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Das Fernsehblog

Heuchler auf allen Seiten: Die Hysterie um "Erwachsen auf Probe"

02. Juni 2009, 17:37 Uhr

Ist es nicht toll, in einem Land zu leben, in dem es mehr Kinderschutzvereine gibt als Kinder? Und in dem die größte Gefahr, die diesen Kindern droht, die Produktion und Ausstrahlung einer Fernsehsendung ist?

* * *

Man bräuchte längst ein neues Wort, um das zu beschreiben, was um die RTL-Sendung "Erwachsen auf Probe" tobt, in der vier jugendliche Paare unter Aufsicht und vor Kameras lernen, was es bedeutet, Kinder zu haben. "Hysterie" war ganz treffend, um die Stimmung vor zehn Tagen zu beschreiben, aber seitdem ist alles viel schlimmer geworden.

60 Verbände haben den Sender Ende vergangener Woche in einer gemeinsamen Erklärung [doc] dazu aufgerufen, die Reality-Reihe nicht auszustrahlen. 60 klingt nach viel, aber das täuscht. Dabei ist zum Beispiel der "Pflege- und Adoptivelternkreis Kreis Wesel", und da fragt man sich doch sofort, ob es in den Landkreisen Cochem-Zell, Sonneberg, Steinfurt und Alzey-Worms keine Elternkreise gibt, die hätten unterschreiben können. Oder warum von der Arbeiterwohlfahrt nur der Bezirksverband Hannover unterschrieben hat, obwohl die Organisation noch 28 weitere Landes- und Bezirksverbände hat. Und ob es nicht noch mehr obskure Organisationen wie "TQL - Total Quality Life" gibt, die ihr Eingetragenes-Warenzeichen-Zeichen mit unter die Erklärung gepackt hätten.

Nein, da geht noch was. Bestimmt kommt morgen eine Erklärung, die 6000 Verbände unterschrieben haben, und natürlich wird das den Agenturen wieder Anlass sein für eine Meldung.

* * *


Tamara (17) und Bastian (18) mit Lasse (10 Monate) und seiner Mutter Katrin. Fotos: RTL

* * *

All diese Verbände (darunter zu meinem persönlichen Entsetzen auch die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg) haben eine Erklärung unterschrieben, die davon ausgeht, dass in der Sendung "Eltern ihre Kinder für mehrere Tage in einem kameraüberwachten Haus an Jugendliche abgeben". Keiner dieser ach-so-besorgten Verbände hat zur Kenntnis genommen, dass RTL das inzwischen bestreitet. Der Sender behauptet, die Eltern seien "die ganze Zeit bei ihren Kindern dabei" gewesen, "oft nur wenige Meter von ihren Kindern entfernt" und "mitunter direkt hinter dem Kameramann". Katrin B., eine der Mütter, sagt, ihr Sohn sei "nie über mehrere Stunden alleine bei den Probeeltern" gewesen und habe jede Nacht bei ihr geschlafen.

Die Erklärung der Dutzenden Vereine geht von einer falschen oder wenigstens unbewiesenen Annahme aus. Ob man, wenn man die Situation korrekt dargestellt hätte, wohl mehr oder weniger Unterzeichner bekommen hätte?

* * *

Das Deutsche Jugend-Institut (DJI) hat die Erklärung nicht unterzeichnet, brauchte das aber vielleicht auch nicht, weil es seinen Beitrag zur Eskalation des Irrsinns auch so schon geleistet hat. Christian Lüders, Leiter der Abteilung Jugend und Jugendhilfe, brachte die Möglichkeit ins Gespräch, dass man den Eltern, die an der Sendung teilnahmen, eventuell die Kinder wegnehmen müsse. Wenn man bedenkt, dass der der brisanteste Vorwurf gegenüber der Sendung lautet, dass bei Kleinkindern, die vorübergehend von ihren vertrauten Bezugspersonen getrennt werden, irreparable Bindungsprobleme entstehen können, ist der Vorstoß des DJI von betörender Konsequenz: Warum Kinder nur ein paar Stunden von ihren vertrauten Bezugspersonen trennen, wenn man es gleich für Jahre tun und den Schaden maximieren kann?

Auch die Erklärung der 60 Verbände fordert die zuständigen Jugendämter auf, mit den beteiligten Eltern zu sprechen und "notfalls einzuschreiten". Wie muss man sich einen solchen Notfall vorstellen? Die Sendung wurde im vergangenen Jahr produziert, alle irreparablen Schäden sind längst irreparabel. Aber da die Verbände davon sprechen, dass die Kleinkinder "prostituiert" wurden, gehen sie vermutlich davon aus, dass die Eltern ohnehin nur darauf warten, dass ihr Nachwuchs endlich alt genug ist, um auf den Strich geschickt zu werden. Das könnten die Jugendämter natürlich "notfalls" noch verhindern.

* * *

Ist es nicht bemerkenswert, in welchem Maß diese vielen sozialen Organisationen bereit sind, im angeblichen Kampf für die Rechte der Kinder die der Eltern zu missachten? Ohne Hemmungen werden diese Paare als gewissenlose, geldgierige Monster dargestellt. Natürlich ist es richtig, Kinder notfalls auch vor ihren Eltern zu schützen, aber woher nehmen die krakeelenden Kinderschützer die Gewissheit, dass dies so ein Fall ist? Die Eltern des damals zehn Monate alten Lasse erzählen, wenn man sie fragt, dass ihr Sohn viel Spaß an dem Experiment hatte. Er sei ein aufgeschlossenes, neugieriges Kind, das nie gefremdelt habe, sagt die Mutter, und mit dem Tonmann habe er sich besonders gut verstanden.

Angesichts der ersten Folgen, die RTL der Presse vorführte, spricht nichts dafür, dass die Teilnahme an der Sendung Ausdruck dafür ist, dass die Eltern asozial sind, dass ihnen Mutter- und Vaterinstinkte fehlen, dass sie bereit sind, ihre Kinder für ein paar Euro Gefahren für Leib und Seele aussetzen.

Man kann ja die Position vertreten, dass der Einsatz der kleinen Kinder überhaupt oder im konkreten Fall unnötig, unanständig oder unzulässig ist, und dafür lassen sich auch gute Argumente vorbingen. Aber wer hier von Kindesmissbrauch oder Kindesmisshandlung spricht, verharmlost Kindesmissbrauch und Kindesmisshandlung.

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Eine schlaflose Nacht für Sebastian (16) und Lila (19).

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Angeblich können nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen schon durch eine relativ kurze Trennung von der Mutter Gehirnschäden entstehen. Bedeutet das, dass Amokläufe in Zukunft nicht mehr reflexartig durch den Gebrauch von "Killerspielen" erklärt werden, sondern dadurch, dass die Mutter eines Amokläufers einmal drei Tage krank war und ihn als Kleinkind für mehrere Stunden in die Obhut fremder Pflegeeltern geben musste? Was glauben all die Kinderschützer denn, unter welchen Bedingungen Kinder in Deutschland und anderswo aufwachsen, wenn das Fernsehen nicht dabei ist? Wie unzulänglich die Bedinungen sind, wie viele Fehler Eltern machen, obwohl sie überzeugt sind, im besten Sinne für ihr Kind zu handeln?

