Home
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Montag, 13. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Das Fernsehblog

Finale bei "Germany's Next Topmodel": Mehr erfolgreich als wie die anderen

15. Mai 2009, 16:06 Uhr

Wenn Forscher in der Zukunft die Entwicklung der deutschen Sprache ergründen wollen, werden sie sich unweigerlich mit dem Fernsehen der Nuller Jahre beschäftigen müssen. Und mit seiner Sprachbotschafterin Heidi Klum. Der Frau, die in "Germany's Next Topmodel" einer ganzen Generation vorlebte, was nötig ist, um Erfolg zu haben: ein eiserner Wille, eine schier unerschöpfliche Ausdauer, sich selbst zu vermarkten – und möglichst geringe Grammatikkenntnisse.

Keine Ahnung wie Ihnen das geht, wenn Sie aus Versehen mal bei "Germany's Next Topmodel" reinschalten, und Frau Klum reden hören. Mir läuft's immer eiskalt den Rücken runter. Vor allem bei ihren gefürchteten "als wie"-Sätzen. (In der Folge vom Donnerstag lobte sie Kandidatinnen, die bei einer Aufgabe "mehr kreativ als wie die anderen" waren.)

Wo ist eigentlich Wolf Schneider wenn man ihn mal braucht?

So sehr sich viele der Zuschauerinnen auch wünschen, selbst Karriere als Model zu machen: Donnerstags liefert Pro Sieben ihnen gerade Woche für Woche die besten Argumente, warum es sich doch lohnen könnte, erstmal die Schule fertig zu machen. Und wer sich mal die Mühe macht, sich mit dem Lästern zurückzuhalten und stattdessen genau hinzuhören, was inder Sendung alles geredet wird, merkt schnell, dass unfassbar oft immer die selben Standardsätze fallen und wie sehr die Kandidatinnen dieses von der Jury erlernte Neusprech für sich adaptiert haben (ohne zu merken, wie hohl das manchmal klingt).

Zugegeben: Die sprachliche Redundanz passt gut zur Sendung, mit der die Produktionsfirma Tresor TV eine Erfolgsformel für massenattraktives Privatfernsehen gefunden zu haben scheint. Sie lautet: Je langweiliger der Inhalt desto erfolgreicher die Show. Anders lässt sich das nicht erklären, dass Pro Sieben vor dem Finale am kommenden Donnerstag einen Quotenrekord nach dem nächsten meldet. Und das obwohl die Castingshow in der vierten Staffel ungefähr noch so abwechslungsreich ist wie die Ziehung der Lottozahlen.

Kann sein, dass Bruce fehlt.
Kann sein, dass man als Redakteur abstumpft, wenn man im vierten Jahr nacheinander eine Castingshow wuppen muss, bei der die Werbekunden genauso viel mitzureden haben wie der Sender.
Kann auch sein, dass es Tresor TV inzwischen einfach egal ist, was in der Sendung passiert. Die Leute gucken ja eh zu.

Für das Publikum scheint es jedenfalls kein besonders großes Problem zu sein, dass "Germany's Next Topmodel" inzwischen komplett standardisiert ist. Während in den ersten Staffeln zumindest noch so getan wurde, als würde sich die Jury darum bemühen, den "Mädels" was beizubringen, konzentriert sich der Sender nun voll und ganz darauf, seine Werbepartner zufrieden zu stellen. Folge für Folge dürfen die sich eine der Kandidatinnen herauspicken, um mit ihr für eines ihrer Produkte zu werben und sich als Lizenznehmer "Offizieller Partner von 'Germany's Next Topmodel'" zu nennen (egal ob es sich dabei um Autos, Wasser. Mobiltelefone, Brillen, Taschen, Haartrockner oder Kosmetika handelt.) Die Heidi-Klum-Show ist für das Fernsehen ein schöner Test, wieviel Werbung sich das Publikum zumuten lässt, wenn es rundherum eine halbwegs nachvollziehbare Rahmenhandlung gestrickt bekommt – zum Beispiel ein paar Mädchen, die sich einen vermeintlichen Traum verwirklichen und dafür auch noch beim Heimtelefonat mit ihrem Freund oder der Familie belauschen lassen.

Vielleicht ist es weltfremd, das doof zu finden.

Wöchentlich über 4 Millionen Menschen für das Making-of eines Werbeblocks zu begeistern, das von Werbung unterbrochen wird, muss Pro Sieben aber ja auch erst mal einer nachmachen.

