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Das Fernsehblog

Genauso doof wie die anderen: "Explosiv" und das falsche Jackson-Video

27. August 2009, 20:23 Uhr

"Ja, wir haben ein Video gefälscht, und: ja, wir haben das mit Absicht getan", hat Nazan Eckes in der "Explosiv"-Sendung vom Donnerstag gestanden, und es klang nicht nur wahnsinnig stolz, sondern auch ein klitzekleines bisschen nach Rechtfertigung.

So richtig freundlich waren die Reaktionen schließlich nicht, nachdem RTL heute zugab, ein auf Youtube aufgetauchtes Video, in dem ein quicklebendiger Michael Jackson in einer Tiefgarage einem Leichenwagen entsteigen soll, selbst gedreht zu haben. Zum einen, weil vorher zahlreiche Medien drauf reingefallen waren und sich die Nachricht, Jackson könnte am Leben sein, rasend schnell im Internet verbreitete. Und zum anderen, weil RTL sich nun fragen lassen muss, ob man nicht auch verstorbenen Pop-Helden nach deren Tod noch sowas wie eine Restwürde lassen müsste anstatt Spielchen mit ihnen zu treiben.


Screenshot: RTL

Wahrscheinlich hatte Nazan Eckes da aber schon ihre Bewerbung für den Deutschen Fernsehpreis fertig formuliert und wollte sich nicht von irgendwelchen Moralaposteln reinpfuschen lassen:

"Man kann das geschmacklos finden, aber eigentlich sind wir nur auf einen Zug voller Gerüchte aufgesprungen, der schon längst losgefahren war."

Der Zug, auf den Eckes mit ihrer Redaktion aufgesprungen ist, fährt übrigens nach Idiotistan, von dem niemand so genau weiß, wo das eigentlich liegt, sondern nur, dass es dort ziemlich voll sein muss. Überall auf den Bahnsteigen sitzen Verschwörungstheoretiker, die nichts Besseres zu tun haben als sich gegenseitig zu erklären, warum Jackson vielleicht noch am Leben sein könnte. Und da dachte sich RTL: Denen zeigen wir mal, wie doof das wirklich ist (Beitrag bei rtl.de ansehen).

Herausgekommen ist ein Video, auf das vielleicht deshalb so viele Leute reingefallen sind, weil es gut inszeniert ist: Die Bilder sind unscharf und verwackelt und suggerieren Echtheit, im Hintergrund keucht der Hobbyfilmer angestrengt, so als hätte er sich sehr beeilen müssen, die Aufnahmen durch das Drahtgitter zu machen. Der Leichenwagen sieht aus wie ein amerikanischer Leichenwagen, eine schmächtige Gestalt mit einem weißen Hemd und längeren dunklen Haaren steigt aus. Den Rest erledigt die Phantasie. Am Donnerstag zeigte "Explosiv", wie einfach es war, das hinzukriegen: Die Redaktion hat einen amerikanischen Transporter bekleben lassen, ihn in eine Düsseldorfer Tiefgarage gestellt, ein geliehenes Warnlicht aufs Dach gelegt und einen blass geschminkten 14-Jährigen gebeten, auszusteigen, während ein Bodyguard vor ihm steht.

"Eigentlich gibt es schon einige Anhaltspunkte, die darauf hindeuten, dass unser Video gestellt ist",

rühmte sich der Off-Sprecher. Aber Zeit, um zu erklären, warum das "ein offensichtlich falsches Video" (Eckes) war, blieb keine, weil ja genüsslich ausgekostet werden sollte, dass alle drauf reingefallen waren. Die "Verschwörungstheoretiker", die "rumgesponnen" hätten, und die Medien, die einfach so Topnachrichten draus machten. "Explosiv" war sich nicht mal zu blöd, die Redaktion eines Videoklatsch-Magazins zu besuchen, die zuständige Redakteurin zum Interview zu bitten und dann vor laufender Kamera zu fragen, was sie denn sagen würde, wenn sie erführe, dass RTL das Video gedreht habe. Tja. Da ist der Frau erst mal die Miene eingefroren und anschließend nichts anderes eingefallen als:

"Dann gratuliere ich Ihnen dazu. Sie haben das wirklich gut gemacht."


