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Live-On-Tape-Blogging: Die Premiere des neuen ZDF-Nachrichtenstudios

17. Juli 2009, 20:55 Uhr

18.53 Uhr. Gleich geht's los. Die erste "heute"-Sendung aus dem neuen Nachrichtenstudio des ZDF. Den größten Teil der Fantastillionen, die der Sender dafür ausgegeben hat, sind anscheinend in Werbung geflossen. Bin aufgeregt. Versehentlich fast eine ganze Folge "Soko Kitzbühel" gesehen. Aber bei den Verwandtschaftsverhältnissen der Familie nicht aufgepasst. Hat nun der Sohn ein Alibi, weil er mit seiner Mutter geschlafen hat? Seiner Stiefmutter? Schwieger? Schwipp? Und das vor sieben im ZDF? Stellen die Kinder da nicht Fragen?

18.54 Uhr. Würde ich was verpassen, wenn ich schnell nochmal aufs Klo...? Ob Granufink da jetzt geholfen hätte? Wie komm ich jetzt darauf... ach ja, ZDF-Werbeblock. Gelenkschmerzen, Juckreiz, Herzschwäche. Und die Apotheken-Umschau.

18.55 Uhr. Steffen Seibert meldet sich schon mal aus dem neuen Studio und kündigt die Demonstrationen im Iran als Aufmacherthema an. Sieht aus, als stünde er in einem großen Schokoriegel mit Karamellfüllung. Täuscht aber sicher.

18.57 Uhr. Ob man die Mainzelmännchen für irgendeinen Gastauftritt, eine Anspielung gewinnen konnte? Vielleicht zusammen mit Harald Schmidt?

18.58 Uhr. Die Mainzelmännchen liegen in einem großem Schlauchboot mit Riesenfernseher. Ist das schon ein Erklärraum?


18.59 Uhr. Die neue Nachrichtenuhr hat nicht nur einen Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger, sondern auch einen, der erst sinnlos und gelassen seine Kreise zieht und eine Sekunde vor Beginn der Sendung wild zu rotieren beginnt. Wär eigentlich ein super Merchandising-Ding: Die ZDF-Uhr. Mit Geht-gleich-los-Zeiger. Jeden Abend um Sieben und Viertel vor Zehn auch kurz als Ventilator zu benutzen. (Kompatibilität mit neuem Rundfunkstaatsvertrag prüfen.)



19.00 Uhr. Seitlich fliegen wir ins Studio und erwischen Steffen Seibert dabei, wie er sich: An die Lippe fasst! Entweder ist das eine verschmitzte Form des Understatement und ein Versuch, die uralte ZDF-Tradition des obercoolen Gelangweilt-in-Nachrichtensendungen-Herumsitzens wieder aufzunehmen. Oder er braucht so eine Uhr mit Geht-gleich-los-Zeiger, damit er in Zukunft nicht so überrumpelt wird, wenn wir seitlich zu ihm hereingeflogen kommen.



19.00 Uhr. Erstaunlich: Die Themen erscheinen schräg hinter seiner rechten Schulter.


19.01 Uhr. Bilder von Rafsandschani, angeblich aus Teheran. Aber die Farben, der wackelnde Hintergrund, die überlebensgroße Kerze verraten es: Der Mann steht in einem Erklärraum! Wahrscheinlich war vor Ort einfach alles grün.

19.03 Uhr. Auch Indonesien liegt hinter der rechten Schulter von Steffen Seibert. Die Kamera fährt sachte an ihm vorbei auf die Filme, Einblendungen oder Karten zu. Bisschen gewöhnungsbedürftig. Solche Bewegungen macht man im normalen Leben ja höchstens, wenn der, sagen wir: Herausgeber auf der Verlagsparty unvermittelt hinter dem viel unwichtigeren Gesprächspartner aufgetaucht ist und man ihm etwas ungelenk an dem anderen vorbei die Hand gibt, um schnell... ich schweife ab. Jedenfalls macht man solche Bewegungen sonst fast gar nicht.

