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ARD und ZDF beim Medienforum NRW: Wir glauben an uns!

24. Juni 2009, 15:56 Uhr

Um das öffentlich-rechtliche Fernsehen zu begreifen, muss man vielleicht erst einmal seine Macher verstehen lernen. Das ist nicht immer so einfach. Beim Medienforum NRW in Köln aber gab es Anfang der Woche zumindest in Ansätzen Gelegenheit dazu. "Was immer alle überall sehen wollen" lautete das Thema einer Runde, in der WDR-Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff und ZDF-Programmchef Thomas Bellut saßen, um mit Vox-Geschäftsführer Frank Hoffmann und Matthias Alberti, Co-Chef der German Free TV-Sparte von Pro Sieben Sat.1, zu besprechen, wie das Fernsehen "auch in Zukunft attraktiv" bleiben kann.


Matthias Alberti, Frank Hoffmann, Moderatorin Leo Busch, Thomas Bellut, Verena Kulenkampff (v.l.n.r.)

Natürlich ging's vor allem um die Konkurrenz durchs Internet, die für die Leute vom Fernsehen derzeit noch keine ist. "Die Angst vor dem Flop auf dem Schirm ist immer noch ausgeprägter als die Angst vor den Internetnutzern", sagte Bellut – und wagte, unabhängig davon, einmal mehr die spannende These: "Die Zeit der Konvergenz zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern wird eher nachlassen."

Das ist nicht uninteressant in einer Zeit, in der das ZDF seinem Publikum alte Sat.1-Formate als programmliche Neuerungen verkauft und Ex-"Explosiv"-Mann Markus Lanz da anknüpft, wo Johannes B. Kerner bald aufhören wird, weil er sich mit seiner ganzen Kernerhaftigkeit zu Sat.1 transferiert.

Noch spannender war allerdings, was Bellut auf die Kritik antwortete, die deutschen Sender würden sich permanent selbst bestehlen: "Wir sind doch alles große Abkupferer. Ich bin schamlos da. Abkupfern gehört dazu." Das kann man ehrlich nennen. Oder die Frage stellen, ob nicht das exakte Gegenteil Belluts höchstes Ziel sein müsste: Sendungen zu produzieren, mit denen sich das ZDF so sehr positiv von den Privaten unterscheidet, dass die Zuschauer ihre Gebühren künftig am liebsten ein Jahr im Voraus überweisen würden. (In Ausnahmen funktioniert das ja schon, wie bei "KDD".)

Belluts WDR-Kollegin Kulenkampff, die mal für den ARD-Vorabend verantwortlich war, den jetzt andere aufräumen dürfen, pflichtete bei: "Manchmal liegen bestimmte Themen eben in der Luft. Der Zeitgeist gibt vor, was die Zuschauer sehen wollen." Da stellt sich natürlich die Frage: Was bitte schön weiß denn die ARD neuerdings vom Zeitgeist? Das letzte Thema, das so in der Luft lag, floppt jedenfalls gerade gewaltig. Andererseits sitzt Kulenkampff mit großer Selbstüberzeugtheit alle paar Monate wieder auf Podien, um dort den Einfluss des Internets auf die Arbeit der Fernsehmacher kleinzureden. Sicher: Im Netz wird noch kein Geld verdient. Bei Kulenkampff klingt das aber immer so, als bestünde dazu auch niemals die Möglichkeit.

"Das Fernsehen ist immer noch das Leitmedium", sagte sie in Köln, das Internet hingegen böte ja bloß "kleine Bilder" und "Ausschnitte". Ich habe das Gefühl, der WDR müsste sich mal ein paar von diesen Internetnutzern in den Sender einladen, damit die mit den Chefs mal durchs Web surfen – und Kulenkampff eventuell Seiten wie hulu.com zeigen.

Keine Frage: Professionell produzierte Inhalte funktionieren im Netz am besten, und derzeit kommen die eben immer noch mehrheitlich aus dem Fernsehen. Aber wer sagt, dass das so bleiben wird? Schon jetzt etabliert sich online eine neue, günstige Produktionsweise, mit der sich Inhalte herstellen lassen, für die sich das Fernsehen zu fein ist. Beim WDR scheint man sich gar nicht vorstellen zu können, dass man nicht immer riesige Studios mit fünf, sechs Kameras braucht, um die Menschen zu unterhalten.