Screenshot: RTL (Verfremdung von uns)

Aber das ist natürlich Quatsch. Es gibt überhaupt keinen Grund für Gratulationen – und das merkt man auch sofort, wenn man fragt: Wozu der ganze Unsinn?

Um zu zeigen, wie schnell sich Verschwörungsvideos im Internet verbreiten und wie leichtgläubig die Menschen sind, sagt "Explosiv". Aber hallo! Ist ja spitze, dass das endlich mal jemand bewiesen hat. Vielleicht prüft als nächstes mal einer von RTL, ob es diese Schwerkraft, von der immer alle reden, wirklich gibt. Nüchtern betrachtet hat "Explosiv" gar nichts bewiesen. Außer dass das deutsche Fernsehen noch doofer sein kann als das amerikanische, weil es die Verschwörungsvideos, über die es berichtet, auch noch selbst drehen muss.

Leider ist zu befürchten, dass die Redaktion ernsthaft der Ansicht ist, mit dieser Geschichte etwas Investigatives geleistet zu haben. Das zeigt, wie arm es um den Journalismus dort bestellt ist, bei einem Sender, der mit seinen Klatschmagazinen zu den größten Gerüchteschleudern des Landes gehört und jederzeit bereitwillig auch noch den wildesten Promitratsch von amerikanischen Websites nachplappert und abfilmt, ohne sich auch nur im Geringsten dafür zu interessieren, was davon stimmen könnte. Als neulich Aufnahmen kursierten, in denen ein angeblicher Geist in Jacksons Villa zu sehen war, tat auch RTL ganz aufgeregt, und dass es sich bei dem Geist vielleicht nur um den Schatten eines Angestellt gehandelt hatte, war erst einmal Nebensache.

Aber so ist das nunmal: Es wirkt unglaubwürdig, anderen eine Leichtgläubigkeit vorzuwerfen, mit der man sonst selbst sein Geld verdient. Man kann das geschmacklos finden.

Oder einfach nur verlogen und dumm.

Veröffentlicht 27. August 2009, 20:23 von Peer Schader
Kommentare

Muriel

27. August 2009, 21:30

http://ueberschaubarerelevanz.wordpress.com/

Ich weiß ja immer noch nicht, wo ihr die Nerven hernehmt, euch diesen ganzen Kram anzusehen. Oder reagiert ihr auf konkrete Hinweise und müsst dann nur bestimmte Szenen prüfen?

Nebenbei: "... nur, dass es dort ziemlich voll sein muss." Der war richtig gut!

Peer Schader

27. August 2009, 21:33

@Muriel: Der Beitrag war nur 5 Minuten lang und angekündigt. Insofern: Kein Unglück.

Robert

27. August 2009, 21:50

Ich verstehe den Ärger nicht. Ich finde das eine spannende Sache, und warum soll RTL sowas nicht zeigen, wie leichtgläubig die Internetgemeinde ist und wie fix die Medien drauf reinfallen?

Daniel

27. August 2009, 22:20

Aber mal ehrlich: würden Sie diese Aktion vielleicht als Medienkritik würdigen, wenn das Video nicht von RTL, sondern... sagen wir mal... von irgendeinem Bildblogger oder einer sonstigen Privatfigur mit Anspruch zur Gegenkultur stammen würde? Ob da nicht nur EXPLOSIV eine Doppelmoral an den Tag legt, sondern auch Sie?

Frederik

27. August 2009, 22:25

"Aber Zeit, um zu erklären, warum das "ein offensichtlich falsches Video" (Eckes) war, blieb keine"

Das wird dann bestimmt bei Galileo geklärt.

Ariane

27. August 2009, 23:12

Das war doch keine Medienkritik, man wollte wohl eher zeigen, dass andere auch so blöd wie RTL sind und jeden Mist glauben. Aber damit das nicht weiter auffällt und gut wirkt, tut man so, als hätte man eine aufklärerische Leistung vollbracht.