Veröffentlicht 15. Mai 2009, 16:06 von Peer Schader
Kommentare

Jonno

15. Mai 2009, 17:12

Da ich in diesen Tagen viel zu Hause war konnte ich ein wenig mehr fernsehen. Die Standardisierung von Sendungen scheint aber ein üblicher Standard zu sein. Inklusive der Floskeln. So lieben es die Autoren von Lebe deine Chance scheinbar ihren Protagonisten die Redewendung "Ein absolutes No-Go..." in den Mund zu legen. Und in "Abenteuer Alltag" dieser merkwürdigen Restaurant-Sendung kommt es meist auch immer zu der Situation, das irgend eine Festivität vorbereitet wird, erst alles ganz super klappt und auch geschildert wird aber spätestens wenn der Sprecher sagt "Sie ahnen noch nicht, welche Probleme sie damit haben werden" gibt es dann den Umschwung nach dem Werbeblock. Meistens fehlt irgendwas oder es geht etwas kaputt, woraufhin dann irgendjemand noch einmal in letzter Minute zum Lieferanten fahren muss. - Ganz wichtig: Lieferschein kontrollieren!

Und ist eigentlich schon jemanden aufgefallen, wie oft es in diesen Familienbloßstellungsformaten zu folgender Situation kommt: Ein Familienmitglied sitzt am Computer und ruft ins Nebenzimmer "Schaatz, komma, ich hab da was in Internet!" Und die angesprochene Personen scheint auch in den seltensten Fällen nicht weiter als einen halben Meter von der Türzarge des angrenzenden Raums entfernt zu stehen - gerade einmal so aus dem Bild. - Ich glaube, das ist Realismus pur aber irgendwie bin ich dann doch froh, demnächst wieder nicht mehr tagsüber fernsehen zu können.

onlime

15. Mai 2009, 17:56

Ist dieses "mehr toller als wie die anderen" eigentlich ein Anglizismus (den man bei Frau Klum ja nachvollziehen könnte) oder ist das so als wie man bei Klums zu hause in Bergisch Gladbach eben reden tut? ;-)

Michael

15. Mai 2009, 18:26

Man kann über den Sinn dieser Sendung sicherlich trefflich streiten. Aber die Tritte unter die Gürtellinie des Kommentators gehen mir eher mehr auf den Geist. Ich habe irgendwie ein Problem damit, dass solche Hasstiraden über eine sprachliche Ausdrucksweise ausgeschüttet werden. Denn trotz dieses vermeintlichen Makels verdient Heidi Klum in einem Monat wohl immer noch mehr in einer Woche als der Kommentator in einem ganzen Jahr. Trotz ihrer Satzbildung und Wortwahl...

Und das zeugt meiner Meinung nach auch ein wenig von vorhandener Intelligenz, nicht nur die grammatikalisch richtige Ausdrucksweise, und den Erfolg von Heidi Klum hat sie sicherlich nicht nur Ihrer Schönheit zu verdanken.

Ich bin und bleibe ein Fan von Heidi Klum (und Dieter Bohlen!!!) obschon bereits über 50 Jahre alt und mit sicherlich auch dem einen oder anderen Grammatikproblem...

robert

15. Mai 2009, 18:40

Genau, man muss erst mal so viel verdienen wie die Klum, bevor man sie kritisiren, ... krietisieren, ...  schlechtreden darf ! Das Geld ist nämlich zuvorderst und allemal der wichtigste und einzig wertvolle anwendbare Maßstab in dieser unseren hochkapitalistischen Gesellschaft.

sonja nagel

15. Mai 2009, 19:52

Ich liebe diese Sendung - obwohl ich Geisteswissenschaft studiert habe und als Germanistin auch gut Deutsch kann. Ich kann es nicht erklären; über das Mögen läßt sich eben nicht diskutieren. Ich mag Heidi und die "Mädels". Es gibt Schlimmeres im Leben. Früher waren es die Kapitalisten, die herhalten mußten und die das Böse verkörperten. Während meines Studiums war es "verboten" ein Deo zu benutzen, weil es unecht war und zun Konsumterror gehörte. Heute ist etwas anderes schlimm. Zum Beispiel Haare an den Beinen - und eben Heidi ...

Thom

15. Mai 2009, 20:15

"(...)aber selbst diese widersinnige Vergleichung hat in der Widersinnigkeit der heutigen Verhältnisse eine Realität. Das Geld ist der gemeinsame Maßstab aller, auch der heterogensten Dinge.“ (MEW, III, 426) Um das Original zu zitieren.

Und die Frage von onlime:

Das ist kein Anglizismus. She was better than you. Sie war toller/besser als du. Natürlich gibt es im Englischen zwei Komparativformen. Die andere wäre: She was more groovy than you. (Adjektiv nach leo-Suche "toll" willkürlich ausgewählt) Hierdurch würde sich vielleicht das "mehr" in Klums Satz erklären, aber nicht, warum sie dann das toll auch noch steigert. Ein Anglizismus wäre zum Beispiel mehr toll als du. (Denn im Englischen ist than = als und auch nur ein Wort, also ist auch "als wie" kein Anglizismus). Wobei auch mehr toll kein wirklicher Anglizismus wäre, da bei einsilbigen Adjektiven der Komparativ dem Deutschen gleicht: hard, harder, nice, nicer usf. Lediglich bei einigen zweisilbigen und allen mehr als zweisilbigen Adjektiven wird mit "more" gesteigert. She's more intelligent than you are. Sie ist mehr intelligent als du wäre also ein Anglizismus.

