Pocher, Maulwurf-Kamera, 3D-Analysen: Was Sat.1 für die "ran"-Rückkehr plant
17. August 2009, 14:21
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"ran" kommt wieder! Freuen Sie sich schon?
Ach, nicht so? Dann sind Sie immerhin nicht allein. Beim Fußballmagazin "11 Freunde" herrscht auch schon leichte Panik. Stellen Sie sich nicht so an, da müssen wir jetzt halt gemeinsam durch. Und das geht am besten mit einer guten Vorbereitung. Freundlicherweise hat sich der neue Sat.1-Sportchef Sven Froberg bereit erklärt, uns dabei zu unterstützen. Also: los.
Die wichtigste Änderung: Mit der Fußball-Bundesliga hat das neue "ran" nichts mehr zu tun, stattdessen zeigt Sat.1 künftig mittwochs und donnerstags Spiele aus Champions League und Europa League mit deutscher Beteiligung. Ausnahmsweise am Dienstag geht's gleich mit einer absoluten Spitzenbegegnung los: dem Qualifikationsspiel des VfB Stuttgart gegen den, äh, rumänischen FC Timisoara. Froberg hat sich für die Berichterstattung ein komplett neues Team aufgebaut, weil Sat.1 sowas wie eine Sportredaktion in den vergangenen Jahren ja nicht wirklich gebrauchen konnte. Davor war er Chefredakteur beim DSF und hat sich schon bei Premiere um die Champions League gekümmert. 1992 fing er als Praktikant bei "ran" an und musste in den Proben Interviewpartner doubeln. Zwischen 1997 und 2002 war er Redakteur und Leiter der Sendung.
Ok, ok. Und wer macht jetzt alles mit?
Naja: Johannes B. Kerner halt. Im F.A.Z.-Interview hat der Sat.1-Geschäftsführer Guido Bolten neulich ja schon erklärt, dass er ihn mit Ausschnitten aus alten "ran"-Tagen geködert hat. Auch Kerner war damals bei der "ran"-Premiere dabei. Oliver Welke kam sozusagen in der zweiten Moderatoren-Generation dazu und ist jetzt die zweite Hälfte der Sat.1-Doppelspitze. "Experte" ist der unvermeidliche Franz Beckenbauer.
Noch nicht so bekannt ist Andrea Kaiser, 27 Jahre alt, die für das DSF "Bundesliga aktuell" und die "Moto GP" moderierte (und auf ihrer Website unter anderem www.bryanadams.com empfiehlt – aber es hat ja jeder so seine Laster). Froberg sagt: "Neue Gesichter sind wichtig für 'ran', um immer wieder zu überraschen. Ich glaube, dass wir das mit Andrea schaffen werden, sie hat beim DSF bewiesen, dass sie authentisch und erfolgreich über Fußball reden kann." Das Klischee, dass es "auch was Hübsches" vor der Kamera brauche, will der Sat.1-Sportchef aber nicht bedienen: "Es geht ganz klar darum, eine Journalistin im Team zu haben, die Biss hat und die Spieler zu sich holt. Wenn die lieber bei ihr stehen bleiben, ist das natürlich nicht schlecht – dann müssen aber auch die Fragen sitzen." Und nur damit Sie sich schon mal auf's Meckern vorbereiten können: Mittelfristig will Froberg auch eine weibliche Kommentatorin finden. "Die darf dann nur nicht reden wie ein Kerl."
Was kommt wieder?
"Ein Unwort", schimpfte die Kritik damals über den Titel der Sendung. Jetzt ist zumindest das "ran"-Logo mopdernisiert worden und sieht kantiger aus als in den 90ern, fast ein bisschen wie aus dem Star-Trek-Kosmos. Ach, und erinnern Sie sich noch an den Tisch, der aus den drei "ran"-Buchstaben bestand? Den soll's tatsächlich auch wieder geben, diesmal in einer Plexiglasversion. Damit hat es sich dann aber auch schon mit der Deko. "Der Trend geht dahin, näher ans Spiel zu rücken und auf ein zentrales Studio zu verzichten. Einer der Kritikpunkte an 'ran' war früher: Da wird zu oft geklatscht, ständig kommt ein Gast. Das wird es nicht mehr geben: Wir werden keine Distanz mehr zwischen der Präsentation und dem Spiel haben", verspricht Froberg, weil die Übertragungen natürlich immer live aus den Stadien kommen. (Obwohl das rumänische von oben eher ein bisschen mitgenommen aussieht.)