Letzte Woche war ich bei einem Imbiss und ein Vater kam mit seiner vielleicht zweijährigen Tochter. Er setzte sie neben ein paar andere Gäste an den Tisch und bat sie dann, kurz auf das Kind aufzupassen, während er nochmal losging, die Getränke zu holen. Hätte ich die Polizei rufen müssen?

* * *

Fast noch schlimmer als die Hysterie ist die Heuchelei. Als die Debatte um "Erwachsen auf Probe" zu entgleiten begann, erklärte RTL plötzlich, mit dem Programm einen Beitrag zu einem akuten gesellschaftlichen Problem zu leisten und behauptete, um auf Nummer sicher zu gehen, dass die Zahl der Teenager-Schwangerschaften in Deutschland steige - in Wahrheit geht sie deutlich zurück. Genauso heuchlerisch ist es aber, wenn Familienministerin Ursula von der Leyen die Berechtigung eines solchen Formates mit dem Hinweis ablehnt, in Deutschland sei die Zahl der Teenager-Schwangerschaften "sehr niedrig". Immerhin bekommen jährlich noch fast 6000 Mädchen und minderjährige Frauen ein Kind. Und über 5000 Minderjährige lassen ihr Kind abtreiben. Das hat schon eine soziale Relevanz, auf die sich ein Sender, der sich des Themas annimmt, berufen darf.

Man muss RTL ja nicht abnehmen, das Programm aus Verantwortungsgefühl für die Gesellschaft zu machen. Aber genau so kurzsichtig wäre es, jeder Sendung eine positive Absicht schon deshalb abzusprechen, weil sie von einem Privatsender ausgestrahlt wird, der naturgemäß Fernsehen macht, um damit Geld zu verdienen.

* * *


Sebastian und Lila beim Geburtsvorbereitungskurs.

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In die Irre läuft auch der Vorwurf, man dürfe so eine Sendung nicht als Unterhaltung inszenieren. Auch Sendungen wie "Die Super-Nanny" und "Raus aus den Schulden" folgen den Inszenierungs-Regeln des Reality-Genres. Die sind natürlich nicht unproblematisch und dürfen und müssen diskutiert werden. Aber sie diskreditieren auch nicht von vornherein den Versuch, gesellschaftlich relevante Themen aufzubereiten, und sie verhindern nicht automatisch eine positive, pädagogische Wirkung. 

Gerade und vermutlich nur durch die Inszenierung als spannende Unterhaltung hat "Erwachsen auf Probe" die Chance, Jugendliche zu erreichen, die sich eine seriöse Dokumentation über das Problem von Teenagerschwangerschaften nicht ansehen würden. Und bei aller Schlichtheit der Dramaturgie ist die Botschaft der Serie durchaus differenziert: Wir sehen, dass der gute Wille, sich um ein Kind zu kümmern, und die Begeisterung für das kleine Wesen, das vor einem liegt, nicht reicht. Dass schon ein Besuch im Supermarkt mit einem Kleinkind eine gewaltige Überforderung sein kann. Wir sehen, wie junge Menschen an den einfachsten Aufgaben scheitern. Und wie sie, andererseits, mit diesen Aufgaben wachsen. Es gibt Szenen von erschütternder Überforderung und rührendem Engagement.

Die Reihe vermittelt keineswegs die Botschaft, dass es okay ist, Kinder einfach abzugeben wie eine Sache. Wenn sie eine Botschaft hat, dann die, dass Kinder etwas Besonderes sind, eine Bereicherung, die aber auch extrem hohe Anforderungen an (junge) Eltern stellt. Nach den Folgen zu urteilen, die RTL vorab der Presse gezeigt hat, ist die Sendung keine Warnung davor, Kinder zu bekommen, aber eine Mahnung, die damit verbundene Verantwortung nicht zu unterschätzen.

Und es stimmt schon, dass die Fernsehmacher die Jugendlichen gelegentlich bloß stellen, sich über sie lustig machen und ihre gezielt herbeigeführte Überforderung ausschlachten. Aber verglichen mit vielen anderen Reality-Formaten gehen sie dabei behutsam mit ihren Protagonisten um und zeigen ein differenziertes Bild, nicht nur Karikaturen.

Es ist keineswegs abwegig, dass die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen in ihrer Prüfung der Sendung zu dem Urteil kam: "Die Teilnehmer werden nicht verächtlich gemacht oder zu bloßen Objekten voyeuristischer Begierden der Zuschauer herabgewürdigt. (...) Darstellungsform und -inhalt der vorliegenden Sendungen fördern keineswegs eine die Menschenwürde negierende Einstellung, im Gegenteil: Dass es sich bei Babys und Kleinkindern nicht um süße Objekte, sondern um Persönlichkeiten mit nicht nur physischen, sondern auch kommunikativen und sozialen Bedürfnissen handelt, wird sehr deutlich vermittelt - und damit werden auch verzerrte Vorstellungen bei den Teenagern zurechtgerückt."

* * *

Die Debatte um "Erwachsen auf Probe" hat nun auch die Landesmedienanstalten in ihrem Büroschlaf gestört und dazu gebracht, eine Pressemitteilung herauszugeben, in der im Zusammenhang mit ihrer Arbeit sogar das Wort "prompt" vorkommt. Ein "Eilprüfverfahren" werde die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) durchführen: Drei Mitglieder würden sich die erste Folge am Tag nach der Sendung anschauen und "vor allem auf einen möglichen Verstoß gegen die Menschenwürde und eine die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigende Wirkung hin untersuchen".

Stolz weist KJM-Chef Wolf-Dieter Ring darauf hin, dass das kein Ausnahmefall sei und auch keine Reaktion auf die Debatte, sondern die Jugendschützer ganz alleine recherchierten, welche möglicherweise problematischen Sendungen die Sender planten.

Der Aktionismus ist rührend, aber vermutlich kontraproduktiv. Die ersten Doppelfolge stellt nämlich erst einmal die Teilnehmer und das Experiment selbst vor; die eigentliche Baby-Betreuung scheint erst in der nächsten Folge zu sehen zu sein, die in der nächsten Woche läuft.

Auch deshalb könnte die erhitzte Debatte bei all den Zuschauern, die morgen einschalten und sich werweißwas erwarten, eine merkwürdige Enttäuschung produzieren - oder Unverständnis über die Skandalisierung im Vorfeld.

* * *


Vor dem Kind kommt die Schwangerschaft: Angelik (17) übt schon mal.