19.06 Uhr. Hinter den Bildern lugen immer schon die nächsten beiden Einblendungen durch. Erinnert etwas an diese Cover-Flow-Optik von Apple. Wenn die Nachrichten langweilig sind, kann man dann in Zukunft versuchen zu erraten, was auf dem nächsten Bild zu sehen sein wird. Nachrichtenbildermemory.


19.10 Uhr. Ha, darauf hätte ich gewettet. Ein Premierenkuchendiagramm für Steffen Seibert. Sieht aber fast natürlich aus. Gut macht er das. Wirkt gar nicht steif, angestrengt oder schauspielerhaft.



19.12 Uhr. Ja, warum nicht einfach mal erklären, wie genau das war mit den Störfällen bei Krümmel. Hat ein bisschen was von dem Spielzeugkernkraftwerk bei Loriot, nur ohne Kühe. Und wenn der Trafo einen Kurzschluss hat, britzelt's in Großaufnahme. Und Seibert sieht jetzt doch aus, wie Nachrichtenleute in diesen virtuellen Studios aussehen: Wie die Peter-Kloeppel-Parodie von Michael Kessler, der sich genau so breitbeinig hin- und herwiegt, als seien die Füße am Boden festgetackert. (Ist der neue Teppichboden eigentlich schon so speckig? Oder ist das auch virtuell und ein Teil des Budgets ging dafür drauf, die hochbezahlten Fell-Animateure von Pixar einzukaufen, um die graue Auslegeware realitätsnah zu animieren?)


19.21 Uhr. Nach dem Sport-Block fährt die Kamera so schnell zurück und dreht sich dabei leicht um seine Achse, damit die Puzzle-Weltkarte (bei der ein paar Länder fies zusammengeklebt wurden) nicht mehr links, sondern rechts von ihm ist. Das ist keine Kamerafahrt, die ich an schlechten Tagen morgens mitmachen möchte.

19.22 Uhr. Keine größeren Pannen, sah alles ganz schmuck und nur leicht übertrieben angeberhaft und futuristisch aus. Nur die Roboterkameras haben gezittert, weil sie etwas nervös waren, wie die Techniker im ZDF-Chat erklärten. Und Bettina Schausten, die vom CSU-Parteitag zugeschaltet war, ist einmal eingefroren. Das scheint immer noch das Modell Schausten 3.11 zu sein. Womöglich gibt's da noch kein Upgrade.

19.23 Uhr. Geschafft. Darauf einen Granufink.

Hier kann man sich die ganze "heute"-Sendung in der ZDF-Mediathek ansehen. Falls nachher im "heute journal" was kaputt gehen sollte, melden wir uns natürlich noch einmal mit, Achtung: Breaking News.

Veröffentlicht 17. Juli 2009, 20:55 von Stefan Niggemeier
Kommentare

Tob

17. Juli 2009, 21:47

http://edge.download.newmedia.nacamar.net/freestream/download/rtlradio/frameset.html

Die ZDF-Nachrichten sind von nun an im grünen Bereich.

Ob auch die Idee vom CNN Election Center übernommen wird, Menschen ins Studio zu beamen, ist unklar: hier nochmal zu anschauen: www.youtube.com/watch

Al

17. Juli 2009, 23:16

Persönliche Meinung (nach dem Heute-Journal): Geht gar nicht.

Dieses ständige In-der-Gegend-Herumgerenne. Hauptsache, sich für jede Einstellung woanders hinstellen und -setzen. Moderationen im Gehen. Im Hintergrund Streifen nach links sausen lassen, Bilder wie auf dem iPhone hin- und herflippen lassen, die Gesprächspartner in die Unendlichkeit wegzoomen lassen, die Einspieler in Zirkelbewegungen einfliegen lassen. Hauptsache, modern und irgendwie nach Privatsender aussehen.

Designer-Amok.

Und dann sagt Elmar Theveßen auf die Frage, weshalb Frauen keinen Schmuck mehr tragen dürfen: "Weil Schmuck in den verschiedensten Größen und Farben ablenkt."