Lange Rede, kurzer Sinn: Klum kann kein Deutsch und die Anglizismus-Ausrede verpufft wirkungslos.

Ulla

16. Mai 2009, 07:44

Man kann gerne viel meckern, aber über H.Klum ist zu sagen, dass sie Power hat, hübsch ist, Erfolg hat etc.

Zum Glück muss man sich die Sendung nicht anschauen, aber wer es will hat das Glück, dass es sie gibt.

Ich finde Satzinhalte von Personen , die sich intelligent über H.Klum unterhalten möchten wie : "meist immer " mindestens so schlimm wie Heidis charmantes : " als wie "

BillyBoy

16. Mai 2009, 08:29

"... sprachliche Redundanz" ?

Manchmal trifft's einen selbst! ;-)

Buffetbuster

16. Mai 2009, 11:30

Wenn grammatikalische "Besonderheiten" die einzigen Probleme der aktuellen TV-Landschaft wären, könnte man ja 'mal wieder einschalten...

anne

16. Mai 2009, 13:01

Ok,also Germanys next Topmodel ist supertol!!

Jeeves

17. Mai 2009, 08:11

Ich vermisse in der Wortmüll-Liste das heute unvermeintliche "spannend"; oder entdecken die Top Models dies Modewort erst wenn's in den Feuilletons durch ist?

Heiner Tange

17. Mai 2009, 11:07

Es gibt auch Deutsche, die sich damit brüsten, nach einigen Jahren USA-Aufenthalt Deutsch "verlernt" zu haben - weil sie selbst so toll und weltläufig, Deutschland und seine Sprache hingegen so unwichtig und provinziell sind. Mit ersichtlich antrainiertem "amerikanischem" Akzent versuchen sie uns glauben zu machen, sie müssten erst krampfhaft überlegen, was nun gleich wieder "tennis racket" auf Deutsch heißt. Unter diesem Aspekt würde ich Frau Klums Gesabbel auch mal betrachten ...

tgamank

17. Mai 2009, 11:21

Genießen wir diese harmlosen Idiotien des auslaufenden Kapitalismus, bald werden sie Geschichte sein.

Topmodel

17. Mai 2009, 11:27

Die sprachliche Adapierung funktioniert leider nicht nur beim Topmodell sondern auch im Berufsleben. Sie ist also keinesfalls auf heidi beschränkt, heißt in der freein Wirtschaft dann aber "Unternehmenskultur"

roman

17. Mai 2009, 11:29

sehr seltsam das eine gesellschaft die dem indivdualismus so verfallen ist sich durch medien so gleichschalten hat lassen, den kapitalistischen geist in sich aufgesogen hat und garnicht mehr merkt wie alles um sie herum brodelt.

anstatt sich den problemen der heutigen zeit zu stellen, werden die menschen mit zwielichtigen formaten vor den apparaten gefesselt und mit absolutem nonsens ruhiggestellt.

es schockiert mich das der erfolg und liquidität einer person über die qualität einer sendung entscheiden und nicht ihr inhalt.

zerstört eure fernseher

r.jonasson

17. Mai 2009, 11:36

@Michael

Danke, dass Sie sich zum guten Schluss auch noch als Bohlen-Fan geoutet haben. Das war allerdings überflüssig, denn darauf wären wir anderen, die bei Frau Klum alles mögliche entdecken, außer Intelligenz, auch von selbst gekommen... Besonders bemerkenswert finde ich, dass Sie ausgerechnet (und scheinbar im Ernst?) von der Tatsache, dass diese Menschen viel Geld verdienen, auf ihre Intelligenz schließen. Glauben Sie mir: Das ist nicht das Kriterium, an dem man das auch nur im Ansatz feststellen kann! Es ist im Gegenteil ein Zeichen dafür, dass unsere Gesellschaft sich zunehmend mit der albernen Verehrung goldener Kälber beschäftigt, die Intelligenz schmerzhaft vermissen lassen und den Schwachsinn geradezu fördern. Ansonsten: Weiter viel Spaß bei Klum, Bohlen und Co - schön für Sie, wenn Ihnen das genügt!

Nat Flanders

17. Mai 2009, 11:38

Den Kommentar zu diskreditieren und Frau Klums Einkünfte als Beweis für ihre Intelligenz anzuführen halte ich gelinde gesagt für äußerst gewagt...