* * *

Die meisten lautstarken Pressemitteilungen irgendwelcher Vereine lassen keinen Zweifel daran, dass ihnen an einer ehrlichen Debatte über die Chancen und Risiken der Sendung nicht gelegen ist. Das haben sie mit RTL gemein. Dem Sender gelingt es nicht einmal, die Illusion einer Gesprächsbereitschaft aufrecht zu erhalten. Er erklärte in einer Mitteilung, "alle Aspekte und Argumente", die bei einem Pressegespräch mit den Kritikern ausgetauscht wurden, seien "nochmals in die interne Prüfung der bereits fertig gestellten achtteiligen Sendereihe" eingeflossen. Dabei hatte RTL-Generalsekretär Thomas Kreyes in Vertretung von Geschäftsführerin Anke Schäferkordt jenes Pressegespräch mit der Aussage eröffnet: "Wir stehen ausdrücklich zu dem Format." Die Sendung stand für RTL nie zur Disposition, so wie für die organisierten Kinderschützer deren Ablehnung nie zur Disposition stand.

* * *

Manche halten die Aufregung um "Erwachsen auf Probe" für den Anfang einer überfälligen Debatte über die Werte und Grenzen des Fernsehens heute. Aber dafür müsste man schon das taube Festhalten an der eigenen Position bei kontinuierlicher Steigerung der Lautstärke mit einer solchen Debatte verwechseln.

Die Diskussion, ob eine solche Sendung ausgestrahlt werden darf oder verboten werden muss, verhindert die Frage, in welcher Form sich das Fernsehen brisanten Themen und der Lebenswirklichkeit widmen sollte und wie es seiner Verantwortung gegenüber den Protagonisten gerecht wird. Das wären Fragen, die nicht nur angesichts der Explosion von billigsten und höchst zweifelhaften Reality-Formaten im Tagesprogramm der Sender notwendig und brisant wären.

Von dem Geschrei über die Produktion von "Erwachsen auf Probe" bleibt, nüchtern betrachtet, vor allem eine sehr berechtigte Forderung: die Mitwirkung von Kindern bei Reality-Formaten zu regeln. Bislang gibt es nur Vorschriften für Dreharbeiten mit Kindern als Schauspielern. Sinnvoll wäre zum Beispiel die Pflicht, dass ein fachkundiger Betreuer vor Ort ist, der ausschließlich den Interessen der Kinder verpflichtet ist und nicht denen der Produktion. Eine solche, vom Jugendamt vermittelte Aufsicht könnte auch dann einschreiten, wenn die Eltern der Protagonisten sich vielleicht nicht trauen. Und er könnte, wenn - wie im Fall von "Erwachsen auf Probe" - umstritten ist, welche Bedingungen tatsächlich vor Ort herrschten, für Klarheit sorgen.

Könnten wir bitte darüber reden, wie wir das organisieren?

Ah, können wir nicht.

Die Agenturen melden, dass das ultrakonservative "Deutsche Familiennetzwerk" beim Kölner Verwaltungsgericht eine einstweilige Verfügung beantragt hat, um die Ausstrahlung zu verbieten, weil "bereits schwangere Mädchen im Teenageralter" durch die Sendung "ermuntert und geradezu aufgefordert werden könnten, die Schwangerschaft abzubrechen oder ihr Kind abzutreiben". Lassen Sie alle Hoffnung fahren.

Veröffentlicht 02. Juni 2009, 17:37 von Stefan Niggemeier
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Kommentare

K.Kolumni

02. Juni 2009, 18:04

Lieber Stefan Niggemeier,

ich bin immer wieder froh, dass Deutschland mindestens einen Journalisten hat (also, Sie jetzt ...), der sich zu Medienthemen eigene Gedanken macht und die Mühe, diese in Texte zu fassen, die man dann auch noch gerne liest.

Stephan

02. Juni 2009, 18:16

Ein großartiger Beitrag - Anfangs sehr negativ ggü. der Sendung eingestellt, muss ich zugeben, dass die differenzierte Betrachtung Mißstände auf beiden Seiten der Argumentationsführer offen legt. Danke für diesen Beitrag!

grey

02. Juni 2009, 18:30

upps ... dann dürften wir unsere Kinder weder in eine Krabbelstube (unter 3.Lebensjahr) noch in den Kindergarten schicken ... wegen der "irreparablen Schäden" (:lol:)

J. S.

02. Juni 2009, 18:39

Und wird es auch das konträre Äquivalent dazu geben?

Wo dann Familien ihren pflegebedürftigen Opa oder pflegebedürftige Oma an ein junges Paar abgeben. Auch da kann man etwas fürs Leben lernen.

Jetzt frage ich mich, wer so etwas gucken soll. Für die Jugendlichen mag das ja etwas bringen, aber ich als Zuschauer finde allein die Beschreibung der Sendung total öde. Das erinnert sehr stark an Big Brother (was mittlerweile auch schon total ausgelutscht ist) und spricht den Voyeurismus an.

Qualitatives Fernsehen sieht anders aus.

Bruno

02. Juni 2009, 18:45

Sorry, aber der Verfasser ist bekannt für seine Nähe zum Privaten Fernsehen und den zweifelhaften Formaten, die dort ausgestrahlt werden. Es ist schlichtweg nicht zu rechtfertigen, dass es Reality-Sendungen überhaupt geben muss! Die Quote ist absolut kein Argument, denn sie muss hinter der Würde des Menschen zurückstehen. Wer derartige Sendungen verteidigt, hat keine Haltung zu Werten. RTL schielt auf den Erfolg nicht bei den jungen, sondern bei den dummen Zuschauern!

Gast

02. Juni 2009, 18:59

http://keine

So ist es leider in Deutschland. Es wird durch einige Presseorgane etwas reißerisch in die Welt gesetzt. Dann springen andere Verteter der Zunft darauf und bald regt sich jeder darüber auf. Ob und welche Fakten dahinter stehen, interessiert niemand. Dann hängen sich profilierungssüchtige Politiker noch rein und ganz schnell werden Gesetze, Verbote und Reglementierungen geschaffen, für Tatbestände, die in Wirklichkeit gar nicht vorhanden sind. Und dann kommt noch das Argument, wir reglementieren, weil ja vielleicht so etwas gemacht werden könnte. Das ist vorrauseilender Gehorsam. Das ist Propaganda, das ist Hetze. Das ist etwas, was im Deutschland der frühen 30er seinen Ursprung hat. Und das sollte einem eine Warnung sein.

C.Z.

02. Juni 2009, 19:15

Großartig...wirklich großartig

Genau so sieht nämlich die "Diskussion" in den deutschen Medien aus:

"Ich habe gehört, dass..." und darauf fußt eine angeblich fundierte "Studie", die fast jeder mit Restverstand ablehen muss. Siehe die Vorderung des DJI.

Wäre die Sache an sich nicht so traurig, könnte man sich freuen, dass Menschen wie Herr Niggemeier oder wenige andere sich differenziert Gedanken zu solchen Themen machen.