Greta

17. Juli 2009, 23:28

http://g.becker@mycitysecret.com

hmmm, sind wir jetzt auf RTL? um was geht es eigentlich Inhalte oder Blendung?

nona

17. Juli 2009, 23:40

Ich hab' das neue Design zuerst beim "heute journal" gesehen, direkt als es anfing, und fand es furchtbar. Furchtbar². Furchtbar³. Allein schon das Warte-Intro mit dem nach oben offenen Himmel und dem riesigen Tisch, an dem in weiter weiter Ferne gaaaanz weit hinten Claus Kleber lebt und Gundula Gause zuhause ist. Absolut scheussliche Proportionen. Eiskalte, matte Farben. Wirr und unattraktiv. Das wird dauern, bis ich mich daran gewöhnt habe. Huäh.

(Der "Breaking News"-Kalauer war nötig, was? :P )

onlime

17. Juli 2009, 23:41

Über diese "Puzzle-Weltkarte" könnte ich mich stundenlang aufregen.

Elmar Theveßen behauptet, es handele sich um einen "künstlerischer Entwurf [...] bewusst nicht nach politischen und geologischen Verläufen orientiert. "

Aha. Deswegen sind Russland und China hervorgehoben, die arme Mongolei geht unter, Indien und Zentralasien stehen eine Stufe über dem nahen Osten und ganz Afrika. Westeuropa ist wichtiger als Osteuropa? Alaska gehört zu Kanada und ganz Mittel- und Südamerika sind wohl genau so unwichtig wie Afrika. Ein gewisser Eindruck von ich nenne es mal "Relevanz-Arroganz" lässt sich beim besten Willen nicht leugnen. Bewusst nicht nach politischen und geologischen Verläufen orientiert? Dass ich nicht lache.

Ich halte jede Wette, dass diese Weltkarte in Kürze wegen Protesten diverser Bewohner der "unwichtigen" Länder geändert werden wird.

Mona

17. Juli 2009, 23:50

Farbgebung, Aufbau, Mediengestatung hätte die BILD Zeitung nicht besser machen können. Wenn sich das ZDF so die Zukunft vorstellt, dann werde ich ab heute die tagesthemen anschauen.

jolli

17. Juli 2009, 23:53

Die Einblendungen mit weißer Schrift auf orangefarbenem Hintergrund sind eine optische Zumutung! Nach jedem Beitrag steht der Moderator an einer anderen Stelle im Studio bzw. geht durchs Studio. Das lässt die Sendung unruhig erscheinen.

Der Nachrichtentisch ist völlig überdimensioniert und das Design wirkt insgesamt steril und hat für mich den Charme eines OP-Saals.

Da lob ich mir doch das alte Studio samt Nachrichtenkonzept!

Georg

18. Juli 2009, 00:14

30 Mio Euro soll das neue Studio gekostet haben. Dafür haben wir nun eine heute Sendung, die die Farbgebung der 70er Jahre geerbt hat. Das intellektuelle Niveau der bisherigen Zielgruppe von öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen wird per interaktiver Graphiken auf das Niveau von RTL2 News degradiert. Da waren vielleicht doch zu viele Experten am Werk. Somit möchte ich als Fazit gerne den Wortlaut eines meiner Vorredner übernehmen: Designer-Amok!

Stefan

18. Juli 2009, 00:44

Ich finde das neue Nachrichtenstudio richtig gut. Folgende Kritikpunkte muss ich trotzdem anbrigen: 1. Die Schrift ist teilweise schlecht lesbar während der Beiträge und die Laufschrift mit dem Börsenkursen ist zu schnell (Schrift auch dort schlecht lesbar). 2. Im Bild ist mir insgesamt zu viel hektik. Warum kann z.B. der Motorator bei heute journal (z.B. Klaus Kleber) bei Gesprächen mit den Reportern nicht an seinem Stammplatz stehen bleiben und nur sich nur leicht drehen (würde die Hektik etwas rausnehmen aus dem Bild? 3. Die Darstellung vom Wetter war im alten Studio grafisch besser (größer und natürlichere Farben). 4. Die 3D Anminationen gefallen mir gut, bitte beibehalten. Warum wurde beim Klaus Kleber bei den Beiträgen nichts im Hindergrund eingblendet (Passendes Bild zum Thema)?