Es geht gar nicht darum, dass das Internet das Fernsehen ablösen könnte – das ist womöglich wirklich Quatsch, wenn sich das Medium auf das besinnt, was es wirklich kann: große Liveshows, tolle Filme, spannende Serien. Aber schon jetzt ist doch zu sehen, wie die Ränder wegbrechen: Am Nachmittag ist das Fernsehen zum Teil unerträglich, nicht nur bei den Privaten. Programme werden immer günstiger produziert, die Inhalte sind zum Teil austauschbar. Das ist das Fatale an der Sichtweise, die bei den öffentlich-rechtlichen Sendern, vor allem der ARD, so verbreitet ist: Dass sich das Fernsehen, mit dem sie sich so gut auskennen, niemals verändern wird. Dabei stecken wir schon mittendrin in dieser Veränderung.

Keiner erwartet, dass in Mainz oder München das Fernsehen neu erfunden wird. Aber viele Zuschauer haben sich längst abgewöhnt, vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk überhaupt noch etwas Besonderes zu erwarten. Für ein "Leitmedium" ist das ganz schön arm.

Fotos: Medienforum NRW

Veröffentlicht 24. Juni 2009, 15:56 von Peer Schader
Kommentare

Muriel

24. Juni 2009, 16:28

http://ueberschaubarerelevanz.wordpress.com/

Also ich selbst sehe ja sowieso nur Arte, hihi...

Aber ganz im Ernst: Nach welchen Kriterien machen die öffentlich-rechtlichen Sender eigentlich ihr Programm? Ich wüsste das wirklich gerne, ich meine die Frage nicht nur polemisch.

Anspruchsvoll ist es nicht, wie "Eine für alle" beispielhaft zeigt; Mainstream ist es auch nicht, wie "Eine für alle" beispielhaft zeigt; und witzig oder originell ist es auch nicht, wie... Ihr wisst schon.

tumulder

24. Juni 2009, 17:57

http://zeitverschwender.blogspot.com

Das wirklich schlimme an ARD und ZDF ist doch, daß sie die guten Formate haben, sie aber in ihren Sparten- und Regionalkanälen oder im Nachtprogramm verstecken. Was spricht z.B. dagegen die Servicesendungen, die Nachmittags auf den Dritten laufen nicht auf die Hauptsender zu verlegen? Warum wird dort lieber zum tausendsten Mal gezeigt wie Elefant Otto einen riesigen Haufen im Zoo Duisburg hinterläßt? Man kommt einfach nicht dahinter.

robert

24. Juni 2009, 18:06

"Die Angst vor dem Flop auf dem Schirm ist immer noch ausgeprägter als die Angst vor den Internetnutzern", sagte Bellut[/i]

Ein Problem ist vielleicht, dass diese beiden Sachen schwer miteinander verknüpft sind.

Paule

24. Juni 2009, 18:14

"Aber viele Zuschauer haben sich längst abgewöhnt, vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk überhaupt noch etwas Besonderes zu erwarten. "

Das ist nicht unwahr. Man hat nicht selten den Eindruck, dass die nicht für ihre Arbeit brennen. Drei Seifenopern in Reihe sind da Beispiel genug (Ein Glück ist die Dritte ein Flop, sonst könnten wir jetzt nicht lästern...).

Andererseits kann man aber vom Publikum auch nicht behaupten, dass es auf Neues oder Besonderes neugierig wäre. Schön dass Einzelne für KDD in Vorleistung gehen würden, aber es sind halt nicht Viele. Man kann es in anderen Foren gegenwärtig gut lesen: Die ARD wird verurteilt, weil man das Sommerkino erst gegen Morgen zeigt. Zurecht zwar, aber wenn der junge Zuschauer seinen Anspruch auf Ami-Einkäufe reduziert, dann kann ich die Macher aber auch verstehen, wenn sie sich auf nichts einlassen. Sie können nur verlieren. Nachrichten, Magazine, Dokus. Alles von den Privaten unterscheidend. Aber keinen juckt's. Ami-Schinken sind gefragt.

Und kaum macht man doch mal was anderes, wird auf der Stelle verglichen, wo es herstammen könnte (mach ich ja auch gern). Und idR. ist die Vorlage natürlich viel besser. Also gibt es eine Mischung aus Klischees und gelebtem Mittelmaß.

Zugegeben: Das ist für ein Leitmedium arm.

Wenn man sich dann aber anschaut, dass - und da ist man sich einig - die Privaten in der Summe nochmals deutlich darunter liegen, die aber bei den 14-49jährigen im Monatsschnitt 80% der Zuschauer bündeln, dann kann sich der interessierte Zuschauer schon fragen, ob privat nicht common sense ist, und man bei Ausflügen nach arte und Co schon ein seltens Pflänzchen ist.

Peer Schader

24. Juni 2009, 18:18

Ich freue mich übrigens jedes Mal, wenn hier in den Kommentaren so unaufgeregt und begründet diskutiert wird. Wollte ich nur mal sagen.