Darian van Dark

17. Mai 2009, 12:03

Angesichts der Tatsache, dass ein Großteil der Zuschauer männlichen Geschlechts sein dürfte in der immer währenden Hoffnung auf knackig-trainiertes Fleisch, sollte über eine Kooperation mit Kleenex oder Tempo nachgedacht werden. Oder Vanish Oxy Power Intelligence: Reinigt sogar eingektrocknete Eiweißflecken und schont dabei die empfindliche Oberfläche Ihres Plasma-TV...

florian

17. Mai 2009, 12:09

Egal wer wie viel über Heidi lästert: Einen toten Hund tritt man nicht! Und der Vergleich (sei es was Heidi verdient im Vergleich zum Autor dieses Artikels) ist ebenso angebracht wie mein einleitender Satz, die Differenzierung das Grundelement menschlicher Wahrnehmung ist!

Monster Joe

17. Mai 2009, 12:50

Es geht um: GELD. Heidi Klum verhält sich da genauso wie die FAZ, deren Erfolg sich darin mißt wieviele Werbe-Popups aufgehen und demzufolge Bakschisch bewegt wird. Es geht darum, da publikum auf seine Seite zu ziehen, der Rest ist unwichtig.

Christian

17. Mai 2009, 13:24

Zum einen: Sprache entlarvt. Theoretisch könnte man die GfK Daten ja mal nach Bildungsstand sortieren … GNTM bedient Eskapismus für die 'Friseusinnen' in unserem Land - und die konsumieren die Produkte, die dort beworben.

Zum anderen: Das ist Format Fernsehen. Was mich als Handwerker begeistert: wie man es schafft, Dutzende von Episoden zu produzieren, wenn doch das Thema ist: Mädchen geht geradaus.

aus Magdeburg

17. Mai 2009, 14:21

Einmal geschaut, und in diesem Moment hab ich mich ernsthaft gefragt:

"und in Prüfungen werden mir wegen 5 Fehlern auf 100 Worte 2 Notenpunkte abgezogen?!"

Klumfuss

17. Mai 2009, 14:33

Neusprech im Fernsehen beschränkt sich leider nicht nur auf diese Sendung. Was ich wirklich, wirklich, *wirklich* wissen möchte, ist, woher diese Konstruktionen kommen - verbreitet wie die Pest und am schnellsten in "Nachrichten"sendungen der Privaten zu finden:

"Die Sendung, sie ist trotz Redundanz erfolgreich."

"Heidi Klum, sie kann keine Grammatik beherrschen tun."

"Bizarre Satzstellung, es gibt sie seit Jahren im Fernsehen."

"Yoda, er würde seine helle Freude haben."

"Wie diese blöde Angewohnheit entstanden ist, ich würde es gerne wissen."

Ähnliche Sätze fallen mir schon seit langer Zeit auf, aber mir ist absolut schleierhaft, wo sie herkommen. Ein Anglizismus ist es definitiv nicht, und es ist absolut unnötig.

Vielleicht aus Dokumentationen, in denen man zu einem Bild vom Reichstag den erklärenden Eröffnungssatz "Der Reichstag. Er ist..." bringen kann? Hat dann irgendjemand beschlossen, daß das ja anscheinend prima funktioniert und deshalb überall eingebaut werden kann, auch wenn das Bildmaterial nicht passt? "Die Klausurtagung, sie hat zu keinen Ergebnissen geführt."

Wenn das irgendjemand erklären könnte, wäre ich dankbar/zu Tränen gerührt/könnte ruhiger schlafen...

PanzergrenaiderBBC

17. Mai 2009, 14:59

Vielleicht ist es weltfremd das doof zu finden, aber ich bin Ihrer Meinung. Bei vielen neuen Sendungen hat man den Eindruck das die Zuschauer gerade solche Sendungen wollen bei denen der Zuschauer das Gehirn komplett ausschalten kann. Darüber hinaus sehe ich es bei mir das sich das Fernsehen teilweise auch dazu entwickelt einfach mal nebenher zu laufen. Dies kann man mittlerweil so einfach, weil es selten noch Sendungen gibt bei dennen man direkt zu hören muss. Leider scheint es wirklich ein Trend zu sein das solche Sendungen Erfolg haben. Sendungen die tiefer gehen sind sowieso fast nur noch auf Spartenkanälen wie 3Sat, Phoenex etc. zu finden, was eine Schande für die öffentlich Rechtlichen ist.