Mark

18. Juli 2009, 00:48

RTL hat ja schon seit einiger Zeit ein "virtuelles Studio". Jetzt setzt also auch das ZDF auf technische Mätzchen, die Inhalte nicht erläutern, sondern von ihnen ablenken. Naja, vielleicht erreicht das ZDF ja nun die bildungsfernen Schichten. Die bildungsnahen Schichten wird es vermutlich vergraulen. Schade, dass die an sich guten redaktionellen Beiträge in der neuen Optik untergehen.

Jens

18. Juli 2009, 01:23

Mein Fazit nach der ersten Sendung im neuen Studio:

Goodbye heute-Journal!

Welcome Tagesthemen

JayG

18. Juli 2009, 03:53

Verschlimmbessert. Distanz zum Zuschauer schaffend. Kalt und technokratisch. Irgendwie einsam.

John

18. Juli 2009, 03:56

Also.... erstmal tief Luft holen denn mein Wut (oder Lach) anfall von heute abend ist noch nicht ganz vorbei

Was soll dieser lange Tisch? Da fehlen doch noch 20 Leute oder wiso ist der so lang? Also mein Tisch von Ikea ist schöner, nur hat der lediglich 30 Euro gekostet und ich musste ihn selbst bezahlen (nicht die GEZ)

Die Erklärung mit dem Kraftwerk war der Hammer. Das hat derart abgelenkt. Bei jedem Halbsatz hat sich die Grafik aktualisiert. Ich weiss bis jetzt nicht worum es eigentlich ging. Nur eines weiss ich jetzt ganz genau: Die genaue Form des Trafo Häuschens und seine Position zum Kernkraftwerk.

Ich wette man hat kein einziges mal testen lassen bei welchem Studio sich die Zuschauer (in diesem Fall Testpersonen) mehr Informationen merken können. Es wäre so einfach gewesen. Halten die den Zuschauer eigentlich für blöd? Was denken die denn was der Zuschauer von einer Nachrichtensendung erwartet?

Bei dem früheren Studio konnte man am Ende einer heute Sendung das einst schöne Studio-Inventar bewundern. Im Zentrum das Senderlogo. DAS war eine originelle Idee. Und nicht der ganze irreale grafische Schnickschnack mit dem man jetzt wie mit LSD zugedröhnt wird.

Darum mein Tipp: Mehr Substanz bitte.

kas

18. Juli 2009, 07:50

Schrecklich, einfach nur schrecklich ... ich bin wirklich traurig, aber vielleicht ist das auch der Anfang vom Ende: Jedenfalls werden junge Zuschauer sich das nicht antun. Das ist Provinzfernsehen! Man vergleiche das mal mit CNN oder BBC! Tja, adieu ZDF, bald schaut das sowieso keiner mehr - mit Recht!

Jörg

18. Juli 2009, 09:12

Mir gefällts im Großen und Ganzen gut. Wobei Design zweitrangig ist und ich mir die Sendung hauptsächlich wegen den Nachrichteninhalten und -themen anschaue, von daher kann ich Stimmen wie "Schau ich nicht mehr an, ich geh zur ARD" nicht so ganz nachvollziehen. Zudem das heute-Journal größtenteils aus Zuspielern besteht.

Man war halt das alte Design über Jahre hinweg gewöhnt und nahezu jede größere Änderung produziert bei vielen Menschen automatisch erstmal eine eher ablehnende Haltung.

Ich prophezeihe: In 2 Wochen redet keiner mehr über das Design, wir haben uns alle daran gewöhnt und die Einschaltquoten werden sich nicht groß ändern.

Michael

18. Juli 2009, 09:51

Ist es wirklich so schlimm? Endlich macht das ZDF einen Schritt in Richtung Zukunft – und schon finden es viele hässlich, ablenkend, substanzlos oder wie Privatfernsehen. Dabei hat sich doch an der Berichterstattung selbst nichts geändert. Nur das Design ist etwas mutiger geworden. Schaden konnte das nun wirklich nicht. Und irgendwann wird man sich an das neue Aussehen mit seinen Animationen und Kamerafahrten gewöhnen. Und dann ist wieder alles gut.

Hank

18. Juli 2009, 10:01

Zitat jay-G: "Verschlimmbessert. Distanz zum Zuschauer schaffend. Kalt und technokratisch. Irgendwie einsam."

