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Das Fernsehblog

Erst Pocher, jetzt Kerner: Wie Senderchef Guido Bolten bei Sat.1 Erste Hilfe leistet

22. April 2009, 16:54 Uhr

Als im Herbst die Nachricht vom Umzug nach Unterföhring kam, hätte es kaum schlimmer werden können: Sat.1 war fertig, durch, erledigt. Dass der Sender überhaupt noch existierte, war zwar kein wirkliches Wunder, weil sich eben auch mit Billigprogrammstrecken am Nachmittag Geld verdienen lässt. Aber offenbar hatte es das Team um den damaligen Sat.1-Geschäftsführer Matthias Alberti, dem zuvor N24-Chef Torsten Rossmann an die Seite befohlen worden war, schlicht aufgegeben, ein Fernsehen zu machen, das seinem Publikum auch nur ein Mindestmaß an Relevanz versprechen konnte.

RTL war seit Jahren in unerreichbare Ferne gerückt, und im eigenen Konzern gibt Pro Sieben den Ton an – zu Recht, weil es dort noch soetwas wie eine Programmentwicklung gibt. Sat.1 verließ sich lieber darauf, möglichst wenig zu ändern, um nicht noch mehr Zuschauer zu verlieren. Geradezu paralysiert war man in Berlin vom Quotenabsturz des früheren Programmerfolgs "Verliebt in Berlin". Wenn es Neues von Sat.1 gab, dann allenfalls, weil Sendungen eingestellt oder Mitarbeiter entlassen wurden.

Im Grunde bestand für den Sender nur wenig Hoffnung, bei weiter sinkenden Primetime-Marktanteilen die folgenden Jahre unbeschadet überstehen zu können.

Seit vier Monaten ist Guido Bolten neuer Geschäftsführer des Senders. Auch er muss seitdem jede Woche wieder Meldungen über Quotenabstürze erdulden. Vieles davon ist auf Altlasten zurückzuführen, die Bolten von seinen Vorgängern hinterlassen bekommen hat: die gähnend langweilige Dokusoap "Die Gerichtsvollzieher", die schlimme "Mann-O-Mann"-Neuauflage "Mister Perfect", die austauschbaren Comedyprogramme, die kein Zuschauer mehr auseinander halten kann (weil ja auch keiner mehr hinsieht). Alles Flops mit Ansage. Genau das macht Boltens Job so schwierig: Er muss einen Sender wachrütteln, der sich seit Jahren im Tiefschlaf befand, kann aber keinen radikalen Neuanfang machen, weil noch soviel Programm da ist, das weggesendet werden muss, um abgeschrieben zu werden.

Das größte Problem ist noch schlimmer: Die Zuschauer haben mit der Zeit das Vertrauen in Sat.1 verloren, dass es sich lohnen könnte, dort eine neue Sendung anzusehen, die nicht bloß der Abklatsch dessen ist, was die anderen schon seit Monaten zeigen. Das muss Bolten ändern.

    Zumindest eines hat Bolten schon geschafft: Sat.1 wieder ins Gespräch zu bringen

Und selbst wenn das Sat.1-Programm momentan noch genauso zum Fürchten aussieht wie vor einigen Monaten: Ein Anfang ist gemacht. Denn das, was Bolten seit seinem Antritt im Januar bisher gerissen hat, vermittelt zumindest den Eindruck, dass er es ernst mit seinem Job meint und nicht bloß Elendsverwalter sein will wie Alberti (der dafür nachher auch noch als Stellvertreter von Andreas Bartl in die German Free TV Holding weggelobt wurde).

Der Fußball war natürlich ein Geschenk: Bereits seit vergangenem Jahr ist klar, dass Sat.1 mit den Spielen des Uefa-Cups und der Champions League die Quotendelle wieder ausgleichen kann. Dass das auf Dauer nicht reicht, weiß Bolten aber genau. Und arbeitet seit Wochen daran, das zu ändern. Auch wenn er wenig davon in der Öffentlichkeit erzählt. (Und die Antworten seines ersten Interviews als Sat.1-Chef in der "Süddeutschen Zeitung" sahen neulich doch arg nach zusammengefassten Pressemitteilungen aus.) Offenbar hat der Mann, der zuvor Chef bei Kabel 1 war, aber Durchsetzungsvermögen: Mitte Januar meldete Pro Sieben Sat.1 quasi nebenbei, dass Torsten Rossmann doch nicht so lange wie ursprünglich geplant als zweiter Sat.1-Geschäftsführer arbeiten werde, sondern sich wieder auf seinen Job bei N24 konzentrieren. Das war ein Signal.

    Auf Dauer wird das für den Erfolg nicht reichen: bloß Stars von der Konkurrenz abzuwerben

Zumindest eines hat der Neue schon geschafft: Sat.1 wieder ins Gespräch zu bringen, und nicht, weil es neue Katastrophen zu vermelden gäbe. Die erste Sat.1-Pressemeldung nach Boltens Amtsantritt war, dass Sat.1 seine alte Fußballmarke "ran" wiederbelebt. Anschließend folgte die Verpflichtung von Sabine Christiansen und Stefan Aust für eine Polittalkshow im Wahljahr, Oliver Pochers Zusage für eine Late-Night-Show war vor kurzem der vorläufige Höhepunkt, jetzt setzt Bolten mit Johannes B. Kerner, den er 2010 vom ZDF wegholt, noch eins drauf. Aber ob das wirklich die Namen sind, mit denen man so einen Neuanfang machen möchte?