Susanne

17. Mai 2009, 15:06

Ist doch klar, dass das berechnend ist. Nach dem ersten mal Falschsagen, wuerde Heidi doch sicher von irgendwem darauf aufmerksam gemacht werden. Und wirklich bloed ist sie ja nun nicht. Wenn es also wieder vorkommt, dann weil es gewollt ist. So nach dem Motto: ich bin die suesse Heidi, das Maedchen von nebenan, der auch mal so ein falsches Deutsch rausrutscht... Damit koennen sich doch alle super identifizieren. Wenn die Heidi so im Fernsehen reden kann und trotzdem toll ist, dann bin ich es auch. Ich denke, dass das ihre Masche ist und sie die Massen ansprechen moechte. Das passt ja auch zu ihrem allgemeinen albernen Gehabe.

Mich nerven ihre Fehler auch. Natuerlich macht jeder mal einen, aber der ist einfach zu bloed ... ungebildet... um im Fernsehen auftauchen zu duerfen.

Trotzdem muss ich mich bekennen, ich schaue die Sendung gerne... peinlich...

jk

17. Mai 2009, 16:51

Ihr habt einen Standardspruch vergessen: "NUR EINE KANN GERMANY'S NEXT TOPMODEL WERDEN"

Daniela

17. Mai 2009, 19:24

Hallo Klumfuss, Sätze wie

"Die Sendung, sie ist trotz Redundanz erfolgreich."

"Heidi Klum, sie kann keine Grammatik beherrschen tun."

"Bizarre Satzstellung, es gibt sie seit Jahren im Fernsehen."

"Yoda, er würde seine helle Freude haben."

werden in der Syntax unter Linkstopikalisierung geführt, sind grammatikalisch korrekt und nicht selten auch in der Alltagssprache zu finden: "Dieser Typ, er war mir schon immer suspekt."

Allerdings zeugen sie, wie das Sprachgefühl bemerkt, nicht von besonders stilistischem Niveau, sondern von psychologischer Taktik einerseits oder Unfähigkeit des Sprechers andererseits.

Die Verwendung dient der Hervorhebung z.B. des Subjekts Heidi Klum, in diesem Fall um die Hervorhebung ihrer grammatikalischen Probleme.

Effektiv wird damit die selektive Wahrnehmung des weltnahen Zuschauers auf das Objekt, das steht im Mittelpunkt gerichtet. Oder so. Angeblich.

Bruce-dieTaschemusslebendigsein- wurden die grammatikalischen Eigenheiten verzückt verziehen. Vielleicht sollten wir uns von dem naiven Glauben an die Wahrheit des Duden & Co. trennen und den Tatsachen ins Auge sehen: Grammatik und Sprache stehen im Wechselprozess zueinander. Die Sprache, sie ist ein Produkt der Gesellschaft. (FESI: Wittgenstein)

Kurt

17. Mai 2009, 22:01

Abgesehen davon, dass es immer lustiger wird, die Entwicklung von Peer Schaders Hass auf ProSieben zu verfolgen (Vor 2 Jahren noch ein echter P7-Homie und heutzutage ist jeder neue Artikel härter als der letzte...), kann man ganz simpel konstatieren:

Wenn Personen nicht moderieren können, Sätze nicht richtig betonen können, sind Autoren so gnädig, Texte so zu schreiben, dass Zuschauer es leichter haben, den Sinn eines Satzes zu erfassen und Moderatoren den notwendigen Inhalt besser herüber bringen können. Zudem sind das sinnabschnittliche Schnittpausen für die Postproduktion. Um evtl nochmal weinende, zitternde, verängstigte Kandidaten oder interessiert guckende Juroren reinzuschneiden.

Steffen

17. Mai 2009, 22:24

Ja, onlime, so tut man wahrscheinlich bei den Klums Zuhause reden. In rheinischen Dialekten wird nämlich das Wort "wie" anstelle des Wortes "als" verwendet. Wenn also jemand, der aus einer bodenständigen rheinischen Familie kommt, dazu angehalten wird, besonders auf gutes Hochdeutsch zu achten, schleicht sich der "als wie" Fehler sehr schnell ein. Auf Kölner Straßen hört man ihn oft und er speigelt lediglich die Verdrängung des Dialekts durch die Hochsprache wieder.

Und Ja, Herr Tange, ein Auslandaufenthalts verändert die Muttersprach, zumindest zeitweilig. Ich habe selber längere Zeit im Ausland verbracht und konnte nichts dagegen tun, daß meine deutsche Grammatik als auch mein Wortschatz darunter litten. Das ist keineswegs affig, sondern einfach nur natürlich. Ich habe selbst nicht mehr auf Deutsch geträumt, was sich ja wohl nur schwer bewusst beeinflussen lässt.

Mittlerweile bin ich aber seit einem Jahr wieder zurück und träume weitestgehend in Deutsch.