Das trifft's sehr gut. Meine Eindrücke: Technische  Spielereien um der Spielerei Willen. Unruhige Kamerafahrten. Warum das einen Mehrwert bringen soll, dass der Moderator neben/in den Grafiken steht, anstatt diese im Vollbild zu zeigen leuchtet mir nicht ein. Kalte Farben.

Neben dem neuien Studio scheinen die Kollegen vom ZDF allerdings auch Gag-Autoren eingekauft zu haben. Das "locker-flockige" Geschwurbel von Kleber im heute journal fand ich jedenfalls schlimmer als sonst.

heringh

18. Juli 2009, 10:11

Hurra, hurra, die DDR ist wieder da. Denn es sieht genauso aus wie beim Deutschen Fernsehfunk kurz vor seiner Abschaffung. Ob dem ZDF wohl die gleichen Ängste durch den Kopf gingen?

Was ist zu sehen: eine schlichte blaue Weltkarte und ein Holztisch. Geht der Moderator 10 Meter durch den Raum, sieht man wieder nur einen Holztisch. Dagegen war das schneebedeckte Sendezentrum geradezu eine Innovation, die das WDR Fernsehen nun mit Hilfe von Stanzen imitiert.

Den Leserhinweis auf CNNs Realstudio mit echter Kulisse, aber gebeamter Reporterin fand ich toll. So sieht modernes Fernsehen aus! Herr Niggemeier, bitte berichten Sie.

thleutwein

18. Juli 2009, 10:16

Das Studion wirkt auf mich sehr kühl, fast kalt.

Das Ein- und Auszoomen aus den Einspielfilmen finde ich nicht schön. Das hat man früher in Heimvideos so schneiden können, um anzugeben. Damals schon pentrant, heute einfach nur öde.

Wichtiger als graphische Spielereien sollte doch die Information des Zuschauers sein. Warum müssen z.B. die Mehrheitsverhältnisse im Kieler Landtag umständlich mit einer Gaphik dargestellt werden, um dann - verständlich auch für den blödsten Zuschauer eine 2/3-Mehrheit einzuzeichnen, obschon vorher deutlich erkennbar ist, daß CDU+kleine Parteien keine 2/3-Mehrheit haben? Das kann man doch in einem Satz vom Moderator sagen lassen und mehr Zeit für Wichtigeres aufsparen.

Der Wetterbericht ist ein deutlicher Rückschritt. Farblich blass, viel zu klein und zu wenig bildliche Infos.

Schade, wenn so viel Geld des Steuerzahlers fürs Ego verpulvert wird.

Jeeves

18. Juli 2009, 10:25

Architekten, Designer und Reklameleute machen unsere Welt nicht gerade lebenswerter; das weiß und sieht man doch schon lange.

Christoph

18. Juli 2009, 10:28

Ich finde es eigentlich ganz gelungen. Und eines kann man dem ZDF sicher nicht vorwerfen, Inhaltlich ist das ganze immer noch auf einem sehr viel höhreren Niveau als auch nur irgendwein anderer Privatsender. Aber irgendwie reagieren hier die meisten wie die typischen ZDF-Zuschauer, bitte nichts Neues, bitte nichts Modernes, lassen wir doch alles beim alten....früher war doch alles besser... Ich denke, dass das neue Studio den Nachrichten ganz neue Möglichkeitne gibt, auch schwierigere und sicher auch interessantere Sachverhalte als das Atomkraftwerk Krümmel zu erklären. Ich glaube nach kurzer Gewöhnungszeit wird man die Heute-Sendungen wieder aufgrund der "lockeren" Berichterstattung und den gut vorbereiteten Moderatoren/Journalisten schätzen können. Ob da die Tagesthemen die alternative sind, bezweifel ich....und wer weiß wann wieder genug GEZ-Gebühren eingenommen wurden damit diese nachziehen können.