Thomas

02. Juni 2009, 19:30

http://tvundso.com

Ich dachte die ganze Aufregung gäbe es nur, damit RTL "Erwachsen auf Probe" damit teasern kann: "Die Sendung über die ganz Deutschland spricht", so oder ähnlich habe ich das heute gehört.  

Morgen wissen wir alle mehr :)

Entweder sind wir dann alle enttäuscht oder es geht erst richtig los.

"Es ist schlichtweg nicht zu rechtfertigen, dass es Reality-Sendungen überhaupt geben muss!"

Sperren, sofort sperren!!! PS: Bist Du der Bruno vom MTV Movie Award?

J. T.

02. Juni 2009, 19:59

Ich schätze, daß eine Sendereihe in acht Folgen nicht den Big-Brother-Voyeurismus anspricht.

Meiner Meinung nach bringt diese Sendung - wenn sie ordentlich recherchiert und vorbereitet wurde, was der Verfasser ja in einigen Punkten bestätigt hat - (wirklich) interessierten Zuschauern eine Menge guten Stoff für das eigene Lebensumfeld (Mädchen-/Junge-Frau-Schwangerschaft in der Familie oder dem engeren Bekanntenkreis) ... wo man plötzlich aufmerkt und Hilfe anbieten kann, ohne altklug zu erscheinen.

Aber auch die jungen Zuschauer können sich mit den dort wohl auftretenden Alltagssituationen eher identifizieren, wenn die "Eltern auf Probe" sie am eigenen Leibe durchstehen, als wenn - nach Ansicht dieser ominösen "Kinderschutzvereine" einzig korrekt - ein altersgraues Gremium aus langgedienten öffentlich-rechtlich verstaubten Programmdirektoren und -innen das Drehbuch in monatelanger Fisselarbeit sooo aushöhlen, daß die engagierten (Jung-)Schauspieler wie Marionetten mit hölzernen Texten herumstaksen ... das erinnert mich an meine Schulzeit mit den altertümlichen Biologie- oder Chemiefilmchen (auf Super-8, falls das noch jemandem was sagt ;-)).

Sollte diese Dokumentations-Serie ihr Ziel nur einigermaßen erreichen, dann schlage ich hiermit vor, unsere Schul- und Lehrplaner verhandeln mit dem Sender/der Produktions- und Rechteabteilung über eine Vorführungsgenehmigung in einem passenden Schulfach, sei es Sexualkunde (oder wie das neu-deutsch ausgedrückt wird) oder "Verhaltungskunde" (ich weiß, das gibt es noch nicht, aber das sollte eingeführt werden ... so einige Schüler, die ich in letzter Zeit getroffen habe, könnten ne Menge davon vertragen!). Das soll nicht heißen, daß ich eine Militärerziehung will, oder den Knigge komplett auswendig lehren ... es gibt aber eine Reihe von Konventionen, die heutzutage in der Öffentlichkeit immer noch Sinn machen, und wenn die Jugendlichen in dieser Hinsicht wieder sensibilisiert werden, dann ist "Eltern auf Probe" ein guter Baustein in der Schulbildung!

ps: Ich habe mir in meiner Kinderzeit (so vor gut 30 Jahren) mal den Arm, ein anderes Mal das Bein gebrochen, außerdem wurden mir die Mandeln entfernt ... wozu ich meist Tage oder eine Woche im Krankenhaus verbringen mußte (ohne meine Mutter) ... wie kann ich die zweifellos bei mir "entstandenen Gehirnschäden" feststellen??

*lautauslach* (die "Wissenschaftler")

Stefan Niggemeier

02. Juni 2009, 20:06

@J. T.: Langsam. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Sendung so ordentlich recherchiert und vorbereitet wurde. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es gutes Fernsehen ist.  Ich habe da meine Zweifel.

Aber ich würde gerne genau darüber diskutieren, was gelungen ist an der Sendung und was misslungen, was man anders machen müsste und warum so eine Sendung vielleicht trotz aller Defizite trotzdem eine positive Wirkung haben kann. Leider ist es schwer, damit die Sprechchöre zu übertönen, die die ganze Zeit "VERBIETEN!" und "KINDESMISSBRAUCH!" grölen.

Christian

02. Juni 2009, 20:06

http://keine

Ich denke, die Werteverschiebung, die durch so eine Sendung sichtbar wird, ist ungefähr die, die fast überall sichtbar wird:

Statt wirklich Wichtiges zu betonen, nämlich daß ein Kind mit der Liebe beider Elterteile aufwächst, geht es anscheinend wieder mal nur um das Gefühl von Erwachsenen. Ich denke, wenn die Babies reden könnten, würden Sie sagen: Laßt uns in Ruhe bei unseren Eltern bleiben, aber dieses Reden wird weggeschrien, und dabei meine ich nicht nur bestimmte Passagen des o.g. Artikels, sondern auch die meisten Reaktionen auf den Artikel. Wann werden Kinder eigentlich wirklich wert geachtet und nicht instrumentalisiert. Vielleicht liegt es daran, daß sich die Erwachsenen in Ihrer Enthüllungs- und Kritiksucht selbst nicht wert achten? Ich denke, wir sind wertvoll als Gottes geschöpfe.

J. T.

02. Juni 2009, 20:21

Entschuldigung, Herr Niggemeier. Da habe ich wohl ein paar Informations-Stückchen aus anderen (für mich sachlich klingenden) Quellen mit in meinen Kommentar hinein gemischt. Aus meiner Sicht verdient die Sendung - nach bisherigem Stand - zumindest ein "im Zweifel für den Angeklagten" ... was bedeutet, erst nach Anschauen der zweiten (wo wohl der tatsächliche Alltag beginnt) oder dritten Folge über Qualität und Tendenzen zu urteilen.

Ich würde mich dann auch über eine Diskussion zu den tatsächlichen Positiva und Negativa freuen!

Basti

02. Juni 2009, 20:50

Ich heiß basti und nicht bastian^^

Ralf Hoffmann

02. Juni 2009, 20:52

Ist ja toll, dass die freiwillige Selbstkontrolle dem Format den Segen erteilt. Im Vorstand findet sich übrigens ein RTL Mann.........aber das ist bestimmt nur Zufall.

Machen wir uns nix vor. Bertelsmann will gute Zahlen sehen. Da geht man auch mal über Grenzen.

Stefan Niggemeier

02. Juni 2009, 20:56

@Ralf Hoffmann: Wenn RTL nicht dabei wäre, wäre es ja auch nicht die Freiwillige SELBSTkontrolle.

Klaus

02. Juni 2009, 21:00

http://www.bbc.co.uk/parenting/tv_and_radio/baby_borrowers/index.shtml

Wir hatten das Vergnügen, das ursprüngliche Format dieser Serie zu sehen.

Bei der BBC lief es unter "Baby Borrowers".