Thomas

24. Juni 2009, 18:18

http://tvundso.com

Mich persönlich interessiert Fernsehen im Internet auch ehrlich gesagt nicht so sehr. Also Fernsehen, das gezielt für die Ausstrahlung im Internet produziert wurde. Ich möchte aber das komplette TV-Programm im Internet empfangen und zeitlich am besten unbegrenzt abrufen können.

OlafKolbrueck

24. Juni 2009, 18:19

http://off-the-record.de

Lieber Peer, Die Begeisterung für den soooo uniquen KDD habe ich nie so recht nachvollziehen können. Allein ein Blick auf die  US-Serie "The Shield" zeigt, wo der Ideensteinbruch für KDD gefunden worden sein könnte.  Die ersten Staffeln gibt es auch auf deutsch. (7.Staffel Finale in US grad beendet und nun mit engl Untertitel auf DVD). Bestellen, gucken und in der Zwischenzeit alle Termine absagen. Danach wird einem KDD vorgekommen wie Percy Stuart.

Peer Schader

24. Juni 2009, 18:32

@Olaf: Ich finde, "KDD" ist glaubwürdig, für eine deutsche Serie ungewöhnlich dreckig und hat Charaktere, die es im ZDF so vorher noch nie gegeben hat. Dass die Serie im internationalen Vergleich womöglich schlechter abschneidet, kann sein. Wenn wir über deutsche Serien reden, hat "KDD" meiner Meinung nach aber durchaus ein prominentes Plätzchen verdient.

grishu

24. Juni 2009, 18:55

Das erinnert mich irgendwie daran, als Oliver Kalkofe mal bei den Medientagen eingeladen war. Nach seiner Kritik schüttelten alle Fernsehfritzen nur noch den Kopf und redeten darüber,wie toll doch Big Brother und die ganzen Dokusoaps seien. Anscheind klopfen sich die TV-Macher wohl jedes Jahr nur immer wieder gegenseitich auf die Schulter.

www.dwdl.de/.../kalkofe_rechnet_mit_dem_fernsehen_ab

JMK

24. Juni 2009, 19:48

http://dieweissewand.blogspot.com

@tumulder

ganz einfach: weil diese Art Sendungen billig sind und wohl die erforderliche Quote bringen. So sehr ich "die Dritten" mag, weil dort eben auch mal mittags interessantes läuft, so sind die Zoosendungen schon ein Ärgernis, auch weil jeder Regionalsender sind Tier-Süppchen kocht.

Die ÖR Sender werden sich mittel- bis langfristig wirklich nur mit guten Shows, Reportagen und mit Abstrichen Spielfilmen über Wasser halten können.

Wer fängt denn ernsthaft an, eine neue Serie bspw. auf Pro7, RTL2 zu schauen? Man weiss ja nie ob sie nicht nach drei Wochen ins Nachtprogramm verschoben oder gleich abgesetzt wird. Da holt man sich doch eher die DVD, die Aficionados  natürlich gleich in den USA oder UK.

Aber auch gut gemachte Reportagen, so rar sie auch sein mögen, werden doch zunehmend im Netz geschaut, da hat doch gerade das ZDF mit ihrer durchaus gut gestalteten Mediathek eine kleine Vorreiterrolle übernommen.

Thomas Heck

24. Juni 2009, 20:13

Im journalistischen Bereich halte ich die deutschen Fernsehprogramme in der Tat für sehr gut. Was den Unterhaltungsbereich betrifft, sind sie aber erbärmlich.

Früher waren deutsche TV-Serien Exportschlager ("Fahnder", "Derrick", "Detektivbüro Roth", "Auf Achse", "Diese Drombuschs", "Wildbach") und haben vor allem am Vorabend sehr gute Qualität geboten. Heute gibt es nur noch Seifenoper-Einheitsbrei mit austauschbaren Themen, Figuren und Dialogen. Volksverdummende Massenware, möglichst billig für den Einmalkonsum produziert. Einzige Ausnahme war in den vergangenen Jahren "Türkisch für Anfänger". Hätte ich die Wahl, würde ich für die heutigen Fernsehserien der Öffentlich-Rechtlichen keinen Cent GEZ-Gebühren zahlen.

Paule

24. Juni 2009, 20:17

@Olaf: Wie beschrieb ich weiter oben so schön: Probiert ein Sender mal was für seine Verhältnisse völlig Neues, wird von Zuschauerseite im Ausland nach einer Vorlage gesucht und die für besser befunden.

