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Das Fernsehblog

"Produktionshilfen" bei ARD und ZDF: Ein Schiff wird kommen

16. Juli 2009, 10:13 Uhr

Die Politik diskutiert gerade darüber, ob die "Produktionshilfen" für ARD und ZDF abgeschafft werden sollen. Bisher wird geduldet, dass die öffentlich-rechtlichen Sender sich zum Beispiel die Autos, die die Kommissare im "Tatort" fahren, teilweise von den Herstellern kostenlos zur Verfügung stellen lassen (und dann selbst ohne redaktionelle Einflussnahme ganz ansprechend in Szene setzen). Im Gespräch mit dem Fachdienst "epd medien" erklärte ZDF-Intendant Markus Schächter neulich, warum es so wichtig ist, dass es diese so genannten "Produktionshilfen" (bzw. "Beistellungen") weiter gibt:

"Es geht nicht um gewaltige Summen, aber doch um die Pragmatik bestimmter Produktionsformen, die mit Hilfe von Beistellungen günstiger werden. Es gibt, wenn Sie so wollen, mehr Programm fürs Geld. Davon haben die Zuschauer etwas und auch die Produzenten."

"Mehr Programm fürs Geld" heißt in diesem Fall, dass ARD und ZDF Produkte kostenlos bekommen, die sie andernfalls bezahlen müssten. Schächter sagt:

"Hätte irgendjemand Verständnis dafür, wenn wir Unsummen bezahlen würden, um das Traumschiff vom Reeder zu mieten?"

Also geht es doch um "gewaltige Summen"? In jedem Fall ist das "Traumschiff" ein lustiges Beispiel. Denn im Entwurf zum 13. Rundfunkänderungsstaatsvertrag, mit dem Product Placement im deutschen Privatfernsehen erlaubt werden soll, nicht aber bei ARD und ZDF, heißt es in der Definition des Begriffs "Produktplatzierung":

"Die kostenlose Bereitstellung von Waren oder Dienstleistungen ist Produktplatzierung, sofern die betreffende Ware oder Dienstleistung von bedeutendem Wert ist."
[Fettung von mir.]

Der "bedeutende Wert" ist zwar nicht näher definiert, aber so eine Schiffsmiete wird sicher nicht besonders günstig sein, und genau aus diesem Grund wäre die "Traumschiff"-"Produktionshilfe" nach dem derzeitigen Entwurf gar keine "Produktionshilfe", sondern Product Placement - und das soll ARD und ZDF laut Staatsvertrag ja verboten werden. Im "epd medien"-Interview hat Schächter aber noch ein anderes Argument parat, warum die "Produktionshilfen" für ARD und ZDF seiner Meinung nach ok sind:

"Wir haben dafür strenge Richtlinien. Eine Sendung wie 'Das Traumschiff' wird mit Hinweisen versehen, die den Zuschauer auf die geleistete Unterstützung aufmerksam machen."

Klingt gut. Schauen wir uns das doch mal gemeinsam an. Zufällig haben wir den Abspann der "Traumschiff"-Folge vom 26. Dezember 2008 parat, in dem die Zuschauer über die "Produktionshilfe" informiert werden. Nämlich so:

Haben Sie's gesehen? Ganz am Ende? Diese kurze Einblendung "Mit Unterstützung von Reederei Peter Dellmann", die gerade mal eine Sekunde dauert, während im Fenster darüber bereits der Trailer zur darauffolgenden Sendung läuft? Das sind die "strengen Richtlinien", die Schächter meint: eine Formulierung, von der kaum ein Zuschauer wissen wird, was genau sie zu bedeuten hat, was aber egal ist, weil sie sowieso kaum jemand sehen wird. Das ZDF weiß eben ganz genau, wie es sein Publikum darauf "aufmerksam macht", dass es von einem Unternehmen unterstützt wird, das davon lebt, Kreuzfahrten mit der MS Deutschland zu veranstalten, die jeder als "Traumschiff" aus dem Fernsehen kennt.

Screenshot: ZDF

Veröffentlicht 16. Juli 2009, 10:13 von Peer Schader
Kommentare

Christian

16. Juli 2009, 10:52

> .. Die Politik diskutiert gerade darüber, ob die "Produktionshilfen" für ARD und ZDF abgeschafft werden sollen. ..

Dann müssen Eigenproduktionen komplett eingestellt werden.

Es geht ja nicht nur um den Juhuu-Dampfer (deilmannkreuzfahrten.de nutzt ja sogar die TS Musik.. wer hat die in Auftrag gegeben und bezahlt....?) , sondern um den TUI Flieger für Mann & Maus, den Hertz Leihwagen und endet beim Escada Kostümchen links und rechts beim Cäptns Dinner..