In der aktuellen Mitteilung lässt sich Bolten mit den Worten zitieren, Kerner solle "die journalistische Kompetenz von Sat.1 weiter ausbauen". Journalistische Kompetenz? Mit dem braven Rücksichtnehmer Kerner? Das dürfte für beide Seiten eine komplett neue Erfahrung werden, zumal Sat.1 sich dafür bisher allein auf den etwas biederen Peter Limbourg verließ, der seine Sache als Anchorman zwar nicht schlecht macht, dabei aber nie von jemandem gesehen wird, weil die "Sat.1-Nachrichten" seit einem Jahr direkt gegen die "Tagesschau" versenkt werden. Noch so ein Quotendebakel.

    Sat.1 muss in neue Shows investieren, um die Zuschauer wieder zu begeistern

Dabei muss Bolten sich im Klaren sein, dass es nicht reichen wird, Stars von der Konkurrenz abzuwerben, ihnen neue Shows zu geben und sich damit automatisch gute Quoten abzuholen. Mit genau dieser Strategie hat sich Fred Kogel in den 90er Jahren als Geschäftsführer von Sat.1 versucht. Kogel holte Harald Schmidt, Thomas Gottschalk und Fritz Egner, um endlich den ewigen Konkurrenten RTL zu überholen – und bewirkte wenig.

Keine Frage: Die großen Namen sind für Bolten wichtig, um den Sender dem Publikum in Erinnerung zu rufen. (Und dass ihm bei Pro Sieben Sat.1 dafür ein großer Geldtopf hingestellt worden sein muss, ist auch nicht gerade unwahrscheinlich.) Noch wichtiger ist aber, wieder in Programmentwicklungen zu investieren, um zur Hauptsendezeit nicht mit Sendungen gegen die Konkurrenz antreten zu müssen, die wirken, als hätte aus Versehen jemand die Nachmittagsschleife durchlaufen lassen. Noch dazu muss Bolten den Mut haben, das umzuschmeißen, was nicht mehr läuft: Mit dem katastrophalen Comedy-Freitag kann er gleich mal anfangen.

Wenn aus Sat.1 wieder was werden soll, braucht der Sender vor allem Shows, die die Zuschauer begeistern, einen Hit wie "DSDS" oder "Germany's Next Topmodel". Denn am Ende reicht es nicht nur, Sat.1 wieder ins Gespräch gebracht zu haben. Die Leute müssen den Sender auch wieder einschalten wollen. Vielleicht wird das Boltens härtester Job.

Foto: Pro Sieben Sat.1

Kommentare

freebe

22. April 2009, 17:31

Jahrelang wird bei Sat1 gespart, bis das Programm kaum noch von einer Sendestörung unterschieden werden kann und plötzlich sind Gelder für teure Sportrechte und Leute wie Pocher und Kerner verfügbar. Die ÖR sind ja nicht gerade dafür bekannt, beim Honorar ihrer Stars knausrig zu sein. Sat1 muss da also schon sehr tief in den Geldbeutel gegriffen haben. Irgendwie schizophren und absolut rätselhaft.

onlime

22. April 2009, 17:35

Abgesehen von "Genial daneben" muss ich wirklich lange überlegen, ob es in letzter Zeit noch einen Grund gibt, SAT.1 einzuschalten.

Jeezy

22. April 2009, 17:55

Früher war Sat1 auf dem sechsten Programmplatz zwischen RTL und Pro7. Seit der Nachmittagsverarsche mit Laiendarstellern und dämlichen Drehbüchern ist es auf Programmplatz 46 zwischen QVC und dem Betrügerfernsehen von 9Live. Schade, dass so etwas tolles wie Fußball von so einem so grottigen Sender übertragen werden darf. Schlichtweg hervorragend ist es demgegenüber, dass Mr. Waschlappen himself, J.B. Kerner, jetzt auch zu Sat1 wechselt. Dann sieht man seine Fratze wenigstens nicht mehr beim Durchzappen. Das Fazit aus dem Blogeintrag bleibt, dass es heutzutage keinen Grund mehr gibt, Sat1 überhaupt bei der Auswahl des abendlichen Fernsehprogramms zu in Erwägung zu ziehen. Ich weiß nicht, welche Zielgruppe das Programm haben soll, aber der männliche Akademiker zwischen 20 und 30 Jahren wird es wohl nicht sein.

nona

22. April 2009, 21:31

@Jeezy:

Wenn ich mich in meinem Umfeld so umsehe: männliche und weibliche Akademiker und Angestellte zwischen 19 und 68 sind es auch nicht.

(Bitte jetzt keine Witze über eierlegende Wollmilchsäue...)

Jochen Siegle

22. April 2009, 21:51

http://techfieber.de

tja, wie sagt man noch: neue besen kehren gut. im fall sat.1 wird nun eben auch viel gekehrt - ob zuviel, wird sich ja bald zeigen. bei sat.1 auf der glotze. oder eben hier bei euch im blog.

SheephunteR

22. April 2009, 22:23

http://netzfeuilleton.de

Das ist ziemlich genau der Blogeintrag, den ich auch schon seit einiger Zeit schreiben wollte und vor mir herschiebe.

