|
Geld! Davon wäre eigentlich genug da, es will nur keiner ausgeben, glaubt Ralf Husmann: "In den USA hat man in der Krise noch mehr Geld investiert – in Deutschland passiert genau das Gegenteil: das Geld wird ins Sparschwein oder ins Heuschreckenschwein gesteckt, und dann wird versucht, mit noch weniger Geld ein Programm hinzukriegen. Das lässt sich so schnell nicht wieder rückgängig machen. Mit den Folgen müssen wir dann leben."
Zeit! Bei 24 Stunden Programm ist immer ein Plätzchen frei, auf dem sich Neues ausprobieren ließe – aber das ist gar nicht das Ziel der Sender: "Das Fernsehen stellt sich immer mehr auf den flüchtigen Zuschauer ein. Die Rauswurf-Verkündungen in Castingshows beispielsweise werden bis zum Anschlag in die Länge gezogen, damit's auch wirklich jeder kapiert – während die Sitcom auf eine möglichst schnelle Taktung geeicht ist, um viele Gags unterzubringen und gute Laune zu machen", sagt Bastian Pastewka.
Vorbilder! Gibt es zuhauf, in den USA genauso wie in Großbritannien – nur sind sie den wenigsten Zuschauern bekannt, weil die Sendeplätze im deutschen Fernsehen dafür immer arg begrenzt waren: "US-Sitcoms sind in Deutschland ja meist nur als Füllmaterial für den Samstagnachmittag genutzt worden. Das hat natürlich auch Auswirkungen darauf, wie die Leute so ein Genre wahrnehmen", sagt Husmann.
|
Zuschauerbegeisterung! Wir vermissen Sitcoms einfach nicht so stark, dass es den Sendern wichtig wäre, mehr davon zu zeigen: "Bei der Late Night war es ja ganz ähnlich", sagt Ralf Husmann. "Es gab diese Phase mit Harald Schmidt, in der das bei uns erfolgreich war, mittlerweile ist es dem Publikum egal. Es hat auch niemanden gegeben, der in Schmidts Fußstapfen getreten ist – wahrscheinlich weil das den Leute nicht wichtig genug war. In den USA ist das mit Jay Leno und der Letterman-Nachfolge ein richtig großes Thema."
Ein Dauerbrenner! In den USA gab's acht Jahre lang die "Bill Cosby Show" – und bei uns? "Der Sitcom fehlt im deutschen Fernsehen eine solide Basis: drei, vier Shows, die die Leute immer sehen wollen. Dann gäbe es die Möglichkeit, rechts und links davon auch mal was Ungewöhnlicheres Absurderes auszuprobieren", sagt Husmann.
Besonderheit! Selbst Reality-Shows können witzig sein, wenn auch oft unfreiwillig oder auf Kosten der (skurrilen) Protagonisten. Auf jeden Fall sind sie günstiger zu produzieren als Sitcoms und werden deshalb von den Sendern bevorzugt. Sowas ähnliches gab es schon mal, erinnert sich Bastian Pastewka: "Als wir in den 90ern in der 'Wochenshow' Allerweltstypen und durchschnittliche Talkshow-Gäste imitiert haben, wurden wir eines Tages von 'Big Brother' überrollt – weil es für viele Zuschauer plötzlich interessanter war, Zlatko zehn Minuten beim Leberwurstbrotschmieren zuzuschauen anstatt den von uns ausgedachten Figuren, die mit der Realität gar nicht mehr mithalten konnten."
Nachwuchs! Wer soll eigentlich die ganzen Gags aufschreiben? "Auf der Macherseite ist keine Generation nachgerückt, die das als ihr Thema begriffen und reklamiert hat. Es gibt wenige Autoren, die Mitte 20 sind und versuchen, Sitcom für ihre Generation neu zu interpretieren", findet Husmann.
Mut! Die Angst vor einem neuen Flop ist so groß geworden, dass Programmen kaum noch Zeit gegeben wird, sich auf dem Sender zu entwickeln. Husmann: "Es wird sicher in den nächsten Jahren nicht einfacher, im ohnehin schon schwierigen Fernsehmarkt Projekte zu machen, die einen gewissen experimentellen Charakter haben. Ich mache mir gerade nicht so viel Hoffnung, dass ich bald noch mal sowas wie 'Dr. Psycho' schreiben darf."
|