Dabei ist KDD, wie Peer schon beschrieb, in der deutschen Serienlandschaft absolut herrausstechend und verdient daher jeden Erfolg, weil nur ein Erfolg bei Experimenten zu weiteren Experimenten führen kann. Sie ist The Shield teils ähnlich, aber durch den anderen Handlungsort selbsttragend.

Ich bin mal aud Grafs "Im Angesicht des Verbrechens" gespannt, welches evtl. Ende des Jahres, freitags 21:45 laufen soll. So wie ich die ARD einschätze, zögern die nicht, die Miniserie gegen KDD laufen zu lassen.

Schmidt

25. Juni 2009, 00:32

http://kontextredaktionsbuero.twoday.net

@ Peer... auch finde die Diskussion mal wieder sachlich und entspannt. Deshalb auch einer meiner seltenen Kommentare, der allerdings gleich mit einer Kritik beginnt:

Lasst uns Vergleiche vermeiden, die den "KDD" mit einer, ach so tollen, Ami-Produktion gleichsetzen. Das hat genrespezifisch sicherlich seine Berechtigung. Hier, also letztlich im Kontext des Medienforums und der vermeintlich kompetenten Statements, geht es doch um die alte Binse: Die Wächter und Hüter der alten medialen Verwaltungsdampfer haben auch ein Vierteljahrhundert nach Einführung des Privatfernsehens noch nicht geschnallt, wo ihre Legitimation liegt. Auch und gerade im Zusammenhang mit der Entwicklung des Online-Content.

Die ÖR haben den Auftrag zur Grundversorgung mit Bildungsauftrag und allem Pipapo. Das wissen wir alle. Aber dieses Selbstverständnis hat sich niemals in deren Köpfen festgesetzt. Es ist eben NICHT die Aufgabe der ÖR, besser zu sein als die Privaten, sondern eben ein dem Rundfunkgesetz entsprechendes Programm zu liefern. Wenn ich, wie gerade heute in der Wiederholung auf EINSFestival, ein gutes, handwerklich sauberes Feature über die grün-schwarze Koalition in Hamburg sehe, dann muss es wurscht sein, ob es vielleicht nur 80.000 Menschen rezipieren. Genau deshalb werden die "Zwangsgebühren" durch die GEZ erhaben - damit die, wirtschaftlich und politisch unabhängige, MÖGLICHKEIT zur Information besteht. Ich kann mir auch vorstellen, einen Errol Flynn-Film als cineastischen Klassikers (als Freiberufler, der die zeitliche Möglichkeit hat) nicht Nachts um 2, sondern um 20.15 zu schauen.

Wenn es dann noch klappt, etablierte nachrrichtensendungen wie die tagesthemen in einem festen Slot zu installieren und Herr Buhrow soviel qua Selbstverständnis es nicht nötig hat, die ein oder andere Mark bei der Industrie reinzuhalen, ist doch alles im Lot.

Danaben könnte man sich sehr entspannt erlauben, exquisite Formate zu produzieren (z. B. "Blind Date", ZDF), die ihren Weg ins Netz finden.

Hier muss meiner Ansicht nach ein grundsätzliches Umdenken stattfinden.

Peer Schader

25. Juni 2009, 00:43

@Schmidt: Die Frage ist bloß: Wie schaffen wir dieses Umdenken zu kommunizieren? Wie schafft man's, ARD und ZDF zu vermitteln, dass es ok ist, wenn sie im Marktanteils-Ranking nicht ganz oben stehen, sofern sie Produktionen bieten können, die nicht *ausschließlich* konventionell sind (im Unterhaltungsbereich)?

Sebastian

25. Juni 2009, 08:27

http://socialissuesandstuff.com

@Schmidt: Ich denke, Olaf wollte beim The Shield-Vergleich nicht einmal zwingend darauf hinaus, dass dieses von der Qualität viel besser ist (wobei ich auch KDD mag), sondern darauf, dass ganze Handlungsstränge von dort übernommen wurden und man sich auch ansonsten unübersehbar daran orientiert hat. Das sarkastische "ach so toll" kann man sich schenken. Gesehen hast Du es wohl nicht.

lokalreporter

25. Juni 2009, 08:40

http://lokalreport.com

ARD & ZDF sind die königshäuser der berichterstattung -- diesen zb ein noch nirgendwo ausgestrahltes TV-format anzutragen, landet nicht etwa auf dem interessierten schreibtisch eines programmdirektors, sondern in der stereotypen zuschauerredaktion irgendeiner weitergeleiteten regionalanstalt.

die hüter der macht pochen auf ihren monarchistischen status - dieser apparat ist eine uneinnehmbare bürokratische burg, er steht in einer reihe mit dem vatikan und anderen selbstabsolutionierten gefügen.. was soll man da schon erwarten?