Begnüge ich mich jetzt damit, dass du mir die Worte aus dem Mund genommen hast oder packt es mich irgendwann doch noch?

Wäre auf jedenfall wünschenswert, das Sat.1 mal wieder Initiativen zeigt, sich neues ausdenkt, denn sonst sind da bald alle Lichter aus.

Darian van Dark

22. April 2009, 22:34

Ich behaupte mit vollem Selbstbewusstsein, dass ich für einen Bruchteil dessen, was Pocher und Kerner alleine an Gage erhalten ein Format mit mir als Gesicht dazu auf den Sat1-Markt schmeiße, dass zum Kult avanciert und regelmässig Quoten zieht.

Aber nein... wenn jemand mit Langeweile und "Ich stell doch nur die Fragen" beim ZDF Quoten bei den Spießern der Nation holt, dann wird das auch bei Sat1 so sein, vielleicht als Konkurrenz zum Jauch. Und wenn niveauloses Kindergeplerre in Kooperation mit einem Schmidt bei der ARD läuft, dann schaft der Pausenclown das alleine auch bei Sat1.

Nun ja, mein Geld ist`s nicht...

Hardy

23. April 2009, 00:30

"...braucht der Sender vor allem Shows, die die Zuschauer begeistern, einen Hit wie "DSDS" oder "Germany's Next Topmodel"."

Braucht das Fernsehn, braucht der Mensch wie ein Loch im Bein oder die Pest.

Okay, ist offenbar ein Paralleluniversum.

:-)

Smart

23. April 2009, 09:29

Sat1 geht nur für Fußball, den Rest kann man in die Tonne treten. Siehe Akte 024 oder die Sendunge Lenßen & Partner.

mMn wird Bolten damit untergehen....

Christian

23. April 2009, 10:19

.. wann wird der Kredit fällig,  mit dem P7S1 seinen Kauf durch Permira finanzieren durfte...?

Die Braut, oder Teile davon, hübscht sich auf, verzweifeltes Aufbäumen vorm Herzstillstand.

Johann Peter Werth

23. April 2009, 10:59

http://www.itookmyprozac.de

Die Nachricht war doch super: Kerner geht! Ich hab mich gefreut und Sat.1 weit hinten in den zweistelligen Senderbereich des Fernsehers verschoben. Pocher und Kerner in einem Programm! Gleich zwei Gründe, den Dreck nicht mehr zu sehen.

Thomas

23. April 2009, 13:01

http://tvundso.wordpress.com

"Wenn aus Sat.1 wieder was werden soll, braucht der Sender vor allem Shows, die die Zuschauer begeistern, einen Hit wie "DSDS" oder "Germany's Next Topmodel".

Die Frage ist nur, was das sein soll. Gehen wir mal davon aus, dass weder Sat.1 noch irgendeine Produktionsfirma in Deutschland die Ressourcen haben, einen solchen Hit zu erschaffen, müsste man sicher ein Format aus dem Ausland kopieren. Doch im Prinzip ist ja schon alles, was im Ausland erfolgreich läuft entweder bei RTL zu Hause oder gescheitert (Big Boss/Apprentice, Survivor), die X-Factor-Linzenz liegt bei RTL unter Verschluß. Wenn man zudem bedenkt, dass andere Formate die Profil und Quote bringen könnten (etwa Kid Nation, Make Me Muslim, Someones Gotta Go, Boys and Girls Alone) eher zu RTL II passen (die sich das aber auch kaum trauen würden) bleiben nur wenige Möglichkeiten übrig. Mann kann zum Beispiel die besten Leute zusammen holen und mit Brainpool etwas erschaffen wie einst Schlag den Raab und die Event-Raab-Shows bei ProSieben oder man macht ein Amazing Race. Das ist sehr naheliegend, denn die deutschen reisen gern und sie mögen Autos - Fremde Länder und Autos gibts bei Amazing Race immer zu sehen. Das Format wäre aber unglaublich teuer und würde sich kaum finanzieren lassen, sag ich jetzt mal so als Laie. Aber zumindest ist es schon entwickelt und man müsste es einfach nur umsetzen.

Mit Christiansen und Aust hat Sat.1 aber die Chance das richtig zu machen, was Anne Will falsch macht. Beiden traue ich zu eine bessere politische Talkshow auf die Beine zu stellen als Will oder Plasberg. Ich glaube aber einfach nicht, dass das bei Sat.1 so einfach geht. Erwirbt man aber so Informationskompetenz ist es naheliegend die durch BBC-Reportagen sofern verfügbar weiter auszubauen.

Sat.1 sollte sich an VOX orienteren nur größer und teurer. Also gute, hochwertige Realities (mit spürbar anderer Ausrichtung als RTL), gutes Informationsprogramm, dazu Sport. Und Pocher am besten gleich wieder entlassen.

Carsten

23. April 2009, 16:21

Es wird Zeit, dass sich SAT.1 wieder aufrappelt. Nach dem Abgang von Roger Schawinski, der eine große Lücke hinterlassen hat, kam der Sender nicht mehr auf die Beine. Mathias Alberti, Nachfolger von Schawinski, wurde wegbefördert. Nun muss es Guido Bolten richten. Er geht den einzig richtigen Weg. Geld in die Hand nehmen. Aus eigenen Kraft kann SAT.1 im Moment keine eigenen Stars mehr aufbauen. Es wurde in den letzten Jahren zu viel gespart an Manpower und Programm.