Es war nicht nur Unterhaltung (was für Fernsehsender oft im Vordergrund steht), sondern wirklich sehr gut recherchierte und dargestellte beschäftigung mit einem Thema, das (speziell in England) auch in Deutschland ein immer wichtigeres Thema ist: Kinder, die Kinder kriegen.

In der BBC Doku wurden einige "Eltern" ihere Illusionen beraubt, wieder andere meisterten die Herausforderungen aber sehr gut.

Ich kann nur jedem empfehlen, sich dieses Serie zu besorgen und anzuschauen, RTL wird mit Sicherheit dieses Konzept von der BBC gekauft haben.

Das Internet ist auch voll zu dieser Serie, einfach mal googlen: Baby Borrowers.

Gruß

Klaus

Bernadette

02. Juni 2009, 21:20

Ich kenne die Sendung nicht, werde mich also mit Kommentaren darüber zurückhalten. Allerdings halte ich es grundsätzlich für falsch, Kinder - insbesondere so kleine Kinder - "auf Probe" zu verleihen. Das ist eben nicht das Gleiche, wie sie einen Nachmittag der Oma zu überlassen. Gut dass die Eltern dabei waren, aber was ist dann der Lerneffekt davon?

Ich finde allerdings nicht, dass Leute vom Jugendamt jetzt dafür abgestellt werden sollen, Reality-TV-Formate zu beobachten - soweit kommt's noch?! Die haben mehr als genug zu tun und sind sowieso schon überfordert. Wichtig wäre bitte, dass sich jemand der Kinder annimmt, die in zahllosen Familien vernachlässigt oder sogar misshandelt werden, die nicht genug zu Essen und keine saubere Kleidung haben. Die brauchen wirklich Hilfe. Nicht Kinder, die für Geld von TV-Sendern, die mit dem Format auch Geld machen wollen (erzieherischer Effekt - da kann ich ja nur lachen), vermietet werden. Das braucht niemand. Und junge Erwachsene, die sich in den Kopf gesetzt haben, Kinder zu kriegen, wird man damit nicht abschrecken.

PS: Die Abtreibungszahlen haben mit dieser Diskussion ja wohl nur insofern einen Zusammenhang, als sie zeigen, dass Jugendliche zwar oft nicht oder nicht richtig verhüten - sie zeigen aber vor allem, dass nicht alle jungen Menschen die Verantwortung für ein Kind übernehmen wollen, sich der Konsequenzen eines Kindes also sehr wohl bewusst sind. Das soll Abtreibungen nicht schönreden, vor allem wenn sie aus Dummheit (wird schon nix passieren ohne Kondom...) resultieren. Aber es zeigt, dass nicht alle jungen Frauen scharf auf Nachwuchs sind.

Thom

02. Juni 2009, 23:10

"Es ist keineswegs abwegig, dass die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen in ihrer Prüfung der Sendung zu dem Urteil kam: "Die Teilnehmer werden nicht verächtlich gemacht oder zu bloßen Objekten voyeuristischer Begierden der Zuschauer herabgewürdigt. (...) Darstellungsform und -inhalt der vorliegenden Sendungen fördern keineswegs eine die Menschenwürde negierende Einstellung, im Gegenteil: Dass es sich bei Babys und Kleinkindern nicht um süße Objekte, sondern um Persönlichkeiten mit nicht nur physischen, sondern auch kommunikativen und sozialen Bedürfnissen handelt, wird sehr deutlich vermittelt - und damit werden auch verzerrte Vorstellungen bei den Teenagern zurechtgerückt.""

Naiv wäre untertrieben; das zeugt von einem sehr schlichten Gemüt: Die freiwillige Selbstkontrolle der Fuchse versicherte, daß das geplante Gesetz, das Füchsen freien Zutritt zum Hühnerstall gewähre, nicht zur Gefährdung der Hühner führe, daß die Hühner nicht einseitig benachteiligt werden und daß eine differenzierte und sensible Behandlung gewährleistet sei.

Stefan Niggemeier

02. Juni 2009, 23:30

@Thom: Ja, man kann natürlich die Bewertung der FSF unbesehen ablehnen, weil es eine Bewertung der FSF ist. Man kann sich aber auch die Bewertung der FSF ansehen und die Sendung selbst und dann urteilen, ob die Bewertung der FSF a) nachvollziehbar ist und man sie b) teilt. Ich halte sie für mindestens nachvollziehbar.

(Den anderen Kommentar mit dem grotesken Nazi-Vergleich werde ich nicht freischalten.)

FrankLorenz

03. Juni 2009, 00:53

http://"OMG VERBIETEN!"

ist die klassische Forderung der ahnungslosen, offensichtlich in der Mediensteinzeit stehengebliebener Wichtigtuer, ähnlicher Unfug wurde ja gar erst in Bezug auf vermeintlich amoklauffördernde "Killerspiele", Gotchaschiessen und Internetsperren.

Die haben mich mit ihren totalen Ignoranz dermassen genervt, dass ich allen Ernstes die Piratenpartei gewählt habe.

Danke für den Artikel, es tut immer gut, einen fundierten Artikel zu der Thematik zu lesen.

nils

03. Juni 2009, 01:41

rtl hat doch mit ihrer (wahrscheinlich gewollt) missglückten ersten pressemitteilung alles erreicht, ganz deutschland diskutiert über eine sendung die noch niemand gesehen hat! ich halte das ganze für eine reine marketingaktion, die wie an diesem blog beitrag zu sehen ist, voll und ganz eingeschlagen ist (auch ich konnte mich wie zu sehen ist nicht davon fernhalten). ich habe keine ahnung wie und unter welchen bedingungen diese sendung entstanden ist, ich halte es nur für fragwürdig kleinkinder in reality formate einzubeziehen, ebenso wie ich es für diskussionswürdig erachte jugendliche in ebendiese zu integrieren. aber das gesetz des marktes ist diesbezüglich ja ganz einfach, gibt es genügend nachfrager wird auch das angebot steigen. moral hin oder her

Karsten Heyde

03. Juni 2009, 02:29

http://www.karsten-heyde.de

Mit Verlaub Herr Niggemeier,

eine Doku-Soap soll das reale Leben widerspiegen. Nur - die echten Eltern sind nur "wenige Metern" entfernt. Ergo ist das die Heuchelei und nichts anderes. RTL klatscht in die Hände, die Quote ist garantiert und leider geben Sie sich - wie ich auch viele Jahre - diesem Spiel hin. Journalismus und Ethik sind nicht mehr en vogue ... ihrem BILD-Blog haben Sie in meinen Augen einen Bärendienst erwiesen.

LG

Karsten Heyde

nobbi

03. Juni 2009, 05:24

fur diese psychologische vergewaltigung kann ich nur mit dem kopf schütteln. mach diesen sender dicht!