Igor

18. Juli 2009, 10:58

Doppel-Billboards, Spiegel Hochglanzbeilage, ganzeitige Anzeigen - wegen einer neuen Nachrichtendeko werden die Gebühren wieder mal mit vollen Händen ausgegeben - Bravo. Es sind einfach nur Nachrichten - allerdings die aus dem Legoland, wenn man sich diese lustige Atomkraftwerk mal anschaut, wie bei Opa Hoppenstedt.

Wolf-Dieter Herrmann

18. Juli 2009, 11:11

http://www.wolfdieterherrmann.de

ZDF-Aktuell-Chef Elmar Theveßen spricht in der Berliner Zeitung vom 17. Juli 09 im Zusammenhang mit der neuen Nachrichte-Halle, von der "Renaissance der seriösen Nachrichten". Bei allem Respeckt Herr Theveßen, dass ist dummes Zeug !

Pip

18. Juli 2009, 11:55

Die Tagesschau/Tagesthemen befinden sich seit Jahren in einem "virtuellen" Studio (=Computergenerierter Hintergrund), nur ohne dessen Potential auszureizen.

Ansonsten entsteht hier mal wieder der Eindruck eines nahenden Weltuntergangs, dabei hat sich nicht wirklich viel verändert. Ein bisschen zeitgemäßer, überfordert wird keiner, und die farbliche Optik ist doch nun wirklich Geschmackssache, oder etwa nicht?

Der Verweis von kas auf CNN und ihren wahlweise übertriebenen virtuellen Gimmicks oder der immergleichen Newsroom-Imitation im Hintergrund (viele Bildschirme = viel Kompetenz!) soll wahrscheinlich Satire sein, nehme ich an?

Peter Sansibar

18. Juli 2009, 13:36

@ Pip

"...dabei hat sich nicht wirklich viel verändert."

Eine beachtliche Leistung bei einer Investition von 30 Mio €.

Muriel

18. Juli 2009, 13:49

http://ueberschaubarerelevanz.wordpress.com/

@Wolf-Dieter Hermmann: Würde das nicht auch implizieren, dass die seriösen Nachrichten tot waren? Man kann dieser Meinung sein, aber dass Herr Thevesen das sehen will, überrascht.

W. Cronkite

18. Juli 2009, 13:50

http://www.cbsnews.com

Eine Zumutung!

Diese Modernisierung ist vom Ansatz her falsch: Anstatt die gesellschaftlichen und ökonomischen Hintergründe der Nachrichten zu erklären, werden mittels teurer Technik primitive Grafiken (KKW Krümel!) animiert. Nutzwert für den Zuschauer gleich Null.

zoey

18. Juli 2009, 15:28

Bin mir da nicht so sicher: geht es um das animierte Hokuspokus, dass das ZDF nun so im Hintergrund veranstaltet, oder haben die damit ein bißchen davon abgelenken wollen, dass sie im Grunde der ARD und RTL verspätet nachziehen:

damit, dass nun endlich auch die ZDF-Moderatoren aktiv-energisch im stehen moderieren - ganz so wie die in der ARD seit ein paar Jahren und bei Klöppel, wenn er Bildchen vorführt.

Bei der ARD war das damals so eine totale Ankündigung: ab jetzt im stehen!

Was mich so erschreckt: woher hat der ZDF 30 mille ÜBER für so einen Kinderspielplatz! Wer sitzt denn da bei denen im Aufsichtsrat?

aboe

18. Juli 2009, 17:16

Mit den vielen grafischen Spielereien hat das ZDF nun ein viel größeres Potenzial, die Wort-Bild-Schere zu verkleinern. Das ist doch nur begrüßenswert. Beim Beitrag über die Explosionen in Indonesien hat es meiner Meinung auch geklappt. Der Zuschauer war näher am Ereignis. Beim Wetterbericht sagte die Karte allerdings etwas ganz anderes, als der Text.

Fazit: Wenn die heute-Macher ihren Schnickschnack nicht zu nutzen wissen, dann ist die Investition umsonst. Ansonsten sehe ich damit aber ein gutes Instrument, junge Zuschauer zu bekommen.