Beistellungen machen einen ERHEBLICHEN  Batzen in der Produktionskalkulation aus. Wenn das alles voll bezahlt werden sollte ..-

Oder, Gegenrechnung: die Medialeistung von 28 Jahren (!) Dauerwerbesendung.. da könnt' die Reederei sich einen eigenen Sender leisten.. ;)

BloodyFox

16. Juli 2009, 11:41

http://www.metalimpetus.de

Naja, Peer, aber ohne diese Produktionshilfe von der Reederei, könnte das ZDF ja nicht seinen Bildungsauftrag erfüllen, zu dem ja das Traumschiff, wie wir alle wissen, einen wichtigen Beitrag leistet. BIST DU ETWA GEGEN BILDUNG??

Hofnarr Florian

16. Juli 2009, 12:16

http://www.hingesehen.net/

Wie soll diese Einblendung denn erkannt werden? Wenn man nicht weiß, dass da etwas kommt, übersieht es jeder.

Die Sendung Traumschiff hat glaube ich einiges Einnahmen in die Kassen der Redereien gespült. Diese Investiotion dürfte sich also locker rendiert haben.

J-M-K

16. Juli 2009, 12:30

http://dieweissewand.blogspot.com

Es wird argumentiert, als wäre ohne PP überhaupt kein Film, keine Serie mehr möglich.

Wo fängt das an? Bei Kreuzfahrtschiffen, bei zur Verfügung gestellten Autos, bei Kleidung ode bei der Coke-Flasche die ins Bild huscht?

Chica

16. Juli 2009, 12:57

Also, grundsätzlich bin ich ja eigentlich gegen solche Produktionsbeihilfen (besonders, wenn dabei so furchtbare ergebnisse herauskommen wie das Traumschiff).

Auf der anderen Seite: wenn sie jetzt fast ganz eingestellt würden (weil, haben nicht zum Beispiel Autos auch einen "bedeutenden Wert" - zumindest die Limousinen, die man immer im Tatort sieht?), müssten wir uns als Zuschauer bestimmt von einigen qualitativ hochwertigen Sendungen (auch solchen in der Planung) verabschieden...

Okay, was hab ich da geschrieben? Qualitativ hochwertige Sendungen bei den ÖR? Und dabei dachte ich an... Ja, an was eigentlich? Aber vielleicht ist es ja ganz positiv, wenn es nicht mehr so viele Eigenproduktionen gibt, dann könnte zumindest die ARD ihre Kinofilme um 20:15 ausstrahlen.

Muriel

16. Juli 2009, 13:09

http://ueberschaubarerelevanz.wordpress.com/

@BloodyFox: Genau. Und wer gegen Bildung ist, der ist auch für Kinderpornografie, und... Äh, vergesst es.

Lustig finde ich natürlich, dass die öffentlich-rechtlichen Sender in solchen Fällen immer ihre eigenen Ersparnisse als große Errungenschaft im unermüdlichen Kampf für die Gebührenzahler zu verkaufen. Wenn doch nur Vattenfall auf diese Idee gekommen wäre!

"Hätte irgendjemand Verständnis dafür, wenn wir Unsummen bezahlen würden, um all diese teuren Messgeräte und Sicherheitsmaßnahme einzubauen, damit in Krümmel endlich Ruhe ist?"

Peer Schader

16. Juli 2009, 14:06

@Chica: Und ich war lange Zeit sogar so naiv zu glauben, dass wir einzig und allein dafür Gebühren zahlen: um ARD und ZDF "qualitativ hochwertige Sendungen" zu ermöglichen, die sich sonst keiner leisten kann. Jetzt wissen wir immerhin: Allein mit Gebühren kriegen wir kein qualitativ hochwertiges Fernsehen. Das geht nur, wenn ein paar Unternehmen was kostenlos springen lassen.

zu-schauer-lich

16. Juli 2009, 14:46

mmh, aber was wäre denn die alternative? und was wären die folgen der alternative? stellen wir uns vor das zdf wäre bereit für die miete eines kreuzfahrtschiffes zu zahlen. und nun fangen die reedereien und reiseveranstalter zu rechnen. ob das schiff nun umsonst oder bezahlt im fernsehen auftaucht ist ja für sie im moment egal, da es im moment kein geld gibt, ist jede andere variante erstmal nicht schlechter für sie. somit beginnen sie günstig um den zuschlag des zdf zu buhlen. der alte anbieter der ms deutschland könnte ja theoretisch bis auf fast null runtergehen, hat sich für ihn ja auch vorher gerechnet. irgendein schiff wird am ende in der serie fahren, irgendeine reederei wird damit werben "..bekannt aus dem tv" und irgendwelche senioren werden von karibikstränden und sascha hehn (gibts den noch?) träumen. nur das zdf bezahlt jetzt dafür und es ist offiziell keine werbung mehr. genauso ist es doch mit den autos für krimi-kommissare. irgendeines müssen sie fahren. gut, man kann das bmw logo, den mercedes stern oder das opel zeichen übekleben oder entfernen, aber das fachkundige publikum wirds erkennen. dann doch lieber die richtige variante: alles als werbung kennzeichnen und sich freuen/ärgern.

off topic, aber nah genug dran: wann steigt die pharma industrie bei einem radsport team ein? "diesen etappensieg spendiert ihnen bayer"

J-M-K

16. Juli 2009, 15:26

http://dieweissewand.blogspot.com

also bitte....mit 7 Milliarden Euro zzgl. den paar Euro aus Werbung,  kann man wohl kaum ein hochwertiges Programm erwarten, da kann ich den Hr. Schächtern schon verstehen. Wir sollen mal froh sein, dass die ÖR-Anstalten schon in Farbe senden.