CaimanBarbudo

03. Juni 2009, 07:16

Lieber Herr Niggemeier, erlauben Sie mir nur eine kleine, aber bedeutende Korrektur: Es gibt in Deutschland keineswegs mehr Kinderschutzvereine als Kinder, dafür aber viel mehr Mitglieder in Tierschutzvereinen als in Kinderschutzverbänden.

walter ercolino

03. Juni 2009, 08:21

http://thehorsewiththeblinderseatingthehay.com/

Also, dazu fällt mir nur Public Enemy ein : " Don´t believe the Hype". Heuchelei auf beiden Seiten, klar. Was sonst ? Aber Herr Niggemeier, mal so unter uns - haben sie auch nur eine Sekunde an eine positive Absicht von RTL gedacht, nee, oder??? Oder das die Sendung nur eine ungewollte Teenagerschwangerschaft verhindert?? Kann jetzt nicht ihr Ernst sein, wirklich nicht. Kommt aber irgendwie so rüber, unterschwellig. Natürlich doof von mir jetzt über ne Sendung zu sprechen, die ich nicht gesehen habe, aber genauso wie " Raus aus den Schulden " nicht verhindert, dass weiterhin auf Kredit gekauft wird oder Barbara Salesch, dass neue Verbrechen begangen werden, wird auch diese Sendung keinerlei Nutzen haben - außer Quote zu machen und natürlich, klar, Unterhaltung, irgendwie auf jeden Fall. Nichts verwerfliches, ist eben so.  Kindesmissbrauch etc. ist natürlich ein dröger Vorwurf, überzogen, aber frage ich mich doch, was veranlasst Eltern denn so was zu tun. Geld??? Hoffe ich doch, wäre für mich das einzige Argument - kenne ja die Lage der Eltern nicht, vielleicht brauchen sie es ja dringend, also was solls, gibt ja schlimmeres um an Kohle zu kommen. Was den von Ihnen von erwähnten Verbänden dann wirklich anzukreiden ist : Sie sind voll in die Marketingfalle von RTL getreten. Eigentlich genialer Schachzug von RTL. Das erspart einiges an konventioneller Werbung. So wie ihr Artikel, Herr Niggemeier. Schön differenziert tun, aber das Feuer am köcheln halten. Besser hätte es die Public Relation Abteilung von RTL auch nicht hinbekommen. Funktioniert aber. Sieht man ja. Auch an meiner Antwort. Bin ebenfalls in die Falle getreten. Man kann halt nicht aus seiner Haut.

Alibi

03. Juni 2009, 10:02

"Oder das die Sendung nur eine ungewollte Teenagerschwangerschaft verhindert??"

Ungewollte sicher nicht. Aber es gibt zahlreiche Mädchen, die einfach nur Mutter werden wollen, und zwar so schnell wie möglich. Davon rückt dann das eine oder andere Mädchen vielleicht ab wenn es sieht, daß Kinder eben nicht nur niedlich sind...

Ruth

03. Juni 2009, 11:52

Ist es bekannt dass die FAZ zum Bertelsmann Konzern gehört genau wie RTL?

Ist dies noch seriöse Berichterstattung?

Nic

03. Juni 2009, 12:40

http://nicsbloghaus.org

Hallo Stefan,

ich widerspreche Dir ja ungern; aber hier akzeptierst Du, dass - egal auf welchem Wege - Geld damit verdient wird/werden soll, dass Menschen bloßgestellt werden sollen. Das ist - völlig unabhängig von allen Entschuldigungen, die Du anbringt, unentschuldbar.

Und ich meine im Übrigen, dass die Unterzeichner der Stellungnahme keineswegs lächerlich zu machen sind: http://hpd.de/node/7145

Stefan Niggemeier

03. Juni 2009, 12:49

@Nic: Die Unterzeichner disqualifizieren sich selbst, wenn sie mit falschen Unterstellungen arbeiten.

Der "Humanistische Verband" fügt der Erklärung noch hinzu, dass es seinem Weltbild widerspreche, "Menschen und vor allem Kinder und sogar Babys quasi durch einen Schaukasten der Öffentlichkeit zu präsentieren". Was für ein "Schaukasten"? Meint er das Fernsehen? Heißt das, jede Dokumentation über Menschen im Fernsehen widerspricht dem humanistischen Verband?

Verzeihung, ich finde das lächerlich.

Stefan Niggemeier

03. Juni 2009, 12:50

@Ruth: Nein, das war mir nicht bekannt. Könnte daran liegen, dass es nicht stimmt.

Knolle

03. Juni 2009, 13:00

Wo er Recht hat, da hat er Recht: der Herr Niggemeier. Es ist zwar selten, dass ich das denke, aber hier hat er den Nagel auf den Kopf getroffen.

Würde das gleiche Experiment als Sendung in einem Dritten Programm der ARD gezeigt, natürlich weniger schrill angepriesen und etwas öffentlich-rechtlicher aufbereitet, hätten wir einen Kandidaten für den Grimmepreis.

Babsi

03. Juni 2009, 13:11

Auch Babysitting durch Teenager sollte verboten werden ;)

Kann diese Sendung ungewollte Schwangerschaften verhindern? Wohl kaum (außer man ist so gebannt von der Sendung, dass... aber lassen wir das).

Könnte mir aber gut vorstellen, dass einige junge Mädchen mit Kinderwunsch (ja, die gibts; nicht jede Teenagerschwangerschaft ist ungewollt) sich die Sache nochmal überlegen. Ich kenne die Sendung ja noch nicht; mal sehen was passiert.

Ich halte RTL nicht für die Wohlfahrt, aber genausowenig für die Kindesvernachlässigungs-Gutheißer der Nation. Das Problem von RTL ist vllt. auch, dass sie schlecht sagen können, es ist alles nur gestellt (auch wenns der Fall ist. Meines Wissens wurde erst nach dem ersten Protestgeschrei erklärt, dass die Eltern immer in der Nähe waren).

sbremer

03. Juni 2009, 14:06

Ob es eine Hysterie ist oder nicht, lasse ich hier mal ohne Bewertung.

Mir stellt sich einfach die Frage, ob wir neben Sendungen, in denen Menschen sich selbst zur Schau stellen - Big Brother und Nachmittags-Talk-Shows - tatsächlich eine Sendung benötigen, in der das Elternsein simuliert werden muss.

Ich denke nicht, dass es ausserhalb der Teilnehmenden irgend jemanden gibt, der daran und daraus lernen kann und für platte Unterhaltung halte ich das Thema für zu ernst.

B. Speckmann

03. Juni 2009, 14:34

Auch Babies und Kinder müssen als SUBJEKTE und nicht als Objekte wahrgenommen werden. Wenn sie ihren Willen noch nicht selbst äußern können, muss man versuchen, sich in sie hineinzuversetzen. Hätten SIE, lieber Leser, sich gerne an eine wildfremde Person "nur mal so als Experiment" verleihen lassen? Wo sind wir angekommen, dass wir diesen entscheidenden Punkt nur in 1-2 Beiträgen zu dem diesen Punkt vollkommen ignorierenden Blog von Herrn Niggemeier wiederfinden? MENSCHENWÜRDE ist das Stichwort!

