investigativ" Herr Niggemeier? Da wird seit Jahren einiges gemunkelt... Da die Journalisten bei drohenden Entlassungen aber kollektiv aufschreien, jedenfalls wenn Politiker sowas fordern, kann man hier nix erwarten. Letztlich ist mir wurscht, wer Konsequenzen fordert, wenn es sachlich stimmt. Da würde ich gerne in das allemeine Geschrei einstimmen, dass mit "meinen Gebühren" keine Pfeifen gehalten und - inklusive toller Zusatzrente - jahrzehntelang bezahlt werden. Konkret sind ja - wenn man obige Aufzählungen anschaut - die Show-Abteilungen gemeint. Was von den Abteilungsleitern seit Jahren "verbrochen" wird, hätte bei den Privaten längst zu Entlassungen geführt. Aber bei den ÖR hat man auch nach dem x-ten Flop oder Schrott sichere Arbeitsplätze (wie schön gell)... DSDS Verschnitt mit Musical. Eigentlich eine gute Idee aber sooo furchtbar schlecht gemacht... die unsägliche Cash-Show...  dafür lag der Millionär mal auf dem Tisch und man hat ihn nicht haben wollen...

Paule

09. April 2009, 17:46

"DSDS Verschnitt mit Musical. "

War das nicht nach einer BBC-Show mit Andrew Lloyd Webber? Vielleicht sogar mit Lizenz?

"Aber bei den ÖR hat man auch nach dem x-ten Flop oder Schrott sichere Arbeitsplätze"

Interessant übrigens, wie manche zuweilen Quotenwahn vorwerfen, wenn man davon aber anhand mittelprächtiger Seifenopern und gepfloppter Talent-Shows nichts merkt.

Thomas

10. April 2009, 14:54

Also ein wenig müssen diese Ideen schon modifiziert werden, aber insgesamt ist der öffentlich-rechtliche Zuschauer im Schnitt zwar zwanzig Jahre älter als der des privaten Rundfunks, aber in Sachen Anspruchslosigkeit unterscheiden sie sich beileibe überhaupt nicht.

Der ZDF-Zuschauer guckt gerne anspruchslose Vorabendserien wie SOKO Köln oder SOKO Wismar, wo sich Darsteller, Produktionsfirmen, Autoren und andere Filmschaffende trotz durchgängig schlechter Leistung eine goldene Nase dran verdienen. Bei den Privaten findet selbiges im Nachmittagsprogramm von Sat.1 und RTL für junge Leute statt (Lenßen & Partner; Die Oliver-Geissen-Show).

Die Bedürfnisse sind im Prinzip aber dieselben, sie werden nur vom deutschen Rentnerfernsehen anders bedient als von den privaten Anstalten.

lokalreporter

15. April 2009, 08:31

http://lokalreport.com

meine lieblingsserie ist DIE ROSENHEIMCOPS, dieses schema gabs ja auch noch nie nicht, nicht? vielleicht landschaftlich, im 100punkte-format SCHLOSSHOTEL ORTH.. aehm, ja, also..

Trackbacks

Ihr Kommentar

 
Hinzufügen