Nils

25. Juni 2009, 09:02

http://ergebnisopportunismus.twoday.net

@Schmidt @Peer

Zunächst mal der Disclaimer: Ich find Fernsehen toll und bin im Großen und Ganzen auch mit dem Angebot der ÖR zufrieden (vor allem was Sparten- und Radioprogramme angeht), wenn es allerdings um Trash geht sind die Privaten besser als die ÖR-Kopien und wenn ich Qualität will bin ich mit DVDs sicher besser bedient.

Nun zum eigentlichen Punkt: Sicherlich ist es nobel, von den Verantwortlichen von ARD und ZDF mehr Mut, Qualität, ein allgemeines Scheißen auf Quoten und Akzeptanz in der breiten Bevölkerung usw usf zu fordern, aber sind diese Forderungen fair? So wie ich das sehe ist das Problem dass ich Bellut & Co stellt doch eins der politischen Ökonomie: Ihr Job ist es zunächst mal, die Rundfunkgebühren, die ihre Jobs und die ihrer Mitarbeiter zahlen, zu rechtfertigen. Man stelle sich nur die Debatte, die bei der nächsten Gebührenerhöhung - die nächste Inflation kommt bestimmt - ja rituell ansteht, vor, wenn BILD, Privatsender und Roland Koch als zusätzliche Munition einen Erol-Flynn-Film um 20.15 haben, den leider nur Schmidt geguckt hat...

Sicherlich wäre es wünschenswert, wenn die ÖRs gerade die dritten Programme verstärkt zur Formatentwicklung und "Publikumserziehung" nutzen würden, aber zumindest was ARD und ZDF angeht kann man den Verantwortlichen denke ich in der Logik des gegenwärtigen Systems wenig Vorwürfe machen.

Peer Schader

25. Juni 2009, 11:04

@Nils: Es geht (mir zumindest) aber gar nicht um abgehobenes Programm für Minderheiten rund um die Uhr. Mehr Wagnisse im Bereich Serie und Show wären ja schon hilfreich. Und da zähle ich eben nicht den "Bergdoktor" dazu.

Andi

25. Juni 2009, 11:16

http://medienmogul.blog.de/

Sicher, "Der Bergdoktor" ist kein Wagnis, sondern eher eine groß angelegte Frechheit. Ich finde, "Wagnis" ist auch ein blödes Wort, aber leider passend. Denn immer, wenn irgendein Sender in letzter Zeit mal krumme Wege ging, also abseits des Mainstream, wurden sie zumindest nicht mit guten Quoten belohnt. Das war bei "KDD" so, das war bei "Türkisch für Anfänger", "Stromberg", "Doctor´s Diary" oder "Doktor Martin" so. Das sind sicher gute Serien und auch zurecht preisgekrönt. Interessiert die breite Masse nur nicht, wieviele Preise irgendein Format bekommen hat. Diana Amft ("Doctor´s Diary") und Manfred Zapatka ("KDD") haben erst neulich wieder einen Preis zugedacht bekommen, nämlich den aus Bayern. Aber deswegen wird RTL demnächst keinen Zuschauer mehr haben. Erinnert ein wenig an Ralph Siegel, der nach vielen eigenen Grand-Prix-Flops einmal sagte: "Das sind doch alles gute Lieder, warum hört das denn keiner?" Nee, Moment, Siegel mit KDD und DD gleichzusetzen, war unpassend... :)

Die Frage ist also mE, warum gutes Fernsehen häufig so stark vom Publikum ignoriert wird. Weil die zuviel YouTube gucken, oder alle "Doctor´s Diary" bei RTLnow oder die ZDFMediathek so stark frequentiert wird? Ich glaub das nicht.

Paule

25. Juni 2009, 11:44

@ Peer: "Die Frage ist bloß: Wie schaffen wir dieses Umdenken zu kommunizieren? "

Das können wir derzeit nicht, bzw nicht erfolgreich. Aus zwei Gründen.

1. zeigt der durchschnittliche Zuschauer jeden einzelnen Tag, woran ihm gelegen ist und eine wirklich sachliche Diskussion über den eigenen Konsum aber an der gelebten Gier nach Schwachsinn scheitert. -> Wie viele wollen wirklich Besseres und wird diese kleine Gruppe nicht schon versorgt?