Klumfuss

18. Mai 2009, 00:40

@Daniela: Ja, grammatikalisch mögen sie in Ordnung sein. Aber: Mir sind sie in der Form - ehrlich! - noch nie in der Alltagssprache aufgefallen. Höchstwahrscheinlich wegen völlig anderer Intonation: "Dieser Typ... er war mir schon immer."/"Dieser Typ!". Möglicherweise auch, weil gesprochen in so einem Fall eher ein "Dieser Typ, der..." vorkommt.

Und trotz alledem geht mir diese wirklich unangemessen oft vorkommende Konstruktion wahnsinnig auf den Geist - das mit der Hervorhebung greift einfach nicht. Alles was mir auffällt ist die (eben doch völlig gegen jegliches Sprachgefühl gehende) Satzstellung. *schauder*

ram

18. Mai 2009, 09:05

http://www.kessel.tv

in ihrer "statement-wolke" fehlt ganz klar der wichtigste satz: "jeder tag zählt"

LaoK

18. Mai 2009, 10:27

Ich finde es amüsant, dass ein Journalist sich über die Sprache einer Frau Klum so umfangreich auslässt. Sind es doch nicht meist die Vertreter der schreibenden Zunft, die den grössten Unsinn verzapfen? Da gab es einmal einen Trend, zusammengesetzte Substantive mit einem Divis zu schreiben. Das las sich dann so: Körper-Kultur, Baum-Reihe und noch mehr an Unmöglichkeiten. Auch bei den Anglizismen in der deutschen Schreiblandschaft zeigen viele Redakteure, dass sie es nicht begriffen haben. Man schreibt "baby´s/babys" statt richtig "babies".

In Hessen ist es eine Grundvoraussetzung, die hess. Sprache zu beherrschen, und da heißt es nun mal "als wie". Und ein hess. Fragewort hat nur 2 Buchstaben: "hä?". Sprechen, wie einem der Schnabel gewachsen ist, finde ich "geil" (neudeutsch für: sehr gut, hervorragend).

obi

18. Mai 2009, 10:36

Inhaltlich mag der Kommentator Recht haben oder auch nicht. Die Anzahl der Grammatik- und Zeichensetzungsfehler in seinem Werk treibt mir jedoch Tränen in die Augen, das Wort von in mancher Augen befindlicher Splitter und Balken ins Gedächtnis und dem Autor hoffentlich die Schamesröte ins Gesicht.

Braucht da jemand Hilfe?!

Holly

18. Mai 2009, 11:33

@LaoK:

Das mit den Anglizismen haben leider Sie nicht richtig begriffen. In der deutschen Sprache schreibt man die Mehrzahl von "Baby" korrekt noch immer "Babys". "Baby's" ist selbstverständlich falsch, aber auch das im Englischen richtige "babies" ist im Deutschen falsch. Siehe auch "Ladys", "Partys", "Hobbys", etc. Lehnworte aus Fremdsprachen, die in den deutschen Sprachgebrauch eingehen, werden der deutschen Sprache angepasst. Ist nun mal so.

Johannes

18. Mai 2009, 11:58

http://www.johannes-kaiser.com

Es stimmt schon, dass man bei Heidi Klum nicht zu akribisch auf die Grammatik achten sollte. Selbst das Argument, sie spreche ja mittlerweile mehr englisch ALS WIE deutsch kann man nicht gelten lassen. Man kann nur hoffen, dass den Zuschauern diese vielen Fehler auffallen. Falls nicht, muss man sich wirklich Gedanken darüber machen, wohin es mit der deutschen Sprache gehen wird.

LaoK

18. Mai 2009, 11:58

@Holly - Es ist richtig, dass (leider) viele Worte aus ausländischen Sprachen "eingedeutscht" werden. Aber, brauchen wir dass? Wo sind all die gut klingenden Begriffe wie: Chaiselongue, Trottoir, Portemonnaie? Auch diese sind im Laufe der Zeit wieder verschwunden und wurden dem Zeitgeist geopfert. Aber sie wurden nie "eingedeutscht", sondern in ihrem Ursprung belassen - und das find ich gut.

Bernd seine Mudder

18. Mai 2009, 12:53

@LaoK

Bitte verschone uns mit Deinen Kommentaren über Sprache, wenn Du noch nicht einmal die richtige Verwendung von "dass" und "das" beherrschst.

Aida

18. Mai 2009, 12:57

Lieber Peer Schader,

vielleicht ist die Heidi ja gar nicht so doof, "als wie" die anderen, die ihren Goethe nicht gelesen haben:

"Da steh' ich nun, ich armer Tor und bin so klug ..." na, wie geht's weiter?

Und da wir uns jetzt schon fast auf klassischem Boden befinden, müssen wir da nicht  erkennen, dass auch diese Show (wenn auch immer wieder ähnlich) die Geschichten einer Heldin erzählt, die geprüft wird und letztlich scheitert? Wenn nicht in der Show, dann spätestens danach? Ist das nicht der Stoff, den dann die anderen Menschen sehen wollen? Gegossen in das Versmaß der Moderne "gib Gas", "ich habe diese Woche leider kein Foto für Dich?"

