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"Nightwash" schleudert sich zurück ins Fernsehen

28. Oktober 2009, 19:39 Uhr

Irgendwann ist einfach der Waschsalon im Belgischen Viertel dicht gemacht worden. Hat sich nicht mehr rentiert. Sowas Blödes. Da strengt man sich jahrelang an, eine Comedyshow auf die Beine zu stellen, sucht sich dafür einen ungewöhnlichen Veranstaltungsort, holt dort regelmäßig ein Live-Publikum hin – und irgendwann schließt der Laden, weil die Waschmaschinendichte der umliegenden Haushalte explodiert ist.


Foto: ZDF

Richtig viel Glück hat Klaus-Jürgen Deuser mit "Nightwash" in den vergangenen Jahren nicht gehabt. 2006 ließ ihn sein damaliger Haussender WDR wissen, dass er künftig deutlich weniger Folgen der Comedy-Nachwuchsförderung bestellen wolle, obwohl "Nightwash" eine der wenigen jungen Sendungen im Programm war. Also zog Deuser um, zum neu gegründeten Spartenkanal Comedy Central, bis 2007 tatsächlich der Waschsalon pleite machte und der Sender es für eine gute Idee hielt, die Show, die als Aushängeschild von Comedy Central funktionieren sollte, künftig etwas größer aufzuziehen. Deuser sagt:

"Comedy Central wollte es glamouröser haben, deshalb sind wir ins Gloria-Theater umgezogen und sollten mehr Stars in die Show holen – aus deren Sicht war das natürlich legitim. Ich wollte lieber eine Mischung aus alten und neuen Gesichtern."

Aber das hatte sich bald wieder erledigt: Ende des vergangenen Jahres schrumpfte MTV Networks seinen Comedysender zum Fensterprogramm, das seitdem vor allem mit synchronisierten Importserien bestritten wird und abends auf dem Platz des konzerneigenen Kindersenders Nick läuft. "Nightwash" würde man trotzdem gerne behalten, hieß es bei MTV Networks dazu noch vor einigen Monaten. Aber wenn man Deuser heute darauf anspricht, sagt er:

"Im letzten Gespräch, das auch schon recht lange her ist, hieß es: Interesse ist noch da! Aber das konnte ich jetzt nicht unbedingt als konkretes Angebot interpretieren. Von daher fällt der Wechsel jetzt nicht besonders schwer."

Der zweite Wechsel, den "Nightwash" innerhalb von drei Jahren durchmacht, ist einer zurück – zurück zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen, wo man vielleicht doch gemerkt hat, dass ein bisschen Comedy dem eigenen Profil nicht schaden  könnte. Der WDR ist zwar wieder betreuender Sender, aber gezeigt werden die Aufzeichnungen ab 5. November beim Digitalsender Eins Festival. Ein neuer Waschsalon im Kölner Stadtteil Zollstock ist sogar schon seit einigen Monaten in Benutzung, weil Deuser "Nightwash" nicht brach liegen lassen wollte:

"Als es erst einmal kein neues Angebot vom Fernsehen gab, hab ich mir gesagt. Solange ich mir das leisten kann, machen wir im Netz weiter."

Also nix mit Schleudertrauma. Ganz so schrabbelig wie früher wird es zwar nicht, die Fenster des Waschsalons sind neu beklebt worden, es gibt eine große Leuchtreklame und künftig sind bei den Auftritten auch Lampen erlaubt. Deuser findet:

"Die Sendung ist in all den Jahren natürlich professioneller geworden. Nur ist uns in dieser Zeit auch ein bisschen das Alleinstellungsmerkmal flöten gegangen. Das brauchst du aber, um dich durchzusetzen. Ich wollte die Atmosphäre wieder so haben wie zu Beginn – so setzen wir uns von allen anderen Comedyformaten ab."