Stein

03. Juni 2009, 14:42

http://stein_s.fotki.com

Als Kleinkind war ich ein "Tausendschön" (hat man mir gesagt). Braune Augen und blonde Locken. Die jungen Mädchen in der Nachbarschaft standen Schlange, um sich meiner "auszuleihen".

Das hat bei mir zu nachhaltigen, wenn nicht unauslöschbaren, Persönlichkeitsänderungen geführt:

1. Ich fühle mich (fast) überall zuhause.

2. Sprachen lernen fiel mir immer leicht.

3. Reality-Sendungen sind uninteressant.

Mark5025

03. Juni 2009, 14:54

Bestimmt wird RTL hier wieder eine supertolle Reality-Show machen, die die Herzen berührt und dabei auch noch aufklärt. Klar, die privaten Fernsehmacher haben natürlich Gutes im Sinn, wenn sie die vielzahl der Jugendlichen aufklären wollen, die in Gefahr sind, so jung Eltern zu werden. Deutschland wird darüber sprechen, die Medienseiten und die Feuilletons werden voll sein (sind es ja schon längst!) und Millionen Zuschauer werden dieses aufklärerische Stück Fernsehen anschauen können. Zum Glück kommt so eine tolle Sendung nicht bei den Öffentlich-Rechtlichen. Dort wäre es bestimmt wieder misslungen, Gülcan als Moderatorin zu gewinnen, die Jugendliche anlockt, und man hätte sicher wieder tagelang über darüber lustig machen müssen. Ich liebe die FAZ für ihre wunderbare und ausgewogene Medienberichterstattung!

T. Wilke

03. Juni 2009, 16:34

Wer das Nachmittagsprogramm der Privaten kritisch verfolgt, wird sich um das Wohlergehen der Kinder keine Sorgen machen, Gefahr hat sicherlich nie bestanden. Die allgegenwärtigen "Dokusoaps" sind von vorn bis hinten durchinszeniert, jeder Wutanfall, Heulkrampf oder auch nur der kleinste Handgriff folgt einer Regieanweisung. Dies sieht man schon an den Kamerapositionen oder daran, dass Menschen, die vermeintlich überrascht werden, ihre Haustür mit einem eingeschalteten Funkmikro in der Gesäßtasche öffnen. Kurzum: viel Soap, wenig Doku. Das ist der eigentliche Skandal. Was ich in diesem speziellen Fall allerdings besonders verwerflich finde: die Kinder können nicht selbst entscheiden, ob sie zur Unterhaltung für das Fernsehpulikum herhalten möchten. Bei RTL & Co. hat dieses Prinzip Methode: ob jugendliche Problemkinder hart an der Schwachsinnsgrenze oder alkoholkranke EU-Rentnerpärchen im Clinch mit der ARGE und dem Jugendamt - allzuviele, deren Vertrag mit einem Sender wegen zweifelhafter Mündigkeit höchst fragwürdig ist, verkaufen ihre Restwürde für ein paar Euro, machen sich im Wohnumfeld zum Deppen und verbauen sich damit ihre ohnehin schon wenigen Chancen. Hier ist nicht nur Fingerspitzengefühl gefragt sondern eine grundsätzliche Debatte. Kleinkinder sind schließlich nicht die einzigen, die vor Dokusoaps geschützt werden müssten...  

Christina

03. Juni 2009, 17:00

Schön, dass das Foto von Tamara, Bastian, Mutter Katrin und Klein-Lasse abgedruckt ist.

Am   u n g l ü c k l i c h s t e n   guckt der   K l e i n e !!!

Braucht es da noch mehr wortreiche Argumentationen pro und kontra?

Stefan Niggemeier

03. Juni 2009, 17:06

@Christina: Was schlagen Sie vor? Sollen wir Kinder, die nicht fröhlich gucken, verbieten? Oder reicht es, sie ihren Müttern wegzunehmen?

Muriel

03. Juni 2009, 18:10

http://ueberschaubarerelevanz.wordpress.com

Ich habe manchmal den Verdacht, dass ein großer Teil der Bevölkerung nicht in der Lage ist zu unterscheiden zwischen "Gefällt mir nicht." und "Gehört verboten!"

Ist das ein deutsches Problem, oder ein menschliches?

Anne Jacobi

03. Juni 2009, 22:06

Hallo!

Ich habe das Gefühl, dass man es nur noch mit Unterbemittelten zu tun hat! Die Sendung ist das Allerletzte! Was haben Diese Assos mit Kindern am Hut? Die Weiber sollten sterilisiert werden und die Typen kastriert! Niemand von diesen Personen ist, zumindest jetzt, in der Lage ein Kind richtig zu behandeln oder zu erziehen! Die schaffen es ja noch nicht einmal ein Baby am Leben zu erhalten! Lächerlich! Diese Sendung gehört ganz schnell abgesetzt und in den Mülleimer! Ist das überhaupt rechtens so etwas zu zeigen? Ich werde mich auf jeden Fall schlau machen und versuchen etwas dagegen zu unternehmen! Widerlich! Deutschland sollte sich für solch eine Ausstrahlung schämen!!! Pfui!!!

Anmerkung von mir: Jawohl, Pfui. Ich habe diesen Kommentar nur freigeschaltet, damit man mal sieht, was das für Leute sind, die andere für asozial halten. - Stefan Niggemeier

Stadtneurotiker

03. Juni 2009, 23:45

http://stadtneurotiker.org

Hysterie hin, Quoten her.

Die Frage, warum man Minderjährige als Abendunterhaltung vorführen muss, wird auch durch diesen Artikel, dem man zugute halten muss, beide Seiten zu durchleuchten, nicht schlüssig erklärt.

Es ist ein kleiner Unterschied, ob sich Erwachsene freiwillig in einen Container begeben, sich im Dschungel zum Affen machen, als Überschuldete präsentieren oder, ob Kinder ungefragt vor die Kamera gezerrt werden, um den Erziehungsnotstand zu dokumentieren (und das noch durch die Verleihung des Fernsehpreises zu legitimieren), und als Experiment herhalten müssen.

In beiden Fällen muss man den Eltern den Vorwurf machen - und den Medienanstalten, die sich in einem moralfreien Tiefschlaf befinden müssen.

Daß ein Sender wie RTL damit gutes Geld verdient, will ich ihm gar nicht ankreiden. Aber daß man ihn einfach so gewähren lässt, ist der eigentliche Skandal.

Benno Weiser

04. Juni 2009, 02:43

Tja, da hat wohl etwas an der Ankündigung die Herzschlagader der neuen deutschen Familienseligkeit getroffen - aber nein das trifft es nicht: es ist die wahre "deutsche Unersetzlichkeit der Mutter".