Pip

18. Juli 2009, 18:11

@ Sansibar:

Volldigitale Studios gibt es vermutlich nicht geschenkt, Stichwort Grafikrechner und die für ein natürliches Aussehen der Schwenks eigentlich fast zwingend notwendigen automatischen Kameras. Das alles setzt die ARD seit Jahren ein, in anderer Präsentationsform zugegebenermaßen, und hat es auch nicht geschenkt bekommen. Für RTL gilt dasselbe. Das ist eben der Standart mittlerweile. Nachrichtenkompetenz ist eine Kernkompetenz der Ö-R, ich verstehe, dass man da vorneweg gehen möchte.

Aber wenn ihnen Pappkulissen lieber sind, schlage ich vor, das ZDF soll das Geld für Fußball ausgeben?

Mit wenig Veränderungen meinte ich übrigens Inhalt, Qualität, Aufbau und Moderation. Die - meiner Meinung nach - wirklich zentralen Bewertungskategorien. Alles beim alten. Aber mit dem Vorteil, vielleicht Dinge ab und an besser erklären zu können.

Über Geschmack können wir hier gerne streiten, aber dann sollten wir nicht versuchen, Geschmacksurteile mit Grundsatzdiskussionen zu verbinden. Das ö-r. Spar-Fernsehen, dass dann noch ihren ganz persönlichen Geschmack optisch wie inhaltlich trifft, wie es sich wohl viele hier Wünschen, das ist eine Träumerei.

Alex

18. Juli 2009, 22:43

Ich hatte auf den ersten (und zweiten) Blick das Gefühl, in eine Windows XP-Oberfläche zu gucken, bei der jemand erfolglos an den Themen-Farben herumgeschraubt hat ...  Und dann noch die Abmoderation wie bei einer Dankesrede zum Nobelpreis. "Danke an die hunderten Mitarbeiter, die dies möglich gemacht haben" oder so ähnlich. 30 Mio. Euro - unglaublich, geradezu dreist.

Schmidt

19. Juli 2009, 02:34

http://www.kontextredaktionsbuero.twoday.net

Kann man mal die Kirche im Dorf lassen? Offensichtlich wird es immer mehr en vouge, sich mit hämischen Kommentaren zu positionieren. Dabei geht m. E. die Sachlichkeit verloren.

1. Das neue Design ist eben "neu" und damit gewöhnungsbedürftig. Unterm Strich finde ich es aber durchaus gelungen, licht, modern und zweckmäßig.

2. Das "virtuelle" am neuen Studio passt sich harmonisch an das Programmformat, einer sachlichen, aber zeitgemäßen Nachrichten-Präsentation an. Dass ein neues Spielzeug vielleicht etwas über Gebühr genutzt wird, liegt in der Natur der Sache. Das wird sich einspielen.

3. Seibert und Kleber haben ob der neuen Produktionsbedingungen gewohnt souverän die Sendung gefahren. Aus meiner Hörfunk-Praxis weiß ich, unter welchem Druck selbst gestandene Profis stehen, wenn eine neue Technik, ein neues Format und neue Standards eingeführt werden. Und welchen Rhythmen Zuschauergewohnheiten unterliegen.

4. Die reflexartige Schelte der ÖR ist hier fehl am Platz. Die tagesaktuellen Formate des ZDF gehören zu den Besten - weltweit (und diese eruptive Einlassung erlaube ich mir nicht etwa als ZDF-Mitarbeiter, sondern als äußerst kritischer Kollege). Das hauseigene Leitbild, der Anspruch und die Qualitätsanforderungen an eine im besten Sinne "klassische" Nachrichten-Sendung wurden erfüllt.

5. Ich konnte nichts RTL-eskes entdecken. Respekt vor allen Kommentaren, die ein werteorientiertes, zurückhaltendes Erscheinungsbild einfordern. Oft schlage ich in die selbe Kerbe, weil es notwendig scheint. Hier sollte man sich die Frage stellen, ob ein Küchentisch mit Verlautbarungsmoderator tatsächlich das Maß aller Dinge ist.

6. 30 Millionen Euro sind viel Geld. Investiert wurde allerdings in eine moderne Studiotechnik, die nicht nur Spielerei, sondern Produktionsumfeld für einen maßgeblichen Strang des gesamten ZDF-Programms und täglich rund um die Uhr ausgelastet ist. In welchem Verhältnis stehen dazu bitte externe Moderatoren-Honorare und Produktions-Budgets für die Grinsebacken a la Kerner etc.?