2. Das ör System ist derzeit nicht auf eine effektive Umsetzung ausgerichtet.

Man hat nach dem Krieg völlig folgerichtig auf föderalistische Strukturen und Abgrenzung gesetzt. Das war nach der Vergangenheit und aufgrund des nicht vorhandenen Privatfernsehens richtig. Mittlerweile erreicht man mit einem Programm nicht mehr alle (Zersplitterung) und durch die stark verbreiterte duale Landschaft ist die Gefahr der polititschen Gleichschaltung auch nicht mehr gegeben. Schon gar nicht bei unabhängiger Kontrolle. Das Ausland macht es vor: Überall ÖR, die aus einem Haus heraus Aufgabenteilung betreiben. Nur nicht bei uns. Es gibt Aufgabenteilung, aber die ist nicht ergebnisbezogen und immer unabhängig voneinander - jeder nimmt sich etwas, aber keinen interessiert was liegen bleibt. Und es gibt keine umfassende Kontrolle, die über den eigenen Sendertellerrand hinaus schaut. Diese Einzelkämpfer konkurrieren nun und erschaffen Lücken, zB. bei Innovationen oder den Jüngeren.

Jetzt nach mehr KDD zu rufen, verhallt zwischen 10tausenden Mitarbeitern und Hunderten Rundfunkräten, weil jeder andere verantworlich macht und keiner gezwungen werden kann. Und weil es so ist.

Was wäre also notwendig? Dass man sich in den Köpfen mal einig wird, was wir von den Sender erwarten und ob man das nicht besser umsetzen kann. Schlüssel ist für mich eine zentrale, unabhängige Überwachung, die Aufgaben klar verteilt, Mängel feststellt und zu Besserungen zwingen kann.

Das soll am Ende nicht 10x arte bedeuten. Seifenopern, Pilcher und Musikantenstadl gehören selbstverständlich dazu. Aber eben auch junges Fernsehen bei Tageslicht, Serien wie KDD und Deadwood, sinnvolle Abläufe und senderübergreifende Programmhinweise.

Paule

25. Juni 2009, 11:47

@ Andi "Die Frage ist also mE, warum gutes Fernsehen häufig so stark vom Publikum ignoriert wird. "

Weil wir alle Nörgelsäcke sind, die unglaubliche Wunder erwarten und wenn die ausbleiben gibts halt den selben Quark wie immer. Warum sind sich alle einig, dass arte ein Goldstück ist, aber keiner wagt es anzuschauen?

Andi

25. Juni 2009, 11:56

http://medienmogul.blog.de/

Paule:

Mit "alle" kannste mich nicht meinen... :) Ich erwarte weder Wunderdinge - nur ab und an auch mal gut gemachtes Fernsehen und nicht nur "Germany´s next Showstar" oder "Erwachsen auf Probe". Gutes Fernsehen ist ja keine Hexenkunst oder Zauberei. Es gibt ja auch viele gute deutsche Spielfilmproduktionen. Und nur um die zu gucken, nutze ich arte. Ansonsten habe ich arte bewusst noch nie gesehen und schäme mich auch nicht.

Chica

25. Juni 2009, 14:55

@ Andi "Die Frage ist also mE, warum gutes Fernsehen häufig so stark vom Publikum ignoriert wird."

Meinem ehemaligen Professor (Medien-Soziologie) zufolge könnte es zum Beispiel daran liegen, dass der Fernseher auch als Medium zur Entspannung wahrgenommen wird. Also im Sinne von: Ich komme nach einem langen Arbeitstag heim, bin genervt und schalte zum Runterkommen erst mal die Glotze ein - klar, dass ich in so einer Situation nicht unbedingt was qualitativ hochwertiges mit eventuellen Tiefgang (zB "Türkisch für Anfänger" - immerhin geht's hier ja auch um unser eigenes Bild von Migranten) sehen will, sondern lieber was, was möglichst wenig Teile meines Hirns beansprucht und wo ich auch gleichzeitig noch kochen, essen und telefonieren kann (zB GZSZ).

Das ist natürlich dumm, sollte aber die ÖR trotzdem nicht davon abhalten qualitativ hochwertiges wie "Türkisch für Anfänger" zu produzieren - aber vielleicht auf einen anderen Sendeplatz zu legen.

Nebenbei: Warum lief "Ich kann Kanzler" eigentlich auf dem seltsamen Sendeplatz 21:15 Uhr? Wollte man keine Zuschauer? Ich dachte das ist ein großes Format, auf das das ZDF stolz ist, warum kommt es dann nicht um 20:15 Uhr? Weil man "Ein Fall für 2" nicht mal eine Woche lang pausieren lassen wollte? Die Serie existiert doch schon so lange, da werden es die Herren Produzenten und Darsteller doch mal verkraften, an einem Freitag nicht gesendet zu werden...