Denn wo sind diese Kindeswohl-Heuchler, wenn einem Kind einfach der Vater weggenommen wird? Der "Umgang wird ausgesetzt" ohne Bedenken des Jugendamtes.  Wo sind die Stellungnahmen des DJI, wenn asylsuchende Väter dauerhaft abgeschoben werden? Ist ein Vater weniger Bezugsperson als ein Mutter?

Aber nicht "Eltern" auf Probe - vorallem "Mutter auf Probe"  - das darf es in Deutschland niemals geben.

Brigant, Heidi

04. Juni 2009, 09:43

http://familiebrigant.unserwirbelwind.de/home.html

Hm....?! Bekommt mein Sohn nun lebenslange Schäden, weil er mit 18 Monaten in die Schnuppergruppe geht ??? Man bin ich eine Rabenmutter.

Mal ehrlich.....viel Palaber um Wenig !!!

Die Mütter waren immer dabei....Erzieherinnen klebten ständig den Teenies an den Hacken.

Obwohl....ich hätte eines meiner Kinder nicht weggegeben. Ohne Eingewöhnungsphase.

Ein anderes Eingewöhnen der Teenies wäre besser gewesen. Man hätte sie für 4 Wochen in eine Familie mit Kleinkinder geben sollen. Und sie viel am Alltagsleben teilhaben lassen. Dann wäre es realistischer.

Im wirklichen Leben steht ja auch kein Erzieher und Psychologe ratgebend an der Seite der Teenies. Da müssen sie ganz allein mit klar kommen !!!

Jenny

04. Juni 2009, 10:49

http://www.falsche-erinnerungen.com

Was mich an der ganzen Sache wundert ist, dass sind Kinderschützer aufregen, wenn Eltern ihre Kinder für ein paar Tate "zur Probe" abgeben, aber schweigen, wenn Jugendämter Kinder vorweilig aus ihren Familien reißen, und das nicht nur für ein paar Tage, sondern für Jahre. In vielen Fällen bekommen diese Eltern ihre Kinder nicht mehr zurück, mit dem Argument, das Kind hätte sich jetzt an seine Pflegeltern gewöhnt, man könnte es doch nicht einfach aus seiner Pflegefamilie reißen".  Das Kind aus seiner leiblichen Familie zu reißen, das hingegen geht offensichtlich, da machen sich Kinderschützer keine Gedanken über das Kindeswohl. Ich erinnere in diesem Zusammenhang nur mal an den Wormser Prozess, als Beispiel für zahlreiche Fälle, in denen Kinder voreilig aus ihren Familien gerissen und fremduntergebracht wurden. Wo bitte sind da die Kinderschützer, die jetzt eine riesen Theater veranstalten, weil die RTL-Mütter ihre Kinder für ein paar Tage weggeben?

Mit welchem Maß wird hier in Deutschland gemessen?

Radicke

04. Juni 2009, 11:39

http://www.radicke.com

Die Idee, Jugendlichen mit Kinderwunsch mal ein paar Stunden oder mehr ein schreiendes Baby in den Arm zu drücken halte ich durchaus für sinnvoll, sondern heilsam!

Und auch nicht schlimm für die Kinder - die müssen in der Realität viel mehr erleiden....

Ich saß gestern abend (mit meinem kreischenden, weil zahnenden, Baby) vor der Sendung und dachte mir: kriegt erstmal Euer eigenes Leben in den Griff bevor Ihr  so eine Verantwortung übernehmt...

Wenn DIE Message für 10 Jugendliche in Deutschland rüberkommt, dann hat  RTL doch tatsächlich etwas Gutes erreicht!

Stefanie

04. Juni 2009, 13:51

Geschrei hin oder her. Bei allem Respekt vor Ihrer Argumentation. Es muss erlaubt sein, zu hinterfragen, was die Eltern dazu motiviert, ihre Kinder in die Hände von ihnen unbekannten Teenagern zu geben. Warum will jemand das freiwillig tun? RTL zahlt dafür bestimmt keine Millionengage. Weil man ins Fernsehen will? Weil man einen Beitrag leisten will, um Teenagerschwangerschaften zu verhindern?

Ich glaube nicht, dass es wegargumentiert werden kann (darf?) dass diese Kinder aus moralisch fragwürdigen Gründen großem Stress, das sind Dreharbeiten nun mal,  ausgesetzt werden. Geschrei hin oder her, ich erlaube es mir schon zu fragen - muss das sein?

Eli

04. Juni 2009, 14:42

Ich bin doch recht froh einen so interessanten und der Wahrheit entsprechenden Text zu lesen, wie diesen hier! Es gibt viel trubel um die Serie "Erwachsen auf Probe". Ich habe selber 2 Kinder und hätte das Experiement auch nicht mitgemacht, aber finde, dass es trotz allem für Jugendliche mal ein Wachrütteln aus dieser Traumwelt ist. Ein Kind kriegen kann jeder, aber danach dafür zu sorgen und die Verantwortung tragen kann eben nicht jeder (wie man auch eindrucksvoll gesehen hat!)

Jorge Rasch

04. Juni 2009, 17:32

Ach ja, es ist schon ernüchternd festzstellen, wie primitiv die Zeitung geworden ist. Selbst als Kommentar ist das Pamphlet eine Schande. Emotional wird hier die gesamte Gruppe von Kinderschutzvereinen herabgewürdigt und deren Arbeit mit Füßen getreten. Die Sendung ist - wie der Sender auch - nicht die Mühe wert darüber zu schreiben. Unser Autor hier jedoch hat anscheinend sein Niveau im Fernsehen gefunden - ist doch toll.

Nun werde ich auch mal deutlich und emotional: Es ist eine Schande, dass viele ihre Macht (als selbst ernannter Journalist hat er diese) missbrauchen - wir haben uns gekümmert, als KInder in Not waren. Also, bevor man in seinem sehr beschränkten geistigen Horizont solchen Mist im Fersehen verteidigt und die herabwürdigt, die sich im Alltag kümmern - evtl. auch mal zu besorgt sind, sollte man selber aktiv werden. Also lieber Autor: Lieber selber mal was tun, mit anpacken, als primitiv alles mit Füßen zu treten. Dumme Klugschwätzer, die letztlich der Gesellschaft mit ihrem geistigen Gift nur schaden, haben wir genug. Daher fordere ich ihn auf seine Stammtischniveau für sich bzu behalten und einfach mal zu schauen, wie man aktiv Nutzen bringen kann.

V

06. Juni 2009, 02:04

http://tgib.co.uk/

Bin ich eigentlich der einzige, der Katja Kessler als Erziehungsberaterin für den größten Skandal an der ganzen Sendung hält?

goedel

19. Juni 2009, 15:58

guter artikel - eine solch differenzierte argumentation findet man leider nicht häufig genug!

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