Klar ist auch warum jetzt soviel Geld in die Hand genommen wird. Die Finanzinvestoren haben gemerkt, dass das Mediengeschäft kein Einfaches ist. Also wird die Braut jetzt hübsch gemacht. Und der Käufer steht wohl auch schon fest. Axel Springer wird es werden. Denn noch einmal wird die Politik es nicht zu lassen, das ein wichtiges Medienunternehmen in ausländische oder Spekulantenhand gerät.

Ach ja, auch ich bin dafür Pocher wieder rauszuschmeissen. ER WIRD GNADENLOS UNTERGEHEN! Darauf verwette ich ein Monatsgehalt...

Florian Mertens

23. April 2009, 17:25

Schawinski war natürlich 'ne Type, der Sat.1 zumindest ein unternehmerisches Gesicht gegeben hat. Alles danach war ja nulpig hoch zehn. Allerdings war Schawi zwar innovativ aber letzlich doch nicht mehr erfolgreich. Aber qualitativ war Sat.1 damals auf jeden Fall auf der Höhe. Quotentechnisch hatten sie halt auch viel Pech weil einiges nicht wie erhofft funktioniert hat, gerade im Bereich der deutschen Serien, wo man ehrlicherweise sagen muss, dass Sat.1 wirklich viel probiert hat. Blöderweise begann grad da der Hype der US-Serien wie CSI & Co.! Größtes Problem insgesamt war aber der Abgang von Harald Schmidt 2003. Im Grunde hat Sat.1 seither jegliche Relevanz verloren. Und in den letzten Jahren hat man dann noch immer mehr Substanz verspielt, in dem man nur noch billigen Court-Crime-Schrott abspielt, schreckliche Magazine sendet und es auch im Showbereich nicht verstanden hat mal ein Event zu kreieren, über das ganz Deutschland wirklich spricht. Die nötige Power für sowas hat eben nur RTL...

Kann mich gar nicht erinnern, wann ich zuletzt mal mehr als 10 Minuten am Stück Sat.1 geguckt habe. Reib mir immer verdutzt die Augen, wenn ich dieses Bällchen-Logo sehe...

Bin gespannt, ob ein Kai Pflaume z.B. jetzt auch weiter bei Sat.1 bleibt (find ihn persönlich unerträglich). Erst wurde er in der Fussball-Moderation geschasst, nun setzen sie ihm in der Unterhaltung Pocher und Kerner vor die Nase - und wer weiß, wer da noch alles kommt. Wette, er springt ab, geht zur ARD und macht "Verstehen sie Spaß...?"

Ulf

23. April 2009, 22:22

Im Prinzip hat Herr Schader recht, aber die Frage ist, was Guido Bolten eigentlich kann. Er kann Doku-Soap, Reportagen und Sport. Das hat er gelernt und als kabeleins-Chef auch durchgesetzt.

Aber was kann er sonst? Fiction kann Herr Bolten eher nicht, weil er jetzt am Montag die relativ erfolgreichen US-Spielfilme zugunsten von Doku-Soaps absetzt.

Der eigenproduzierte Dienstagsspielfilm könnte auch demnächst dran sein.

Das im Bereich Serien noch was gehen könnte ist ebenfalls unwahrscheinlich.

Die qualitativ armseligen Fake-Crime-Formate, die fast das komplette Programm bestimmen werden sicher bleiben, da nur sie den Bällchensender überhaupt noch im zweistelligen Bereich bei den werberelevanten Zuschauern halten.

Sat.1 ist derart abgewirtschaftet, da ist alles zu spät, und zu so einem Sender geht der abgehalfterte Kerner vor abgehalfterten Sender für anspruchslose Zuschauer über sechzig zurück und die Presse feiert das auch noch als großen Coup.

Stefan

23. April 2009, 23:32

Kerner soll ruhig zu Sat 1 gehen, um diesen selbstverliebten und teils inkompetenten Dampfplauderer ist es nicht schade.

Das ZDF hat wesentlich bessere Sendung im Programm als  JBK, z. B. Nachtstudio und vor allem "Das Philosophische Quartett", welches direkt an die Stelle von JBK gesetzt werden sollte!

Ich selbst habe vor einigen Monaten das Privatfernsehen abgeschafft und schaue nur noch über DVB-T das öffentlich-rechtliche Programm. Mir fehlt es überhaupt nicht! Ich kann es jedem empfehlen, denn nach meine Erfahrungen ist Privatfernsehen reine Zeitverschwendung! Da passt Kerner gut rein.