*hust* Hab heute übrigens zufällig bei RTL exklusiv reingezappt, wo über Michael Jackson berichtet wurde, dass es a) Gerüchte um einen unehelichen Sohn gibt, b) dass es verwirrend ist, weil es ja auch Gerüchte gibt, dass er unfruchtbar ist und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, c) der Kommentator sich beschwerte, dass niemand den armen Michael Jackson in Frieden ruhen lasse.

Jetzt warte ich nur auf jemanden, der ein neues Fake-Video dreht, dessen Erstausstrahlung exklusiv bei RTL zu sehen ist.

konix

27. August 2009, 23:40

@ Peer Schrader, haben Sie eigentlich in den letzten ca. zwei Monaten mal RTL Punkt 12 gesehen? Die haben da jetzt auch so einen "Investigativer-Journalismus"-Flash bekommen, da dreht sich einem echt der Magen um. Sehe das immer schon mal zufällig und weiß deshalb nicht, ob diese Rubrik jeden Tag in der Sendung ist, aber es ist echt unglaublich; von den "investigativen" Journalisten" ausgemachte Bösewichte werden teils tagelang beschattet, Fuß in die Tür, Interview-Versuche noch auf der Toilette, suggestive Fragen an die Opfer ("Wie schlimm fandest du das denn?"; "Wie sehr wünschst du dir denn jetzt, dass der bestraft wird?"). Das stellen die sich unter G. Wallraff vor? DAS ist wirklich zum Kotzen.

hllo

28. August 2009, 09:04

"...eines Angestellt gehandelt... " Eines Angestellten?

Sabine

28. August 2009, 09:44

Ich weiß nicht, warum sich alle aufregen: Es liegt doch am Zuschauer, was er ansieht und was nicht. Und solange es genügend Idioten gibt, die diese Programme einschalten...

Es hat jeder selbst in der Hand (im wahren Wortsinne die Fernbedienung), solche Formate durch Hebung der Quote zu unterstützen oder eben nicht. Wenn ich sowas lese, zahle ich frohen Mutes meine Fernsehgebühren und bin froh, dass öffentlich-rechtlich solche Entgleisungen eher nicht vorkommen.

Patrick

28. August 2009, 09:59

Ich verstehe die Aufregung ueber das gefakte Video auch nicht. Veraendert ein Blogger den Namen unseres Wirtschaftsministers in der Wikipedia und alle fallen drauf rein, so jubelt die Blogosphaere. Hehe, die Doofen und die nennen sich die Qualitaetsjournalisten. Kommt aber das Regenbogenfernsehen mal auf die Idee, was aehnliches zu probieren, ist die Empoerung gross. Kann ja nicht sein, dass die auch mal etwas Interessantes hinkriegen.

Oder ist ihnen nicht aufgefallen, dass ihr Satz 'Es gibt überhaupt keinen Grund für Gratulationen – und das merkt man auch sofort, wenn man fragt: Wozu der ganze Unsinn?', 1:1 auch auf die Gutenbergsache anwendbar ist?

özlem

28. August 2009, 10:00

Der Artikel ist echt klasse geschrieben. Thumbs up!!!

Es muss schlecht um RTL bestellt sein, dass sie durch Gerüchte und gefälschte Videos hohe Einschaltquoten erzielen müssen.

Ich wünsche RTL jedenfalls weiterhin eine gute Fahrt in die Niveaulosigkeit!

Jules

28. August 2009, 10:09

Ich habe den Beitrag zufälligerweise gesehen und war eigentlich gar nicht mehr erstaunt. RTL hat schon früher bewiesen, wie tief das Niveau des Senders gesunken ist. Immer noch sehr beeindruckend finde ich den tragischen, fast verzweifelten und fragenden Unterton der Moderatorinnen, wenn sie einen Bericht anmoderieren. Das löst bei manchen Leuten Mitgefühl aus, bei mir höchstens nen schrägen Blick.