Paule

25. Juni 2009, 15:55

@ Chica

Kanzler: Ich nehme mal an, weil der Fall für 2 ein Quotengarant ist und man diesen als Sprungbrett nutzen wollte.

Andi

25. Juni 2009, 16:15

http://medienmogul.blog.de/

Naja, so merkwürdig war der Sendeplatz gar nicht. Da liefen vorher auch schon Ranking-Shows mit Herrn Kerner. Die 100 größten Deutschen, die 100 besten Schauspieler, sowas halt...

Deinem Professor würd ich nicht grundsätzlich widersprechen wollen, hätte aber trotzdem einen Einwand: "Türkisch für Anfänger" hab ich z.B. selber gesehen - und zwar als Entspannung, weil ich zur Zeit, als die letzte Staffel lief (bzw. vorher alle Folgen wiederholt wurden), selber Prüfungsstress und dergleichen hatte. Ich hab auch nicht jede Folge "TfA" gesehen und auch nicht immer komplett von Anfang bis Ende. Will sagen: ich war nicht richtig "drin" und konnte trotzdem lachen. Auch bei "Doctor´s Diary" muss ich nicht, obwohl das sicher qualitativ gutes Fernsehen ist, 100% bei der Sache sein, um es zu verstehen und um es gut zu finden. Das ist bei Krimiserien oder Spielfilmen natürlich wieder anders.

Andererseits kenn ich Leute, die sich nicht stören lassen, wenn "Lenßen und Partner" läuft. Und ich kenne Leute, die bei voller Geistesanwesenheit "Frauentausch" gucken. Und die sind nicht wirklich dumm und haben auch beruflich viel um die Ohren. Klar, die entspannen dabei - konzentrieren sich aber auch darauf und können dir auch 3 Tage später noch detailliert erzählen, was passiert ist, eben, weil sie sich nicht stören lassen. Und für solche Leute muss es doch auch möglich sein, anspruchsvollen Dialogen in einem anspruchsvollen Film oder einer Serie zu verfolgen!? Und es kann mir ja niemand sagen, "KDD" oder "TfA" seien nicht massenkompatibel. Da laufen massenhaft Charaktere rum, die man auch aus dem eigenen Umfeld so ähnlich kennt.

Eine andere, größer angelegte, Theorie, warum qualitativ gutes Fernsehen oftmals quotentechnisch durchfällt, hab ich allerdings auch nicht. Ich weiß nur, dass es echte Programmperlen gibt. Man muss sie halt nur suchen, weil sie sehr versteckt liegen... "Inas Norden" oder "Inas Nacht" zum Beispiel fallen mir noch ein.

Paule

25. Juni 2009, 17:01

@ Andi: "Man muss sie halt nur suchen, weil sie sehr versteckt liegen... "

Das ist vielleicht noch das größte Problem. Mit Zimmer frei, Inas Nacht, Krömer oder Pelzig bekäme man aufs Jahr gerechnet einen Sendeplatz locker voll. Aber diese Formate laufen auf 3+x Sender verteilt, teils unregelmäßig und teils zu saumäßigen Zeiten. Weil jeder machen kann, was er will. Besonders schön war das letztes Jahr zu beobachten: Das Erste zeigt neue Krömer-Folgen nachts halb 1, der RBB zeigt 3,5 Stunden vorher, zur besten Sendezeit, Wiederholungen. Sowas kann man nicht mal mit viel Fantasie als sinnvoll bezeichnen, ist aber nicht verwunderlich.

Theo

25. Juni 2009, 18:27

Was mich bei der Kulenkampff nervt, ist ihr ewiges Getue. "Der Zeitgeist also gibt vor", dass z.B. im dritten WDR-Programm seit ihrem Amtsantritt unterirdisch umstrukturiert wird? Die neuen Shows im WDR-Fernsehen (Bernd Stelter, dazu ein billigst gemachtes "Das bewegt NRW" etc. pp.) - ein Vergnügen bestenfalls noch für älteste Zuschauer; hingegen der Versuch Kulenkampffs, die orginelle Popolski-Show zu verhindern - die Kreativität der Dame beschränkt sich auf die Selbstvermarktung.

Oder die unsägliche Delling-Sache - da hat wohl der Zeitgeist versagt.

Fazit: die neuen Shos laufen auch nicht besser als die guten Dokus, die Frau Kulenkampff am liebsten alle aus dem Programm werfen möchte.

Und wie kürzlich ein intelligenter Mensch schrieb: während ZDF und ARD ihre Programme noch stärker formatieren wollen, noch mehr erwartbares Programm zeigen wollen, ziehen jüngere Menschen weg und suchen sich im web das zusammen, was sie kreativ begeistert.