Sloterdijk rulez!

viphund

24. April 2009, 10:50

Das Geld, das Kerner den Gebührenzahler gekostet hat, war nun wohl auch dem ZDF zu viel. Die Großverdiener der Branche sind sowieso über Gebühr und haben bei den Öffentlich-Rechtlichen eigentlich nichts zu suchen.

müller

24. April 2009, 11:31

wenn kerners show 2010 bei sat1 startet, wird er als der "retter des polit-talks" gefeiert, prognostiziere ich jetzt mal.

er hat bei den olympischen spielen, bei dem ein oder anderen interview gezeigt, dass er durchaus "hart" nachfragen kann. genauso hatte er seine kerner-show auf dem zdf bereits zweimal vor einigen jahren zu einer politikrunde umgestaltet und dort auch überzeugt, wie ich finde. im gegensatz zu christiansen, illner und will.

ich weiß nicht, was man von kerner momentan erwartet. seine show ist ein "bild"-format. da soll einfach nur gequatscht werden, nicht skandale aufgedeckt werden. ich denke, kerner kann und will anders.

ich freue mich ein wenig, wenn im kommenden jahr ganz viele medienjournalisten "total überrascht" sind, wie gut kerner seinen job macht. und ich darf dann sagen: "hab ich doch gesagt!" ;-)

ab und zu sollte man mal die schublade aufmachen und dem ein oder anderen erlauben, in eine andere lade zu wechseln oder vielleicht seine klamotten in mehreren zu verteilen. oder nicht?

Thomas

24. April 2009, 12:44

http://tvundso.wordpress.com

"Kann mich gar nicht erinnern, wann ich zuletzt mal mehr als 10 Minuten am Stück Sat.1 geguckt habe."

Ich hab die Realities "Zusammen stark" (oder ähnlich) und "Geheime Helfer" geschaut, ansonsten kann ich mich auch nicht daran erinnern Sat.1 gesehen zu haben in den letzten Jahren.

Beide übrigens sind nicht übel gewesen. Geheime Helfer hat die Secret Millionaire-Vorlage solide umgesetzt (wobei es alles geplanter wirkte, als die oft völlig orientierungslosen Millionäre in England) und Zusammen stark war eine wirklich super geschriebe und (von der deutschen Synchronstimme Ewan McGregors) erzählte, anrührende Schicksalsreportage. Leider erfolglos.

Im Reality-Bereich muss Sat.1 aber eine andere Lücke finden: daher auch die Amazing Race-Idee, Abenteuer und Reisen verbunden mit Spielshow gibts nämlich noch nicht. Das Survivor auf ProSieben nur mäßig lief, sollte nicht abschrecken, eine positiv gestimmte (aber nicht gutmenschelnde) Reality (also eben Reisen) kann die ideale Vorlage für ein eigenes Profil sein, und zudem optimal mit Dokus und Reportagen kombiniert werden. Statt Fun-Freitag also.

Christian

24. April 2009, 13:24

> ... Abenteuer und Reisen verbunden mit Spielshow gibts nämlich noch nicht ..

Gab es seit '82 (SWR/'Rätselflug' .. mit einem ganz jungen Jauch :D ) aber immer wieder und wurde u.a. aus Kostengründen auch gern wieder eingestellt.

Die sog. reality-dokus haben nun mal auf billig die Latte hochgelegt, Schadenfreude und Neugier zu bedienen; und beides wird ja auch zB bei DSDS oder TopModel befriedigt.

.. nee, nee, reine Spielshows wird es erst mal lange nicht geben.- fake reality, da müsste einer mal grey matter investieren ...-

Carsten

24. April 2009, 13:55

Das Nachtstudio oder Das Philosophische Quartett als Kernerersatz? Darf ich mal lauthals lachen? Das hört sich an wie Heidenreich, die um 21 Uhr senden wollte. Bleiben wir doch mal realistisch. Wenn öffentlich-rechtliche Sender von unser aller Gebühren abhängig sind, dann können sie nicht nur Nischenprogramme senden.

Wer gibt eigentlich irgendjemanden das Recht, sich über Massengeschmack abfällig zu äußern???

Tatsache ist, wenn die Glotze eingeschaltet wird, suchen die meisten Entspannung und Unterhaltung. Würde der Zuschauer als Entspannung Opern- und Theateraufführungen oder abgehobende politsche Diskussionen im philosophischen Kontext empfinden, dann könnten wir gar nicht so schnell gucken, wie RTL, SAT.1&Co. solche Programme mit einem Riesenaufwand produzieren würden.

Aber das will die Masse nicht sehen, die Masse hat mit ihrem kleinen, eigenem Leben genug zu tun. Und will sich nicht noch mit irgendwelchen abgedrehten philosophischen Fragen beschäftigen. Und genau deshalb müssen auch ARD und ZDF mit einfachen Unterhaltungsangeboten an den Markt. Sonst würde es irgendwann einen Aufstand gegeben, weil es die breite Masse dann nicht mehr einsehen würde Rundfunkgebühren zu bezahlen.

Carsten

24. April 2009, 14:06

@Ulf

Immer langsam. Bei Kogel und Schawinski hat auch keine geglaubt, dass die das können. Bolten ist nur wenige Woche im Amt, geben wir ihm doch mal Luft und mosern nicht gleich rum. Die Dokus am Montag probiert SAT.1 im Sommer aus, wenn eh nicht soviele in die Goltze schauen, wenns Wetter gut ist. Wenns nicht läuft kehren die Spielfilme im Herbst wieder. Lizenzware kostet auch Geld und das muss der Sender auch refinanzieren können. Das wird bei sinkenden Zuschauerzahlen im Sommer schwieriger.

Der Niedergang von SAT.1 hat seine Ursachen im Niedergang der deutsche Serie. Die wollen die Zuschauer im Moment nicht.