elbsegler

28. August 2009, 10:43

"Ja, wir haben ein Video gefälscht, und: ja, wir haben das mit Absicht getan", sagte Nasan Eckes. Donnerwetter! Allein dieser Satz sagt alles über die Dummheit, die Dreistigkeit und die Skrupellosigkeit dieses Senders und seiner Mitarbeiter. Diese Totengräber des Journalismus als "Journalisten"zu bezeichnen, verbietet der Anstand. RTL dreht tatsächlich Videos "mit Absicht". Wer hätte das gedacht. "Gefälscht" war dieses Video aber nicht. Falsch war die Behauptung, es handele sich um eine reale Szene. RTL hat vorsätzlich eine Falschmeldung produziert und diese auch noch mit einem dazu hergestellten Video "belegt". Das ist schon Skandal genug, aber nun brüstet man sich auch noch damit, "aufgedeckt" zu haben, dass es Menschen gibt, die auf einen Betrug hereinfallen. Aber keine Sorge, liebe RTL-Macher. Zukünftig weiß man ja, welche Glaubwürdigkeit solchen Meldungen Ihres Senders zukommt. RTL hat mal wieder gezeigt, dass dort um der Quote willen alles erlaubt ist. Anstand, Moral und Berufsehre sind dabei nur im Wege. Da kann der Herr Klöppel als Alibi-Figur sich noch so abstrampeln. Wer einmal lügt dem glaubt man nicht ... Bloß gut, dass man für diesen Schmuddelsender keine Gebühren zahlen muss. Aus dem Programmspeicher meines Fernsehers habe ich diesen Sender schon lange gelöscht.

SteanHater

28. August 2009, 11:18

Ich muss Mitkommentator Daniel da doch irgendwie zustimmen. Wäre diese Aktion nicht von "Explosiv" gestartet wurden, würde hier höchstwahrscheinlich kein bzw. ein anderer Artikel stehen. Der ein oder andere erinnert sich vielleicht noch an die Guttenbergsche Vornamenvermehrung, die im Ansatz doch große Ähnlichkeit aufweist, IMHO, und da bestand doch mehr Konsens über die Wirkung. Nichts gegen RTL/Explosiv/Privatfernsehen-Kritik, aber in diesem Fall nicht unbedingt berechtigt.

Sunny Peran

28. August 2009, 11:22

RTL... die abgedrehte Bildzeitung im doppeldeutigen Sinne. Ein aufgepimptes Frisurenmodel erklärt uns die Welt, erklärt uns mit langer Nase: "Seid ihr doof, wir waren das!" Dümmer eigentlich nur die sozialisierte Teilgemeinde der Internetbewohner, die sich auf jeden  stürzen. Und Seiten wie YouTube? Kann ich nicht ernst nehmen. Schüler stellen Prügeleien per Handy gefilmt ins Netz, in den Kommentaren Nazi-Parolen vom Feinsten und der große Deckmantel heisst dann: "Meinungsfreiheit".

Ich möchte mir nicht ausmalen was wäre, wenn in Frau Nazans Familie jemand das Zeitliche segnet und irgendein Prollsender daraus solche Geschichten dreht. Da würden die wohl frisierten Haare zu Berge stehen und die Seele am Boden liegen. Aber solange es immer nur um andere geht: Ist ja alles in Ordnung.

Ich MUSS mir den Schwachsinn ja nicht anschauen, aber so langsam tendiere ich dazu mein TV-Gerät aus dem Fenster zu schmeißen und zu verbrennen. Das Video schicke ich an RTL mit den Worten: "Garantiert echt!"

Manchmal kann man nicht so viel Fernsehen wie man kotzen möchte....

Peer Schader

28. August 2009, 11:52

@Patrick/SteanHater: Habe ich behauptet, die Wikipedia-Manipulation gut gefunden zu haben? Bin ich "die Blogosphäre"? Hier geht es darum, dass eine Redaktion sich über etwas lustig macht und echauffiert, dass sie sonst täglich selbst praktiziert.

Hongkonghenry

28. August 2009, 11:57

Der Autor klingt verbittert!

elbsegler

28. August 2009, 14:44

@SteanHater

Gibt es vielleicht doch noch einen Unterschied zwischen einem (privaten) Spaßvogel, der in Wikipedia Herrn v. Guttenberg ein paar Vornamen andichtet und einem mit staatlicher Genehmigung arbeitenden Medienunternehmen wie RTL? Gelten fürs "Unterschichtenfernsehen" keine journalistischen Regeln mehr?  Ist jetzt das ganze Jahr über 1. April?

Patrick

28. August 2009, 15:10

Hallo, ich bin's nochmal.