Ein Comeback gibt's auch für die ehemalige "ran"-Datenbank, mit der Sat.1 damals Spielaktionen auswertete bis den Zuschauern die Köpfe rauchten. (Dass das System 6 Millionen Mark gekostet hatte, sorgte damals für Erstaunen; vielleicht amüsieren wir uns dann 2026 auch über die läppischen 30 Millionen Euro, die das ZDF für sein neues "heute"-Studio ausgegeben hat.) Womöglich zählt der Computer außer Ballkontakten und Torschüssen inzwischen auch mit, wie oft auf den Rasen gerotzt wird.
Was fällt weg?
Das klatschende Publikum. Also: wenn man mal von den zehntausenden Menschen absieht, die hinter Kerner, Welke und Beckenbauer in den Stadien sitzen
Was ist alles neu?
"Wir müssen uns in der Live-Berichterstattung am Standard messen lassen, den andere Sender in den vergangenen Jahren etabliert haben, werden aber natürlich auch versuchen, wieder ein paar Prozent besser zu sein", kündigt Froberg an – und kramt eine neue Technikspielerei heraus: das 3D-System Piero, mit dem sich Spielsituationen dreidimensional nachstellen lassen, sogar aus der Sicht jedes beliebigen Spielers: "Damit können die Zuschauer zum Beispiel den Sololauf aus der Sicht von Lionel Messi vom FC Barcelona erleben. Und wir können nicht nur dazu sagen: Wie schnell war er bei dieser Aktion? Sondern auch: Wie schnell ist damit verglichen ein Sprinter wie Usain Bolt."
Gut, über den Sinn eines solchen Vergleichs lässt sich natürlich streiten. Es sei denn, Usain Bolt sitzt bereits an der Planung einer zweiten Karriere, der Mann scheint ja nicht ausgelastet zu sein mit dem, was er bisher macht.
Eine neue Kamera gibt's auch: "Maulwurf-Cam" sagt Froberg dazu, weil sie hinterm Tor Bilder direkt über der Grasnarbe aufnimmt. Und unter ran.de sollen alle Spiele im Livestream zu sehen sein. Eventuell klappt's sogar mit eigenen Spielanalysen von Beckenbauer, die sich nach dem Spiel online abrufen lassen.
Und dann kommt: Oliver Pocher, der von Zeit zu Zeit als Reporter eingesetzt werden soll, um die Stars des europäischen Fußballs zu begleiten, diesmal glücklicherweise ohne seine traurigen Spielerparodien, für die man sich immer so arg fremdschämt. Froberg versichert hingegen: "Es macht großen Spaß, wenn Oliver Pocher einen wie Mario Gomez trifft. Solche Elemente brauchen wir, aber sicher nicht zu Lasten aktueller Trainerinterviews."Die Idee des neuen "ran" ist letztlich gar nicht so anders als die von früher: Der Fußball soll emotionaler präsentiert werden, das Rahmenprogramm unterhaltender sein, um auch die Zuschauer zu kriegen, die nicht zu den knallharten Fußball-Freaks gehören. Das wird auch im Jahr 2009 nicht allen gefallen.
"Ich gebe gerne zu: Bei 'ran' war das Drumherum manchmal etwas übertrieben", sagt Froberg. "Wir dürfen nicht künstlich wirken, sondern müssen den Leuten, die vor dem Fernseher einen tollen Abend haben wollen, ein journalistisch hochwertiges Produkt abliefern – auf unterhaltsame Weise." Da soll noch mal einer sagen, Praktika beim Privatfernsehen würden sich nicht lohnen.
Noch mehr über das renovierte "ran" steht am Dienstag in der gedruckten F.A.Z.
Fotos: Sat.1