Und das bedeutet: Raus aus dem Theater, zurück an die Schleuder- und Trockengeräte, damit die draußen am Laden vorbeilaufenden Leute wieder neugierig reinschauen können und die großen Scheiben im Winter so schön beschlagen. 16 neue Folgen sind vereinbart, die zunächst donnerstags um 21.15 Uhr im Fernsehen laufen (und hoffentlich auch in einer der zahlreichen ARD-Mediatheken), dazu werden wohl die alten Shows wiederholt, an denen der WDR noch die Rechte hat. Und dann wird Deuser ja auch noch für den Anfang November startenden ZDF-Digitalkanal ZDFneo aktiv.

Was genau es mit der dort geplanten Sendung "Comedy-Lab" auf sich hat, verrät er aber erst morgen. Im Fernsehblog natürlich.

Logos: WDR, Comedy Central, Eins Festival

Veröffentlicht 28. Oktober 2009, 19:39 von Peer Schader
Kommentare

Muriel

28. Oktober 2009, 21:00

http://ueberschaubarerelevanz.wordpress.com/

Na denn mal los. Die Künstler waren - naturgemäß - mal besser und mal schlechter, aber doch immerhin mal was anderes. Und das mit dem Waschsalon ist ein Spitzenkonzept.

Creature

28. Oktober 2009, 21:01

Wurde auch Zeit, dass Eins Festival hier mal lobend erwähnt wird. Meiner bescheidenen Meinung nach der beste Fernsehsender dieses Landes. Und insbesondere der Donnerstagabend dort, der mit Nightwash statt Omid Djalili zwar nicht unbedingt besser, aber wohl weiterhin zu den sehenswertesten Sendestrecken im deutschen Fernsehen gehören wird, ist großartig.

Wollte das nur mal erwähnt haben, weil sonst gerne so getan wird, als wäre das, was auf den Digitalkanälen so passiert eh zu vernachlässigen.

Götz Marx

28. Oktober 2009, 23:54

Endlich kommt das echte "Nightwash" zurück! Die Sendung bei CC war durch die große und schicke Theater-Location und durch die vielen Stars (gabs eigentlich auch Sendungen ohne Ingo Appelt?) viel zu austauschbar und sah aus wie ein Abklatsch vom QCC.

Ich finde es großartig, wie Knacki Deuser den deutschen Comedy-Nachwuchs fördert, notfalls auch aus eigener Tasche. Der Mann hat einen Orden verdient! Denn während beim RTL-Comedy-Preis Künstler einen Nachwuchspreis bekommen, die schon seit 10 Jahren auf Bühnen und im TV zu sehen sind, hat Deuser eine Menge der heutigen Stars schon vor Jahren entdeckt und unterstützt!

Ich wünsche Knacki Deuser viel Erfolg!

Oliver Rau

29. Oktober 2009, 01:01

http://www.aufrechtgehn.de

Schade nur, dass das viel gelobte Eins Festival in meinem analogen Kabel nicht zu empfangen ist. Da hatte ich von den wenigen Ausstrahlungen und vielen Wiederholungen auf dem "Fensterprogramm" Comedy Central deutlich mehr.

Kann man Nightwash nicht endlich im richtigen Fernsehen zeigen? Bitte?

hmja

29. Oktober 2009, 07:30

also die sendung finde ich gut und finde es schade dass sie nur im digi-tv kommt.aber den deuser mag ich nicht.