Zunaechst einmal moechte ich erklaeren, wie ich die Verbindung zwischen Gutenberg und hier hergestellt habe. Ich bin auf das Fernsehblog ueber Herrn Niggemeiers Blog gestossen.

Dort wurde die Wikipedia-Manipulation als Beispiel hergenommen, das es mit dem Qualitaetsjournalismus im Moment nicht weit her ist. Ich nehme zumindest an, dass sie mit den Meinungen, die dort ausgesprochen werden im Grossen und Ganzen uebereinstimmen (ich ja auch), die beiden Blogs beziehen sich ja ziemlich oft aufeinander. Nun ja, bei Niggemeier ist jedenfalls eher der Umgang mit der Falschmeldung verwerflich als das produzieren eben dieser.

Mir ist aufgefallen, dass es bei der RTL-Meldung um eine ganz aehnliche Sache geht und der einzige Grund, warum diesmal der Produzent der Buhmann ist, scheint eben, dass es sich um Privatfernsehen handelt.

Ja, Explosiv ist sehr gut in praktizierter Doppelmoral, aber deswegen sollte man nicht alles, was dort so gemacht wird, per se verdammen. In diesem Fall sieht es zumindest aus, dass mit zweierlei Mass gemessen wird. Wenn ich mich da irre, so entschuldige ich mich dafuer.

Ach ja, ich denke schon, dass man den fernsehblog zur Blogospaehre dazuzaehlen kann.

Paule

28. August 2009, 15:19

Wenn sich ein Sender Ereignisse, über die er anschließend berichten will, schon von vorn bis hinten selbst bauen muss, dann ist es wirklich schlecht bestimmt...

Aber seit dem Erfolg der Fake-Dokus gehört das wohl zum Geschäft.

Peer Schader

28. August 2009, 16:23

@Patrick: 1. Ich würde gerne für mich in Anspruch nehmen können, unabhängig vom Kollegen Niggemeier eine Meinung haben zu dürfen.

2. Ich verdamme nicht "per se", was "Explosiv" macht, sondern kritisiere am konkreten Beispiel. Viel konkreter geht's glaub ich nicht als in diesem Fall.

Torsten

28. August 2009, 18:29

Unfassbar. Das toppt sogar die gefakte Nachrichtenschalte bei Pro 7 ( faz-community.faz.net/.../alles-muss-raus-glaubwuerdigkeits-ausverkauf-bei-pro-sieben.aspx ).

Sunny Peran

28. August 2009, 21:13

Wie viele Formate buhlen eigentlich auf wie vielen Sendern um die Gunst wie vieler Zuschauer? Die Privatsender mutieren scheinbar zu Rudis Resterampe oder (um beim Thema zu bleiben) zum "Ramba-Zamba-Walzer" der 1-Euro-Shops. Jeden Tag für so unwichtige Sendungen wie "Taff" noch unwichtigeres Material zu finden dürfte mit weniger Erfolg gekrönt sein als auf einem Fussballfeld eine Stecknadel zu finden. Da muss dann halt das ganze Fussballfeld mit eigenen Nadeln bedeckt werden um den Rasen der Realität unter sich zu begraben - um es mal mit schmackig-sülzigen Worten zu umschreiben.

Na dann Nazan: Darauf einen Eckes Edelkirsch....

jenny

29. August 2009, 11:08

ich schliesse mich özlems kommentar an!

Tom71

30. August 2009, 12:08

Natürlich kann man darüber streiten, was mit dem gefakten Video letzendlich bewiesen wurde .... die Idee finde ich aber grundsätzlich gut. Weltweit wurde dieses Video gezeigt, selbst die seriösen Sky-News in England haben es ausgestrahlt. Die Frage ob etwas an den Bildern echt sein könnte hat dort erstmal niemanden interessiert. Die Bilder waren einfach so schön spektakulär... auf sowas wollte man wohl auch in England nicht verzichten oder als Letzter mit der Topmeldung um die Ecke kommen. Wenn FAZ, WELT oder Süddeutsche oder Medienmagazine wie NDR Zapp oder Herr Schlegel von Extra3 dieses Video mit genau der gleichen Idee in Umlauf gebracht hätten (... und RTL auf den Fake reingefallen wären), würden jetzt laut applaudiert und sich auf die Schulter geklopft. "Guckt mal wie doof die bei RTL sind..." An der Frage, was dann mit dem Video bewiesen worden wäre, hätte das auch nicht geändert. Also, ich fand´s gut.