Fabian

24. April 2009, 18:08

"Wenn öffentlich-rechtliche Sender von unser aller Gebühren abhängig sind, dann können sie nicht nur Nischenprogramme senden."

Richtig. Solange Musikantenstadl&Co. gesendet werden, Brisant, Hallo Deutschland und anderen Dreck kann man ja kaum behaupten, die ÖR würden nur Nischenprogramme senden. Auch dann nicht wenn das Nachtstudio früher läuft.

Eben weil die ÖR gebührenfinanziert werden, sollten sie nicht nur nach der Masse schielen sondern "Bildungsfernsehen" auch zu humaner Zeit senden.

"Wer gibt eigentlich irgendjemanden das Recht, sich über Massengeschmack abfällig zu äußern???"

Komische Frage. Jeder hat das Recht sich über den Massengeschmack abfällig zu äußern. Auch wenn was 'ne super Quote hat, darf ichs wohl trotzdem sche**e finden, oder?

"Sonst würde es irgendwann einen Aufstand gegeben, weil es die breite Masse dann nicht mehr einsehen würde Rundfunkgebühren zu bezahlen."

Diesen "Aufstand" gibts jetzt schon. Bei jeder neuen Gebührenerhöhung hört man kritische Stimmen, die nicht damit einverstanden sind. Wieso sollte man auch Gebühren zahlen? Die ÖR unterscheiden sich in ihrem Programmangebot nicht mehr groß von den Privaten.

Ulf

24. April 2009, 21:22

@Carsten

Natürlich ist diese Argumentation bis zu einem gewissen Punkt nachzuvollziehen.

Aber ob der qualitative Niedergang von Sat.1 nur am Niedergang der deutschen Serie festzumachen ist bezweifle ich sehr.

Auch die guten und innovativen Unterhaltungsformate die unter Schawinski eingeführt wurden waren nach unglaublich kurzer Zeit verschliessen, das selbiges bei RTL passiert wäre halte ich für fast ausgeschlossen.

Auch Sat.1 hat sehr schnell auf das Wegbrechen der eigenproduzierten Serien reagiert und deren Zahl und Sendeplätze stark eingedampft.

Die entstandenen Lücken durch extrem erfolgreiche US-Lizenzware zu stopfen wie es bei RTL geschehen ist war dem Sender allerdings nicht möglich, weil sie eben in dem Fall ihre Pakete bei den falschen Studios eingekauft haben, und die vorhandenen Serien nicht mal beim damals kleineren und stärker an Hollywood orientierten Schwestersender ProSieben reüssieren konnten.

Ob sich die deutsche Serie im Privatfernsehen wieder fängt ist meiner Ansicht nach äußerst zweifelhaft, weil die Ablehnung der Zuschauer nun schon seit mehreren Jahren sehr stark anhält und diese Produktionen verhältnismäßig teuer sind, außerdem fehlt es an kreativen Idee, anständigen Autoren, Schauspielern etc. während der weniger anspruchsvolle ZDF-Zuschauer gar nicht genug von simpel kontruierten Krimigeschichten vor landschaftlich schöner Kulisse bekommen kann.

Bolten hat jetzt noch zwei Serien aus Albertis Zeit übrig, aber seit seinem Amtsantritt wohl noch nichts angestoßen, was in absehbarer Zeit auf dem Bildschirm landen könnte.

Tatsächlich ist Bolten erst kurz im Amt, aber ob Pochers und Kerners Verpflichtung sich wirklich als der große Kracher erweisen ist sehr zu bezweifeln, und die sicherlich verursachte große Aufmerksamkeit wird beim Misserfolg schnell ins Gegenteil umschlagen. Da sollte man nicht naiv sein.

Hofnarr Florian

25. April 2009, 13:02

http://www.hingesehen.net/

Im Bereich Politik und News hat Sat1 doch gar keine Chance. Wer guckt schon auf den Privaten Politik-Formate? Besonders dann nicht wenn Kerner sie moderiert.

Paule

25. April 2009, 19:21

@Fabian "Die ÖR unterscheiden sich in ihrem Programmangebot nicht mehr groß von den Privaten."

Das ist ein unhaltbares Totschlagargument.

Nenn mir einen Sender/Abend, wo das der Fall ist. Das beginnt ja schon mit Nachrichtensendungen zur Hauptsendezeit. Dann natürlich alte-Leute-Formate.

Die ÖR sind den Privaten eher unähnlich, das ist ja das Problem. Die senden so vor sich her und bieten "uns" nichts, also werden sie pauschal in Frage gestellt. Um wieder einen besseren Ruf zu bekommen, müssten die erfolgreiche Shows, Serien oder Einkauffilme zeigen.

Das Gegenteil - nämlich Kultursender, Politmagazine oder ernsthafte Dokus - haben wir bereits. Leg arte auf die 1 und du hast bereits heute quotenfernes Bildungsfernsehen wann immer der Kasten angeht. Leg Das Erste auf die 1 und du hast seichtes alte-Leute-Fernsehen. Es ist deine Entscheidung. Aber mit "privat" hat beides wenig zu tun.

Jeeves

26. April 2009, 11:30

Soll SAT 1 doch pleite gehen, mir isses egal. Dass sich über die monetäre Zukunft dieses (und ähnlicher) Sender kluge Menschen den Kopf zerbrechen, versteh' ich nicht: wär' doch schön, wenn's von diesem Medien eins weniger gäbe. Oder muss es sowas geben, damit all die Doofen untergebracht werden? ...damit sie woanders keinen Unfug mehr anstellen können, a la Pocher und Kerner? Ach, man weiß so wenig...

