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Der Tag, an dem das Fernsehen dabei war, als Michael Jackson starb
27. Juni 2009, 14:08
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Als am Freitag auch die "Tagesschau" um 20 Uhr mit der Nachricht vom Tod Michael Jacksons begann, war klar, dass der Tag nicht viel seltsamer werden könnte. Im "Tagesschau"-Blog berichtet "ARD aktuell"-Chef Kai Gniffke, wie er vorher entschieden hatte, mit Jackson aufzumachen:
"Die gesamte Redaktion hat gegen meine Idee argumentiert. Es gab zwar kaum jemanden, dem der 'King of Pop' als Person irgendwie sympathisch gewesen wäre. Aber das ist nun mal kein Nachrichtenkriterium. (...) Jacksons Tod ist Gesprächsthema bei hunderten Millionen Menschen, vielleicht Milliarden. Was braucht ein Tagesschau-Aufmacher-Thema noch mehr?"

Screenshot: ARD
Es ist erstaunlich, in welchem Ausmaß Jacksons Tod seit der Nacht von Donnerstag auf Freitag weltweit die Medien durcheinander wirbelt. Nicht nur, weil der frühere "King of Pop" in den vergangenen Jahren den meisten Journalisten (zumindest in Deutschland) allenfalls eine Randbemerkung in den Klatschspalten wert gewesen war, sondern weil diese Art der Dauerberichterstattung sonst nur vorkommt, wenn auf der Welt große Unglücke und Katastrophen passiert sind. Das hat auch im deutschen Fernsehen zu einigen Situationen geführt, an die man sich noch eine Zeitlang erinnern wird.
Jedenfalls ist anzunehmen, dass es Uri Geller nach diesem Freitagabend nicht mehr so schnell in die "Tagesthemen" schaffen wird.

Screenshot: ARD
Und dass Thomas Gottschalk einmal zu Beginn eines "heute journals" als Korrespondent live aus Los Angeles zugeschaltet werden würde, hätte vorher vielleicht auch niemand gedacht. Mit wirren Haaren und ganz in schwarz gekleidet stand Gottschalk vor Jacksons Haus in L.A., wo den ganzen Tag über schon die vielen anderen Korrespondenten gestanden hatten, und lieferte erstaunlicherweise eine der besten Analysen des Tages.

Screenshot: ZDF
Anstatt atemlos aus Agenturmeldungen zu zitieren und Halbwissen vorzutragen, erklärte Gottschalk schlicht, wie er Jackson einmal bei "Wetten dass..?" begegnet sei, wie sehr er auf ihn den Eindruck einer "gespaltenen Persönlichkeit" gemacht hatte, der jedes Gespräch als "persönliche Bedrängung" empfand, ein Mann, der in den einfachen Dingen des Lebens "nicht funktionierte", aber auf der Bühne sofort umschalten konnte, um das Publikum mitzureißen. Das war hochgradig subjektiv - aber im Vergleich zu dem, was die zahlreichen "Experten" davor schon losgelassen hatten, zumindest glaubwürdig und interessant.
Besonders gefragt war an diesem Tag Jacksons Biograf Christian Marks, der am Nachmittag bei N24 auf die Frage antwortete, ob Jackson die ab Juli geplanten Comeback-Konzerte überhaupt hätte durchstehen können:
"Ich denke schon, denn eigentlich war er ja ganz schön fit. Und er hat auch angefangen, weiter zu trainieren, mit Fitnesstrainern seine Physis zu verbessern. Er wusste, was ihm bevorsteht, er ist ja Profi."
In "Exclusiv" bei RTL erzählte Marks am Abend exakt das Gegenteil:
"Er war ja schon sehr mager, fast magersüchtig. Ich glaube, dass die Kombination aus psychischer und physischer Belastung für sein Herz zuviel war."

Screenshots: N24/RTL
Auskenner waren gefragt an diesem Freitag, und die meisten davon trieb RTL auf, nachdem n-tv bereits mit den Jackson-Experten Karl-Theodor zu Guttenberg (der mal auf einem Konzert war) und Ralph Siegel ("Ich hab mal eine Jacke von ihm ersteigert zu einem guten Zweck") vorgelegt hatte. Der "Explosiv"-Redaktion gelang es, für ihre 18 Uhr-Sendung Menderes Bagci aus Kreta am Telefon zuzuschalten, der seit mehreren "DSDS"-Staffeln als Running Gag benutzt wird, weil er sich auf schief klingende Jackson-Imitationen spezialisiert hat, und nun erzählen durfte: "Er ist für mich alles." (Bei RTLnow ist die Sendung "aus rechtlichen Gründen" nicht abrufbar.) Familie Wolf aus Meissen, die Jackson nach der Oder-Flut vor sechs Jahren, auf sein Anwesen eingeladen hatte, erzählte "Explosiv", wie geschockt sie sei. Und der 28-jährige Mageburger Maschinenbaumechaniker Alexander, seit seiner Kindheit großer Jackson-Fan, war so am Boden zerstört, dass er am Freitag nicht zur Arbeit gehen konnte. (Wer hätte sonst auch das Kamerateam von RTL reingelassen?)
Glücklicherweise konnte "Explosiv" auch auf den RTL-Korrespondenten Frank Fastner zurückgreifen, der schon einmal an einer verdunkelten Autoscheibe geklopft hatte, hinter der Jackson saß, bevor er von einem Leibwächter zurückgeschubst wurde. Fastner meldete sich von der Straße vor dem Krankenhaus in L.A., in das Jackson gebracht worden war, und berichtete:
"Das UCLA Medical Center in L.A. hat schon viel gesehen. Hier wurde Britney eingeliefert, hier lag Roy nach seiner Verletzung - aber mit diesem Andrang heute hat hier keiner gerechnet."

Screenshot: RTL
Im Anschluss übernahm "Exclusiv", bis sich Frauke Ludowig nach einem Viertelstündchen mit einem Hinweis auf eine Sondersendung verabschiedete, für die RTL "Die 10... witzigsten Fitnessvideos" ausfallen ließ:
"Wir von 'Exclusiv' melden uns um 20.15 Uhr wieder, dann mit einem einstündigen 'Exclusiv Special' zum Tod Michael Jacksons. Wäre schön, wenn Sie dabei wären."
Vorher allerdings empfahl Petra Gerster in "heute" ihren Zuschauern noch, für das "Leute heute Spezial" dranzubleiben, vor dem das ZDF einen Werbespot für ein Medikament zur Verbesserung der Herzleistung zeigte ("Wünschen auch Sie sich ein starkes Herz? Ein Herz, mit dem Sie aktiv Ihr Leben meistern?"). Pierre Geissensetter, der "Thriller" von seiner Mutter geschenkt bekam, befragte nachher den stellvertretenden "Bravo"-Chefredakteur Alexander Gernandt, der vorher schon bei allen anderen Sendern Auskunft gegeben hatte. Kurz darauf meldete sich ZDF-Korrespondent Klaus-Peter Siegloch aus New York, direkt vor dem Apollo Theatre, wo Jacksons Karriere begann, und informierte:
"Es sind viele Fernsehanstalten hier, die live berichten."

Screenshot: ZDF
So wird dieser Tag im Juni 2009 also in die Geschichte eingehen. Als Tag, an dem das Fernsehen dabei war, als Michael Jackson starb.