Andi

25. Juni 2009, 22:35

http://medienmogul.blog.de/

Damit würde die ARD zwei Sendeplätze locker vollkriegen... Gibt ja im rbb z.B. auch noch "Thadeusz", eine sehr gelungene Talkshow, oder auch noch "Dittsche" oder "Was liest du?". Aber da fehlt der ARD auch der Mut, mal Erstausstrahlungen der Staffeln, meinetwegen von "Inas Nacht" ins Programm zu hieven. Überhaupt fehlt der ARD bei Ina Müller etwas der Mut, die ist halt auch einen Tacken zu unkonventionell.

Paule

26. Juni 2009, 12:30

@ Andi: "die ist halt auch einen Tacken zu unkonventionell. "

Was ist denn an der unkonventionell? Ihre Sendungen verdienen jetzt vielleicht nicht gleich den Kritikerpreis der kritischsten Kritiker, aber die verbreitet sowas von guter Laune...

Das ist die Art von unbeschwerter Unterhaltung, an der es ein wenig fehlt.

Sie passt halt nicht in das biedere, schläfrige Erste. Und falls doch, wird sie dort vom Zuschauer weder erwartet, noch gesucht. Selbst bei EinsFestival wird sie versteckt.

Andi

26. Juni 2009, 20:10

http://medienmogul.blog.de/

"Sie passt halt nicht in das biedere, schläfrige Erste."

Das meinte ich, Paule! Sie hat so einen Mutterwitz, etwas derbe, oft und gerne zweideutig - das passt nicht zur ARD. Und unkonventionell ist sie auch schon allein in der Art, wie sie auf andere zugeht.

Nebenbei: ich halte Ina Müller für das Beste, was der deutschen Unterhaltung je passiert ist

Rehmix

05. Juli 2009, 19:15

http://urbanehymnen.wordpress.com/

"Keiner erwartet, dass in Mainz oder München das Fernsehen neu erfunden wird. Aber viele Zuschauer haben sich längst abgewöhnt, vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk überhaupt noch etwas Besonderes zu erwarten. Für ein "Leitmedium" ist das ganz schön arm."

Arm ist auch, dass die Öffentlich-Rechtlichen einen im Grundgesetz verankerten Bildungsauftrag haben: Bildung, Beratung, Information, Unterhaltung. Ich habe das Gefühl, dass die alle so überzeugt von sich und ihrem sogenannten "Leitmedium" sind, dass sie es nicht für nötig halten mal was an ihren Strukturen, Sendungen und Einstellung zu ändern. Den Bildungsauftrag findet man wirklich nur noch irgendwo im Nachtprogramm oder spätabends, meistens gar nicht. Und dann wird sich rumgewundert, wieso die Quoten so schlecht sind und dass es wohl nur am Format liegen kann und nicht an der Sendezeit.

Wenn ich mir durchlese, was die Herren Programmdirektoren so von sich geben, wird mir regelmäßig schlecht bei so viel Arroganz.

Wieso sollte man da überhaupt noch fernsehen?!

Wolf-Dieter Herrmann

06. Juli 2009, 21:32

http://www.wolfdieterherrmann.de

2x “Rote Rosen”, 2x “Brisant”, “Sturm der Liebe”, “Giraffe & Co”, “Verbotene Liebe”, “Marienhof”, “Großstadtrevier” - 2x “Alisa”, “Forsthaus Falkenau”, “Küchenschlacht”, “Dresdner Schnauzen”, “Hallo Deutschland” - (wie Brisant; hoffen auf mißbrauchte Kinder, schwerste Unfälle, Verprügelte Frauen, verschuldete Fernsehstars . . .), “Leute heute”, Soko 5113″ . . .

Was das ist ?

Das Tagesprogramm von ARD und ZDF !

Übrigens, schon gemerkt ?

3SAT-"Kulturzeit" wird immer mehr zur Wiederaufbereitungsanlage.

Beispiel: Gestern sehe ich TTT in der ARD. Ein Beitrag zum Illisu-Staudamm-Projekt in der Türkei und der Frage ob Deutschland, Österreich und die Schweiz ihre finanziellen Hilfen verweigern. Kommentar: "Morgen wissen wir mehr". Morgen meint heute, Montag.

Heute auf 3-SAT-"Kulturzeit" derselbe Beitrag. Wieder der Kommentar: "Morgen wissen wir mehr." Aber morgen, ist heute. Verstehst ? Schlampigstes Fernsehen. Job ordentlich machen ?! Warum, Gebühren sind ja schon da. ZUVIEL !  

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»Lesenswertig« am 26. June 2009

26. Juni 2009, 12:02

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