Fabian

26. April 2009, 18:52

@Paule

Am Vorabend kommen bei ARD/ZDF Soaps bzw dies unsäglichen Blut und Sperma Magazine (Brisant, hallo deutschland). Mittags kommen ebenso Soaps (Sturm der Liebe etc.). Gestern lief im Ersten Silbereisen und auf RTL das junge Leute Pendant DSDS. In vielen Fällen werden gute Dokus bzw Spielfilme spät am Abend versendet. So geschehen vor ein paar Tagen bei "Bowling for Columbine" welcher spät in der Nacht lief.

Natürlich laufen bei den ÖR auch gute Formate, so zb tagesschau oder auch Politmagazine (die früher noch 45 min liefen und nicht wie heute 'ne halbe Stunde).

Die ÖR senden nun mal viel seichten Schrott. Genau wie die Privaten und deshalb habe ich geschrieben, daß sie sich nicht mehr groß von den Privaten unterscheiden.

Paule

26. April 2009, 23:18

@ Fabian "Die ÖR senden nun mal viel seichten Schrott. Genau wie die Privaten und deshalb habe ich geschrieben, daß sie sich nicht mehr groß von den Privaten unterscheiden."

Ich bestreite nicht, dass es zuweilen zu seicht vor sich geht. Dass Das Erste 5 tägliche Serien hat, ist wahrlich kein gutes Zeichen. Aber man sollte das keinesfalls _pauschal_ mit Privaten gleichsetzen (abgesehen davon, dass die meisten deiner Beispiele außerhalb meines Fernsehzeit-Horizontes liegen).

Man kann ohne jedes Problem die Tagesschau von Brisant unterscheiden. Versuch' das mal mit den RTL II-News. Die Seifenopern am Nachmittag werden immerhin noch von guten NAchrichten unterbrochen. Auch sollte man Silbereisen nicht als privates Format ansehen, sondern (aus privater Sicht) als Nischenformat, welches derzeit kein Privater mehr anfasst. Dass die Fünftausstrahlung (?) von Bowling so spät kam, ist keine Auszeichnung wert, aber der Film lief mehrfach zu besseren Zeiten, z.B. auf EinsFestival.

Was ich sagen will: Wenn man zuviel pauschalisiert, kommt ein falscher Eindruck rüber, der die Situation noch verschlimmert. Man kann nicht über DIE ÖR sprechen, weil die Guten (arte, 3sat) grundsätzlich positiv auffallen und auch in deinen Beispielen nicht vorkommen, obwohl du die auch meinst (?). Dass die Massenprogramme in der ersten Reihe neben Politmagazinen und Nachrichten auch den Massengeschmack treffen, ist eigentlich selbstverständlich.

Ich riss es schon an: Was fehlt sind Massenformate für Jüngere. Aber dafür kriegst du nicht automatisch einen Grimme-Preis. Wenn du Anspruch suchst, liegt es an DIR, weil die Programme vorhanden sind. Wenn dir mehr folgen, dann ändert sich vielleicht auch in der erste Reihe etwas. Aber bis dahin schau regelmäßig Nano und Kulturzeit (beides empfehlenswert), das sollte deiner Forderung erstmal nachkommen.

Fabian

27. April 2009, 17:50

@Paule

Vermutlich hätte ich bei meinem ÖR-Bashing genauer differenzieren müssen. Ich meinte damit ausdrücklich ARD/ZDF. Ich meinte damit ausdrücklich nicht die Spartensender wie zb 3sat oder auch arte. Erst recht nicht Sender wie EinsFestival, deren Reichweite bei weitem nicht so groß ist wie die des großen Bruders ARD. Deshalb lasse ich deinen Hinweis, daß "Bowling for Columbine" auf EinsFestival zu einer besseren Zeit lief nicht gelten.

Es mag sein, daß die Seifenopern von guten Drei-Minuten-Nachrichten unterbrochen werden. Aber Sche**e bleibt Sche**e auch wenn ich 'ne Schleife drum mache.

Was fehlt sind nicht die Massenformate für die jungen Zuschauer. Das können die Privaten meist besser. Sondern was fehlt ist ein gewisser Anspruch an sich selbst und auch an den Zuschauer. Warum mal nicht das Magazin "ttt" abends um um 20Uhr15 senden? Eben weil ARD/ZDF Gebühren erhalten sollten sie nicht nur nach der Quote schielen (ebensowenig wie nach dem Grimme-Preis). Wer kein "ttt" sehen möchte kann ja immer noch zum ZDF switchen und sich von Rosamunde Pilcher verarschen lassen.

Carsten

27. April 2009, 22:52

@Ulf&Fabian

Das die deutsche Serie nicht mehr zu retten ist, das glaube ich nicht. Das Problem ist die Stoffauswahl und die Art wie die Serien produziert werden. Dabei darf man aber nicht vergessen, das US-Serien wie CSI oder Greys Anatomy mit pro Folge mit einem Etat produziert werden, mit dem in Deutschland zwei Staffeln einer Serie produziert werden.