Holly

18. Mai 2009, 15:08

@LaoK

Bei der Beantwortung der ersten Frage könnten die Häuser "Duden", "Wahrig" und Konsorten vermutlich besser helfen als ich :). Bei der zweiten könnte jetzt ein langer Diskurs über die Bedeutung und den Aufstieg des Französischen (historisch wie/dadurch bedingt auch sprachlich), seine Sprach- und Kulturexport-Blütezeit sowie einen Abstieg und die "Ablösung" durch das Englische, ebenfalls gespickt mit dessen Historie stehen, tut es aber nicht.

@Aida

Nee, die ist nicht doof, die ist bauernschlau.

Daniela

18. Mai 2009, 15:37

Eigentlich tut die Heidi doch ganz nett sein, weil nämlich die Heidi, sie gibt dem Klischee über die dummen Models Nahrung. Das tut völlig niemandem weh und lässt allen ihr Weltbild von den Schubladen, wo man alles und jede reinstecken tun kann.

Matt

19. Mai 2009, 10:12

http://www.mattwagner.de/blog.htm

Alles schön und gut, doch wer im Glashaus sitzt …

Denn Herr Schaaders Text wimmelt vor Komma- und anderen Schreibfehlern. Und er musste nicht einmal frei reden wie Frau Klum, sondern hätte vorm Freischalten einen Korrekturdurchgang einlegen können.

(Hoffe natürlich jetzt, dass wenigstens mein Kommentar fehlerfrei ist …)

soso

19. Mai 2009, 10:28

@heiner tange

Ich weiss nicht, ob Sie selbst schon mal eine Zeit im Ausland verbracht haben. Ihrer Mail nach zu urteilen eher nicht. Es ist aber leider so, dass Deutsch - trotz Muttersprache - letztendlich eine Sprache ist, die bei nicht ständigem Gebrauch durchaus verlernt werden kann. Jeder, der schon einmal mehr als ein halbes Jahr im Ausland gelebt hat und seine Muttersprache während der Zeit nicht oder nur sehr sporadisch genutzt hat, weiss das. Insofern wird hier auch nicht versucht, sich zu brüsten, sondern man kann tatsächlich etwas länger brauchen, bis man das deutsche Wort für tennis racket parat hat.

ruedi

19. Mai 2009, 12:36

http://www.zeitschriftenblog.ch

Elitär, grossartig und direkt. F.A.Z at it's best. :) Danke für den Beitrag!

Michael

19. Mai 2009, 15:26

@r.jonasson: Doch, ich finde tatsächlich (auch), dass Geld (selbst-) verdienen etwas mit Intelligenz zu tun hat. Zumindest ist für mich Intelligenz im Gegensatz zu vielen anderen Kommentatoren hier nicht nur aufgrund von richtiger Grammatik zu beurteilen. Und gleichzeitig wird von ihnen Hämme über diejenigen ausgeschüttet, die selbst nicht so sprachgewandt sind. MIR sind solche Menschen wie Heidi Klum und Dieter Bohlen eben doch sympathischer und wertvoller als die ewigen Nörgler, die sich als etwas Besseres (oder vielleicht besseres??) empfinden als andere. Und Kritik wird nicht dadurch besser, dass man so eine Wortwahl trifft, wie der Autor des Artikels oder manche der Kommentatoren hier. Ich benutzte den Fernseher häufig, um mich zu entspannen, und achte nicht mit Argusaugen auf jeden Fehler, den Moderatoren machen. Aber wie bereits gesagt bzw. geschrieben, ich bin ja auch Fan von Heidi und Dieter, also passe ich ja ganz gut in das Beuteschema einiger hier, nicht wahr?? (:-)))

Lear

19. Mai 2009, 16:22

Am Ende des Jahres werden doch die Unwörter der Saison gekürt.

"Die Challenge" könnte es nach ganz oben schaffen ;)

GNTM & DSDS ist für Mädchen, was die Sportschau für Jungs ist.

Wer sich das einmal klar gemacht hat fragt sich unweigerlich, warum es

solche Sendungen nicht schon viel früher gegeben hat.

Gobelinus

19. Mai 2009, 17:43

Wenn die schöne und reiche Heidi und ihre glatt rasierten Supermodels auch noch daher redeten wie Thomas Mann, etwa...

Gewänne die "Show" dadurch an Qualität? Ne.