Ralf Ullrich

30. August 2009, 19:15

Nun ja Mike hate vielle Fans die Ihn gerne wieder haben möchten ähnlich wie bei Elvis der lauft ja für mansche auch noch rum

Torsten

31. August 2009, 10:40

@Tom71: Das Problem ist eben, dass ein Boulevard-Format wie "Explosiv" nicht mit Steinen auf Andere werfen sollte, solange sie selbst im Glashaus sitzen. Wie im Artikel schon erwähnt wurde, werden bei diesem und ähnlichen Formaten doch selbst mit Halbwissen und Spekulationen haufenweise Gerüchte in die Welt gesetzt, ohne sie zu prüfen. Also ist so ein Format nun wirklich der Letzte, der sich hier zum Helden und Moralapostel aufzuspielen hat, und so eine billige Aktion dann auch noch zur Heldentat aufbläst und wahrscheinlich schon auf die Pulitzer- und Friedensobelpreis-Nominierungen wartet.

Sorry, aber das ist an Heuchelei und Unglaubwürdigkeit nicht mehr zu überbieten.

elbsegler

31. August 2009, 11:48

@Tom71

Schon mal auf die Idee gekommen, das ein Journalist, der Ernst genommen werden will, zwingend darauf angewiesen ist, dass man seinen Informationen glauben kann. Als Satire wäre ein solcher Beitrag natürlich denkbar., aber dann muss er auch als solche erkennbar sein. Ihre alles in einen Eimer werfende Rechtfertigungslogik hat einen entscheidenden Fehler: FAZ, Süddeutsche oder die Welt würden eine solche "Meldung" niemals bringen. Das unterscheidet eben seriösen Journalismus, der mehr will, als nur Quote und Kohle zu machen, von dem der Knallpresse und des Dummfernsehens á la RTL.

Was soll eigentlich an dem Beitrag so gut sein? Dass mit ihm RTL oder zumindest diese sagenhaft einfallslose Explosiv-Redaktion das letzte Bisschen Vertrauen verspielt hat? Dass nun "bewiesen" ist, dass es andere Medien gilt, die auf einem ähnlich niedrigen Niveau angesiedelt sind, wie RTL?

Begreifen diese Quotensklaven bei RTL eigentlich nicht, dass sie mit solchen Aktionen nicht nur die eigene Glaubwürdigkeit zerstören, sondern auch dazu beitragen, das Internet von einem Informationsmedium immer mehr zu einer Spielwiese kindischer Wichtigmacher verkommen zu lassen?

P.S: Dass der deutsche Pressekodex seit dem 01.01.2009 ausdrücklich auch für Online-Medien gilt, scheint bei RTL auch noch nicht angekommen zu sein.

Auszug: "Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse."

Gormiti

02. September 2009, 17:08

Also das war auch sehr sehr geschmackslos.

Fand das absolut nicht OK.

Gruß

Andreas

Nina

07. November 2009, 23:42

Dieses Video hat viele Leute rund um den Globus erst dazu gebracht, Verschwörungstheorien über einen eventuell vorgetäuschten Tod zu entwickeln. Andere hat es in ihren Theorien bestärkt und wiederum andere waren nach der Aufklärung zutiefst erschüttert. Das große Problem bei dieser Sache ist ja u.a., dass bis zum Zeitpunkt der Aufklärung bereits knapp 800.000 Menschen das Video gesehen hatten. Mittlerweile dürften es einige Millionen sein. Diese sind aber auf dem ganzen Globus verteilt und selbst die Deutschen darunter düften keine RTL-Zuschauer sein, denn Michael Jackson hat es sie gelehrt, solche Sender zu meiden. Die Aufklärung durch RTL wird wohl nur ein Bruchteil dieser Menschen gesehen haben, die meisten anderen tappen weiter im Dunkeln.

Meiner Meinung nach sollte RTL dafür verklagt werden.

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