Martin

29. Oktober 2009, 12:21

Ich würde Nightwash ja gerne sehen und find' es ziemlich heftig, dass die öffentlich-rechtlichen Sender offensichtlich systematisch den Teil des Programms, der für unter-60-jährige zumutbar ist, auf nur digital empfangbare Kanäle auslagern. Ich wohne hier am Rande Berlins und sehe tatsächlich noch über analoges Kabel, wobei Kabel Deutschland keinen Zweifel daran lässt, dass das nicht gerne gesehen ist. Am liebsten würde man hier einen digitalen Kabelanschluss verkaufen, der aber nicht ganz unwesentliche monatliche Kosten mit sich bringen würde und sich vor allem deswegen nicht lohnt, weil ich nicht mal einen HD-fähigen Fernseher mein Eigen nenne. Satellitenfernsehen fällt auch weg, da Satellitenschüsseln hier nicht erlaubt sind, dann bliebe nur noch DVB-T. Wobei so ein Receiver ja nicht gerade eine zukunftsträchtige Investition zu sein scheint, wenn man bedenkt, dass gleichzeitig die privaten Sender drauf und dran sind, ihre Programme zu verschlüsseln. Außerdem endet die vernünftige Empfangbarkeit dieses "Überall-Fernsehens" schon an der Stadtgrenze der Hauptstadt.

Eigentlich will man ja nur fernsehen, und zwar gerne auch zur Abwechslung mal kein Programm, das aus "In aller Freundschaft" und Silbereisen besteht. Blöde Spartenkanäle.

Robi

29. Oktober 2009, 16:24

Wenn man Knacki Deuser nach einem Spiel des 1. FC Köln vor dem Müngersdorfer Stadion trifft und möchte, dass er seine gute Laune bewahrt, sollte man ihn nicht auf seine Rolle als Flugbegleiter in "Ballermann6" ansprechen.

hmja

29. Oktober 2009, 17:44

@Martin: "Eigentlich will man ja nur fernsehen, und zwar gerne auch zur Abwechslung mal kein Programm, das aus "In aller Freundschaft" und Silbereisen besteht. Blöde Spartenkanäle."

eigentlich wären die ja nich übel,wenn die ör wenigstens sendung wie du geschrieben hast mal dorhin verfrachten würden und stattdessen was für die jüngeren senden würden.

Jens

30. Oktober 2009, 09:36

Nightwash war ja durchaus mal ein Geheimtipp und hat so manchen Newcomer zum Star gemacht. Aber wenn sich das Format schon zurück ins TV schleudert: Hätte der Moderator nicht im Fusselsieb hängenbleiben können? Der ist nicht lustig, der ist albern. Aber vermutlich muss man als Erfinder eines Formats sein Ego so weit durchdrücken zu glauben, man sei auch das richtige Gesicht für die Präsentation der eigenen Erfindung...

Matthias

30. Oktober 2009, 16:14

@ Jens: Dann nenne mir mal einen, der es besser moderieren könnte als Knacki. Wird eng.

Jens

31. Oktober 2009, 05:31

Matthias, mindestens 10% der bisher dort aufgetretenen eignet sich als Moderator (oder Moderatorin) bestens - man muss nur mal loslassen können (und wollen)...

Matthias

31. Oktober 2009, 23:52

@ Jens, ich finde beispielsweise dass Knacki seinen Job ausgezeichnet macht. (Comedy ist auch Geschmackssache) Ich finde ihn lustig und wenn Du ihn Live erlebst merkst du, wie er das gesamte Publikum vor dem nächsten Künstler so sehr zum Kochen bringt. Moderation ist nicht nur lustig zu sein, sondern dem Künstler einen Hexenkessel vorzubereiten. Er muss auch bestimmte Themen ansprechen, die nicht zu den besten Parts in seinem Programm sind um den Künstler anzumoderieren.

Klar gibt es lustigere Künstler, die dort auftreten. Allerdings kann der Moderator auch nicht der allerbeste sein, da die Künstler dann recht schebig wirken würden. Außerdem ist immer einer besser als der andere. Der beste Comedian? Geschmackssache.

(Abgesehen davon, dass Knacki die ganze Geschichte selbst produziert, er sein eigener Chef ist und die Sendung quasi komplett ihm gehört, er seit 10 Jahren dahinter steht, und er alles mit viel Durchhaltevermögen aufgezogen hat.)

Ich finde ihn perfekt für die Rolle. Einige sehen das so, die anderen so. Da macht man nichts...

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