7. Wenn ein virtuelles Studio oder ein Daumen an der Lippe der relevante Maßstab für eine gute Nachrichtensendung sind, dann ist das wohl kein Argument gegen, sondern für RTL. Die haben übrigens noch ein zweites Programm mit einer Nachrichten-Sendung. Vielleicht sähen manche hier damit besser.

Schmidt

19. Juli 2009, 03:02

http://www.kontextredaktionsbuero.twoday.net

Wer sich aus dem Fenster hängt, muss damit rechnen, dass ihm ein Ziegel auf den Kopf fällt. In diesem Sinne und gemäß meiner üblichen und eingeforderten Erbsenzählerei, soll es nicht unerwähnt bleiben, dass es natürlich "en vogue" heißen muss. Lang lebe das Handwerk ;-)

Felix

19. Juli 2009, 12:15

ZDF-Chefredakteur zum neuen Nachrichtenstudio:

>> Wir wollen modern, frisch, cool und auch mit einem Schuss "spacey" daherkommen. <<

Frank Miesmuschel

19. Juli 2009, 17:28

Hmm, Form über Inhalt, und das bei Nachrichten ? Nee, muss nicht sein...

Chica

20. Juli 2009, 12:19

Hab die Premiere verpasst und gestern das neue Studio zum ersten mal "live" bewundern können. Jetzt muss ich natürlich eingestehen, dass ich die Inhalte schon wieder vergessen habe, das muss aber nicht an der Sendung liegen, an die gestrige Tagesschau erinnere ich mich nämlich auch nicht mehr.

Jedenfalls gefällt mir das neue Design eigentlich ganz gut, speziell dieses blau-grün, das passt auch schön zum ZDF-orange. Der Tisch ist allerdings wirklich SEHR groß geworden, das hätte man auch anders machen können, die Moderatoren sehen so verloren aus.

Die 3D-Technik ist - naja, zum einen gewöhnungsbedrüftig, zum anderen nicht so schön, wie sie vielleicht sein könnte. Bunte Klötzchen aufeinandersetzen sollte ja eigentlich nur der Anfang sein (jaja, kein Geld da, um so viele Programmierer zu bezahlen... hättet ihr mal beim Tisch gespart).

Nachfrage: warum hat die Uhr erst ab Minute 25 Sekundenstriche? Ist das das Resultat einer langsamen Anpassung des Designs? Sieht jedenfalls merkwürdig aus.

Hingucker

20. Juli 2009, 13:03

Zitat Schmidt:

30 Millionen Euro sind viel Geld. Investiert wurde allerdings in eine moderne Studiotechnik, die nicht nur Spielerei, sondern Produktionsumfeld für einen maßgeblichen Strang des gesamten ZDF-Programms und täglich rund um die Uhr AUSGELASTET ist (Hervorhebung durch Hingucker)

ja, ausgelatet sind sie. man koennte uch sagen, sie suchen sich ihre Auslastung. Rund umd die Welt und um die Uhr gibt es ja immer was zu berichten. Naehme man das als Masstab, was zB morgens um 6.30 Uhr in der ARD im morgen/fruehstuecksfernsehen laueft - 4 Moderatoren in der Regel -  koennten auf jeder Lokomotive noch 3 Heizer mitfahren.

websimultan

20. Juli 2009, 14:41

http://websimultan

Nach jeder zehnten schlechten Nachricht mindestens eine gute Nachricht, aus dem modernen ZDF-Studio... wäre eine beachtens- und preiswerte Neuheit.

stefan

31. Juli 2009, 08:52

Schon gesehen, dass es die neuen Nachrichten schon aus der Zukunft gibt. www.youtube.com/watch vom 11.09.2009 (sic!)

Sonja

13. August 2009, 17:04

http://fotogravur.blog-deutschland.de/

Sorry.. aber wie 30Mio. Euro kommt mir die Sendung nicht vor. Die Farben erinnern mich an die Anfangszeit des Farb-TV`s

Sonst fehlt auch irgendwie das gewisse etwas.

Sonja

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