Richard

16. Juli 2009, 17:28

Und wo genau läge für den Zuschauer der Vorteil, wenn das ZDF das Traumschiff anmieten müsste? Das Schiff wäre doch trotzdem zu sehen, der Werbeeffekt also genauso vorhanden.

BloodyFox

16. Juli 2009, 18:37

http://www.metalimpetus.de

Die hätten bestimmt schon Star Wars VII gedreht, wenn Lockheed Martin den Todesstern gespendet hätten.

Pip

16. Juli 2009, 22:26

Selbstgefällige Polemik allerorten. Irgendwann darf ÖR- Fernsehen keinerlei Realität mehr abbilden und nur noch Star-Trek darf wiederholt werden, plus Nachrichten und parteiische Arte-Dokus über Amerikas Kriege.

Ist das das Ziel in der völlig redundanten ÖR-Diskussion mit elititstischem Einschlag hier? Die Erwartungen gehen mit Einigen mal wieder durch. Dabei ist die Lösung doch einfach: Verbindliche Regelungen und Kontrolle der Einhaltung. Wenn es besser ist, den Namen der Reederei extra groß im Abspann zu nennen, meinetwegen gerne so.

Ach nee, das ist dann ja wieder Kommerzialisierung. Dann eben Niedrig und Kuhnt (oder so ähnlich) und vergleichbarer Trash auf allen Sendern, aber die Ermittler dürfen nur Fahrrad fahren. Oder Bildungsauftrag deluxe, wie in den Dritten in ihren frühesten Tagen. Frontalunterricht televised. Dafür zahlt die Mehrheit der Bevölkerung sicher mit Vergnügen Gebühren...

Peer Schader

16. Juli 2009, 23:59

@Pip: Im Zusammenhang mit dem Beispiel "Traumschiff" darüber zu meckern, das ZDF dürfe keine "Realitäten abbilden", halte ich zumindest für gewagt.

Baaahh-Igitt

17. Juli 2009, 08:07

Ich wäre ja schon froh, wenn ich den Quatsch einfach ignorieren könnte. Aber ich muss ja auch noch bezahlen, um diesen Quatsch nicht sehen zu dürfen. Es wäre mir alles viel egaler, wenn es nicht dieses verordnete Pay-TV wäre.

Haco

17. Juli 2009, 10:46

Die Reederei lässt ja das Schiff nicht extra für das ZDF auslaufen: die Alternative wäre nicht Anmieten des Schiffes, sondern eben für die Reise zahlen, wie jeder andere Passagier auch. Das wird zwar nicht billig sein, aber andere Produktionen bauen dafür Studio-Kulissen - auch das kostet.

Für die Reederei ist das beste Werbung in der Primetime. Und sie kann sich bei der richtigen Werbung auf das Traumschiff beziehen  ("ich bin der  echte Kapitän"). Für sie zumindest ist es ein guter Deal. Die Frage ist nur, ob es auch ein guter Deal für das ZDF ist. Könnte das Traumschiff auch aktuelle Themen aufgreifen und z.B. einen Piratenangriff auf das Schiff zeigen, oder hätte die Reederei etwas dagegen, wegen - äh - schlechter Werbung?

Shanti

17. Juli 2009, 10:52

Bzgl. der Autos im Tatort: wieso kann es sich die ARD nicht leisten, solche Gefährte zu leihen oder ganz pragmatisch Autos von Angestellten dafür herzunehmen? Dafür soll keine Kohle da sein? Dann lieber der Verdacht der Schleichwerbung?

Sigmund

17. Juli 2009, 14:51

Gerade beim Traumschiff ist der PP-Vorwurf aber etwas seltsam: Ob für das Schiff bezahlt wird oder nicht, das Schiff ist zu sehen und wahscheinlich auch zuzuordnen. Im Gegensatz zur Frühstücksmargarine kann man ja ein Schiff nicht so einfach selber zusammenbasteln.

Und zum redaktionellen Einfluß: Ich glaube nicht, das ohne "Produkthilfen" das Traumschiff realistischer wäre, also etwa die Arbeitsbedingungen der Kulis unter Deck gezeigt würden, oder wie die Passagiere zum Kinderstrich in Manila gehen.

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