Das ARD und ZDF am Vorabend leichte, bunte Unterhaltung garniert mit eine kräftigen Priese Crime ausstrahlen, liegt daran, dass sie in dieser Zeit Werbung ausstrahlen können.

Im übrigen glaube ich nicht das die frühere Ausstrahlung von Kultursendungen mehr Zuschauer zieht.

Vielleicht wäre der richtige Weg, der französische Weg. Dort wird öffentl.-rechtlicher Rundfunk über Steuermittel finanziert. Dann wäre vielleicht der Quotendruck weg. Aber dann dann würde ich mich aquch nicht wundern, wenn das hessische Gruselmonster, sich wieder darüber beschwert, das die Quoten von "heute" zu niedrig sind.

Das Nachrichten bei privaten nicht funktionenieren, ist ein Irrglauben. RTL tritt täglich den Beweis an. Mit der Geduld hat der Sender es geschafft, sich für RTL Aktuell ein Stammpublikum zu erarbeiten. Dabei haben die Macher den Servicegedanken in den Mittelpunkt gestellt. Ich finde es nicht schlecht, dass mir erklärt wird, welche Vor- oder Nachteile bestimmte Gesetze für mich haben.

Diese Diskussion können wir bis zum St. Nimmerleins-Tag führen.

Jeder von uns hat seinen Geschmack. Und ich gucke genauso die Kulturzeit, wie ich mir auch Schlag den Raab reinziehe.

Jedem das seine...

Paule

28. April 2009, 11:32

@Fabian "Warum mal nicht das Magazin "ttt" abends um um 20Uhr15 senden?"

Und was hast du dann gekonnt? Sei doch mal ehrlich: Du findest dort jetzt nichts und verlangst dass Sendungen laufen, die du auch blos nicht schauen wirst. Du fühlst dich aber besser, wenn du Anspruchsvolles verpasst. Dafür zahlst du dann gern? Sei Egoist und verlange im Angesichts des Zwangs Dinge, die du sehen willst!

Du kannst jeden Werktag auf 3sat die Kulturzeit sehen. Jeden Tag. Der Sender hat eine Verbreitung von knapp 100%. Jeder der will kann es sehen. Das löst nicht den miesen Vorabend im Ersten, aber es gibt ein sehr gutes Alternativangebot, welches wirklich jeden zur Verfügung steht. Warum wird es wenig geschaut? Klar, es ist ein Spezielangebot. Und 3sat (bzw die ÖR allgemein) überschüttet den Zuschauer nicht mit Hinweisen. Das ist auch ein Problem: Man ist nicht so penetrant wie die Privaten, was aber nötig wäre, wenn man Interesse daran hat, Inhalte zu verbreiten.

Da sind wir beim nächsten Punkt: Das "nicht nach Quote schielen"-Argument. Das wird i.d.R. falsch verstanden. Es bezieht sich keineswegs darauf, keine massenwirksamen Sendungen anbieten zu dürfen. Silbereisen und Seifenopern zählen auch zum Angebot.

Das Argument bezieht sich eigentlich darauf, mutig und innovativ zu sein und nicht auf Sicherheit zu spielen. Das schließt aber unterhaltsame Massen-Shows mit ein. Keinesfalls meint es, dass Sender gutmenschlich vor sich hinsenden sollen, egal ob es gesehen wird. Man sei ja nicht auf Quote angewiesen. Das ist Quatsch. Auch ein Kulturmagazin soll gesehen werden. Also muss man Öffentlichkeit schaffen und ggf. Programmabläufe auch anpassen. Eine Gewissensfrage: Wenn ein Politmagazin um 20:15 von weniger Menschen gesehen wird als nach einem Schnulzenfilm um 21:45, ist es dann legitim das engagierte Magazin erst später zu zeigen, weil es da mit seinen ernsthaften Themen mehr Zuschauer erreicht, oder soll man mit Gutmenscheneinstellung um 20:15 vor sich hersenden. Wäre es nicht Verschwendung, wenn eine ernsthafte Sendung von mehr Menschen erreicht werden könnte, man dies aber nicht nutzt?

Fabian

28. April 2009, 13:50

@Paule

"Wenn ein Politmagazin um 20:15 von weniger Menschen gesehen wird als nach einem Schnulzenfilm um 21:45, ist es dann legitim das engagierte Magazin erst später zu zeigen..."

Woher soll man denn wissen, daß um 20Uhr15 weniger Leute ein Politmagazin anschauen als das um 21Uhr45 geschieht? Man sollte es erstmal versuchen bevor man abwinkt. Ich denke, daß man das Risiko eingehen sollte.

Du schreibst ja selbst, daß man mutig und innovativ sein soll. Mutig wäre es meiner Meinung nach wenn man direkt nach der tagesschau ein Politmagazin senden würde. Wenn dieser Versuch vom Zuschauer nicht angenommen wird lasse ich mir gern sagen, daß dies nicht möglich ist.

Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin nicht dafür das arte oder 3sat Programm komplett zur ARD oder ins ZDF zu transferieren. Silbereisen&Co haben auch weiterhin ihre Berechtigung dem geneigten Zuschauer das Herz zu erwärmen. Nur etwas weniger Herzschmerz und heile Welt und dafür etwas mehr intelligentes Fernsehen für die Birne- und das zur besten Sendezeit, würde ARD/ZDF gut zu Gesicht stehen.

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