M. E. wäre sie dann ein Satire-Format.

Peer Schader

19. Mai 2009, 17:50

@Michael: Bei allem Respekt - es gibt hier kein "Beuteschema". Und der Text will auch nicht Heidi Klum oder Dieter Bohlen verbieten.

stawrogin

19. Mai 2009, 18:32

Wir könnten als Konsequenz ja Goethe wegen seines unverzeihlichen Fehltritts im Monolog in Fausts Studierzimmer (...so klug als wie zuvor) aus den Bibliotheken verbannen! Der Wert von GNTM für den Kapitalismus unterschreitet er ja ohne Frage.

Bei aller Liebe, Heidi Klum als Nichtexpertin in Fragen der Grammatik vorzuführen mag in Ermangelung anderer, anregenderer Beobachtungen durchaus gestattet sein. Da ihre Sendung aber durchaus keinen Anspruch auf besondere Einhaltung der sprachlichen Form legt (und eben durch diese Flapsigkeit die Nähe zum Volk herstellt) und darüberhinaus ihre Fehltritte durchaus von keiner großen stilistischen Besonderheit sind (im Gegensatz zu Bastian Sicks zahlreichen Stilblütensammlungen), würde ich als Autor in diesem Falle ganz besonders vorsichtig sein: Manch ein fehlendes Leerzeichen erhebt mehr Anspruch auf Empörung denn idiosynkratische Ausdrucksformen. Verbum satis Autori -

Dagegen muss ich natürlich die Darstellung über die Bedeutung und Entwicklung der Serie gutheißen; Werbung, unterbrochen von Werbung. Würde man also auch die herkömmliche Werbung mit noch mehr Tratsch und Phrasen und Nachwuchsmodels befüllen, wäre doch jedem Absatzeinbruch bis zum Ende der Fernsehära vorgebeugt, nicht wahr?

Fest steht - und das untermauert ohne Frage dieser Artikel -, daß Germany's Next Top Model die 'Konsum-Achse' für große Teile der Bevölkerungsschicht ist. Mit ungeheurer Umsatzkraft und einer Maschinerie, die viele Arbeitsplätze unterhält. Vale -

Hans

19. Mai 2009, 21:35

Hm, also wer diese Sendung guckt, der schaltet bestimmt nicht ein, um seinen Sprachschatz zu erweitern.

Neroli

19. Mai 2009, 21:49

Ich frage mich die ganze Zeit warum es Heidi Klum niemand sagt, daß es nicht "als wie" heißt?

Hat sie keine Berater, merkt ihre Redaktion das nicht oder soll es ganz einfach Anbiederei beim Massenpublikum sein?

Holly

20. Mai 2009, 10:40

@Neroli

So merkt doch gleich jeder, daß das "uns' Heidi" ist, das total sympatische Mädel von nebenan, das total bodenständig ist und sich den Kopf nicht vom Ruhm hat verdrehen lassen, nicht mal bei so komisch Zeuch wie Grammatsick. Nee, nee, nee, das ist Ursprünglichkeit, genau wie die in jedem zweiten Artikel erwähnte Sauerkrautsuppe, die uns' Heidi viel lieber mag als wie Kaviar und Hummer und so Schmus. Imagepflege.  

Kay Lorenz

20. Mai 2009, 18:23

@Thom: "She was more groovy than you." ist Käse. Richtig ist "She was groovier than you." (www.thefreedictionary.com/groovy)

---

Ich sehe bei manchen Formulierungen nicht, was an ihnen so schlimm sein soll.

"Bei dir ist der Knoten geplatzt" ist doch weit verbreitet. Einige andere Sprüche werden einfach in der Umgangssprache verwendet, z. B. "Gib Gas", "Du musst zeigen, was in dir steckt!" oder das "so" als Steigerung in "Ich freue mich soooooo". Aber im Gegensatz zu "als wie" kann ich da keine grammatikalischen Fehler entdecken.

Mich wundert zudem, dass sich keiner über den Rolf aus der Jury beschwert. Heidi Klum hat ja wenigstens eine normale Aussprache (über die Stimme lässt sich streiten ;)). Aber was der manchmal verzapft, ist zuviel. "Einö Toppp-Modölll muuuss arbeitön".

Bine Beer

21. Mai 2009, 19:48

Sooo dooof und sooo überflüssig.  

alpe

29. Mai 2009, 16:35

@Klumfuss: Kamera blendet vom Spielfeld auf den Trainer: "Friedhelm Funkel. Seine Mannschaft bekommt heute wirklich kein Bein an die Erde."

Fußball. Diese Art des Sprechens kommt aus den Fußballübertragungen im Fernsehen. Einfach mal in Ruhe die Sportschau anschauen - dann wird's klar.

Trackbacks

Ihr Kommentar

 
Hinzufügen
Blogsuche
in
Blog abonnieren
per Email an folgende Adresse
Themenfinder
A B C D E F G H I J K L M
N O P Q R S T U V W X Y Z